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Keine Jobs für ehemalige Bochumer Opelaner

Von D.H.B.

Abrissarbeiten am Opel Werk 1 in Bochum (Foto: Frank Vincentz)
Abrissarbeiten am Opel Werk 1 in Bochum (Foto: Frank Vincentz)

Im Dezember 2014 wurde das Bochumer Opel-Werk geschlossen – mit fatalen Folgen für die Stadt, die Region, aber ganz besonders für die betroffene Belegschaft und deren Familien. Zehn Jahre lang hatten die Kolleginnen und Kollegen gegen die drohende Schließung gekämpft. Die solidarische Unterstützung, die die Betroffenen aus allen Teilen NRWs und darüber hinaus erfahren haben, konnte diese brutale Entscheidung zu Gunsten des Profits und zu Lasten zehntausender Menschen nicht abwenden.

Zwei Jahre nach dieser Katastrophe schlagen Betriebsräte und Vertrauensleute auf der Homepage von „Wir Gemeinsam“ Alarm: „Ende 2014 waren 3 300 Beschäftigte von der (rechtswidrigen) Schließung des Bochumer Werkes betroffen. 2 614 Opelaner wechselten in die Transfergesellschaft. Bis Sommer (2016) wurden nur ca. 600 in neue Jobs vermittelt. Ein Teil davon auf befristete, prekäre Arbeitsplätze. Weitere 750 ehemalige Opelaner der sogenannten ‚rentennahen‘ Jahrgänge 1961 und älter, viele davon leistungsgemindert, sind nicht mehr in der Transfergesellschaft geführt und in der Regel arbeitslos gemeldet. Die Mehrzahl sucht Arbeit. Im Klartext: Fast 2 000 der ehemaligen Beschäftigten des Bochumer Opelwerkes sind derzeit immer noch ohne Arbeit.“

Den meisten von ihnen droht Ende dieses Jahres die Arbeitslosigkeit, denn am 31. Dezember endet die Laufzeit der Transfergesellschaft. Viele Kolleginnen und Kollegen haben 25 Jahre, manche 30 Jahre und länger im Bochumer Opelwerk gearbeitet. Viele arbeiteten dreischichtig, haben Kontischichten gefahren, sind ausgebrannt und kaputt. Die Hochschule Aachen hatte zum Zeitpunkt der Werkschließung im Auftrag der Landesregierung ermittelt, dass in NRW 45 000 Arbeitsplätze bei Zulieferern und Dienstleistern in direkter Abhängigkeit zum Bochumer Opelwerk stehen. Insgesamt waren es 138 Zulieferer. Bei der Stadt Bochum waren rund 10 000 Menschen als Dienstleister und Gewerbetreibende vom Opelwerk abhängig.

Viele Versprechungen
Ob Karl-Josef Laumann von der CDU oder Ministerpräsidentin Hannelore Kraft: „Hier ist das Herz der Industrie immer schon zu Hause gewesen. Wir werden mit Herzblut für alle deutschen Opel-Standorte kämpfen“. Ob Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz (Bochum): „Nach vorne schauen und anpacken“ oder NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD): „Gemeinsam mit allen Beteiligten schnell eine solide Zukunftsperpektive für die Stadt Bochum schaffen“, alles nur Schall und Rauch. Seifenblasen, die nichts aber auch gar nichts am Niedergang einer ganzen Region etwas ändern konnten. Eine Gesellschaft wurde gegründet („Bochum Perspektive 2022“), um irgendwann auf dem Gelände von Werk I in Bochum-Laer Logistikunternehmen mit miserabel bezahlten Arbeitspätzen anzusiedeln.

Nach Nokia und Opel schließen das Stahlwerk Outukumpu, Johnson Controls und Wollschläger (wegen Insolvenz). Entlassungen gibt es bei Eickhoff. TKS Bochum wackelt.

Die CDU-Landtagsfraktion erreichte am 28. September immerhin eine „Aktuelle Viertelstunde“ im Wirtschaftsausschuss. Alle Probleme diskutiert und gelöst? Greifbare Ergebnisse sind bisher nicht bekannt. Nicht einmal das von Opel schriftlich zugesagte Versprechen, 100 Industriearbeitsplätze zu schaffen, wurde eingehalten.

Ende September 2016 gab es 49478 Arbeitsuchende in Bochum. (unterteilt in 37 940 nach SGB II und 11 538 nach SGB III). Dem stehen ganze 4 162 gemeldete Arbeitsstellen gegenüber. Jede(r) fünfte in Bochum gilt als arm. Die Stadt beklagt Einnahmeeinbußen in Höhe von 32 Mio. Euro. Der Schuldenstand der Stadt liegt 2016 bei 1,7 Milliarden Euro. In den umliegenden Revierstädten Gelsenkirchen, Dortmund, Oberhausen, Herne und anderen sieht es nicht besser aus. Die Belegschaften von Thyssen-Krupp Steel, von Tengelmann und anderen Betrieben, denen das Aus droht, sollten die Erfahrungen der Opelaner in Bochum genaustens analysieren und daraus die richtigen Schlussfolgerungen ziehen: Es gibt keine sozialen Sozialpläne. Und der Satz: „Es gibt keine betriebsbedingten Kündigungen“ ist ein schlechter Scherz oder eine Lüge. Es gibt keine sichere Zukunft in einem menschenverachtenden System, das Profitaussichten vor die Bedürfnisse der Menschen stellt.

So sprach die Kabarettistin Esther Münch bei der Jubilarfeier der Bochumer Opelaner im Dezember 2014: „Als die Zechen starben, kam Opel. Wenn Opel stirbt, kämpfen wir gemeinsam für etwas Neues. Unsere Solidarität bleibt. Gebt Eure Erfahrung weiter. Euer Kampf war nicht umsonst.“

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