DKP
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RotFuchs, Heft April 2017

Was macht ein Kommunist ohne kommunistische Partei? Diese Frage habe ich mir in den letzten Wochen und Monaten sehr häufig gestellt. Ich bin zu der Überzeugung gelangt, daß  der Kampf gegen das kapitalistische System – egal wo – ziemlich aussichtslos ist, wenn er keine Partei hat, in der er kollektiv diskutieren und arbeiten kann. Deshalb bin ich vor kurzem in die DKP eingetreten. Dort gibt es noch viele, viele Baustellen, was die konsequente, revolutionäre und einheitliche Theorie und Praxis anbelangt. Dennoch bin ich davon überzeugt, daß diese Partei die besten Voraussetzungen für eine kommunistische Arbeit bietet.

Leider war dem nicht immer so. Als ich vor über fünf Jahren in die linke Szene in Mannheim geraten bin, hatte ich noch gänzlich andere Vorstellungen. Damals war ich in einer autonomen Gruppe aktiv, die sich anschickte, aus einem sozialen Zentrum heraus, zusammen mit  Gruppen aus anderen Städten in Baden-Württemberg, die kommunistische Bewegung in Deutschland neu aufzubauen. Dabei war die DKP für uns stets ein Teil davon. Doch sahen wir aufgrund ihres Alters und ihres Zustands die Zukunft revolutionär-kommunistischer Organisierung eher in der Bewegungslinken.  Anders als die meisten autonomen Gruppen in Deutschland waren wir von der marxistisch-leninistischen Ideologie überzeugt. Die Organisierung der Arbeiterklasse im Kampf gegen Imperialismus und Faschismus war unser Ziel. Dafür waren wir den Anfeindungen verschiedener Post-Antideutscher, Anarchisten und Libertärer ausgesetzt. Die Beschuldigungen reichten vom „regressiven“ Antikapitalismus (der angeblichen Einteilung in schaffendes und raffendes Kapital) bis hin zum Antisemitismus. Das Privateigentum an den Produktionsmitteln sei nie das Problem im Kapitalismus gewesen. Wertkritik heiße das Stichwort. Klassen gäbe es nicht mehr, v. a. nicht mehr die Arbeiterklasse als objektiv revolutionäre Klasse. Damit hatten wir uns auseinanderzusetzen.

Unsere Haupttätigkeit bestand daher in der typischen Szene-Arbeit: Reisen zu Groß-Events, um dort im Wirrwarr der außerparlamentarischen linksradikalen Bewegung kommunistische Positionen zu vertreten, Szenestreitereien in diversen Internetforen und das Wirken im sozialen Zentrum. Leider beschränkte sich unser gesamtes Handeln darauf. Die tatsächliche Organisierung der Arbeiterklasse konnten wir so nicht schaffen. Die linke Szene ist trotz ihrer scheinbaren Gruppenvielfalt gesamtgesellschaftlich völlig marginalisiert. Die meisten Aktivisten sind Studenten aus kleinbürgerlichen Verhältnissen, die teilweise völlig reaktionäre und dogmatische Ansichten vertreten. Noch viel wichtiger ist, daß das Leben der allermeisten Arbeiter dort nicht stattfindet. Will man diese erreichen und ihr Klassenbewußtsein wecken, muß man in den Stadtteilen, Betrieben und Gewerkschaften aktiv und mit ihnen zusammen für die eigenen Klasseninteressen eintreten. Es reicht bei weitem nicht, im Glauben, „die Sache der Arbeiter“ richtig zu vertreten, auf dieser oder jener Demonstration die rote Fahne hochzuhalten.

Somit mußten wir erkennen, daß unsere politische Arbeit zum Scheitern verurteilt war. Nach langen Diskussionen fanden einige Genossen (darunter auch ich) den Weg in die DKP. Dort widmen wir uns der Stärkung und dem Aufbau der Partei und des Jugendverbands SDAJ. Es wäre sehr wünschenswert, wenn noch viele andere Genossen diesen Schritt aus der linken Szene heraus machen würden. Als Kommunist, der unsere Ideale verwirklichen will, muß man sich der Kommunistischen Partei anschließen. Daran führt kein Weg vorbei.