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Papst Johannes XXIII. ­ Leitfigur der Friedensbewegung

27.04.2014

Die Römisch Katholische Kirche wird heute Papst Johannes XXIII. (1881-1963) und Johannes Paul II. (1920-2005) heilig sprechen. Die Initiative zur Kanonisation von Johannes XXIII. ist von Papst Franziskus ausgegangen, während der deutsche Papst Benedikt XVI. (1927) in einem Schnellverfahren den Heiligsprechungsprozess für seinen Vorgänger eingeleitet und abgeschlossen hat.

Johannes XXIII. ist eine historische Leitfigur, die über den Kapitalismus, der immer auch Krieg bedeutet, hinausgedacht und im Gegensatz zu Johannes Paul II. das Potential der sozialistischen Welt für die Entwicklung der Menschheit anerkannt hat. Er hat die Notwendigkeit eines Dialogs betont und war nicht an ihrer Zerstörung beteiligt. Johannes XXIII. hat, vergeblich, versucht, der Römisch Katholischen Kirche den Charakter einer an der Macht interessierten europäischen Kolonisationskirche zu nehmen.

Die Pontifikate seiner beiden Nachfolger sind für die Menschheit verlorene Jahre gewesen. Erst in der Gegenwart entsteht durch den der Befreiungstheologie jedenfalls nahe stehenden Papst Franziskus wieder etwas Hoffnung, dass die Katholische Kirche an das Wirken von Papst Johannes XXIII. anknüpfen wird.

Zum Gedenken an Papst Johannes XXIII. rufen wir ein Schreiben der chilenischen Kommunistin Olga Poblete (1906-1999), Lenin–Friedenspreisträgerin des Jahres 1962, vom April 1963 aus Anlass der Enzyklika Pacem in terris in Erinnerung:

„Die höchste Autorität der christlichen Welt wandte sich an die gesamte Menschheit und rief sie auf, den Krieg zu verurteilen und sich für eine vollständige Abrüstung einzusetzen, um zu einem dauerhaften Frieden zu gelangen. Die Enzyklika von Papst Johannes XXIII. wurde zum Echo des weltweiten Rufes gegen die Bedrohung durch den Atomtod, die über der Welt lastet. Diese Botschaft wurde zu einer Zeit veröffentlicht, in der der Wahnsinn des Krieges Initiativen hervorruft, die die Welt statt zu friedlichen Koexistenz zu einem Wettrüsten führen. Sie haben keinen anderen Sinn als eine multinationale Atomstreitmacht innerhalb der NATO zu schaffen. Der Appell zur Verständigung, zum Verständnis und zur Verhandlungsbereitschaft, den man in der Papst-Botschaft findet, scheint in diesem Augenblick vor allem an jene gerichtet zu sein, die, während sie vom Frieden sprechen, die in Genf geführten Abrüstungsgespräche behindern, die kolonialistischen und imperialistischen Kriegsherde nähren, die von Tyrannen und Lakaien geführten Regierungen unterstützen, der Entwicklung historischer revolutionärer Veränderungen Einhalt zu gebieten sowie den Willen der Völker zu dominieren versuchen. Die Enzyklika ‚Pacem in terris‘ ist viel mehr als nur ein kleiner Appell zum Frieden; sie versucht sogar die Kriegsherde, die Ursachen für die Gefährdung des Friedens festzustellen. Deshalb ist sie von ausserordentlichem Wert in der gegenwärtigen Periode, da die verschiedenen Friedenskräfte in der ganzen Welt den Willen der Völker zum Ausdruck bringen und gegen den Atomkrieg sowie für die allgemeine und vollständige Abrüstung wirken.

Wir chilenischen Friedenskämpfer begrüssen den bemerkenswerten Beitrag zum weltweiten Kampf für den Frieden, den die Enzyklika darstellt und wir sind davon überzeugt, dass sich jetzt viele Schichten unseres Landes, die bis nun der Friedenspropaganda taub gegenüberstanden, dazu veranlasst sehen werden, etwas zur Verteidigung einer dauerhaften Friedens zu tun“.

von Univ. Prof. i. R. Dr. Gerhard Oberkofler

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Übernommen von kominform.at