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Gegen Arbeitsverdichtung bei der Post

Die Postler im Norden von Paris mussten letzten November zum letzten Mittel greifen, das ihnen blieb, denn ihr Protest gegen Entlassungen und Ihre konstruktiven Vorschläge verhallten ungehört. Sie legten, unterstützt von ihrer Gewerkschaft SUD, die Arbeit nieder. Die Departements-Direktion von La Poste des Haute de Seine setzte auf die autoritäre Stimmung unter dem Ausnahmezustand, verweigerte nicht nur Verhandlungen, sondern selbst Gespräche und blieb stur. Geschäftsleute im Departement 92 und die Prominenz im Pariser Nobelvorort Neuilly blieb dafür über zwei Monate ohne regelmäßige Post.

Wie die Tageszeitung „Le Parisien“ am 19. Januar meldete, musste jetzt aber der Departements-Direktor Arnaud Saint Guilhem seinen Hut nehmen. Seine Manöver, die Beschäftigten durch Mobbing, Drohungen und Disziplinarstrafen einzuschüchtern, zogen selbst über die Feiertage nicht. Sogar einen aktiven Gewerkschafter unter falschen Anschuldigungen zu entlassen, fruchtete nicht – die Solidarität war nicht zu brechen. Die Post-Direktion des Departements 92 und die Gewerkschaft „SUD La Poste 92“ unterschrieben letzten Dienstag nach 82 Tagen Streik eine Übereinkunft, die einem Tarifvertrag entspricht.

Die Courage und das solidarische Zusammenhalten der Gewerkschafter von SÜD Poste 92 zahlte sich aus – für die Kolleginnen und Kollegen, aber auch für einen ordnungsgemäßen Service. Die schikanöse Entlassung des Kollegen wurde zurückgenommen. Die unbefristet (als inoffizielle Streikbrecher) eingestellten 25 Kollegen werden nicht versetzt, sondern bleiben. Nicht mehr 15 Zusteller-Posten werden gestrichen, sondern nur noch 5. Dafür werden zwei Fahrrad-Zustellbezirke neu eingerichtet und das Prinzip 1 Zusteller = 1 Bezirk bleibt erhalten. Abwesenheitsbedingt liegenbleibende Post wird noch montags übernommen, ansonsten springen Ersatzleute ein. Die Auslagerung des motorisierten Express-Zustellung wird zurückgenommen und die Kollegen bleiben. Der freie Samstag bleibt bei zwei Drittel der Beschäftigten erhalten. Bis zum nächsten Mal….

Seitdem der staatliche Dienstleistungsbetrieb Post privatisiert zu Profit verurteilt ist, wird die Schraube der Arbeitsverdichtung immer weiter angezogen. An der Dordogne, so meldete die Tageszeitung „Sudouest“ wollen die Zusteller unbefristet jeden Samstag die Arbeit verweigern, weil ihnen droht, dass bei der „Reorganisation“ fünf Stellen gestrichen werden, die verbleibenden Kollegen deren Arbeit mitübernehmen müssten. Und das, obwohl schon 1.200 Reklamationen eingehen, das Doppelte des monatlichen Durchschnitts.

Ein anderes Beispiel: Die Zeitung „Ouestfrance“ berichtet davon, dass in den Großstädten Paris, Lyon, Bordeaux, Lille, Nice und Reims die Pakete am Sonntag ausgefahren werden müssen, was „Kollegen mit befristeten Verträgen freiwillig“ übernehmen. Widerstand tut not – nicht nur bei der Post….

SODEXO muss Entlassungen zurücknehmen

Sodexo ist ein großer Traiteur mit Sitz in Marseille. Das Unternehmen produziert industriell und beliefert Schulkantinen in ganz Frankreich ein profitables Geschäft: 490 Mio. Euro im Jahr 2014. Das Personal hat das Nachsehen, insbesondere die Ausfahrer, die neben geringer Entlohnung mit befristeten Verträgen abgespeist wurden. Die Geschäftsleitung fand es nicht nötig, mit den Beschäftigten zu sprechen Streikandrohung. Die Direktion stellt einen Teil der Beschäftigten zufrieden, versucht die Solidarität zu spalten: die Logistik bleibt außen vor – also Streik der Ausfahrer. Die Streikenden, 23 an der Zahl, wurden wegen Arbeitsverweigerung entlassen, darunter ein Betriebsratsmitglied! Das gab’s lange nicht, aber im Ausnahmezustand, den die Herren nicht fürchten, im Gegenteil, er kommt ihnen zupass. Die Klage vor dem Arbeitsgericht wurde untermauert durch einen nationalen Streikaufruf der CGT SODEXO für den 19. Januar. Streikversammlungen vor mehreren Sodexo-Niederlassungen waren angekündigt und organsiert. Nun gab die Geschäftsführung nach, fürchtete geschäftsschädigende Publicity in den Schulen und kündigte die Reintegration der Gekündigten an! Sie haben es geschafft, ein großer Erfolg!

Georges Hallermayer, 21. Januar 2015

(update 22.1.2016)