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Interview mit dem Rapper MC Albino, der auf dem UZ-Pressefest am Samstagabend (28. Juni 2014) auftritt.

albino-2In Ihrer Eigenschaft als linker Rapper treten Sie nunmehr seit Jahren bei linken Events auf. Wie wichtig sind Musik und Kultur für eine antikapitalistische Bewegung?

Ich würde die Rolle von Kultur und im speziellen von Musik auf keinen Fall unterschätzen wollen. Ich weiß, dass viele linke Aktivisten durch Musik politisiert wurden, durch Musik, die soziale und politische Prozesse auf- und angreift. Musik kann als Brennglas für diese nach wie vor zutiefst inhumanen gesellschaftlichen Verhältnisse fungieren und Inhalte transportieren, die in den bürgerlichen Massenmedien keinen Platz finden.

Oftmals kommt die politische Linke jedoch recht altbacken daher. Vor welche Schwierigkeiten stellt Sie das als Künstler?

Ich glaube dass es wichtig ist, bei seinem künstlerischen Ausdruck immer aufs neue zu überprüfen, welche Art von Sprache, welche Begriffe und Artikulationsweisen geeignet sind, um revolutionäre Gedanken zu transportieren, so daß sie generationsübergreifend verstanden werden können. Ich denke, dass ich mittlerweile eine Sprache gefunden habe, die diesem Anspruch gerecht wird, auch wenn sie stets weiterentwickelt werden muss.

Also wäre eine Modernisierung linker Kultur dringend geboten?

Definitiv! Grundsätzlich sehe ich diese Modernisierung als einen ständigen Prozess an. Dieser Prozess muss aber in der Tat gerade jetzt dringend vorangetrieben werden, zumal ein Großteil von denen, die sich moderne linke Kultur auf die Fahnen schreiben, in meinen Augen kulturindustrielle Vasallen und Türöffner für die neoliberale Agenda sind.

Mittels Ihrer Musik beziehen Sie klar Stellung gegen Imperialismus und Krieg. Was hat Sie persönlich dazu veranlasst, Ihre Texte derart politisch zu gestalten?

Mir ist Mitte der 90er Jahre bewusst geworden, dass ein Großteil von meinen politischen Fragen von den bürgerlichen Medien nicht aufgegriffen werden. Mir fehlten wahrnehmbare Stimmen, die meine Anliegen angemessen repräsentieren. Deswegen entschloss ich mich damit anzufangen, meine Inhalte und Themen selber zu formulieren und an die Öffentlichkeit zu tragen. So begann für mich ein steter politischer und menschlicher Lernprozess, der von allen die das möchten, über meine Veröffentlichungen der letzten 19 Jahre nachvollzogen werden kann.

Trotzdem dürfte ein explizit politisches Wirken Künstler vor Schwierigkeiten stellen. Haben Sie aufgrund Ihrer Positionierung schon schlechte Erfahrungen gemacht?

Na klar. Meine Inhalte haben diverse Konsequenzen gehabt. So bin ich recht schnell für einen Großteil der Rap-Szene uninteressant geworden, da die zunehmende Radikalität unerwünscht war. Auch ein gewisser Teil der „linken“ Szene, die sich an nicht wenigen Stellen zu einer unpolitischen bürgerlichen neoliberalen Identitätskultur entwickelt hat, verabscheut meine Musik. Dies führte beispielsweise dazu, dass sich unsere letzten Tour, die eine klare Kapitalismus- und Imperialismuskritische Ausrichtung hatte, regelmäßig mit antideutschen Initiativen konfrontiert sah, mit dem Ziel unsere Konzerte zu verhindern.

Und trotzdem bleiben Sie Ihrer Linie treu?

Na selbstverständlich! Mein Motor ist der Ekel vor dieser Gesellschaft, die von Freiheit redet und gleichzeitig die unmittelbaren Interessen und Bedürfnisse der allermeisten fühlenden Individuen ignoriert und sogar massiv bekämpft.