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Am 28. August fand in Holany (Tschechische Republik) anlässlich des 80. Jahrestags des sogenannten „Münchner Abkommens“ eine Demonstration und Konferenz der KSCM statt, zu der die DKP eingeladen war. Ergebnis der Veranstaltung ist die nachfolgende gemeinsame Erklärung. Die UZ wird in ihrer nächsten Ausgabe berichten.

Holany, wo wir uns Jahr für Jahr treffen, ist erst vor 80 Jahren in die Geschichte eingegangen. Am 28. August 1938 fand hier die größte tschechisch-deutsche Demonstration gegen Faschismus und Krieg statt. Bohumír Schmeral, der Führer der tschechoslowakischen Sozialdemokratie und später auch der Gründer der Kommunistischen Partei, sprach vor dreißigtausend Teilnehmern. Das Münchner Diktat kam einen Monat später, weshalb aus dem tschechischen Grenzgebiet über 300 000 Tschechen ihre Heimat verloren. Das „Protektorat“ der Terroristen besetzte ganz Böhmen und Mähren. Insgesamt wurden 360.000 Tschechoslowaken Opfer von Repressionen und Völkermord. Hitlers „Endlösung“ plante, Millionen zu töten.
Jeden deutschen Antifaschisten rühmen wir mit Bewunderung. Die meisten Deutschen in der Tschechoslowakei übernahmen damals jedoch die Rolle der „fünften Kolonne“ Hitlers. Viele haben auch an Nazi-Verbrechen teilgenommen. Ihre Umsiedlung wurde von den Mächten beschlossen, die die Anti-Hitler-Koalition anführten. Dafür Böhmen verantwortlich zu machen, ist feige. Gerade die sogenannten „Benesch-Dekrete“ der Potsdamer Entscheidung der Alliierten ermöglichten einigen Deutschen den Verbleib in der Tschechoslowakischen Republik. „Sudetendeutsche“ Vereine, verwirrende Opfer und Täter, sind kein Partner für die tschechischen und deutschen Demokraten. Umso mehr waren die einen sowie die anderen empört, als Angela Merkel von „Vertreibung ohne Genehmigung“ sprach. Die Versammlung vor der deutschen Botschaft forderte Kanzlerin zur Verabschiedung eines die „Sudetendeutsche Lüge“ sanktionierenden Gesetzes auf, entsprechend der „Auschwitz-Lüge“. Der Brief, der dem deutschen Botschafter übergeben wurde, informiert sie auch über den Gedenktag zur Vertreibung der Tschechen aus dem tschechischen Grenzgebiet. Für Patrioten und Antifaschisten ist das Datum der Tag der Münchener Demütigung. Je mehr beide Initiativen auch im Ausland breitere Unterstützung finden, umso mehr wird dadurch die Position der Antifaschisten gegen die jetzigen Kriegstreiber gestärkt.
Das Regime des totalitären Terrors wurde insbesondere von der Sowjetunion zerschlagen. Gerade vor den Toren Russlands werden mit der gleichen Demagogie auch heute die Waffen zusammengezogen. Russland will keine Feindbilder. Gegner der Aufrüstung werden als „Agenten Moskaus“ bezeichnet. Es ist auch zurück das eigentliche Ziel der Münchner Politik – die Unterstützung von Terroristengesindel, die die schmutzige Arbeit für „liberale Eliten“ zu machen haben. Sie sponsern es sowohl in der Ukraine als auch in anderen Ländern entlang der russischen Grenze, gegen Syrien und gegen andere Hindernisse für die imperialistische Hegemonie. Aggression für „Regimewechsel“ grenzt an eine Reihe von Kriegsverbrechen. Er erzeugt humanitäre Katastrophen und Migrationswellen, die seit der Niederlage des Faschismus beispiellos sind. Es ist ein Spiel mit dem Feuer. Im Atomzeitalter droht die Apokalypse. Man unterdrückt die Souveränität und den Wohlstand Europas. Es soll hauptsächlich den Kräften die Hände gebunden werden, die aus den Zivilisationsfallen des Kapitalismus herauswollen.
Wenn die mächtige Stimme, die sowohl auf Tschechisch als auch auf Deutsch in Holany erklang, gehört worden wäre, hätte der beängstigendste aller Kriege noch vermieden werden können; der Münchner Verrat hat jedoch grünes Licht gegeben. Nach 80 Jahren sendet er eine dringendere Botschaft als je zuvor. Umso monströser sind Zensur und Fälschung. Umso entschiedener ist die Aufgabe, weiter zu geben was in Wirklichkeit zu sagen ist; die Kriegshetzer müssen angeklagt werden. Diejenigen, die das verstehen, dürfen nicht wieder unterliegen.

Die DKP hielt dabei folgenden Redebeitrag:

80. Jahrestag des Münchener Abkommens

Das „Abkommen zwischen Deutschland, dem Vereinigten Königreich, Frankreich und Italien, getroffen in München, am 29. September 1938“, auch Münchener Abkommen genannt, besiegelte die Zerschlagung der damaligen Tschechoslowakei. Das faschistische Deutschland hat sich ein Drittel des Territoriums der souveränen Tschechoslowakei rechtswidrig einverleibt. Das war konkret: 80 Prozent der Energievorräte, 50% ihrer Leicht-und 25% ihrer Schwerindustrie sowie die wesentlichen Anlagen der Landesverteidigung wurden geraubt.
Dem betroffenen Staat selbst, der Tschechoslowakei, haben die imperialistischen Mächte die Teilnahme an der Konferenz verwehrt! Damit wird das imperialistische Wesen der kapitalistischen Gesellschaftsordnung der beteiligten Staaten ebenso sichtbar wie es in neuester Zeit die Zerschlagung und der Krieg gegen den jugoslawischen Staat war. Der Imperialismus mag sein taktisches Vorgehen ändern und anpassen, sein Wesen und sein Charakter sowie das Wesen seiner Politik bleiben.
Deshalb dürfen wir auch nicht vergessen: Der Münchener Politik der imperialistischen Mächte folgte der zweite Weltkrieg! Seine Vorbereitung begann aber schon viel früher. Man versuchte, sie zunächst „unmerklich“, „gleitend“ zu gestalten. Bis zum Beginn des Krieges sollte versucht werden, das Deutsche Reich durch Eroberungen ohne Krieg zu vergrößern, um so die strategische Ausgangslage für die militärischen Auseinandersetzungen zu verbessern. Gleichzeitig wollte man auch seine „Verbündeten“ von München gegeneinander ausspielen. Zur Irreführung der Bevölkerung und zur allgemeinen Beruhigung wurden solche aggressiven Schritte als „Friedenstaten“ gepriesen. Zugleich hat man mit der weiteren geistigen Abrichtung der Masse der Menschen auf den Krieg unausweichlich die Eskalation rassistischer und nationalistischer Propaganda betrieben. So wurden Voraussetzungen für den Kurs der Kopplung von Massendemagogie mit Massenterror geschaffen, eine Methode, die nicht neu war und bis heute nicht aufgegeben wurde.
Als das Münchener Abkommen unterzeichnet wurde, war schon klar, „dass der Krieg im Osten mit einer überraschenden deutschen Operation gegen die Tschechoslowakei beginnen“ kann. (Geheime Kommandosache, Weisung für die einheitliche Kriegsvorbereitung der Wehrmacht – gültig vom 1.7.1937 bis voraussichtlich 30.9.1938. Zitiert nach: Der Nürnberger Prozess, Bd. II, Berlin 1960, S. 131) Der Sinn des Abkommens wurde damit begründet, dass „die politischen und völkerrechtlichen Voraussetzungen für ein derartiges Handeln… v o r h e r geschaffen sein (müssen)“. (Ebenda)
Die Münchener Konferenz war also Bestandteil eines langfristigen Planes: „Das E n d z i e l besteht in einem planmäßig im Frieden vorbereiteten s t r a t e g i s c h e n Ü b e r f a l l auf die Tschechoslowakei, der ihre Befestigungen überraschend zu Fall bringt, ihre Wehrmacht noch in der Mobilmachung fasst und zerschlägt, und in Ausnutzung der völkischen Zersplitterung die Tschechoslowakei in kurzer Zeit zum Erliegen bringt.“ (Ebenda, S. 132) Zweck und Ziel bestand also darin, durch den Überfall der deutschen Wehrmacht, „durch Zerschlagen der feindlichen Wehrmacht und Besetzen von Böhmen und Mähren die Rückendeckung durch die Tschechoslowakei für den Kampf im Westen auf die Dauer des Krieges von vornherein auszuschalten und der russischen Luftwaffe den wesentlichsten Teil ihrer Operationsbasis in der Tschechoslowakei zu entziehen“. (Ebenda)
Deutlich wird: der Überfall auf die Tschechoslowakei im März 1939 war zum Zeitpunkt der Unterzeichnung des Münchener Abkommens längst beschlossene Sache. Die Konferenz war vollständig der Expansion des deutschen Kaptals und den Kriegsoperationen des deutschen Imperialismus untergeordnet.
Das Komplott des deutschen Kapitals mit den Faschisten wird sichtbar aus dem Glückwunsch-Telegramm der damaligen IG Farben vom 11. Oktober 1938, in dem es hieß: „Tief beeindruckt von der Heimkehr Sudetendeutschlands ins Reich, die Ihr Werk ist, mein Führer, stellt die IG-Farbenindustrie Ihnen für den Sudetengau den Betrag von einer halben Million Reichsmark zur freien Verfügung. Hermann Schmitz“ (Zitiert nach: Erich Paterna, Das historische Recht zur Führung der Nation, Dokumente, Berlin 1962, S. 132)
Zwei Elemente traten ebenfalls deutlich hervor: 1. Das Bestreben der Westmächte, die deutsche Aggression nach Osten zu lenken, und 2. ihr Entschluss, Deutschland für die Verpflichtung, nicht mit England oder Frankreich, sondern gegen die UdSSR Krieg zu führen, mit der Tschechoslowakei zu entschädigen und so zugleich das deutsche militärische Potenzial zu stärken.
Die KPD hat im Oktober 1938 erklärt: „Hitlers Hintermänner sind die alten Kriegstreiber von 1914, die Millionäre und Rüstungsgewinnler. Hitler setzt mit faschistischen Gewaltmethoden die verhängnisvolle alldeutsche Eroberungspolitik fort, die im Jahre 1918 zur Niederlage und zu Versailles führte. Hitler will Herr im Hause der anderen Völker sein! Darum seine kriegerische Einmischung zugunsten Francos in Spanien, darum seine Zerstückelung und Unterjochung der Tschechoslowakei!“ (Erich Paterna, …)
Im Rahmen des Strebens nach Ausbau einer dominierenden Position des deutschen Kapitals in Osteuropa, darunter auch in der Tschechoslowakei, und der ihm dienenden Politik arbeitet die deutsche Außenpolitik seit 1989/1990 in zunehmendem Maße daran, europaweit eine „Volksgruppen“-Politik zu verwirklichen. Dazu gehört auch ihr förderndes Verhältnis zur Sudetendeutsche Landsmannschaft. Im Sinne ihrer Ziele wird das historische Geschehen von vor 80 Jahren bewusst verzerrt und die Urheberschaft des Geschehens sowie die Verantwortung dafür verfälscht. Die Sudetendeutsche Landsmannschaft hat im Zuge dieser Entwicklung zwar vordergründige Veränderungen an ihrer Satzung vorgenommen, sie hat sich jedoch nicht von der Ideologie und Politik des faschistischen Deutschlands distanziert. Der Geist der „Ostforschung“ ist allgegenwärtig und politisch reaktivierbar!
Angesichts der gegenwärtig sich entwickelnden Situation in Europa, und besonders in Osteuropa und an den Grenzen rund um Russland, sollten wir diese Erfahrungen nicht unberücksichtigt lassen und sie immer wieder mobilisierend in unsere und in die Erinnerung aller Menschen rufen!

Von Anton Latzo, gehalten von Gustl Ballin