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Liebe Genossinnen und Genossen,

1987, beim 9. Bundeskongress der SDAJ sprach ein Genosse anlässlich der Auszeichnung der Sieger des sozialistischen Wettbewerbs um die Stärkung der SDAJ. Er sagte:

„Und wenn Euch heute gewisse Herrschaften in unserem Land von Freiheit und Frieden erzählen, (…) dann vergesst nie die befreiten Gefangenen von Buchenwald. Die Kommunisten unter ihnen haben in ihrem weltberühmt gewordenen Schwur den Kampf für Frieden und Freiheit gelobt, als Leute wie Dregger und Strauß als Hitleroffiziere das Hakenkreuz an der Uniform trugen. Sagt ihnen das ins Gesicht. Wenn wir heute vor Euch stehen, dann nicht, weil Mut, Überzeugungstreue, Kampfbereitschaft etwa das Vorrecht des Alters wären. Nein. Gerade die Jugend ist es, die mit heißem Herzen und spontanem Einsatz für die Wahrheit gegen die Lüge, für das Recht gegen Unrecht, für die Freiheit gegen die Unterdrückung, für die aufsteigende weltbewegende Sache des Sozialismus kämpft.

Die Jugend ist die reinste Flamme der Revolution sagte unser Karl Liebknecht und das gilt heute, wie es zu seiner Zeit gegolten hat. Ihr seht heute um euch eine Welt, die von schreienden Gegensätzen gekennzeichnet ist. Von protzigem Luxus auf der einen Seite, von unmenschlichem Elend auf der anderen. Mercedeswagen hier, Arbeitslose dort. Bankpaläste hier, Obdachlose dort. Überschuss an Weizen und Butter hier, Hungertod und bitterste Not auf der anderen Seite. Ihr wisst und spürt es jeden Tag, jede Kaserne stiehlt Euch die Lehrwerkstätten. Jede Rakete raubt die Mittel für Ausbildungsplätze. Wo ein Bankpalast entsteht, da wird eine Schule nicht gebaut. Wo Plutonium produziert wird, da stirbt die Natur und da sterben später die Menschen. Da sagen die in Bonn Kohle und Stahl hätten keine Zukunft, sie seien Defizitbetriebe. Nun wir nennen den größten Defizitbetrieb unseres Landes beim Namen. Er heißt Wehrmacht Bundeswehr.“

Der, diese Worte gesprochen hat war Emil Carlebach. Blockältester im jüdischen Häftlingsblock des KZ Buchenwald, Mitglied der illegalen Häftlingsorganisation – er gab mit den Aufruf zur Selbstbefreiung von Buchenwald.

Außer das Strauß und Dregger und leider auch unser Genosse Emil Carlebach tot sind, haben diese Worte kaum etwas an Aktualität verloren. Leider sogar manches dazugewonnen. Ich war damals Delegierter des Kongresses. Hätte mir jemand erzählt, dass wenige Jahre später die Bundeswehr sich wieder an Angriffskriegen beteiligt, hätte mir jemand vom Szenario der Hartz-Gesetze erzählt, ich hätte ihn für verrückt erklärt. Und ihr müsst heute erleben, wie die Kriegsministerin eine neue offensive Hochrüstung plant und uns dafür in den nächsten Jahren zusätzlich zum Rüstungsetat 130 Milliarden € abknöpfen will. Ihr müsst heute erleben, wie man die Hartzgesetze verschärft um vor allem auf junge Menschen noch mehr Druck zu machen.

Hätte gar jemand erzählt, das knapp 30 Jahre später, die Anzahl der weltweiten Kriege größer denn ja, die Gefahr einer Eskalation zum Flächenbrand real und mehr Menschen auf der Flucht sind, denn zu Zeiten des Raubkriegs der Faschisten – ich hätte das für völlig unmöglich gehalten.

Was zeigt das? Natürlich, wie schrecklich man sich irren kann. Es zeigt aber auch, wie weit wir waren. Der reale Sozialismus, so schwach er am Ende war, war so stark, dass er den Imperialismus in Schach hielt und keiner daran glaubte er könnte wieder die Verbrechen vollbringen, die er heute vollbringt.

Ja, die Kriege in Syrien, in Afghanistan, in Mali, die Zerstörung von Staaten und Strukturen in Libyen, im Irak, das Abschlachten von Völkern in Kurdistan, die Umweltkatastrophe, der Klimawandel, die Zerstörung der Lebensgrundlagen für hunderte Millionen, sie haben einen Namen und der heißt Imperialismus und sie haben Verursacher, den militärisch-industriellen Komplex, die Konzerne und Banken, die Monopole. Sie sind die Verursacher von Kriegen und Flucht und sie nutzen das was sie verursachen aus, um Rassismus zu säen, damit sie ihre Gegenkräfte spalten und verhindern, dass ihr Totengräber, die Arbeiterklasse in der Lage ist ihre Mission zu erfüllen.

Das alles zeigt wie faulend und parasitär dieses System ist, leider zeigt es aber auch faulend und parasitär heißt keineswegs schwach und instabil – leider gilt auch hier, alles muss man selber machen.

Ich bin nicht froh, vor Jugendlichen zu sprechen und ihnen sagen zu müssen, dass wir in einer gefährlichen Zeit leben. Ich bin aber froh vor Jugendlichen zu sprechen, die das erkennen und weder resignieren, noch sich arrangieren.

Ja, wir die Deutsche Kommunistische Partei sind froh und stolz Euch an unserer Seite zu haben – viele beneiden uns darum. Wir freuen uns, dass ihr Euch die Intensivierung des Friedenskampfes, des Antimilitarismus vornehmen wollt. Wir werden gemeinsam an einem Strang ziehen.

Wir sind froh und stolz, dass ihr darüber diskutiert, welche Bedeutung der kommunistischen Partei zukommt und dass ihr dabei die Freundschaft zwischen unseren Organisationen in den Mittelpunkt stellt. Hier dürft ihr uns ruhig ein bisschen mehr fordern, sollt ihr mehr darauf pochen, dass eine Jugendorganisation alles andere ist als eine junge Partei und dass die Jugend eben auch ihren eigenen Weg zum Sozialismus sucht und findet.

In den kommenden Monaten werden wir, das zeigen die Wahlergebnisse bei den Landtagswahlen darum ringen müssen, dass wir vielen Menschen, vielen Jugendlichen, vielen Klassengenossen, die Gefahr laufen den Rassisten, den Speichelleckern der Monopole auf den Leim zu gehen, deutlich machen: Nicht die Flüchtlinge sind eure Gegner, es sind die Kriegstreiber, es sind die, die die Flucht ausnutzen wollen, um den lächerlichen Mindestlohn zu schleifen, die Spaltung der Ausgebeuteten zu vertiefen.

Dabei dürfen und müssen wir plakativ sein. In Deutschland haben wir 1,14 Millionen Millionäre, sie besitzen 2,381 Billionen €, Kriegsministerin von der Leyen will 130 Milliarden € für die offensive Umrüstung der Bundeswehr. Die Rüstungsindustrie verdient sich an Kriegen dumm und dämlich, die Auslandseinsätze der Bundeswehr kosten Milliarden. Das alles zu ändern ist noch keine Revolution, aber notwendig.

Wir suchen die Diskussion über das einfache, das so schwer zu machen ist, den Sozialismus. Wir streuen aber vor allem den Widerspruch, der das Nachdenken über das einfache befördert.

Ran an die Massen, das wir das gemeinsam können, haben wir beim Festival der Jugend gezeigt. Im Geist und Sinn von Emil Carlebach, offensiver, mutiger werden.

Das können wir gut verbinden. Ich lade Euch ganz herzlich zum UZ-Pressefest ein. Ihr wisst sicher, es gibt Einladungen, da kann man nicht Nein sagen. Ich schlage vor, dass jede und jeder von Euch mindestens zwei Kumpels oder Kumpelinnen mitbringt, dann geht das doch in eine gute Richtung. Das wird das größte Fest der Linken, das wird das Fest des Friedens und der Solidarität und es wird das Fest von DKP und SDAJ – unsere Freunde und Feinde sollen neidisch werden auf unsere Freundschaft – die lebe hoch. Kämpfen wir gemeinsam um die Stärkung von SDAJ und DKP, um mehr Mitglieder und mehr Abonnenten für die Position und die UZ.

Rotfront!