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Ein Gericht in Cote d’Ivoire verurteilte den Industriegiganten zur Zahlung einer Entschädigung von 100 Mio. FCFA, etwa 152.000 Euro an die von einem ivorischen Unternehmer gegründete kleine Aktiengesellschaft Nouvelles Industries et Services S.A. (NIS). Die Schweizer agro-industrielle Gruppe war angeklagt, ihre marktbeherrschende Stellung zu missbrauchen.

Der Schweizer Nahrungsmittel-Multi hatte die großen Hypermärkte in der Hauptstadt Abidjan (Prosuma, CDCI, Societe des 2 plateaux u.a.) verpflichtet, den Kaffee der Marke „Kfe‘facile“ aus den Regalen zu entfernen, da auf dem Etikett auch der Hersteller NIS-Café genannt war. Nachdem das ivorische Unternehmen 2007 Bankrott anmelden musste, verklagte David den Goliath auf 1 Milliarde F CFA. Und bekam Recht, entschädigt mit einem Zehntel: Denn von illoyaler Konkurrenz durch Verwechselung konnte keine Rede sein, die beiden unterschieden sich visuell, phonetisch und strukturell, also in Farbe und dem Layout des Etiketts, „kféfacile“ auch phonetisch different, und außerdem ist Nestlé ein löslicher Kaffee, Kféfacile hingegen gemahlener Kaffee. NIS war wie Nestlé bei der afrikanischen Behörde für geistiges Eigentum (Organisation africaine de la proprieté intellectuelle, OAPI) registriert, damit war die Marke Kféfacile autorisiert.

Die aktuelle Geldstrafe allein dürfte Nestlé nicht jucken, die wäre aus der Portokasse zu bezahlen. Aber der mögliche Image-Schaden könnte sich beim Umsatz bemerkbar machen. Denn der Streit geht weiter. Goliath muss damit rechnen, auch vor einem Schweizer Gericht verurteilt zu werden. Jedenfalls hat der David aus Cote d’Ivoire schon angekündigt, Nestlé vor die Schweizer Gerichtsbarkeit zu ziehen.

Noch vor Jahren ist es dem Schweizer Monopolkapitalisten trickreich gelungen, „Ivoire Café“ des französisch-chinesischen Geschäftsmanns Thierry Tan daran zu hindern, sich in Cote d’Ivoire als Konkurrent zu etablieren. Aber nunmehr dürfte es nicht mehr so einfach sein, in Afrika den Aufbau einer lokalen Kaffee-verarbeitenden Industrie zu verunmöglichen – wie es mit dem Rohstoff Kakao bereits begonnen hat: Der Staat Cote d’Ivoire hat sich zum Ziel gesetzt, in den kommenden Jahren 50 Prozent des geernteten Kakaos auch im Lande verarbeiten. Dazu haben mehrere, im Schwerpunkt multinationale, Unternehmen Fabrikationsstätten eröffnet, Zum Beispiel wird im Mai der französische Pralinenhersteller CEMOI eine Schokoladenfabrik in der Hauptstadt Abidjan in Betrieb nehmen. 6 Mio. Euro hat die seit 1996 vor Ort tätige Gruppe investiert, um in der ersten Phase Kakaopulver und Schoko-Creme, später Schokolade für den afrikanischen Markt zu produzieren.

Georges Hallermayer,  14. März 2015

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