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Wer hat nicht schon von Unabhängigkeit geträumt? Solo-Selbstständige wagen den Sprung in die Freiheit. Sie haben weder Vorgesetzte, noch Angestellte. Sie arbeiten in der Kultur- oder Medienbranche, in der Weiterbildung, im Handwerk oder in der IT. Wie viel, wann und wo sie arbeiten, können sie meist frei wählen. Aber wirklich frei sind sie dadurch nicht.

Sie unterliegen neuen, anderen Zwängen: Betrieblicher Schutz fällt weg. Betriebsvereinbarungen und Tarifverträge gelten nicht. Für den Krankheitsfall und das Alter müssen sie selbst vorsorgen. Aufträge und Verträge müssen sie immer wieder neu aushandeln – und nicht selten müssen sie schlechte Honorare oder Bedingungen schlucken, um ihre Auftraggeber nicht zu verlieren. Vollkommen wehrlos sind sie trotzdem nicht.

Härter arbeiten ist das neue „Jeder ist seines Glückes Schmied“. Gewerkschaften sehen dagegen im gemeinsamen Handeln die Stärke in der Arbeitswelt Foto: Jordan Whitfield/unsplash.comHärter arbeiten ist das neue „Jeder ist seines Glückes Schmied“. Gewerkschaften sehen dagegen im gemeinsamen Handeln die Stärke in der Arbeitswelt

Rund 30.000 Solo-Selbstständige sind in ver.di organisiert. Mit gewerkschaftlicher Unterstützung lassen sich die Rahmenbedingungen auch für sie verbessern. ver.di setzt sich für Gute Arbeit ein und zwar nicht nur für die Menschen in den Betrieben, sondern auch für Solo-Selbstständige.

Prekäre Arbeit

Die gewerkschaftliche Unterstützung ist auch bitter nötig. Denn laut einer Studie des Arbeitssoziologen Hans Pongratz von der Ludwig-Maximilians-Universität München und ver.di zur Erwerbssituation von Solo-Selbstständigen, sind viele von ihnen in wirtschaftlich prekärer Lage. Da die Solo-Selbstständigkeit in Zukunft vermutlich weiter zunehmen wird, muss jetzt schnell etwas getan werden.

Ein Blick in die Auswertung zeigt: Obwohl die meisten der rund 800 an der Umfrage beteiligten ver.di-Mitglieder außerordentlich gut qualifiziert sind, bringt die Selbstständigkeit für sie auch in Vollzeit oft nur bescheidene Erträge. Über ein Fünftel der Vollzeiterwerbstätigen verdient weniger als 1.000 Euro brutto im Monat. Dementsprechend nennen die Befragten als größte Herausforderungen, ein regelmäßiges und ausreichendes Einkommen zu erzielen und sich für Krankheit, Alter und Auftragslosigkeit abzusichern.

Als Strategie, um sich die gewünschte Profession leisten zu können, lassen sich Solo-Selbstständige auf unterschiedliche Erwerbsformen parallel oder im zeitlichen Wechsel ein. So ist die Zahl derjenigen hoch, die zusätzlich zu einem Angestelltenverhältnis oder auch in Kombination mit anderen Einkommensquellen als Selbstständige arbeiten. „Diese sogenannte Erwerbshybridisierung ist ein neuer Trend“, sagt Sarah Bormann, bei ver.di für das Projekt Cloud und Crowd zuständig.

Der Rahmen muss stimmen

Von ver.di wünschen sich Solo-Selbstständige, dass die Gewerkschaft Einfluss auf politische Regelungen nimmt, die ihnen nützen. Auch soll sie bei Fragen der Honorarordnung und der Vernetzung mit anderen Solo-Selbstständigen helfen. Viele Solo-Selbstständige sind gewerkschaftlich aktiv. Sie sehen sich auch nicht als Konkurrenz zur festen Belegschaft. So fordert ein Teilnehmer der Umfrage „Wertschätzung, dass ich stark gewerkschaftlich orientiert arbeite, statt Missachtung wegen angeblicher Konkurrenz.“ Zudem wünschen sich Solo-Selbstständige in der Gesellschaft eine gleichberechtigte Anerkennung ihrer Erwerbsform als Selbstständige im Vergleich zu abhängig Beschäftigten.

Der stellvertretende ver.di-Vorsitzende Frank Werneke nannte als Ziel, die Freiheit der Solo-Selbstständigen gegen neue Formen der Abhängigkeit und wirtschaftliche Zwänge zu verteidigen. „Mit der Herstellung von Markttransparenz und Kollektivität wollen wir dem für viele Selbstständige existenzgefährdenden Unterbietungswettbewerb entgegenwirken.“