Nachrichten
0

Die gegensätzlichen Parteien waren klar in der Klassenauseinandersetzung positioniert.: Auf der einen Seite einer der größten Service-Konzerne der Welt, die Klüh Service Management GmbH, mit einem Jahresumsatz von 770 Millionen Euro. Auf der anderen 168 Putzfrauen und –männer, die im Airport Düsseldorf wischen, fegen und putzen. Ihre Arbeitsplätze sind nach Sylvester das Papier wert, auf dem sie unterzeichnet wurden.

Seit mehreren Wochen gibt’s Streik; mal in der Abflughalle, mal im Ankunftsterminal, mal vor dem Verwaltungsgebäudes der Flughafen GmbH. Aber die Herren sind nicht gesprächsbereit. Nicht Klüh, nicht Dr. Sassen (München) als Nachfolgeunternehmen von Klüh. Nur der Aufsichtsratsvorsitzende des Auftraggebers Flughafen GmbH, Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD), zeigte sich gesprächs-, aber wenig durchsetzungsbereit.

Die Flughafenleitung hätte bei ihrer Ausschreibung des Reinigungsauftrages als Voraussetzung für einen Vertragsabschluss diktieren können, dass die Arbeitsplätze erhalten werden müssen. Darauf wurde „verzichtet“.

So still sich die Herrschaften bislang verhielten, so laut wurde es wenige Tage vor Weihnachten – am Dienstag, 19. Dezember – vor der Düsseldorfer Klüh-Zentrale Am Wehrhahn 70. Mit Eimern und Putzzeug „bewaffnet“ drang ein Stoßtrupp ins Foyer des mondänen Bürogebäudes ein, bevor die konzerneigene Security die Türen verrammeln konnte. Die Schlachtreihe war allerdings so stark, dass niemand der Männer und Frauen, der Gewerkschafter von der IG BAU und keiner von den solidarischen Sympathisanten, darunter Vertreter der DKP, wieder aus dem Haus auf die Straße gedrängt werden konnte.

Transparente, Schilder und laute Sprechchöre forderten den Erhalt der Arbeitsplätze, die Rücknahme der Kündigungen und Anschlussverträge durch die Dr. Sasse AG. Solidaritätsadressen gab es aus der „Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen“ in der SPD, von der Linkspartei und von Peter Lommes, Sprecher der DKP Rheinland-Westfalen.

Der Sturm auf den Weltkonzern war ein gelungener Überraschungscoup mit einem breiten Medienecho. Ein Sieg war es noch nicht. Mahir Sahin, Gewerkschaftssekretär der IG BAU, kündigte an, dass der Kampf fortgesetzt werde: „Wir kommen wieder. Wenn es sein muss jeden Tag!“

Uwe Koopmann