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Entwurf zum Pflegeberufsgesetz geht an praktischen Anforderungen vorbei – Kritik an Zusammenlegung der Ausbildungen

13.01.2016

Ver.di

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) erkennt den Willen der Bundesregierung, das Berufsfeld Pflege attraktiver machen zu wollen, hält den Kabinettsentwurf zum Pflegeberufsgesetz allerdings für unzureichend: „Die Bundesregierung will die so wichtigen Pflegeberufe aufwerten, das ist gut und längst überfällig. Allerdings ignoriert der Gesetzentwurf mit der Zusammenlegung der Ausbildungsgänge der bisherigen Kranken-, Alten- und Kinderpflege die spezifischen Anforderungen der einzelnen Berufe“, sagte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Sylvia Bühler am Mittwoch.

ver.di spricht sich für eine integrierte Ausbildung aus, bei der sich nach dem gemeinsamen Start von ein bis zwei Jahren innerhalb der mindestens dreijährigen Ausbildung eine Spezialisierungsphase anschließt. Das stelle die unmittelbare Berufsfähigkeit nach der Ausbildung sicher.

Zur Sicherung der Qualität der Ausbildung sei es unerlässlich, die betriebliche Mitbestimmung zu erhalten und auszubauen. Nötig sei deshalb eine eindeutige Regelung, die die Mitbestimmung in den Betrieben nicht gefährde, sagte Bühler.

Zudem leide die praktische Ausbildung unter Zeitdruck und Arbeitsverdichtung infolge Personalmangels. „Eine gute praktische Ausbildung braucht eine fundierte Praxisanleitung und genug Personal“, stellte Bühler klar. „Miserable Arbeitsbedingungen in Folge der Personalnot schrecken junge Menschen ab. Die Politik muss endlich ihrer Verantwortung für eine gute Gesundheitsversorgung gerecht werden und eine gesetzliche Personalbemessung einführen“, betonte Bühler: Dazu hatte ver.di im vergangenen Jahr eine Petition mit 180.000 Unterzeichnern eingereicht. Bühler: „Wer jetzt nicht handelt, nimmt wissentlich die Gefährdung von Patienten in Kauf.“

ver.di beziffert den zusätzlichen Personalbedarf in Krankenhäusern bundesweit auf 162.000 Stellen, darunter allein 70.000 Vollzeitstellen in der Pflege.