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In Tschechien soll historisches Erbe aus der Erinnerung verbannt werden. Dazu gab der tschechische Schriftstellerverband folgende Erklärung heraus:

Stoppt die Barbarei!

Nach Meldungen von Tageszeitungen will die „Elite“ des Nationalmuseums in Prag zusammen mit dem tschechischen Kulturministerium die Büsten von Julius Fucik, Fran Sramek und anderen berühmten tschechischen Autoren, d. h. berühmter Persönlichkeiten der tschechischen nationalen Kultur, aus dem Pantheon des Gebäudes  entfernen. Angeblich war die Aufstellung dieser Büsten „politisch motiviert“ und haben die Plätze anderer „“Unstrittiger“ verdrängt, wie zum Beispiel Kaiser Franz Josef I., der nicht nur in seiner senilen Phase als „der alte Spaziergänger“ bekannt war, oder Heinrich Clam-Martinic, der dafür bekannt ist, dass er Dokumente mit „Anmerkungen“ zu einem österreichischen Politiker herausgegeben hat, nämlich einem Premierminister Österreich-Ungarns. Julius Fucik oder Frana Sramek können nur den Graduierten oder Schülern unserer freien Schulen nach dem November (17. November 1989, Konterrevolution in der CSSR; d. Übers.) unbekannt sein.

Sie hinterlassen ein umfangreiches Werk, wie etwa Bericht unter Galgen, das bis 1995 in vielen Sprachen 317 Mal verlegt wurde, oder Frana Srameks Silberwind, beides Werke, die für immer in der Erinnerung unserer nationalen Geschichte bleiben. Sie haben ihre eigene Leserschaft, begeisterte Bewunderer, Anhänger, Klubs und Gesellschaften. Ungeachtet der politisch motivierten Beschimpfungen werden die beiden Autoren zu Hause wie in Europa und darüber hinaus hoch geschätzt. Bis heute ist kein Versuch gelungen, sie aus unseren Bibliotheken, Büchern, Bildschirmen, aus der lebendigen Erinnerung aller zu verbannen, die wissen, dass ein Vaterland ohne Geschichte, „das Vaterland, das uns als Erbe überkommen ist“, die unvoreingenommene Wertschätzung des historischen Erbes ein leerer Raum wird, eine Art Rahmen, in den jede Information und jeder Inhalt eingespannt werden kann, immer auf der Grundlage des Despotismus derjenigen, die sich selbst zur „nationalen Elite“ erklärt haben und weiterhin darüber entscheiden wollen, wer ein Autor ist oder nicht ist, wer ein Patriot oder kein Patriot ist, wer ein Held ist, wer in den Pantheon unserer Vaterlandes gehört und wer nicht.

In der Vergangenheit wurden die Präsidenten Masaryk und Benes „ausgemustert“. Heute geschieht das selbe Mit Fucik oder Sramek, und morgen – mit den „Ausmusterern“?

Das Management des Nationalmuseums möchte dem Kaiserreich Österreich-Ungarn untertänig Tribut zollen, einer   überholten Monarchie, die es zur Schlächterei des I. Weltkriegs gebracht hat, und anders kann es das nicht tun. Sicherlich wird  es dafür Applaus bekommen. Gut – aber was ist mit uns? Mag sein, dass wir wirklich gemocht werden, obwohl wir das vielleicht nicht verdienen. Aber deswegen bleiben einige von uns wachsam und wir  lassen uns unsere Gehirne nicht löschen.

Präsidium des tschechischen Schriftstellerverbands

Vladimir Sedlacek

Prag, Juni 2017

Übersetzung aus dem Englischen: news.dkp.de

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