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Der Sitz der Karl-Liebknecht-Schule, ein Gebäude mit bewegter Geschichte

Von hb

200 Erwerbslose und Arbeitersportler waren aktiv (Foto: UZ-Archiv)
200 Erwerbslose und Arbeitersportler waren aktiv (Foto: UZ-Archiv)

Das Gebäude in Leverkusen-Wiesdorf, in dem sich seit 1977 die Karl-Liebknecht-Schule der DKP befindet, hat eine bewegte Geschichte. Mit seinen Wurzeln in der kommunistischen Kultur- und Sportbewegung konnte diese Tradition bis heute fortgesetzt werden,Verfolgung durch die Nazis und Antikommunismus in der Nachkriegszeit zum Trotz.
Fortschrittlich sollte es sein, das Volkshaus in Wiesdorf. Nicht nur der Inhalt, auch das Gebäude selbst, im Stil orientiert an der Bauhaus-Bewegung. Das war der Wunsch der vielen hundert Mitglieder des proletarischen Kulturkartells-Wiesdorf und der Volkshaus-Genossenschaft. Die Chemieindustrie wie auch die Arbeiterbewegung hatten seit der Jahrhundertwende eine stürmische Entwicklung genommen. Das drückte sich im Selbstbewusstsein der Arbeiterorganisationen aus. Der Achtstundentag war erkämpft. Der Slogan „Acht Stunden arbei­ten, acht Stunden schlafen und acht Stunden Freizeit und Erholung“ sollte umgesetzt werden. Über 12.000 Mark Eigenmittel hatten die Mitglieder zusammengetragen, hinzu kamen nach lan­gem Kampf und auf Antrag der KPD-Fraktion städtische Mittel.
1930 begannen die Bauarbeiten. Rund 200 Erwerbslose und Arbeitersportler waren aktiv und ohne Bezahlung dabei. Was nochmal 13.000 Mark brachte.
1931 war die feierliche Eröffnung. Die Stadt Leverkusen wurde gerade ein Jahr alt. Die Chemiearbeiter-Gemeinde Wiesdorf war mittlerweile Stadtteil geworden. Es war eine Zeit verschärfter Klassenkämpfe, verbunden mit brutalen Übergriffen auf Einrichtungen der Arbeiterbewegung. Davon blieben auch das Volkshaus und seine Unterstützer in Wiesdorf nicht verschont. Schon wenige Wochen vor der Eröffnung überfielen Nazis das Haus. Ende Februar 1933 wurde das Inventar des Volkshauses wie auch die dort befindlichen KPD-Büros beschlagnahmt. Im März wurde das Haus von den Nazis besetzt, späer das proletarische Kulturkartell (KK) aufgelöst und das Vermögen eingezogen. Begründung: Das KK Leverkusen vereinige in sich sämtliche kommunistischen Nebenorganisationen. Mitglieder des KK kamen ins KZ oder ins Gefängnis.
Die Nazis errichteten im Gebäude eine SA-Führerschule. Wegen des verpönten Bauhausstils verpassten die Nazis dem Haus ein Satteldach.
1946 erfolgte die Neugründung, 1951 wurde es in „Kulturvereinigung Leverkusen“ umbenannt, um weitere Kreise anzusprechen.
Nach dem KPD-Verbot wurde mit einer Hausdurchsuchung am 18. August 1956 und anderen Maßnahmen massiver Druck auf den Kulturverein ausgeübt. Die zweite Beschlagnahme des Gebäudes nach 1933 konnte letztendlich verhindert werden. Die KPD und auch die Druckerei ihrer Zeitung „Das Freie Volk“ waren wie schon in den 30er Jahren nur ein Mieter von Mehreren. Das mussten auch die staatlichen Stellen zähneknirschend akzeptieren.
Nach der Neukonstituierung der kommunistischen Partei im Juli 1968 bezog die DKP wie zuvor auch die KPD wieder Büroräume im Erdgeschoss. 1977 zog die Karl-Liebknecht-Schule als zentrale Parteischule der DKP von Essen nach Leverkusen um. Das Volks­haus wurde dafür umgebaut, Schlaf- und Seminarräume eingerichtet. In den folgenden Jahren fanden pro Jahr rund vierzig Lehrgänge statt.
Nach 1989 musste zunächst auf ehrenamtlich Tätige umgestellt werden. Ab Mitte der 90er Jahre stabilisierte sich die Arbeit. Regelmäßige Versammlungen der rund 20 Mitglieder regelten und entschieden wichtige Fragen.
Im September 2000 konnte eine große Hausrenovierung durchgeführt werden. Ein Stamm ehrenamtlicher Unterstützer trägt mit regelmäßigen freiwilligen Arbeitseinsätzen dazu bei, Gelände und Haus in Stand zu halten.
Die Arbeit der Karl-Liebknecht-Schule konnte ebenfalls fortgesetzt werden. Stellvertretend für das Engagement Vieler seien hier Horst Wilhelms und Otto Marx genannt. Jürgen Lloyd, und seit Anfang dieses Jahres eine kollektive Schulleitung, führen deren Arbeit fort.