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Co-Management am Beispiel von Volkswagen

Als Karl Marx der Frage nach ging,warum die Profite so hoch und die Löhne der Arbeiter so niedrig sind, konnte er noch nicht ahnen dass seine Antwort darauf noch gut 150 Jahre später ihre Gültigkeit hat. Dass sich aber die objektiven Bedingungen trotz des immer noch bestehenden Widerspruches zwischen Kapital und Lohnarbeit auf Grund der heutigen fragmentierten und prekären Klasse der lohnabhängigen Beschäftigten geändert haben, ist eine Tatsache, an der man nicht so leicht vorbei kommt, wenn man die heutigen Ausbeutungsmechanismen zum einen und die Schwäche der Gewerkschaften zum anderen erklären will. Auf der anderen Seite ist es aber auch zu einfach, die heutigen objektiven Bedingungen bzw. den Klassenkampf von oben als Grund für die politisch strategische Schwäche der Gewerkschaften zu benennen. Vieles von dem was uns heute tagespolitisch beschäftigt, wie z.B. Leiharbeit und Mindestlohn, ist ja nicht eines morgens vom Himmel gefallen, sondern es ist ein seit 20 Jahren andauernder Prozess, der u.a. mit der Einführung der 4 Tage Woche 1993 bei Volkswagen seinen Ursprung hat. Damals nämlich war genau das möglich was die IG Metall eigentlich nie wollte . . . eine Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnausgleich!

Im laufe der Zeit, zeigte sich aber, dass trotz der 4 Tage Woche 30.000 Mitarbeiter über Aufhebungsverträge und Altersteilzeit abgebaut wurden. Und genau diese Zahl von 30.000 Stellen, stand 1993 bekanntlich zur Disposition, wenn die Gewerkschaft innerhalb der deutschen VW Standorte der Einführung des 20% Lohnverlustes nicht zustimmt.

2001 warnte der IG Metall Chef des Bezirkes Niedersachsen und Sachsen-Anhalt Hartmut Meine vor der Einführung des VW internen Projektes 5000 mal 5000, „vom Anfang vom Ende“ des VW – Haustarifes. Damals entstand für 5000 neue Mitarbeiter, ein Tarifvertrag ohne Schichtzuschläge. Mittlerweile gibt es bei VW verschieden gestufte Tarife plus der Tarife der hauseigenen Leihfirmen Wob AG und der Autovision. Am Beispiel von VW kann man den Opportunismus innerhalb der Arbeiterbewegung und der u.a. von Renate Münder beschriebenen Arbeiteraristokratie erklären. Bei der Übernahmeschlacht Porsche vs. Volkswagen wurde nur allzu offensichtlich, welche Aufgabe den beiden Betriebsratsvorsitzenden Uwe Hück (Porsche) und Bernd Osterloh (VW) zugedacht wurde. Statt untereinander Solidarität zu üben, ließen sich beide vor den Karren der jeweiligen (Groß) Aktionäre spannen. Bei all der berechtigten Kritik am „System“ VW, bleibt allerdings positiv festzuhalten, dass der Grad der Organisierung der VW Kollegen in der IG Metall immer noch bei ca. 90% liegt und bei Betriebsratswahlen alternative Metallerlisten
im Gegensatz wie z.B. bei Daimler, keine Chance haben.

Der Mindestlohn und das Versagen des DGB

In der BRD besteht aktuell eine Tarifbindung von 58%. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass 42% der lohnabhängigen Beschäftigten keinem allgemeinverbindlichen Tarifvertrag unterliegen. Damit nimmt die BRD in Europa eine Sonderrolle ein und liegt im Vergleich zu den anderen Ländern in Europa auf dem vorletzten Rang, was die Tarifbindung betrifft. Die Länder, die vor der BRD liegen haben alle eine Tarifbindung zwischen 80% und 99%. Ausgerechnet diese Länder, haben gleichzeitig einen gesetzlichen Mindestlohn.

Der DGB erstickte im Zuge der Agenda 2010 damals jegliche Diskussion über die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes im Keim, mit dem Argument, die Tarifautonomie sei ein hohes Gut, in welches sich der Staat bzw. die Politik nicht einmischen dürfe. Ein fataler weil naiver Irrtum, wie sich inzwischen erwiesenermaßen raus stellt. Mit der Frage des Mindestlohnes tun sich Widersprüche innerhalb des DGB und seiner Einzelgewerkschaften auf, die auf der Schwäche des organisatorischen Konstruktes DGB basieren. Auf der einen Seite sind die kleinen Einzelgewerkschaften wie z.B. die EVG, die sich innerhalb der Betriebsratsgremien in der betrieblichen Praxis mit dem Standesverband GdL herum plagen muss und die NGG, die sich immer wieder tapfer gegen die teilweise kriminellen Machenschaften des Kapitals wie z.B. in Frankfurt bei der Steakhouse Kette Maredo zur Wehr setzt. Auf der anderen Seite die großen Industriegewerkschaften IG Metall und IG BCE, deren Führer Rappe, Schmoldt und zur Zeit Michael Vassiliadis traditionell auf dem Schoß des Kapitals sitzen. Wenn aber schon innerhalb des DGB die Interessenlage und die Ausgangspositionen der Einzelgewerkschaften konträr ist, dann kann man verstehen, warum der deutsche Imperialismus und die wirtschaftliche Hegemonie der BRD innerhalb Europas ohne Widerspruch innerhalb der Gewerkschaftsführungen bleibt.

Berthold Huber sagte in einem FAZ Interview im Dezember ’12 „wahr ist, dass wir in der Krise ab 2008 von der Politik der damaligen großen Koalition profitiert haben: Unsere Vorschläge wurden aufgenommen , Kooperation und Mitbestimmung wurden als wichtige Erfolgsfaktoren des deutschen Modells anerkannt.“ Huber dürfte wohl in den nächsten Wochen und Monaten wieder Grund zur Freude haben . . . Allerdings ist er damit so weit vom Klassenkampf entfernt, wie mein Lieblings- und Heimatverein KSV Hessen Kassel vom Aufstieg in die 1. Bundesliga . . . !

Perspektiven klassenbewusster Gewerkschaftsarbeit

Gewerkschaften müssen die Interessenvertretung der lohnabhängigen Klasse mit dem politischen Kampf verbinden, wenn sie zukünftig den verschärften Einfluss des Kapitals zurückdrängen wollen. Aber allein der Glaube daran fällt schwer, wenn man bedenkt, dass die Mehrzahl der Spitzenfunktionen innerhalb der Gewerkschaften mit Leuten besetzt sind, die überwiegend ein SPD Parteibuch haben und somit der sozialdemokratischen Hegemonie im DGB Rechnung tragen.

W.I. Lenin schreibt in seiner Schrift „Was tun?“ : „In Wirklichkeit aber kann die Steigerung der Aktivität der Arbeitermasse nur dann erreicht werden, wenn wir uns nicht beschränken auf die politische Agitation auf ökonomischem Boden. Eine der Grundbedingungen für die notwendige Erweiterung der politischen Agitation ist aber die Organisierung allseitiger politischer Enthüllungen. Anders als durch diese Enthüllungen kann das politische Bewusstsein und die revolutionäre Aktivität der Massen nicht herangebildet werden.“

Streiks entfalten nur dann ihre volle und nachhaltige Wirkung, wenn sie politisch flankiert werden. Als Beispiel dafür dienen u.a. die Streiks und Massenproteste der Gewerkschaften im Jahre 1998. Die damalige CDU/FDP Regierung unter Kohl wollte die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall auf 80% reduzieren. Die Massenproteste erfuhren ihre Unterstützung durch die SPD, die aus dem Kalkül der bevorstehenden Bundestagswahlen heraus handelte.

Nur 5 Jahre später und unter anderen Machtkonstellationen scheiterte der wochenlange Streik der IG Metall in den „neuen Bundesländern“ für die Einführung der 35 Stunden Woche. Die Nachwehen dieser Niederlage sind durchaus noch heute spürbar.

Praktische Ansätze einer verbesserten und zielführenden Arbeit in den Betrieben, könnte die Stärkung bzw. Revitalisierung der Arbeit der Vertrauensleute sein. Der Vertrauensmann/Frau der als Binde- und Informationsglied zwischen Arbeiterbasis und Betriebsrat fungiert kann, sofern es sich um klassenbewusste Leute handelt, mehr auf die Kollegen einwirken, als so manche freigestellte BR Kollegen, da sie nämlich täglich vor Ort sind und mit den Problemen vertraut sind. Genau aus diesem Grund ist es oftmals so, dass in vielen Betrieben die Arbeit der Vertrauensleute nicht mehr vor kommt oder es keine Vertrauensleute mehr gibt. Selbst bei einem so großen Konzern wie bei der Bahn, indem ich gut eineinhalb Jahre beschäftigt war, stellte ich dies u.a. fest. Das Recht auf eine 15 minütige Information, in der die Betriebs- und Gewerkschaftsinfos an die Kollegen weiter gegeben werden im wöchentlichen Turnus, entfällt also somit. Das bedeutet leider auch das es ohne dieses Recht auf Information, was im Betriebsverfassungsgesetz verankert ist, zu keiner Politisierung/Diskussion innerhalb der Belegschaften kommt.

Gewerkschaftspolitische Arbeit muss gerade vor dem Hintergrund einer immer größer werdenden Anzahl von Betrieben ohne Tarifbindung und Betrieben die mit Leiharbeit hantieren und wo es so gut wie keinerlei gewerkschaftliche Organisiertheit mehr gibt, geführt werden. Hier muss ein Fokus darauf gelegt werden! Es muss auf lokaler Ebene Öffentlichkeit und Transparenz geschaffen werden, in dem man in Stadtteilen z.B. die Bewohner über das Innenleben von Betrieben informiert, wo es Probleme gibt. Mit diesem Ansatz, könnte man Solidarität und Widerstand entwickeln. Betriebe die in der Ausbeuterskala weit oben stehen, müssen benannt werden und es muss zunächst auf der lokalen Ebene ein Klima der moralischen Entrüstung stattfinden, bevor man dann im nächsten Schritt die Formen von Ausbeutung politisch und dialektisch erklärt und zu geeigneten Kampfinstrumenten greift. Ein weiterer Ansatz kann eine Vernetzung auf lokaler Ebene zwischen Partei, aktiven Gewerkschaftlern und Stadtteil- und Mieterinitiativen sein. Viele ehemalige Werks- und Betriebswohnungen, die vormals Konzernen wie z.B. Volkswagen und der Deutschen Bahn gehörten, sind jetzt im Besitz Gagfah und Annington (Hedgefonds gesteuerte Gesellschafte). Die Bewohner, die oftmals in diesen Konzernen arbeiteten oder noch arbeiten sehen sich zunehmend mit steigenden Mieten und gleichzeitigen Verfall der Wohnsubstanz konfrontiert.

Es gibt von kämpferischen Gewerkschaftlern und überzeugten Genossen unserer Partei bestimmt noch eine Menge an Erfahrungen und Vorschlägen, wie man gerade auf lokaler Ebene für alle offen und sichtbar eine aktivere und vor allem klassenbewusste Gewerkschaftsarbeit leisten, als das, was wir bisher aus den Führungen der hiesigen Gewerkschaften kennen.

Der Verfasser schrieb diesen Beitrag im Vorfeld der gewerkschaftspolitischen Konferenz am 19.10.2013in Hannover, aus dem Bewusstsein heraus, ein überzeugtes Mitglied der Deutschen Kommunistischen Partei zu sein (trotz der momentanen innerparteilichen Probleme) und aus der Erfahrung heraus, 19 Jahre im Volkswagenwerk in Kassel gearbeitet zu haben und danach als Leiharbeiter weitere Konzerne und auch kleinere Betriebe kennengelernt zu haben.