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Bezahlung unter Wert

Einstiegslohn: 6 Euro pro Stunde, Spätschichtenzuschlag: 1 Euro, kurzfristige Personalplanung, Flexibilität und Befristung – das verlangt das Callcenter [buw] von der Mehrheit seiner ca. 1000 Beschäftigten am strategisch wichtigsten Standort in Leipzig.

Auf ihrer Homepage verkünden Jens Bormann und Karsten Wulf, die das Unternehmen [bormann und wulf] 1993 gegründet haben, vollmundig: „Heute erwirtschaften mehr als 5300 Kolleginnen und Kollegen im Auftrag namhafter Mittelständler und Konzerne an elf Standorten in Europa einen jährlichen Umsatz von rund 122,5 Millionen Euro (Stand: 2013).“

Bereits im Juni des Jahres hatte die SDAJ im Zusammenhang ihrer bundesweiten Kampagne „unsere Zukunft statt eure Profite“ die Verhältnisse des Leipziger Standortes thematisiert. Im Bündnis mit Ver.di Jugend, dielinke.sds und mit Unterstützung der SDAJ Berlin, Jena/Weimar und der DKP Leipzig folgte am Samstag, den 18. Oktober, eine Outing-Aktion vor dem Unternehmenssitz auf dem Torgauer Platz. Mit Transparenten, Flugblättern und kleinen kreativen Redebeiträgen informierten die Teilnehmer Passanten über die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten.

Dass trotz Enthusiasmus und Einfallsreichtum sowie der Bedeutung des Themas Teilnahme und Resonanz verhältnismäßig gering ausfielen, muss wohl auch darauf zurückgeführt werden, dass eine Einbindung oder Beteiligung örtlicher Strukturen der PdL zu wünschen übrig blieb.
Interessant und für eine bündnisorientierte Arbeiter- und Jugendpolitik von Bedeutung war die anschließende Podiumsdiskussion im Netzwerkbüro linXXnet. Sekretäre der Ver.di und IG Metall Jugend diskutierten gemeinsam mit Mitgliedern der AG Arbeiterjugendpolitik der SDAJ und einem Vertreter des Streik-Soli-Bündnis Amazone Leipzig Fragen und Probleme moderne Arbeiter- und Gewerkschaftspolitik.

Im Vordergrund der Debatte standen die Möglichen für Organisation und Arbeitskämpfe v.a. prekär Beschäftigter des Dienstleistungsgewerbes, wie in Callcentern oder im Einzelhandel. Deutlich wurde dabei u.a., dass hohe Durchlaufgeschwindigkeiten von Angestellten, geringe Information, aber auch Motivation der Mitarbeiter für Interessenpolitik und mangelnde Organisation, z.B. in Gewerkschaften, einer Verbesserung von Arbeitsbedingungen oft im Wege stehen. Inwieweit und wie politisches Bewusstsein von außen in Betriebe getragen werden kann, welche Rolle Aktionen und Streiks für die Organisierung von Arbeitern spielen oder wie mithilfe betrieblicher Strukturen, wie Betriebsräten oder Vertrauensleuten, der Organisationsgrad vorangetrieben werden kann, werden interessante Fragestellungen der bündnispolitischen Debatte bleiben, in der sich alle Beteiligten wertvolle Impulse vermitteln können.

Als Zielvorgabe kann wohl ein Zitat des Abends gelten: „Die Kollegen sind so stark, wie sie organisiert sind.“

Foto: Gerd Eiltzer