DKP in Aktion
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Trauerrede für Rolf Priemer am 17. Februar 2017 in Bonn

Redner: Artur Moses

rolf-priemer-2017 Rolf Priemer ist am 29. Januar im Alter von 76 Jahren nach längerer Krankheit in Bonn verstorben.

Wir nehmen heute zusammen Abschied von Rolf.

Liebe Raja, lieber Falk, lieber Timo,

verehrte Angehörige der Familien de Fries, der Familien Bernard, liebe Christel, liebe Freundinnen und Freunde, werte Bekannte von Raja und Rolf, liebe Mitstreiter und Mitstreiterinnen, liebe Genossinnen und Genossen:

Von einem geliebten und geachteten Menschen Abschied zu nehmen ist immer schmerzhaft und immer mit den beiden Fragen verbunden: Was war und was wird bleiben?

Auf diese Fragen sind Antworten aus verschiedenen Perspektiven möglich:

Aus gesellschaftspolitischer Sicht, aus der Perspektive von Organisationen und von Bewegungen, mit denen Rolf verbunden und in denen Rolf aktiv war. Aus der Perspektive der Familie, der Lebensgefährtin und der Söhne. Aus der Perspektive von Freunden und Kampfgefährten.

Rolf wurde am 15. November 1940 in Bremen geboren.

Rolf´s Kindheit war geprägt von der Zeit des vom deutschen Imperialismus angezettelten Weltkrieges und durch den schon seit 1933 andauernden faschistischen Terror des Nazi-Regimes gegen die Arbeiterbewegung.

Die Mutter, Lisbeth, musste ihre beiden Kinder alleine erziehen. Sie musste arbeiten, um ihre Familie durch zu bringen. Sie übernahm Verantwortung und Arbeit im Kampf gegen das Nazi-Regime.

Unter solchen Bedingungen gab es kein unbeschwertes Familienleben, es gab sicherlich zu wenige fröhliche Kindheitstage.

Die Kinder waren oft auf sich alleine gestellt und Rolf fiel es als dem Älteren zu seinen jüngeren Bruder zu betreuen und zu versorgen.

Nach der Befreiung vom Hitler-Faschismus erlebte die Familie den Beginn des Kalten Krieges und den damit aufkommenden Antikommunismus.

Vielleicht waren es diese harten Lebensbedingungen in seiner Kindheit, die Rolf nachhaltig in seiner Persönlichkeit geprägt haben.

Er erlernte ab 1956 den Beruf des Schriftsetzers. 1957 wurde er Mitglied der Gewerkschaft.

Schon früh war Rolf politisch aktiv geworden. 1960 war er in die widerrechtlich verbotene KPD eingetreten. Als Mitglied der KPD arbeitete Rolf daran mit, Kontakte der Kommunisten in die Gewerkschaften und in die Jugend zu knüpfen.

Rolf war aktiv in den linken Clubs 59, 64 und im Club elan. 1962 bekam er ein Volontariat bei der Jugendzeitschrift „elan“, 1964 wurde er Redakteur und später deren Chefredakteur.

Es entwickelte sich seine große Leidenschaft für das Schreiben.

Rolf wurde ein „68ziger“ in und mit der Arbeiterjugendbewegung.

Dieter Keller war ein Mitbegründer der SDAJ.
Ich bat ihn seine Erinnerungen fest zuhalten. Er schrieb mir dazu:

„Am 28. Januar 1968 wandte sich ein Gründungsausschuss von jungen Lehrlingen, Arbeitern und Angestellten, von Gewerkschafter*innen, Kommunist*innen, Sozialist*innen und anderen linken demokratischen, jungen Menschen, mit einem „Aufruf zur Gründung einer revolutionären sozialistischen Jugendorganisation“ an die Jugend unseres Landes. Daraus hervor ging die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ). Gegründet am 4./5. Mai 1968, dem 150. Geburtstag von Karl Marx.

Die damalige Zeit war geprägt von einer Aufbruchstimmung unter der Jugend, nicht nur der studierenden, sondern auch der arbeitenden und lernenden Jugend. Große Teile der damals rebellierenden Jugend wollten mehr als nur Protest. Sie suchten nach Wegen zur Veränderung der bestehenden gesellschaftlichen und ökonomischen Verhältnisse im Land. Es ging auch darum den Adenauer-Mief in der BRD auszulüften.

Am Samstag nach ihrer Gründung trat die SDAJ erstmals öffentlich beim Marsch der 80000 gegen die Notstandsgesetze im Bonner Hofgarten auf.

Im Sommer 1968 nahm die SDAJ erstmals an den Weltfestspielen der Jugend und Studenten in Sofia teil und erntete viel internationale Aufmerksamkeit und Anerkennung“.

Dieter weiter: „Rolf war von 1968 bis 1974 Vorsitzender der SDAJ. Seine Führungsarbeit war von einem konsequenten Standpunkt, von klarem Sachverstand und Sachlichkeit geprägt. Er konnte vor allem komplizierte Fragen und Angelegenheiten in kurzen Worten auf den Punkt bringen. Er versuchte immer unterschiedliche Standpunkte zusammen zu führen. Darin lag eine besondere Fähigkeit von Rolf.

Zwischen uns entstand eine tiefe Freundschaft.

Der Aufbau und die Entwicklung der SDAJ wurde zur Erfolgsgeschichte. Sie war sicher das prägendste und nachhaltigste Ereignis in Rolf´s politischer und persönlicher Entwicklung.“

Soweit Dieter. Dieter war nach der Gründung stellvertretender Bundesvorsitzender der SDAJ.

Von Sonja Gottlieb hören wir jetzt das Lied der Weltjugend.

Die SDAJ, die Rolf mitgegründet und geführt hat, war eine Organisation, deren Mitglieder gekämpft haben: In den Jugendzentren, in der Lehrlings- und Schülerbewegung; antimilitaristisch in und außerhalb der Bundeswehr; solidarisch mit Vietnam, Kuba, Nicaragua, mit den Befreiungsbewegungen in Afrika, aktiv für die Anerkennung der DDR. Die SDAJ war eine antifaschistische Jugendorganisation.

Mit den fünf Grundrechten für die Jugend wurden jugendpolitische Meilensteine gelegt.

Viele junge Arbeiter und Schüler entwickelten sich in und mit der SDAJ zu selbstbewussten Persönlichkeiten. Sehr viele wurden Kommunisten.

In einer von Wolfgang Gehrcke initiierten Trauer-Anzeige in der Zeitung „Junge Welt“ brachten KampfgefährtInnen aus dieser Zeit zum Ausdruck: „Wir wollen das Andenken an Rolf als Teil unserer politischen Biographien und als Teil der bewegten deutschen Geschichte bewahren.“

Nach seinem Ausscheiden aus der SDAJ 1974 übernahm Rolf mit seinen Erfahrungen verantwortungsvolle Aufgaben in der Führung, im Präsidium und Sekretariat der DKP. Er war verantwortlich für die Verbindung der DKP zur SDAJ, dem MSB Spartakus und der Sozialistischen Kinderorganisation Junge Pioniere und zu anderen fortschrittlichen Teilen der Jugend.

1978 kam Rolf ins Saarland wurde zum Bezirksvorsitzenden der DKP gewählt.

In diesem von der Arbeiterklasse stark geprägten Land deuteten sich tiefgreifende sozialökonomische Umbrüche an. Die folgenden Jahre waren bestimmt durch den Kampf um Arbeitsplätze und Werksstandorte im Saarland. Zehntausende Stahlarbeiter gingen auf die Straße.

Die Belegschaft von „Heckel“ in Saarbrücken hielt wochenlang ihren Betrieb besetzt. In Neunkirchen traten Jugendliche mehrere Tage in einen Hungerstreik.

„Für das Recht auf Arbeit – Zukunft sichern! 80 000 Arbeitsplätze und Lehrstellen im Saarland schaffen“ hieß es in einem Sofortprogramm der DKP.
Rolf hat hier mit seinen Kollektiven und seiner Partei Ausrufezeichen für eine demokratische und soziale Landesentwicklung der DKP gesetzt.

Er war maßgeblich am Aufschwung der außerparlamentarischen Bewegungen im Saarland beteiligt: Mit einer starken Orientierung auf den Krefelder Appell; dem Einklinken in die Anti-AKW-Bewegung, besonders gegen das AKW Cattenom, was ja nicht einfach war. Er entwickelte viele neue Ideen kommunistische Politik massenwirksamer umzusetzen. Rolf unterstützte besonders umfangreich die SDAJ und die Jungen Pioniere im Bezirk.

Die DKP gewann mehr Einfluss, viele neue Mitglieder und kommunale Mandate.

Wir hören jetzt von Sonja „Es ist an der Zeit…“

Rolf konnte zuhören. Rolf gab immer Raum für Varianten in der Entwicklung kommunistischer Politik und war auch offen für Experimente, für das mal Ausprobieren. „Dann machen wir es so“ – so beendete er viele Gespräche.

Bezeichnend war sein Drängen, ja sein nachdrückliches Einfordern, sich immer den neuen Fragestellungen und Herausforderungen der gesellschaftlichen Realität zu stellen.

Meine persönliche politische Entwicklung und vieler junger Kommunisten ist sehr stark durch diesen Politikstil mitgeprägt worden.

Rolf hat mit der DKP im Saarland vieles mitbewegt und mit verändert. Vor allem die Veränderung des politischen Klimas. Es gelang die Ablösung der erzkonservativen CDU aus der Landesregierung. Die folgende Landesregierung unter Oskar Lafontaine setzte viele fortschrittliche Akzente. Als eine erste Maßnahme wurden die undemokratischen Berufsverbote beendet.

Ich kannte Rolf aus der SDAJ. Ab 1969 war ich Landesvorsitzender im Saarland und im Bundesvorstand der SDAJ. Näher lernten wir uns aber erst im Saarland kennen. Wir wurden keine Kumpanen, sondern es entwickelte sich eine stabile, politische und persönliche Freundschaft. Wir hatten Vertrauen zueinander. Wir waren immer in Kontakt. Immer. Rolf war für mich immer ein sehr solidarischer Gesprächspartner und wertvoller Ratgeber.

1986, nach 9 Jahren im Saarland, wurde Rolf mit seinen vielen Erfahrungen überraschend wieder in die zentrale Arbeit, als Verantwortlicher für Landes-, Kommunal- und Wahlpolitik ins Bonner Büro der DKP berufen.

Im Saarland war die Partei geschockt, denn Rolf hatte sehr großes Ansehen in der Partei und weit darüber hinaus. Er war sehr beliebt und wurde sehr geschätzt.

Wir benötigten über Nacht einen neuen Bezirksvorsitzenden. Ich musste nun ran.

1989/1990 erlebte Rolf das zunächst Unfassbare: Der Zinsammenbruch und die Zerschlagung des Sozialismus in Europa. Die DKP kämpfte ums Überleben.

Heinz Stehr erinnert sich und schrieb mir dazu:

„Als wir 1989 von der Parteiführung der DKP um Herbert Mies und Ellen Weber gefragt wurden, ob wir uns eine zentrale Führungsverantwortung für die DKP unter gänzlich veränderten politischen und organisationspolitischen Bedingungen zutrauen würden, war für mich klar es ging nur mit (!) Rolli. Er war der erfahrenste unter uns, er war weit länger in der Führungsarbeit der DKP tätig als wir.

Helga, Anne, Rolf und ich sagten „Ja“, ohne richtig ermessen zu können was das bedeutete.

Als wir den Umfang der Herausforderung begriffen, wurde uns Angst und Bange. Rollis realistische Einschätzung war: Das geht nicht! Konsequent wie er war, zog er sich zurück.

Ich hatte ihn noch einmal aufgesucht, um mit ihm gründlich zu diskutieren, und tatsächlich es gelang: Wir einigten uns es gemeinsam zu versuchen….

Später wurde ich durch Rolf als Vorsitzenden der DKP vorgeschlagen, was ich bis 2010 war. Rolf war stellvertretender Vorsitzender der DKP und erklärte sich bereit die Chefredaktion der UZ zu übernehmen.

Rolf hat immer die politischen Ziele als Maßstab auch für persönliche Entscheidungen gewählt.

Fest steht: Ohne ihn, hätte vieles nicht gelöst werden können, die Stabilisierung der Partei, die Existenz der UZ, das neue Statut und Programm. Wir und ich sind ihm zu großen Dank verpflichtet.“

Soweit Heinz.

Liebe Angehörige, liebe Freunde, liebe Genossinnen und Genossen,

ich habe aus dem riesigen Personenkreis, die Rolf kannten, 10 Menschen gebeten, kurz und knapp etwas über oder zu Rolf zu schreiben. Wenn möglich in zwei Zeilen! Alle taten sich schwer, dies in dieser Kürze ausdrücken zu können, war doch die Begegnung mit Rolf mit vielen Eindrücken, Erlebnissen und Facetten verbunden. Rudi Hechler schrieb mir, er habe deswegen die ganze Nacht nicht geschlafen. Walter Listl schrieb mir entsetzt: „Ein Erinnern an Rolli in zwei Zeilen – mein Gott, geht´s nicht noch schwieriger?“

Alle haben es dennoch versucht.

Sonja Schmid aus München, die Rolf schon vor der SDAJ über den Münchner „Drei-Groschen-Club“ kennenlernte und Gründungsmitglied der SDAJ, schrieb mir:
„Rolli besuchte mich …, um mit mir die Idee eines zentralen Jugendverbands zu besprechen. Es dauerte nicht lange, und die SDAJ wurde gegründet. In all den Jahren seitdem fühlte ich mich eng verbunden mit Rolf.“

Michael Maercks, Gründungsmitglied des MSB-Spartakus und danach stellvertretender Bundesvorsitzender, erinnert sich an den Gründungskongress des MSB:
„SDAJ und MSB tun den Monopolen weh – das riefen die Delegierten. Wahrscheinlich war diese Losung sogar von Rolli, der sich immer für den gemeinsamen Kampf von studentischer und Arbeiterjugend eingesetzt hat.“

Dirk Krüger aus Wuppertal, von 1975 an mehrere Jahre Vertreter der SDAJ beim Weltbund der demokratischen Jugend in Budapest:
„Rolf´s Klugheit und seiner Beharrlichkeit ist zu verdanken, dass wir 1973 die politisch breiteste Jugend- und Studentendelegation zu dem Weltfestspielen in Berlin/DDR entsenden konnten. Ich konnte mich immer auf Rollis Rat und Hilfe verlassen“.

Walter Listl, aus München, erinnert sich:

„Rolli stand für antimilitaristische Arbeit der SDAJ in (!) der Bundeswehr. Die SDAJ gab zu Einberufungsterminen an Bahnhöfen und vor Kasernen an die neuen Rekruten Zeitungen heraus. Thema: „Deine Rechte als Soldat“. Soldat 70 wurde gegründet. Das hat mir und anderen damals 14 Tage Arrest eingebracht.“

Tina Sanders aus Hamburg, SDAJ-Vorsitzende von 2000 bis 2004, schrieb:
„….das besondere an Rolli für mich war, dass er immer ein offenes Ohr für mich hatte, wenn es um die SDAJ ging… Da war es ihm völlig egal, ob er die Orientierung gut fand oder nicht…Eben wie ich mir einen Genossen und Freund vorstelle.“

Wera Richter, heute stellvertretende Vorsitzende der DKP, lernte Rolf durch ein solidarisches Schulterklopfen nach einer nicht so geglückten Veranstaltung in Dortmund kennen und schrieb weiter:

„Ein Jahr später, nahm mich Rolli als Chefredakteur mit großem Vertrauen in die Redaktion der UZ auf. Ich solle nicht so lange Riemen schreiben, ansonsten würden wir uns schon gut verstehen, hatte er gesagt. So war es dann auch für viele Jahre. Rolli ist mir Vorbild geblieben.“

Nina Hager aus Berlin, 1992 in die DKP gekommen, traf Rolf im gleichen Jahr auf einer Veranstaltung zum 75. Jahrestag der Oktoberrevolution in Frankfurt/Main und erinnert sich:

„Ach, Du bist das“, war damals der kurze Kommentar von Rolli. Zu einer Unterhaltung kam es nicht. Er wollte wohl nur einen Eindruck gewinnen, was ich für ein „Vogel“ sei.
Kennen- und schätzen gelernt haben wir uns in der gemeinsamen Arbeit…Gelernt habe ich von seiner großen Parteierfahrung…Er fehlt auch mir sehr“.
Ellen Brombacher ehemalige Berliner Funktionärin der FDJ, lernte Rolf Anfang der 70er kennen. Sie schrieb: „Wir begegneten uns von Anbeginn mit freundschaftlichem Respekt. Und wir blieben Kommunisten – auch nach unserer historischen Niederlage.“

Michael Gerber, SDAJ-Aktivist und DKP-Stadtrat in Bottrop beschrieb eine ganz besondere Eigenschaft und Leidenschaft von Rolf:

„Wenn ich an Rolli denke sehe ich ihn schelmisch schmunzeln, wenn er von erfolgreichen Aktionen berichtete und manchmal dabei genüsslich eine dicke Zigarre qualmte.“

….ich (Artur),kann dies bestätigen. Er qualmte sie auch genüsslich, wenn wir nach Erfolgserlebnissen in „Boleys Bierstube“ in Saarbrücken so manches Glas Saarbrücker Pils tranken. Je größer die Erfolgserlebnisse, desto größer und zahlreicher die Gläser…

Rudi Hechler, jahrzehntelang DKP-Stadtrat im hessischen Mörfelden, der Rolf schon aus der elan-Zeit kannte, brachte es so auf den Punkt:

„Rolf war klug, sehr belesen, ruhig und höflich, sehr besorgt um die Partei, wir hätten ihn noch gebraucht…“

Ich danke allen für diese Reflexionen. Dank auch an Dieter und Heinz.

Rolf Priemer hatte ein bewegtes, kämpferisches und facettenreiches Leben. Rolf hat uns ein umfassendes Erbe hinterlassen. Vor allem mit seinem tiefen politischen Verständnis für kommunistische Politik- und Organisationsentwicklung.

Das politische Erbe von Rolf gehört uns allen.

Wir sollten ihn nicht überhöhen.

Es wäre auch falsch dieses Erbe auf bestimmte Aspekte oder nur bestimmte Abschnitte seines politischen Lebens zu reduzieren.

Das bewusste Leben des Menschen und überzeugten Kommunisten Rolf war ein sehr umfangreicher Erfahrungs- und Entwicklungsprozess.

Rolf war ein Verfechter des gültigen Programms der DKP, des Statutes und des daraus resultierenden Politikverständnisses der Partei. Rolf war um die Partei sehr besorgt. Er hat klar Position bezogen in der Beantwortung der Frage wie sich die DKP als kommunistische Partei weiter entwickeln soll.

Es ist auch eine Tatsache, dass Rolf sich mit seinen vielen Erfahrungen für die Weiterentwicklung der innerparteilichen Demokratie bei der Erarbeitung des gültigen Statuts eingebracht hatte.

Das politische Erbe ist äußerst vielfältig und ist nicht mit Traueranzeigen, Nachrufen und auch nicht mit dieser Trauerrede einzufangen.

Es gibt bei Kampfgefährten von Rolf die Idee ein Symposium zu organisieren, um sein politisches Erbe zugänglicher zu machen.

Dabei soll es um die gesellschaftspolitische Perspektive gehen, zur konkreteren Beantwortung der Frage „Was war und was bleibt von Rolf, dem Kommunisten“.

War das alles, was es zur Beantwortung der aufgeworfenen Frage „Was war?“ und „Was bleibt“ zu sagen gibt?

Natürlich nicht, es gab noch eine andere Seite seines Lebens. Dialektisch verbunden, ohne politisches Leben nicht denkbar, aber auch nicht umgekehrt.

1963 hatten Christel Weyrich und Rolf geheiratet. Rolf hatte in Düsseldorf Flugblätter für eine Veranstaltung des Clubs 59 verteilt. Auch an Christel. Christel kam zur Veranstaltung und sie lernten sich kennen.

Christel folgte Rolf ins Saarland, gab ihre geliebte und erfolgreiche berufliche Tätigkeit beim Verlag „Pläne“ in Dortmund auf. Wie sie mir sagte, um der Beziehung eine Chance geben.

Im Saarland musste sich Christel eine komplett neue berufliche Perspektive aufbauen, was nicht einfach war. Christel schaffte das mit großen Anstrengungen.

Dennoch hatten sich unter diesen schwierigen Bedingungen für ihre Beziehung komplizierte Herausforderungen entwickelt. 1982 trennten sich Christel und Rolf einvernehmlich.

Rolf stürzte sich in die Parteiarbeit. Wir bekamen es im Positiven wie im Negativen zu spüren.

Auf einer Fahrt von einer Konferenz im Saarland Anfang 1986 erklärte Raja Bernard dem absolut verblüfften Rolf ihre Liebe. Zunächst war das eine „geheime Kommandosache.“ Ich war bald eingeweiht, aber zur Verschwiegenheit „verdonnert“ worden.

Die Dinge nahmen ihren Lauf!
Im Juni 87 heirateten beide in Saarbrücken und im Juli wurde Falk dort geboren, Ende 1988 zogen Raja und Falk zu Rolf nach Bonn, wo im Februar 1989 Timo geboren wurde.

Rolf liebte seine Söhne über alles. Er wollte offensichtlich vieles besser machen, als er es in seiner eigene Kindheit erlebt hatte. Immer, wenn seine Zeit es zuließ, chauffierte er Samstag nachmittags seine Söhne und deren Freunde zu Fußballspielen.

Seine Jungs konnten nichts falsch machen. „Die sind genau richtig“ und „Das wird schon“ war seine Überzeugung als Vater.

Und es wurde! Noch unmittelbar vor seinem Tode betonte er im Gespräch mit Raja wie stolz er auf die beiden jungen Männer ist.

Falk und Timo sagten mir im Gespräch: „Er hat uns immer tiefes Vertrauen entgegengebracht und viel Spielraum gegeben. Er strahlte Ruhe, aber Verbindlichkeit aus.“

Timo: „Ich kann mich nicht daran erinnern, dass er Probleme vor Falk oder mir thematisiert hat. Wenn Papa etwas mit uns unternommen hat, war er ausschließlich mit uns beschäftigt.“

Falk: „Ich hätte ihm gerne noch gesagt, welch toller Vater er war!“

Raja resümierte im Gespräch, Rolf sei ein „Familienmensch“ gewesen.

Unvergessen werden die gemeinsamen Familienurlaube, u.a. in der Toskana, bleiben.

Raja schrieb mir auf meine Frage, was für sie das beeindruckende an dem Partner Rolf war:

„Rolf war ein absolut verlässlicher und treuer Partner. Selbst in schwierigen Situationen, z.B. als wir nicht wussten wie es finanziell weitergehen wird, habe ich mich in unserer Beziehung immer sicher und geborgen gefühlt. Auch wenn das für Männer seiner Generation vielleicht nicht selbstverständlich war, gab es trotz seiner beruflichen Belastungen genaue Absprachen zur Aufgabenteilung im Haushalt und bei der Kinderbetreuung, die er auch eingehalten hat. So konnte ich auch mit den beiden Kindern voll berufstätig und ehrenamtlich tätig sein.

Vor der Aufgabe, Rolf zuhause zu pflegen, hatte ich einen „Heidenrespekt“, aber er wäre so gern nach hause gekommen und ich hätte mich dieser Herausforderung gern gestellt. Die Gespräche mit ihm, seine klugen Ratschläge, seine ruhige Art, mit der er mich oft geerdet hat, werden mir sehr fehlen.

Bei aller Ausgeglichenheit und Ruhe kannte Rolf aber auch Leidenschaft. Dies zeigte er als begeisterter Fußballfan vor dem Fernseher, Radio und auch mit den Kindern im Stadion. Er lachte gern und oft und witzelte, selbst noch als es ihm schlecht ging.

Außerdem zeigten sich bei Rolf inzwischen typische Symptome des Saarländers: Er aß gerne gut und er kochte gerne! Die 9 Jahre im Saarland waren wohl nicht spurlos an ihm vorüber gegangen!“

Liebe Angehörige, liebe Freunde, liebe Genossinnen und Genossen,
war es die soziale Herkunft, das proletarische Milieu und Leben, waren es die jahrzehntelange Arbeit in politischen und organisatorischen Zusammenhängen, die damit verbundenen Erfahrungen und Erlebnisse, die so prägend für das Leben von Rolf waren?

Sicherlich, denn der Mensch ist ein soziales Wesen. Hinzu kamen aber auch die sogenannten „Ecken und Kanten“, persönliche Eigenschaften, menschliche und charakterliche, die sich entwickelten und die die Persönlichkeit von Rolf ausmachten: Verlässlichkeit, Solidarität, Zuneigung und Hilfsbereitschaft, Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen, Offenheit, Bescheidenheit. Konsequenz. Standpunkt.

Diese persönlichen Eigenschaften von Rolf haben wir alle erfahren und erleben können. Die Organisationen, in denen Rolf aktiv war, die Familie, die Genossinnen und Genossen, die Weggefährten.

Er wird uns allen fehlen.

Über 280 sagten in einer Anzeige der UZ: Danke „Rolli“, danke Rolf.

Liebe Raja, lieber Falk, lieber Timo,

liebe Freunde und Bekannte, liebe Genossinnen und Genossen,

Rolf liebte das Lied „Revolution“ des Liedermachers Konstantin Wecker.

Ich möchte daraus, sicherlich im Sinne von Rolf, folgende Teile einer Strophe zitieren:

„Ja, es ist nun wirklich an der Zeit,
etwas zu tun gegen die Ungerechtigkeit,
gegen ein abgewrackt korruptes System,
das kein Problem löst,
denn es selbst ist das Problem,

das eine Welt geschaffen hat, die alles zerstört,
was seit Anbeginn zu uns gehört,
nämlich mit all jenen mitzufühlen,

die ungehorsam sind und zwischen allen Stühlen aufrecht gehen

und nicht nach unten treten

und dabei nicht verlogen um Erlösung beten und mit jenen,

die für unser Wohlergehn unser´n Müll aufsammeln unbesehn…

…und drum habt den Mut – steht endlich auf, wenn der Lauf uns nicht gefällt, verändern wir den Lauf, verändern wir den Lauf.“

Rolf hatte als SDAJ-Vorsitzender in Chile ein beeindruckendes Zusammentreffen mit dem chilenischen Präsidenten Salvadore Allende, der während des Putsches der Faschisten ermordet wurde.

Wir singen mit Sonja Gottlieb und Thomas Hagenhofer das Lied der Unidad Popular aus Chile: „Venceremos – wir werden siegen!“

Danach werden wir zusammen mit Raja, Falk und Timo die Urne von Rolf begleiten.

 

Hinweis der Redaktion: Die gekürzte Fassung der Rede ist in der UZ vom 24. Februar 2017 veröffentlicht worden.