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Militarisierung findet auch künftig im Rahmen der NATO statt

Am 24. 9. 1987 nahmen Bundeskanzler Helmut Kohl und der französische Staatspräsident Francois Mitterrand an der deutsch-französischen Heeresübung Kecker Spatz teil. Hier: Mitterrand und Kohl bei einer Pressekonferenz auf dem Luftwaffenstützpunkt Manching. (Foto: Bundesarchiv, B 145 Bild-F076314–0006/Engelbert Reineke/CC-BY-SA 3.0)
Am 24. 9. 1987 nahmen Bundeskanzler Helmut Kohl und der französische Staatspräsident Francois Mitterrand an der deutsch-französischen Heeresübung Kecker Spatz teil. Hier: Mitterrand und Kohl bei einer Pressekonferenz auf dem Luftwaffenstützpunkt Manching. (Foto: Bundesarchiv, B 145 Bild-F076314–0006/Engelbert Reineke/CC-BY-SA 3.0)

Der Auf­satz ist die Kurz­fas­sung eines Re­fe­rats, das auf dem Se­mi­nar „Zwi­schen­im­pe­ria­lis­ti­sche Wi­der­sprü­che“ der Marx-En­gels-Stif­tung am 29.10.2016 in Mar­burg ge­hal­ten wurde.
Die Au­to.­rin ist Re­dak­ti­ons­mit­glied der „Mar­xis­ti­schen Blät­ter“

Als die „Hand­voll Groß­mäch­te, die die Welt be­herr­schen“ be­schrieb Lenin 1916 die „alten“ ka­pi­ta­lis­ti­schen Län­der Eng­land und Frank­reich, die „jun­gen“ Deutsch­land, USA, Japan, das rück­stän­di­ge Russ­land, ab­hän­gig von bri­ti­schen und fran­zö­si­schen Ban­ken. 1945, nach zwei Welt­krie­gen, lag der als Ko­lo­ni­al­macht zu spät und zu kurz ge­kom­me­ne, daher be­son­ders ag­gres­si­ve deut­sche Im­pe­ria­lis­mus am Boden. Die USA pro­du­zier­ten die Hälf­te des Welt-BIP. Die So­wjet­uni­on hatte mas­siv an Ein­fluss und Au­to­ri­tät ge­won­nen. Das Ko­lo­ni­al­sys­tem be­fand sich im Zu­sam­men­bruch. Unter die­sen Kräf­te­ver­hält­nis­sen wurde die Frage, wie der deut­sche Im­pe­ria­lis­mus unten zu hal­ten sei, für die west­li­che Füh­rungs­macht zweit­ran­gig. Sie be­gann den Kal­ten Krieg. Die zwi­schen­im­pe­ria­lis­ti­schen Wi­der­sprü­che in Eu­ro­pa wur­den durch die bi­po­la­re Sys­tem­kon­kur­renz de­ter­mi­niert.
Die USA setz­ten Re­geln im ka­pi­ta­lis­ti­schen Welt­sys­tem, schu­fen Gre­mi­en, wie IWF und Welt­bank, und dräng­ten auf die Ei­ni­gung West­eu­ro­pas als Teil der Block­bil­dung gegen den So­zia­lis­mus. Sie for­cier­ten Deutsch­lands Re­mi­li­ta­ri­sie­rung und NA­TO-Ein­glie­de­rung. Der deut­schen Bour­geoi­sie hal­fen sie, ihre Klas­sen­macht zu re­stau­rie­ren. Die Ko­ope­ra­ti­on und Kon­kur­renz von Frank­reich und Deutsch­land trieb wich­ti­ge Schrit­te zur Ver­ei­ni­gung West­eu­ro­pas an. Mit der Mon­tan­uni­on 1951 woll­te Frank­reich die deut­sche Schwer­in­dus­trie zü­geln. Das deut­sche Mo­no­pol­ka­pi­tal stieg damit aus dem Ruhr-Be­sat­zungs­sta­tut aus. Deutsch­lands NA­TO-Mit­glied­schaft woll­te Frank­reichs Mi­nis­ter­prä­si­dent René Ple­ven mit der „Eu­ro­päi­schen Ver­tei­di­gungs­ge­mein­schaft“ zu­vor­kom­men, was am fran­zö­si­schen Par­la­ment schei­ter­te. Mit der Bil­dung der Eu­ro­päi­schen Wirt­schafts- und Atom­ge­mein­schaft 1957 re­agier­ten Frank­reich, Deutsch­land, Ita­li­en und die Be­ne­lux-Län­der auch auf die USA, die sich wäh­rend der Su­ez­kri­se und des Un­garn­auf­stands über Eng­land, Frank­reich und Deutsch­land hin­weg mit der UdSSR ver­stän­digt hat­ten. Wäh­rend die Bri­ten sich seit­dem noch enger an die USA an­lehn­ten, mach­te sich Frank­reich für den Auf­bau au­to­no­mer eu­ro­päi­scher mi­li­tä­ri­scher Fä­hig­kei­ten stark, die die US-Po­li­tik be­ein­flus­sen könn­ten.
Kräf­te­ver­schie­bung
Die bri­ti­sche Bour­geoi­sie woll­te Frei­han­del, aber nie eine po­li­ti­sche Ver­ei­ni­gung. Sie gab ihren star­ken Ver­bin­dun­gen nach Nord­ame­ri­ka und in das eins­ti­ge bri­ti­sche Ko­lo­ni­al­reich den Vor­rang. Von 1960 bis 1973 führ­te Groß­bri­tan­ni­en in Kon­kur­renz zur EWG die Eu­ro­pean Free Trade As­so­cia­ti­on (EFTA) an, mit Nor­we­gen, Schwe­den, Dä­ne­mark, Ös­ter­reich, der Schweiz, Por­tu­gal, Finn­land, Is­land und Liech­ten­stein. 1973 wech­sel­ten Groß­bri­tan­ni­en und Dä­ne­mark zur EU. Eine klei­ne EFTA unter Füh­rung der Schweiz blieb übrig. In den 1980ern tra­ten Grie­chen­land, Spa­ni­en und Por­tu­gal der EWG bei. Der 1957 ver­ein­bar­te Bin­nen­markt wurde in den 1980ern „voll­endet“, als die Bour­geoi­si­en Groß­bri­tan­ni­ens und der USA be­reits Kurs auf den Neo­li­be­ra­lis­mus nah­men. Er­leich­ter­te Fu­sio­nen und Über­nah­men stärk­ten die EWG-Kon­zer­ne für die „ame­ri­ka­ni­sche und ja­pa­ni­sche Her­aus­for­de­rung“. Opfer des Bin­nen­markts waren pri­mär Kon­zer­ne der klei­ne­ren Län­der, Pro­fi­teu­re die star­ken und gut ver­netz­ten Kon­zer­ne der gro­ßen Län­der. 1992 stell­ten Deutsch­land und Frank­reich knapp zwei Drit­tel der 100 größ­ten Kon­zer­ne Eu­ro­pas.
Nach 1989 kam es durch die Ein­ver­lei­bung der DDR und den Zu­sam­men­bruch des So­zia­lis­mus zu einer be­deu­ten­den Kräf­te­ver­schie­bung zu­guns­ten des deut­schen Im­pe­ria­lis­mus. Die BRD wurde mit Ab­stand be­völ­ke­rungs­reichs­tes Land der EWG. Geo­gra­fisch nahm sie die Zen­tral­po­si­ti­on in Eu­ro­pa ein. Han­dels­be­zie­hun­gen zu Ost­eu­ro­pa besaß sie schon. Nun er­öff­ne­ten sich ganz neue Mög­lich­kei­ten der Ost­ex­pan­si­on. Frank­reichs Prä­si­dent Mit­ter­rand äu­ßer­te die Be­fürch­tung, das star­ke Deutsch­land werde sich ganz nach Osten ori­en­tie­ren. Er und die bri­ti­sche Pre­mier­mi­nis­te­rin That­cher be­geg­ne­ten der deut­schen Ei­ni­gung mit Skep­sis, muss­ten ihr aber macht­los zu­se­hen, da Ge­or­ge Bush und Gor­bat­schow dafür waren. Zur glei­chen Zeit lie­fen Ver­hand­lun­gen über die Ein­füh­rung des Euro. Teile der deut­schen Bour­geoi­sie be­haup­ten, Mit­ter­rand habe als Be­din­gung für Frank­reichs Zu­stim­mung zur deut­schen Ein­heit auf die be­schleu­nig­te Ein­füh­rung des Euro ge­drängt. Der eu­ro­skep­ti­sche Teil der deut­schen Bour­geoi­sie be­schwor schon da­mals das Ge­spenst der „über ihre Ver­hält­nis­se le­ben­den Süd­län­der“. Ihn be­ru­hig­te Theo Wai­gel mit dem „Sta­bi­li­täts­pakt“: Eu­ro-Län­der müs­sen die jähr­li­che Neu­ver­schul­dung unter 3 Pro­zent und den Schul­den­stand unter 60 Pro­zent des Brut­to­in­land­pro­dukts (BIP) hal­ten. Bei Ver­feh­lung dro­hen Sank­tio­nen.
Die deut­sche Re­gie­rung för­der­te den Zer­fall Ju­go­sla­wi­ens und nahm am NA­TO-Krieg gegen das Land teil. Die USA trie­ben die NA­TO-Ost­erwei­te­rung voran. Län­der des „neuen Eu­ro­pa“ tra­ten der NATO bei, be­tei­lig­ten sich am Irak­krieg und wur­den EU-Bei­tritts­kan­di­da­ten. Im Zuge der Ab­wick­lung des So­zia­lis­mus ent­stand im Osten eine ge­gen­über Kern­eu­ro­pa är­me­re Pe­ri­phe­rie der EU. Seit der Eu­ro-Kri­se wurde auch Süd­eu­ro­pa ab­ge­hängt.
Un­glei­che Ent­wick­lung
Die Spal­tung in Kern und Pe­ri­phe­rie ver­tief­te sich und be­droht heute den Euro. Das öko­no­misch do­mi­nie­ren­de Deutsch­land nutz­te die Krise, um zen­tra­le Kon­troll­me­cha­nis­men und Durch­griffs­rech­te gegen Schuld­ner­län­der zu eta­blie­ren. Die Schul­den­be­die­nung wird durch den „Eu­ro­pean Sta­bi­li­tay Me­cha­nism ESM“ or­ga­ni­siert. Die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank (EZB) fe­dert de­fla­tio­nä­re Fol­gen der Aus­te­ri­täts­po­li­tik ab. Die­ser un­po­pu­lä­re Kurs war in ei­ni­gen Län­dern nur durch­setz­bar, indem die De­mo­kra­tie aus­ge­he­belt wurde.
Die eu­ro­päi­schen Groß­mäch­te brach­ten un­ter­schied­li­che, his­to­risch ge­wach­se­ne In­ter­es­sen­la­gen in das West­eu­ro­pa-Pro­jekt ein. Ka­pi­ta­lis­mus ist nicht gleich Ka­pi­ta­lis­mus. Die Art und Weise, wie er sich for­miert, va­ri­iert von Land zu Land. Geo­gra­fi­sche Be­din­gun­gen, kul­tu­rel­le und po­li­ti­sche Tra­di­tio­nen, die Stel­lung des Lan­des in der in­ter­na­tio­na­len Ar­beits­tei­lung, Un­ter­schie­de in den Klas­sen­ver­hält­nis­sen und in den Kräf­te­ver­hält­nis­sen im Klas­sen­kampf spie­len bei den For­mie­rungs­pro­zes­sen eine Rolle. So hat in Groß­bri­tan­ni­en der Fi­nanz­sek­tor tra­di­tio­nell eine weit­aus grö­ße­re Be­deu­tung als in Deutsch­land oder Frank­reich. Grün­de lie­gen in der eins­ti­gen Rolle des Kö­nig­reichs als Ko­lo­ni­al­macht. Marx be­schreibt im „Ka­pi­tal“ das Ko­lo­ni­al­sys­tem „mit sei­nem See­han­del und Han­dels­krie­gen“ als „Treib­haus für das Sys­tem der öf­fent­li­chen Schul­den“, das „eine Klas­se mü­ßi­ger Rent­ner“, Ak­ti­en­ge­sell­schaf­ten und „das Bör­sen­spiel“ her­vor­brach­te. Schon vor dem Ende des 19. Jahr­hun­derts galt Groß­bri­tan­ni­en als „Rent­ner­staat“.
Mit Blick auf Frank­reich und Deutsch­land un­ter­schied die Theo­rie des staats­mo­no­po­lis­ti­schen Ka­pi­ta­lis­mus (SMK) zwi­schen einer eta­tis­ti­schen und einer pri­vat­mo­no­po­lis­ti­schen Va­ri­an­te des SMK. In Frank­reich gibt es die „Pla­ni­fi­ca­ti­on“, eine ak­ti­ve In­dus­trie­po­li­tik und Len­kungs­rol­le des Staa­tes in der Wirt­schaft. Die Aus­tausch­bar­keit von öko­no­mi­schen und po­li­ti­schen Eli­ten ist hoch. Staats­be­tei­li­gun­gen an Groß­kon­zer­nen im En­er­gie-, Rüs­tungs-, Lo­gis­tik-, Kfz- und Ver­kehrs­sek­tor sind üb­lich. Die Ar­bei­ter­klas­se ist kämp­fe­risch, so dass der neo­li­be­ra­le Umbau ver­zö­gert wurde und Frank­reich in der Kon­kur­renz an Boden ver­lor. Deutsch­lands Be­son­der­heit ist seine ex­tre­me Ex­port­ori­en­tie­rung. Seit 1951 er­zielt die Bun­des­re­pu­blik Ex­port­über­schüs­se, denen De­fi­zi­te fast aller Ab­neh­mer­län­der ge­gen­über ste­hen. (Nach Re­gio­nen ver­teil­ten sich die deut­schen Aus­fuh­ren 2015 wie folgt: Eu­ro­zo­ne 36,6 %; Rest-EU 21,4 %; USA 10 %, China 7 %, alle BRICS zu­sam­men 10 %.) Deutsch­land wurde zum Gläu­bi­ger­staat Eu­ro­pas. Flan­kiert wird die Ex­port­ori­en­tie­rung von der „Sta­bi­li­täts­po­li­tik“, die auf Löhne und So­zi­al­kos­ten drückt. Als Stand­ort­vor­tei­le gel­ten „So­zi­al­part­ner­schaft“ und „Wett­be­werbs­kor­po­ra­tis­mus“ (Un­ter­ord­nung des Ge­samt­in­ter­es­ses der Ar­bei­ter­klas­se unter das In­ter­es­se der Firma oder des Stand­orts). Frank­reich, Groß­bri­tan­ni­en, Ita­li­en, USA und IWF pran­gern die deut­schen Ex­port­über­schüs­se seit lan­gem an. Die deut­schen Re­gie­run­gen sehen darin ein Er­folgs­mo­dell.
Teil der his­to­risch her­aus­ge­bil­de­ten Kon­stel­la­tio­nen sind Bünd­nis­tra­di­tio­nen. Groß­bri­tan­ni­en und Frank­reich waren im Kampf um Ko­lo­ni­en lange Ri­va­len, ver­stän­dig­ten sich aber um 1900 gegen das zu spät ge­kom­me­ne, nach Neu­auf­tei­lung drän­gen­de Deutsch­land. Die „En­tente cor­di­ale“, die bis 1918 dau­er­te, wird bei Be­darf er­neu­ert. 2010 schlos­sen beide Län­der einen Ver­trag zur Rüs­tungs- und Mi­li­tär­ko­ope­ra­ti­on. Beide waren trei­ben­de Kräf­te des An­griffs auf Li­by­en 2011. Den Mi­li­tär­schlag gegen Li­by­en in­ter­pre­tier­te Frank­reichs da­ma­li­ger Au­ßen­mi­nis­ter Alain Juppé als Aus­druck einer „va­ria­blen po­li­ti­schen Geo­me­trie der EU“: Bei der Wirt­schafts­po­li­tik spiel­ten die Län­der der Eu­ro­zo­ne die wich­tigs­te Rolle, bei der Ver­tei­di­gungs­po­li­tik zeich­ne­te sich eine „fran­zö­sisch-bri­ti­sche Achse“ ab. Beide Län­der sind im Er­geb­nis des zwei­ten Welt­kriegs stän­di­ge Mit­glie­der im UN-Si­cher­heits­rat und haben nicht vor, diese Po­si­ti­on zu­guns­ten der EU oder gar zu­guns­ten Deutsch­lands zu räu­men.
Lenin zeig­te, dass die „all­ge­mein­wirt­schaft­li­che, fi­nan­zi­el­le, mi­li­tä­ri­sche und sons­ti­ge Stär­ke“ der Län­der die Basis für Ab­kom­men zwi­schen ihnen ist. Stär­ke­ver­hält­nis­se ver­än­dern sich, „denn eine gleich­mä­ßi­ge Ent­wick­lung der ein­zel­nen Un­ter­neh­mun­gen, Trusts, In­dus­trie­zwei­ge und Län­der kann es unter dem Ka­pi­ta­lis­mus nicht geben“. Die Ab­hän­gig­keit der Län­der von der Ent­wick­lung der Groß­un­ter­neh­men hat sich seit­her po­ten­ziert. Ein Drit­tel des Welt­han­dels ist In­tra­kon­zern­han­del. 80 Pro­zent spielt sich in­ner­halb glo­ba­ler Wert­schöp­fungs­ket­ten ab. Ein Land bes­sert seine Han­dels­bi­lanz, indem es seine Kon­zer­ne be­fä­higt, in glo­ba­len Wert­schöp­fungs­ket­ten, die meist von Kon­zer­nen rei­cher Län­der ge­führt wer­den, auf­zu­stei­gen, oder indem es Aus­lands­fir­men ani­miert, vor Ort Fi­lia­len zu grün­den. Die die Welt­wirt­schaft be­stim­men­den Trans­na­tio­na­len Kon­zer­ne kom­men aus we­ni­gen Län­dern. 289 der 500 welt­weit Größ­ten kamen 2016 al­lein aus der G7. Von 1980 bis 2016 sank der US-An­teil von 217 auf 135, zu­gleich stieg der An­teil Chi­nas von 0 auf 102. Ja­pans An­teil sinkt seit den 1990ern. Eu­ro­pa (EU plus Schweiz und Nor­we­gen) war 2008 mit 179 dabei, heute mit 140.
EU in Afri­ka und
Ost­eu­ro­pa „ge­for­dert“
Die Wi­der­sprü­che und Spal­tun­gen der heu­ti­gen EU sind in ein in­ter­na­tio­na­les Kräf­te­ver­hält­nis ein­ge­bet­tet, das durch den all­mäh­li­chen öko­no­mi­schen Ab­stieg der USA und den Über­gang zu einer mul­ti­po­la­ren Welt­ord­nung cha­rak­te­ri­siert ist. Heute stel­len USA und EU zu­sam­men die Hälf­te des Welt-BIP, 1945 die USA al­lein. Wich­tigs­te Stär­ke von USA und NATO ist heute ihre mi­li­tä­ri­sche Über­le­gen­heit. Sie kommt im Zuge einer Po­li­tik der Ein­däm­mung und Ein­krei­sung auf­stei­gen­der Mäch­te zum Ein­satz. 2011 rief die US-Re­gie­rung „Ame­ri­kas Pa­zi­fi­sches Jahr­hun­dert“ aus. Das hieß auch, dass die EU in Afri­ka und Ost­eu­ro­pa „stär­ker ge­for­dert“ sei. Daher führ­te Au­ßen­mi­nis­ter Wes­ter­wel­les Ent­hal­tung beim Li­by­en­krieg zu hef­ti­ger Kri­tik in Me­di­en und Thinktanks, die vor einem „deut­schen Son­der­weg“ warn­ten. 2013 for­der­te die Stu­die „Neue Macht – neue Ver­ant­wor­tung“ eine deut­lich ag­gres­si­ve­re deut­sche Au­ßen­po­li­tik. Sie wurde, an der Seite der USA, in der Ukrai­ne um­ge­hend prak­ti­ziert. Laut Stu­die sol­len „be­währ­te Part­ner­schaf­ten Vor­rang haben vor den Be­zie­hun­gen zu den auf­stei­gen­den Mäch­ten“. Deutsch­land müsse Mäch­te wie Russ­land ein­bin­den „oder sie ein­he­gen, indem es sie in ihrem Hand­lungs­spiel­raum ein­engt“. Die NATO sei „ein­zig­ar­ti­ger Kräf­te­ver­stär­ker für deut­sche si­cher­heits­po­li­ti­sche In­ter­es­sen“. (Neue Macht – Neue Ver­ant­wor­tung. Ele­men­te einer deut­schen Au­ßen- und Si­cher­heits­po­li­tik für eine Welt im Um­bruch. Ein Pa­pier der Stif­tung Wis­sen­schaft und Po­li­tik (SWP) und des Ger­man Mar­shall Fund of the United Sta­tes (GMF), 2013, S. 36, 45.) Russo­pho­bie und Russ­land-Sank­tio­nen, die Bun­des­wehr an den EU-Ost­gren­zen, stär­ke­res En­ga­ge­ment in Nah­ost und Afri­ka fol­gen die­ser Stra­te­gie. Das TTIP soll Stan­dards set­zen, „die wir zu­sam­men mit den USA heute noch prä­gen kön­nen,“ so Anton Bör­ner, Chef des Bun­des­ver­bands für Groß- und Au­ßen­han­del. „Län­der wie China oder Russ­land müs­sen von uns über­neh­men, was fai­rer Wett­be­werb und frei­es Han­deln be­deu­tet, und nicht wir die Re­geln ideo­lo­gisch aus­ge­rich­te­ter Staa­ten und deren Ge­sell­schafts­for­men.“
Bei Oba­mas Ab­schieds­be­such in Ber­lin ap­pel­lier­ten er und Mer­kel für die Bei­be­hal­tung die­ser Linie. Die Wahl Trumps wird ge­nutzt, um die in der BRD an­ste­hen­de mas­si­ve Er­hö­hung der Rüs­tungs­aus­ga­ben als „Fest­hal­ten an den Wer­ten und Prin­zi­pi­en des Wes­tens“ zu ver­klä­ren. Ak­tu­ell sum­mie­ren sich die Rüs­tungs­aus­ga­ben Bri­tan­ni­ens mit 55,5 Mrd. Dol­lar, Frank­reichs (51 Mrd.) und der BRD (40 Mrd.) auf etwa ein Vier­tel des US-Rüs­tungs­haus­halts (600 Mrd.). Die Bun­des­re­gie­rung will künf­tig auf die von der NATO ge­for­der­ten 2 Pro­zent des BIP auf­sto­cken. An­ge­sichts Un­si­cher­heit über den US-Kurs wird er­neut „mehr eu­ro­päi­sche Au­to­no­mie“ ge­for­dert. Doch spre­chen die In­ter­es­sen­kon­stel­la­tio­nen in Eu­ro­pa dafür, dass EU-Mi­li­ta­ri­sie­rung auch künf­tig im Rah­men der NATO statt­fin­den wird. Nur so wären die Bri­ten trotz Brex­it wei­ter dabei. Nur mit­tels NATO las­sen sich Polen und Bal­ten ein­bin­den. Schließ­lich braucht es den „eu­ro­päi­schen Flü­gel der NATO“, um in Ost­eu­ro­pa und Afri­ka die USA zu ent­las­ten, damit sie sich auf China kon­zen­trie­ren kön­nen.

Autor

Beate Landefeld

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