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Der Präsident Boliviens Evo Morales sprach vor seiner Rückreise nach Bolivien mit Journalisten in Havanna

Photo: Jorge Luis González

Evo Morales steht, vielleicht ohne dass er es selbst weiß, für die Hoffnung. Die aymarischen Wurzeln von ama sua (sei kein Dieb), ama quella (sei nicht faul) und ama hulla (sei kein Lügner) haben diesen Mann seit seinen Anfängen als Führer der Cocabauern bis zum revolutionären Prozess, den er im Land seiner Geburt in die Wege leitete, begleitet.

„ Ich komme von ganz unten, von der Gewerkschaft. Ich wollte nie ein Amt, aber wenn das Volk dir vertraut, will das Amt dich. In der Kultur der Anden muss man immer die Älteren respektieren und die sagten mir: Evo das Volk vertraut dir. Dann gründete ich so gegen Ende der 80er Jahre die Breite Front der Antiimperialistischen Massen (FAMA)“ erzählt er, als er sich die Anfänge seiner Zeit als Führer in Chapare (Cochabamba) in Erinnerung ruft.

Der Präsident Boliviens sprach vor seiner Rückreise nach Bolivien mit Journalisten in Havanna. Dort wurde er wegen eines Halsleidens behandelt, nichts Schlimmes, sagt er und fügt lachend hinzu: „Ich bin sehr diszipliniert, was die Ärzte angeht und die haben mir Ruhe verordnet.“ Er dankt den kubanischen Ärzten und dem Präsidenten Raúl Castro, der ihn im Krankenhaus besuchte.

Als er zu den ersten Kämpfen zurückkomt, spricht er davon wie sein Land sich seitdem verändert hat. „Wir stehen besser da als zuvor“ sagt er und hebt eine Idee hervor, die sich in dem fast einstündigen Gespräch immer wiederholt: „In Bolivien bestimmt heute nicht mehr der Imperialismus“. Trotz der Lage in der Welt, der Krise der Erdölpreise, der Dürre und anderer Faktoren, „haben wir eine soziale Stabilität erreicht, die uns gleichzeitig eine politische Stabilität ermöglicht hat.“

DIE «ACHSE DES BÖSEN»

Der erste indigene Präsident der Geschichte Boliviens spricht bedächtig. Er kommt zu diesem Gespräch, nachdem er am XIV. ALBA Gipfel teilgenommen hat, der am Sonntag in Caracas, Venezuela stattfand. Bevor er die dort verabschiedeten Maßnahmen bewertet, erinnert er sich voll Begeisterung an die Ursprünge des regionalen Mechanismus.

„Ich war ganz verrückt danach, Teil dieser „Achse des Bösen“ zu werden, von der man 2005 so viel sprach. Ich war ein Gewerkschaftsführer, der an den Treffen der sozialen Bewegungen teilnahm, ebenfalls eine Art des Kampfes. Unser Kampf zu jener Zeit bestand darin, die Idee zu unterstützen, dass Lateinamerika nicht der Hinterhof der Vereinigten Staaten war. Ich sah Fidel, Chávez, Kircher und Lula, diese Großen, die die „Achse des Bösen“ ausmachten, damals als unerreichbar an“, sagt er.

Er macht eine Pause, um zu erzählen, dass Fidel mit seiner großen politischen Vision und seiner Intelligenz, ihn eingeladen habe, um auf einem dieser Treffen zu sprechen. „Fidel sagte mir: Evo, komm, das ist die Achse des Bösen.“

„Ich habe großen Respekt vor Fidel und Chávez als Führer von Alba. An diesem Amerikagipfel in Mar del Plata, Argentinien, im Jahr 2005, wurde das Modell verworfen, das die Vereinigten Staaten durchsetzen wollten: ALCA ( Freihandelszone der Amerikas). Damals war es, dass sich die Bolivarische Allianz für die Völker Unseres Amerika konsolidierte, die ein Jahr zuvor von Chávez und Fidel als Aternative konzipiert worden war. Als wir die Präsidentschaft in Bolivien gewannen und Bolivien Mitglied wurde, fügten wir den Handelsvertrag mit den Völkern hinzu, denn wir verfechten einen komplementären und nicht auf Wettbewerb ausgerichteten Handel unter uns“, führt er aus.

Diese Räume hätten der politischen und ideologischen Debatte gedient und sich angesichts der Vorschläge Washingtons gebildet. Er fügt hinzu, das einige Zeit später Mechanismen wie Petrocaribe den Völkern einen bemerkenswerten Fortschritt gebracht hätten.

„ Es macht mich stolz jetzt mit Präsidenten wie Ortega (Nicaragua), Raúl (Kuba), Maduro (Venezuela) und den Premierministern der Karibik zusammenzusein, um mit ihnen die Pläne von Alba weiter zu verfolgen und den Kampf gegen das kapitalistische Modell fortzusetzen“, sagt er.

Das Treffen am Sonntag in Venezuela fiel mit dem vierten Jahrestag des Todes des bolivarischen Führers Hugo Chávez zusammen. Evo betont, dass man seiner freudig gedenken solle, vor allem in Momenten an denen es unerlässlich sei, die Einheit zu bewahren. „Die beste Ehrung für Chávez und Fidel ist weiterhin die Einheit“, betont er.

Er sagt, er habe viele Erinnerungen an Fidel. Er erzählt z.B., dass er einmal nach Kuba gekommen sei, um mit ihm seinen Geburtstag zu feiern, denn er hatte mir versprochen „ein paar Mojitos zu trinken. Er holte mich am Morgen ab und er sprach den ganzen Tag mit mir über Moringa, Moringa und Moringa… nur gegen drei oder vier Uhr nachmittags aßen wir etwas – aber von Mojitos keine Spur“, lacht er.

BRÜCKEN DER INTEGRATION, KEINE MAUERN

Eine der vom XIV. Alba Gipfel angenommenen Beschlüsse war der, die lateinamerikanischen und karibischen Migranten zu schützen. Für den bolivianischen Staatsschef „ist es wichtig, Brücken der Integration zwischen den Völkern zu spannen“, angesichts der Politik des neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten Mauern zu bauen.

Trump unterhält eine protektionistische Politik, aber für den privaten Sektor in den USA, nicht für das Volk der Vereinigten Staaten. Das was er macht, lässt viel zu wünschen übrig. Dies ist nicht der Moment der Spaltung sondern der Einheit“, warnt Morales, der aus seiner Erfahrung, als Vertreter der einfachen Bevölkerung spricht.

„Diese ganze Situation mit den Migranten, der Aufmarsch der Frauen, die Rücktritte in seinem Kabinett und die Skandale bringen mich auf den Gedanken, dass Trump der schlechteste Präsident in der Geschichte der Vereinigten Staaten sein könnte“, bemerkte er.

„Im Unterschied zum sozialistischen System, regieren im kapitalistischen nicht die Völker, dort regieren die Banker, die Unternehmer“, fügt er hinzu.

Er nimmt sich einen Augenblick, um auf diese Situation näher einzugehen. „In Bolivien organisierten wir uns bei der Machtübernahme, wir haben uns mit den sozialen Sektoren vereint und wichtige Ergebnisse erzielt. Voher war Politik zu machen ein Vergehen.“

An anderer Stelle weist er auf die Wichtigkeit hin, auf die Streitkräfte zählen zu können, dass sie nicht prokapitalistisch sein sollten, weil sie sich sonst “ in die Spitzen der Plünderung unserer natürlichen Ressourcen, der Konzentration von Kapital verwandeln, was zum Ansteigen der Armut führt“.

Evo Morales sagt außerdem, dass die sozialen Bewegungen die Debatte aufrechterhalten, um sich mit dem auseinanderzusetzen, das er selbst als „US-Doktrin“ bezeichnet, die festlege, dass die Gewerkschaften sich aus der Politik herauszuhalten hätten.

„Man muss die Streitkräfte eingliedern, damit sie antiimperialistisch und antikapitalistisch sind. In Bolivien haben wir eine Schule gegründetm in der sie nach diesen Prinzipien geformt werden“, sagte er. Dabei kommt er auf Fidel und Chávez zurück: „Das hab ich von ihnen gelernt“.

DER MYTHOS VOM ENDE

„Ich spüre, dass Südamerika sich erneut erheben wird”, antwortet er auf die Frage nach dem angeblichen „Ende des progressiven Zyklus“ in der Region. Er macht es sich auf seinem Stuhl bequem und und nimmt das Gespräch wieder auf, indem er erkärt, dass das aktuelle Panorama in Ländern wie Brasilien, Argentinien und Paraguay dieser „US- Doktrin“ geschuldet sei.

Er spricht über das, was einige Theoretiker als sanfte Putsche bezeichnen. Evo Morales ist auch der Meinung, dass im Unterschied zu früheren Jahren, als die Regierungen unter Anwendung militärischer Gewalt gestürzt wurden, dies jetzt im Kongress vonstatten gehe, in dem die Opposition erfreut die neoliberale Politik zur Kenntnis nimmt, die zum Nachteil der Völker durchgesetzt wird.

Dies, „auch wenn es für eine angebliche Normalität steht, hat keinerlei Ergebnis gebracht.“ Er zeigt sich sehr zuversichtlich, dass sich die Debatte inerhalb der sozialen Basis verstärkt und sie sich dem Kampf anschließt.

Da ist Evo, der in aller Bescheidenheit über sein Land, über Lateinamerika, seine Wurzeln, über Fidel und Chávez und über die Herausforderung spricht, die es zu bewältigen gilt. An ihm ist kein Hauch von Egozentrik. Er ist ein Mensch, der sich immer bedankt und nicht auf andere herabsieht. Jemand, mit dem man stundenlang über Politik, aber auch über Fußball sprechen kann, Er gesteht lachend, dass als Teil seiner Genesung er die Routine wieder aufgenommen habe, morgens zu laufen. Er ist der Vertreter einer Kultur, die an eine bessere Welt glaubt.