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Elf Prozent werden vernichtet

Von Uwe Koopmann

Die Kolleginnen und Kollegen des Sprinter-Werkes in Düsseldorf können sich schlicht „verarscht“ vorkommen: Noch nie haben sie so viele Transporter gebaut wie im Jahr 2015. Noch nie haben sie für so viel Profit gesorgt. Ein Ergebnis ihres Fleißes und der dadurch fetten Kassen: Ein Teil der Produktion wird abgezogen und in neue Produktionsanlagen nach Charleston (South Carolina, USA) verlagert.

6 500 Kolleginnen und Kollegen arbeiten – noch – in dem Werk in Düsseldorf. 500 Arbeitsplätze sollen „abgebaut“ werden. Vom Band liefen auch mit Samstagsarbeit 194 200 Sprinter. Pro Tag waren es 725. Das war eine Steigerung von vier Prozent gegenüber 2014.

Noch vor vier Monaten war den Kolleginnen und Kollegen von der Konzernleitung vorgegaukelt worden, dass es anlässlich der Sprinter-Produktion über 20 Jahre einen Geburtstag zu feiern gebe. „Alle können mitfeiern“, verkündete Daimler. Rund 2,9 Millionen Sprinter bauten die Beschäftigten in dieser Zeit.

Vorstandschef Dieter Zetsche brachte die Dynamik auf den Punkt: „Unser Sprinter ist ein Paradebeispiel für die Wachstumsstrategie unserer Transportersparte.“ Ähnlich euphorische Aussagen zur Arbeitsplatzsicherheit gibt es allerdings nicht.

Volker Mornhinweg ist für das weltweite Transportergeschäft nach Angaben von Daimler „verantwortlich“. Er prophezeite bei der Geburtstagsfeier: „Der Sprinter ist eines der erfolgreichsten Nutzfahrzeuge aller Zeiten und einer der Bestseller im Daimler- Produktportfolio. Für 2015 erwarten wir einen weiteren Absatzrekord und damit das beste Sprinterjahr aller Zeiten.“ Seine Vorhersage ließen die Arbeiter am Band Wirklichkeit werden.

Daimler kokettiert gleichzeitig mit der „Globalisierung“ des Sprinters, der ein „echtes Weltfahrzeug“ sei, denn geschraubt werde neben Düsseldorf und Charleston in den Werken in González Catán (Argentinien), Fuzhou (China) und Nischni Nowgorod (Russland). Diese Strategie in Produktion und Verkauf heißt bei Daimler „Vans goes global“.

Die DKP Düsseldorf hatten bereits bei Bekanntwerden der Auslagerungen ihren solidarischen Protest gegenüber dem Betriebsrat und Nihat Öztürk, Erster Bevollmächtigter der IG-Metall-Ortsverwaltung, zum Ausdruck gebracht. Durch die neue Jahresbilanz sieht sie sich in ihren Mahnungen bestätigt.

Die Vernichtung von „Blaumann-Arbeitsplätzen“ bereitet selbst der Industrie- und Handelskammer in Düsseldorf Sorgen: Seit dem Jahr 2000 nahm die Zahl der Beschäftigten in der Landeshauptstadt zwar um 10 Prozent zu. In der Industrie nahm die Beschäftigtenzahl dagegen um 18 Prozent (13 000) ab.