DKP
0

Von den Kleinorganisationen mit kommunistischem Anspruch geben sich fast alle schweigsam, wenn es um die Frage geht: Wen soll man bei der Bundestagswahl unterstützen? Im Gegensatz dazu nimmt die KAZ-Fraktion „Ausrichtung Kommunismus“ Stellung und ruft zur Wahl der DKP auf. Die KAZ-Fraktion „Dialektik in Organisationsfragen“ ruft dagegen zur Wahl der Linkspartei auf. Hier die Argumente dafür, dass das falsch ist:

KAZ-Fraktion: „Ausrichtung Kommunismus”

Statt Sandkastenspielen Parteiaufbau unterstützen, DKP wählen – Eine Erwiderung

Die KAZ-Frak­ti­on Dia­lek­tik in Or­ga­ni­sa­ti­ons­fra­gen (Dio) kommt in ih­ren Ar­ti­keln zur Bun­des­tags­wahl 2017– auch nach Dis­kus­si­on in der Grup­pe KAZ – zum Er­geb­nis: „Wir wer­den bei die­ser Bun­des­tags­wahl die Links­par­tei wählen, aus So­li­da­rität und weil sie den bösar­ti­gen re­ak­ti­onären Um­ar­mun­gen bes­ser stand­hal­ten kann, je mehr Stim­men sie hat. Den Ar­bei­tern und De­mo­kra­ten emp­feh­len wir, auf je­den Fall ge­gen rechts zu wählen (das heißt nicht nur ge­gen CSU, AfD, NPD etc., son­dern natürlich auch ge­gen CDU, FDP usw., die in kei­ner Wei­se Bünd­nis­part­ner ge­gen Fa­schis­mus und Krieg sein können) und vor al­lem ge­gen rechts zu kämp­fen!

Wenn ein Er­geb­nis bei den Bun­des­tags­wah­len zu­stan­de kommt, das die Bil­dung ei­ner Re­gie­rung von SPD, Par­tei Die Lin­ke und Bünd­nis 90/​Die Grünen (im Fol­gen­den ab­gekürzt 2rg, wo­bei „r“ für rot durch­ge­hen soll und „g“ für grün) prin­zi­pi­ell ermöglicht, dann sol­len die Kom­mu­nis­ten – so Dio – sich dafür ein­set­zen, dass aus 2rg eine Re­gie­rung ge­gen rechts wird. – Dar­auf lau­fen die Ar­ti­kel hin­aus.

Das Gan­ze wird in KAZ 359 begründet, dass wir zwar nichts Ge­nau­es wis­sen, wie groß und wie nah die Ge­fahr von Fa­schis­mus und Krieg ist, aber vor­sorg­lich bie­tet es sich schon an da­von aus­zu­ge­hen, dass es im­mer schlim­mer wird. Mit ei­ner sol­chen Erklärung an die Öffent­lich­keit zu ge­hen, wird zu ei­ner Bla­ma­ge für alle Kräfte, die dazu ste­hen, dass vom deut­schen Im­pe­ria­lis­mus eine Ge­fahr von Fa­schis­mus und Krieg aus­geht. Was hier als Ana­ly­se an­ge­bo­ten wird, bleibt völlig im Abs­trak­ten.

Faschistische Gefahr – woran prüfen?

Bei ei­ner ernst­haf­ten Her­an­ge­hens­wei­se, um Aus­sa­gen über ei­nen in der BRD be­vor­ste­hen­den Aus­tausch der so­zia­len Hauptstütze des Mo­no­pol­ka­pi­tals zu tref­fen, also über eine be­vor­ste­hen­de Ablösung der so­zi­al­de­mo­kra­tisch geführ­ten Ar­bei­te­ra­ris­to­kra­tie als so­zia­le Hauptstütze durch ein von Fa­schis­ten geführ­tes Kleinbürger­tum. Und um be­ur­tei­len zu können, ob eine Ablösung der bürger­li­chen De­mo­kra­tie durch den of­fen ter­ro­ris­ti­schen Fa­schis­mus be­vor­steht, wa­ren doch min­des­tens die fol­gen­den fünf Merk­ma­le zu berück­sich­ti­gen:

„(a) Der Grad der all­ge­mei­nen Kri­se, die Zerrüttung der Wirt­schaft – hat sie solch ei­nen Grad, solch ein Aus­maß an­ge­nom­men, da sie nur noch ge­walt­sam (durch of­fe­ne Dik­ta­tur und Krieg) gelöst wer­den kann.

(b) Der Stand der Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen der Mo­no­pol­bour­geoi­sie und der nicht­mo­no­po­lis­ti­schen Bour­geoi­sie. Wel­che Stel­lung nimmt die Mehr­heit der Mo­no­po­lis­ten zur Bei­be­hal­tung der bürger­li­chen de­mo­kra­ti­schen Re­pu­blik ein, und wel­che Stel­lung hat das am meis­ten re­ak­ti­onäre, chau­vi­nis­ti­sche, am meis­ten im­pe­ria­lis­ti­sche Fi­nanz­ka­pi­tal, das den Aus­schlag gibt.

(c) Der po­li­ti­sche Rei­fe­grad der Ar­bei­ter­klas­se, ihre Kampf­ent­schlos­sen­heit, der Grad ih­rer re­vo­lu­ti­onären Ein­heit oder noch vor­han­de­nen Spal­tung, ihre He­ge­mo­nie ge­genüber dem werktäti­gen Volk, wie wel­chen Ein­fluss be­sitzt der So­zi­al­de­mo­kra­tis­mus ge­genüber dem Kom­mu­nis­mus in der Ar­bei­ter­klas­se und ih­rer Be­we­gung.

(d) Die Stel­lung des Kleinbürger­tums, wie nah oder fern steht es der ei­nen oder der an­de­ren der bei­den Haupt­klas­sen. Wel­che Sym­pa­thie bringt es dem Pro­le­ta­ri­at ent­ge­gen oder wie weit folgt es noch der Mo­no­pol­bour­geoi­sie.

(e) Das Kräfte­verhält­nis zwi­schen Ka­pi­tal und Ar­beit in or­ga­ni­sier­ten Ba­tail­lo­nen. Wel­che Ba­tail­lo­ne hat die Ar­bei­ter­klas­se (z.B. Zahl und Or­ga­ni­sie­rungs­grad der kom­mu­nis­ti­schen Par­tei, Ge­werk­schaf­ten, mi­litäri­sche Schutz­or­ga­ni­sa­tio­nen etc.) ge­genüber den ter­ro­ris­ti­schen – teil­wei­se – be­waff­ne­ten Kon­ter­ban­den und den „of­fi­zi­el­len“ re­ak­ti­onär-fa­schis­ti­schen Or­ga­ni­sa­tio­nen.

Die­se Merk­ma­le (in ih­rer Ge­samt­heit ge­nom­men) ge­ben ei­nem die Be­ur­tei­lungsmöglich­keit, ob die bürger­li­che Re­pu­blik oder schon die fa­schis­ti­sche Re­pu­blik auf die Ta­ges­ord­nung ge­setzt wird oder wur­de, in wel­cher Form der Fa­schis­mus an die Macht ge­denkt zu kom­men oder un­ter ihr ein­nimmt. Hier­aus er­gibt sich eben auch der Zeit­punkt (wie die Wahr­schein­lich­keit) des Platz­wech­sels der bei­den Re­ser­ven des Mo­no­pol­ka­pi­tals, wie wel­che der bei­den die so­zia­le Hauptstütze ein­neh­men soll.“ [1]

Schimpfwort statt Analyse

Aber un­se­re Ge­nos­sen der Frak­ti­on Dio sind von sol­chen ob­jek­tiv not­wen­di­gen und kon­kre­ten An­for­de­run­gen an eine Ana­ly­se der fa­schis­ti­schen und Kriegs-Ge­fahr un­be­ein­druckt.

Nichts zum Stand der Kriegs­ge­fahr (s. z.B. den Ar­ti­kel von uns „Wie kriegsfähig ist der deut­sche Im­pe­ria­lis­mus“ in KAZ 355).

Nichts zu den Frak­tio­nen im deut­schen Mo­no­pol­ka­pi­tal, die wir als „Trans­at­lan­ti­ker“ (his­to­risch: „Ame­ri­ka-Frak­ti­on“) und „Eu­ropäer“ (his­to­risch: „All­deut­sche“) un­ter­sucht ha­ben. Kei­ne Un­ter­su­chung ih­rer Stel­lung­nah­men, Un­terstützung, Fi­nan­zie­rung der Fa­schis­ten.

Nichts zum Stand der Ar­bei­ter­klas­se und der an­de­ren Klas­sen und Schich­ten.

Nichts zu den or­ga­ni­sier­ten und teils be­waff­ne­ten Ba­tail­lo­nen.

Nichts was zu tun ist, wenn der Fa­schis­mus an die Macht ge­bracht wird.

Dies nicht zu un­ter­su­chen, führt zu ei­ner Ent­lee­rung des Be­griffs Fa­schis­mus und macht ihn zu ei­nem bloßen Schimpf­wort. Statt den Wi­der­stand zu or­ga­ni­sie­ren, wird Angst ver­brei­tet. Angst führt zu Pa­nik und Lähmung statt zu ziel­ge­rich­te­tem kol­lek­ti­ven Han­deln. Dem­entspre­chend fin­den sich Ausführun­gen (KAZ 358), was eine fa­schis­ti­sche Par­tei kenn­zeich­nen soll, da­mit AfD und CSU als fa­schis­tisch be­zeich­net wer­den können. Vor­ge­hens­wei­se à la Pipi Lang­strumpf. Das läuft al­les auf eine Ver­harm­lo­sung des his­to­ri­schen Fa­schis­mus und ei­nes zukünf­ti­gen Fa­schis­mus hin­aus und dient letzt­lich dazu, den So­zi­al­de­mo­kra­tis­mus aus der Schuss­li­nie zu neh­men.

Parteiaufbau statt Sandkastenspiele

Nach un­se­rer (vorläufi­gen und un­zu­rei­chen­den) Einschätzung be­fin­den wir uns:

– In Zei­ten, in de­nen der Fa­schis­mus nicht akut be­vor­steht, aber das Mo­no­pol­ka­pi­tal wie­der be­ginnt, die fa­schis­ti­schen Ba­tail­lo­ne zu sam­meln und ihre men­schen­ver­ach­ten­den Ideo­lo­gi­en sa­lonfähig ge­macht wer­den; noch ge­lingt es bes­tens, die Pro­fit­herr­schaft mit Hil­fe der SPD-Führung, mit der Klas­sen­versöhnungs­ideo­lo­gie und So­zi­al­part­ner­schaft durch­zu­set­zen. Das kann sich rasch verändern, wenn die Kri­se sich verschärft, der Euro und die EU in Fra­ge ste­hen etwa durch ei­nen Aus­tritt Ita­li­ens oder Frank­reichs …

– In Zei­ten, in de­nen der große Krieg zwi­schen den im­pe­ria­lis­ti­schen Mäch­ten selbst nicht be­vor­steht, aber die Vor­be­rei­tun­gen auch dafür ge­trof­fen wer­den und neue Al­li­an­zen von den im­pe­ria­lis­ti­schen Mäch­ten geprüft wer­den (s. Brex­it), die Waf­fen­ar­se­na­le auf­gefüllt wer­den und die men­schen­ver­ach­ten­den Ideo­lo­gi­en, die den Krieg recht­fer­ti­gen und für un­ver­meid­lich erklären, wie­der hoffähig ge­macht wer­den.

In sol­chen Zei­ten steht es an, die kom­mu­nis­ti­schen Rei­hen zu stärken und die ei­ge­nen Ba­tail­lo­ne auf­zu­bau­en. Das geht nur in der Aus­ein­an­der­set­zung mit den Kräften, die die Klas­se, die als ein­zi­ge den Fort­schritt und eine fried­li­che Zu­kunft repräsen­tiert, das Pro­le­ta­ri­at, ideo­lo­gisch ent­waff­nen, des­ori­en­tie­ren und sei­ne Kräfte zer­fa­sern und zer­split­tern, das geht nur in der Aus­ein­an­der­set­zung mit der So­zi­al­de­mo­kra­tie. Der Kampf er­folgt auf der Li­nie: Seht Ihr, so­zi­al­de­mo­kra­ti­sche Führer, nicht, wie Eure Maßnah­men und Ge­set­ze den Fa­schis­ten nützen, seht Ihr nicht, wie das mor­gen ge­gen Euch selbst ge­rich­tet wer­den kann. Und auf der Li­nie: Eure Maßnah­men und Ge­set­ze brin­gen der Klas­se kei­ne Ver­bes­se­run­gen, wir las­sen uns nicht länger betrügen und mit Ver­spre­chen ab­spei­sen. Grund­le­gen­de Ver­bes­se­run­gen gibt es nur, wenn al­les ge­tan wird, um den Ka­pi­ta­lis­mus zu über­win­den und er schließlich be­sei­tigt wird. Al­les an­de­re ist Dem­ago­gie, Wahl­be­trug und Volks­ver­blödung.

Und selbst wenn wir uns ir­ren soll­ten, und Fa­schis­mus und Krieg un­mit­tel­bar vor der Tür stünden, wäre un­se­re vor­dring­li­che Auf­ga­be, ei­nen Bei­trag zum Auf­bau ei­ner kom­mu­nis­ti­schen Par­tei in Deutsch­land zu leis­ten.

Kom­mu­nis­ten soll­ten da­her zur Wahl der DKP auf­ru­fen und dafür ein­tre­ten, dass dies auch die an­de­ren re­le­van­ten kom­mu­nis­ti­schen Grup­pie­run­gen tun.

Alle stra­te­gi­schen Über­le­gun­gen der Kom­mu­nis­ten ge­hen aus von der Exis­tenz ei­ner Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei, die Mas­sen­ein­fluss be­sitzt; al­les an­de­re sind Sand­kas­ten­spie­le. Was soll das Ge­re­de von Ein­heits- oder Volks­front, wenn kei­ne KP in ei­nem sol­chen Pro­zess die führen­de und re­vo­lu­ti­onäre Rol­le ein­nimmt? Das führt zu Kon­struk­tio­nen, die im­mer in der Un­ter­ord­nung un­ter die so­zi­al­de­mo­kra­ti­sche Führung und da­mit un­ter die Bour­geoi­sie en­den.

Un­ser Weg geht über die Un­terstützung der re­vo­lu­ti­onären Kräfte in der DKP bei der Her­aus­bil­dung ei­ner mar­xis­tisch-le­ni­nis­ti­schen Li­nie, auf der sich die Kom­mu­nis­ten in Deutsch­land zu­sam­men­sch­ließen können.

Die DKP hat sich ent­schie­den zu den Bun­des­tags­wah­len zu kan­di­die­ren. Sie hat dafür gute Gründe ge­nannt. Die DKP wird kei­nen Wahl­kampf ge­gen die PDL ma­chen, son­dern ei­nen Wahl­kampf ge­gen Rechts für Links und kann da­mit dazu bei­tra­gen, wie­der Wähler zu mo­bi­li­sie­ren, die in der Ver­sen­kung des fak­ti­schen Wahl­boy­kotts ver­sun­ken wa­ren.

Wie die Kom­mu­nis­ten bei ei­nem Wahl­aus­gang, der eine 2rg-Re­gie­rung ermögli­chen würde, agie­ren, hängt da­von ab, ob mit der Wahl­kam­pa­gne ein Wan­del in der öffent­li­chen Mei­nung und im po­li­ti­schen Kli­ma ein­ge­tre­ten ist. Mit ei­ner vor­zei­ti­gen Po­si­tio­nie­rung fal­len wir nicht nur den PDL-Ge­nos­sen in den Rücken, die da­vor war­nen, dass die PDL in der Re­gie­rung ver­schlis­sen wird und auf die­sem Weg den Rech­ten und Fa­schis­ten wei­te­rer Auf­trieb ver­schafft wird.

KAZ-Frak­ti­on Aus­rich­tung Kom­mu­nis­mus

Autor

KAZ Fraktion Ausrichtung Kommunismus

22. Parteitag – Leitantrag

22. Parteitag – Leitantrag

Der Leitantrag zum 22. Parteitag: "Die Offensive des Monopolkapitals stoppen."

22. Parteitag – DKP stärken

22. Parteitag – DKP stärken

Die DKP stärken
Antrag an den 22. Parteitag der DKP

Nächste Termine

UZ-Pressefest 2018

UZ-Pressefest 2018

Neueste Beiträge