Nachrichten
0

… Pogrome, Asylgesetze, Abschiebung, geistige Brandstiftung

antifa-aktionIn der Nacht zum 12.01.2014 verwüsteten vier Männer aus Wohra und Kirchhain eine Asyl-suchendenunterkunft im hessischen Wohratal. Dabei zerstörten sie Fenster, Türen und Rolllä-den, bedrohten und beschimpften die BewohnerInnen. Obwohl die Randale über eine halbe Stunde dauerte, traf die Polizei trotz unmittelbar nach Beginn des Angriffes abgesetzten Not-rufes erst wesentlich später ein. Danach ermittelt sie „in alle Richtungen“. Nach anfänglichem Leugnen haben die Männer gestanden, die Tat begangen zu haben aufgrund von Alkoholkon-sum und aus ihrer emotionalen Lage heraus, sie seien aber nicht rechtsradikal. Dass mindes-tens einer von ihnen schon vorher einmal wahrscheinlich einen Hitlergruß beim Vorbeifahren aus dem Auto gezeigt hatte und „verfassungsfeindliche Parolen“ rief, tut scheinbar nichts zur Sache. Die Ermittler bezeichnen die Motivlage als „vielschichtig und unklar“.

Doch der Fall reiht sich in Hessen in weitere Übergriffe ein: 2008 schlug im Schwalm Eder- Kreis ein Neonazi ein 14-jähriges Mädchen bei einem nächtlichen Überfall auf ein Zeltlager mit einem Klappspaten in die Intensivstation. 2008 wurden vermeintliche Linke im nahen Goßfelden brutal zusammengeschlagen. 2010 verübten Neonazis in Wetzlar einen Brandan-schlag mit Molotowcocktail auf das Haus eines Nazigegners. Seit 2012 ist im nahen Lumdatal eine Naziclique aktiv, zuletzt gingen sie mit Elektroschockern und Zaunlatten auf Passanten los. Im beschaulichen Städtchen Dautphetal bei Marburg wurde am 18.02.2008 ein Haus von Neonazis angezündet. Bereits nachmittags, Stunden vor der eigentlichen Tat, schmierten die unbekannten Täter das Wort „Hass“, die SS Buchstaben im Stil von Sigrunen, mit Sprühfarbe an die Tür der betroffenen Familie mit türkischem Hintergrund. Bereits zu diesem Zeitpunkt hätte Schlimmeres verhindert werden können, hätte die herbeigerufene Polizei den extrem rechten Farbanschlag ernstgenommen. Aber das Gegenteil war der Fall, sie tat, was sie immer tut: Beschwichtigen, beruhigen und letztendlich ignorieren. Stunden später brannte der Holz-anbau des Einfamilienhauses lichterloh. Die BewohnerInnen konnten noch zwei Männer be-obachten, die davonrannten und Naziparolen riefen. Der Brand wurde glücklicherweise schnell gelöscht, niemand musste den Anschlag mit seinem Leben oder körperlicher Ver-sehrtheit bezahlen. Eine Woche später ließ die Polizei Marburg-Biedenkopf verlauten, es gäbe keine Verdachtsmomente – die Ermittlungen gegen die unbekannten Neonazis verliefen im Sande. Weitere Wochen nach der Tat erhielt die Familie, deren Haus angezündet wurde, einen Brief mit Zeitungsausschnitten des Brandanschlages – und drei beiliegende Streichhölzer.

Mit dem jüngsten Angriff in Wohratal wird die Kontinuität rassistischer Übergriffe offen-sichtlich. Fakt ist: Nazis morden. Und das nicht erst seit dem Nationalsozialistischen Unter-grund (NSU). Seit 1990 wurden 180 Menschen von Nazis in der BRD ermordet. Ob sie Leute zusammenschlagen, aus der S-Bahn werfen, erstechen, entführen oder eben ihr Haus anzün-den, bleibt in der Begründung gleich.
Der Grundpfeiler der Ideologie der Neonazis ist die Einteilung von Menschen nach rassisti-schen und chauvinistischen Kategorien. Auch den Herrschenden kommt diese Einteilung sehr recht: die Spaltung in AusländerInnen und Deutsche lenkt davon ab, dass wir gemeinsame Interessen haben: gute Studien- und Ausbildungsbedingungen ohne Konkurrenzgedanken, genug Geld zur Freizeitgestaltung und Mitbestimmungsmöglichkeiten.

Am 22.2. soll mit einer Demonstration durch Dautphetal das Bewusstsein dafür wachgehalten werden, dass Neonazigewalt und Rassismus alltäglich sind – auch in Marburg – Biedenkopf! Die regionale Gruppe der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ) Marburg/ Gießen beteiligt sich an der antifaschistischen Demonstration im Dautphetal und unterstützt und be-kräftigt die Forderungen der Organisatoren der Antifa-Demo.

  • Für das Ende des alltäglichen Naziterrors!
  • Gegen die rassistischen Zustände – ob Ausländerbehörde oder Naziclique!
  • Für einen konsequenten Antifaschismus, der alle Teile der Gesellschaft in die Kritik einbezieht!
  • Der antifaschistische Selbstschutz muss organisiert werden!

SDAJ-Gruppe Gießen/Marburg

Infos unter dautphetal.blogsport.de