Nachrichten
Zeige alle Artikel in Frauenpolitik
0

 

 Von Christine Christofsky |

Der 19. März 2016 ist der Tag, bis zu dem Frauen über das Jahr 2015 hinaus arbeiten müssen, um das Durchschnittsgehalt für Männer im Jahr 2015 (vom 1.1.2015 bis 31.12.2015) zu erreichen. Frauen müssen also im Durchschnitt 79 Tage länger arbeiten, um das gleiche Geld wie Männer zu erhalten. In unserer ach so nachahmenswerten Kultur ist das Recht auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit immer noch nicht verwirklicht. Worum geht es:

Oftmals wählen Frauen schlechter bezahlte Berufe, weil es ihnen da eher möglich ist, Teilzeit zu arbeiten, um Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Familienbedingt wird ihre berufliche Laufbahn auch öfter unterbrochen. Aber bei gleichem Beruf, gleichem Alter, Ausbildung, Berufserfahrung, gleichem Können und im gleichen Betrieb erhalten Männer immer noch 12 Prozent mehr Lohn als Frauen, so die Aussage des DGB.

Weshalb diese Männer-Prämie?

Hinzu kommt: Wenn die größte Familienbelastung vorbei ist – die Kinder aus dem Haus sind – möchten viele Frauen die Möglichkeit haben, ihre Teilzeit aufzustocken. Das ist ihnen vielfach verwehrt.
Oder es gibt Veränderungen in ihrem Leben, sie werden Alleinerzieherin und Alleinverdienerin, die Mehrarbeit und Mehrverdienst notwendig machen.

Andererseits gibt es auch mehr und mehr Männer, die an einer Verkürzung ihrer Arbeitszeit zugunsten ihrer Familien interessiert sind. So lautet die Forderung sowohl zum Internationalen Frauentag als auch zum Equal Pay Day nicht nur „Recht auf befristete Teilzeit für alle“ sondern auch „Recht auf Rückkehr aus der Teilzeit für alle“.

Der ver.di-Bundeskongress hat im September vergangenen Jahres die Forderung nach einer „kurzen Vollzeit“ erhoben, d. h. Verkürzung der Arbeitszeit für alle. In der Diskussion dazu stand auch die Forderung nach der 30-Stundenwoche für alle bei vollem Lohn- und Personalausgleich. Und natürlich nach dem „gleichen Lohn für gleiche Arbeit“.

Am 19. März finden zahlreiche Veranstaltungen und Aktionen von DGB und ver.di zum Equal Pay Day statt, so u. a. bereits am 18. März eine Kundgebung in Berlin, initiiert von DGB, Sozialverband Deutschland und Deutscher Frauenrat am Brandenburger Tor.
Um 12 Uhr mittags geht es los!

0

Tiefe Kluft zwischen Frauen und Männern bei der Rente

16.03.2016
Der Lohnrückstand von Frauen ist in Deutschland mit konstant 22 Prozent sehr groß im europäischen Vergleich. Doch schaut man auf die Renten, fällt der Abstand noch weitaus gravierender aus. In einer neuen Auswertung aktueller Daten aus dem WSI GenderDatenPortal ist dokumentiert, welche Unterschiede es bei der Alterssicherung zwischen Frauen und Männern gibt.
Nach der Analyse von Dr. Christina Klenner, Gender-Expertin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, sowie Dr. Peter Sopp und Dr. Alexandra Wagner vom Forschungsteam Internationaler Arbeitsmarkt in Berlin, sind Frauen sowohl bei der gesetzlichen Rente als auch bei der betrieblichen Altersversorgung klar im Nachteil. Gleichzeitig profitieren sie stärker von Elementen des sozialen Ausgleichs im Rentenrecht, vor allem bei der Hinterbliebenenversorgung.Die Rente sei damit ein „Spiegelbild der geschlechtsspezifischen Ungleichheiten bei der Erwerbsbeteiligung“, heißt es in der Studie, die heute als WSI-Report erscheint.* Dass Arbeitnehmerinnen schlechter bezahlt werden als ihre männlichen Kollegen, häufiger in Minijobs oder Teilzeit beschäftigt sind und oft Auszeiten für die Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen nehmen müssen, weil Männer hier weniger Zeit investieren, habe Folgen für die finanzielle Situation im Alter. Ausgleichsmechanismen wie die Anrechnung von Erziehungszeiten könnten diese Schieflage nur zum Teil korrigieren.Betrachtet man alle eigenen Alterssicherungseinkommen aus gesetzlicher Rente, privater Vorsorge und Betriebsrenten, zeigt sich eine erhebliche Lücke zulasten von Frauen. Klenner, Sopp und Wagner zitieren Berechnungen der Rentenexpertin Brigitte Loose, denen zufolge der „Gender Pension Gap“ 2011 bei 57 Prozent lag. Im Osten, wo Frauen traditionell häufiger berufstätig sind, war die Kluft mit 35 Prozent deutlich kleiner als im Westen mit 61 Prozent. Langfristig zeigt sich ein Trend zur Angleichung zwischen den Geschlechtern: 1992 betrug der Unterschied in Deutschland noch 69 Prozent.

Als gesetzliche Altersrente erhielten Frauen 2014 durchschnittlich 618 Euro, Männer 1.037 Euro. Das entspricht einer Differenz von über 40 Prozent. Wesentlich besser schneiden Frauen bei den Hinterbliebenenrenten ab: Witwen bekommen mit 592 Euro im Schnitt etwa doppelt so viel ausbezahlt wie Witwer. Der Grund: Die Rente des verstorbenen Ehepartners war bei den Witwen in der Regel höher als bei den Witwern, die eigenen Altersbezüge, die auf die Hinterbliebenenrente angerechnet werden, fallen bei den Frauen geringer aus.

Erheblich zurück liegen die Frauen bei der betrieblichen Altersvorsorge: 2011 bezogen 25 Prozent der männlichen und sechs Prozent der weiblichen Ruheständler eine Betriebsrente der Privatwirtschaft. Die Zahlungen waren mit 574 Euro bei den Männern im Schnitt fast dreimal so hoch wie bei den Frauen. Zumindest bei der Reichweite zeichnet sich aber eine Änderung ab: Aktuell erwerben 46 Prozent der Arbeitnehmerinnen und 51 Prozent der Arbeitnehmer Ansprüche in der betrieblichen Altersvorsorge der Privatwirtschaft. Im öffentlichen Dienst geht es schon jetzt ausgeglichener zu. Männer und Frauen erhalten hier ähnlich oft Leistungen aus einer Zusatzversicherung. Allerdings beziehen die männlichen Rentner durchschnittlich 392 Euro, die weiblichen nur 250 Euro. Bei den staatlichen Zulagen für die Riester-Rente haben die weiblichen Sparer die Nase vorn, was vor allem mit der Kinderzulage zusammenhängen dürfte.

Angesichts der Unwucht bei den Rentenbezügen überrascht es nicht, dass Frauen etwas häufiger als Männer auf Grundsicherung im Alter angewiesen sind. 2014 waren 314.000 oder 3,2 Prozent der Frauen über 64 und 201.000 oder 2,7 Prozent der Männer betroffen. Ausschlagegebend für die seit Jahren kontinuierlich steigende Zahl ist der Analyse zufolge das sinkende Niveau der gesetzlichen Rente – bei gleichzeitig steigendem Grundsicherungsniveau.

Zumindest in einer Hinsicht stehen Frauen deutlich besser da als Männer: Sie beziehen wegen der höheren Lebenserwartung im Schnitt fünf Jahre länger Rente. Bei den Hinterbliebenenrenten ist die Zahl der weiblichen Leistungsberechtigten auch deshalb ungleich höher, weil viele Frauen jünger als ihre Ehepartner sind.

Alles in allem sei die Rentenlücke angesichts steigender Frauenerwerbstätigkeit und stärkerer Anerkennung von Erziehungszeiten zuletzt zwar kleiner geworden, resümieren Klenner, Sopp und Wagner. Es sei aber noch viel zu tun. Notwendig für eine eigenständige Alterssicherung wären Verbesserungen bei den Erwerbschancen im Allgemeinen und bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Besonderen. Zudem gehörten die Rentenreformen des vergangenen Jahrzehnts auf den Prüfstand: Die Kürzungen bei der gesetzlichen Rente hätten das Risiko der Altersarmut erhöht, das Drei-Säulen-Modell sei insgesamt gescheitert und habe die Geschlechterunterschiede zum Teil sogar verstärkt. Empfohlen wird die Rückbesinnung auf eine gesetzliche Rente, die sich an der Sicherung des Lebensstandards

*Christina Klenner, Peter Sopp, Alexandra Wagner: Große Rentenlücke zwischen Männern und Frauen, WSI Report 29, März 2016. Download hier.

Zu dem Report gibt es einen Tabellenband mit allen Daten.

0

Alles muss hart erkämpft werdenU

Von nh

Refugees Welcome Demo in London, 12. September 2015 (Foto: David Holt London/flcikr.com/CC BY 2.0/www.flickr.com/photos/zongo/21365148935/in/album-72157658516504652/ Foto)
Refugees Welcome Demo in London, 12. September 2015 (Foto: David Holt London/flcikr.com/CC BY 2.0/www.flickr.com/photos/zongo/21365148935/in/album-72157658516504652/ Foto)

Der Internationale Frauentag hat eine lange Tradition. Er entstand im Kampf um Gleichberechtigung und gegen Unterdrückung, im Kampf um bessere Arbeitsbedingungen, höhere Löhne, kürzere Arbeitszeiten. Der Widerstand richtete sich auch gegen unzumutbare Wohn- und Lebensbedingungen. Lange musste gegen den Ausschluss von Frauen von Wahlen, ja teilweise von jeglicher politischer Betätigung gekämpft werden.

Auf dem Internationalen Arbeiterkongress zu Paris (Juli 1889) wurde auf Antrag von Emma Ihrer und Clara Zetkin ein Beschluss über die Gleichberechtigung der Frau gefasst.

In ihrer Rede auf diesem Kongress erklärte Clara Zetkin unter anderem: „(…) Die Arbeiterinnen sind durchaus davon überzeugt, dass die Frage der Frauenemanzipation keine isoliert für sich bestehende ist, sondern ein Teil der großen sozialen Frage. Sie geben sich vollkommen klare Rechenschaft darüber, dass diese Frage in der heutigen Gesellschaft nun und nimmermehr gelöst werden wird, sondern erst nach einer gründlichen Umgestaltung der Gesellschaft.“

Am 27. August 1910 wurde von der 2. Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen (100 Delegierte aus 17 Ländern) auf Initiative von Clara Zetkin und Käthe Duncker die alljährliche Durchführung eines internationalen Frauentages festgelegt, der sich gegen die mehrfache Ausbeutung richtete.

Der erste Internationale Frauentag fand am 19. März 1911 statt. Millionen von Frauen in Dänemark, Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA beteiligten sich. Die zentralen Forderungen waren:

• Kampf gegen den imperialistischen Krieg

• Wahl- und Stimmrecht für Frauen

• Arbeitsschutzgesetze

• ausreichender Mutter- und Kinderschutz

• der Achtstundentag

• gleicher Lohn bei gleicher Arbeitsleistung

• Festsetzung von Mindestlöhnen

Die Festlegung des Internationalen Frauentages auf das Datum 8. März erfolgte 1921 durch Beschluss der 2. Kommunistischen Frauenkonferenz. Dabei sind sich die Historikerinnen und Historiker nicht ganz darüber einig, ob der Streik der Textilarbeiterinnen in New York am 8. März 1857, der der Näherinnen und Fabrikarbeiterinnen in Lynn (Massachusetts) am 7. März 1860 oder die großen Streiks und Demonstrationen der Tabak- und Textilarbeiterinnen in New York am 8. März 1908 Anlass waren, den Internationalen Frauentag auf den 8. März zu legen. Vor allem war es wohl die Erinnerung an den 8. März 1917. An diesem Tag fand in Sankt Petersburg ein Textilarbeiterinnen-Streik statt, der auf andere Bereiche übergriff und am Beginn der Februarrevolution vor 90 Jahren in Russland stand.

Alles was in den folgenden Jahrzehnten erreicht wurde, musste hart erkämpft werden.

Die Idee des 8. März blieb auch in der Zeit des Faschismus lebendig. Illegale Flugblätter erinnerten in Deutschland an den Internationalen Frauentag und forderten zum Kampf gegen den Faschismus auf. Für die antifaschistische Bewegung wurde der Frauentag international zum Kampftag gegen Krieg und Faschismus. Frauen standen in erster Reihe im antifaschistischen Kampf: in der Illegalität, im Partisanenkampf, bei der Verteidigung der spanischen Republik, an allen Fronten.

Nie wieder Faschismus und Krieg, das war auch das Hauptanliegen der ersten Frauentage nach dem Zweiten Weltkrieg.

Der Internationale Frauentag ist also auch ein Tag des Kampfes gegen Krieg und Kriegspolitik sowie gegen Faschisten und Rechtsentwicklung.

Heute werden – auch weil die Gegenkräfte nicht stark genug sind – viele der in der Vergangenheit erkämpfte sozialen Errungenschaften wie z. B. die formale Angleichung von Frauen- und Männerlöhnen, gleichwertige Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten durch die Herrschenden zunehmend infrage gestellt oder demontiert – im Zuge einer Angleichung nach unten ins Gegenteil verkehrt. 80 Prozent derjenigen, die wegen der Politik- vor allem der führenden imperialistischen Staaten –, aufgrund von Krieg, Verfolgung, Armut und Hunger heute ihre Heimat verlassen müssen, sind Frauen.

Deshalb sind die Folgerungen und die Grundforderungen zum 8. März für den Kampf um Frauenrechte auch heute: Organisiert Euch – auch über Ländergrenzen hinweg –, seid solidarisch – Frauen, Männer, hier Geborene wie zu uns gekommene Flüchtlinge – und kämpft gegen Krieg, Rassismus und Faschismus, für gleiche Rechte: für gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit, gleiche Bildungs- und Ausbildungschancen, soziale Sicherung, soziale und politische Gleichberechtigung!

0

SO, 6. März
Essen: Der Frauenarbeitskreis Essen präsentiert die Revue: „Lustig ist das Zigeunerleben?“ (siehe auch das Interview in dieser Ausgabe der UZ, Seite 9) Zeche Carl, Essen, Wilhelm-Nieswandt-Allee 100. Eintritt 5,- Euro, ermäßigt 3,- Euro, 16.00 Uhr.

Hamburg: „Dort kämpfen wo das Leben ist“ Politische Kulturveranstaltung der DKP Hamburg. Magda-Thürey-Zentrum, Lindenallee 72, Eimsbüttel (U-Christuskirche), 15.00 Uhr.

Bremen: Frauen im Widerstand gegen Krieg und Rechtsentwicklung, Veranstaltung der DKP mit Nina Hager, Chefredakteurin von „Unsere Zeit“ (UZ). Kulturprogramm mit der Bremer Musikerin Aline Bartheleny, dem Bremer Musikvertrieb „Jump Up“, sowie mit einem Bücher- und einem Kuba-Solidaritäts-Basarstand. Nachbarschaftshaus „Helene Kaisen“, Bremen-Gröpelingen, Beim Ohlenhof 10, 15.00 Uhr. Eintritt 5,- Euro, ermäßigt 3,- Euro incl. Kaffee und Kuchen.
DI, 8. März
Berlin: „Aber wann wird es besser werden?“ Konzert zum Internationalen Frauentag mit dem Hans-Beimler-Chor. Haus der Demokratie, Greifswalder Straße 4, 19.00 Uhr.
FR, 11. März
Offenbach: Texte und Lieder zu Frauen, Frieden und Arbeiterbewegung. Mit der Sängerin Susanne Kiebisch, Veranstaltung der DKP Offenbach. Gaststätte Wiener Hof (Saal), Offenbach-Bieber, Langener Straße 23, 19.30 Uhr. Eintritt 8,- Euro, ermäßigt 5,- Euro.
SA, 12. März
Saarbrücken: Rojava (Westkurdistan) – ein Beispiel für die Befreiung der Frauen. In der Veranstaltung der DKP Saarland berichten Aktivistinnen von ihren Erfahrungen. Musik mit der Gruppe „Musikandes“. Nauwieserstraße 19, 18.00 Uhr.

Dortmund: „Lustig ist das Zigeunerleben?“, Revue zum Frauentag. Veranstaltung der DKP. Bezent, Münsterstraße 59, 16.00 Uhr.

Stuttgart: (Nicht nur) Frauen fordern: „Nieder mit dem Krieg“. Lieder gegen den Krieg mit Marianne Hangstörfer. Veranstaltung von DKP und SDAJ Baden-Württemberg und Waldheim Gaisburg. Neue Obere Halde 1, 14.00 Uhr.

0

12. Februar 2016

SDAJ

Gewalt gegen Frauen in unserer Gesellschaft ist kein individuelles „Pech“ sondern hat System. Es hil­ft daher nicht, nur an das „Mitgefühl“ von Männern persönlich zu appellieren, sondern die Gewalt muss als Folgeproblem dieser Gesellschaft­, dieser Wirtschaftsform und des Staates der sie absichert, verstanden und bekämpft­ werden.

Im Kapitalismus werden klassische Frauenberufe (z.B. ErzieherIn, Pflegeberufe, KassiererIn) äußerst schlecht bezahlt, sodass für diese Kolleginnen und Kollegen ein eigenständiges Leben mit Kindern nicht möglich ist. Auch in besser bezahlten Berufen haben Frauen schlechtere Chancen: Sexistische Vorstellungen, die Möglichkeit einer Schwangerschaft und die „Babypause“, die meist von Frauen genommen wird, führen zu einem Wettbewerbsnachteil gegenüber den Kollegen. Am Ende ergibt sich in Deutschland zwischen Männern und Frauen ein Einkommensunterschied von durchschnittlich 22%. Frauen fungieren im Kapitalismus häufig als Lohndrückerinnen, was sich negativ auf alle Löhne auswirkt. Billige Frauenarbeit liegt also im Interesse der Konzerne, um die KollegInnen zu spalten.

Die gesellschaftlichen Verhältnisse fördern weibliche Abhängigkeit und begründen somit ein Machtverhältnis zwischen den Geschlechtern was letztendlich auch physische und verbale Gewalt gegenüber Frauen begünstigt. Diese Ungerechtigkeit lässt sich nur aufrechterhalten, weil frauenfeindliche Vorstellungen immer noch tief in der Gesellscha­ft verankert sind. Sexismus erfüllt für den Kapitalismus also eine wichtige Funktion. Deshalb kann er auch nur durch die Abschaffung des Kapitalismus endgültig verschwinden.

Alltagssexismus und Macho-Gehabe sind in der Gesellschaft und den Köpfen verankert. Belästigungen in der Öffentlichkeit und sexistische Sprüche im Bekanntenkreis werden als „Flirten“ oder „Witze“ entschuldigt und wer einen kurzen Rock trägt, soll ja bekanntlich selbst schuld sein. In einer solchen Tätergesellschaft werden Täter entschuldigt und Opfern wird die Schuld zugeschoben.

Fast alle Gewaltverbrechen passieren in Beziehungen. Die Frauen kennen die Täter also meist schon vorher (Partnerschaft, Familie, Arbeitskollegen, Bekanntenkreis). Die Hemmschwelle sich zu wehren oder Anzeige zu erstatten ist in diesen Fällen noch höher. Institutionen wie Frauenhäuser können hier helfen, doch sind – wie so viele soziale Einrichtungen – chronisch unterbezahlt. Was keinen Profit abwirft, hat im Kapitalismus natürlich keine Priorität.

Rassismus ist keine Antwort auf Sexismus. Seit den sexistischen Übergriffen in der Silvesternacht am Kölner Hbf werden viele Stimmen laut die, angeblich im Interesse der Frauen, die Abschiebung der ausländischen Täter fordern. Bewusst wird hier Angst vor zunehmender sexualisierter Gewalt durch einreisende Flüchtlinge geschürt. Durch Zahlen ist das nicht belegt. Bildung, Einkommen, Alter und Religionszugehörigkeit sind in Bezug auf sexualisierte Gewalt statistisch völlig bedeutungslos. Der Anteil der von Ausländern begangenen Straftaten ist nicht gestiegen. Wer meint, dass sexualisierte Gewalt vornehmlich von muslimischen Männern ausgeht, der sei außerdem daran erinnert wie gefährlich der Aufenthalt unter deutschen Christen an Karneval oder beim Oktoberfest für Frauen sein kann.

Selbstverständlich müssen die Täter von Köln zur Rechenschaft gezogen werden, aber eben auf die gleiche Weise wie deutsche Sexualstraftäter. Die Abschiebung “krimineller Ausländer” ist eine rassistische Forderung und Praxis, da sie Personen, je nach Herkunft, in “legale” und “illegal” Menschen einteilt, die unterschiedlich hart bestraft werden. Das verstößt gegen die Gleichheit vor dem Gesetz und gegen die Menschenrechte der Geflüchteten.

Der Staat in dem wir leben schafft nicht die rechtlichen Bedingungen, um Frauen vor Gewalt zu schützen. Rechtliche Verbesserungen mussten schon immer gegen diesen Staat erkämpft­ werden. Beispiele hierfür sind das Wahlrecht für Frauen oder die strafrechtliche Verfolgung von Vergewaltigungen in der Ehe. Erst seit 1997(!) gilt dies als eine Straftat! Und auch heute noch führt der umstrittene § 177 StGB dazu, dass die allermeisten Vergewaltigungen straflos bleiben. „Nein!“ sagen oder Weinen gelten nicht als ausreichende Gegenwehr. Nur wenn die Opfer schwere Verletzungen vorzuweisen haben, kann eine Vergewaltigung zur Verurteilung führen. 2012 führten daher nur 8,4%(!) der angezeigten Vergewaltigungen zu Verurteilungen. Und: Verbale Belästigung oder Stalking kann man nicht einmal anzeigen!

Wir fordern:

•Solidarität gegen Alltagssexismus! Seht nicht weg, wenn vor euch Frauen belästigt oder wie Menschen zweiter Klasse behandelt werden!
•Änderung des § 177 StGB, sodass jede Vergewaltigung strafbar wird!
•Eine deutliche Aufwertung der Sozial- und Pflegeberufe. Frauen brauchen ein Einkommen, das sie unabhängig macht!
•Gleicher Lohn für gleiche Arbeit! Schluss mit der schlechteren Bezahlung von Frauen!
•Die Sicherheit von Frauen darf nicht zur Rechtfertigung von Rassismus instrumentalisiert werden. Keine Verschärfung des Asylrechts! Gleiche Rechte für alle hier lebenden Menschen!

Gemeinsam gegen Ausbeutung, Sexismus und Gewalt gegen Frauen!

0

26. Januar 2016

Liebe Alice Schwarzer,

du bist Herausgeberin, Redakteurin und Geschäftsführerin der Zeitschrift EMMA und selbst ernannte Ober-Frauenrechtlerin in Deutschland. In dieser Funktion hast du dich zu den Vorfällen in Köln in der Silvesternacht geäußert. Das seien „die Folgen der falschen Toleranz“, meinst du. Im österreichischen Pendant zur BILD, der Kronen-Zeitung, forderst du die Täter abzuschieben, wenn es möglich sei. Dein angebliches Anliegen, Frauen besser vor gewalttätigen und sexuellen Übergriffen zu schützen, ist ehrenwert. Doch das tust du damit nicht.

Du erklärst den vermeintlichen ethnisch-religiösen Hintergrund der Täter zur Ursache. Nun ist noch überhaupt nicht geklärt, wer die Täter sind, also lässt sich auch wenig über irgendwelche Migrationshintergründe oder Religionszugehörigkeit aussagen. Aber davon mal ganz abgesehen. Sexismus, sexuelle Belästigung bis hin zu Vergewaltigungen – all das ist in Deutschland alltäglich.
Aber statt darüber zu reden, stimmst du – wenn auch gewählter ausgedrückt – offenbar lieber in die rassistische Hetze mit ein und forderst mit deinen Äußerungen eine rechtliche Sonderbehandlung von Menschen ohne deutschen Pass. Damit ist keinem Opfer von Sexismus oder sexueller Gewalt geholfen. Geholfen hast du damit lediglich Pegida, NPD & Co., die selbiges seit Langem fordern und sich freuen, dass die Bundesregierung Mitte Januar beschlossen hat, entsprechende Gesetzesänderungen auf den Weg zu bringen. Für das gleiche Verbrechen werden MigrantInnen in Deutschland nun noch viel härter bestraft als Menschen mit deutschem Pass. Das ist gesetzlich verankerter Rassismus. Deine Worte sind geeignet ihn zu legitimieren. Glückwunsch. Ich wäre stattdessen dafür SteuerhinterzieherInnen wie dich viel härter zu bestrafen.

Laut Terre des Femmes wird in Deutschland alle drei Minuten eine Frau vergewaltigt. Weniger als ein Prozent der Täter wird verurteilt. Jede siebte Frau musste in ihrem Leben schon einmal eine Vergewaltigung, versuchte Vergewaltigung oder sexuelle Nötigung erleben. Die eigene Wohnung ist bei sexualisierter Gewalt der häufigste Tatort, die Täter stammen entsprechend aus dem engeren Familien- und Bekanntenkreis. Bildung, Einkommen, Alter und Religionszugehörigkeit sind dabei statistisch völlig bedeutungslos. Da redet fast niemand drüber. Aber wenn deutsche Frauen von Ausländern angegriffen werden, dann ist das ein Angriff des Fremden auf die ganze deutsche Nation.

Es geht hier um ein gesellschaftliches Phänomen. Es beruht auf der gesellschaftlichen Schlechterstellung der Frau, die ihre Grundlage in der doppelten Unterdrückung und Überausbeutung von Frauen im Kapitalismus hat und sich in sexistischer Werbung und Rollenbildern, schlechterer Bezahlung am Arbeitsplatz, ungleicher Verteilung der Hausarbeit zwischen den Geschlechtern und eben auch in sexueller Gewalt an Frauen ausdrückt.

Jede Äußerung, die das skandaliert, jeder Schritt, diese Zustände, und seien es nur die Symptome, zu bekämpfen, ist begrüßenswert. Dein Kommentar zu Silvester ist leider nichts davon. Der hilft nur denen, die die ekelhaften Vorfälle am 31.12.2015 dafür nutzen wollen, ihre eigene rassistische Agenda ein Stück weiter durchzusetzen.

Jann, Essen &
das Zeitungskollektiv

SDAJ

0

Kaum vereinbar

Über Familie, Beruf, unsere Interessen und die der Unternehmen

Über 90 Prozent der Jugendlichen meinen, dass Familie und Kinder gegenüber der Arbeit nicht zu kurz kommen dürfen. 95 Prozent finden einen sicheren Arbeitsplatz wichtig. Drei Viertel möchten in Teilzeit arbeiten können, sobald sie Kinder haben. Das sind Ergebnisse der im Januar 2016 veröffentlichten Shell-Jugendstudie.

Sie zeigen sehr deutlich, wie wenig junge Menschen davon ausgehen, einen normalen Beruf mit Kindern und Familie unter einen Hut bringen zu können – aus gutem Grund. Denn Beruf und Familie sind zwei Dinge. Es geht also nicht um „Vereinbarkeit“, sondern um ein „zusätzlich schaffen“.

75 Prozent der Jugendlichen wollen, um das auch noch zu bewältigen, im Beruf kürzer treten können, indem sie z.B. Stunden reduzieren. Das ist aber erstens nicht immer möglich und geht zweitens auf Kosten des eigenen Lohns und der Aufstiegschancen. Flexibilisierung ist die Lösung – bekommen wir überall erzählt. Unternehmen würden zunehmend auf die Wünsche ihrer Beschäftigten eingehen und zum Beispiel das Arbeiten von zu Hause aus ermöglichen oder flexiblere Arbeitszeitmodelle anbieten. Dabei versteht sich von selbst: Die Arbeitsleistung muss die gleiche bleiben, zumindest wenn man am Ende des Monats die gleiche Summe Geld auf dem Konto haben will.

Nur, wie dadurch dann mehr Zeit für Familie und Kinder herauskommen soll – das versteht sich nicht von selbst. Denn: Egal wie flexibel sie über 24 Stunden, 7 Tage oder 52 Wochen verteilt wird: Die Lohnarbeit bleibt Lohnarbeit und die Kinder bleiben – bei aller Freude, die sie auch machen (können) – eben auch Arbeit, nämlich Reproduktionsarbeit. Und solange letzteres nicht über Kindertagesstätten, Krippen, Horte u.v.m. flächendeckend gesellschaftlich organisiert wird, bleibt es ein „Ich muss das auch noch schaffen“.

Damit das überhaupt noch zu schaffen ist, verzichten viele auf Einkommen, insbesondere junge Frauen. Diese jungen Frauen finden sich dann häufig, von einigen gut Verdienenden abgesehen, in irgendwelchen kündigungsschutzfreien, lohngedumpten Niedriglohnjobs wieder. Denn dort kann man besonders einfach Teilzeit arbeiten. In sozialversicherungspflichtigen, tarifvertraglich abgesicherten Jobs ist das schon komplizierter. Gerade junge Frauen zahlen damit den Preis für die „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“.

Dabei müsste das nicht so sein. Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich und genügend bezahlbare öffentliche Kinderbetreuungsmöglichkeiten für alle sind das, was nötig wäre, um unseren Wunsch, Beruf und Familie vereinbaren zu können, zu ermöglichen. Damit das möglich wird, müssen wir diejenigen zwingen, die vom Niedriglohnsektor und individuell organisierter Kinderbetreuung zu Hause profitieren: die Unternehmen.

Das wäre im vor allem im Interesse vieler junger Frauen, aber auch junger Männer, denn von denen wünschen sich ebenfalls 60 Prozent Kinder – nur 9 Prozent weniger als bei den jungen Frauen.

Jan, Essen

SDAJ

 

0

Der Mob ist los

Von Ulla Jelpke |

In Deutschland tobt der Mob. Nein, nicht der „arabische Sex-Mob“, der nach zahlreichen Fällen sexueller Männergewalt durch migrantische Täter in der Kölner Silvesternacht von einschlägigen Medien schnell herbeigeschrieben wurde. Denn diese Vorfälle, bei denen sich Banden des Mittels sexueller Belästigung und Gewalt bedienten, um ihr eigentliches Ziel der Beraubung von Frauen zu erreichen, sind in dieser Massivität bislang glücklicherweise ein Ausnahmefall.

Doch heute tobt ein Mob aus „besorgten Bürgern“, Pegida und Neonazis. Typen, denen man als Frau nicht nachts alleine begegnen will, bilden Bürgerwehren. Horden von rechten Hooligans und Rockern, die sonst nie ein Hehl aus ihrer Frauenverachtung gemacht haben, spielen sich jetzt als Beschützer „unserer Frauen“ auf und jagen Ausländer. Rechtspopulisten, die noch vor Kurzem im Feminismus eine mindestens ebenso zersetzende Gefahr für das „deutsche Volk“ erblickt hatten wie in Flüchtlingen, sind plötzlich zu glühenden Verteidigern von Frauenrechten mutiert.

Solche Gruppen haben nur auf ein Ereignis wie in Köln gewartet, um damit ihre rassistische Kampagne zu befeuern. Vor einigen Wochen war auf einem vielgelesenen antimuslimischen Internetportal sogar regelrecht dazu aufgerufen worden, Massenvergewaltigungen deutscher Frauen durch Ausländer zu erfinden, um die öffentliche Meinung gegen die weitere Flüchtlingsaufnahme zu beeinflussen.

Als willkommener Vorwand erscheinen die Kölner Ereignisse auch den Unionsparteien. Nun hoffen CDU und CSU gegenüber einer vor dem Druck des Mobs einknickenden Koalitionspartnerin SPD ihre schon lange in den Schubladen liegenden weiteren Asyl- und Strafrechtsverschärfungen durchpeitschen zu können.

Keine Frage: das, was an Silvester in Köln geschehen war, ist ekelhaft und für die betroffenen Frauen traumatisierend. Die Täter – bislang gibt es gerade einmal eine Reihe von Tatverdächtigen – müssen ermittelt und bestraft werden. Doch die dafür notwendigen Gesetze bestehen seit Langem. Auch die Abschiebung straffällig gewordener Ausländer ist ab einer gewissen Strafhöhe möglich. Doch sollte gelten: Wer bei uns straffällig wird, muss auch bei uns bestraft werden. Zudem gilt es klipp und klar zu sagen: Asylrecht ist ein Grundrecht und kein Gastrecht.

Der Kampf gegen Sexismus und der Kampf gegen Rassismus sollten nicht gegeneinander aufgerechnet werden, sonst verlieren beide Seiten. Denn Angsträume in deutschen Städten darf es weder für Frauen noch für Flüchtlinge und Migranten geben.

0

Arbeiterinnen united

Arbeiterinnen united: Zu diesem Netzwerk gehören Näherinnen aus dem Süden und Verkäuferinnen aus dem Norden der Welt

 

Von Gudrun Giese

publik

Was verbindet die Näherin einer Textilfabrik in Bangladesch mit einer Verkäuferin bei H&M in Deutschland? Nicht nur die Billigklamotten, die die eine herstellt und die andere verkauft. Auch die Arbeitsbedingungen beider sind schlecht, ihr Lohn reicht hier wie dort kaum zum Leben, und gewerkschaftliches Engagement wird vom Arbeitgeber äußerst ungern gesehen. Umso wichtiger ist es, die Gemeinsamkeiten entlang der Produktions- und Lieferkette im Textilhandel deutlich zu machen, heißt es bei ver.di und dem von der Gewerkschaft mitgetragenen Netzwerk „ExChains“.

Die Wortkreation spielt mit dem Doppelsinn. Das englische „Exchange“ heißt zu Deutsch Austausch, „ExChains“ meint so viel wie „Fort mit den Ketten“. Das Netzwerk steht für beides. Anfang November wurden wieder die katastrophalen Arbeitsbedingungen in Textilfabriken Bangladeschs und Indiens in den Mittelpunkt gerückt: Anlässlich einer Betriebsrätekonferenz beim Textilhändler Zara in Hannover waren Prathiba Ramantha von der indischen Gewerkschaft Garment and Textile Workers Union und Hira Biswas von der National Garments Workers Federation in Bangladesch eingeladen, um der Geschäftsleitung von Zara Deutschland einen Forderungskatalog zu überreichen. Im Mittelpunkt der Forderungen stehen die Vereinigungsfreiheit in den Zulieferbetrieben von Zara, Zugangsrechte für Gewerkschaften in den Firmen und die Einrichtung von Komitees, die gegen sexuelle Gewalt am Arbeitsplatz vorgehen. Außerdem sollen multinationale Bekleidungsketten wie Zara, Primark, H&M die Namen ihrer Zulieferer und der Subunternehmen der Zulieferer offenlegen. Die Beschäftigten und ihre Vertretungen in den Zulieferbetrieben sollen über Bestellmengen, Preise und Lieferzeiten ebenso informiert werden wie über die Abwicklung der Aufträge.

Organisiert in Asien

„Die Unternehmen in Deutschland müssen die Gewerkschaften in der Produktion als direkte Verhandlungspartnerinnen anerkennen“, sagte Festim Lezi, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats bei Zara und aktives Mitglied im gewerkschaft- lichen Arbeitskreis „Junge Mode“. „Nur so können wirkliche Verbesserungen erreicht werden. Dafür werden wir Druck machen.“ Der Forderungskatalog soll in nächster Zeit an weitere Textilhändler überreicht werden, so an H&M.

Vorausgegangen war der Aktion in Hannover eine Organisierungskampagne in Textilfabriken Indiens, Bangladeschs und Sri Lankas, die Gewerkschaften vor Ort mit Unterstützung des ExChains-Netzwerks initiiert hatten. „Uns geht es darum, durch Vernetzung und Austausch die Beschäftigten in den Textilfabriken bei ihrem gewerkschaftlichen Engagement zu unterstützen“, sagt Damiano Quinto, der in der ver.di-Bundesfachgruppe Einzelhandel auch für Zara und H&M zuständig ist und zuvor Betriebsratsvorsitzender bei H&M in Trier war.

Das Netzwerk wolle nicht nur die miserablen Arbeitsbedingungen in den Produktionsstätten Südostasiens anprangern. „Bei ExChains steht die Aktivität im Mittelpunkt: Wir wollen Gewerkschaftsarbeit stärken, denn die Beschäftigten können am Ende ihre Probleme nur selbst lösen“, sagt Quinto. Und das gelte in einer Textilfabrik in Dhaka/Bangladesch genauso wie in einer Berliner Filiale von Zara, H&M oder Primark. Darauf zielte auch Saskia Stock, Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats bei H&M und im Arbeitskreis „Junge Mode“ aktiv, mit ihren Worten auf der Betriebsrätekonferenz in Hannover: „Wir begreifen uns als Kolleginnen und Kollegen einer Branche in Nord und Süd und arbeiten gleichberechtigt zusammen.“

Das ExChains-Netzwerk gibt es bereits seit 2002, es wird unter anderem von TIE Global (Transnational Information Exchange) und dem TIE Bildungswerk, dem DGB-Bildungswerk Bund, von ver.di sowie Textilgewerkschaften in Bangladesch, Indien und Sri Lanka getragen. Sein Ziel ist, „es Arbeiterinnen überall in der globalen Bekleidungsindustrie zu ermöglichen, die Kontrolle über ihr eigenes Arbeiten und Leben zu erlangen“. Dazu gehörten das Recht sich in unabhängigen Gewerkschaften zu organisieren sowie die Vermittlung von Wissen über wirtschaftliche Zusammenhänge – sowohl über den globalen Kapitalismus allgemein als auch über die globale Bekleidungsindustrie.

„Der Besitzer der ursprünglich spanischen, inzwischen längst globalen Bekleidungskette Zara, die zur Inditex-Gruppe gehört, ist einer der reichsten Männer der Welt“, sagt Quinto. „Wir wollen mit unseren Forderungen und Kampagnen klar machen, dass dieser Reichtum auch durch die Ausbeutung von Beschäftigten in Süd wie Nord zustande gekommen ist, indem den Kolleginnen die Möglichkeit genommen wird, etwas an ihrer Situation zu ändern.“ Sinn und Zweck der ExChains-Kampagnen ist es, hier anzusetzen und die Beschäftigten in ihren Handlungsmöglichkeiten zu stärken.

0

Industrie 4.0 und die Frauen

 

Flexibilisierung der Arbeit ist eine besondere Gefahr für Frauen

Auf Einladung der DKP-Frauenkommission trafen sich 14 Frauen in Altena, um sich einen Tag lang mit dem Thema „Industrie 4.0“ und deren besondere Bedeutung für Frauen zu beschäftigen. Den Einstieg ins Thema lieferte Tina Flügge mit einem Powerpoint-Vortrag, der Chancen und Risiken der Digitalisierung in Beruf und Gesellschaft darlegte und entsprechende Fragen aufwarf. Im Anschluss wurde in drei Arbeitsgruppen gearbeitet.

Die AG 1 beschäftigte sich mit der Frage: Was verstehen wir unter Produktivkraft/-entwicklung und welche Auswirkung von Industrie 4.0 sehen wir unter kapitalistischen Bedingungen? Neben der ausführlichen Begriffsanalyse kam die AG zu einem eindeutigen Ergebnis, welches kurz und provokativ heißt: Sozialismus oder Barbarei! Eine besondere Gefahr für Frauen wurde in der Flexibilisierung der Arbeit gesehen, die auch Entgrenzung und unbezahlte Mehrarbeit bedeutet. Bevorzugt wird die Flexibilisierung von Frauen in Anspruch genommen, um nebenbei noch Haushalt und Kinder zu versorgen. Neben drohenden gesundheitlichen Problemen (Burn-Out) verfestigt dies das konservative Frauenbild. Auch die anstehenden Rationalisierungen im Dienstleistungssektor, also Krankenhäuser, Handel usw., betreffen vor allem Frauen.

In AG 2 wurde über die Frage diskutiert, welchen Nutzen Industrie 4.0 für die Menschen haben könnte
und wo positive Auswirkungen gesehen werden könnten. Auch hier kam die Arbeitsgruppe zu dem Schluss, dass nahezu jeder Aspekt unter kapitalistischen Bedingungen eine Verschlechterung für die Arbeiterklasse bedeutet. Lediglich die Möglichkeit, dem Abbau von Arbeitsplätzen mit einer Verkürzung der Arbeitszeit bei vollem Lohn- und Personalausgleich zu begegnen, konnte als positiver Gesichtspunkt angesehen werden. Eine Möglichkeit, die allerdings sehr schwer durchzusetzen sein wird und mit aller Kraft gefordert werden muss. Als großes Problem wurde das Sammeln von Daten angesehen. Durch die digitale Verknüpfung wird eine Totalüberwachung ermöglicht, die alle Lebensbereiche erfasst und der Manipulation des Konsumverhaltens sowie einer umfassenden Kontrolle der Menschen Tür und Tor öffnet. Die AG kam zu dem Schluss, dass die Digitalisierung im Sozialismus durchaus eine Entwicklung zum Nutzen der Menschen bedeutet, in unserem Gesellschaftssystem allerdings ein weiteres Instrument zur Unterdrückung und Ausbeutung der Arbeiterklasse ist.

Die AG 3 überlegte, welche Handlungsmöglichkeiten wir sehen, wo wir Einfluss nehmen können und welche Bündnispartner/innen wir sehen. Es wurde die Notwendigkeit festgestellt, überhaupt erst einmal ein Problembewusstsein zu schaffen und auf die Gefahren der zunehmenden Digitalisierung hinzuweisen. Es gibt eine Vielzahl von potentiellen Verbündeten, an erster Stelle natürlich die Gewerkschaften. Im anschließenden Plenum wurde noch einmal übereinstimmend festgestellt, wie nötig es ist, endlich etwas in Bewegung zu bringen und wie wichtig der Kampf um Arbeitszeitverkürzung und Datenschutz ist.

Der Frauenarbeitskreis wird sich weiter mit dem Thema beschäftigen.

Barbara Kuprat

UZ, Zeitung der DKP, Nr. 52/2015

Seite 3 von 612345...Letzte »