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Assad-Gegner sabotierten Vereinbarung. Meldungen über Hungertote nicht bestätigt

Von KarinLeukefeld

Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

Nach Wochen langen »geduldigen Verhandlungen mit vielen Akteuren« haben Hilfskonvois die Städte Madaja (Provinz Damaskus), Kefraja und Al Fouah (Provinz Idlib) erreicht. In Madaja konnten rund 40.000 Menschen, in Kefraja und Al Fouah rund 20.000 Menschen mit Decken, Lebensmitteln und Medikamenten versorgt werden.

Der UNO-Koordinator für humanitäre Hilfe in Syrien, Jacoub El Hillo erklärte, es gebe viel Aufmerksamkeit für die Stadt Madaja. Allerdings seien die UNO und ihre »humanitären Partner« ebenso besorgt über rund 4,5 Millionen Menschen, die in Syrien in belagerten Städten und in Gebieten lebten, die kaum zu erreichen seien. Er sprach von 15 Orten, wo rund 400.000 Menschen lebten, die dringend Hilfe benötigten.

Die Hilfslieferungen erreichten die drei Städte gleichzeitig am Montag und sollen in den kommenden Tagen fortgesetzt werden. Die UNO wird dabei vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) und dem Syrischen Arabischen Roten Halbmond unterstützt.

Die Hilfsorganisation »Ärzte ohne Grenzen«, die in Madaja tätig ist, erklärte daß im Dezember 28 Menschen, darunter sechs Kinder verhungert seien. Der syrische Botschafter bei der UNO, Baschar al-Dschaafari, wies die Darstellung zurück und sagte, daß etliche der veröffentlichten Fotos nachweislich Fälschungen seien. Ein Sprecher des IKRK sagte im arabischen Nachrichtensender Al Jazeera, seine Organisation könne die Angaben über Hungertote in Madaja nicht bestätigen.

Madaja war Anfang Januar 2016 in den Fokus von Medien und Menschenrechtsorganisationen gerückt. Gespeist wurde die kampagnenartige Darstellung mit Angaben von »Aktivisten«, die dramatische Fotos über das Internet verbreitet hatten. Unterstützt wurde die Kampagne von der in Istanbul ansässigen »Nationalen Koalition«, die mit dem Verweis auf Madaja politische Forderungen für die Ende Januar in Genf geplanten Syrien-Gespräche verband.

Die vom Westen, der Türkei und den Golfstaaten unterstützte »Nationale Koalition« sieht sich als politische Vertretung der bewaffneten Gruppen, die seit 2012 in Madaja und dem benachbarten Zabadani die strategische Passage für den Transport von Waffen, Kämpfern, Lebensmitteln und medizinischer Versorgung für andere Fronten gegen die syrische Armee kontrolliert hatten. Im Frühsommer 2015 hatte die syrische Armee und die mit ihr verbündete libanesische Hisbollah eine Offensive gegen das militärische Hauptquartier in Zabadani begonnen. Aus Rache dafür griffen die Assad-Gegner die Orte Kefraja und Al Fouah in der Provinz Idlib an und schlossen einen Belagerungsring.

Unter Vermittlung der UNO war es im August 2015 erstmals zu einem Abkommen gekommen. Das Dreistufenabkommen sah in einem ersten Schritt (Oktober 2015) einen Waffenstillstand vor. Hilfskonvois fuhren in die jeweiligen Städte. In einem zweiten Schritt (Dezember 2015) wurden Verletzte mit Angehörigen aus den jeweiligen Orten evakuiert. Der dritte Schritt sah erneut Hilfskonvois vor. Zudem sollten Zivilisten die Orte verlassen können. Die Vereinbarung konnte nur bei Gleichzeitigkeit gelingen und wenn alle Beteiligten sich daran halten.

Während die syrische Armee die Vereinbarung einhielt, hatten die Assad-Gegner sich in Al Fouah und Kefraja geweigert, den dritten Schritt gleichzeitig mit Madaja zu vollziehen. Daraufhin war auch bei Madaja der Hilfskonvoi gestoppt worden.

Intensive diplomatische Aktivitäten – die auch ermöglichen sollen, daß die Syrien- Gespräche in Genf wie vorgesehen beginnen können – hatten nun ermöglicht, daß in allen drei betroffenen Städten der dritte Schritt des Abkommens umgesetzt werden konnte.

12. Januar 2016