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Nach Machtkampf bei Volkswagen nunmehr bei Renault

Zeitgleich zu den Auseinandersetzungen bei Volkswagen – hier festgemacht an der Person des Vorstandsvorsitzenden der Holding Martin Winterkorn – stehen die Zeichen bei Renault auf Sturm. Noch vor der Generalversammlung am 30. April beruft PDG Carlos Ghosn den Aufsichtsrat zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen. Einziger Tagesordnungspunkt wird sein: „Entwicklung der Zusammensetzung der Anteilseigner und Konsequenzen für die Allianz“.

Gemeint ist die Allianz mit dem japanischen Autobauer Nissan, der, zu 44,3 Prozent von Renault kontrolliert, selbst 15 Prozent am Kapital von Renault hält, allerdings ohne Stimmrecht. Stein des Anstoßes ist die Erhöhung des Anteils des Staates am früheren Staatsbetrieb von 15,01 Prozent auf 19,74 Prozent durch den angekündigten Zukauf eines Aktienpakets von 14 Millionen Anteilsscheinen für den Betrag zwischen 814 Millionen und 1,23 Mrd. Euro. Das allein wäre für die 19 Verwaltungsräte noch kein Beinbruch, hätte nicht die Regierungsmehrheit am 29. März diesen Jahres das Gesetz „Florange“ beschlossen. Nach den Erfahrungen mit der Schließung der Hochöfen des Stahlriesen Mittal in Florange/Lothringen und nach dem Beispiel des VW-Gesetzes verfügt nunmehr der französische Staat über das doppelte Stimmrecht. Und damit steigt der Einfluss der französischen Regierung beträchtlich, auch wenn Finanzminister Michel Sapin mit den Worten „Der Staat will bei Renault von Gewicht sein, nicht dirigieren“ beschwichtigte.

Befürchtet werden Reaktionen von Seiten des japanischen Partners wie eine Verminderung des französischen Anteils unter 40 Prozent durch Kapitalerhöhung oder andere Interventionen. Es scheint, dass sich die imperialistische Konkurrenz auch unter Partnern verschärft.

Von Georges Hallermayer

17. April 2015

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