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von Bernd Mülller

Offensichtlich werden viele Verbraucher getäuscht, wenn sie sich mit Ökostrom versorgen wollen. Statt des grünen Stroms erhalten sie fossilen, macht eine Studie des Umweltbundesamtes deutlich. In Deutschland beziehen mittlerweile sieben Millionen Verbraucher Ökostrom, der wahrscheinlich gar keiner ist. Allein in den Jahren 2011 und 2012 stieg die verkaufte Strommenge nach Angaben der Bundesnetzagentur um ein Viertel an.

Dem Geschehen auf dem Ökostrommarkt ist das Bundesumweltamt in einer Studie nachgegangen. Wer demnach in Deutschland Ökostrom bestellt, leistet keinen Beitrag zur Energiewende. „Der überwiegende Anteil des als Ökostrom vermarkteten Stroms beruht auf dem Handel mit Herkunftsnachweisen und stammt aus dem europäischen Ausland“, heißt es in der Studie.

In Deutschland müssen sich z.B. die Betreiber von Windparks entscheiden, ob sie den erzeugten Ökostrom zu festen Tarifen über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) verkauft oder direkt an Ökostromkunden. Beides gleichzeitig geht nicht. Wer aber die Vergütung nach EEG-Tarifen in Anspruch nimmt, darf seinen Strom nicht mehr als Ökostrom verkaufen. Einen Herkunftsnachweis für Ökostrom gibt es in Deutschland vor allem für ältere Wasserkraftwerke, die keine EEG-Förderung mehr bekommen oder nie erhalten haben. Deshalb sind auch von den 136 Terawattstunden deutschem Ökostroms im Jahr 2012 nur 26 Terawattstunden als solcher gehandelt worden.

Was hierzulande als Ökostrom deklariert wird, stammt meist indirekt aus Skandinavien oder Österreich. Dort wird viel mehr Strom aus Wasserkraft erzeugt, als an Ökoenergie nachgefragt wird. Jede Kilowattstunde erhält einen Herkunftsnachweis und dieser kann separat gehandelt werden. So kann Kohlestrom grün werden. In Norwegen wurden 2011 rund 96 Prozent aus Wasserkraft erzeugt, aber im nationalen Energiemix machte der Ökostrom nur noch 23 Prozent aus. Der Rest wurde per Zertifikat verkauft, ohne dass der Strom Norwegen physisch verlassen musste.

Die Nachweise gibt es so reichlich, dass sie zu Marktpreisen zwischen 0,02 und 0,03 Cent je Kilowattstunde gehandelt werden, und das ermöglicht es, günstigen Ökostrom anzubieten. Immerhin sind auf diesem Wege manche Ökostrom-Tarife günstiger als herkömmliche Stromtarife.

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Übernommen von Bernd Müller

Der Autor ist Kandidat zu den EU-Wahlen auf der Liste der DKP