DKP
0

SDAJ, Marx, EngelsAm vergangenen Wochenende fand mit 100 Delegierten der Bundeskongress der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ) im hessischen Eschborn statt.

Im folgenden dokumentieren wir das Grußwort des DKP-Vorsitzenden Patrik Köbele.

Liebe Genossinnen und Genossen,
ich möchte mein Grußwort mit einem persönlichen Dank beginnen. Die SDAJ, ich sage bewusst unsere Jugendorganisation, hat mich geprägt, ich komme aus ihr und habe durch sie viel gelernt.

Ich habe zum Beispiel gelernt,
– Einen 7,5 Tonner rückwärts und bergauf eine enge Gasse hochzufahren, um die nassen Klamotten eines abgesoffenen Pfingstcamps auszuladen.
– Dass, wenn man die Nordwand der Burg Wahrberg, der Bildungsstätte der SDAJ, mit dem Dampfstrahler säubert, Domestos als Beimischung nur kurz hilft, dann aber doch zu leichten Vergiftungserscheinungen führt.
– Dass Solidarität, Kollektivität, gemeinsame Arbeit und gemeinsamer Kampf Bäume ausreißen kann, bei Festivals der Jugend früher und Festivals der Jugend heute
– mit den Kriterien Wesen und Erscheinung umzugehen, eine Fähigkeit, die man beruflich, politisch und privat überhaupt nicht unterschätzen kann

Neben dem persönlichen Dank möchte ich aber auch den Dank der Kommunistinnen und Kommunisten, den Dank der DKP überbringen:

Danke, Ihr habt nicht begonnen am Prinzipiellen unseres Verhältnis zu rütteln, obwohl es manche Irritation gab und Euch die Kommunistische Partei auch manchmal vor den Kopf gestoßen hat.

Das Verhältnis von SDAJ und DKP ist ein Kampfbündnis von zwei Organisationen auf dem Boden einer gemeinsamen Weltanschauung, der Ideen von Marx, Engels und Lenin. Es ist das Verhältnis der Kommunistischen Partei zu einer selbständigen, revolutionären, sozialistischen Jugendorganisation.

Dieses Verhältnis ist für beide wichtig, wenn nicht sogar entscheidend oder unverzichtbar.

Für die Partei, denn wo soll die künftige Generation der Revolutionäre herkommen, wenn nicht aus der revolutionären Jugendorganisation, wo soll die zukünftige Generation der erfahrenen Kader herkommen, wenn nicht aus der Erfahrung der Arbeit im sozialistischen Jugendverband.

Aber auch für den Jugendverband. Denn die Revolution wird kein Projekt einer Generation, sondern die Aufgabe der Klasse, der Arbeiterklasse im Bündnis mit anderen ausgebeuteten Schichten sein, die Revolution und auch der Kampf um die Heranführung an diese. Beides erfordert vor allem die Formierung der Klasse zu einer Klasse an sich, also einer Klasse, die nicht nur Klasse ist, sondern dies auch begreift – das kann der Jugendverband alleine nicht erreichen.

Bevormundung der Partei gegenüber dem Jugendverband ist darum genauso falsch wie die Geringschätzung der „lahmen“ KP durch Genossinnen und Genossen des Jugendverbands.

Natürlich kann man sich manchmal über die Partei ärgern. Natürlich ist revolutionäre Ungeduld nicht immer falsch. Aber beides ist eben die Erscheinungsebene, wird es zum Wesen, wirft es uns beide zurück.

Das heißt aber auch keineswegs gegenseitige Kritiklosigkeit, sondern das heißt wir brauchen das offene, solidarische Verhältnis, wie es sich für Revolutionäre gehört. Um das aber auch in aller Deutlichkeit zu sagen, dazu gehören NICHT offene Briefe von Mitgliedern der Partei an die SDAJ, dazu gehört NICHT deren Veröffentlichung auf bunten Internetportalen und dazu gehört NICHT die Publikation in sozialen Medien.
Ja SDAJ und DKP sind selbständige Organisationen, aber wer die freiwillige Gemeinsamkeit gefährdet, der gefährdet auch den revolutionären Kampf. Herbert Mies, langjähriger Vorsitzender der DKP, von dem ich Euch ebenfalls herzlich grüßen soll, brachte es in einer Atmosphäre, in der auch Teile der SDAJ die DKP antikommunistisch anfeindeten, auf dem 10. Bundeskongress der SDAJ, der dann zur Spaltung führte, auf den Punkt. Er sagte „Für uns ist die SDAJ eine selbständige sozialistische Organisation der arbeitenden und lernenden Jugend. Und bei dieser Selbständigkeit soll es auch bleiben. Wir betrachten sie als eine entscheidende Voraussetzung dafür, dass breite Teile der Jugend in den Kampf um ihre Rechte und Interessen und um eine sozialistische Zukunft einbezogen werden können. Wir stellen uns unter einem sozialistischen Jugendverband nicht die Kopie einer kommunistischen Partei , sondern einen Jugendverband vor, der eigene jugendspezifische Methoden und Betätigungsformen bietet, der ein Verbandsleben entwickelt, das für die arbeitenden und lernende Jugend unseres Landes neuzeitlich und attraktiv ist.

Unser Verhältnis zur SDAJ ist natürlich immer auch von den Vorstellungen geprägt, die wir als revolutionäre Partei von uns selbst haben. Dieses Selbstverständnis ist gegenwärtig in der Partei sehr umstritten. In dem Selbstverständnis der DKP im Verhältnis zur SDAJ frage ich mich selbst: Was würden Jugendliche, die nach einer Perspektive suchen, ja junge Sozialisten von einer kommunistischen Partei halten, (…), die Abschied nimmt von ihrem sozialistischen Ziel? Von der Arbeiterklasse, vom Klassenkampf? Die sagt: Was Sozialismus ist oder sein sollte, wissen wir nicht mehr. Was Marxismus ist, wissen wir nicht mehr. Was revolutionär ist, wissen wir auch nicht mehr. Sie müssten sich sagen: Das wäre keine revolutionäre Partei mehr. (…) Und ich frage mich schließlich: Was sollen junge Revolutionäre von einer kommunistischen Partei halten, die in der Vielfalt ihrer Meinungsbildung ihre innere Einheit aufgibt, die sich in ihrem inneren Gefüge nicht mehr als ein Bund von Gleichgesinnten und nicht mehr als eine Kampfpartei mit Meinungsvielfalt und Beschlussverbindlichkeit versteht. (..) Indem ich mir diese Fragen stelle komme ich (…) zu der Schlussfolgerung: Eine revolutionäre Partei der Arbeiterklasse (…) ist unverzichtbar. Und unverzichtbar ist eine Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend. Die Arbeiterklasse braucht sicherlich die Bündelung und Sammlung aller linken Kräfte. Sie braucht vor allem aber eine Deutsche Kommunistische Partei. Sicherlich braucht die Arbeiterjugend revolutionär-demokratische und radikale Bewegungen. Sie braucht aber auch künftig eine Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend. Und genau diese Notwendigkeit bestimmt auch das Wesen und den Inhalt unseres Verhältnisses zur SDAJ“ Soweit Herbert Mies 1989 angesichts des Versuches, die SDAJ von einer sozialistischen zu einer allgemein-fortschrittlichen Jugendorganisation umzuwandeln und angesichts einer Auseinandersetzung in der DKP, bei der sich die sogenannten Erneuerer von der Konzeption einer kommunistischen Partei verabschieden wollten.
Was Herbert damals sagte, stimmt auch heute und ich möchte es ausdrücklich unterstreichen und davon ließ sich der Parteivorstand auch leiten, als er sich mit aktuellen Angriffen auf die SDAJ und das Verhältnis zwischen SDAJ und DKP befasste.

Dieses Verhältnis ist das Wesen – es ist unsere theoretische und ideologische Grundlage, aber es muss auch konkret werden, es muss uns erfassen, weil erst dann die Theorie zur materiellen Gewalt wird. Und das ist jetzt unsere Aufgabe. Gemeinsam bei der Arbeiterjugendkampagne, die Ihr Euch vornehmen wollt; gemeinsam beim UZ-Pressefest; gemeinsam bei der Stärkung der SDAJ und gemeinsam bei der Kampagne zur Gewinnung neuer Mitglieder für die Partei.

Wir danken Euch hier für die Bereitschaft zugunsten des Pressefests Eure Planungen zu verändern und wir wollen gemeinsam mit Euch daran arbeiten, dass wir auf dem Pressefest einen Jugendbereich hinbekommen, der ausstrahlt und der Stärkung der SDAJ dient.

Der Kapitalismus und (nicht nur) der deutsche Imperialismus haben nicht viel verdient. Verdient haben sie eine stärkere SDAJ und eine stärkere DKP. Verdient, weil Lampedusa, das Flüchtlingsdrama ihre Menschenfeindlichkeit, ihre Tödlichkeit zeigen. Verdient, weil das Kriegsgeschrei von de Maizière und Westerwelle in Kundus ihren Militarismus und ihre Aggressivität zeigen. Verdient, weil dieses Land zu einem Niedriglohnland gemacht wurde, um die Peripherie der EU mit der sogenannten Exportwalze auszunehmen. Verdient weil, derzeit in Syrien imperialistische Interessen die Kriegsgefahr anheizen, die Millionen Menschen bedroht.

Dem setzen wir gemeinsam die antiimperialistische Solidarität entgegen und darum sagen wir: Hoch leben die 18. Weltfestspiele der Jugend und Studenten in Ecuador, hoch lebe die Solidarität mit dem sozialistischen Kuba.

Wir schlagen Euch vor, schnell eine Verständigung herbeizuführen, wie wir Eure Vorbereitung der Weltfestspiele unterstützen können und wir schlagen Euch vor, noch einen Zahn zuzulegen, um Euer erfolgreiches Kuba-Solidaritätsprojekt in der Partei bekannter zu machen – Freiheit für die Miami 5.

Wir schlagen Euch vor, viel stärker darauf zu orientieren, wie Gruppen der SDAJ und Gruppen der DKP auch gemeinsam auf die Straße kommen und frecher auf die Straße kommen – auch da können wir durchaus aus unserer Vergangenheit lernen. Ein Beispiel, beim 5. Bundeskongress der SDAJ, 1976 in Frankfurt, berichtete ein Delegierter: „So marschierten wir das nächste Mal mit einem lebendigen Schwein vor das Werkstor und protestierten gegen den Schweinestall, der unseren Auszubildenden als Kaue zur Verfügung gestellt wird …“ Der Delegierte war Rainer Einenkel, heute Betriebsratsvorsitzender bei Opel Bochum. Vermutlich würde er heute leider anders agieren, das Opel-Kapital hätte solch eine Aktion aber durchaus verdient, das Schwein vielleicht aus Gründen des Tierschutzes nicht.
Früher gab es die Losung „SDAJ und DKP tun den Monopolen weh“ – ist ein bisschen „reim Dich oder ich fress Dich“ – aber trotzdem richtig, deshalb es lebe unsere Freundschaft, stärkt die SDAJ und stärkt die DKP.