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Deutsche Leitkultur am Beispiel der Familiengeschichte des deutschen Innenministers Thomas de Maizière:

Zehn Gebote hat der Bundesinnenminister Thomas de Maizière erlassen, um Deutschlands Identität zu sichern. Seit es dieses Deutschland gibt, haben Männer seines alten Geschlechts dafür gesorgt, dass Deutschland nicht ­untergeht

Von Otto Köhler
 
junge welt
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Ganz der Vater. Aber es sind nicht die Gene, es ist die Tradition von bald 150 Jahren, die den hohen Staatsdiener prägt: Thomas de Maizière als Minister für deutsche ­Vorwärtsverteidigung Anfang März 2013 am Hindukusch

Otto Köhler schrieb an dieser Stelle zuletzt am 7. März 2017 über die Fortsetzung der Wannsee-Konferenz am Dienstsitz von Adolf Eichmann.

Da darf es keinerlei Zweifel geben: »Leitkultur kann und soll vor allem vorgelebt werden«. So will es das zehnte Gebot der »Leitkultur für Deutschland«, die dessen Innenminister Thomas de Maizière in seinem Mitteilungsblatt Bild am Sonntag am 30. April verkündigt hat. Die preußisch-hugenottische Sippe der Maizières lebte unsere Leitkultur schon, bevor es dieses Deutschland gab.Natürlich sind wir – erstes Gebot – nicht Burka und verstecken unser Gesicht, wenn wir im Juli anlässlich des G-20-Gipfels als de Maizièresche Bundespolizei in Hamburg Demonstranten aus aller Welt zusammenschlagen. Und geben als Arzt jedem Patienten unsere Hand, damit die Bakterien der ersten fein säuberlich bis zum letzten verteilt werden – von irgend etwas muss ja auch der Mediziner leben. Manches dieser zehn Gebote des Innenministers wäre eher für das Poesiealbum seiner Uroma Sophie Elise geeignet und nicht für die Männer, die seit vier Generationen dieses preußisch-hugenottische Geschlecht geprägt haben. Doch der gute Wille zählt.

Die Deutschheit unserer Leitkultur begann im Krieg von 1870, in den Urgroßvater Carl Ernst Ulrich Maizière (1841–1898) mit dreißig Jahren gezogen war, damit Bismarck im Schloss von Versailles, nachdem er den bayerischen König geschmiert hatte, das Deutsche Reich samt Kaiser ausrufe.

Gelernt hatte der junge Carl Ernst Ulrich das Blutvergießen schon zuvor beim Corps Rhenania in Tübingen. »Nachdem Carl Ernst Ulrich insgesamt sechs Partien geschlagen hatte, wechselte er nach Halle an der Saale, um dort sein Studium abzuschließen.« So steht es in der trefflichen und immer wieder treffenden Monographie »Familie de Maizière. Eine deutsche Geschichte«, die Andreas Schumann 2014 für den Schweizer Verlag Orell Füssli geschrieben hat. Schumann war der Pressereferent des Urenkels und zeitweiligen sächsischen Innenministers Thomas de Maizière in der großen Zeit des Sachsensumpfes (der Minister wusste durch seinen sächsischen Verfassungsschutz alles und tat nichts).

Im Krieg gegen den Erzfeind Frankreich hatte sich Hugenottenuropa Carl Ernst Ulrich Maizière deutscherseits bewährt, wurde mit einem Eisernen Kreuz dekoriert. Und er holte schließlich etwas Kostbares zurück. In den Wirren der Hugenottenflucht nach Preußen war dem Geschlecht der Maizières ein hohes Kulturgut verlorengegangen: die zwei Buchstaben d und e, die zwar in Frankreich nicht immer als Adelstitel gelten, in Deutschland aber sehr wohl. Und so stand am 1. September 1896 in der Magdeburgischen Zeitung: Dem neuernannten Landgerichtspräsidenten von Neuruppin sei »auf seinen Antrag höheren Ortes die Genehmigung erteilt worden, den früher von seiner Familie geführten Namen ›de Maizière‹ wieder anzunehmen«.

Carl Ernst Ulrichs Sprössling, der Großvater Walter de Maizière (1876–1915), folgte der Leitkultur, schlug sich ebenfalls bei der Rhenania in Tübingen durch sein Jurastudium, diente als Reserveoffizier beim 4. Brandenburgischen Infanterieregiment und wird 1906 Landrat von Hohensalza. Doch da bricht acht Jahre später etwas aus, was von Deutschland schon lange gesucht wurde: »Ein nie dagewesener, von enormen Materialschlachten geprägter Krieg findet seinen Anfang«, schreibt ein Jahrhundert später der Pressereferent seines Enkels. Und: »Auch Walter de Maizière betrachtet es als seine Pflicht, für Deutschland die Waffe in die Hand zu nehmen.« So schloss er sich – Leitkultur – dem »patriotischen Freudentaumel« an. Das führte nach einem »herrlichen Siegeszug durch Belgien und Frankreich« – auch dafür wurde so ein Eisernes Kreuz zugeteilt – zum erwünschten Erfolg. Als der 39jährige Oberleutnant und Kompanieführer Walter de Maizière im Oktober 1915 an seiner Gamasche von einer Kugel gestreift wird, klemmt er sich, das ist historisch belegt, sein Monokel ins Auge. Da kommt ein Schrapnell des Weges, das dicht vor ihm an der linken Flanke einschlägt. Sein Bursche berichtet, so überliefert es obiger Pressereferent, vom Heldentod des noch jungen Alten Herrn: »Ein Splitter traf das Herz, ein anderer drang in die linke Backe hinein und ging durch die rechte wieder hinaus. Herr Hauptmann stürzte sofort leblos hin …«

Geistiges Rüstzeug

Da das Geld der Mutter nicht zum Studieren reichte, musste Ulrich (1912–2006), der Vater unseres Innenministers, also der Halbwaisensohn Walters, auf die blutige Ehre der Tübinger Rhenania verzichten und 1930 gleich nach der Schule zur Reichswehr gehen. Der 1912 in der Kriegs- und Kaiserzeit Geborene verband in sich die fünf Epochen deutscher Leitkultur. Gewiss, in den letzten sechs Jahren des Wilhelminismus mit aufkommendem Hindenburg machte er sich die meiste Zeit noch – mutmaßlich – in die Hose. Aber er wuchs heran und hat dann drei deutsche Staaten mit einer militärischen Leitkultur in sich vereint: die Weimarer Republik, Hitlers Deutsches Reich und dessen Nachfolgestaat BRD, ja, als pensionierter Generalinspekteur der Bundeswehr durfte er noch in der Berliner Republik bis zu seinem Tod 2006 in Bonn die Auslandsmissionen des wiedererstandenen Deutschland miterleben.

Eigentlich wollte dieser Ulrich Musiker werden, doch zu brotlos erschien ihm ein solcher Beruf. Die deutsche Leitkultur der de Maizières half ihm schnell auf den richtigen Weg, wie auch der bewährte Biograph der Familie 2014 erkennt: »Mit der Beförderung zum Fähnrich im August 1932 endet der erste Lehrgang für Ulrich nun endgültig« – ja, endgültig – »mit der Gewissheit, die richtige Berufswahl getroffen zu haben«. In seinem großen Bekenntnisbuch »In der Pflicht – Lebensbericht eines deutschen Soldaten im 20. Jahrhundert« erinnert sich Ulrich de Maizière 1989, im Jahr, als Deutschland wieder heil wurde: »Schörner und Rommel, zwei in jungen Jahren mit hohen Orden ausgezeichnete und hochqualifizierte Offiziere von großer Gegensätzlichkeit, haben mir das geistige Rüstzeug für den Offiziersberuf mitgegeben.«

Unkritisch ist der Gerüstete nicht: »Von Schörner ging ein intellektueller Reiz aus. Er schulte unseren Verstand, aber er konnte als Mensch nicht Vorbild sein.« Letzteres begründet er nicht. Adolf Hitler war darin anderer Meinung: Noch 1945 hat er Ferdinand Schörner zum Generalfeldmarschall befördert und in seinem politischen Testament zum Oberbefehlshaber des Heeres bestimmt. Schließlich hat dieser noch in letzter Minute den Widerstandswillen der deutschen Soldaten gegen den Feind beflügelt: Wer nicht mehr mitmachte, hing schnell an der nächsten Laterne.

Und Ulrichs zweiter Rüstzeugausstatter? »Rommel überzeugte als beispielhafter Truppenführer; ihm brachten wir Achtung und Verehrung entgegen.« Die italienischen Truppen, die aufhören wollten, behandelte Erwin Rommel »mit der Härte, die dem Gesindel gebührt«, und Juden möglichst noch härter. Doch der Führer, der ihn liebte, aber schließlich doch an ihm zweifelte, gab ihm mildtätig Zyankali, Rommel schluckte gehorsam. Und bekam von Hitler ein überwältigendes Staatsbegräbnis spendiert. Ja, so geht deutsche Leitkultur.

Und auch so: »Die Vorstellung in Erfüllung meines Auftrags unter Umständen gegen deutsche Mitbürger Waffen einsetzen zu müssen, hatte mich außerordentlich belastet«, schreibt Vater Ulrich. Sohn Thomas kennt heute als Innenminister derartige Gewissensbisse nicht. Aber Vater Ulrich machte sich 1934 solch schwere Sorgen. Der – inzwischen – Leutnant sollte nämlich mit einem Zug zuverlässiger Soldaten die Kaserne von Neuruppin absichern. Beim sogenannten Röhm-Putsch. Gegen die deutschen Mitbürger von der SA.

Solche Probleme hat er 1939 nicht – da fällt er als Hauptmann in Polen ein. Im Sommer 1941 rückt er als Generalstabsoffizier in der 18. Infanteriedivision gegen Leningrad vor. Die Stadt wird zerniert, wird ausgehungert. Eine Million Menschen sterben, allerdings darunter keine deutschen Mitbürger. So kämpft sich Ulrich de Maizière durch den Krieg, wird 1943 Major und 1944 Oberstleutnant im Generalstab. Bei der Kursker Großoffensive trifft ihn ein Granatsplitter. Anders als der Vater hat er kein Problem mit dem Überleben. Und bekommt – wie schon Opa und Papa – ein Eisernes Kreuz.

Für seine soldatische Haltung – und das ist mittlerweile nicht mehr so einfach – bekam Ulrich de Maizière von allen Seiten nur die besten Zeugnisse. Auch vom Führer des deutschen Volkes, dem er – wie es aus seinen Memoiren »In der Pflicht« hervorgeht – bei allem Gehorsam zuweilen doch mit einer leichten Skepsis begegnete, die sich aber niemals durch eine etwaige Insubordination äußerte.

Anfang Februar 1945 wurde er in den Generalstab des Heeres im OKH versetzt, diente dort als Erster Generalstabsoffizier in der Operationsabteilung und nahm an den Lagevorträgen für Adolf Hitler in der Berliner Reichskanzlei teil. Nicolaus von Below, bis zuletzt Adjutant dieses Führers, hat das sehr fein beobachtet. »Die klarsten und nüchternsten Lagevorträge in diesen entscheidenden Tagen hielt der Oberstleutnant i. G. de Maizière. Er fasste in der Regel nachts die letzten Ereignisse des Tages ohne jede Beschönigung knapp und deutlich zusammen. Die meisten Zuhörer waren beeindruckt, und auch Hitler fand an seiner präzisen Ausdrucksweise Gefallen. Gute Nachrichten konnte er nach Lage der Dinge von der Ostfront nicht mehr erwarten. Umso mehr schätzte er de Maizières sicheres und unpathetisches Auftreten.«

Beilage Kinder, 3105

Deutsche Leitkultur: Den Führer nicht mögen. Und doch bei ihm so taktvoll und gewinnend auftreten, dass der ihn mag.

Gottes Kriegshandwerk

Im Juni 1947, nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft, war Ulrich de Maizière doch etwas verzagt. Er sah in seinem Beruf keine Zukunft mehr und fand ein Unterkommen in einer Buchhandlung. Doch am Heiligabend 1950 erreichte ihn die Bescherung: Er durfte wieder in die Pflicht. Ein Brief aus dem Amt Blank, dem Kriegsministerium in Vorbereitung, fragte an, ob er bei der von Konrad Adenauer geplanten »Wiederbewaffnung« mitmachen wolle.

Diese Remilitarisierung wurde schon seit 1948 im Untergrund der Organisation Gehlen betrieben, dem heutigen Bundesnachrichtendienst. Von einem alten Bekannten, dem Generalleutnant Adolf Heusinger, der bereits 1943 im Führerhauptquartier den Plan für einen Volkssturm ausgearbeitet hatte. Trotz aller freudigen Bereitschaft, zögerte de Maizière und zog auf Anraten seines Schwagers, des Pastors Gottfried Lüdicke, eine Luther-Schrift von 1523 zu Rate: »Von weltlicher Obrigkeit – wie weit man ihr Gehorsam schuldig sei«. Ihr entnahm er, dass dem Christen ein Angriffskrieg nicht erlaubt sei. Aber der Christ sei auch zur Nächstenliebe aufgerufen. Und das bedeutet, er soll das Schwert führen, »damit der Bosheit gesteuert und Frommheit gestützt werde«. In der Notwehr, im »Notkrieg« könnten die Christen »Gottes Diener und Gottes Handwerksleute« sein.

Also alles o. k. Ulrich de Maizière in der Christenpflicht sagte fröhlich ja. Heusinger aus dem Untergrund wurde 1957 der erste Generalinspekteur der neuen Bundeswehr, und der Pflichtmensch folgte ihm von 1966 bis 1972 in diesem höchsten Bundeswehramt nach.

Das war nicht immer einfach. Einfühlungsvermögen war nötig und Takt gegenüber den alten Kameraden. So war es ihm »persönlich« 1967 »eine große Freude« dem Generalfeldmarschall a. D. Erich von Manstein die »Glückwünsche der Bundeswehr« zu überbringen. Glück hatte dieser bedeutende Kriegsverbrecher tatsächlich gehabt, als er im Dezember 1949 von einem britischen Militärgericht nicht zum Tode verurteilt wurde, sondern nur zu 18 Jahren Gefängnis. Und die wurden ihm stufenweise im Rahmen der Remilitarisierung erlassen. »Dankbarkeit und Verehrung«, so gratulierte der Generalinspekteur der Bundeswehr dem Generalfeldmarschall der Wehrmacht, seien »die Hauptempfindungen, mit denen alte und junge Soldaten heute an Ihrem Ehrentag Ihnen gegenübertreten«.

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Ulrich de Maizière hat allen gedient: Unter Hindenburg in der Reichswehr, dann in der Wehrmacht als ­Oberstleutnant im Generalstab, wo ihn der Führer noch 1945 schätzen lernte, schließlich in der Bundeswehr als über die Taten der alten Kameraden hinwegsehender Generalinspekteur

Zur Dankbarkeit hatte die neue Bundeswehr allen Grund. Denn Marschall Manstein wollte ihr in einem neuen Krieg Arbeit ersparen, als er 1941 anordnete: »Das jüdisch-bolschewistische System muss ein für allemal ausgerottet werden. Nie wieder darf es in unseren europäischen Lebensraum eingreifen. Der deutsche Soldat hat daher nicht einfach die Aufgabe, die militärischen Machtmittel dieses Systems zu zerschlagen.« Und er appellierte an das Verantwortungsbewusstsein seiner Soldaten: »Für die Notwendigkeit der harten Sühne am Judentum, dem geistigen Träger des bolschewistischen Terrors, muss der Soldat Verständnis aufbringen. Sie ist auch notwendig, um alle Erhebungen, die meist von Juden angezettelt werden, im Keime zu ersticken.«

Verlorene Siege

Ihn also würdigte Ulrich de Mazière, der höchste Mann der Bundeswehr, als eine »Gestalt von geschichtlicher Bedeutung« und stellte so den Schulterschluss her zwischen den alten und neuen Soldaten. Deutsche Identität, deutsche Leitkultur. Es war ja auch ein ganz besonderes Verdienst des Generalfeldmarschalls von Manstein, dass er mit seinem Longseller »Verlorene Siege« Adolf Hitler energisch aus der deutschen Geschichte entfernt hat. Deutschland hätte – so von Mansteins Lehre – ganz bestimmt den Krieg im Osten gewonnen, wenn dieser unfähige Führer nicht immer seinen Generälen ins Handwerk gepfuscht hätte.

Das war, das ist deutsche Leitkultur, wie sie im Ministerium des Reserveoberleutnants Thomas de Maizière nur etwas unverfänglicher formuliert wird. Das Vatersöhnchen kommt aus diesem bald 150jährigen deutschen Milieu einfach nicht heraus: In seinem neunten und zehnten Gebot stehen NATO, Brandenburger Tor mit seinem nach Osten stürmenden Siegeswagen und vor allem der korrekte 9. November aus der Anschlusszeit. Und der (Fußball-)Meister aus Deutschland als kollektive Erinnerung. Doch entscheidend ist, dass da endlich einer da ist, der uns leiten will. Und dass von all den anderen wieder gelitten wird.

Wir zeigen unser Gesicht

Die »Leitkultur für Deutschland«, die der Innenminister Lothar de Maizière in seinem Fachorgan Bild am Sonntag am 30. April 2017 bekanntgab, verkündet in einem neuen Dekalog, »was uns im Innersten zusammenhält«. Wir drucken eine Blütenlese.

Erstes Gebot:

Wir sagen unseren Namen. Wir geben uns zur Begrüßung die Hand. Bei Demonstrationen haben wir ein Vermummungsverbot. »Gesicht zeigen« – das ist Ausdruck unseres demokratischen Miteinanders. Im Alltag ist es für uns von Bedeutung, ob wir bei unseren Gesprächspartnern in ein freundliches oder ein trauriges Gesicht blicken. Wir sind eine offene Gesellschaft. Wir zeigen unser Gesicht. Wir sind nicht Burka.

Viertes Gebot

Wir sind Erben unserer Geschichte, mit all ihren Höhen und Tiefen. Unsere Vergangenheit prägt unsere Gegenwart und unsere Kultur. Wir sind Erben unserer deutschen Geschichte. Für uns ist sie ein Ringen um die Deutsche Einheit in Freiheit und Frieden mit unseren Nachbarn, das Zusammenwachsen der Länder zu einem föderalen Staat, das Ringen um Freiheit und das Bekenntnis zu den tiefsten Tiefen unserer Geschichte. Dazu gehört auch ein besonderes Verhältnis zum Existenzrecht Israels.

Fünftes Gebot

Wir sind Kulturnation (…). Bei der Eröffnung eines großen Konzerthauses sind – wie selbstverständlich – Bundespräsident, Vertreter aus Regierung, Parlament, Rechtsprechung und Gesellschaft vor Ort. (…) Kaum ein Land hat zudem so viele Theater pro Einwohner wie Deutschland. Jeder Landkreis ist stolz auf seine Musikschule. Kultur in einem weiten Sinne, unser Blick darauf und das, was wir dafür tun, auch das gehört zu uns.

Siebtes Gebot

Unser Staat ist weltanschaulich neutral, aber den Kirchen und Religionsgemeinschaften freundlich zugewandt. Kirchliche Feiertage prägen den Rhythmus unserer Jahre. Kirchtürme prägen unsere Landschaft. Unser Land ist christlich geprägt. Wir leben im religiösen Frieden. Und die Grundlage dafür ist der unbedingte Vorrang des Rechts über alle religiösen Regeln im staatlichen und gesellschaftlichen Zusammenleben.

Achtes Gebot

Wir sind aufgeklärte Patrioten (…) Unsere Nationalfahne und unsere Nationalhymne sind selbstverständlicher Teil unseres Patriotismus: Einigkeit und Recht und Freiheit.

Neuntes Gebot

Unser Land hatte viele Zäsuren zu bewältigen. Einige davon waren mit Grundentscheidungen verbunden. Eine der wichtigsten lautet: Wir sind Teil des Westens. Kulturell, geistig und politisch. Die NATO schützt unsere Freiheit. Sie verbindet uns mit den USA, unserem wichtigsten außereuropäischen Freund und Partner. Als Deutsche sind wir immer auch Europäer. Deutsche Interessen sind oft am besten durch Europa zu vertreten und zu verwirklichen. Umgekehrt wird Europa ohne ein starkes Deutschland nicht gedeihen. Wir sind vielleicht das europäischste Land in Europa – kein Land hat mehr Nachbarn als Deutschland. Die geographische Mittellage hat uns über Jahrhunderte mit unseren Nachbarn geformt, früher im Schwierigen, jetzt im Guten. Das prägt unser Denken und unsere Politik.

Zehntes Gebot

Wir haben ein gemeinsames kollektives Gedächtnis für Orte und Erinnerungen. Das Brandenburger Tor und der 9. November sind zum Beispiel ein Teil solcher kollektiven Erinnerungen. Oder auch der Gewinn der Fußballweltmeisterschaften. Regionales kommt hinzu: Karneval, Volksfeste (…) Die heimatliche Verwurzelung, die Marktplätze unserer Städte. Die Verbundenheit mit Orten, Gerüchen und Traditionen. Landsmannschaftliche Mentalitäten, die am Klang der Sprache jeder erkennt, gehören zu uns und prägen unser Land.

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