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Dezember, 2015
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Solidaritätserklärung: Die junge Welt zeigt Flagge

Seit Ende des Jah­res 2014 ist um die Ta­ges­zei­tung jun­ge Welt eine mitt­ler­wei­le sehr schar­fe lin­ke Aus­ein­an­der­set­zung ent­brannt. Aus­gangs­punkt wa­ren Be­stre­bun­gen ver­schie­dens­ter Kräfte, die sich in den Mon­tags­mahn­wa­chen zu­sam­men­ge­tan ha­ben, über den „Frie­dens­win­ter“ lin­ke Be­we­gun­gen, Or­ga­ni­sa­tio­nen oder Par­tei­en ein­zu­bin­den in eine ge­mein­sa­me Frie­dens­be­we­gung jen­seits, wie die­se Kräfte be­haup­ten, „über­hol­ter“ po­li­ti­scher Geg­ner­schaft zwi­schen links und rechts. Es geht also um die Fra­ge, wie die­se Kräfte und ihre Be­stre­bun­gen ein­zu­ord­nen sind. Ver­birgt sich da­hin­ter der Ver­such, eine Quer­front her­zu­stel­len, d.h. un­ter dem Deck­man­tel schein­bar ge­mein­sa­mer Po­si­tio­nen in die Ar­bei­ter­be­we­gung fa­schis­ti­sche Po­si­tio­nen hin­ein­zu­tra­gen, sie so zu un­ter­wan­dern und letzt­end­lich sturm­reif zu schießen? Oder aber er­for­dert der Kampf ge­gen die in­zwi­schen mit Händen zu grei­fen­de Kriegs­ge­fahr ein brei­tes Bünd­nis der Lin­ken auch mit rech­ten Krei­sen, um über­haupt eine Chan­ce zu ha­ben, ei­nen Krieg ab­zu­weh­ren? All den­je­ni­gen, die ei­ner sol­chen Zu­sam­men­ar­beit mit Hin­weis auf die Öff­nung die­ser Be­we­gung bis weit hin­ein in fa­schis­ti­sche Krei­se eine kla­re Ab­sa­ge er­tei­len, wird vor­ge­wor­fen, die Sa­che des Geg­ners zu be­trei­ben. So auch der jun­gen Welt. Abo-Kündi­gun­gen, Dro­hun­gen mit An­zei­gen­boy­kott ge­hen ein­her mit hef­ti­gen Vorwürfen, die bis da­hin rei­chen, die jun­ge Welt wäre Teil ei­ner Hetz­kam­pa­gne ge­gen die Frie­den­be­we­gung oder aber gar vom Geg­ner ge­ka­pert. Die Ver­wir­rung ist per­fekt. Doch wer hetzt da?

„Rechts“ und „Links“ – überholt?

Un­abhängig von der mühsa­men Aus­ein­an­der­set­zung, wer was wann ge­sagt oder nicht ge­sagt hat, müssen doch bei je­dem Lin­ken schon al­lei­ne dann die Alarm­glo­cken klin­geln, wenn sich Kräfte in der Fra­ge Krieg und Frie­den lin­ken Or­ga­ni­sa­tio­nen oder Be­we­gun­gen an­bie­dern mit der Aus­sa­ge, die Be­grif­fe „links“ und „rechts“ hätten in der po­li­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zung kei­ne Gültig­keit mehr; sie sei­en ab­ge­half­tert und dürf­ten kei­ne Rol­le mehr spie­len. Was soll das denn heißen? Fort­schritt­li­che de­mo­kra­ti­sche und so­zia­lis­ti­sche Be­we­gun­gen ge­mein­sam mit rück­schritt­li­chen, den ge­ge­be­nen Zu­stand be­wah­ren wol­len­den? Das aber ist der Hin­ter­grund die­ser po­li­ti­schen Ein­tei­lung seit der Französi­schen Re­vo­lu­ti­on, als die fort­schritt­li­chen, an­ti­mon­ar­chis­ti­schen Par­tei­en im Na­tio­nal­kon­vent links ihre Sit­ze hat­ten und die­je­ni­gen, die am Feu­da­lis­mus fest­hal­ten woll­ten, rechts. Heu­te ver­birgt sich hin­ter der Be­haup­tung, die­se Ein­tei­lung sei über­holt, doch nichts an­de­res als der Ver­such, den un­versöhn­li­chen Wi­der­spruch zwi­schen der Ar­bei­ter­klas­se auf der ei­nen und der Ka­pi­ta­lis­ten­klas­se auf der an­de­ren Sei­te zu leug­nen zu­guns­ten ei­nes vor­geb­lich ge­mein­sa­men, na­tio­na­len In­ter­es­ses. Und die­ses na­tio­na­le In­ter­es­se be­deu­tet in im­pe­ria­lis­ti­schen Staa­ten – und in ei­nem sol­chen Staat le­ben wir – nichts an­de­res, als das In­ter­es­se der herr­schen­den Klas­se, der Mo­no­pol­bour­geoi­sie. Je mehr sich die Wi­dersprüche zwi­schen den im­pe­ria­lis­ti­schen Staa­ten in ih­rem Kampf um Ein­fluss­sphären, Ab­satz­ge­bie­te und Roh­stoff­quel­len verschärfen, um so größer ist das In­ter­es­se der herr­schen­den Klas­se dar­an, dass an der Hei­mat­front „links“ und „rechts“ kei­ne Rol­le mehr spie­len. Die Ar­bei­ter­klas­se und da­mit auch die kleinbürger­li­chen Schich­ten hin­ter ihre In­ter­es­sen zwin­gen zu können, ist die Vor­aus­set­zung für die Herr­schen­den und ih­ren Staat, um über­haupt Krieg führen zu können. Als Kai­ser Wil­helm II. am 4. Au­gust 1914 erklärte: „Ich ken­ne kei­ne Par­tei­en mehr, ich ken­ne nur noch Deut­sche!“ mein­te er nichts an­de­res, als „links“ und „rechts“ spie­len kei­ne Rol­le mehr. Er konn­te sich die­se Hal­tung leis­ten, hat­ten die Führer der So­zi­al­de­mo­kra­tie doch Zu­stim­mung zum Kriegs­ein­tritt si­gna­li­siert und da­mit den wohl fol­gen­schwers­ten Ver­rat in der Ge­schich­te der Ar­bei­ter­be­we­gung be­gan­gen.

Die ag­gres­sivs­te und bar­ba­risch­te Form, „links“ und „rechts“ aus der Welt zu schaf­fen, war schließlich die fa­schis­ti­sche Volks­ge­mein­schaft. Je­der Wi­der­stand soll­te beim zwei­ten Ver­such der deut­schen Mo­no­pol­bour­geoi­sie, ih­ren „Platz an der Son­ne“ mit Krieg zu er­rei­chen, möglichst im Keim er­stickt wer­den. Hierfür über­nah­men die in den 20er Jah­ren des letz­ten Jahr­hun­derts hoch­gezüch­te­ten Fa­schis­ten schein­bar al­ler­lei lin­ke For­de­run­gen der Ar­bei­ter­be­we­gung, um in sie ein­zu­drin­gen, sie so zu schwächen und schließlich zu ver­nich­ten.

Die Ant­wort des im ers­ten Welt­krieg stand­haft ge­blie­be­nen So­zi­al­de­mo­kra­ten Karl Lieb­knecht auf den Ver­rat sei­ner Par­tei war die Lo­sung „Der Haupt­feind steht im ei­ge­nen Land!“ Die­se Lo­sung, nichts an­de­res als die kon­se­quen­te Hand­ha­bung der Be­schlüsse der 2. In­ter­na­tio­na­le im Vor­feld des Ers­ten Welt­krie­ges auf Deutsch­land be­zo­gen, hat seit­dem nichts an ih­rer Rich­tig­keit ver­lo­ren. Die Aus­ein­an­der­set­zung darüber in den Ge­werk­schaf­ten zu führen, die Stand­ort­po­li­tik der Ge­werk­schaftsführun­gen zu bekämpf­ten, mit der sie ver­su­chen, die Ar­bei­ter­klas­se an den Rock­zip­fel der Bour­geoi­sie zu ket­ten und gleich­zei­tig mit je­dem De­mo­kra­ten den Kampf ge­gen Krieg und Fa­schis­mus zu führen, das ist doch un­se­re drin­gen­de Auf­ga­be im Kampf ge­gen den Krieg, und nicht Bünd­nis­se mit Kräften ein­zu­ge­hen, die die Klas­sen­wi­dersprüche oder gar die Exis­tenz von Klas­sen leug­nen und nach ge­mein­sa­men Schnitt­men­gen zwi­schen rechts und links su­chen. Da lan­den wir letzt­end­lich – rechts, im Boot der Herr­schen­den.

„… weshalb wir auch nicht in einer Linie mit dem rheinischen Kapitalismus gegen den US-Imperialismus stehen.“

Umso wert­vol­ler ist es, dass die jun­ge Welt als eine der größten lin­ken Ta­ges­zei­tun­gen die­ser Re­pu­blik in dem Ar­ti­kel „Un­botmäßig be­rich­ten“ von Diet­mar Ko­schmie­der noch ein­mal deut­lich ihre Hal­tung klar­stellt: „Wir se­hen wie W. I. Le­nin oder Rosa Lu­xem­burg die ein­zi­ge Chan­ce für eine fried­li­che Zu­kunft dar­in, den Im­pe­ria­lis­mus ge­ne­rell zu über­win­den, wes­halb wir auch nicht in ei­ner Li­nie mit dem rhei­ni­schen Ka­pi­ta­lis­mus ge­gen den US-Im­pe­ria­lis­mus ste­hen. Dafür aber in ei­ner mit den flüch­ten­den Ar­bei­tern aus Asi­en und Afri­ka: Wir tre­ten für wach­sen­des Klas­sen­be­wusst­sein ein, nicht für wach­sen­des Na­tio­nal­be­wusst­sein.“[1] Der ers­te Halb­satz ist si­cher­lich in der mar­xis­ti­schen Lin­ken kein Grund für größere Aus­ein­an­der­set­zung, son­dern der Be­zug auf den „Rhei­ni­schen Ka­pi­ta­lis­mus“ und die Fra­ge der Kon­kur­renz zwi­schen dem deut­schen und dem US-Im­pe­ria­lis­mus. Als Rhei­ni­schen Ka­pi­ta­lis­mus be­schrieb man die Form des Ka­pi­ta­lis­mus in West­deutsch­land nach dem 2.Welt­krieg. Mit So­zi­al­staats­ge­set­zen, großer Ein­heits­ge­werk­schaft, zeit­wei­lig ge­rin­ger Ar­beits­lo­sig­keit, flächen­de­cken­den Ta­rif­verträgen und wei­te­ren Ele­men­ten wur­de der Ka­pi­ta­lis­mus hier­zu­lan­de ka­schiert und, ver­bun­den mit ei­nem ge­ra­de­zu zur Staats­dok­trin er­ho­be­nen An­ti­kom­mu­nis­mus, der Ar­bei­ter­klas­se der Er­folg so­zi­al­de­mo­kra­ti­scher Po­li­tik ein­ge­re­det. Der Rhei­ni­sche Ka­pi­ta­lis­mus war so vor al­lem ein Mit­tel im Kampf der Bour­geoi­sie ge­gen die so­zia­lis­ti­schen Länder. Die Ar­bei­ter­klas­se in West­deutsch­land soll­te da­von ab­ge­hal­ten wer­den, über den Tel­ler­rand des Lohn­kamp­fes hin­aus­zu­schau­en und ihr so jeg­li­che So­li­da­rität mit den so­zia­lis­ti­schen Ländern aus­ge­trie­ben wer­den. Den Ar­bei­tern in der DDR aber soll­te ein Ka­pi­ta­lis­mus vor­ge­gau­kelt wer­den, in dem auch die Ar­bei­ter­klas­se eine Zu­kunft hat. Ein Ne­ben­ef­fekt war, dass da­mit die west­deut­sche Ar­bei­ter­klas­se auch ge­gen den US-ame­ri­ka­ni­schen „Freund“ und Kon­kur­ren­ten des deut­schen Im­pe­ria­lis­mus in Stel­lung ge­bracht wer­den konn­te. Die Be­to­nung der „gemäßig­ten Aus­beu­tung“, in wel­cher für die ka­pi­ta­lis­ti­schen Be­triebs­unfälle und ihre Fol­gen be­stimm­te Lin­de­run­gen ver­spro­chen wa­ren, Kran­ken­ver­si­che­rung für alle, Ar­beits­lo­sen­geld usw., wur­de im­mer ge­setzt ge­gen den an­geb­lich im Ver­gleich viel schlim­me­ren Ka­pi­ta­lis­mus US-ame­ri­ka­ni­scher Prägung. Dort galt der Mensch an­geb­lich gar nichts, ge­schieht die Ver­wer­tung des Men­schen ohne Gna­de oder so­zi­al­staat­li­ches Fußbal­sam. Im nächs­ten Schritt wur­de dann ar­gu­men­tiert, dass die­ser schlim­me, räube­ri­sche Ka­pi­ta­lis­mus des „Un­cle Sam“ auf dem Vor­marsch in der west­li­chen Welt ist und so­zu­sa­gen un­se­ren hu­ma­ne­ren, ein­sich­ti­ge­ren rhei­ni­schen Ka­pi­ta­lis­ten den An­griff erklärt und der hie­si­gen Ar­bei­ter­klas­se gleich mit. Aus­ge­hend von so­zia­len Ele­men­ten des Rhei­ni­schen Ka­pi­ta­lis­mus schip­per­te man dann fol­ge­rich­tig in ei­nem Boot mit sei­nen Aus­beu­tern über die­sen Rhein und von dort ex­pan­siv in alle Welt. Als das Boot vom Rhein in den Gewässern der DDR an­ge­kom­men war und die­se schließlich ein­ver­leib­te, war es mit dem so­zia­len Fort­schritt endgültig vor­bei, die dro­hen­de In­va­si­on des US-Ka­pi­tals wur­de auch ohne nen­nens­wer­te Fak­ten wei­ter pro­pa­giert. So­weit Lin­ke dies auf­neh­men, ist die Dre­hung zwangsläufig voll­zo­gen, aus der so­zia­len Fra­ge ist die na­tio­na­le ge­wor­den, und man hängt am Rock­zip­fel des deut­schen Im­pe­ria­lis­mus, der mitt­ler­wei­le Eu­ro­pa mit so­ge­nann­ten fried­li­chen Mit­teln un­ter­jocht wie nie zu­vor.

Wei­ter erklärt D. Ko­schmie­der in die­sem Ar­ti­kel: „Wir blei­ben auf kri­ti­scher Dis­tanz zu Be­we­gun­gen, die kei­ne all­zu­g­roßen Pro­ble­me mit Quer­frontüber­le­gun­gen ha­ben, die nichts ge­gen jene ha­ben, die rechts­ra­di­kal ge­wen­de­te wie Jürgen Elsässer und die jun­ge Welt in eine Ein­heits­front brin­gen wol­len. Die mei­nen, An­ti­se­mi­tis­mus sei eine Er­fin­dung der An­ti­deut­schen. Die mei­nen, Klas­sen­po­si­tio­nen sei­en Sek­tie­rer­tum, und die da­mit an die Stel­le von Aufklärung und Klar­heit Ver­wir­rung und Spal­tung set­zen. Die nicht an kri­ti­scher Dis­kus­si­on und Wi­der­spruch, son­dern an Glau­bens­be­kennt­nis­sen in­ter­es­siert sind.“

Ab­sch­ließend wird von D. Ko­schmie­der ver­deut­licht, dass die jun­ge Welt un­beug­sam ihre Li­nie fortführen wird, und bit­tet um Un­terstützung: „Für man­che ist die­se kri­ti­sche Hal­tung ein Grund, die jun­ge Welt nicht mehr zu le­sen, gar zum Boy­kott auf­zu­ru­fen. Für vie­le aber ist sie auch ein Grund, sie jetzt erst recht zu abon­nie­ren. Wir wer­den auch wei­ter­hin dafür kämp­fen, dass die Aufklärung siegt – und freu­en uns über je­den, der sich über ein Abon­ne­ment mit uns verbündet.“

Lie­be Freun­de der jun­gen Welt, macht wei­ter so und zeigt Flag­ge!

Komunistische Arbeiterzeitung, Für Dialektik in Organisationsfragen

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Die Januar-Ausgabe des Gießener Echo ist erschienen. Lesenswert! Das Heft kann hier heruntergeladen werden:

Gießener Echo

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„Sozialismus ist eine gute Idee, die bisher nur schlecht ausgeführt wurde.“ Dieser in Langzeitstudien abgefragten Feststellung stimmten auch in der jüngsten Erhebung in Thüringen die meisten Menschen zu: 68% der vor 1975 und 59% der nach 1975 geborenen. Und weiter: Auch nach 25 Jahren antikommunistischem Trommelfeuer, Hetze und Verleumdung der DDR steht für noch immer 50% fest: Die DDR hatte mehr gute als schlechte Seiten.

Das missfällt den Herrschenden, die doch ihren Kapitalismus – mit all seinen Verbrechen und seiner Verelendung – als „alternativlos“ indoktrinieren wollen. Richtig ist, es gibt keinen Missstand, dessen Ursache nicht im kapitalistischen Zwang zur Profitmacherei begründet ist. Dass alle gesellschaftlichen Bereiche chronisch unterfinanziert sind und der Sozialabbau vorangetrieben wird, ist gewollt. Denn die Regierung verzichtet auf Vermögenssteuer und belastet stattdessen die Bevölkerung mit ihren Sparprogrammen und dem Fetisch der „schwarzen Null“. 8 Billionen (das sind 8.000 Milliarden) Euro, die die Reichen und Superreichen angehäuft haben, sind mehr als genug, um allen Menschen ein würdiges und gutes Leben zu ermöglichen.

Würde die gesellschaftlich notwendige Arbeit auf alle Beschäftigten verteilt, brauchte es weder Arbeitslosig
keit noch Hartz IV zu geben. Wir hätten die 30- oder sogar die 25Stundenwoche. Man kann beliebige Skandale nennen: Umweltverschmutzung, Gammelfleisch, Abgaslügen…; sobald man der Sache auf den Grund geht, stellt sich heraus, dass hinter diesen Sauereien letztlich das Streben nach Profitmaximierung steht. Das gilt erst recht für alle Angriffskriege.

Das alles ist natürlich auch den Herrschenden klar, und deswegen werden sie nicht müde, jede sozialistische Überlegung in Grund und Boden zu verdammen und die Menschen einer verlogenen Gehirnwäsche zu unterziehen. Es ist erstaunlich, dass sie es nach 25 Jahren immer noch nicht restlos geschafft haben. Die Entwicklung der letzten Jahre, die Wirtschafts- und Finanzkrisen und insbesondere die dramatische Ausweitung der Kriege veranlasst zum Nachdenken über dieses faulende System. Die von Rosa Luxemburg formulierte Alternative „Sozialismus oder Barbarei“ gilt. Natürlich war die DDR kein Paradies, sondern mit Fehlern und Unzulänglichkeiten behaftet. Richtig ist aber auch: „Jeder schlechte Sozialismus ist immer noch besser als der beste Kapitalismus“ (Peter Hacks).

Erika Beltz

Gießener Echo, Januar 2016

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Vom Donnerstag, 31. Dezember 2015 – 20:00
Bis Freitag, 1. Januar 2016 – 02:30

Eintritt 30,- Euro

Livemusik mit Musicalle

Begrüßungsgetränk nach Wahl

Buffet

Um Mitternacht: Ein Glas Sekt sowie eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen

Anmeldung bitte per E-Mail pei redche55@yahoo.de

Ort : FMP1, Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin, Deutschland

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30.12.2015

rtdeutsch

Der Außenminister der Russischen Föderation, Sergei Lawrow, zieht im Gespräch mit Interfax eine Bilanz des außenpolitischen Jahres 2015 und macht Prognosen für das Jahr 2016 aus Sicht der russischen Diplomatie.

FRAGE: Sergei Wiktorowitsch, wie war das auslaufende Jahr für die russische Diplomatie?

ANTWORT: 2015 war in auswärtigen Angelegenheiten kompliziert. Es ließ sich die zunehmende Konkurrenz um den Einfluss auf die fortdauernde Transformation des internationalen Systems spüren. Es zeichneten sich viel deutlicher zwei Haupttendenzen ab: Die erste besteht darin, diese Konkurrenz in zivilisierte Bahn zu lenken und die Gestaltung einer besseren Zusammenarbeit zur Abwehr von immer stärker werdenden Herausforderungen, zur Festigung von Mechanismen der globalen Führung aufgrund des Völkerrechtes und der zentralen Rolle der Vereinten Nationen im Interesse aller Parteien in den Vordergrund zu stellen.

Andererseits kam jedoch auch eine Tendenz zum Vorschein, die eigene Dominanz in internationalen Angelegenheiten – aller objektiven Realität zum Trotz – durchzusetzen sowie allen und überall den eigenen Willen aufzuzwingen, um dadurch einseitige Vorteile für sich zu bekommen.

Es häuften sich auch weitere Faktoren der Instabilität an, besonders in der internationalen Wirtschaft. Vor dem Hintergrund der Krise im Euro-Raum und auch in anderen Regionen sowie vor dem Hintergrund der weiterhin bestehenden Ungleichmäßigkeit der wirtschaftlichen Entwicklung wurden immer öfter Versuche unternommen, seine Interessen auf Kosten der anderen zu schützen und den globalen Wirtschaftsraum zu zerrütten.

Im Informationsbereich stießen wir auf äußerst hitzige Medienkampagnen, darunter auch auf die, die gegen unser Land gerichtet waren. Eine besondere Brisanz gewann die Situation durch die noch nie in diesem Ausmaß dagewesene Verschärfung der Terrorgefahr. Terroristen vom „Islamischen Staat“ und anderen extremistischen Gruppierungen kontrollieren inzwischen beachtliche Gebiete in Syrien und im Irak, sie verübten zahllose barbarische Gräueltaten – einschließlich der Anschläge gegen Bürger Russlands, in Ländern der EU, im Nahen Osten, in Afrika und den USA.

Dies löste einen Exodus der Bevölkerung aus, darunter in Richtung der EU-Länder. Sie planen die Gründung eines von der Atlantik-Küste bis nach Pakistan reichenden „Kalifats“. Ihre Tätigkeit schuf eine reale Gefahr, nicht nur für die regionale sondern auch für die internationale Sicherheit.

Unter diesen Umständen agierte Russland aktiv und dynamisch, indem es als einer der größten Staaten und ständiges Mitglied des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen anstrebte, seiner Verantwortung für den Hergang in der Welt gewachsen zu sein. Die Hauptrichtung der Bemühungen seitens der russischen Diplomatie wurde die führende Rolle unseres Landes einerseits bei der Mobilisierung der internationalen Abwehr der terroristischen Aggression und andererseits bei der Bildung einer breiten antiterroristischen Front.

Die auf Bitte der syrischen Regierung eingeleiteten, entschlossenen Handlungen der Luft- und Landstreitkräfte Russlands konnten den Vorstoß illegaler Kämpfer aufhalten. Das Ergebnis war, dass das gesamte Bild des Geschehens klarer abzeichnet. Man konnte sehen, wer tatsächlich gegen die Extremisten vorgeht, wer als ihr Handlanger fungiert und sie zu eigenen egoistischen Zwecken ausnutzt, und wer, wie die Türkei, einen verräterischen Stoß in den Rücken jener versetzt, die der Terrorgefahr widerstehen.

Dabei gingen wir unverändert davon aus, dass der Terrorismus lediglich auf militärischem Wege nicht zu bekämpfen ist, dass dieser Kampf mit einer politischen Beilegung der Konflikte, mit einem wirtschaftlichen Wiederaufbau der betroffenen Staaten und mit der Ausrottung der extremistischen Ideologie einhergehen muss.

Unsere Herangehensweise trug zur Einleitung des sogenannten „Wiener Prozesses“ zur politischen Friedensregelung in Syrien unter Beteiligung aller Staaten bei, die diese Bemühungen fördern können.

Wir glauben fest daran, dass die Lösung aller, auch der kompliziertesten Probleme der modernen Welt nur mithilfe des Völkerrechts, der Prinzipien der Gleichberechtigung, des gegenseitigen Respekts, der Achtung gegenseitiger Interessen, der Achtung der kulturellen und zivilisatorischen Vielfalt der modernen Welt, des Selbstbestimmungsrechts der Völker möglich ist.

Diese Herangehensweise teilt heutzutage die überwältigende Mehrheit der Staaten. Gemeinsam mit unseren Nachbarn förderten wir konsequent Integrationsprozesse im Rahmen der Eurasischen Wirtschaftsunion. Diese Anstrengungen eröffnen neue Horizonte für eine fruchtbare Zusammenwirkung im riesengroßen eurasischen Raum, auch unter Einbeziehung unserer Partner im asiatisch-pazifischen Raum.

Es wurde prinzipiell vereinbart, die Arbeit der Eurasischen Wirtschaftsunion an das von China vorgeschlagene Projekt der Seidenstraße anzukoppeln. In diesem Zusammenhang wurde ein Abkommen über die Gründung einer Freihandelszone zwischen der Eurasischen Wirtschaftsunion und Vietnam unterzeichnet.

Russlands Vorsitz in zwei aussichtsreichen und multilateralen Formaten (und zwar SOZ und BRICS), deren Gipfeltreffen im Juli in Ufa die ständig wachsende Bedeutung dieser Organisationen nur bestätigten, bestimmt die Richtung ihrer weiteren Entwicklung. Es wurde der Prozess in die Wege geleitet, Indien und Pakistan die vollwertige Mitgliedschaft in der SOZ zu erteilen.

Wichtige Beispiele der Fruchtbarkeit ernster multilateraler Anstrengungen wurden die Vollendung der chemischen Entwaffnung Syriens und das nach komplizierten Verhandlungen erzielte Abkommen über die Lösung der mit dem iranischen Atomprogramm zusammenhängenden Probleme. Unser Land – und das wird allerseits anerkannt – leistete einen großen Beitrag sowohl zur konzeptuellen Grundlage dieser Vereinbarung als auch zur Erarbeitung praktischer Lösungen, die deren Umsetzung gewährleisten sollen.

Wir hoffen, dass eine ebenso vernünftige und verantwortungsvolle Herangehensweise auch bei der Beilegung der ukrainischen Krise die Oberhand gewinnt, die durch die verantwortungslosen Handlungen der USA und der EU zur Erweiterung des von ihnen kontrollierten geopolitischen Raumes unmittelbar an der russischen Grenze entfacht wurde, die dem ukrainischen Volk zahllose Leiden zufügte, und die die Atmosphäre auf dem europäischen Kontinent weiterhin vergiftet.

Im Laufe des ganzen Jahres tat unser Land sein Bestes, um den Ukrainern zu helfen, ihren inneren Konflikt zu überwinden, das nationale Einvernehmen wiederherzustellen und auf den Weg der nachhaltigen Entwicklung zurückfinden. Dank des aktiven persönlichen Engagements von Präsident Wladimir Putin wurde im Februar das neue Minsker Abkommen vereinbart, das eine ausgewogene und alternativlose Grundlage zur politischen Friedensregelung darstellt. Auf seiner Grundlage wurde eine Waffenruhe erzielt, die trotz gewisser Verstöße im Großen und Ganzen hält.

FRAGE: Was erwartet Russland in der Außenpolitik vom anbrechenden Jahr? Könnte das Jahr 2016 ihrer Einschätzung nach einen Durchbruch in der Lösung der syrischen Krise bringen? Gibt es eine Chance, dass die Minsker Abkommen endlich erfüllt werden?

ANTWORT: Die Probleme, die es in internationalen Angelegenheiten gibt, werden in der Silvesternacht gewiss nicht verschwinden. Die russische Diplomatie wird aber intensiv auf eine Verbesserung der internationalen Beziehungen hinarbeiten, indem sie die vereinigende und konstruktive Tagesordnung in der internationalen Politik verteidigt. Wir sind für eine Vertiefung der Zusammenarbeit mit allen offen, die solche Einstellung teilen. Wir werden mit unseren Partnern im bilateralen und in verschiedenen multilateralen Formaten aktiv zusammenarbeiten. So wurde vereinbart, dass unser Land 2016 das ASEAN-Gipfeltreffen durchführen wird.

Was die Situation in Syrien betrifft, so hängt vieles davon ab, wie effizient die Anstrengungen zu einer erfolgreichen Koordinierung der Handlungen im Antiterrorkampf ausfallen werden. Wir sind der Meinung, dass man angesichts dieser Herausforderung alles Zweitrangige aufschieben und sich auf die Abwehr der Hauptgefahr konzentrieren muss, wie dies während des Kampfes gegen den Nazismus der Fall war. Aber bisher beobachten wir im Gegenteil eine Zersplitterung der Bemühungen, was der allgemeinen Sache nicht zugute kommt.

Die am 18. Dezember verabschiedete Resolution des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen, die die im Rahmen der Internationalen Gruppe zur Unterstützung Syriens getroffenen Vereinbarungen billigt, bestimmt die Richtung der gemeinsamen Handlungen, und zwar die Bekämpfung von Terroristen auf syrischem Boden, was die Einmütigkeit bei der Definierung von Terrormilizen und die Förderung des politischen Friedensprozesses voraussetzt.

Die Syrer sollen sich auf der Grundlage von gegenseitigem Einvernehmen zwischen der Regierung und dem ganzen Spektrum der Opposition über die gemeinsame Führung ihres Landes auf nicht-konfessioneller Grundlage einig werden, eine neue Verfassung erarbeiten und dann Wahlen unter Aufsicht der UN durchführen. Dieser komplette Prozess soll voraussichtlich anderthalb Jahre in Anspruch nehmen.

Hier gilt das Schlüsselprinzip: Die Zukunft Syriens dürfen nur die Syrer selbst aufgrund der Beibehaltung von Souveränität, Einigkeit und Integrität ihres Landes bestimmen. Jetzt geht es darum, dass die Opposition unter der Schirmherrschaft des UN-Sondergesandten für Syrien eine kollektive Plattform bildet und die Zusammensetzung ihrer Delegation festlegt. Doch bisher herrscht keine Eintracht im Lager der Opposition, während die Regierung Syriens sich verhandlungsbereit erklärt.

Das alles sind keine einfachen Aufgaben. Sie sind zwar auf Anhieb nicht zu lösen. Aber wir wollen auch nicht, dass sich der Prozess in die Länge zieht. Wir werden unter Beachtung aller vereinbarten Punkte darauf hinarbeiten, dass er schnell vorankommt.

Bei der Umsetzung der Minsker Abkommens und im Format der „Normandie-Vier“ herrscht die Einsicht, dass sie weiterhin in Kraft sein sollen. Es wird vieles davon abhängen, wie effektiv der Dialog zwischen Kiew, Donezk und Lugansk sein wird. Die Konfliktparteien, vor allem die Führung der Ukraine, sollten den politischen Willen an den Tag legen, mittels Verhandlungen jene Kompromisslösungen umzusetzen, die im Minsker Maßnahmenpaket verankert sind.

Es ist absolut sinnlos, den anderen seine einseitige Position aufzuzwingen und gar die Schuld für die sich wegen Kiew hinauszögernde Lösung auf Russland abzuwälzen, indem man dadurch die andauernde absurde Sanktionspolitik gegen unser Land rechtfertigt. Dabei verstehen immer mehr Menschen in Europa, was der Zweck solcher Handlungen ist, einschließlich der Tatsache, dass der neue Versuch der Kiewer Führung, zu militärischer Gewalt zu greifen – und solche Pläne werden gehegt – schwerwiegende und tragische Folgen hätte, vor allem für das ukrainische Volk selbst.

Russland wird seine konsequente Arbeit fortsetzen, die darauf ausgerichtet ist, die Parteien von der Notwendigkeit zu überzeugen, die Krise aufgrund der strikten und ehrlichen Erfüllung aller Punkte der Minsker Abkommen beizulegen. Wir rechnen damit, dass alle anderen Staaten, die einen Einfluss auf die Situation haben, auf dieselbe Weise agieren werden. In diesem Fall gibt es eine reale Erfolgschance.

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Von Steffen Kastner, RotFuchs Dezember 2015

Der kommunistische Patriot und Interna­tionalist Hans Beimler wurde am 2. Juli 1895 in einer bayerischen Landarbeiter­familie geboren. Während seiner Lehrzeit als Schlosser begann er, sich für Politik zu interessieren. Das erwachende Bewußt­sein, daß die Klasse ihre Forderungen nur durchzusetzen vermag, wenn sie organi­siert ist, ließ den 18jährigen Mitglied des Deutschen Metallarbeiterverbandes werden.

Im Ersten Weltkrieg lernte Hans Beimler als Matrose auf einem Minensuchboot die Bestialität imperialistischer Kriegführung kennen. Konsequent den von ihm einge­schlagenen Weg weitergehend, schloß er sich in den Tagen der Novemberrevolution dem Spartakusbund und später der KPD an. Er verteidigte die Bayerische Räte­republik mit der Waffe in der Hand. Von Noskes Truppen festgenommen, verurteilte ihn die Weimarer Klassenjustiz zu zweijähriger Festungshaft. Nach deren Verbüßung nahm er die politische Arbeit sofort wieder auf – zunächst als Gewerkschaftssekretär und später als Politischer Sekretär der KPD-Bezirksleitung Südbayern. Die Arbeiter wählten Hans Beimler 1929 in Augsburg zum Stadtrat. Drei Jahre später zog er in den Bayerischen Landtag ein, um noch im gleichen Jahr gemeinsam mit Ernst Thälmann, Wilhelm Pieck und Clara Zetkin Mitglied der KPD-Reichstagsfraktion zu sein.

Nachdem die Faschisten die Macht an sich gerissen hatten, brachten sie Hans Beimler unverzüglich in ihre Gewalt. Durch psychische und physische Foltern suchten sie ihn im KZ Dachau erfolglos „umzudrehen“. Als die Faschisten dann seine Ermordung vorbereiteten, gelang Hans Beimler in letzter Stunde die Flucht. Vom Ausland aus hielt er den Kontakt zu seinen in Bayern illegal weiterkämpfenden Genossen.

Der durch Hitler und Mussolini unterstützte faschistische Franco-Putsch in Spanien ließ Hans Beimler keinen Augenblick zögern. Noch im August 1936 organisierte er als Beauftragter des ZK der KPD die „Centuria Thälmann“. Hier begegnete er so hervor­ragenden proletarischen Internationalisten wie Hans Kahle, Heinrich Rau, Artur Becker, Willi Bredel und Erich Glückauf. Seite an Seite mit ihnen kämpfte er für die Rechte des spanischen Volkes.

„Wir kennen keine Schwäche! Wer hier verzagt, ist reif zum Überlauf!“ Mit dieser Losung riß er jene, welche kleinmütig zu werden drohten, aus ihrer Lethargie. Als er vor 78 Jahren in der Nacht vom 30. November zum 1. Dezember 1936 vor Madrid fiel, trauerten Zehntausende Spanier um den deutschen Kommunisten wie um einen der Ihren. Der Gruß „Salud, Camarada Hans Beimler!“ war wie ein Schwur, der Sache des Vorkämpfers treu zu bleiben.

In einem spanischen Lied heißt es: „Und das Grab Hans Beimlers grüßen brandend Kataloniens Wässer, seine Reben und Oliven. Auf den Plätzen Barcelonas weht sein Ruf wie eine Fahne: Vorwärts!“

Dieser Beitrag erschien 1971 unter dem Pseudonym unseres Autors Helmuth Hellge in der Westberliner Tageszeitung „Die Wahrheit“.

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Auch Honorare und Pauschalen für Freie müssen steigen

22.12.2015

Die Deutsche Journalistinnen und Journalisten-Union (dju) in ver.di fordert für die rund 14.000 Tageszeitungsjournalistinnen und -journalisten, fest angestellte wie freie, nach Jahren unterdurchschnittlicher Gehaltserhöhungen und Abstrichen im Manteltarifvertrag in der anstehenden Entgelt-Tarifrunde fünf Prozent mehr Geld. Die Tarifverträge wurden fristgerecht zum Ende des Jahres gekündigt. Ab Januar 2016 muss über Tariferhöhungen verhandelt werden, die dann ab Jahresbeginn wirksam werden.

Vor allem der Nachwuchs in den Redaktionen soll mit einer Mindesterhöhung von 200 Euro einen spürbaren Einkommensschritt machen. „Die Zeitungsverlage müssen sich zunehmend Sorgen machen, wie sie gut ausgebildete Journalistinnen und Journalisten aus den Volontariats-Jahrgängen an sich binden können, weil in anderen Medienbereichen mittlerweile für Berufseinsteiger ein wesentlich besseres Einkommensgefüge geboten wird“, sagte der stellvertretende ver.di-Vorsitzende Frank Werneke.

Außerdem müssten die Honorare und Pauschalen für freie Zeitungsjournalisten effektiv erhöht werden: „Professionelle Leistungen von Freien sind für Zeitungen unverzichtbar, daher dürfen die Journalisten bei den Einkommen nicht den Anschluss verlieren“, sagte Werneke.

Auf die Forderungen und Anfragen zur Verhandlungsaufnahme hat der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) zunächst abwiegelnd reagiert. Vor Anfang Februar sei kein Verhandlungsbeginn möglich, erst wollten sich die Verlagsvertreter im sozialpolitischen Ausschuss beraten.

„Ganz offensichtlich versuchen die Zeitungsverleger auf Zeit zu spielen und die von den Zeitungsjournalisten zu recht erwarteten Tariferhöhungen hinaus zu zögern. Gerade bei den tagtäglich unter Hochdruck arbeitenden Zeitungsjournalisten dürfte es für die Gemächlichkeit der Verhandler im BDZV wenig Verständnis geben“, sagte Werneke.

ver.di

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Der heutige Kampf ist das Entscheidende

UZ: Jedes Jahr am zweiten Sonntag im Januar gehen seit vielen Jahrzehnten Zentausende nach Friedrichsfelde, um Rosa Luxemburgs, Karl Liebknechts und anderer ermordeter Revolutionäre zu gedenken. Sie demonstrierten trotz Verfolgung, trotz des Verbots 1929. Die Faschisten zerstörten die Gedenkstätte. Den Widerstand konnten sie nicht brechen. Seit 1946 wurde die Tradition fortgesetzt. Nach 1990 schien es so, als wäre die Zeit von Demonstrationen nach Friedrichsfelde vorbei. Dem war nicht so. Warum?

Ellen Brombacher: Wer die Zeit 1989/90 in der DDR politisch bewusst erlebt hat, der erinnert sich daran, dass es seinerzeit nichts in der DDR Verwurzeltes gab, was nicht öffentlich denunziert wurde. Das betraf die Volksbildung ebenso wie das Gesundheitswesen, die Sicherheitsorgane und die SED sowieso; es betraf jegliche politische Manifestation, der Antifaschismus war „verordnet“ und überhaupt taugte nichts etwas, außer dem grünen Pfeil – und der auch nicht gleich. In dieser Situation stand das Bezirkssekretariat der SED/PDS Berlin, dem ich bis Mitte Februar 1990 angehörte, vor der Frage, wie mit der Luxemburg-Liebknecht-Demonstration umgegangen werden sollte. Ich sage es unumwunden: Was am 14. Januar 1990 geschehen wäre, hätten sich im Januar 1989 nicht Oppositionelle wie die heutige CDU-Bundestagsabgeordnete Vera Lengsfeld mit der Losung „Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden“ positiv auf Rosa Luxemburg bezogen, kann wohl niemand sicher sagen. So aber stand ihrer Ehrung nichts Prinzipielles im Wege. Und das war gut so und zeugt davon, dass beinahe jegliches auch seine guten Seiten hat.

Natürlich war es nicht denkbar, dass sich das Berliner Bezirkssekretariat an der Brücke Frankfurter Allee trifft und wie zu DDR-Zeiten an der Spitze der Demonstration nach Friedrichsfelde marschiert. Wer das heute abverlangt, hat keine Vorstellung über die seinerzeit herrschende Atmosphäre. Die Idee des stillen Gedenkens wurde geboren und hatte im Sekretariat auch meine Stimme. So wurde eine der wichtigsten Traditionen der kommunistischen und sozialistischen Bewegung in diesem Land bewahrt. Und das, was sich ab S- und U-Bahnhof Lichtenberg hin zum Friedhof der Sozialisten in jenem Januar 1990 vollzog, war letztlich eine Demonstration im Geiste des von Karl Liebknecht geprägten „Trotz alledem“!

UZ: 1996 bildete sich ein neues DemoBündnis, das bis heute existiert. Das war ziemlich „bunt“ und manche Konflikte und nötige inhaltliche Debatten waren da – vor allem in den ersten Jahren – programmiert. Gemeinsamkeiten und Übereinstimmungen zu entwickeln, sich aber auch abzugrenzen, war gewiss nicht einfach?

Ellen Brombacher: Es muss etwas früher angesetzt werden. Der heutige Platz der Vereinten Nationen in Berlin hieß Anfang der 90er Jahre noch Leninplatz und in dessen Mitte stand ein Lenindenkmal. Das musste natürlich geschleift werden. Aus Protest dagegen bildete sich ein Leninplatzbündnis, welches dazu aufrief, am Tag der Luxemburg-Liebknecht-Ehrung vom Leninplatz aus nach Friedrichsfelde zu marschieren. Dieser Aufruf fand breite Unterstützung und so demonstrierten 1992 Zehntausende zu den Gräbern von Rosa und Karl. Das wiederholte sich bis einschließlich 1995. In jenem Jahr prügelte die Polizei auf dem Friedhofsvorplatz vor laufenden Kameras in brutaler Weise und das Leninplatzbündnis erklärte hernach, es könne die Verantwortung für die Demonstration nicht länger übernehmen.

Als Antwort darauf bildete sich unser heutiges Bündnis. Es war in der Tat nicht einfach, so viele verschiedene Sichten unter einen Hut zu bringen. Die Autonomen sind wirklich etwas anders drauf als z. B. die DKP oder die KPF und Ähnliches lässt sich für andere Parteien und Gruppierungen sagen. Wir haben uns zusammengerauft, nicht zuletzt in Solidarität gegen Druck von außen. Wir haben gelernt, dass Gemeinsamkeiten wichtiger sind als Differenzen und dass Berechenbarkeit eine Grundvoraussetzung für sich entwickelndes Vertrauen darstellt. Unsere Differenzen haben wir nicht nach außen getragen und dass möchte ich auch in diesem Interview so halten.

UZ: Heute kommen viele Menschen mit Familie oder Freunden zum stillen Gedenken. Tausende demonstrieren gemeinsam unter roten Fahnen zur Gedenkstätte der Sozialisten. Vor Jahren war das scheinbar noch ein Widerspruch?

Ellen Brombacher: Vielleicht trifft der Begriff scheinbar nicht ohne weiteres zu. Nachdem sich 1996 das neue Bündnis gebildet hatte, gab es in manchen Vorständen und Fraktionen der damaligen PDS große Vorbehalte. Ich habe einen ganzen Hefter mit Zeitungsartikeln und Reden von teils sehr prominenten Genossinnen und Genossen meiner Partei, die sich an real oder vermeintlich Kritikwürdigem im Rahmen der Demonstration mehr störten als sie den Wert der Demonstration als breite linke Manifestation zu akzeptieren bereit waren. Die Polemik von ihnen war nicht von schlechten Eltern. Wir standen vor der Wahl: Lassen wir uns auf diesen Stil der politischen Auseinandersetzung ein oder ignorieren wir ihn und betonen vielmehr die großen Gemeinsamkeiten derer, die zum stillen Gedenken gehen und derer, die die Form des Demonstrierens wählen. Das Leben gab die Antwort. Wenn die Demonstration sich dem Friedhof näherte, standen die älteren Genossinnen und Genossen, die vom stillen Gedenken kamen, am Straßenrand, klatschten oder erhoben die Faust und sangen mit uns die Internationale. Das war die normative Kraft des Faktischen und es ist längst Normalität, dass seinerzeit die PDS und heute die Partei „Die Linke“ jährlich beschließt, dass die Partei das stille Gedenken, die Demonstration zur Gedenkstätte der Sozialisten sowie die Kranzniederlegung am Landwehrkanal als Bestandteile der Ehrung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht betrachtet und zur Teilnahme an diesen Ehrungsformen aufruft.

UZ: Am 10. Januar 2016 findet die vom Bündnis organisierte Demonstration zum 20. Mal statt. Ich habe da sicher nicht falsch gezählt? Welche – vorläufige – Bilanz würdest du für diese Jahre ziehen?

Ellen Brombacher: Einiges an Bilanz steckt in den vorhergehenden Antworten. Dass die Demonstration faktisch seit 24 Jahren stattfindet ist vielleicht das Wichtigste. Es war ja kein Spaziergang. Es würde zu weit führen, hier im Einzelnen über die Gefährdungen zu berichten, die es gab. Schlimme Prügelorgien durch die Polizei. Erst mit der SPD-PDS-Regierung in Berlin hörte das auf. Ich hatte zu dieser Koalition ein sehr kritisches Verhältnis. Aber man muss ehrlich bleiben. Ich denke an das Verbot der Ehrung 2000, weil ein terroristischer Anschlag angekündigt wurde. Ich denke an die noch nicht lange zurückliegenden Versuche, die Demonstration zu spalten. Das sind bei weitem nicht alle Hürden, die wir zu nehmen hatten. Ohne Solidarität untereinander, ohne Verlässlichkeit und Vertrauen, ohne die Fokussierung auf Gemeinsamkeiten wäre die Demonstration weder 24 noch 20 Jahre alt geworden. Diese Werte müssen wir bewahren – in der gemeinsamen Aktion.

UZ: In diesem Jahr gibt es eine neue Situation. Denken wir an die Fluchtbewegungen oder daran, dass sich Deutschland nun auch am Krieg in Syrien beteiligt.

Ellen Brombacher: Der heutige Kampf ist das Entscheidende. Du hast mir vor allem Fragen zur Geschichte der Demonstration gestellt. Und das ist zweifellos wichtig. Aber entscheidend sind unsere heutigen Kämpfe. Nacht für Nacht stehen Flüchtlingsunterkünfte in Flammen. Faschisten werden immer dreister. Offen rechte Bewegungen wie PEGIDA finden mit Rassismus und Islamhetze regen Zuspruch. Flüchtlinge sind willkommene Sündenböcke. Darüber, dass Großkonzerne Jahr für Jahr Milliarden an Steuern hinterziehen, spricht kaum jemand. Währenddessen verdienen deutsche Rüstungsschmieden an Waffenexporten in Krisen- und Kriegsgebiete. Bundeswehrsoldaten „verteidigen“ deutsche Interessen immer noch am Hindukusch und andernorts. Kriege und Ausbeutung schaffen unentwegt neue Fluchtbewegungen und neuen Terror. Demonstrieren wir am 10. Januar 2016 im Rahmen der LuxemburgLiebknecht-Ehrung gegen die Fluchtursachen und gegen Faschisten – solidarisch mit den Erniedrigten, egal, wo sie geboren sind. Wir müssen viele werden!

Das Interview führte Nina Hager

UZ, Zeitung der DKP, Nr.52/2015

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Auch 2016 findet wieder das LLL-Wochenende in Berlin statt – und die SDAJ ist wieder mit dabei!

Neben dem Aufruf findet ihr hier weitere nützliche Infos, beispielsweise das Programm des Wochenendes, Antworten auf Häufig gestellte Fragen (FAQ) und Material zum Download.

Wir sehen uns beim LLL-Wochenende 2016 am 09./10. Januar in Berlin!

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An der Seite der HDP

 

Warum die Sache der Kurden weltweite Unterstützung verdient

von Jobst-Heinrich Müller

RotFuchs Dezember 2015

Als Mitarbeiter des Allgemeinen Studentenausschusses und Mitglied des Sozialis­tischen Deutschen Studentenbundes an der Universität Kiel betreute ich die Öffent­lichkeitsarbeit für die zahlreichen Volksbefreiungsbewegungen jener hoffnungsvollen Jahre. Auch mit kurdischen Studenten arbeitete ich zusammen, um zur Solidarität mit dem tapferen 24-Millionen-Volk aufzurufen, das seit dem Vertrag von Lausanne (1923) als unterdrückte Minderheit in der Türkei, Syrien, Irak und Iran um sein Überleben kämpft. 1969 erhielt ich ein Gratisvisum zum Besuch der Internationalen Messe in Damaskus mit Inaugenscheinnahme des DDR-Pavillons und anschließender Weiterreise nach Beirut zu Gesprächen mit palästinensischen Studenten.

Kurdische Kämpferinnen gegen den IS

Da die BRD damals keine diplomatischen Beziehungen zur Syrischen Arabischen Republik (SAR) unterhielt, nahm ich den Landweg über die Türkei mit dem Grenz­übergang bei Baab-al-Hawa. So lernte ich Kurden in der Türkei, Syrien und Libanon kennen, denn das „Alexandrette-Gebiet“ um Iskendurun wurde erst 1939 bei der Zerstückelung Syriens von den französischen Besatzern der Türkei übergeben. Hätten sich die sprachlich und ethnisch zu den iranischen Völkern zählenden und überwiegend einem eher säkular orientierten Islam zuneigenden Kurden nicht mit der Waffe verteidigt, so gäbe es dieses Volk heute wohl kaum noch. Wie die Armenier 1915 und die Izmir-Griechen 1923 wären sie Genozid und Exodus zum Opfer gefallen.

Im rigorosen Nationalismus des aus dem Jungtürkentum entstandenen Kemalismus durfte es solche Minderheiten nicht geben. Sie wurden als „wilde Bergtürken“ stig­matisiert. Mehr als eine Million Kurden vertrieb man aus den Dörfern. Die Zahl der Ermordeten betrug damals etwa 40 000. Ihre Sprache und ihre Namen wurden ebenso verboten wie ihre gesamte Kultur. In den Jahren 1925 und 1927 sowie von 1937 bis 1938 und von 1984 bis 2002 wüteten Ankaras Soldateska und Polizei besonders rabiat in den Kurdengebieten. Als Antwort darauf gründete sich 1984 die Kurdische Arbeiterpartei (PKK) zur Selbstverteidigung und zum Kampf für ein autonomes demokratisches Kurdistan.

Abdullah Öçalan, der Vorsitzende der PKK, wurde 1999 in Kenia von türkischen Geheimdienstlern und CIA-Leuten gekidnappt. Bis heute ist er auf einer Insel inhaftiert. Der bei den ersten Wahlen dieses Jahres erzielte Stimmenanteil der Partei der Völker (HDP) von über 13 % verhinderte Erdogans Pläne, die Verfassung zur Verewi­gung der eigenen Vorherrschaft zu ändern. Daher brach er den ausgehandelten Waffenstillstand und kriminali­sierte auch diese im Parlament stark vertretene kurdisch-linksdemokratische Partei.

Die BRD war bei der Drangsalierung und Unterdrückung der Kurden allen Militärdik­taturen und reaktionären Regimes der Region seit 1952 sowohl in der NATO als auch seit 1963 im Bunde mit der EWG-assoziierten Türkei stets ein verläßlicher Partner. Militärgerät verschiedener Art – von Panzern bis zu Fregatten – wurde Ankara geliefert. Seit November 1993 sind die PKK und andere repräsentative Kurdenorga­nisationen als angeblich terroristische Vereinigungen im Staat des deutschen Imperialismus verboten und deren Anhänger – im Zusammenwirken mit dem türkischen Geheimdienst – ständiger Bespitzelung ausgesetzt. Daran hat auch die schnell abebbende offizielle Sympathieheuchelei während der Verteidigung Kobanis und Rojavas gegen die IS-Terroristen nichts geändert. Weiterhin werden bei prokur­dischen Veranstaltungen „Rädelsführer“ ausgespäht, verhaftet, angeklagt und verurteilt. Wer seine Angehörigen gegen IS-Banditen schützen will, gilt als Terrorist und wird mit diesen Amokläufern gleichgesetzt. Das bedeutet de facto die Stärkung des von Erdogan lange Zeit ganz offen unterstützten IS sowie die Schwächung seiner Widersacher. Selbst Leichen von BRD-Bürgern kurdischer Nationalität, die im Kampf gegen den IS gefallen sind, werden von den Behörden beschlagnahmt, wobei man den Angehörigen die Bestattung verweigert.

Den Vogel der „Rechtsprechung“ hat zweifellos der Staatsschutzsenat des Ober­landesgerichts Hamburg abgeschossen: Wegen „Mitgliedschaft in einer terroristi­schen Vereinigung“, vor allem aber der Organisierung von Demonstrationen für die PKK, die „Anschläge auf türkische Soldaten und Polizisten“ verübe, habe sich der Angeklagte schuldig gemacht, hieß es im auf drei Jahre Haft lautenden Urteil. Der Antrag der Verteidigung auf Freispruch unter Verweis auf offensichtliche Demokratie­defizite in der Türkei und die Friedensbemühungen Öçalans wurde abgewiesen. Doch bei der Urteilsverkündung räumte der Richter die „strikte Assimilierungspolitik der Türkei“ ein, die „kurdische Parteien und Politiker“ unterdrücke. Ankara lasse Menschen verschwinden und gehe gegen Demonstrationen „mit übermäßiger Gewalt“ vor.

Doch wer sich dagegen schützen will, bleibt dennoch ein „Terrorist“. So steht auch diese Richterentscheidung in unheilvoller deutscher „Rechtstradition“, wurden doch faschistische Urteile gegen kommunistische Widerstandskämpfer und Interbriga­disten im Spanienkrieg nach dem Verbot der KPD durch das Karlsruher Bundesver­fassungsgericht ausdrücklich als „Vorstrafen“ gewertet. Deserteure aus der franzö­sischen Fremdenlegion, die im Indochinakrieg zu den Vietnamesen übergelaufen waren, mußten später in der DDR Zuflucht suchen, da sie im Westen als „kommunis­tische Terroristen“ verurteilt worden wären.

So entlarven die Angriffe auf die PKK alle formellen Sympathiebekundungen „für die Kurden“ seitens deutscher Regierungsparteien als reine Heuchelei. Demgegenüber ist die erneute Wahl von 60 Parlamentsabgeordneten der HDP, auf die trotz des Terrors des AKP-Regimes auch bei den durch Erdogan erzwungenen zweiten Wahlen dieses Jahres noch immer 10,7 % der Stimmen entfielen, ein ermutigendes Signal. Wo immer möglich sollten wir unsere internationalistische Solidarität mit den in der Türkei Verfolgten zeigen und deren Forderungen nach kurdischer Autonomie, Aufhebung des PKK-Verbots und Einstellung der Verfolgung linker Kräfte verständnisvoll begleiten.

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