Nachrichten
0

AcademicsForPeace

Internationaler Appell

AkademikerInnen für den Frieden bei einer Pressekonferenz. (Foto: DIHA)

Für das Recht, im Krieg den Frieden zu fordern. WissenschaftlerInnen aus aller Welt verteidigen ihre Kolleginnen und Kollegen in der Türkei.

Für das Recht, im Krieg den Frieden zu fordern

In Solidarität mit den AkademikerInnen aus der Türkei für Frieden

Seit Wochen herrschen im kurdischen Südosten der Türkei bürgerkriegsähnliche Zustände. Panzer schießen auf historische Stadtviertel, ZivilistInnen werden verletzt und sterben. Abertausende fliehen.

Mit einem Friedensappell haben über 2000 WissenschaftlerInnen aus der Türkei gegen den Krieg im eigenen Land Einspruch erhoben. Der türkische Staatspräsident Erdoğan hat die VerfasserInnen und UnterzeichnerInnen des Appells im Fernsehen persönlich zu „Landesverrätern“ erklärt: „Wer das Brot dieses Staates isst, aber diesen Staat verrät, gehört bestraft.“ Die Erklärung des Präsidenten wurde nur wenig später umgesetzt. HochschullehrerInnen werden entlassen, die 1128 ErstunterzeichnerInnen werden wegen „Beleidigung des Türkentums, der Republik und ihrer Organe“ und „Propaganda für terroristische Organisationen“ angeklagt, viele wurden bereits in Gewahrsam genommen.

Nur sehr wenige Medien wagen noch Kritik zu üben, nationalistische Organisationen lancieren individuelle Morddrohungen per Telefon, ein landesweit bekannter Mafiaboss will „im Blut der Verräter baden.“ An den Wänden einiger Provinzuniversitäten werden Plakate mit den Gesichtern von UnterzeichnerInnen des Appells verklebt.

Wir, WissenschaftlerInnen aus aller Welt, verteidigen unsere Kolleginnen und Kollegen in der Türkei. Gemeinsam verteidigen wir die Freiheit der Wissenschaft, die Freiheit des Wortes. Wir verteidigen das Recht, im Krieg den Frieden zu fordern.

Es darf keine Entlassungen und keine Anklagen geben. Der türkische Staat hat die Pflicht, die UnterzeichnerInnen des Appells vor Drohungen und Angriffen Dritter zu schützen. Die Regierungen der Europäischen Union, mit der türkischen Regierung im engsten Kontakt, sind aufgefordert, ihren Bündnispartner auf die Wahrung des Rechts zu verpflichten.

Wir bitten weltweit alle Universitäten und wissenschaftlichen Institutionen, sich bei ihren PartnerInnen in der Türkei dafür einzusetzen, dass die UnterzeichnerInnen des Appells weiter forschen und lehren und freien Gebrauch von allen ihren Rechten machen können.

Im Einklang mit dem Appell „Wir nehmen an diesem Verbrechen nicht teil“ fordern wir die türkische Regierung auf, die Bedingungen für eine friedliche Beilegung des andauernden Krieges zu schaffen und Verhandlungen zu ermöglichen.

Ich unterstütze den internationalen Appell der WissenschaftlerInnen


Unterzeichnende

Joel Anderson (Utrecht), Nadje Al-Ali (London), Aleida Assmann (Konstanz), Jan Assmann (Heidelberg), Feyzi Baban (Peterborough), Doris Bachmann-Medick (Gießen), Etienne Balibar (Paris), Colleen Bell (Saskatchewan), Seyla Benhabib (Yale), Homi Bhaba (Harvard), Manuela Bojadžijev (Berlin), Rosi Braidotti (Utrecht), Bert van den Brink (Amsterdam), Ulrich Bröckling (Freiburg), Wendy Brown (Berkeley), Hauke Brunkhorst (Flensburg), Sonja Buckel (Kassel), Judith Butler (Berkeley), Robin Celikates (Amsterdam), Dipesh Chakrabarty (Chicago), Noam Chomsky (MIT), Karine Côté-Boucher (Montréal), Nancy Cook (Brock), Drucilla Cornell (Rutgers), Deborah Cowen (Toronto), Kathy Davis (Amsterdam), Alex Demirovic (Berlin), Diedrich Diederichsen (Wien), Dilek Dizdar (Mainz), Klaus Dörre (Jena), Costas Douzinas (London), Cynthia Enloe (Boston), Kijan Espahangizi (Zürich), Thomas Hylland Eriksen (Blinden), Alexa Färber (Hamburg), Eric Fassin (Paris), Dominik Finkelde (München), Naika Foroutan (Berlin), Rainer Forst (Frankfurt), Nancy Fraser (New York), Gavin Fridell (Halifax), Josef Früchtl (Amsterdam), Guy Geltner (Amsterdam), Nicholas de Genova (London), Nina Glick-Schiller (Manchester), Stefan Gosepath (Berlin), Francisca Grommé (London), Robert Hackett (Burnaby), Jack Halberstam (Los Angeles), Werner Hamacher (Frankfurt), David Harvey (New York), Sally Haslanger (MIT), Sabine Hess (Göttingen), Marianne Hirsch (New York), Axel Honneth (Frankfurt/New York), Andreas Huyssen (New York), Suzan Ilcan (Waterloo), Engin Isin (Milton Keynes), Qadri Ismail (Minnesota), Rahel Jaeggi (Berlin), Susan James (London), Wolfgang Kaschuba (Berlin), Ina Kerner (Berlin), Yasemin Karakasoglu (Bremen/Bruxelles), Serhat Karakayali (Berlin), Regina Kreide (Gießen), Hannes Lacher (Toronto), Winnie Lem (Peterborough), Stephan Lessenich (München), Lydia Liu (New York), Daniel Loick (Berlin), Catherine Lutz (Brown University), Cetta Mainwaring (Waterloo), Anne McNevin (New York), Paul Mecheril (Oldenburg), Hans Medick (Göttingen), Nadja Meisterhans (Karsruhe), Christoph Menke (Frankfurt), Sandro Mezzadra (Bologna), Chantal Mouffe (London), Jean-Luc Nancy (Straßburg), Patrizia Nanz (Essen), Armin Nassehi (München), Antonio Negri (Rom), Frederick Neuhouser (New York), Peter Niesen (Hamburg), Kerem Nisancioglu (London), Daniel O’Connor (Ontario), Peter Osborne (London), Andreas Pott (Berlin), Jacques Rancière (Paris), Juliane Rebentisch (Offenbach), Rado Riha (Ljubljana), Rainer Rilling (Berlin), Regina Römhild (Berlin), Beate Roessler (Amsterdam), Cristina Rojas (Carleton), Hartmut Rosa (Jena), Sirupa Roy (Göttingen), Evelyn Ruppert (London), Kim Rygiel (Ontario), Birgit Sauer (Berlin/Wien), Paul Schaffer (Peterborough), Bernd Scherer (Berlin), William Scheuerman (Bloomington), Werner Schiffauer (Frankfurt/Oder), Philippe Schmitter (Florenz), Jacqueline Solway (Peterborough), Spyros A. Sofos (Lund), Gayatri Chakravorty Spivak (New York), Vicki Squire (Warwick), Ann Stoler (New York), Ferdinand Sutterlüty (Frankfurt), Alberto Toscano (London), Sevasti Trubeta (Berlin), Jan Völker (Berlin), Joseph Vogl (Berlin), Peter Wade (Manchester), Susan Wright (Kopenhagen), Joscha Wullweber (Kassel), Yasemin Yildiz (Urbana-Champaign), Eva Youkhana (Bonn), Gokce Yurdakul (Berlin), Andreas Zick (Bielefeld), Slavoj Zizek (Ljubljana), Alenka Zupancic (Ljubljana).

Deutsche Vereinigung für Volkskunde, International Network of Scientists and Engineers for Global Responsibility (INES), International Society for Ethnology and Folklore (SIEF), Österreichischer Fachverband für Volkskunde.