DKP in Aktion
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Wir trauern um unseren Genossen Günter Judick, der am 23. Februar im Alter von 87 Jahren nach langer schwerer Krankheit verstorben ist. Mit Günter Judick verliert die DKP einen treuen Kommunisten, der in seiner frühen Jugend
Krieg und Faschismus erleben musste und auf dem Hintergrund dieser Erfahrungen sein ganzes weiteres Leben unermüdlich dafür gekämpft hat, die Herrschaft des deutschen Imperialismus und Militarismus, die diese Geißeln der Menschheit hervorgebracht haben, durch eine auf Gemeineigentum und die Macht des arbeitenden Volkes gründende Gesellschaftsordnung, den Sozialismus, zu überwinden.

Günter wurde am 15. Dezember 1929 in Tönisheide als Kind einer Arbeiterfamilie geboren. Nach Abschluss der Schule arbeitete er zunächst in Metallbetrieben, später als Redakteur und hauptamtlicher politischer Funktionär. An der Humboldt-Universität in Berlin (DDR) absolvierte er neben seiner beruflichen Tätigkeit ein Fernstudium, das er 1971 als Diplom-Historiker abschloss.

Günter war ein Vorbild für kommunistische Massenarbeit. Er organisierte sich als Metallarbeiter selbstverständlich in seiner Gewerkschaft IGM-Metall und ist ihr bis zu seinem Tode treu geblieben. Viele Jahre wirkte er als Mitglied der Vertreterversammlung der IG-Metall in Velbert, er wirkte in der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit mit und stellte ihr seine Fähigkeiten als Historiker zur Verfügung. Ausdruck dafür war auch seine 1991 im PapyRossa-Verlag, Köln erschienene Studie „Ihr sollt die Kraft von dem Verband noch lange Zeiten spüren! Aus 100 Jahren Geschichte der IG-Metall Velbert.“ Neben der Gewerkschaft war Günter in der Naturfreunde-Bewegung aktiv und auch in der Kommunalarbeit. So vertrat er von 1999 bis 2004 die offene Liste der PDS im Stadtrat von Velbert.

Günters politisches Wirken in der kommunistischen Bewegung begann unmittelbar nach Ende des zweiten Weltkrieges. Schon 1945 wurde er Mitglied der KPD und dann auch der Freien Deutschen Jugend. In beiden Organisationen übte er sowohl während ihres legalen Wirkens als auch nach ihrem Verbot durch das Adenauer-Regime wichtige Funktionen auf verschiedenen Ebenen aus. 1968 wurde Günter Mitglied der neukonstituierten DKP und bald darauf Mitarbeiter im Referat Theorie und marxistische Bildung beim Parteivorstand. Hier hat er aktiv an der Ausarbeitung von Konzepten für die marxistische Bildungsarbeit und deren Umsetzung mitgewirkt, war Autor verschiedener Bildungshefte, insbesondere zu Themen der Geschichte der Arbeiterbewegung. Günter war lange Jahre wegen seiner großen Kenntnisse und seiner geduldigen Art, komplizierte Fragen einfach und verständlich zu erklären, ein gern gesehener Referent in Partei-Versammlungen und an der Karl-Liebknecht-Schule.

Günters Leidenschaft galt der Erforschung und Vermittlung der Geschichte der revolutionären Arbeiterbewegung. Das hat seinen Niederschlag im langjährigen Wirken als Vorsitzender der Geschichtskommission der DKP und in zahlreichen Publikationen als Autor oder Mitautor von Dokumentenbänden, Büchern, Zeitschiften- und Zeitungsartikeln gefunden. Darin hat sich Günter als kritischer und selbstkritischer Geist gezeigt, der um Probleme und dunkle Seiten in der Geschichte der kommunistischen Bewegung keinen Bogen gemacht hat. Dafür stehen u.a. die Einleitungen zu den gemeinsam mit Josef Schleifstein und Kurt Steinhaus herausgegebenen Dokumentenbänden „KPD 1945 – 1968“ sowie zu dem zusammen mit Kurt Steinhaus herausgegebenen Band „Stalin bewältigen. Sowjetische Dokumente der 50er, 60er und 80er Jahre.“

DKP-Bezirksvorstand Rheinland-Westfalen
DKP-Parteivorstand
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Die März-Ausgabe des Gießener Echo als PDF

Aus dem Inhalt:

Die Macht des Kapitals brechen       S.2

Veranstaltung 70 Jahre VVN-BdA         S.3

Uni-Klinikum/EU winkt CETA durch                      S.4

„Schwanenstrand…“/Umweltzone              S.5

Buchtipp: H. H. Holz/Ostermarsch                          S.6

Frauenkampftag/Eritra: FGM-Verbot   S.7

Wer sind die Gefährder?/Termine     S.

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Abschied von Rolli

Trauerrede für Rolf Priemer am 17. Februar 2017 in Bonn

Redner: Artur Moses

rolf-priemer-2017 Rolf Priemer ist am 29. Januar im Alter von 76 Jahren nach längerer Krankheit in Bonn verstorben.

Wir nehmen heute zusammen Abschied von Rolf.

Liebe Raja, lieber Falk, lieber Timo,

verehrte Angehörige der Familien de Fries, der Familien Bernard, liebe Christel, liebe Freundinnen und Freunde, werte Bekannte von Raja und Rolf, liebe Mitstreiter und Mitstreiterinnen, liebe Genossinnen und Genossen:

Von einem geliebten und geachteten Menschen Abschied zu nehmen ist immer schmerzhaft und immer mit den beiden Fragen verbunden: Was war und was wird bleiben?

Auf diese Fragen sind Antworten aus verschiedenen Perspektiven möglich:

Aus gesellschaftspolitischer Sicht, aus der Perspektive von Organisationen und von Bewegungen, mit denen Rolf verbunden und in denen Rolf aktiv war. Aus der Perspektive der Familie, der Lebensgefährtin und der Söhne. Aus der Perspektive von Freunden und Kampfgefährten.

Rolf wurde am 15. November 1940 in Bremen geboren.

Rolf´s Kindheit war geprägt von der Zeit des vom deutschen Imperialismus angezettelten Weltkrieges und durch den schon seit 1933 andauernden faschistischen Terror des Nazi-Regimes gegen die Arbeiterbewegung.

Die Mutter, Lisbeth, musste ihre beiden Kinder alleine erziehen. Sie musste arbeiten, um ihre Familie durch zu bringen. Sie übernahm Verantwortung und Arbeit im Kampf gegen das Nazi-Regime.

Unter solchen Bedingungen gab es kein unbeschwertes Familienleben, es gab sicherlich zu wenige fröhliche Kindheitstage.

Die Kinder waren oft auf sich alleine gestellt und Rolf fiel es als dem Älteren zu seinen jüngeren Bruder zu betreuen und zu versorgen.

Nach der Befreiung vom Hitler-Faschismus erlebte die Familie den Beginn des Kalten Krieges und den damit aufkommenden Antikommunismus.

Vielleicht waren es diese harten Lebensbedingungen in seiner Kindheit, die Rolf nachhaltig in seiner Persönlichkeit geprägt haben.

Er erlernte ab 1956 den Beruf des Schriftsetzers. 1957 wurde er Mitglied der Gewerkschaft.

Schon früh war Rolf politisch aktiv geworden. 1960 war er in die widerrechtlich verbotene KPD eingetreten. Als Mitglied der KPD arbeitete Rolf daran mit, Kontakte der Kommunisten in die Gewerkschaften und in die Jugend zu knüpfen.

Rolf war aktiv in den linken Clubs 59, 64 und im Club elan. 1962 bekam er ein Volontariat bei der Jugendzeitschrift „elan“, 1964 wurde er Redakteur und später deren Chefredakteur.

Es entwickelte sich seine große Leidenschaft für das Schreiben.

Rolf wurde ein „68ziger“ in und mit der Arbeiterjugendbewegung.

Dieter Keller war ein Mitbegründer der SDAJ.
Ich bat ihn seine Erinnerungen fest zuhalten. Er schrieb mir dazu:

„Am 28. Januar 1968 wandte sich ein Gründungsausschuss von jungen Lehrlingen, Arbeitern und Angestellten, von Gewerkschafter*innen, Kommunist*innen, Sozialist*innen und anderen linken demokratischen, jungen Menschen, mit einem „Aufruf zur Gründung einer revolutionären sozialistischen Jugendorganisation“ an die Jugend unseres Landes. Daraus hervor ging die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ). Gegründet am 4./5. Mai 1968, dem 150. Geburtstag von Karl Marx.

Die damalige Zeit war geprägt von einer Aufbruchstimmung unter der Jugend, nicht nur der studierenden, sondern auch der arbeitenden und lernenden Jugend. Große Teile der damals rebellierenden Jugend wollten mehr als nur Protest. Sie suchten nach Wegen zur Veränderung der bestehenden gesellschaftlichen und ökonomischen Verhältnisse im Land. Es ging auch darum den Adenauer-Mief in der BRD auszulüften.

Am Samstag nach ihrer Gründung trat die SDAJ erstmals öffentlich beim Marsch der 80000 gegen die Notstandsgesetze im Bonner Hofgarten auf.

Im Sommer 1968 nahm die SDAJ erstmals an den Weltfestspielen der Jugend und Studenten in Sofia teil und erntete viel internationale Aufmerksamkeit und Anerkennung“.

Dieter weiter: „Rolf war von 1968 bis 1974 Vorsitzender der SDAJ. Seine Führungsarbeit war von einem konsequenten Standpunkt, von klarem Sachverstand und Sachlichkeit geprägt. Er konnte vor allem komplizierte Fragen und Angelegenheiten in kurzen Worten auf den Punkt bringen. Er versuchte immer unterschiedliche Standpunkte zusammen zu führen. Darin lag eine besondere Fähigkeit von Rolf.

Zwischen uns entstand eine tiefe Freundschaft.

Der Aufbau und die Entwicklung der SDAJ wurde zur Erfolgsgeschichte. Sie war sicher das prägendste und nachhaltigste Ereignis in Rolf´s politischer und persönlicher Entwicklung.“

Soweit Dieter. Dieter war nach der Gründung stellvertretender Bundesvorsitzender der SDAJ.

Von Sonja Gottlieb hören wir jetzt das Lied der Weltjugend.

Die SDAJ, die Rolf mitgegründet und geführt hat, war eine Organisation, deren Mitglieder gekämpft haben: In den Jugendzentren, in der Lehrlings- und Schülerbewegung; antimilitaristisch in und außerhalb der Bundeswehr; solidarisch mit Vietnam, Kuba, Nicaragua, mit den Befreiungsbewegungen in Afrika, aktiv für die Anerkennung der DDR. Die SDAJ war eine antifaschistische Jugendorganisation.

Mit den fünf Grundrechten für die Jugend wurden jugendpolitische Meilensteine gelegt.

Viele junge Arbeiter und Schüler entwickelten sich in und mit der SDAJ zu selbstbewussten Persönlichkeiten. Sehr viele wurden Kommunisten.

In einer von Wolfgang Gehrcke initiierten Trauer-Anzeige in der Zeitung „Junge Welt“ brachten KampfgefährtInnen aus dieser Zeit zum Ausdruck: „Wir wollen das Andenken an Rolf als Teil unserer politischen Biographien und als Teil der bewegten deutschen Geschichte bewahren.“

Nach seinem Ausscheiden aus der SDAJ 1974 übernahm Rolf mit seinen Erfahrungen verantwortungsvolle Aufgaben in der Führung, im Präsidium und Sekretariat der DKP. Er war verantwortlich für die Verbindung der DKP zur SDAJ, dem MSB Spartakus und der Sozialistischen Kinderorganisation Junge Pioniere und zu anderen fortschrittlichen Teilen der Jugend.

1978 kam Rolf ins Saarland wurde zum Bezirksvorsitzenden der DKP gewählt.

In diesem von der Arbeiterklasse stark geprägten Land deuteten sich tiefgreifende sozialökonomische Umbrüche an. Die folgenden Jahre waren bestimmt durch den Kampf um Arbeitsplätze und Werksstandorte im Saarland. Zehntausende Stahlarbeiter gingen auf die Straße.

Die Belegschaft von „Heckel“ in Saarbrücken hielt wochenlang ihren Betrieb besetzt. In Neunkirchen traten Jugendliche mehrere Tage in einen Hungerstreik.

„Für das Recht auf Arbeit – Zukunft sichern! 80 000 Arbeitsplätze und Lehrstellen im Saarland schaffen“ hieß es in einem Sofortprogramm der DKP.
Rolf hat hier mit seinen Kollektiven und seiner Partei Ausrufezeichen für eine demokratische und soziale Landesentwicklung der DKP gesetzt.

Er war maßgeblich am Aufschwung der außerparlamentarischen Bewegungen im Saarland beteiligt: Mit einer starken Orientierung auf den Krefelder Appell; dem Einklinken in die Anti-AKW-Bewegung, besonders gegen das AKW Cattenom, was ja nicht einfach war. Er entwickelte viele neue Ideen kommunistische Politik massenwirksamer umzusetzen. Rolf unterstützte besonders umfangreich die SDAJ und die Jungen Pioniere im Bezirk.

Die DKP gewann mehr Einfluss, viele neue Mitglieder und kommunale Mandate.

Wir hören jetzt von Sonja „Es ist an der Zeit…“

Rolf konnte zuhören. Rolf gab immer Raum für Varianten in der Entwicklung kommunistischer Politik und war auch offen für Experimente, für das mal Ausprobieren. „Dann machen wir es so“ – so beendete er viele Gespräche.

Bezeichnend war sein Drängen, ja sein nachdrückliches Einfordern, sich immer den neuen Fragestellungen und Herausforderungen der gesellschaftlichen Realität zu stellen.

Meine persönliche politische Entwicklung und vieler junger Kommunisten ist sehr stark durch diesen Politikstil mitgeprägt worden.

Rolf hat mit der DKP im Saarland vieles mitbewegt und mit verändert. Vor allem die Veränderung des politischen Klimas. Es gelang die Ablösung der erzkonservativen CDU aus der Landesregierung. Die folgende Landesregierung unter Oskar Lafontaine setzte viele fortschrittliche Akzente. Als eine erste Maßnahme wurden die undemokratischen Berufsverbote beendet.

Ich kannte Rolf aus der SDAJ. Ab 1969 war ich Landesvorsitzender im Saarland und im Bundesvorstand der SDAJ. Näher lernten wir uns aber erst im Saarland kennen. Wir wurden keine Kumpanen, sondern es entwickelte sich eine stabile, politische und persönliche Freundschaft. Wir hatten Vertrauen zueinander. Wir waren immer in Kontakt. Immer. Rolf war für mich immer ein sehr solidarischer Gesprächspartner und wertvoller Ratgeber.

1986, nach 9 Jahren im Saarland, wurde Rolf mit seinen vielen Erfahrungen überraschend wieder in die zentrale Arbeit, als Verantwortlicher für Landes-, Kommunal- und Wahlpolitik ins Bonner Büro der DKP berufen.

Im Saarland war die Partei geschockt, denn Rolf hatte sehr großes Ansehen in der Partei und weit darüber hinaus. Er war sehr beliebt und wurde sehr geschätzt.

Wir benötigten über Nacht einen neuen Bezirksvorsitzenden. Ich musste nun ran.

1989/1990 erlebte Rolf das zunächst Unfassbare: Der Zinsammenbruch und die Zerschlagung des Sozialismus in Europa. Die DKP kämpfte ums Überleben.

Heinz Stehr erinnert sich und schrieb mir dazu:

„Als wir 1989 von der Parteiführung der DKP um Herbert Mies und Ellen Weber gefragt wurden, ob wir uns eine zentrale Führungsverantwortung für die DKP unter gänzlich veränderten politischen und organisationspolitischen Bedingungen zutrauen würden, war für mich klar es ging nur mit (!) Rolli. Er war der erfahrenste unter uns, er war weit länger in der Führungsarbeit der DKP tätig als wir.

Helga, Anne, Rolf und ich sagten „Ja“, ohne richtig ermessen zu können was das bedeutete.

Als wir den Umfang der Herausforderung begriffen, wurde uns Angst und Bange. Rollis realistische Einschätzung war: Das geht nicht! Konsequent wie er war, zog er sich zurück.

Ich hatte ihn noch einmal aufgesucht, um mit ihm gründlich zu diskutieren, und tatsächlich es gelang: Wir einigten uns es gemeinsam zu versuchen….

Später wurde ich durch Rolf als Vorsitzenden der DKP vorgeschlagen, was ich bis 2010 war. Rolf war stellvertretender Vorsitzender der DKP und erklärte sich bereit die Chefredaktion der UZ zu übernehmen.

Rolf hat immer die politischen Ziele als Maßstab auch für persönliche Entscheidungen gewählt.

Fest steht: Ohne ihn, hätte vieles nicht gelöst werden können, die Stabilisierung der Partei, die Existenz der UZ, das neue Statut und Programm. Wir und ich sind ihm zu großen Dank verpflichtet.“

Soweit Heinz.

Liebe Angehörige, liebe Freunde, liebe Genossinnen und Genossen,

ich habe aus dem riesigen Personenkreis, die Rolf kannten, 10 Menschen gebeten, kurz und knapp etwas über oder zu Rolf zu schreiben. Wenn möglich in zwei Zeilen! Alle taten sich schwer, dies in dieser Kürze ausdrücken zu können, war doch die Begegnung mit Rolf mit vielen Eindrücken, Erlebnissen und Facetten verbunden. Rudi Hechler schrieb mir, er habe deswegen die ganze Nacht nicht geschlafen. Walter Listl schrieb mir entsetzt: „Ein Erinnern an Rolli in zwei Zeilen – mein Gott, geht´s nicht noch schwieriger?“

Alle haben es dennoch versucht.

Sonja Schmid aus München, die Rolf schon vor der SDAJ über den Münchner „Drei-Groschen-Club“ kennenlernte und Gründungsmitglied der SDAJ, schrieb mir:
„Rolli besuchte mich …, um mit mir die Idee eines zentralen Jugendverbands zu besprechen. Es dauerte nicht lange, und die SDAJ wurde gegründet. In all den Jahren seitdem fühlte ich mich eng verbunden mit Rolf.“

Michael Maercks, Gründungsmitglied des MSB-Spartakus und danach stellvertretender Bundesvorsitzender, erinnert sich an den Gründungskongress des MSB:
„SDAJ und MSB tun den Monopolen weh – das riefen die Delegierten. Wahrscheinlich war diese Losung sogar von Rolli, der sich immer für den gemeinsamen Kampf von studentischer und Arbeiterjugend eingesetzt hat.“

Dirk Krüger aus Wuppertal, von 1975 an mehrere Jahre Vertreter der SDAJ beim Weltbund der demokratischen Jugend in Budapest:
„Rolf´s Klugheit und seiner Beharrlichkeit ist zu verdanken, dass wir 1973 die politisch breiteste Jugend- und Studentendelegation zu dem Weltfestspielen in Berlin/DDR entsenden konnten. Ich konnte mich immer auf Rollis Rat und Hilfe verlassen“.

Walter Listl, aus München, erinnert sich:

„Rolli stand für antimilitaristische Arbeit der SDAJ in (!) der Bundeswehr. Die SDAJ gab zu Einberufungsterminen an Bahnhöfen und vor Kasernen an die neuen Rekruten Zeitungen heraus. Thema: „Deine Rechte als Soldat“. Soldat 70 wurde gegründet. Das hat mir und anderen damals 14 Tage Arrest eingebracht.“

Tina Sanders aus Hamburg, SDAJ-Vorsitzende von 2000 bis 2004, schrieb:
„….das besondere an Rolli für mich war, dass er immer ein offenes Ohr für mich hatte, wenn es um die SDAJ ging… Da war es ihm völlig egal, ob er die Orientierung gut fand oder nicht…Eben wie ich mir einen Genossen und Freund vorstelle.“

Wera Richter, heute stellvertretende Vorsitzende der DKP, lernte Rolf durch ein solidarisches Schulterklopfen nach einer nicht so geglückten Veranstaltung in Dortmund kennen und schrieb weiter:

„Ein Jahr später, nahm mich Rolli als Chefredakteur mit großem Vertrauen in die Redaktion der UZ auf. Ich solle nicht so lange Riemen schreiben, ansonsten würden wir uns schon gut verstehen, hatte er gesagt. So war es dann auch für viele Jahre. Rolli ist mir Vorbild geblieben.“

Nina Hager aus Berlin, 1992 in die DKP gekommen, traf Rolf im gleichen Jahr auf einer Veranstaltung zum 75. Jahrestag der Oktoberrevolution in Frankfurt/Main und erinnert sich:

„Ach, Du bist das“, war damals der kurze Kommentar von Rolli. Zu einer Unterhaltung kam es nicht. Er wollte wohl nur einen Eindruck gewinnen, was ich für ein „Vogel“ sei.
Kennen- und schätzen gelernt haben wir uns in der gemeinsamen Arbeit…Gelernt habe ich von seiner großen Parteierfahrung…Er fehlt auch mir sehr“.
Ellen Brombacher ehemalige Berliner Funktionärin der FDJ, lernte Rolf Anfang der 70er kennen. Sie schrieb: „Wir begegneten uns von Anbeginn mit freundschaftlichem Respekt. Und wir blieben Kommunisten – auch nach unserer historischen Niederlage.“

Michael Gerber, SDAJ-Aktivist und DKP-Stadtrat in Bottrop beschrieb eine ganz besondere Eigenschaft und Leidenschaft von Rolf:

„Wenn ich an Rolli denke sehe ich ihn schelmisch schmunzeln, wenn er von erfolgreichen Aktionen berichtete und manchmal dabei genüsslich eine dicke Zigarre qualmte.“

….ich (Artur),kann dies bestätigen. Er qualmte sie auch genüsslich, wenn wir nach Erfolgserlebnissen in „Boleys Bierstube“ in Saarbrücken so manches Glas Saarbrücker Pils tranken. Je größer die Erfolgserlebnisse, desto größer und zahlreicher die Gläser…

Rudi Hechler, jahrzehntelang DKP-Stadtrat im hessischen Mörfelden, der Rolf schon aus der elan-Zeit kannte, brachte es so auf den Punkt:

„Rolf war klug, sehr belesen, ruhig und höflich, sehr besorgt um die Partei, wir hätten ihn noch gebraucht…“

Ich danke allen für diese Reflexionen. Dank auch an Dieter und Heinz.

Rolf Priemer hatte ein bewegtes, kämpferisches und facettenreiches Leben. Rolf hat uns ein umfassendes Erbe hinterlassen. Vor allem mit seinem tiefen politischen Verständnis für kommunistische Politik- und Organisationsentwicklung.

Das politische Erbe von Rolf gehört uns allen.

Wir sollten ihn nicht überhöhen.

Es wäre auch falsch dieses Erbe auf bestimmte Aspekte oder nur bestimmte Abschnitte seines politischen Lebens zu reduzieren.

Das bewusste Leben des Menschen und überzeugten Kommunisten Rolf war ein sehr umfangreicher Erfahrungs- und Entwicklungsprozess.

Rolf war ein Verfechter des gültigen Programms der DKP, des Statutes und des daraus resultierenden Politikverständnisses der Partei. Rolf war um die Partei sehr besorgt. Er hat klar Position bezogen in der Beantwortung der Frage wie sich die DKP als kommunistische Partei weiter entwickeln soll.

Es ist auch eine Tatsache, dass Rolf sich mit seinen vielen Erfahrungen für die Weiterentwicklung der innerparteilichen Demokratie bei der Erarbeitung des gültigen Statuts eingebracht hatte.

Das politische Erbe ist äußerst vielfältig und ist nicht mit Traueranzeigen, Nachrufen und auch nicht mit dieser Trauerrede einzufangen.

Es gibt bei Kampfgefährten von Rolf die Idee ein Symposium zu organisieren, um sein politisches Erbe zugänglicher zu machen.

Dabei soll es um die gesellschaftspolitische Perspektive gehen, zur konkreteren Beantwortung der Frage „Was war und was bleibt von Rolf, dem Kommunisten“.

War das alles, was es zur Beantwortung der aufgeworfenen Frage „Was war?“ und „Was bleibt“ zu sagen gibt?

Natürlich nicht, es gab noch eine andere Seite seines Lebens. Dialektisch verbunden, ohne politisches Leben nicht denkbar, aber auch nicht umgekehrt.

1963 hatten Christel Weyrich und Rolf geheiratet. Rolf hatte in Düsseldorf Flugblätter für eine Veranstaltung des Clubs 59 verteilt. Auch an Christel. Christel kam zur Veranstaltung und sie lernten sich kennen.

Christel folgte Rolf ins Saarland, gab ihre geliebte und erfolgreiche berufliche Tätigkeit beim Verlag „Pläne“ in Dortmund auf. Wie sie mir sagte, um der Beziehung eine Chance geben.

Im Saarland musste sich Christel eine komplett neue berufliche Perspektive aufbauen, was nicht einfach war. Christel schaffte das mit großen Anstrengungen.

Dennoch hatten sich unter diesen schwierigen Bedingungen für ihre Beziehung komplizierte Herausforderungen entwickelt. 1982 trennten sich Christel und Rolf einvernehmlich.

Rolf stürzte sich in die Parteiarbeit. Wir bekamen es im Positiven wie im Negativen zu spüren.

Auf einer Fahrt von einer Konferenz im Saarland Anfang 1986 erklärte Raja Bernard dem absolut verblüfften Rolf ihre Liebe. Zunächst war das eine „geheime Kommandosache.“ Ich war bald eingeweiht, aber zur Verschwiegenheit „verdonnert“ worden.

Die Dinge nahmen ihren Lauf!
Im Juni 87 heirateten beide in Saarbrücken und im Juli wurde Falk dort geboren, Ende 1988 zogen Raja und Falk zu Rolf nach Bonn, wo im Februar 1989 Timo geboren wurde.

Rolf liebte seine Söhne über alles. Er wollte offensichtlich vieles besser machen, als er es in seiner eigene Kindheit erlebt hatte. Immer, wenn seine Zeit es zuließ, chauffierte er Samstag nachmittags seine Söhne und deren Freunde zu Fußballspielen.

Seine Jungs konnten nichts falsch machen. „Die sind genau richtig“ und „Das wird schon“ war seine Überzeugung als Vater.

Und es wurde! Noch unmittelbar vor seinem Tode betonte er im Gespräch mit Raja wie stolz er auf die beiden jungen Männer ist.

Falk und Timo sagten mir im Gespräch: „Er hat uns immer tiefes Vertrauen entgegengebracht und viel Spielraum gegeben. Er strahlte Ruhe, aber Verbindlichkeit aus.“

Timo: „Ich kann mich nicht daran erinnern, dass er Probleme vor Falk oder mir thematisiert hat. Wenn Papa etwas mit uns unternommen hat, war er ausschließlich mit uns beschäftigt.“

Falk: „Ich hätte ihm gerne noch gesagt, welch toller Vater er war!“

Raja resümierte im Gespräch, Rolf sei ein „Familienmensch“ gewesen.

Unvergessen werden die gemeinsamen Familienurlaube, u.a. in der Toskana, bleiben.

Raja schrieb mir auf meine Frage, was für sie das beeindruckende an dem Partner Rolf war:

„Rolf war ein absolut verlässlicher und treuer Partner. Selbst in schwierigen Situationen, z.B. als wir nicht wussten wie es finanziell weitergehen wird, habe ich mich in unserer Beziehung immer sicher und geborgen gefühlt. Auch wenn das für Männer seiner Generation vielleicht nicht selbstverständlich war, gab es trotz seiner beruflichen Belastungen genaue Absprachen zur Aufgabenteilung im Haushalt und bei der Kinderbetreuung, die er auch eingehalten hat. So konnte ich auch mit den beiden Kindern voll berufstätig und ehrenamtlich tätig sein.

Vor der Aufgabe, Rolf zuhause zu pflegen, hatte ich einen „Heidenrespekt“, aber er wäre so gern nach hause gekommen und ich hätte mich dieser Herausforderung gern gestellt. Die Gespräche mit ihm, seine klugen Ratschläge, seine ruhige Art, mit der er mich oft geerdet hat, werden mir sehr fehlen.

Bei aller Ausgeglichenheit und Ruhe kannte Rolf aber auch Leidenschaft. Dies zeigte er als begeisterter Fußballfan vor dem Fernseher, Radio und auch mit den Kindern im Stadion. Er lachte gern und oft und witzelte, selbst noch als es ihm schlecht ging.

Außerdem zeigten sich bei Rolf inzwischen typische Symptome des Saarländers: Er aß gerne gut und er kochte gerne! Die 9 Jahre im Saarland waren wohl nicht spurlos an ihm vorüber gegangen!“

Liebe Angehörige, liebe Freunde, liebe Genossinnen und Genossen,
war es die soziale Herkunft, das proletarische Milieu und Leben, waren es die jahrzehntelange Arbeit in politischen und organisatorischen Zusammenhängen, die damit verbundenen Erfahrungen und Erlebnisse, die so prägend für das Leben von Rolf waren?

Sicherlich, denn der Mensch ist ein soziales Wesen. Hinzu kamen aber auch die sogenannten „Ecken und Kanten“, persönliche Eigenschaften, menschliche und charakterliche, die sich entwickelten und die die Persönlichkeit von Rolf ausmachten: Verlässlichkeit, Solidarität, Zuneigung und Hilfsbereitschaft, Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen, Offenheit, Bescheidenheit. Konsequenz. Standpunkt.

Diese persönlichen Eigenschaften von Rolf haben wir alle erfahren und erleben können. Die Organisationen, in denen Rolf aktiv war, die Familie, die Genossinnen und Genossen, die Weggefährten.

Er wird uns allen fehlen.

Über 280 sagten in einer Anzeige der UZ: Danke „Rolli“, danke Rolf.

Liebe Raja, lieber Falk, lieber Timo,

liebe Freunde und Bekannte, liebe Genossinnen und Genossen,

Rolf liebte das Lied „Revolution“ des Liedermachers Konstantin Wecker.

Ich möchte daraus, sicherlich im Sinne von Rolf, folgende Teile einer Strophe zitieren:

„Ja, es ist nun wirklich an der Zeit,
etwas zu tun gegen die Ungerechtigkeit,
gegen ein abgewrackt korruptes System,
das kein Problem löst,
denn es selbst ist das Problem,

das eine Welt geschaffen hat, die alles zerstört,
was seit Anbeginn zu uns gehört,
nämlich mit all jenen mitzufühlen,

die ungehorsam sind und zwischen allen Stühlen aufrecht gehen

und nicht nach unten treten

und dabei nicht verlogen um Erlösung beten und mit jenen,

die für unser Wohlergehn unser´n Müll aufsammeln unbesehn…

…und drum habt den Mut – steht endlich auf, wenn der Lauf uns nicht gefällt, verändern wir den Lauf, verändern wir den Lauf.“

Rolf hatte als SDAJ-Vorsitzender in Chile ein beeindruckendes Zusammentreffen mit dem chilenischen Präsidenten Salvadore Allende, der während des Putsches der Faschisten ermordet wurde.

Wir singen mit Sonja Gottlieb und Thomas Hagenhofer das Lied der Unidad Popular aus Chile: „Venceremos – wir werden siegen!“

Danach werden wir zusammen mit Raja, Falk und Timo die Urne von Rolf begleiten.

 

Hinweis der Redaktion: Die gekürzte Fassung der Rede ist in der UZ vom 24. Februar 2017 veröffentlicht worden.

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24.02.17
 

Von DKP Hannover

Mit Sympathie der Bevölkerung und großem Zuspruch von Kundinnen und Kunden der Stadtsparkasse am Deisterplatz (Linden-Süd) hat die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) im Rahmen einer demonstrativen Aktion den Erhalt der von Schließung bedrohten Einrichtung gefordert. Nach den bisherigen Beschlüssen von Vorstand und Verwaltungsrat der Stadtsparkasse Hannover sollen 19 Filialen ersatzlos liquidiert werden, weitere auf Selbstbedienung verringert oder nur zweitägig geöffnet werden. Die hannoverschen Stadtteile Linden-Süd, Limmer, Calenberger Neustadt und Davenstedt sollen künftig ohne jegliche Versorgung mit Bankdienstleistungen der Sparkasse ins Abseits gestellt werden.

Sabine Huppert (Zustellerin, hannoversche Kandidatin zur Bundestagswahl): „Es ist schon skandalös zu nennen, wenn ein Stadtteil wie Linden-Süd mit rund 10.000 Einwohner/innen demnächst ohne Sparkasse und auch ohne weitere Versorgung durch andere Banken einfach abgehängt werden soll. Diese Verschlechterung an Lebensqualität ist nicht hinnehmbar.“

Frank Braun (Werkzeugmacher, parteiloser Kandidat zur Bundestagswahl): „Die Stadtsparkasse Hannover hat ihren eigenen Wertekanon ´Fair. Menschlich. Nah`offensichtlich vollständig aufgegeben. Als Anstalt des öffentlichen Rechtes sollte sie sich eigentlich am Allgemeinwohl orientieren und die Menschen in den Stadtteilen nicht aus dem Blick verlieren und ignorieren.“

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Raus auf die Straße

 

Offensiv in die Landtagswahl an Rhein und Ruhr

Von Werner Sarbok­

( Pawlitzki)

In Gelsenkirchen hat die DKP am 15. Februar ihren siebten Infostand in diesem Jahr veranstaltet. Die Bilanz waren neun Unterschriften zur Absicherung der Gelsenkirchener sowie drei Unterschriften für die Gladbecker Kandidatin der DKP zu den NRW-Landtagswahlen im Mai. Bis zur Absicherung der Kandidatur finden in den Gelsenkirchener Stadtteilen nun zwei Infostände der DKP pro Woche statt.

Mit einer seit Jahrzehnten nicht mehr gekannten Intensität geht die DKP an Rhein und Ruhr auf die Straße. Mitglieder der DKP führen derzeit zahlreiche Infostände in den Innenstädten und Stadtteilen, auf Wochenmärkten und anderen Orten im öffentlichen Raum durch, um Unterschriften für die Direktkandidaturen der DKP und auch ihre Landesliste zu sammeln, aber auch um die Kommunistische Partei wieder bekannter zu machen und für ihre Positionen zu werben.
Aus Duisburg erhielt die UZ folgende Zeilen über einen Infostand am vergangenen Samstag in Walsum: „Wir haben uns mit acht Genossinnen und Genossen in Duisburg-Walsum getroffen, um einen unserer Infostände innerhalb des Wahlkampfes durchzuführen. Es stellte sich relativ schnell heraus, dass viele ältere Menschen uns noch kannten. Viele Gespräche wurden geführt, und es gab kaum negative Reaktionen.
Wir haben einige neue Mitglieder, die zum ersten Mal für die DKP einen Infostand mitgemacht haben. Diese Genossinnen und Genossen waren sehr positiv gestimmt und haben ohne große Hemmungen und mit viel Humor unser Sofortprogramm an die Menschen verteilt.“
Aus Marl berichtet Detlev Beyer-Peters, Direktkandidat der DKP, ebenfalls über einen Infostand am vergangen Samstag: „Heute haben wir vor dem Wochenmarkt in Marl-Brassert innerhalb von zwei Stunden zehn Unterschriften für meine Direktkandidatur gesammelt. Von den Marktbesuchern, die sich von mir stören ließen, hat jeder Dritte unterschrieben.“ Am kommenden Wochenende veranstalten wieder Mitglieder und Freunde der DKP aus der Stadt einen Infostand, an dem dann der Rest der benötigten Unterschriften für die Kandidatur gesammelt werden sollen.
Zeitgleich fand am Geistmarkt in Münster ein Stand statt, den der DKP-Kandidat Stefan Niehoff für die UZ kommentierte: „Heute hat alles wunderbar geklappt. Mit der Hilfe vieler Genossinnen und Genossen konnten wir die Kandidatenbriefe verteilen und Unterschriften sammeln. Alle mitgeführten Unterschriftenlisten wurden voll.
Ganze 14 Unterschriften für die Direktkandidatur Süd konnten wir sammeln, und wir hatten wirklich tolle Gespräche. Eine ältere Dame sagte, sie hätte sich auf einer Demo (gegen die AfD ein paar Tage vorher – die Redaktion) unsere Fahne ausgeliehen und sie mit Begeisterung geschwenkt. Ein anderer älterer Herr sagte im Vorbeigehen, dass sein Großvater in der KPD gewesen sei. Ein Herr mittleren Alters, Selbstständiger, hat uns mit unseren eigenen Argumenten agitiert. Das hat echt Freude gemacht!“

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Rote Grüße aus Essen

Klaus Leger

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Amerikas Faust

Vorankündigung: Marxistische Blätter 3_2017

(Auslieferung Anfang März)

MBl zum neuen Heft:

Ein halbwegs realistisches Gesamtbild der US-Politik nach Trumps Amtsantritt erfordert – will es nicht an Oberflächlichem kleben bleiben – umfassende, nüchterne Analysen. Jede eindimensionale Sicht verzerrt das Bild und führt in die Irre. Insofern betrachten wir die Beiträge unseres Schwerpunktes als Puzzlesteine auf dem Weg zu einem realistischen Gesamtbild.
Wir haben dabei amerikanischen Linken den Vortritt gelassen. Vier Autoren – Norman Markowitz, Zoltan Zigedy, Jason Schulman und Joseph Gerson – betrachten die US-Entwicklung »from inside USA«, d. h. konkret aus Sicht ihrer Arbeiter – und Friedensbewegung. (Ja, die gibt es auch dort sehr wohl noch!)
Carolus Wimmer (Venezuela) blickt auf die US-Politik aus ihrem lateinamerikanischen »Hinterhof«.
Stefan Kühner (Freundschaftsgesellschaft Vietnam) schreibt über Handelsperspektiven nach dem Trump’schen Aus für die Transatlantische Partnerschaft (TPP).
Arnold Schölzel ( junge welt) sieht mit Trumps Amtsantritt Signale für eine weitere geschichtliche Zäsur nach 1991. »Kurz und knapp geht es um zweierlei: Die Wiederkehr der sozialen Frage weltweit und das Ende der Ära, in der sich die USA als ›einzige Supermacht‹ sahen.«
Lothar Geisler (Marxistische Blätter ) rundet das Bild mit einer knapp kommentierten »Presseschau kurz vor Redaktionsschluss« ab.

Vieles ist sicher noch unscharf, unsicher, widersprüchlich. Und nicht alles ist neu, sondern steht in der
Kontinuität vorheriger Präsidentschaften. Widerspruch und überzogene Urteile muss man aushalten und ausdiskutieren. Aber eins ist sicher: die Weltlage ist unsicherer geworden. Und das Bild des (US-)Imperialismus für viele klarer. Trump hat bei seiner Antrittsrede, die wir im Heft dokumentieren, der Welt nicht nur als persönliche
Siegerpose, sondern programmatisch die Faust gezeigt.

Er ist Amerikas Faust – Vorrang für die US-Politik haben rücksichtsloser denn je die US-Interessen (wie Trump sie sieht). Der nackte Eigennutz ist Regierungsprogramm. Und in Trumps Kabinett sind mächtig viel Militärs und Milliardäre, also das staatsmonopolistische »Kommando Spezialkräfte« für Krieg und Wirtschaftskrieg. Ob dabei auf
Dauer etwas abfällt für die arbeitenden und jobsuchenden Menschen – in den USA und anderswo – darf begründet bezweifelt werden. Absehbar sind aber schon jetzt weiter wachsende Standortkonkurrenz und imperialistisc he Rivalitäten. Besonders besorgniserregend ist: die angebliche »Notwendigkeit« eigener Atomwaffen und neuer nuklearer Aufrüstung wird seit Trumps Amtsantritt von Berlin bis Peking wieder so offensiv ins Feld geführt wie lange nicht.

Insofern ist »Amerikas Faust« mit Sicherheit und unbestreitbar eine riesige globale Herausforderung für die internationale Arbeiter- und Friedensbewegung, aber auch eine Chance (!). Denn der Imperialismus zeigt uns sein derzeit hässlichstes Gesicht.

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Die Zukunft des flugaffinen Gewerbegebietes am Flugplatz Schwarze Heide gerät immer stärker ins Rutschen. Ursprünglich als interkommunales Gewerbegebiet geplant, versucht Bottrop nach dem Ausstieg von Dinslaken den Alleingang. Die unsachgemäße Verfüllung des Auskiesungsgebietes durch Euroquarz hat jetzt das Potential, das gesamte Gewerbegebiet in der Kirchhellener Heide zu versenken. Die Verwaltung spricht intern bereits von „Vermarktungshemmnis“.
DKP-Ratsherr Michael Gerber: „Die Idee eines flugaffinen Gewerbegebietes war von Beginn an auf Sand gebaut. Damit sollte dem lahmenden Flugplatz Flügel verliehen werden. Aus zwei Problemfällen kann jedoch kein Beispiel für eine erfolgreiche Industriepolitik werden.“ Die Auskiesungsfläche, direkt am Flugfeld gelegen, sollte zuerst vermarktet werden. Wann die Flächen jemals in einem bebaubaren Zustand wieder hergestellt sind, ist völlig offen. Bis zu einer Tiefe von mindestens 3 Meter muss das Erdreich erneut entfernt und zwischengelagert werden. In Schichten von ca. 30 cm muss das Material dann neu verfüllt und ordnungsgemäß verdichtet werden.
Die DKP kritisiert, dass die Stadt bisher die vereinbarten Vertragsstrafen gegenüber Euroquarz, wegen nicht termingerechter Rückgabe der Flächen, nichteingefordert hat. Inzwischen belaufen sich die Forderungen auf über 100.000 Euro. „Diese Untätigkeit der Stadt gegenüber Euroquarz ist völlig unakzeptabel“ klagt Michael Gerber an.
Bereits vor Jahren wurde deutlich, dass die Erschließung des Gewerbegebietes für die Stadt erheblich teurer wird als die Einnahmen durch den Verkauf der Gewerbeflächen. „Die jetzige Situation muss dazu führen, das geplante flugaffine Gewerbegebiet infrage zu stellen, endgültig zu begraben“ fordert Michael Gerber.
gez. Michael Gerber
17.02.2017
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Tagesordnung

1.) Eröffnung und Beschlusskontrolle

2.) Politische und ökonomische Entwicklung der EU
Referent: Lucas Zeise, Chefredakteur der UZ

3.) Rechtsentwicklung in der BRD
Referent: Patrik Köbele, Vorsitzender der DKP

4.) Bundestagswahlen 2017

5.) Festival der Jugend

6.) Parteiauseinandersetzung

7.) Finanzen

8.) Veranstaltung zur Oktoberrevolution

9.) Weitere Beschlussfassungen

10.) Schlusswort

Download Informationen 7. Tagung des Parteivorstandes vom 28./29. Januar 2017 (PDF)

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