DKP
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KAZ Nr. 359, Juni 2017

Wenn wir mit Wah­len et­was grund­le­gend verändern könn­ten in heu­ti­ger Wirt­schaft, Ge­sell­schaft und Po­li­tik, wären sie schon längst ver­bo­ten. Eben­so rich­tig ist, dass wir alle vier Jah­re ent­schei­den dürfen, wer uns das Kreuz, un­ter dem wir äch­zen, auf die Schul­tern le­gen darf.

Was aber können wir bei Wah­len tatsächlich er­rei­chen? Den Rech­ten und Fa­schis­ten die­ser Re­pu­blik nicht auch noch die Recht­fer­ti­gung zu ge­ben, dass sie vom Volk ge­ru­fen und erwählt wur­den! Das heißt zur Wahl ge­hen und „de­mo­kra­tisch“ wählen ge­gen schwarz­brau­ne Re­ak­ti­on – Kei­ne Stim­me für NPD, AfD, FDP, CSU, CDU. Da­mit die Ul­tra­rech­ten und Fa­schis­ten nicht vor lau­ter Po­li­tik- und Wahl­ver­druss noch so stark wer­den und das Wählen ganz ab­schaf­fen.

Das ist die ne­ga­ti­ve Sei­te, was man nicht wählen darf. Was aber können wir po­si­tiv bei Wah­len, die im­mer Stim­mungs­ba­ro­me­ter sind, zum Aus­druck brin­gen?

Dazu soll kurz die Lage skiz­ziert wer­den, in der sich die deut­sche Ar­bei­ter­klas­se der­zeit be­fin­det.

„Ausgezeichnete“ Arbeit der Großen Koalition

Den herr­schen­den Krei­sen in Deutsch­land ist es ge­lun­gen die Last der Wirt­schafts­kri­se seit 2007 auf die Schul­tern der Werktäti­gen ab­zuwälzen. Nicht nur auf die Werktäti­gen im ei­ge­nen Land, son­dern vor al­lem auf die Werktäti­gen im un­mit­tel­ba­ren Ein­fluss­ge­biet des deut­schen Im­pe­ria­lis­mus in Grie­chen­land, Por­tu­gal, Spa­ni­en, Ita­li­en und in den meis­ten Ländern in Ost­eu­ro­pa. Deutsch­land ist im Verhält­nis zu sei­nen eu­ropäischen Kon­kur­ren­ten und zum USA-Im­pe­ria­lis­mus gestärkt aus der Kri­se her­vor­ge­gan­gen. Seit 2011 hat sich die BRD of­fen zur Führungs­macht in EU-Eu­ro­pa auf­ge­schwun­gen, die sich an­schickt, mit den USA „auf Au­genhöhe“ um die Neu­auf­tei­lung der Welt zu kol­la­bo­rie­ren und zu ri­va­li­sie­ren. So­lan­ge der Vor­marsch anhält, setzt das deut­sche Mo­no­pol­ka­pi­tal auf sta­bi­le Verhält­nis­se im In­nern: Auf die SPD-Führung, die die Ar­bei­ter mit klei­nen Zu­geständ­nis­sen und Ver­spre­chun­gen ru­hig hält, ein­ge­bun­den in die Große Ko­ali­ti­on, da­mit Kurs ge­hal­ten wird für die deut­sche Großbour­geoi­sie.

Die Er­geb­nis­se die­ser Re­gie­rung se­hen präch­tig aus – für die Rei­chen: Die Zahl der Mil­li­ardäre in der BRD ist von 2010 bis 2016 um über 30 Pro­zent ge­stie­gen; den 15 Reichs­ten gehört so viel wie das hal­be Deutsch­land und sie zah­len kei­ne Vermögens­steu­er und fast kei­ne Erb­schafts­steu­er!

Da­ge­gen schrei­tet die Ver­ar­mung von großen Tei­len der Bevölke­rung fort: Nied­riglöhner, al­lein­er­zie­hen­de Mütter, Er­werbs­lo­se, Rent­ner, Kin­der …: Nach der stark geschönten Sta­tis­tik le­ben in un­se­rem rei­chen Land 15,7 Pro­zent der Bevölke­rung = 12,9 Mil­lio­nen Men­schen un­ter der Ar­muts­gren­ze (2015) und da­bei sind Heim­be­woh­ner und Ob­dach­lo­se nicht ein­mal berück­sich­tigt.

Während für die deut­schen Olig­ar­chen­clans die Pro­fi­te reich­lich spru­deln und die Vermögen der obe­ren Nul­len ins Un­er­mess­li­che wach­sen, hat die Zahl der­je­ni­gen, die in Leih­ar­beit, Mi­ni­jobs, in be­fris­te­ten oder Teil­zeit-Ar­beits­verhält­nis­sen hart ar­bei­ten, von 11,44 Mil­lio­nen (2000) auf 18,5 Mil­lio­nen (2016) Kol­le­gIn­nen zu­ge­nom­men; das sind 42,5 Pro­zent der Lohn­abhängi­gen in der BRD. (Zah­len nach isw-Wirt­schafts­in­fo 51, April 2017) Wie lan­ge soll das so wei­ter­ge­hen?

Die Er­geb­nis­se der Gro­ko sind aus­ge­zeich­net – für die Rech­ten und Fa­schis­ten, die re­ak­ti­onäres Ge­dan­ken­gut, Ras­sis­mus, An­ti­se­mi­tis­mus und Frem­den­feind­lich­keit wie­der fast un­be­hin­dert in die Hir­ne tra­gen dürfen. Sie wer­den bei ih­ren Aufmärschen durch die Po­li­zei geschützt, der Ver­fas­sungs­schutz gibt durch sei­ne V-Leu­te Auf­bau­hil­fe mit Waf­fen, Geld und Ka­dern. Ter­ro­ris­ti­sche At­tentäter wer­den ge­ra­de­zu gehätschelt, da­mit sie end­lich los­schla­gen und den Vor­wand für neue Ge­set­ze lie­fern, für wei­te­re Aufrüstung des staat­li­chen Un­ter­drückungs­ap­pa­rats. Das Asyl­recht zu­schan­den ge­macht – so als ob es nicht auch So­zi­al­de­mo­kra­ten ge­ge­ben hätte, die vor dem deut­schen Fa­schis­mus aus dem Land flie­hen muss­ten. Die Gren­zen dicht ge­macht – so als ob nicht auch ein­mal mas­sen­haft deut­sche Ar­bei­ter aus pu­rem Elend aus­wan­dern muss­ten und deut­sche Flücht­lin­ge zu Mil­lio­nen aus ih­ren Sied­lungs­ge­bie­ten ab­ge­hau­en sind. Wann merkt denn die SPD, dass sie Ge­set­ze macht, mit de­nen bei veränder­ter po­li­ti­scher Lage ihre ei­ge­nen Leu­te ein­ge­sperrt wer­den können, wenn sie an­fan­gen Wi­der­stand zu leis­ten. Mit ih­rer Flücht­lings­po­li­tik hat die Gro­ko den Het­zern Steil­vor­la­ge ge­ge­ben, die AfD großge­macht und in die Land­ta­ge ka­ta­pul­tiert, flan­kiert durch Ge­set­ze, die die Flücht­lin­ge bekämp­fen, nicht die Flucht­ur­sa­chen. Denn zu den Flucht­ur­sa­chen trägt die Gro­ko sel­ber bei. Un­terstützung der re­ak­ti­onärs­ten Re­gimes in Sau­di-Ara­bi­en, in Ka­tar und an­de­ren Emi­ra­ten, in der Türkei, die dem IS Schützen­hil­fe ge­leis­tet ha­ben und z.T. noch leis­ten, im Je­men Krieg führen und auf krie­ge­ri­sche Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit dem Iran drängen. Un­terstützung mit Waf­fen, Geld und Kre­dit. Un­terstützung al­ler US-Ag­gres­sio­nen in Af­gha­nis­tan, Irak und Sy­ri­en. Ganz Afri­ka ist Aus­beu­tung von Roh­stof­fen und Müll­ab­la­de­platz im Dienst der im­pe­ria­lis­ti­schen Wirt­schaft. Aber al­les was recht ist: Man wird doch noch Pro­fit ma­chen dürfen und dann kom­men un­verschämter­wei­se Men­schen als Flücht­lin­ge …

Die Gro­ko hat es ge­schafft, zusätz­lich zur Be­tei­li­gung an zahl­rei­chen Kriegs­her­den in der Welt wie­der ag­gres­siv ge­gen Russ­land vor­zu­ge­hen. Sie hat die rech­ten und fa­schis­ti­schen Put­schis­ten in der Ukrai­ne un­terstützt. Sie hält an Sank­tio­nen ge­gen Russ­land fest, vor des­sen Gren­ze in­zwi­schen trotz hei­li­ger Ver­spre­chen die NATO wie­der steht. Die Bun­des­wehr hält Manöver in den bal­ti­schen Staa­ten ab. Eine neue Spi­ra­le der Rüstung wird ein­ge­lei­tet und Mi­li­ta­ris­ten, Rüstungs­in­dus­trie mit ih­rer Front­frau von der Ley­en ver­nei­gen sich dank­bar vor Do­nald Trump, der höhere Rüstungs­aus­ga­ben in Deutsch­land an­ge­mahnt hat.

Die Gro­ko hat aus­ge­zeich­ne­te Ar­beit ge­leis­tet – ge­gen De­mo­kra­tie, ge­gen Frie­den, ge­gen So­li­da­rität, ge­gen die Ar­bei­ter­klas­se und für die Ka­pi­ta­lis­ten, für die Rei­chen, für die Re­ak­ti­onäre und Fa­schis­ten, die Kriegs­trei­ber und Mi­li­ta­ris­ten.

Wenn die Zeiten noch „ungemütlicher“ werden

Und das sind noch die re­la­tiv ru­hi­gen Zei­ten. Was wird, wenn nach dem Brex­it, der die EU schon fast zum Aus­ein­an­der­fal­len ge­bracht hat, auch Ita­li­en oder Frank­reich das Wei­te vor dem Dik­tat des deut­schen Fi­nanz­ka­pi­tals und sei­nem Vor­tur­ner Wolf­gang Schäuble su­chen? Je­den­falls der Un­mut ge­gen den drit­ten An­lauf Deutsch­lands zur Welt­macht wächst al­lent­hal­ben. Was wird, wenn die nächs­te Wirt­schafts­kri­se kommt und wie­der Mil­lio­nen um den Ar­beits­platz ban­gen? Um auf die­sem Weg vor­an­zu­kom­men ver­su­chen die führen­den Kon­zer­ne das Pro­jekt In­dus­trie 4.0 vor­an­zu­trei­ben. Es be­deu­tet zu­sam­men mit der Pro­duk­tiv­kraft­ent­wick­lung Ver­dich­tung der Ar­beit, Re­du­zie­rung der Ar­beitsplätze, Druck auf Löhne und Ar­beits­be­din­gun­gen, vollständi­ge Fle­xi­bi­li­sie­rung und Pre­ka­ri­sie­rung, Rück­kehr des Taglöhners mit Auflösung von Ta­rif­struk­tu­ren; das heißt: Fort­schritt zu ih­rer Be­rei­che­rung und un­se­rer Ver­ar­mung. Aber es be­deu­tet auch: Ver­en­gung der Märkte, Über­pro­duk­ti­on, Kri­se. Und nichts ha­ben sie ler­nen können aus der letz­ten Kri­se. Denn Ka­pi­tal muss im­mer größere Räder dre­hen, denn je größer das Ka­pi­tal, des­to größer müssen die Pro­fi­te wer­den, da­mit die Ren­di­te stimmt. Selbst 150 Jah­re nach dem Er­schei­nen von „Das Ka­pi­tal“ eine of­fen­bar im­mer wie­der frisch ein­zu­pau­ken­de Er­kennt­nis

Für die­se Zei­ten sorgt die Bour­geoi­sie vor; wenn die So­zi­al­de­mo­kra­tie nicht mehr reicht, um den of­fe­nen Krieg nach In­nen und Außen vor­zu­be­rei­ten und zu führen, su­chen sie Un­terstützung bei den von den Fa­schis­ten geführ­ten Kleinbürgern und den ver­kom­me­nen Schich­ten der Ar­bei­ter­klas­se und der Bour­geoi­sie, Lum­pen­pro­le­ta­ri­at und Lum­pen­bour­geoi­sie. Und wie sor­gen wir vor?

Was tun, wen wählen?

Die Ar­bei­ter­klas­se ist die zen­tra­le ge­sell­schaft­li­che Kraft, die durch ihre Stel­lung in der Pro­duk­ti­on den gan­zen La­den am Lau­fen hält, aber auch zum An­hal­ten brin­gen kann – nicht nur durch Lahm­le­gen der Pro­duk­ti­on, son­dern auch durch Un­ter­bre­chung der Trans­port­li­ni­en oder Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ver­bin­dun­gen, der Da­tenüber­tra­gung, der wirt­schaft­li­chen Le­bens­ströme wie Öl, Gas, Strom, Was­ser und Geld. So­lan­ge die­se Kraft geführt wird von der auf Klas­sen­versöhnung, So­zi­al­part­ner­schaft aus­ge­rich­te­ten So­zi­al­de­mo­kra­tie, wird sich die Klas­se un­ter­ord­nen un­ter die von der Bour­geoi­sie ge­setz­ten Zie­le. Die Bour­geoi­sie sitzt auf den Kom­man­dohöhen der Wirt­schaft, und da­mit der Po­li­tik und des Mi­litärs, sitzt an den He­beln der Macht und kauft sich ihre Mi­nis­ter, Staats­se­kretäre, Landräte oder Bürger­meis­ter, Ab­ge­ord­ne­te.

Den Bruch mit der Bour­geoi­sie kann nur eine re­vo­lu­ti­onäre Par­tei der Ar­bei­ter­klas­se voll­zie­hen. Eine sol­che Par­tei ist not­wen­dig, um die Zie­le des Kampfs zu be­stim­men, die un­mit­tel­ba­ren und die zukünf­ti­gen – und den Weg zu wei­sen, wie sie zu er­rei­chen sind. Sie hat deut­lich zu ma­chen, wer Freund und Feind ist, wie man Freun­de ge­win­nen kann, um den Feind zu be­zwin­gen. Sie ist not­wen­dig, um die Schwach­punk­te des Geg­ners zu er­ken­nen und die ei­ge­nen Kräfte dort­hin zu len­ken; sie kann sa­gen wel­che Mit­tel und Me­tho­den des Kamp­fes wann ein­zu­set­zen sind, um Aus­sicht auf Er­folg und Sieg zu ha­ben. Sie weiß, wann an­zu­grei­fen ist und wann man sich zurück­zie­hen muss. Ohne eine sol­che Par­tei ist nicht nur ein Weg zum So­zia­lis­mus unmöglich, zur grund­le­gen­den Ände­rung der Ei­gen­tums- und da­mit Le­bens­verhält­nis­se in un­se­rem Land, ohne eine sol­che Par­tei wird auch das Auf­hal­ten von Fa­schis­mus und Krieg er­schwert und un­wahr­schein­lich.

Eine sol­che Par­tei war die KPD bis sie ge­schwächt durch Na­zi­ver­fol­gung, Krieg und Ade­nau­er-Ver­bot, dem An­sturm des Re­vi­sio­nis­mus nicht mehr ge­wach­sen war. Den­noch war sie und alle sich auf sie be­ru­fen­den Kräfte Sta­chel im Fleisch des deut­schen Im­pe­ria­lis­mus so­lan­ge es noch die So­wjet­uni­on und die DDR gab. Jetzt erst, mehr als 20 Jah­re nach Ein­ver­lei­bung der DDR in Größer-Deutsch­land und nach der Auflösung der UdSSR, gibt es wie­der ernst­haf­te An­stren­gun­gen un­ter den lin­ken Kräften der BRD eine Par­tei zu schaf­fen, die den Na­men re­vo­lu­ti­onär ver­dient. Seit dem 20. Par­tei­tag hat sich in der DKP eine sta­bi­le Führung her­aus­ge­bil­det, die die Er­kennt­nis­se des Mar­xis­mus und des Le­ni­nis­mus wie­der zur Leit­schnur ih­res Han­delns macht und deut­lich Po­si­ti­on ge­gen den Haupt­feind im ei­ge­nen Land be­zieht. Wir un­terstützen je­den Schritt, den die DKP auf die­sem Weg wei­ter geht.

Die DKP hat be­schlos­sen zur Bun­des­tags­wahl 2017 an­zu­tre­ten, da­mit die Stim­me wie­der hörbar wer­de zur Über­win­dung des ka­pi­ta­lis­ti­schen Sys­tems, des Sys­tems der rück­sichts­lo­sen Aus­beu­tung, des phy­si­schen und geis­ti­gen Elends, des Ras­sis­mus, des Chau­vi­nis­mus und der na­tio­na­len Un­ter­drückung, des Kriegs und Fa­schis­mus, der Bar­ba­rei!

Wir ru­fen des­halb zur Wahl der DKP auf.

KAZ-Frak­ti­on Aus­rich­tung Kom­mu­nis­mus

Autor

KAZ Fraktion Ausrichtung Kommunismus

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