DKP
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Am 15. Juni führte die Marx-Engels-Stiftung in Münster eine Konferenz unter dem Titel „Energiepolitik – Interessen und Notwendigkeiten“ durch. Zu den Referenten zählte u.a. der stellvertretende DKP-Vorsitzende Hans-Peter Brenner, dessen Referat verlesen wurde und das wir im folgenden dokumentieren.

Marxismus, Ökologie und Klassenkampf

(…) Ich spreche zu folgenden Punkten:

1. Klimawandel: die heutigen Fakten
2. Marxismus über Kapitalismus und Ökologie. F. Engels als Vordenker
3. Historischer Materialismus über die Existenzbedingung der Gattung Mensch
4. Zum Begriff der „realen Basis“ im historischen Materialismus und ihrer ökologischen Dimension
5. Karl Marx über das „Naturwesen Mensch“
6. Das Besondere des marxistischen „Natur“- Begriffs
7. Zur Dialektik des „Naturwesen Mensch“ und des „Ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse“
8. Linke Klimapolitik zwischen antimonopolistischem Kampf und sozial-ökologischer „Transformation“

ANHANG: Natur-Mensch-Dialektik und deren Vermittlung durch den gesellschaftlichen Arbeitsprozess

1. Klimawandel – die heutigen Fakten

Die Kopenhagener Klimakonferenz vom Dezember 2011, die als grandioser Fehlschlag in die Geschichte der UNO-Klimakonferenzen eingegangen war, basierte mit ihren Einschätzungen auf den Analysen und Prognosen des UNO Klimarates (Intergovernmental Panel on Climate Change – IPCC).
Der IPCC-Report 2007 – ergänzt durch drei weitere IPCC-Berichte und zwischenzeitlich durch eine fast unübersehbare Menge weiterer wissenschaftlicher Analysen und Studien vertieft und erhärtet – präsentierte sechs Szenarien über die möglichen Folgen des sich beschleunigenden vom „Menschen“ verursachten globalen Temperaturanstieges.
Im besten Fall sei bis 2100 mit einer Erwärmung von 1,1 bis 2,9 Grad Celsius zu rechnen, im schlimmsten Fall mit 2,4 bis 6,4 Grad. Am wahrscheinlichsten sei ein Anstieg um 1,7 bis 4 Grad.
Der Meeresspiegel werde dadurch bis 2100 im besten Szenario um 19 bis 37, im schlimmsten Fall um 26 bis 59 Zentimeter steigen.
Dieser Bericht von 2007 und die anderen folgenden IPCC-Berichte wurden schon bei ihrem Erscheinen innerhalb der Gemeinschaft der Klimaforscher als viel zu „konservativ“ und nicht auf dem aktuellen wissenschaftlichen Stand stehend kritisiert.
Sie geben – eben weil sie nur den Minimalkonsens der beteiligten Staatenvertreter darstellten – zumindest aber die auf jeden Fall eintretenden Klimawandel-Effekte an.
Sie schilderten also nicht den möglich „GAU“, sondern den am niedrigsten eingestuften Gefährdungseffekt.
Doch selbst diese so moderaten Daten reichten und reichen aus, um ein viele Menschen und viele Regionen bedrohendes Klima-Drama zu verdeutlichen.
Vor allem wenn man bedenkt, dass selbst größtes politisches Einvernehmen und eine abgestimmte internationale Klimapolitik – von der wir allerdings Lichtjahre entfernt zu sein scheinen – diesen Prozess nicht mehr aufhalten wird.
Die sich häufenden Wetter-Extreme geben sind nur ein schwaches Abbild von dem, was auf viele Regionen der Welt zukommen wird.
Widerstand in breitestmöglichem Umfang ist angesagt.

Der Klimawandel kennt keine Staatsgrenzen.
Wovon sollten revolutionäre Marxisten und Kommunisten sich dabei leiten lassen? Von welchen Grundlagen können wir dabei ausgehen?

 

2. Marxismus über Kapitalismus und Ökologie. F. Engels als Vordenker

Der finnische Philosoph Dr. Kari Väyrynen hat in einem sehr bemerkenswerten Artikel „Der junge Engels und die Entstehung der marxistischen Ökologie“ auf eine viel zu lange völlig unberücksichtigte ökologische Note in der frühen Entwicklungsstufe der marxistischen Theorie hingewiesen: die Jugendarbeit von Friedrich Engels mit dem Titel Kritik der Nationalökonomie (1843-1844).
Das von Marx als „genial“ eingestufte Frühwerk verdient dieses Etikett aus mindestens drei verschiedenen Gründen. In unserem Zusammenhang ist der dritte am wichtigsten.
Zum einen gibt es keine vergleichbare Arbeit aus der Frühphase der Industrialisierung in der so offen, so konkret und realistisch die Lebenslage des sich entwickelnden modernen Fabrikproletariats dargestellt wird.
Zum zweiten – und darauf zielte Marx vor allem ab – legte Engels den Grundstein zur Kritik der bürgerlichen politischen Ökonomie.
Zum dritten aber – und dies ist für unser Thema das Entscheidende- hob Engels schon in dieser Arbeit die Frage der Natur als eine wichtige Voraussetzung der Ökonomie hervor und entwickelte erste Skizzen zur ökologischen Kritik der kapitalistischen Nutzung der Natur. Engels kritisierte in scharfen Worten die Folgen der Umwandlung von Grund und Boden in kapitalistisches Privateigentum:
„Der Grundbesitzer hat dem Kaufmann nichts vorzuwerfen. Er raubt indem er den Boden monopolisiert. … Wohin wir uns … wenden, das Privateigentum führt uns auf Widersprüche.
Es war der letzte Schritt zur Selbstverschacherung der Erde, die Erde zu verschachern, die unser Eins und Alles, die erste Bedingung unsrer Existenz ist; es war und ist bis auf den heutigen Tag eine Unsittlichkeit, die nur von der Unsittlichkeit der Selbstveräußerung ( Engels meint offensichtlich die Prostitution – HPB) übertroffen wird.
… die Monopolisierung der Erde durch eine kleine Anzahl, die Ausschließung der übrigen von der Bedingung ihres Lebens, gibt der spätern Verschacherung des Bodens an Unsittlichkeit nichts nach.“ (F. Engels: Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie; MEW 1, S. 511)
Noch früher, in seinen „Briefen aus dem Wuppertal“ (1839), beklagte Engels die „purpurnen Wogen“ der verschmutzten schmalen Wupper. Ihre „hochrote Farbe“ rühre nicht von einer „blutigen Schlacht her, denn hier streiten nur theologische Federn und wortreiche alte Weiber gewöhnlich um des Kaisers Bart ; auch nicht von Scham über das Treiben der Menschen, obwohl dazu wahrlich Grund genug vorhanden ist, sondern einzig und allein von den vielen Türkisch-Rot-Färbereien. Kommt man von Düsseldorf her, so tritt man bei Sonnborn in das heilige Gebiet; die Wupper kriecht träge und verschlammt vorbei und spannt durch ihre jämmerliche Erscheinung, dem eben verlassenen Rheine gegenüber, die Erwartungen bedeutend herab.“( F. Engels: Briefe aus dem Wuppertal, MEW 1, S. 413)
Der gerade einmal 19jährige Bursche Friedrich sah bereits die Einheit von Mensch-Natur- und Gesellschaft in ihrer sehr realistischen und konkreten Widersprüchlichkeit und Dialektik. Und er warf bereits die Frage nach den gesellschaftlichen und ökonomischen Ursachen auf.
Schon Jahre vor einer exakteren Analyse der Wirkungsmechanismen der kapitalistischen Produktionsweise erahnte und spürte Engels, welche schicksalhafte Einheit Mensch, Natur und Gesellschaft bilden. Mit fortschreitender Aneignung des damaligen Wissens um die ontologische und anthropologische Bedeutung dieser Beziehung und mit zunehmender materialistisch-wissenschaftlicher Fundierung dieses frühen Erahnens und Beschreibens dieser Zusammenhängen entwickelt sich im Werke von Engels und Marx das Wissen um den ökologischen Imperativ der Mensch und Natur schicksalhaft verbindet.
Dieses frühe Wissen oder Erahnen fassten sie in ihrer gemeinsamen Jugendarbeit „Die deutsche Ideologie“, die zur „eigenen Selbstverständigung“ geschrieben und erst viele Jahre nach ihrem Tod veröffentlicht wurde, zusammen. Sie beschrieben darin erstmals systematisch ihre „materialistische Geschichtsauffassung“. Sie legten seinerzeit dar, dass sie bei den „voraussetzungslosen Deutschen damit anfangen (müssen) dass wir die erste Voraussetzung aller menschlichen Existenz, also auch aller Geschichte konstatieren, nämlich die Voraussetzung, dass die Menschen imstande sein müssen zu leben, um ´Geschichte machen` zu können.“ (K. Marx / Friedrich Engels: Die deutsche Ideologie, MEW 3, S. 28).
Bei der Problematik Ökologie und forcierter Klimaveränderung geht nach marxistischem Verständnis um diese „Voraussetzung“ menschlicher Existenz und Politik. Ohne intakte Umwelt, ohne ein den Menschen, Tieren und Pflanzen erträgliches Klima gibt es keine Existenz für das organische Leben auf unserem Planeten.

 

3. Historischer Materialismus über die Existenzbedingung der Gattung Mensch

F. Engels und K. Marx fassten dieses frühe Wissen oder Erahnen in ihrer gemeinsamen Jugendarbeit „Die deutsche Ideologie“ zusammen. Diese wurde zur „eigenen Selbstverständigung“ geschrieben und erst viele Jahre nach ihrem Tod veröffentlicht.
Sie beschrieben darin erstmals systematisch ihre „materialistische Geschichtsauffassung“.
Marxisten und Kommunisten lassen sich oder sollten sich eigentlich von dem von K. Marx im „Kapital“ formulierten „ökologischen Imperativ“ leiten lassen, dass jede Generation Verantwortung für die Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen trägt.
„Selbst eine ganze Gesellschaft, eine Nation, ja alle gleichzeitigen Gesellschaften zusammengenommen, sind nicht Eigentümer der Erde. Sie sind nur ihre Besitzer, ihre Nutznießer, und haben sie als boni patres familias (gute Familienväter) den nachfolgenden Generationen verbessert zu hinterlassen.“(1)

Ähnlich formulierte es später Engels in seinem Alterswerk „Dialektik der Natur.“ Zunächst erhob er mahnend seine Stimme, indem er auf den Unterschied zwischen der Einwirkung der Tiere im Vergleich zu den Menschen auf die Natur hinwies:
„(…) Das Tier benutzt die äußre Natur bloß und bringt Änderungen in ihr einfach durch seine Anwesenheit zustande; der Mensch macht sie durch seine Änderungen seinem zwecke dienstbar, beherrscht sie. Und das ist er letzte, wesentliche Unterschied des Menschen von den übrigen Tieren, und es wieder die Arbeit, die diesen Unterschied bewirkt.
Schmeicheln wir uns indes nicht zu sehr mit unsern menschlichen Siegen über die Natur. Für jeden solchen Sieg rächt sie sich an uns. Jeder hat in erster Linie zwar die Folgen, auf die wir gerechnet, aber in zweiter und dritter Linie hat er ganz andre, unvorhergesehene Wirkungen, die nur zu oft jene ersten Wirkungen wieder aufheben.“
Und er verweist dann auf die Verödung weiter Regionen in Mesopotamien und im gesamten Mittelmeerraum durch die Abholzung der Wälder.“
Daran schließt sich dann eine Variante des ökologischen Imperativs aus dem „Kapital“ von K. Marx an: „Und so werden wir bei jedem Schritt daran erinnert, dass wir keineswegs die Natur beherrschen, wie ein Eroberer ein fremdes Volk beherrscht, wie jemand der außer der Natur steht – sondern dass wir mit Fleisch und Blut ihr angehören und mitten in ihr stehn, und dass unsre ganze Herrschaft über sie darin besteht, im Vorzug vor allen andren Geschöpfen ihre Gesetze erkennen und richtig anwenden zu können.“(2)

Die theoretischen Zwischenstationen zu diesem ökologischen Imperativ waren auf diesem Wege sowohl für K. Marx wie für F. Engels die Philosophen G-F. Hegel und L. Feuerbach. Kari Väyrynen schreibt dazu:
„Engels würdigte insbesondere die Analysen Hegels sehr hoch. Obwohl Ludwig Feuerbach sowohl für Marx und Engels als ein anthropologischer Materialist ein sehr wichtiger Denker in der Formung ihres Naturbegriffs war, hatte auch die Hegelsche Dialektik einen bleibenden Wert. Engels pries Feuerbach beinahe mit den gleichen Worten wie Hegel: die Natur ist für uns nicht mehr fremd, sie ist unseres ´innerstes, eigenstes Wesen` und die Welt ´ist wieder ein Ganzes, selbständig und frei`.“(3)

Doch was hat dies mit dem „Kapitalismus“ und seiner „Krise“ zu tun?

Grundsätzliches dazu finden wir ebenfalls bei den beiden „Ur-Kommunisten“. So schrieb z.B. Karl Marx im „Kapital“, dass das kapitalistische Profitsystem aus sich heraus, grundsätzlich und zu aller Zeit – also „sui generis“ – gegenüber der Natur sich räuberisch und zerstörerisch verhält, weil es darin lediglich einen stofflichen „Produktionsfaktor“ sieht, der den Gesetzen der kapitalistischen Verwertung unterworfen ist.
“ …jeder Fortschritt der kapitalistischen Agrikultur ist nicht nur ein Fortschritt in der Kunst, den Arbeiter, sondern zugleich in der Kunst, den Boden zu berauben, jeder Fortschritt in Steigerung seiner Fruchtbarkeit für eine gegebne Zeitfrist zugleich ein Fortschritt im Ruin der dauernden Quellen dieser Fruchtbarkeit. Je mehr ein Land , wie die Vereinigten Staaten von Nordamerika z.B., von der großen Industrie als dem Hintergrund seiner Entwicklung ausgeht, desto rascher dieser Zerstörungsprozess. Die kapitalistische Produktion entwickelt daher nur die Technik und Kombination des gesellschaftlichen Produktionsprozesses, indem sie zugleich die Springquellen alles Reichtums untergräbt: die Erde und den Arbeiter.“ (MEW 23, 529f)

Im Parteiprogramm der DKP von 2006 heißt es deshalb: „Mit der Verelendung der Menschen geht die Zerstörung von Naturbeständen einher, der Lebensbedingungen künftiger Generationen. … Das kapitalistische Profitprinzip ist zu einer Gefahr für den Fortbestand der menschlichen Zivilisation geworden.“

Die DKP hat damit deutlich gemacht, dass

erstens: die Erkenntnisse des wissenschaftlichen Sozialismus über die Bedeutung der natürlichen Existenzbedingungen für die Gattung Mensch ein fester Bestandteil des politischen Selbstverständnisses der marxistischen Arbeiterbewegung sind.

zweitens: revolutionäre, antikapitalistische Klassenpolitik und der Kampf für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen eine Einheit darstellen.
Beim Kampf gegen die bereits einsetzende Klimakatastrophe geht es demnach nicht um abstrakte „Menschheitsfragen.“

Es handelt es sich um antikapitalistische Klassenpolitik.

 

4. Zum Begriff der „realen Basis“ im historischen Materialismus und ihrer ökologischen Dimension

Wenn wir über „Marxismus“ sprechen fallen wohl auch den nur wenig Bewanderten zwei Begriffe ein: „Basis“ und „Überbau“.
Und dann kommen vielleicht auch noch solche Assoziationen zustande wie „Basis“= Ökonomie und „Überbau“ = Staat / Politik / Ideologie.
Wenn es sich dann um noch einen etwas Marxismus-Kundigeren handelt, fällt vielleicht auch noch das Stichwort „Dialektik von Basis und Überbau“ – was immer das auch meint.
Schauen wir uns den Begriff „Basis“ genauer an.
Karl Marx definiert den Begriff „Basis“ im Vorwort „Zur Kritik der politischen Ökonomie“ von 1859 so:
„In der gesellschaftlichen Produktion ihres Lebens gehen die Menschen bestimmte notwendige von ihrem Willen unabhängige Verhältnisse ein, Produktionsverhältnisse, die einer bestimmten Entwicklungsstufe ihrer materiellen Produktivkräfte entsprechen. Die Gesamtheit dieser Produktionsverhältnisse bildet die ökonomische Struktur der Gesellschaft, die reale Basis, worauf sich ein juristischer und politischer Überbau erhebt, und welcher bestimmte gesellschaftliche Bewusstseinsformen entsprechen.“(4)
„Basis“ der Gesellschaft ist ganz im Unterschied zu manchen oftmals sehr verkürzten Sichtweisen und Interpretationen also nicht einfach „die“ Ökonomie. Die Basis der Gesellschaft ist nach Marx keine rein ökonomische Kategorie, etwa in Form einer Ansammlung von Sachgegenständen ( „Produktionsmittel“ wie z.B. Maschinen, Fabriken, Grund und Boden, o.ä.) oder das „Finanzkapital“.
Die „Basis“ der Gesellschaft ist nicht wie eine Mauer aus Steinblöcken vorzustellen, aufeinander gestapelt und dann – Wind und Wetter trotzend – über Jahrhunderte oder Jahrtausende als Monument einer sich nicht mehr verändernden gesellschaftlichen Formation, die die Weltgeschichte eher aufhält als befördert.
Die „reale Basis“ umfasst zum einen laut Marx ausdrücklich eine „relationale“ , soziale Dimension in Form der Beziehungen zwischen den Menschen in ihrem gesellschaftlichen Kontext , den sie als schöpferische und produktive Individuen untereinander eingehen (die „Produktionsverhältnisse“).
Die ökonomischen Strukturen sind nur ein Bestandteil dieser relationalen Verhältnisse.
Die Produktionsverhältnisse stellen die „Gesamtheit jener historischen gesellschaftlichen Verhältnisse dar, die die Menschen in der Produktion objektiv miteinander eingehen. Sie sind die Entwicklungsformen der Produktivkräfte.“(5)
Es geht also um etwas ganz anderes als eine spezielle Form der Akkumulation von Kapital oder ein „Akkumulationsmodell“.
In Band I seiner „Theorien über den Mehrwert“ (1862/63) verdeutlichte zudem Marx – was sehr oft übersehen wird -, dass zur Verfasstheit der ökonomischen Struktur einer Gesellschaft weit mehr als nur eine besondere Form der materiell- industriellen Produktion oder des Waren- bzw. Finanzhandels gehört.
„Aus der bestimmten Form der materiellen Produktion ergibt sich eine bestimmte Gliederung der Gesellschaft – Nr. 1, zweitens ein bestimmtes Verhältnis der Menschen zur Natur. Ihr Staatswesen und ihre geistige Anschauung ist durch beides bestimmt. Also auch die Art ihrer geistigen Produktion.“(6) (Hervorhebung durch mich-HPB)
Zur „realen Basis“ der Gesellschaft gehört demnach auch die ökologische Dimension: ein „bestimmtes Verhältnis der Menschen zur Natur.“
Der Mensch war und ist immer mehr als nur ein „homo öconomicus“; er ist als ein soziales Wesen („zoon politikon“) zugleich ein „Naturwesen“ in individueller psychischer und körperlicher Ausprägung, ein „homo oecologicus“. Die Mensch-Natur-Relation ist ein unmittelbarer Bestandteil seiner Existenzbedingungen als Gattung wie auch als Individuum. Die Beziehung und wechselseitige Rückwirkung zwischen materieller (vorwiegend industrieller) Produktion und vom Menschen bearbeiteter und gestalteter Natur gehört ebenso in die Definition der jeweiligen „Entwicklungsstufe ihrer (der Gesellschaft) materiellen Produktivkräfte.“
Die ökonomistische Verkürzung des „Basis“- Begriffes auf ein ökonomisches „Akkumulationsmodell“ ist meines Erachtens eine theoretische Verkürzung und Einengung. Der Münchner Soziolge C. Schuhler hält das Basis-Überbau-Modell deshalb zu Unrecht für eine Auffassung aus den „alten Tagen des Marxismus“ wie er in einem Grundsatzartikel zu Bewertung der gegenwärtigen Finanzkrise ausführte.
In den „alten Tagen des Marxismus“ zeigten seine Begründer jedenfalls ein „moderneres“ und tieferes Verständnis der den Menschen konstituierenden Lebensbedingungen als C. Schuhler meint.
Schauen wir noch genauer hin.

 

5. Karl Marx über das „Naturwesen Mensch“

Der marxistische Kulturtheoretiker T. Metscher betonte anlässlich einer internationalen wissenschaftlichen Konferenz „Karl Marx und die Gegenwart“ in Trier (1988):
„Ich gehe, wenn ich von der Identität des Marxismus spreche, von einem Tatbestand aus: der prinzipiellen Einheit des Marxschen Werks. Und wenn gesagt wird: eine Einheit von den Feuerbach-Thesen bis zum Kapital, so ist hinzuzufügen: unter Einschluss der Hegel-Kritiken von 1843/44 und der Ökonomisch-philosophischen Manuskripte. Dieser Gesichtspunkt ist grundlegend, sosehr er auch von starken Fraktionen innerhalb des Marxismus selbst bestritten wird. Er ist grundlegend, weil ohne ihn immer ein verengter, ökonomistisch oder strukturistisch verkürzter Marxismus herauskommt: ein Marxismus ohne die klassische deutsche Philosophie, ein Marxismus ohne Kunst. Ich möchte deshalb vor allem einen Gesichtspunkt mit großer Entschiedenheit festhalten, er hat zentrale Bedeutung für die Frage nach Identität und Einheit des Marxismus: der Boden jenes neuen Materialismus, von dem die Feuerbach-Thesen explizit sprechen, wird bereits in den Hegel-Kritiken und den Pariser Manuskripten betreten.“ (S. 68)

Natürlich war die Ausarbeitung des Marxschen Gesamtwerkes Teil eines Erkenntnisprozesses, in dem es auch Perioden größerer und minderer Produktivität und wissenschaftlicher Leistungskraft gab – z.T. schon aus rein materiell-ökonomischen und familiären Zwängen heraus. In diesem Sinne unterscheidet Engels selbst deutlich qualitativ unterschiedliche Stadien im gemeinsamen Erkenntnisprozess.
So charakterisiert Engels in seinem Vorwort zur deutschen Ausgabe seiner Jugendschrift „Zur Lage der arbeitenden Klasse“ von 1892 – die frühen 4oer Jahre als eine Periode, die der „embryonalen Entwicklung“ des wissenschaftlichen Sozialismus – entsprach.
Bei genauerer Befassung mit den „Pariser Manuskripten“ wird deutlich, dass auch der „junge Marx“ bereits so weit „marxistisch“ argumentiert, dass eine rein anthropologische Interpretation auch dieser Entwicklungsphase des Marxismus einer groben Verfälschung gleichkommt.
Auch der „junge Marx“ beherrschte bereits die Dialektik von Biologischem und Sozialem. Marx hat sich auch in seinen Frühschriften die Entwicklung des Menschen nie losgelöst von seiner natürlichen, biotischen Grundausstattung vorgestellt. In den „Pariser Manuskripten“ gibt es den für diesen Zusammenhang folgenden wichtigen Hinweis:
„Die Universalität des Menschen erscheint praktisch eben in der Universalität, die die ganze Natur zu seinem unorganischen Körper macht…“(7)
In dieser und den folgenden Passagen wird deutlich wie sehr Marx im Vergleich zu seiner Doktordissertation den positiven Gehalt des anthropologischen Materialismus von Feuerbach aufgenommen und kritisch verarbeitet hat.
Der Mensch ist nach Marxscher Sicht zunächst ein Naturwesen – ohne alle Abstriche – seine biologische Konstitution und genetischen Anlagen sind die Grundlagen seiner Evolution, seines Verhaltens und auch seiner Persönlichkeitsentwicklung. Er unterliegt wie alle anderen Lebewesen den biologischen und physikalisch-chemischen Prozessen, die mit dem Aufbau seines Organismus durch molekulargenetische Steuerungs- und Regelprozesse verbunden sind.
Umweltveränderungen, Klimaumbrüche, mutagene Veränderungen in der Genstruktur beeinflussten die Anthropogenese genauso wie die Evolution jedes anderen Lebewesens im Zuge der phylogenetischen Entwicklung.
Diese im Zuge der Evolution entstandene und bis heute immer wieder auch natürlichen Modifikationen unterworfene biologische Grundausstattung und Auswirkung auf die Ontogenese zu negieren, hieße den erkenntnistheoretischen Materialismus ausgerechnet in der Theorie der menschlichen Entwicklung und der Persönlichkeit zu verdrängen.
Die biologische Konstituierung des „Naturwesen Mensch“ ist für Marx auch die Voraussetzung aller weiteren Überlegungen zu einem umfassenderen und integrativen Persönlichkeitstheorie.
In der „Deutschen Ideologie“ heißt es dazu weiter: „Die erste Voraussetzung aller Menschengeschichte ist natürlich die Existenz lebendiger menschlicher Individuen. Der erste zu konstatierende Tatbestand ist also die körperliche Organisation dieser Individuen und ihr dadurch gegebenes Verhältnis zur Natur. … Alle Geschichtsschreibung muß von diesen natürlichen Grundlagen und ihrer Modifikation im Laufe der Geschichte durch die Aktion der Menschen ausgehen.“(8)
Nach Marx ist die Beziehung Mensch-Natur Teil einer kontinuierlichen Auseinandersetzung, eines „Stoffwechsels“. Immer größere Teile der Natur werden vom Menschen in seine Tätigkeit einbezogen – und dies von Beginn der Menschwerdung an. Die Idee von der „unberührten“, „reinen“ Natur, der der Mensch praktisch wie ein Fremdkörper gegenübersteht, wird vom marxistischen Naturbegriff nicht geteilt.
Darauf verwiesen Marx und Engels bereits in ihrer Auseinandersetzung mit Feuerbach, als sie in der „Deutschen Ideologie“ schrieben:
„Übrigens ist diese der menschlichen Geschichte vorhergehende Natur ja nicht die Natur, in der Feuerbach lebt, nicht die Natur, die heutzutage, ausgenommen etwa auf einzelnen australischen Koralleninseln neueren Ursprungs, nirgends mehr existiert, also auch für Feuerbach nicht existiert.“(9)
Die Natur existiert seit dem Auftreten der Gattung Mensch immer mehr nur noch als eine modifizierte Natur; modifiziert durch die ständigen Einwirkungen des Menschen in sie.

 

6. Das Besondere des marxistischen „Natur“- Begriffs

Hans Heinz Holz (1986) machte darauf aufmerksam, dass der Terminus „Natur“ in mindestens drei verschiedenen Bedeutungen gebraucht wird.
Einmal als „Natur“ im „allerweitesten metaphysischen Sinne als Universum, Kosmos, Deus sive natura sive substantia wie Spinoza (…)“
Sodann als „organische Ganzheit aller Lebensbedingungen auf dieser Erde und im erdnahen Raum“.
Und schließlich als „jene Lebenswelt, zu wir eine Art sentimentaler Beziehung haben; die Blume im Garten, die man gießt und an der man sich freut, (…)“(10)
Es gelte, diese drei Begriffe nicht statisch zu verstehen.
Holz hatte 1986 in seinem Einführungsreferat für Symposium der Marx-Engels-Stiftung (10.8.1985) zum Thema „Mensch, Natur und Umwelt im Werk von Friedrich Engels“ das kategoriale Thema von Freiheit und Notwendigkeit in der Entwicklung des Naturwesen Mensch analysiert:

„Wir sind gebunden an die Naturgesetze und an die natürlichen Bedingungen unseres Überlebens, wozu nicht nur die Naturgesetze, sondern das Ganze unseres materiellen Lebensvoraussetzungen gehören. Dies ist das Reich der Notwendigkeit, dem wir unterworfen sind und bleiben, insofern wir als biologische Wesen existieren und uns reproduzieren müssen. Demgegenüber steht das Reich der Freiheit, in dem wir zwar dieser Notwendigkeit nicht entgehen können, denn wir bleiben Naturwesen und werden keine Engel (keine separaten Substanzen, wie es bei Thomas von Aquino heißt, die abgelöst von der Natur und der Körperlichkeit sind und als solche frei an sich existieren); aber wir treten in das Reich der Freiheit, indem wir in diese Naturverhältnisse Einsicht gewinnen.“(11)

Als solche „freie“, zugleich natürliche und gesellschaftlich bedingte Wesen, sind die Menschen (im Unterschied zu den Tieren) in der Lage das ursprüngliche Verhältnis Mensch-Natur-Verhältnis zu optimieren, „das heißt den Menschen aus der Unterwerfung unter blinde Naturzwänge zu befreien, ihn in ein Reflexionsverhältnis zur Natur (Hervorhebung durch mich – HPB) zu setzen..“(12)

Wenn der „Natur“-Begriff, wie ich meine zurecht, nicht mit „Verharren im Ursprünglichen“ (Wobei dann zu fragen wäre, ab wann das „Ursprüngliche“ überhaupt datiert und bis wann?) identifiziert wird, sondern auch als eine geschichtlich gewordene und sich stetig verändernde Kategorie begriffen wird, dann erwächst daraus mit einiger logischer Zwangsläufigkeit die Frage, was denn das spezifisch „Natürliche“ des Menschen sei.

 

7. Zur Dialektik des „Naturwesen Mensch“ und des „Ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse“

Das „Naturwesen Mensch“ unterscheidet sich in seiner „Natürlichkeit“ von anderen höher entwickelten Lebewesen nicht allein (und nicht darin entscheidend) durch seine besondere physiologische und organische Entwicklung. Zur „Natur“ des Menschen gehört auch seine besondere gesellschaftliche Prägung- auch in den noch „im Ursprünglichen“ verharrenden Stadien der verschiedenen Vorformen des heutigen homo sapiens sapiens. Deshalb betonte Marx neben der biologischen Grundlage des Mensch-Seins auch die gesellschaftlichen Faktoren und Komponenten in der Anthropogenese .(13)
Es heißt z.B. unmittelbar im Anschluß an die o.g. Marx- Passage aus „Die Deutsche Ideologie“: „Diese Produktion tritt erst ein mit der Vermehrung der Bevölkerung. Sie setzt selbst wieder einen Verkehr der Individuen untereinander voraus. Die Form dieses Verkehrs ist wieder durch die Produktion bedingt.“(14)
„Verkehr“ ist hier durchaus sehr doppelsinnig verstanden worden: als psychisch-physischer Verkehr zwischen zwei sich im Geschlechtsakt paarenden Individuen, der zur „Vermehrung der Bevölkerung“ führt und als soziale und räumliche Beziehungsaufnahme und Überbrückung von Distanzen zwischen Menschengruppen (Stämmen, Völkerschaften).
Um Persönlichkeit zu werden, um sich als Mensch zu entfalten ist das einzelne Individuum auf ein spezifisches Verhältnis zu einem sozialen Gegenüber angewiesen. Damit greift Marx das „Beziehungsparadigma“ auf und gibt der „Ich-Du- Relation“ eine materialistische Fundierung.
Diese „Ich-Du-Relation“- dieses grundsätzliche Angewiesensein des Ich als eines bewusst denkenden und handelnden Individuums ist nicht nur ein Ergebnis der spontanen und naturwüchsigen Arbeitsteilung , die schon in der Gentilgesellschaft entsteht- es besteht von Natur aus in der Symbiose zwischen Mutter und Neugeborenem; aber es besteht auch aus der gemeinsam erlebten Abhängigkeit jedes einzelnen Mitgliedes der Gattung Mensch, das in vorwissenschaftlicher Abhängigkeit von den als „blind“ empfundenen Naturgewalten den Schutz und die Unterstützung des „Du“ im Überlebens- und Existenzkampf braucht.
Die Naturreligionen erleben das Individuum in seiner Abhängigkeit und Entfremdung von der Natur, die ihm in Form der Naturgötter hauptseitig als etwas Fremdes und Nichtbeherrschbares gegenüber tritt. Die Unkenntnis über die Naturgesetze und die Entfremdung zwischen Mensch-Natur führt zum Gefühl der Unterlegenheit unter „geheime“ Mächte.
Der Marxsche Begriff der „Entfremdung“ bezieht sich keineswegs auf die ökonomische Sphäre und ist auch nicht nur mit der Kategorie des „Warenfetischismus“ abgleichbar, so sehr sie mit zunehmender Herausbildung von Arbeitsteilung und Klassengesellschaft aus diesem ökonomischen Bereich dominiert wird.

Die über Jahrzehnte schier unausrottbare Neigung von marxistischen Wissenschaftlern, den Menschen primär oder gar ausschließlich als Teil seiner Sozietät, als „Ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse“, zu verstehen, bricht eigentlich mit dem Selbstverständnis einer marxistisch orientierten Wissenschaft, dem Materialismus.
Eine marxistische Theorie des Menschen muss jeder Vernachlässigung seiner natürlichen, biologischen, genetischen, neuro- und physiologischen Existenzbedingungen und Entwicklungsfaktoren ein Ende bereiten. In der DDR hatte der spätere stellv. Präsident der der Akademie der Wissenschaften Prof. Herbert Hörz schon 1976 angemahnt, dass man als Marxist nicht die „extreme Auffassung“ vertreten oder hinnehmen dürfe, dass „die heute vom Menschen beherrschten Naturvorgänge keine Auswirkungen mehr auf sein gesellschaftliches Wesen hätten.“ (15)
Dem diente das Forschungsprojekt übe die „biopsychosoziale Einheit“ des Menschen, über das ich bei HH Holz promoviert habe.
Aus dieser Einschätzung der Rolle der „natürlichen Grundlagen des heutigen Menschseins“ sind Forschungsaufgaben abzuleiten wie die der „Wechselbeziehung zwischen natürlichen und gesellschaftlichen Faktoren im menschlichen Verhalten“, die noch genauer untersucht werden müssten.(16)

 

8. Linke Klimapolitik zwischen antimonopolistischem Kampf und sozial-ökologischer „Transformation“

Doch wie soll ein Durchbruch zu einer umwelt- und klimaschonenderen Entwicklung zustande kommen, wenn klar ist, dass die umwelt- und klimaschädigenden Konsequenzen der kapitalistischen Produktions-, Austausch- und Lebensweise kein „Versagen“ einzelner Regierungen, Aufsichtsbehörden oder Managergruppen sind.
Sogar eine prinzipiell in den Grenzen der kapitalistischen Produktionsweise verbleibende „ökologischere“ Kapitalismus-Variante ist unvorstellbar, wenn nicht zumindest eine antimonopolistische Energie, Verkehrs- und Steuerpolitik in den wichtigsten Zentren der kapitalistischen Welt durchgesetzt wird.
Ansonsten bleibt es wie im Märchen von der „Kaisers neuen Kleidern“. Nichts als schöne Worte und darunter der normale „nackte“ Kapitalismus. Dagegen hilft nicht ein bisschen grüne Tünche.
Das ist der Standpunkt der Kommunisten.

Die DKP versteht Klimapolitik als Teil eines an die eigentlichen Wurzeln der Naturzerstörung und -gefährdung gehenden politischen Eingreifens. Die gegenwärtige Dimension der Temperaturbeschleunigung stammt nicht einfach von „den Menschen“.
Der gegenwärtige Stand der Zivilisation und Technologie, die Energie- und Verkehrsstrukturen und die dadurch geprägten Lebens- und Konsumgewohnheiten sind nicht naturgegeben „anthropogene“ Faktoren. Sie sind Bestandteil einer vom Kapitalismus geprägten Lebensform.“
Die DKP hat gerade ihren 20.Parteitag durchgeführt. In der breit diskutierten und jetzt beschlossenen Hauptresolution des Parteitags „Antworten der DKP auf die Krise“ heißt es:
„In den letzten fünf Jahren hat die ´Krisenbearbeitung` des Großkapitals und seiner politischen Vertreter zur Vertiefung der finanziellen, wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Krisen und zum weiteren Abbau von Demokratie geführt. Die Arbeits- und Lebensverhältnisse haben sich auch in den Hauptländern des Kapitals einschneidend verändert. Tiefere gesellschaftliche Gegensätze sind entstanden.
Die aktuelle Krise ist noch lange nicht beendet. Ihre globale Dimension wird deutlicher.
Die Zerstörung der Umwelt, die spürbarer werdenden Auswirkungen der Klimaveränderung auf Lebens- und Produktionsbedingungen, Trinkwassermangel, Hunger bestimmen das Leben vieler Menschen auf unserem Planeten. Milliarden leben in Armut. Millionen sind auf der Flucht vor Elend, Hoffnungslosigkeit und Krieg.
In vielen Regionen der Welt herrscht Krieg. Die Kriege gegen Jugoslawien, Irak und in Afghanistan haben sich als Vorboten weiterer militärischer Einsätze zur Durchsetzung imperialistischer Interessen erwiesen: Überall in der Welt wachsen die Spannungen. Es geht um geostrategische Vorteile. Vor allem jedoch um die Jagd nach Profit, nach knapper werdenden natürlichen Ressourcen, um die Sicherung des Zugriffs auf diese. Das führt derzeit im Nahen und Mittleren Osten, in Nordafrika und auch im Herzen Afrikas zu immer neuen militärischen Interventionen oder dem Einsatz von Söldnerarmeen. Jederzeit kann aus kriegerischen Konflikten wie im Nahen und Mittleren Osten ein neuer Weltbrand entstehen.
Diese Widersprüche sind im Rahmen des kapitalistischen Systems nicht lösbar. Als DKP fordern wir eine Energiepolitik, die Schluss macht mit den Privilegien der großen Energiekonzerne.
– Atomkraftwerke jetzt abschalten!
-Klima- und umweltfreundliche Technologien statt Primat der fossilen Energieträger!
– Dezentralisierung der Stromerzeugung und der Netze!
– Schluss mit der Preistreiberei auf dem Rücken der privaten Endverbraucher! Gesetzlicher Preisstopp unter demokratischer Kontrolle!

Wir fordern eine Klima- und Umweltpolitik, die sofort in der ganzen EU alle verfügbaren technologischen Alternativen zur Reduktion der klimaschädlichen Emissionen mobilisiert und strenge gesetzliche Regelungen durchsetzt.
Die weltweite Spekulation mit den lebenswichtigen Ressourcen (sauberes Wasser, Nahrungsmittel, Ackerland) im Interesse der großen kapitalistischen Öl-, Agrar- und Lebensmittelkonzerne muss sofort unterbunden werden.“

Dies erfordert in der Konsequenz eine Politik dies auf den revolutionären Bruch mit dem System des Monopolkapitalismus abzielt. Eine soziale und ökologische „Transformationstrategie“, wie sie von verschiedenen „reformorientierten Linken“ oder „Mosaiklinken“ vertreten wird- oder auch von führenden Theoretikern der PDL oder der EL – halten wir für nicht zielführend. Die Neubelebung der alten sozialdemokratischen „Wirtschaftsdemokratie“- Konzeptionen der 20ger Jahre sind eher dazu geeignet die qualitativen Unterschiede zwischen notwendigen dringenden Reformen noch unter den Bedingungen des Kapitalismus und der Überwindung des Systems als Ganzem zu verunklaren. Allein die Verknüpfung von Klimapolitik mit einer umfassenden Konzeption der Systemüberwindung und des Bruchs mit der Profitlogik kann eine Zukunftsperspektive für die vom Kapitalismus ausgebeuteten Klassen und Völker darstellen.

 

Anhang

Natur-Mensch-Dialektik und deren Vermittlung durch den gesellschaftlichen Arbeitsprozess

Bereits in der frühen gemeinsamen Arbeit – der „Deutschen Ideologie“ – stellten Marx und Engels eine unauflösliche Beziehung zwischen den organisch – natürlichen Voraussetzungen der Anthropogenese („durch ihre körperliche Organisation bedingt“) und dem bewussten Einschnitt im Evolutionsprozeß her, der innerhalb des Tier – Mensch – Übergangsfeldes den entscheidenden Schritt zur Menschwerdung und zur Gesellschaftlichkeit des Menschen markiert („ihre Lebensmittel zu produzieren“). Mit der Produktion der Lebensmittel beginnt praktisch die menschliche Geschichte. Dazu heißt es weiter (S. 28):
„Zum Leben… gehört vor allem Essen und Trinken, Wohnung und Kleidung und einiges anderes. Die erste geschichtliche Tat ist also die Erzeugung der Mittel zur Befriedigung dieser Bedürfnisse, die Produktion des materiellen Lebens selbst, und zwar ist dies eine geschichtliche Tat, eine Grundbedingung aller Geschichte, die noch heute, wie vor Jahrtausenden, täglich und stündlich erfüllt werden muss, um die Menschen nur am Leben zu erhalten.“
Der sich selbst ernährende und selbst erzeugende Mensch tritt aufgrund seiner besonderen organischen Verfasstheit, als Teil der Natur, in eine qualitativ neue Beziehung zu seiner natürlichen Umgebung, die ihn von allen anderen Lebewesen unterscheidet. Die Arbeit wird zur grundlegenden Voraussetzung für jede menschliche Entwicklung. Durch die Produktion sichert der Mensch aber nicht nur seine physische Existenzgrundlage, indem er sich die materiellen Bedingungen für sein Leben: Nahrung, Kleidung, Wohnung, etc. produziert. Er tritt in einen unauflöslichen Stoffwechselprozess mit der Natur, erhebt sich im Arbeitsprozess aus dem Tierreich und formt sich selbst zu einer individuellen Persönlichkeit. Der Arbeitsprozess wird damit zum eigentlichen Prozess der Menschwerdung. In einer eigentümlichen Mensch-Natur-Dialektik unterwirft sich der Mensch die Natur und modelt sie- als Teil der Natur – nach seinen Bedürfnissen um. In dieser Dialektik nimmt die Arbeit die zentrale Vermittlerrolle ein: sie wird selbst zu einer „Naturmacht“.
Dies gilt nach historisch-materialistischer Auffassung insbesondere für die Stufe der Menschheitsentwicklung, auf der der Mensch sich aus dem Tierreich entwickelt hat. Im „Kapital“ wird zur Rolle der Arbeit für die Herausbildung des Menschen aus dem Tierreich gesagt:
„Der Gebrauch und die Schöpfung von Arbeitsmitteln, obgleich im Keim schon gewissen Tierarten eigen, charakterisieren den spezifisch menschlichen Arbeitsprozess, und Franklin definiert daher den Menschen als ‚a toolmaking animal`, ein Werkzeug fabrizierendes Tier. Dieselbe Wichtigkeit, welche der Bau von Knochenreliquien für die Erkenntnis der Organisation untergegangner Tiergeschlechter, haben die Reliquien von Arbeitsmitteln für die Beurteilung untergegangner ökonomischer Gesellschaftsformationen.“ (MEW 23, S. 194)

In der zur eigenen „Selbstverständigung“ (MEW 3, S. 10) geschriebenen „Deutschen Ideologie“, betonten K. Marx und F. Engels die fundamentale Bedeutung der Arbeit für die Entwicklung des Menschen:
„Man kann die Menschen durch das Bewußtsein, durch die Religion, durch was man sonst will, von den Tieren unterscheiden. Sie selbst fangen an, sich von den Tieren zu unterscheiden, sobald sie anfangen, ihre Lebensmittel zu produzieren, ein Schritt, der durch ihre körperliche Organisation bedingt ist. Indem die Menschen ihre Lebensmittel produzieren, produzieren sie indirekt ihr materielles Leben selbst.“ (MEW 3, S. 21)

(1) K. Marx: Das Kapital, Band 3, MEW 25, S.784
(2) F. Engels: Dialektik der Natur, MEW 20, S. 452 f)
(3) Zitiert von Ullrich 1, S. 267.
(4) Karl Marx: Zur Kritik der politischen Ökonomie (1859), Vorwort, MEW Bd.13, S.8 – Hervorhebung durch uns- S.A. /H.-P. B.)
(5) (Vergl. Anschauungsmaterial: Politische Ökonomie des Kapitalismus, Berlin 1986) Sie realisieren sich im Produktions-, Distributions-, Austausch- und Konsumtionsprozess der Menschen.
(6) Karl Marx: Theorien über den Mehrwert. Band I. MEW 26.1, S. 257 (Hervorhebung durch uns S.A/H.-P.B.)
(7) (MEW Erg. Bd. 1. Teil, S. 515) (Hervorhebung durch mich – HPB)
(8) MEW 3, S. 20-21, Hervorhebung durch mich – HP)
(9) K. Marx/ F. Engels. Die deutsche Ideologie,MEW 3, S. 44
(10) Hans Heinz Holz: Einführungsreferat zum Internationalen Symposium der Marx-Engels-Stiftung (10.8.1985) „Mensch, Natur und Umwelt im Werk von Friedrich Engels“. Schriftenreihe der Marx-Engels-Stiftung Band 5, S. 19
(11) Ders., a.a.O., S.10
(12) Ders,, a.a.O., S.15
(13) Vergl: dazu für den folgenden Abschnitt auch meine Arbeit: Marxistische Persönlichkeitstheorie und die „bio-psychosoziale Einheit Mensch“, Bonn 2002, Kapitel 7
(14) K. Marx / F. Engels: Die deutsche Ideologie, MEW 3, 21
(15) H.Hörz: a.a.O., S. 120
(16) derselbe, a.a.O., S. 122

Autor

brenner
Dr. Hans-Peter Brenner

Dr. Hans-Peter Brenner ist Mitglied des Parteivorstands der DKP und Mitherausgeber der Zweimonatszeitschrift Marxistische Blätter.

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