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Kommunisten aus Deutschland, Belgien, Luxemburg und den Niederlanden fahren nach Büchel

Von Wera Richter, stellvertr. Vorsitzende der DKP

„Büchel ist überall – atomwaffenfrei jetzt“ ist das Motto einer Aktion der Friedensbewegung, die am 26. März am Fliegerhorst Büchel in Rheinlandpfalz begonnen hat.

20 Wochen lang werden verschiedene Gruppen, Organisationen und Einzelpersonen der Friedensbewegung, darunter die „Ärzte gegen Atomkrieg“, die Deutsche Friedensgesellschaft und viele örtliche Initiativen, in Büchel präsent sein, um gegen Atomwaffen und Angriffskriege zu protestieren.
Auch die DKP beteiligt sich an der Dauermahnwache und übernimmt vier Tage lang die Präsenz.

Vom 25. bis 28. Mai will sie gemeinsam mit Mitgliedern ihrer Schwesterparteien aus Belgien, Luxemburg und den Niederlanden vor Ort sein. Geplant sind verschiedene Diskussionsrunden und Treffen unter anderem mit Vertretern der vier Parteien zu den Aufgaben der Friedensbewegung heute und zur Geschichte des Militärstandortes und des Widerstandes in Büchel. Am Samstag, den 28. Mai, soll die Aktionswoche der kommunistischen Parteien mit einer kleinen Kundgebung, auf der neben weiteren Patrik Köbele, Vorsitzender der DKP, sprechen wird, enden. Musikalische Unterstützung hat bereits die Gruppe „musikandes“ aus Saarbrücken zugesagt.

20 Wochen Dauerpräsenz der Friedensbewegung stehen für 20 US-Atomwaffen, die in Büchel lagern. Diese Bomben sind einsatzbereit, um im Rahmen der sogenannten nuklearen Teilhabe durch Bundeswehr-Piloten mit deutschen Tornado-Kampfjets ins Zielgebiet geflogen werden zu können. Dass dieses Szenario von den Militärs im Rahmen der NATO-Aggression gegen Russland durchaus kalkuliert wird, zeigt die Ankündigung, ab 2020 diese Massenvernichtungswaffen mit viel Geld zu atomaren Präzisionsbomben aufzurüsten.

Von Büchel aus wird aber auch heute schon aktiv Krieg geführt. Der Militärstützpunkt spielt eine zentrale Rolle beim völkerrechtswidrigen Kriegseinsatz in Syrien: Zu den vier Tornados des schleswig-holsteinischen Militärstützpunktes Jagel wurden im Januar zusätzlich zwei Tornados, und 20 Soldaten aus Büchel für mindestens ein Jahr für Einsätze in Syrien auf den NATO-Militärstützpunkt Incirlik in die Türkei verlegt.

Die DKP fordert den Abzug aller US-Atomwaffen aus Deutschland und die Auflösung der NATO, den sofortigen Stopp des Krieges gegen Syrien und aller Kriegseinsätze der Bundeswehr sowie den Stopp von Rüstungsprojekten und -exporten. Das Geld, das dort in Millardenhöhe fließt, muss für die Belange der Menschen in diesem Land ausgegeben werden – unabhängig von ihrer Nationalität und ihrem Status.

Die DKP ruft ihre Mitglieder und Freunde dazu auf, sich an der Dauermahnwache zu beteiligen und insbesondere die Aktionstage vom 25. bis zum 28. Mai in Büchel zu unterstützen.

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Noam Chomsky im Interview mit »Il Manifesto« (Auszug)

Der Verteidigungshaushalt der USA für die Jahre 2016 und 2017 wurde ohne Debatte im Kongress verabschiedet. Vorgesehen ist, die Ausgaben zur Stärkung der NATO-Arsenale und zum Schutz der »Sicherheit« der osteuropäischen Verbündeten an Russlands Grenzen zu vervierfachen. Welche Botschaft wird damit gesendet?

Noam Chomsky: Sicherlich existieren Gefahren einer Verschärfung der strategischen Spannungen und Auseinandersetzungen zwischen den Staaten, die der russischen Einflusssphäre angehören, und denen der amerikanischen Einflusszonen. Aber könnten die Vereinigten Staaten an ihren eigenen Grenzen jemals das akzeptieren, was jetzt an den Grenzen Russlands geschieht? Wäre eine Aufstellung von NATO-Raketen an der Grenze zu Mexiko oder Kanada denkbar? Meines Erachtens steckt hinter diesem Machtausbau der NATO eine Strategie, eine sehr gefährliche geopolitische Provokation. Ich teile die Aussage, die George Kennan während des Kalten Krieges machte, dass die »atomare Abschreckung« die Grundlage für die Auslöschung der gesamten Menschheit geschaffen habe. Das ist keine Übertreibung. Es gab in jüngster Zeit starke Spannungen und Beispiele dafür, etwa den Abschuss des russischen Jagdbombers durch die Türkei. Das sind Signale, die zu einer atomaren Konfronta­tion führen könnten.

Soll das heißen, dass sich ausweitende Auseinandersetzungen die Gefahr eines dritten Weltkrieges bergen?

Noam Chomsky: Es wäre nicht das erste Mal, dass wir am Rande eines nuklearen Konfliktes stehen. Verstehen wir uns richtig: Egal woher ein atomarer Angriff kommt, er würde das Ende der menschlichen Spezies bedeuten. Eine Auseinandersetzung zwischen zwei Supermächten führt zu dem, was man einen nuklearen Winter nennt, einer Tragödie katastrophalen Ausmaßes. Mich lässt das heute an Einsteins Antwort denken, als er gefragt wurde, welche Waffe im nächsten Krieg nach der Atombombe eingesetzt würde. Er antwortete, die einzige Waffe, über die der Mensch dann noch verfügen würde, wäre eine steinerne Axt. Die Gefahr eines Weltkrieges ist sehr ernst.

Meinen Sie, dass die Führer der Globalisierung eine Strategie haben, oder ist ihnen die Situation aus den Händen geglitten?

Man müsste sich schon unter einem Stein verkriechen, um von den angerichteten Schäden nichts zu merken. Die »fossile« Industrie ist sich seit Jahrzehnten über die verheerenden Folgen der auf Erdöl basierenden Industriepolitik bewusst. Die Vorstandsmitglieder von Exxon Mobil sind nicht dumm, sondern einer spezifischen Ideologie der Gewinnmaximierung und der Steigerung der Aktienkurse ergeben. Verglichen damit ist alles andere unbedeutend. Das ist wie bei den Gläubigen der verschiedenen Fundamentalismen, seien es nun christliche Evangelikale oder islamistische Extremisten. Das sind religiöse Dogmen, bei denen weder Zweifel noch Argumente existieren. Wir wissen alle, dass es sehr einfach ist, nichts anderes in Betracht zu ziehen als das, was wir für die Wahrheit halten. Doch in diesem Fall hat die Weigerung, die historischen Fakten zur Kenntnis zu nehmen, tödliche Konsequenzen.

Welche Gefahren erwarten uns also ganz konkret in diesem Jahr, in dem auch die US-amerikanische Präsidentschaftswahl ansteht?

Sehr ernste Gefahren. Wenn die Kommentare der führenden Republikaner, die sich um die Präsidentschaft bewerben, der künftigen Politik des Weißen Hauses entsprechen, müssen wir uns auf ein wahres Desaster einstellen, denn deren Botschaft lautet: »Ignorieren wir die globale Erwärmung! Zerreißen wir das Atomabkommen mit dem Iran! Bauen wir unsere militärische Macht aus und intervenieren wir – trotz des Risikos dadurch einen Weltkrieg auszulösen – noch aggressiver und entschlossener im Rest der Welt!« Wenn ein Land mit der Macht der Vereinigten Staaten sich für diese politischen Strategien entscheidet, ist die Wahrscheinlichkeit eines Überlebens der menschlichen Spezies auf ein Minimum reduziert. Die heutige Republikanische Partei stellt eine der gefährlichsten Organisationen in der Geschichte der Menschheit dar.

Das Gespräch führte Patricia Lombroso. Noam Chomsky ist Philosoph und emeritierter Professor für Linguistik und Kommunikationstheorie am Massachusetts Institute of Technology (USA). Dies sind Auszüge aus einem längeren Interview in der linken italienischen Tageszeitung Il Manifesto. Übersetzung: Andreas Schuchardt. Aus: junge Welt, Ausgabe vom 7. März 2016, Seite 2.

via Mitteilungen der Kommunistischen Plattform in der Partei Die Linke

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Belgische (Wallonien- Brüssel) Kommunistische Partei

Angesichts der feigen Verbrechen vom 22. März in Brüssel drückt die kommunistische Partei ihr Bedauern und ihre Solidarität mit den vielen Opfern und deren Familien aus. Unsere Sympathie gehört auch den Feuerwehrleuten, den Rettungssanitätern, den Polizisten und Zivilisten, die an der Rettung der Opfer Teil hatten. Die Bevölkerung des Landes, geeinter denn je, teilt den Schmerz mit dem blutenden Brüssel.

Aber über dem tiefen Mitgefühl mit den Opfern dieser abscheulichen Verbrechen dürfen wir die schwere Verantwortung der Europäischen Union und unseren Regierungen nicht vergessen, die augenscheinlich mit der unverantwortlichen und kriegstreiberischen Politik der USA und der NATO einverstanden waren.

Diese Regierungen, einschließlich unserer eigenen, die gestern das militärische Abenteur in Libyen unterstützten, machen heute damit in Syrien weiter. Diese verantwortungslosen Politiker haben –  sich scheinheilig auf die „Menschenrechte“ berufend, (Libyen) destabilisiert, die Ermordung des libyschen Staatsoberhaupts organisiert und das Land in eine Basis des internationalen Terrorismus verwandelt. Als sei das nicht genug, versuchen sie jetzt in Syrien dasselbe.

Das ist es, warum die kommunistische Partei meint, dass wahre Solidarität mit den Opfern, dass wirklicher Kampf gegen den Terrorismus damit beginnt, die Anstifter von Kriegen und Waffenhändler zu entlarven und Dialog und Verhandlung als Mittel der Konfliktlösung zu unterstützen.

Für die Stärkung der Solidarität und die Aufnahme dieses Kampfes erscheint es dringender denn je,  eine mächtige Massenbewegung für den Frieden zu schaffen.

Brüssel, 26 März 2016

Politisches Büro der Belgischen (Wallonien-Brüssel) Kommunistischen Partei

 

Übersetzung: news.dkp.de

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Noch ein Krieg?

Nach Darstellung von armenischer Seite haben am Freitag, 1. April 2016, aserbeidschanische Truppen Nagorny Karabach  mit Artillerie, Panzern, Luftwaffe und anderem angegriffen. Nagorny Karabach ist eine mehrheitlich von Armeniern besiedelte Enklave innerhalb Aserbeidschans. Nach der Zerstörung der Sowjetunion hatten die Bewohner in einem Referendum entschieden, nicht Staatsbürger Aserbeidschans sein zu wollen. Es folgte ein Krieg, in demNagorny Karanbach sicchmit Hilfe Armeiniens halten konnte und der 1994 mit einem Waffenstillstand beendet wurde, der trotz gelegentlicher Scharmützel bis heute in Kraft blieb. Ob es sich bei den gegenwärrtigen Militäraktionen um einen „bewaffneten Zwischenfall“ handelt oder um einen Versuch Aserbeidschans, Nagorny Karabach zu erobern und – nach aserbeidschanischer Lesart – die Kontrolle über einen abtrünnigen Teil seines Staatsgebiets wiederzugewinnen, ist noch nicht klar.

Aserbeidschan lehnt sich aussenpolitisch an die Türkei an, Armenien an die Russische Föderation. Russland hat zwar beide Staaten in den letzten Jahrzehnten mit Waffen beliefert, ist aber mit Armenien mit einem Vertrag über kollektive Sicherheit verbunden, der Russland im Fall eines Angriffs auf Armenien zu militärischem Beistand verpflichten würde. Im Norden Armeniens unterhält Russland einen Militärstützpunkt.

Es ist wahrscheinlich, dass die aserbeidschanische Militäraktion im Zusammenhang mit dem Krieg gegen Syrien und die imperialistische Destabilisierung des Nahen Ostens im allgemeinen steht. Der aserbeidschanische Staatschef Aliyev hat sich unmittelbar vor der Militäraktion „Nuklearen Sicherheitsgipfel“ in Washington mit dem türkischen Präsidenten Erdogan getroffen. Unruhe an der russischen Südgrenze, die auf die gesamte Kaukasusregion ausstrahlen könnte, ist im Interesse der Türkei und der USA, weil sie russische Kräfte bindet.

Offiziell haben neben Russland und anderen Staaten auch die USA zur Einhaltung des Waffenstillstands von 1994 aufgerufen. Aber das tatsächliche Interesse der USA zeigt in eine andere Richtung. Erdogan hat Aserbeidschan der türkischen Unterstützung „bis zum Ende“ versichert. Er bete „für die aserbeidschanischen Brrüder“, Aserbeidschan und die Türkei seien „ein Volk in zwei Staaten“.

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Von Uli Brockmeyer

Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

Man kann sich trefflich darüber streiten, ob der Kalte Krieg jemals wirklich beendet wurde. Fest steht, daß er keineswegs ein Ende gefunden hat, nur weil ein früherer sowjetischer Präsident ihn für abgeschlossen erklärte. Ebenso wenig wurde die Gefahr eines Atomkrieges gebannt, nur weil ein immer noch amtierender USA-Präsident vor einigen Jahren öffentlich über seinen »Traum von einer atomwaffenfreien Welt« schwadronierte.

Einige Politiker und Journalisten denken in der letzten Zeit laut darüber nach, ob möglicherweise ein neuer Kalter Krieg bevorsteht, oder ob er sogar schon begonnen haben könnte. Die Anzeichen dafür sind allerdings überdeutlich zu erkennen. Man muß sich nur aufmerksam ansehen, was gegenwärtig von Politikern und Militärs der NATO und der EU veranstaltet wird. Allein die Nachricht, daß die USA eine komplette Panzerbrigade mit 4.200 Mann nach Osteuropa verlegen wollen, gibt ausreichend Anlaß zur Sorge. Noch mehr aber sollte uns die Begründung nachdenklich werden lassen, die dafür verkündet wurde. In den osteuropäischen Ländern wachse angeblich die Angst vor einer russischen Aggression, denn »der Russe« habe ja seine Aggressivität mit seinem Eingreifen in den »Konflikt in der Ukraine« hinlänglich bewiesen, heißt es unisono in den bürgerlichen Gazetten.

Keiner der Journalistenkollegen in diesen Blättern hat offenbar genügend Mumm, die Tatsachen so darzustellen wie sie wirklich sind. Abgesehen davon, daß der »Konflikt in der Ukraine« nicht von Rußland ausgelöst wurde, sondern durch einen vom Westen unterstützten und von hauptsächlich faschistischen Kräften durchgeführten Putsch, wird Rußland auch bei der Lösung des Problems eine Rolle zugeordnet, die es gar nicht hat. Denn es gibt in der Ukraine keine regulären russischen Truppen, während militärische Einheiten aus NATO-Staaten sehr wohl anwesend sind, sowohl zu Lande, als auch immer wieder im Schwarzen Meer, und die haben weder da noch dort etwas zu suchen.

Eine weitere Verstärkung der militärischen Präsenz an den westlichen Grenzen Rußlands – zum Beispiel rund 150 Kilometer vor St. Petersburg, der Stadt, die im Zweiten Weltkrieg als Heldenstadt Leningrad bekannt wurde – hat mit Friedens- oder Entspannungspolitik nichts zu tun. Wie groß wäre das Geschrei im Westen, würde zum Beispiel Rußland Truppenverbände auf Kuba stationieren – rund 150 Kilometer vor der Südküste der USA… ? Nicht Rußland hat die USA mit Militärstützpunkten umzingelt und rückt immer näher an die Grenzen der NATO-Staaten !

Es wird viel berichtet über die Konferenz unter dem Namen »Gipfel über Nukleare Sicherheit« , die unter Leitung von Friedensnobelpreisträger Barack Obama in Washington abgehalten wurde. Angeblich ging es dabei um den »Kampf gegen Terrorismus« , in Wirklichkeit jedoch geht es den USA um die Festigung ihrer Vormachtstellung auf diesem Gebiet. Kein Wort wurde darüber verloren, wie man unsere Welt durch die Abschaffung aller Atomwaffen sicherer machen könnte. Dieses Ziel stand nie auf Obamas Aufgabenzettel. Das Gegenteil ist der Fall. Bestehende Atomwaffen sollen »modernisiert« werden, also so konstruiert werden, daß sie noch effektiver töten können. Dazu gehören auch die zwanzig Atombomben der USA, die auf der Luftwaffenbasis Büchel gelagert sind – knapp 150 Kilometer von Luxemburg entfernt.

Es spielt keine Rolle, ob der Kalte Krieg jemals beendet wurde oder ob ein neuer begonnen hat. Es kommt darauf an, einen neuen heißen Krieg zu verhindern.

 

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Ködern für den Krieg

1. April 2016

Warum ich die Bundeswehr nicht mehr in meiner Schule haben will. Ein Schüler berichtet.

„Ende Januar war an meiner Schule, dem Gymnasium Borbeck in Essen, die Bundeswehr eingeladen. Im Rahmen eines Forums zur Berufsberatung durfte sich die Bundeswehr als attraktiver Arbeitgeber präsentieren und für sich werben.

Dabei lockte die Bundeswehr mit scheinbar lukrativen Angeboten, wie zum Beispiel ein Studium ohne NCs, kleine Lerngruppen und Stipendien. Das sind Bedingungen, die normale staatliche Universitäten nicht gewährleisten können, weil viel zu wenig Geld in Bildung investiert wird. Überhaupt ist es ein Skandal, dass Millionen in teure Imagekampagnen der Bundeswehr fließen, während tausende Lehrerstellen fehlen und viele Schulen dringend renoviert werden müssen. Allein in NRW fehlen laut WDR 2,4 Milliarden Euro für die Sanierung von Schulen, nur 15% der Schulen sind baulich in Ordnung. 60% aller Klassenräume und 45% aller Turnhallen weisen Mängel auf. Und während bei uns jedes Jahr die Kopierkosten steigen und wir immer häufiger Bücher selber kaufen müssen, kann die Bundeswehr ein bezahltes Studium anbieten. Für viele Familien sind die Kosten für Bildung ein echtes Problem. Das nutzt die Bundeswehr aus.

Diese Tatsachen haben beim Vortrag der Bundeswehr in meiner Schule natürlich keine Rolle gespielt. Was auch nur selten erwähnt wird, sind die Knebelverträge der Bundeswehr. Wer sich einmal verpflichtet, kommt da nicht mehr so leicht raus. Möchte man doch wieder aussteigen, weil man zum Beispiel einen zivilen Job machen will oder gegen Auslandseinsätze ist, hat man sehr schlechte Karten. Wer trotzdem kündigt, darf sogar mit einem gerichtlichen Prozess wegen Fahnenflucht und Befehlsverweigerung rechnen.

Wer sich einmal verpflichtet hat, kann jederzeit für einen Einsatz ins Ausland geschickt werden. Während in der Grundausbildung „der Gebrauch der Waffe, auch zum Einsatz gegen Menschen“ (so wörtlich die Referentin in meiner Schule) nur trainiert wird, ist dies im Auslandseinsatz dann schnell Realität. In ihrem Vortrag nannte sogar die Referentin der Bundeswehr Beispiele von einem traumatisierten Soldaten, sowie von einem Soldaten, der im Krieg ein Auge und ein Bein verloren hatte.

Zudem wurde das Vorgehen der Bundeswehr in diesem Berufs-Forum in keiner Weise angezweifelt oder kritisch hinterfragt. Das müsste aber eigentlich Aufgabe der Schule sein. Stattdessen wurde durch den Vortrag der Bundeswehr an unserer Schule deren Richtigkeit und die Richtigkeit ihres Handelns einfach vorausgesetzt. Auch im normalen Unterricht werden die Auslandseinsätze der Bundeswehr fast nie kritisch behandelt. So wird versucht Jugendliche für den Krieg zu ködern.“

Jurek, Essen
Jurek ist Sprecher der BezirksschülerInnenvertretung Essen und Mitglied im Vorstand der LandesschülerInnenvertretung NRW

Der Artikel ist aus der POSITION #2-16. Du kannst unser Magazin ab 10€ im Jahr abonnieren. Oder Du lässt Dir erst einmal eine Ausgabe zuschicken. Schreib uns einfach eine Mail an position@sdaj-netz.de

SDAJ

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29. März 2016

Uli Brockmeyer

Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

Der selbsternannte »Islamische Staat« hat in diesen Tagen eine empfindliche Niederlage erlitten. Mit Unterstützung der russischen Streitkräfte, sowie auch von militärischen Einheiten aus Nachbarländern, konnte die reguläre syrische Armee die fanatischen Gotteskrieger vertreiben und die Stadt Palmyra sowie die historischen Stätten zurückerobern. Wie man Berichten russischer Medien entnehmen kann, waren russische Militärs direkt an diesem Sieg beteiligt. Nicht nur leichte Bombenflugzeuge und Kampfhubschrauber ebneten den syrischen Regierungseinheiten den Weg in die Stadt – russische Offizieren wirkten auch bei der Planung der Befreiungsschlacht mit und waren sogar am Boden als Funkleitoffiziere eingesetzt. In der vergangenen Woche wurde gemeldet, daß ein russischer Offizier im Kampf gefallen ist, als er, nachdem seine Position vom Gegner entdeckt worden war, das Feuer direkt auf sich lenkte, um den Henkerknechten der Dschihadisten nicht in die Hände zu fallen.

Interessant ist die merkwürdige Zurückhaltung im Westen nach der erfolgreichen Erstürmung der Stadt Palmyra, die nicht nur aus historischen Gründen, sondern auch militärstrategisch von großer Bedeutung ist. Denn blitzartig wurde den westlichen Militärs und Politikern klar, daß ihre bisher gebetsmühlenartig wiederholte Behauptung, Rußland würde in Syrien NICHT den IS bekämpfen, nicht mehr zu halten ist. Noch komplizierter wird es, wenn man in den Planungsstäben der NATO, des Pentagon und der EU einsehen muß, daß die syrische Armee – die reguläre Armee des Landes, wie man nicht oft genug betonen kann – eben doch ein wichtiger Bestandteil einer wirklichen Anti-IS-Koalition ist. Wer diese Einsicht verweigert, beweist damit, daß es der Westen ist, der den Krieg gegen den IS nicht ernst nimmt.

Genau genommen brauchte es diese Beweise gar nicht. Denn es ist hinlänglich bekannt, daß ohne direkte und indirekte Unterstützung aus den Hauptstädten der wichtigsten NATO- und EU-Länder sowie der reaktionären Golfmonarchien der »Islamische Staat« weder hätte entstehen, noch einen derartigen Aufstieg erleben können. Eine besonders eindrucksvolle Rolle hat dabei das NATO-Land Türkei, das sehr direkt in den millionenschweren Handel mit gestohlenem Öl einerseits und mit Waffen für die Gotteskrieger andererseits involviert ist. Das türkische Regime erfreut sich dennoch der Gunst der EU, die nicht nur bis zu sechs Milliarden Euro nach Ankara zu überweisen bereit ist, sondern sich auch vornehm jeglicher Kritik an der Kriegführung des Erdogan-Regimes sowie den massiven Verletzungen der Menschenrechte enthält.

Welche Auswirkungen der militärische Sieg von Palmyra auf den Fortgang der Genfer Gespräche über eine Friedenslösung für Syrien haben wird, ist noch offen. Ohne jeden Zweifel wird dadurch die Position der regulären Regierung Syriens und von Präsident Assad gestärkt. Allerdings werden die Vertreter der Exil-Opposition ihre Forderung nach Beseitigung Assads nicht aufgeben. Ihre Berater und PR-Manager, die vom Berliner Außenministerium großzügig alimentiert werden, haben sicher schon neue Argumente vorbereitet.

Die Marschrichtung wurde bereits am Wochenende von USA-Außenminister John Kerry vorgegeben, der in einem Interview darauf bestand, daß Assad gehen müsse, weil es ansonsten »keinen Frieden in Syrien geben« werde.

Offenbar geht es dem Westen NICHT um den Krieg gegen den IS, sondern vor allem um die Beseitigung des laizistischen Systems in Syrien. Bemühungen um eine Friedenslösung sehen anders aus.

 

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„Was wirklich zählt: Profite“ – unter diesem Motto klärt die SDAJ seit November 2015 darüber auf, welchen Interessen die
Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr tatsächlich dienen. Ein Mittel: Plakate im BW-Design, die über die DKP-Berlin verfügbar sind.

Nun hat die Bundeswehr sofort auf die Terroranschläge am 21. März reagiert: Seit 23. März hängt die neue Reklame für den Armeedienst in der Nähe von Schulen, Jugendeinrichtungen und Sportstätten in Berlin. Leider immer wieder von Unbekannten überklebt, siehe Foto. Manche scheinen unsere alten Plakate immer noch aktuell zu finden:

Foto; Stefan Bednarek
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