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Im Blog MeinParteibuch wird die Entwicklung in Syrien täglich im Detail verfolgt. Im folgenden Beitrag, den wir gekürzt haben, wird versucht, die gegenwärtige Lage in Aleppo darzustellen. Wie zuverlässig die Informationen sind, ist schwer zu beurteilen. Aber in aller Regel sind sie wohl viel näher an der Wirklichkeit als die stereotypen Propaganda-Plots in den großen Medien. Hier der Text:

Der Frontverlauf in der Innenstadt von Aleppo hat sich also seit dem Jahr 2014, und eigentlich noch eine ganze Weile länger, praktisch nicht mehr geändert, und er ist zwischen den Konfliktparteien im Großen und Ganzen auch unstrittig. Die kleinen Unterschiede dabei ergeben sich eher aus zeichnerischen Ungenauigkeiten als aus tatsächlichen Änderungen des Frontverlaufs in der Innenstadt von Aleppo.

Das heißt natürlich nicht, dass an den Fronten der Innenstadt von Aleppo nicht gekämpft wurde. Sowohl die syrische Armee als auch die Rebellen-Terroristen haben versucht, ihre Position in der Innenstadt durch kleinere Offensiven auszubauen. Diese Offensiven führten jedoch insgesamt zu sehr wenig, außer zu Verlusten sowohl auf der eigenen wie auf der gegnerischen Seite und zur weiteren Zerstörung der Stadt. Und natürlich gab es die ganze Zeit über grenzüberschreitende Gewalt: die Rebellen-Terroristen beschießen praktisch täglich aus Wohngebieten heraus wahllos die unter Regierungskontrolle stehenden Stadtteile von Aleppo, während die syrischen Streitkräfte versuchen, mit Gegenbeschuss und Luftangriffen die Feuerpunkte der Rebellen-Terroristen zu unterdrücken, besonders schlimme Terroristen zu eliminieren und Waffenlager der Terroristen sowie Nachschub an Waffen und Munition zu zerstören. Das Ergebnis dieser Auseinandersetzungen in der Stadt Aleppo sind beinahe täglich zivile und nicht-zivile Tote auf beiden Seiten der Front, und eine von vielen Kriegszerstörungen geprägte Stadt.

Trotzdem hat die Lage in Aleppo sich natürlich drastisch verändert. Das betrifft nicht nur die Veränderungen in der Peripherie, wo die syrische Armee nach der Wiederherstellung der Straßenverbinung von Damaskus nach Aleppo, der Wiederherstellung der Verbindung von Westaleppo zum Flughafen, der Befreiung des Industriegebietes Sheikh Najjar und des Aleppiner Gefängnisses vor zwei Wochen mit der Wiederherstellung der Verbindung zu den umzingelten Städten Nubl und Zahraa nördlich von Aleppo ihren letzten großen Erfolg erzielt hat, während die Rebellen-Terroristen aus dem westlichen Umland kommend die westliche Front von Westaleppo stark eingedrückt haben, sondern auch die nicht in Frontverläufen darstellbare militärische, ökonomische und gesellschaftliche Situation in der Stadt. Natürlich spielen die Errungenschaften der syrischen Armee und ihrer Partner bei der Stimmung der Einwohner diesseits und jenseits der Front eine große Rolle, und so lässt es sich auch leicht erklären, dass die Stimmung auf der Seite der Rebellen-Terroristen gegenwärtig schlecht ist, doch das ist nicht alles.

Ebenfalls eine große Rolle spielt etwa das komplette Versagen der Rebellen-Terroristen, in den von ihnen gehaltenen Gebieten so etwas wie eine Stadtverwaltung aufzubauen, die erfolgreich Kriminalität bekämpft, eine funktionierende Stadtreinigung und Müllabfuhr organisiert und für wirtschaftliche Möglichkeiten sorgt. Als die von den USA und der Türkei aufgestellten und bewaffneten Gruppen von Rebellen-Terroristen aus dem Umland kommend den Osten und Süden der Stadt Aleppo im Sommer 2012 unter ihre Kontrolle gebracht haben, wurden sie zwar von vielen Einwohnern dieser Stadtbezirke als Befreier begrüßt, doch schon bald erwiesen sich die Befreier anstatt als Revolutionäre zumeist als gewöhnliche Räuberbanden, die Einwohner, Wohnungen und Betriebe in den von ihnen eroberten Gebieten komplett ausraubten und ausplünderten, um sich dadurch selbst persönlich zu bereichern und ihre Kriegskassen zu füllen.

Diese Probleme waren derart gravierend, dass die Bevölkerung in den von den Banditen beherrschten Gebieten schon bald die Machtübernahme der radikalen Ideologen von ISIS und Al Kaida begrüßte. Deren Herrschaft war zwar harsch und brutal, aber immerhin hielten sie die gewöhnlichen Banditen im Zaum, und obendrein kümmerten sie sich auch noch um so etwas wie eine zivile Stadtverwaltung, wie absurd sie mit ihren Osama-bin-Laden-Schulen für die Kinder auch ausgesehen haben mag. Doch an dem Grundproblem, dass die Bandiaten die von ihnen beherrschten Stadtbezirke, und insbesondere die Betriebe, bereits grundlich ausgeplündert und damit die wirtschaftliche Grundlage des Lebens zerstört hatten, konnten die Ideologen von ISIS und Al Kaida natürlich auch nichts ändern.

Dass ISIS Anfang 2014 aus der Stadt Aleppo vertrieben wurde, sorgte zwar für neues Blutvergießen und böses Blut, machte das Leben der Bevölkerung aber auch nicht besser, und was die extremen Ideologen angeht, so war das Problem auch nicht gelöst, denn Al Kaida blieb ja in Aleppo.

Die syrische Regierung versucht das ökonomische Problem in den von ihr beherrschten Bezirken, dass der Stadt durch die Banditen die wirtschaftliche Lebensgrundlage entzogen worden war, durch massive Transferleistungen und eine Art staatlicher Sozial- und Beschäftigungsprogramme zu lösen, etwa wie die Bundesrepublik Deutschland seinerzeit West-Berlin unterstützt hat, weshalb etwa die Straßen im Westteil von Aleppo sehr sauber gefegt sind. Doch die Sponsoren der im Osten der Stadt herrschenden Rebellen-Terroristen waren für ähnliches zu geizig, und die Rebellen-Terroristen sind auch zu korrupt im Umgang mit Hilfsleistungen als dass die wenigen Programme, die es gibt, funktionieren würden, weshalb die Straßen im Ostteil der Stadt dreckig bis zum geht nicht mehr sind. Das Ergebnis des Ganzen ist nun völlig eindeutig.

Mitte des Jahres 2012, kurz nachdem die von NATO und GCC unterstützen Banden an Banditen in ALeppo eingefallen waren, sah es noch so aus, dass rund 70% der Einwohner von Aleppo in den von Rebellen-Terroristen beherrschten Gebieten lebten und Einwohner des von der Armee beherrschten Westaleppo in den Osten zum einkaufen gingen, weil es im Westen zu wenig gab.

Inzwischen sieht es so aus, dass in den von den Rebellen-Terroristen beherrschten Gebieten noch rund 50.000 bis 100.000 Menschen leben, die fast alle entweder selbst von NATO- und GCC-Staaten bezahlte Kämpfer der Rebellen-Terroristen sind, oder ihren Lebensunterhalt mit Hilfsdienstleistungen für die Rebellen-Terroristen wie Essenszubereitung, Reparaturen von Fahrzeugen und technischem Gerät, Feldmedizin oder Propaganda verdienen. In jedem Stadtteil gibt es einen Warlord oder eine bewaffnete Gruppe, die da ihre Fronten verteidigt und herrscht wie als ob das von ihr beherrschte Gebiet mitsamt der Menschen darin ihr Privateigentum wären. Produziert wird da nirgendwo irgendetwas, abgesehen von selbstgebauten Waffen. Und der Gedanke, dass da irgendjemand investieren würde, um da Fabriken aufzubauen, solange da Al Kaida oder Banditen herrschen, ist geradezu grotesk.

Die Übergänge in den von der Regierung beherrschten Westteil der Stadt haben die Rebellen-Terroristen schon vor Jahren geschlossen, offiziell, um die Bevölkerung von Westaleppo auszuhungern und so in die Knie zu zwingen, doch inoffiziell wohl eher, um zu verhindern, dass ihnen die Bevölkerung aus dem Osteteil der Stadt abhaut. Doch die Leute sind nach und nach trotzdem abgehauen. Die Straßen, und auch die Häuser, sind im von den Rebellen-Terroristen beherrschten Ostteil der Stadt nahezu menschenleer. Ab und an kommt mal ein Lastwagen einer Hilsorganisation, so dass die Menschen, die ihren Lebensunterhalt nicht als Söldner oder mit Hilfsdienstleistungen für die bewaffneten Banden verdienen können, nicht verhungern.

Im von der Regierung beherrschten Westteil der Stadt Aleppo sieht die Lage beinahe genau gegenteilig aus. Die Bezirke sind vollgepackt mit Menschen, gegenwärtig vielleicht ein oder zwei Millionen, die sowohl urspüngliche Einwohner als auch Flüchtlinge aus den von den Rebellen-Terroristen beherrschten Gebieten der Umgebung sind. Es gibt Probleme, die vielen Menschen da alle irgendwo irgendwie unterzubringen und zu verpflegen, aber der syrische Staat, vom Staat unterstützte oder eingeladene Hilfsorganisationen und unzählige Helfer bemühen sich redlich darum. Der syrische Staat finanziert und unterstützt ein Heer von Staatsdienern, Polizei, Stadtreinigung, Müllabfuhr, Bildung, etwa Schulen und Hochschulen, Sport und Kultur, eben all das, was einen Staat so ausmacht. Und dazu stellt der Staat natürlich die Armee und organisiert die Nachbarschaftsverteidigung der NDF, die sich immer mehr zu einer zweiten Armee entwickeln, wobei die große Zahl der Einwohner es garantiert, dass dafür reichlich Bewerber da sind. Die syrische Regierung bemüht sich zwar intensiv, die Produktion im großen Industriegebiet Sheikh Najjar wiederzubeleben, aber das ist nicht ganz einfach. Das Industriegebiet wurde zwar im Jahr 2014 befreit, liegt aber nordöstlich von Aleppo, sodass der Weg dorthin südlich um die von Banditen beherrschten Gebiete herum für einen täglichen Arbeitsweg eigentlich zu lang ist, die Terrorgruppe ISIS steht östlich des Industriegebietes gleich nebenan, Strom aus der Steckdoese gibt es, wie in ganz Aleppo, schon seit geraumer Zeit nur noch selten und mit Wasser aus der Leitung sieht es auch nicht besser aus.

Die westliche Propaganda versucht regelmäßig, Stichwort Fassbombe, den Eindruck zu erwecken, Angriffe der syrischen Streitkräfte seien der Grund dafür, dass so viele Menschen die von Rebellen-Terroristen beherrschten Gebiete verlassen haben. Das ist erkennbar falsch. Was sie weglässt, ist, dass die von der Regierung gehaltenen Gebiete vollgepackt mit Menschen sind, obwohl die Rebellen-Terroristen da regelmäßig ziellos Granaten reinschießen, durch die in Westaleppo praktisch täglich Zivilisten, aber nur sehr selten Soldaten sterben. Der wechselseitige frontübergreifende Beschuss ist nicht der wesentliche Grund dafür, dass die Menschen aus Ostaleppo fliehen, denn sonst würden auch die Menschen aus, und nicht nach, Westaleppo fliehen. Die Strom- und Wsserversorgung ist auch nicht der Grund, denn die wird von den Rebellen-Terroristen beherrscht, und zwar für die ganze Stadt. Sicherheit, Wirtschaft und Soziales machen den wirklichen Unterschied. Die Armee hat übrigens, anders als von der westlichen Propaganda immer wieder behauptet, nicht versucht, die von Rebellen-Terroristen gehaltenen Stadtteile Aleppos einzukesseln. Würde sie das wollen, hätte sie das schon längst tun können – die zwei Kilometer vom Flughafen bis zum Zentrum oder von Sheikh Najjar bis Ashrafiya könnte die Armee locker in einer Woche vorrücken, wenn sie wollte, und damit viele der von Rebellen-Terroristen gehaltenen Stadtteile Aleppos einkesseln.

Anstatt zu versuchen, die wie sich in einem Schlauch schneckenförmig vom äußersten Nordwesten Aleppos ins Stadtgebiet ziehenden Banditengebiete einzukesseln, zu zerteilen und dann militärisch einzunehmen, versucht die syrische Regierung seit Jahren, die jeweiligen Machthaber und Warlords der Gebiete davon zu überzeugen, sich mit der Regierung auszusöhnen, also quasi die Seiten zu wechseln. Das hat bis jetzt jedoch leider keine sichtbaren Früchte getragen, weil Teile der Rebellen-Terroristen alles daran setzen, um solche Vereinbarungen zu verhindern und zu sabotieren. Vor wenigen Wochen etwa hat die Terrorgruppe Al Kaida zu diesem Zweck rund eintausend ihrer Kämpfer in die von Rebellen-Terroristen beherrschten Gebiete Aleppos verlegt. Trotzdem übt sich die syrische Armee in Geduld, doch die Frage ist, wie lange sie das noch tun wird. Vom Kräfteverhältnis her müsste die syrische Armee längst in der Lage sein, die ausgehöhlten und nahezu menschenleeren von Rebellen-Terroristen beherrschten Gebiete in der Stadt Aleppo einzunehmen.

Anders sieht es mit dem kurdisch geprägten nördlichen Aleppiner Stadtteil Scheich Maksud aus. Dieser Stadtteil hatte sich bei der großen Banditenoffensive auf Aleppo im Sommer 2012 zunächst für weder auf die eine noch auf die andere Seite geschlagen, sondern für kurdisch selbstbestimmt erklärt. Doch später, im Jahr 2013, überrannten die Terroristen-Rebellen Sheikh Maqsoud unter tatkräftiger Mithilfe einiger lokaler Banditen, und sie führten sich da auf wie Berserker, sinnlose Massaker und systematische Plünderungen inbegriffen. Vom kurdischen Bezirk Sheikh Maqsoud blieb da nicht mehr viel übrig. Wer von den Einwohnern noch konnte, flüchtete, oft auf’s Land in die kurdische Gegend von Afrin, nordwestlich von Aleppo. Die von den Rebellen-Terroristen aus Sheikh Maqsoud vertriebenen Kurden haben sich dann da ein paar neue Freunde gesucht, darunter die USA und Russland, und Ende 2015 kamen sie dann als YPG zurück, um die Rechnung mit den Rebellen-Terroristen zu begleichen und ihre angestammte Heimat Sheikh Maqsud wieder in Besitz zu nehmen. Da die syrische Armee im Laufe der Jahre 2014 und 2015 nördlich vin Aleppo eine Präsenz aufgebaut hatte, war das besonders unangenehm für die von der Türkei unterstützten Rebellen-Terroristen von Al Kaida und Co, denn Sheikh Maqsud liegt genau am nördlichen Ring von Aleppo, der Kastello-Straße, die Teil des nördlichen Aleppiner Rings und der einzige Zugangsweg ist, der den Rebellen-Terroristen in Aleppo noch verblieben ist. Militärisch plausibel war die Rückeroberung von Sheikh Maqsoud durch die YPG nur durch die Annahme, dass die YPG in Sheikh Maqsoud Nachschub durch das südlich angrenzende, von der syrischen Regierung gehaltene Gebiet bekommt, auch wenn das damals von der YPG nicht offen gesagt wurde.

Nun ist es aber so, dass nicht nur Sheikh Maqsud immer schon kurdisch geprägt war, und viele kurdische Flüchtlinge im Afrin-Kanton nicht direkt aus Sheikh Maqsud, sondern aus gegenwärtig von Rebellen-Terroristen beherrschten Nachbarbezirken kommen. Auch die angrenzenden Stadtteile sind durchaus kurdisch geprägt gewesen. und genau um die wird jetzt offenbar heftig gekämpft, und zwar mit ziemlich offener Unterstützung durch die syrische Armee. Schon vor ein paar Tagen hat die syrische Luftwaffe über dem südöstlich an Sheikh Maksoud angrenzenden Stadtteil Bustan Pasha Flugblätter abgeworfen, dass der Stadtteil in Kürze vom Terrorismus befreit werden wird. Am dienstag wurde dann von Khaled Iskef gemeldet, dass es in Bustan Pasha und nördlich davon in Halak einen heftigen Artillerie-Beschuss durch die syrische Armee gebe, offenbar zur Vorbereitung einer Erstürmung durch kurdische Kräfte, und kurdische Volksverteidigunsgeinheiten außerdem in den westlich von Sheikh Maqsud gelegenen Bezirken Ashrafiyah und Bani Zaid gegen die Rebellen-Terroristen vorgerückt sind. Ebenfalls gab es Meldungen dazu, dass kurdische Kräfte nach Halak vorgerückt seien. Außerdem gab es Meldungen, dass es heftige Auseinandersetzungen zwischen Al Kaida und kurdischen Kräften nördlich oder nordwestlich von Sheikh Maqsud an der Kastello-Straße und bei der Jugendwohnheim-Siedlung Bani Zaid gebe. Auseinandersetzungen zwischen kurdischen Kräften und der syrischen Armee gab es hingegen keine.

Die große Frage ist nun, wie weit die YPG und die syrische Armee nun bei der Befreiung der Innenstadt von Aleppo von Al Kaida und Co gehen werden. Die jüngtsen Vorstöße der YPG von Sheikh Maksud aus zeigen bislang nur den Willen zur Befreiung angrenzender Nachbarschaften, wobei die von der Türkei unterstützten Rebellen-Terroristen in Aleppo noch stärker eingeschnürt werden. Angesichts des Kräfteverhältnisses ist aber durchaus auch jeden Moment damit zu rechnen, dass die syrische Armee und ihre Partner den Ansatz, den Terroristen in Aleppo eine Versorgungslinie zu lassen, aufgeben, und auch die komplette Innenstadt von Aleppo vom Terror befreien, und damit – natürlich – auch den Krieg gegen Syrien entscheiden. In militärischer Hinsicht erscheint das gegenwärtig jedenfalls durchaus realistisch.