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1707g20 redglobeAufruf »Hamburg ist unsere Stadt – Wir wollen unsere Grundrechte nicht zum G20-Gipfel abgeben!«

Der G20-Gipfel verändert Hamburg. Die Stadt ist Gastgeberin für die Mächtigen der Welt und bereits lange zuvor wird ein Ausnahmezustand heraufbeschworen: Erst 4.000, dann 8.000 »gewaltbereite Linksextremisten« werden von Senat, Polizei und Medien an die Wand gemalt. Das muss als Begründung herhalten, um große Teile der Innenstadt zu einer demonstrationsfreien »blauen Zone« zu erklären. Camps für Menschen, die hierher kommen, um ihre Meinung kundzutun, soll es nicht geben dürfen, weil sie angeblich auch der »Selbstorganisation des militanten Widerstands« dienten.

Massive Polizeipräsenz und –kontrollen im Umfeld des Veranstaltungsortes Messehallen erzeugen ein Bild der Abschreckung, das sich zum G20-Gipfel noch steigern wird – mit hoch aufgerüsteten Polizeikräften von Land und Bund, Sicherheitskräften der Staatsgäste, Bundeswehr und Spezialeinsatzkommandos. Innensenator Andy Grote (SPD) warnt sogar davor, dass ausländische Sicherheitskräfte schon Sitzblockaden als Bedrohung einschätzen würden, die sie zum Schusswaffengebrauch veranlassen könnte. So etwas wolle man verhindern. Das lässt erahnen, wie die Polizei gegen Protestierende vorgehen wird: Höchste Eskalationsstufen mit Versammlungsverboten, Festnahmen, Pfefferspray, Wasserwerfern, Einkesselungen etc. sind zu befürchten. Sicherheit ist der alles dominierende Maßstab. Es herrscht eine Ordnung nach Maßgabe der Polizei in der Stadt.

Wer will angesichts solcher Szenarien – ergänzt durch eine groß angelegte Gefangenensammelstelle – an den Protesten teilnehmen!? Viele Hamburgerinnen und Hamburger wollen sogar während der G20-Tage die Stadt verlassen. Die Versammlungsfreiheit bleibt bei all dem auf der Strecke. Dabei hat das Bundesverfassungsgericht im Brokdorf-Beschluss bereits 1985 den Verantwortlichen ins Stammbuch geschrieben, was das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit ausmacht: die Möglichkeit der Einflussnahme auf den ständigen Prozess der politischen Meinungsbildung, die sich in einem demokratischen Staatswesen frei, offen und grundsätzlich »staatsfrei« vollziehen müsse. Als ein Stück »ursprünglich-ungebändigter unmittelbarer Demokratie« sei sie »ein politisches Frühwarnsystem, das Kurskorrekturen der offiziellen Politik« möglich mache.

Wir erwarten vom Hamburger Senat, dass er sich im Umgang mit den geplanten vielfältigen Aktionen und Kundgebungen zum G20-Gipfel für alle Meinungen gleichermaßen daran ausrichtet. Wir wollen, dass Senat und Polizei das Recht, ohne Angst und unversehrt an Demonstrationen teilzunehmen, schützen und die Versammlungsfreiheit unterstützen – statt abzuschrecken und ein Klima der Angst zu schaffen.

Die Welt zu Gast in Hamburg: das sind nicht nur die G20, sondern auch Demonstrierende aus aller Welt, die hier kostengünstige Unterkünfte brauchen. Von Hamburg muss ein klares Signal für Grundrechte und Demokratie ausgehen mit Demonstrationen ohne polizeiliche Kontrolle und Behinderung.

Wir wollen keinen Ausnahmezustand, keine Polizeistaatstage in der Stadt. Mögen die G20 sich in den Messehallen treffen – Hamburg bleibt unsere Stadt!

Erstunterzeichnende Organisationen:

Alternativer Wohlfahrtsverband SOAL e. V.; Arbeitsgemeinschaft Jugendweihe Groß-Hamburg e. V.; attac Deutschland e. V.; Auschwitz-Komitee in der Bundesrepublik Deutschland e. V.; Basis und Woge e. V.; Bündnis des Gipfels für globale Solidarität am 5.+6. Juli 2017 in Hamburg; Bündnis »Stadt des Ankommens« Hamburg; Cannabis Social Club Hamburg e. V.; Coordination gegen BAYER-Gefahren e. V.; Demokratisches Gesellschaftszentrum der Kurd_innen in Hamburg e. V.; Deutscher Freidenker-Verband, Landesverband Nord e. V.; DIEM25 – Bewegung Demokratie in Europa 2025; Einwohnerverein St. Georg von 1987 e. V.; ethecon – Stiftung Ethik & Ökonomie; Flüchtlingsrat Hamburg e. V.; freiheitsfoo (Gruppe für Menschen- und Freiheitsrechte); Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Hamburg; Gewerkschaft ver.di, Ortsverein Hamburg des Fachbereichs 08; Gängeviertel; GWA (Gemeinwesenarbeit) St. Pauli e. V.; Hafengruppe Hamburg; Hamburger Bündnis gegen Rechts; Hamburger Kinder- und Jugendhilfe e. V.; HAZIRAN (Vereinigte Juni-Bewegung Deutschland); Humanistische Union e. V.; Initiative Versammlungsfreiheit für Niedersachsen; Internationale Liga für Menschenrechte e. V.; Internationale Sozialistische Organisation (ISO); Interventionistische Linke (IL) Hamburg; Kinderladen Maimouna e. V.; Kita Wunderkabinett, Hamburg; Komitee für Grundrechte und Demokratie e. V.; Kritische Jurastudierende Hamburg; MOMO Hamburg – The voice of disconnected youth; NaturFreunde Hamburg e. V.; NAV-DEM Demokratisches Gesellschaftszentrum der KurdInnen in Deutschland e. V.; Netzwerk Recht auf Stadt Hamburg; Neue Richtervereinigung e. V. – Landesverband Hamburg; Republikanischer Anwältinnen- und Anwälteverein e. V.; Solidarische Hilfe im Alter SHA GmbH, Hamburg (Nähe Messehallen); St. Pauli selber machen; Verband Kinder- und Jugendarbeit Hamburg e. V.; Vereinigung Demokratischer Juristinnen und Juristen e. V.; verikom (Verbund für interkulturelle Kommunikation und Bildung e. V.): VVN-BdA Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten Landesvereinigung Hamburg

Erstunterzeichnende Personen:

Rolf Becker, ver.di Hamburg, OVV; Volker Behrendt, Landesvorsitzender ÖDP LV Hamburg; Rainer Benecke, Landessprecher DIE LINKE. Hamburg; Dr. Joachim Bischoff, Hamburg; Enno Drewes, DIE LINKE. Hamburg-Nord; Antonie Duchene, Hamburg; Christine Ebeling, Kunst- und Kulturfreundin / Gängeviertel; Michael Ebeling, Initiative freiheitsfoo; Matthias Ederhof, Vorsitzender SPD Schnelsen; Wolfgang Ehrhardt, Diplom-Kriminologe, wiss. Angestellter, Hamburg; Dr. Carola Ensslen, Rechtsanwältin, Hamburg; Hans-Joachim Flicek, attac Regionalgruppe Nordfriesland; Andreas Gerhold, Piratenpartei Hamburg, Vorsitzender Cannabis Social Club Hamburg e. V.; Dr. Rolf Gössner, Rechtsanwalt/Publizist, Vorstandsmitglied der Internationalen Liga für Menschenrechte e. V.; Andrea Hackbarth, Sprecherin VVN-BdA Eimsbüttel; Gaby Hatscher, Sozialarbeiterin, Attac-Mitglied, Hamburg; Till Haupt, Vorstandsmitglied der Gängeviertel Genossenschaft 2010 eG; Ulrich Hentschel, Pastor i. R., Hamburg; Karin Heuer, Geschäftsleitung umdenken Heinrich-Böll-Stiftung Hbg. e. V.; Jens Peter Hjort, Rechtsanwalt, Hamburg; Srecko Horvat, Koordinierungskollektiv DIEM25; Marco A. Hosemann, Vorsitzender des Vereins City-Hof e. V.; Steffen Jörg, GWA (Gemeinwesenarbeit) St. Pauli, St. Pauli selber machen; Cornelia Kerth, Bundesvorsitzende VVN-Bund der Antifaschisten e. V.; Konrad Klockow, SPD Eimsbüttel-Nord; Susanne Kondoch-Klockow, SPD Eimsbüttel-Nord; Dieter Krause, ver.di Rechtssekretär i. R., Neustadt i. H.; Prof. Dr. Timm Kunstreich, Hamburg; Hilke Larsen, Trägerin Kita Wunderkabinett, Hamburg; Manfred Lotze, IPPNW (Internationale Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges und in sozialer Verantwortung e. V.) Regionalgruppe Hamburg; Prof. Dr. Udo Mayer, Hamburg; Christine Melcher, KPF Niedersachsen der Partei DIE LINKE.; Andreas Merkens, Vorsitzender der Rosa-Luxemburg-Stiftung Hamburg; Marc Meyer, Rechtsanwalt bei Mieter helfen Mietern e.V.; Thomas Michel, Vorstandsmitglied Piratenpartei Hamburg, Vorstandsmitglied Mehr Demokratie Hamburg e. V.; Michael Joho, Vorsitzender des Einwohnervereins St. Georg von 1987 e. V.; Prof. Dr. Jürgen Oßenbrügge, Professor für Wirtschaftsgeographie, Universität Hamburg; Norman Paech, Hamburg; Hein Pfohlmann, Vorsitzender Kuratorium Gedenkstätte Ernst Thälmann e. V.; Prof. Dr. jur. habil. Helmut Pollähne, Rechtsanwalt, Bremen; Ronald Prieß, Botschafter der Straßenkinder in Hamburg; Christiane Schneider, MdHB, Fraktion DIE LINKE. in der Hamburgischen Bürgerschaft; Thomas Schönberger, UmweltHaus am Schüberg; Dirk Seifert, umweltFAIRaendern; Harald Singler, Landessprecher Forum Demokratischer Sozialismus Hamburg; Elke Straub, Ethnologin (M. A.) und Fachkraft für Inklusion, Hamburg; Helmuth Sturmhoebel, Fraktion DIE LINKE. Bezirksversammlung Bergedorf; Lisa Sukowski-Pfohlmann, Mitglied im Sachsenhausen-Komitee in der Bundesrepublik Deutschland e. V.; Christoph Twickel, Journalist, Hamburg; Günter Westphal, Vorsitzender des Vereins Kunstlabor naher Gegenden (KuNaGe) e. V. / Münzviertel; Dr. Ulrich Wilken, Vizepräsident des hessischen Landtags, MdL Fraktion DIE LINKE. Hessen; Julia Zielke, Kinderforum Winterhude

Quelle: Grundrechte verteidigen / RedGlobe

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