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IG-Metaller ausgeschmiert

Die französische Gewerkschaft CGT hat zusammen mit dem regionalen Fernseh-Sender France 3 Lorraine aufgedeckt, dass bei ArcelorMittal aus China 171 Rollen von gewalztem galvanisiertem Stahlblech für die Automobil-Herstellung und den Hoch- und Tiefbau auf Lager sind. Beim viertgrößten Stahlproduzenten der Welt BaoSteel mit Sitz in Shanghai besorgt, verschifft über 8000 km vom Zwischenhändler SMV GANS in Florange und letzte Woche in den Privathafen von ArcelorMittal in Illange G.E.P.O.R. geschafft. Das ware doch nur business as usual“, wenn nicht gerade ArcelorMittal gegen die Dumping-Importe aus China mobiliisiert hätte, Anfang Februar Beschäftigte nach Brüssel zur Demo karren ließ, selbst Manager mussten mitfahren. Die Gruppe treibt ein doppeltes Spiel warf Lionel Burrriello, delegué syndical“, also Gewerkschaftsdelegierter in der Personalvertretung, dem Weltmarktführer vor: auf der einen Seite gegen Billigstahl aus China zu protestieren, sich aber insgeheim damit auszustaffieren. Wie kann ArcelorMittal sagen, chinesischer Stahl bedrohe den Standort Fos-sur-Mer, wo schon kurzgearbeitet wird, und dabei selbst in Asien Stahl kaufen?“ schimpft zornig.der CGT-Gewerkschafter ins Mikro.

Edouard Martin, Ex-Sprecher der Gewerkschaft CFDT gegen die Schließung des Stahlwerks in Florange und für den Parti Socialiste Europa-Abgeordneter entrüstete sich: Vor zwei Tagen habe ich mit dem Generaldirektor Frankreich von ArcelorMittal Philippe Darmayan gesprochen, er hat es mir bestätigt. Das erinnert mich an die schlimmsten Manöver von Mittal (in Lothringen zur Schließung der Hochöfen, G.H.). Auf der einen Seite Hilfe fordern, auf der anderen Seite mit Arbeitsplätzen erpressen und insgeheim Kasse machen. Ich sage zu Herrn Mittal, sie sind verabscheuenswürdig, so zu handeln.“

Aus Paris, wo Lakshmi Mittal am Vortag Gespräche mit dem Wirtschaftsminister Emmanuel Macron führte, wird versucht, die Sache herunterzuspielen. Nur ein Prozent der französischen Produktion von 10 Mio. Tonnen sei in China gekauft worden, so der Boss von ArcelorMittal-France Philippe Darmayan, Die PR-Verantwortliche Nicola Davidson polemisierte gegenüber der Lothringer Tageszeitung Republicain Lorrain: Ungerechte Verzerrung der Realität“. Und wie ein ertappter Dieb verspricht Logistikfiliale, es nie wieder zu tun: G.E.P.O.R. wolle nach Aussage des Lothringer Chefs von ArcelorMittal Eric Niedzela solche Bestellungen in Zukunft nicht mehr vornehmen.

Auf diese Schmierenkomödianten sind Gewerkschafter reingefallen. Die IG Metall Völklingen hat, um nur ein Beispiel zu nennen, für die Demo in Brüssel 300 Gewerkschafter mobilisiert. Da wurde die gelbe Gefahr an die Wand gemalt, der Preis der europäischen Umweltzertifikate bemängelt, der Zwang zu entlassen berechnet. Die Gewerkschafter, die sich aus Sorge um ihre Arbeitsplätze für die europäischen Stahlmonopole nach Brüssel haben karren lassen, sollten nicht vergessen, dass der beschworene gerechte Freihandel wie Frankreich-Boss Philippe Darmayan es nennt, nur die kapitalistische Konkurrenz im Blick hat, die Ausbeutung der Beschäftigten und die private Aneignung des Profits voraussetzt. Die Metallos von der Gewerkschaft CGT wissen noch, dass ArcelorMittal enteignet gehört, die Grundstoff-Industrien, ebenso wie Wohnen, Wasser und Elektrizität nicht dem privaten Profit dienen dürfen, sondern der Gesellschaft.

Georges Hallermayer

27. Februar 2016