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Tarifrunde Versicherungsbranche: Arbeitgeber wollen Lohnverzicht am Verhandlungstisch

Von Lars Mörking
 (Foto: Anja Wurtz)
(Foto: Anja Wurtz)

Wenn es um die Zukunft der Arbeit geht, dann sparen Bundesregierung und Arbeitgeber nicht mit großen Worten und schönen Phrasen. Immer wieder werden Beschäftigte gemahnt, sich zu rüsten und zu qualifizieren, damit sie auch in der digitalen Arbeitswelt noch gebraucht werden.
ver.di hat mit dem „Zukunftstarifvertrag Digitalisierung“ ein Angebot an die Arbeitgeber der Versicherungsbranche gemacht, das diese eigentlich nicht ablehnen können: Zehn Qualifikationstage pro Jahr und ein Rückkehrrecht bei mindestens gleichen Konditionen nach längeren Fortbildungen in den alten Job, sollen den Beschäftigten die Möglichkeit geben, sich innerhalb und außerhalb der Arbeitszeit qualifizieren zu können.
Doch die Tarifverhandlungen für die Beschäftigten in der Versicherungsbranche scheiterten, die dritte Verhandlungsrunde am 2. Juni wurde ergebnislos beendet. Zuvor hatten viele tausend Versicherungsangestellte von Hamburg bis München die ver.di-Forderungen durch Streiks unterstützt und gingen dafür auf die Straße.
Neben den inhaltlichen Forderungen, die den Beschäftigten eine Qualifikation für zukünftige Aufgaben ermöglichen soll, hatte ver.di 4,5 Prozent Gehaltserhöhung und eine Tarifvertragslaufzeit von 12 Monaten gefordert. Außerdem sollen die Ausbildungsvergütungen um 50 Euro pro Monat in allen Ausbildungsjahren erhöht werden, Auszubildende seien nach Abschluss der Ausbildung unbefristet zu übernehmen.
Die Antwort der Arbeitgeber: 1,1 Prozent pro Jahr und eine Laufzeit von drei Jahren. Was die ver.di-Vorschläge zur Digitalisierung betrifft, so haben die Versicherer nicht die Absicht, ihre Beschäftigten für neue Aufgaben zu qualifizieren. Offenbar plant die Versicherungsbranche den anstehenden Personalabbau zu nutzen, um Alt-Beschäftigte stärker unter Druck zu setzen. Auch betriebsbedingte Kündigungen wollen die Versicherungskonzerne nicht ausschließen, denn sie dienen ihnen dazu, die Beschäftigten zu flexibleren – also ausgeweiteten – Arbeitsbedingungen und zu Qualifikationsmaßnahmen zu zwingen. Nur dafür zahlen wollen sie nicht – und nicht garantieren, dass die Kolleginnen und Kollegen nach Abschluss wieder einen Arbeitsplatz haben.
Deshalb plant ver.di die Ausweitung der Streiks am 19. Juni. Für viele wird es der erste Streik sein, an dem sie aktiv teilnehmen.