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Doppelter Sieg

7. Juni 2016

SDAJ

An der Schule und in der Stadt – SchülerInnen und SDAJ gegen rechte Brandstifter, Kriegseinsätze und die Junge Union.

Es ist ein sonniger Donnerstagmorgen. Lisa steht vor dem Haupteingang ihrer Schule und wartet auf Nellie, ihre Freundin, die gerade aus dem Copy-Shop eine Straße weiter kommt. Es ist noch etwa eine halbe Stunde bis zum Unterrichtsbeginn. „Hast du die Zettel,“ fragt Lisa. „Ja, es kann losgehen“, antwortet Nellie, noch etwas außer Atem. Als die beiden gerade das Schulgebäude des Schiller-Gymnasiums in Witten betreten wollen, werden die beiden angesprochen. „Du bist doch Nellie, oder?“, fragt Winald, ein Mitschüler der beiden. „Äh, ja“, antwortet Nellie zögerlich. Eigentlich kennen sie sich nicht. „Hängt ihr immer heimlich die Zettel in der Schule auf?“, fragt Winald etwas schüchtern, und setzt dann nach: „Kann ich vielleicht mitmachen?“

Seit zwei Wochen hängen im Schiller-Gymnasium immer wieder kleine, selbstgemachte Plakate, in den Klassenräumen liegen Handzettel aus und Tafeln sind beschrieben: „Warum liefert Deutschland Waffen an IS-Unterstützer-Staaten?“, „Refugees Welcome“ oder „Hände weg von Syrien!“ steht darauf zum Beispiel. Nach ein paar Stunden sind die meisten Plakate von den Lehrern wieder abgerissen. Aber es dauert nicht lange, bis wieder neue angebracht sind.

Ein paar Tage später, nach einer weiteren Aktion mit Flyern und Plakaten, bekommt Lisa zu Hause eine Nachricht. Costa, ein Mitschüler, schreibt ihr: „Frau Weiler hat nach dir gefragt. Du sollst zum Schulleiter!“ Währenddessen wird Nellie schon aus dem Unterricht geholt. Ihnen wird vorgeworfen „schulfremde Druckschriften“ im Schiller-Gymnasium verbreitet zu haben. Das sei verboten und sie seien dabei gesehen worden. „Das war wie ein Verhör“, beschreibt Lisa danach die Situation. „Da sitzen zwei Lehrer und die Schulleitung, gucken böse und stellen Fragen.“ Anfang nächster Woche kommen die Briefe mit den Missbilligungen, der Vorstufe zum Schulverweis, per Einschreiben.

Gegen Rassismus und Gewalt

In der Nacht auf den 25.01.16 brennt in Witten eine gerade eingerichtete Flüchtlingsunterkunft fast vollständig ab. Die Polizei geht von Brandstiftung aus, über die Motive der Täter kann natürlich nichts gesagt werden. Nur wenige Tage zuvor hatte in Witten das erste Treffen einer rechten Bürgerwehr stattgefunden. Schon am Dienstag trifft sich das Ennepe-Ruhr-stellt-sich-quer-Bündnis. Diesmal sind auch Vertreter der großen Parteien da, außerdem die Kirchen, Anarchisten und auch Jonas, als Vertreter der SDAJ. Nach einiger Diskussion findet sich eine Mehrheit für eine Demonstration unter dem Motto „Gegen Rassismus und Gewalt“, statt dem erst vorgeschlagenen Gedenkgottesdienst mit Lichterkette. „Wir haben dann versucht an unserer Schule für die Demo zu mobilisieren“, erzählt Lisa. „Aber auch hier hat uns die Schulleitung wieder versucht Steine in den Weg zu legen.“ Immerhin: Nach zähen Verhandlungen dürfen die beiden Freundinnen Durchsagen über die Lautsprecheranlage machen und durch alle Klassen gehen und über die Demo informieren- allerdings nur in Begleitung eines Mitglieds der Schülervertretung (SV). Dass Lisa Stufensprecherin und ebenfalls in der SV ist, spielt für die Schulleitung keine Rolle. Auch dass die frisch gegründete BezirksschülerInnen-Vertretung auch zur Teilnahme aufruft, tut nichts zur Sache. „Sonst beschweren sich wieder bestimmte Personen“, ist das zentrale Argument der Schulleitung. Die Demo ist ein voller Erfolg. Über 1.000 Menschen beteiligen sich in der Kleinstadt an dem Zug durch die Innenstadt. Lisa und Nellie laufen bei der SDAJ mit, die laut Westdeutscher Allgemeiner Zeitung (WAZ) auf der Demo „nicht zu übersehen“ war. „Das beste war, als ich mit einem aus der SV gesprochen habe“, erzählt Lisa lachend, „er hat gesagt, der Schülersprecher hätte ihn angewiesen sich von mir fern zu halten, weil ich in der SDAJ sei! Aber er ist dann trotzdem zur Demo gekommen.“

Illegale Meinungsäußerungen?

Ebenfalls in der WAZ erscheint tags darauf eine Presseerklärung der Jungen Union (JU) Witten, die sich besorgt zeigt: Linksextreme Gruppierungen wie die SDAJ würden die Debatte nach dem Brandanschlag instrumentalisieren. Ferner sei es nicht hinnehmbar, dass die SDAJ an einer Wittener Schule habe werben dürfen. Gleichzeitig hat sich die JU weder an der Demo, noch am Bündnis beteiligt – trotz wiederholter Einladung.

„Dahinter steckt vor allem Nicholas.“, meint Lisa. Nicholas ist 17, Mitglied der JU in Witten, besucht ebenfalls das Schiller-Gymnasium und geht mit Nellie in den gleichen Geschichtskurs. „Ich vermute mal sehr stark, dass er es auch war, der uns bei der Schulleitung angeschwärzt hat. Sein Wort hat irgendwie mehr Gewicht als das anderer Leute – sein Vater ist ein hohes Tier bei VW.“, ergänzt Nellie. In der Schule kippt in dieser Situation die Stimmung. Erst hatten viele MitschülerInnen Sympathien für die „illegalen Meinungsäußerungen“ der Gruppe um Nellie und Lisa, die nach und nach auch weitere „Mittäter“ gewinnen können. Jetzt wird es deutlich komplizierter. „Ich bin es ja gewohnt, dass Nicholas versucht mich zu mobben, aber diese Verunglimpfungen haben ziemlich verletzt“, beschreibt Nellie ihre Situation.

In den folgenden Tagen bricht ein Shitstorm auf der Website der WAZ und in den Leserbriefspalten los. Kaum jemand kann die Haltung der JU nachvollziehen. Jonas kommentiert: „Das ist gut, denn faktisch spielt die JU den Rassisten von NPD und AfD in die Hände und diskreditiert den Protest gegen den Brandanschlag. Ein Anschlag, für den auch die Regierung aus CDU und SPD mitverantwortlich ist, denn Massenunterkünfte für Flüchtlinge, die immer weitere Abschaffung des Asylrechts und der laufende Sozialabbau aller Regierungen der letzten Jahre sind der Boden, auf dem Rassismus und Faschismus gedeihen.“

Total überzogen

„Das war ein mega gutes Gefühl“, erzählt Lisa. „Nach der Presseerklärung der SDAJ, die auch teilweise in der WAZ abgedruckt wurde und den Beiträgen von anderen, ist vielen klar geworden, um was es hier geht.“ In der Schule wird jetzt viel diskutiert. Als ein Mitschüler erfährt, dass Nellie und Lisa eine Missbilligung bekommen haben, meint er: „Wie albern ist das denn?! Das ist doch total überzogen!“ Das Thema wird auch im Unterricht aufgegriffen. In Nellies Geschichtskurs geht es um Flüchtlinge. Viele Mitschüler meinen, dass Kriegsflüchtlinge schon kommen dürfen, Wirtschaftsflüchtlinge hingegen nicht. Nellie hält dagegen: „Niemand flieht freiwillig. Und die Bundesrepublik ist daran nicht unschuldig, siehe Waffenexporte.“ Und Lisa und Nellie finden auch hier Unterstützung: „Der Grund ist der Profit. Das ist im Kapitalismus so, nur das Geld zählt“, meint daraufhin ein Mitschüler. „Da war ich schon ein bisschen stolz“, meint Nellie.

„Das letztlich Entscheidende ist doch“, sagt Lisa, „Nicholas hat sich in der Schule genauso blamiert wie die JU in der ganzen Stadt und die SDAJ, naja, die SDAJ ist jetzt überall bekannt, als die Kraft, die sich weder von Schulleitungen noch sonst irgendwem was sagen lässt und konsequent gegen rechte Brandstifter, Kriegseinsätze und Rassismus steht.“

Jann, Essen

Der Artikel ist aus der POSITION #2-16. Du kannst unser Magazin ab 10€ im Jahr abonnieren. Oder Du lässt Dir erst einmal eine Ausgabe zuschicken. Schreib uns einfach eine Mail an position@sdaj-netz.de

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7. Juni 2016

Weltfestspiele der Jugend und Studierenden

 

Ecuadors Vertretung übergab die Festivalfahne an Russland

Ecuadors Vertretung übergab die Festivalfahne an Russland. Screenshot: VTV

 

Die 19. Weltfestspiele der Jugend und Studierenden finden vom 14. bis 22. Oktober 2017 im russischen Sotschi, der Stadt der Olympischen Winterspiele 2014, statt. Wie die kubanische Jugendzeitung »Juventud Rebelde« am Dienstag meldete, einigten sich die Delegierten des ersten internationalen Vorbereitungstreffens, das derzeit in Venezuelas Hauptstadt Caracas tagt, auch auf das Motto des Festivals. Es lautet demnach »Für Frieden, Solidarität und soziale Gerechtigkeit, kämpfen wir gegen den Imperialismus. Indem wir unsere Vergangenheit ehren, bauen wir die Zukunft auf«. Erwartet werden rund 30.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus aller Welt.
Gewidmet ist das Festival dem 100. Jahrestag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution sowie dem 70. Jahrestag der ersten Weltfestspiele, die 1947 in Prag stattgefunden hatten. Erinnert werden soll außerdem an den 50. Jahrestag der Ermordung Che Guevaras, den 60. Jahrestag der Weltfestspiele 1957 in Moskau sowie an den kürzlich verstorbenen Präsidenten der Demokratischen Arabischen Republik Sahara, Mohamed Abdelaziz, der Zeit seines Lebens gegen den Kolonialismus und für die Unabhängigkeit der Westsahara gekämpft hatte.

Am Montagabend wurde im Simón-Bolívar-Theater in Caracas mit einer feierlichen Zeremonie der offizielle Startschuss für die Vorbereitung des 19. Weltfestspiele gegeben. Eine Delegation aus Ecuador, wo 2013 die 18. Weltfestspiele stattgefunden hatten, übergaben Vertretern des russischen Vorbereitungskomitees die Festivalfahne.

 

Venezuelas Vizepräsident Aristóbulo Istúriz. Screenshot: VTV

Venezuelas Vizepräsident Aristóbulo Istúriz. Screenshot: VTV

Venezuelas Vizepräsident Aristóbulo Istúriz erinnerte in seiner Ansprache auf der vom staatlichen Fernsehen VTV direkt übertragenen Veranstaltung daran, dass er selbst dem venezolanischen Vorbereitungskomitee für die X. Weltfestspiele 1973 in Berlin/DDR angehört hatte. Er könne sich an das damalige Festival erinnern, »als wäre es gestern gewesen«. Istúriz rief zur antiimperialistischen Solidarität mit der Bolivarischen Revolution in Venezuela auf: »Die Medien stellen weltweit eines der faktischen Machtinstrumente der Oligarchie dar, die durch die Medienkontrolle in der Lage ist, die Völker voneinander zu isolieren, so dass diese ihre Wahrheit nicht durchsetzen können«. Dagegen helfe die internationale antiimperialistische Vernetzung, wie sie die Weltfestspiele anbieten. »Dies ist ein historischer Augenblick, in dem wie die Weltfestspiele der Jugend brauchen, damit die Wahrheit in die Welt hinauskommt. Es gibt kein anderes Vehikel, keinen besseren Weg, um der Jugend und den Studenten der Welt die Wahrheit zu vermitteln«, betonte der ehemalige Universitätsprofessor.

Quellen: Juventud Rebelde, Correo del Orinoco, VTV

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„Feel the Bern“

Eine Revolution im US-Präsidentschaftswahlkampf?

31. Mai 2016

SDAJ

„Feel the Bern!“ – dieser Spruch bewegt derzeit Millionen Menschen in den USA. Es ist der mit Hoffnung verbundene Slogan des Präsidentschaftskandidaten Bernard Sanders. Auch in Europa bewegt er: Die Linkspartei in Baden-Württemberg warb für ihren Kandidaten Bernd Riexinger mit einer ähnlich angelehnten Kampagne.

Demokratischer Sozialismus?

Bernie Sanders spricht immer wieder von Sozialismus: „Für mich geht es beim demokratischen Sozialismus darum, den starken Unternehmergeist, den wir in diesem Land haben, zu erhalten, um weiterhin Wohlstand zu produzieren, aber sicherzustellen, dass dieser Wohlstand um einiges gleicher verteilt ist, als es momentan der Fall ist.“
Sein Programm fordert zwar viele soziale Reformen wie die Einführung eines Mindestlohns und einer Sozialversicherung. Oder die Aufhebung von Studiengebühren, die Schaffung von mehr Arbeitsplätzen und staatliche Eingriffe zur Stabilisierung des Finanzmarktes. Doch die Produktionsmittel sollen weiterhin schön in privater Hand bleiben, das machte er in einer Rede an der Georgetown University deutlich. Da hat das Unternehmermagazin Forbes durchaus Recht, wenn einer seiner Autoren Bernies skandinavisches Modell bewertet: „Über was er da redet, was auch immer es sein soll, ist kein Sozialismus in auch nur irgendeiner Hinsicht. Hier in Europa würden wir das Sozialdemokratie nennen.“

Gegen Kriegseinsätze?

Auslandseinsätze lehnte Sanders als US-Senator nie grundlegend ab. Er stimmte 1999 für die Bombardierung Jugoslawiens und 2001 für den Afghanistan-Krieg. Heute betont er stolz, dass er 2003 gegen die Invasion im Irak stimmte. Im Nachhinein gab er seine Stimme jedoch mehrfach für die Bewilligung von mehr Geldern für eben jenen Irak-Krieg ab. Und 2014 stimmte er für ein 1-Milliarden-Dollar-Paket für die faschistische Putschregierung in der Ukraine.
Aktuell macht er sich vor allem für einen Abzug der US-Truppen aus Afghanistan stark. Auf seiner Wahlkampfwebsite werden die enormen Beträge aufgeführt, die der Auslandseinsatz die US-amerikanische Wirtschaft kostet. Er nennt, wie viele US-Soldaten bereits im Einsatz gefallen sind, verliert aber kein Wort über die ungezählten afghanischen Toten.

Kommunistischer Diktator?

Bernie gehört auch zu den Kritikern des US-Embargos gegenüber Kuba. Er meint, dass aufgrund des Embargos US-amerikanische Unternehmen Milliarden Dollar verlieren würden, während die kanadische und europäische Konkurrenz fleißig in Kuba investiert. Und Bernie hofft, dass Kuba allmählich den Weg hin zu einer „demokratischeren Gesellschaft“ nach westlichem und kapitalistischen Vorbild geht. Für Venezuela findet er ähnliche Worte. Den verstorbenen Präsidenten Hugo Chavez nennt er einen „toten kommunistischen Diktator“.

Sanders mag im Vergleich zu Kandidaten wie Trump, Cruz oder auch Clinton sympathischer sein. Eine Ausweitung der Sozialpolitik und ein paar Militäreinsätze weniger, so sähe Bernies Präsidentschaft vermutlich aus. Das hat auch schon der aktuelle US-Präsident im Wahlkampf versprochen. Immerhin, die offizielle Armutsquote ist gesunken – von 15 auf 14,8%.

Leo, München

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24. Mai. 2016

Weltfestspiele der Jugend und Studierenden

Das erste internationale Vorbereitungstreffen für die 19. Weltfestspiele der Jugend und Studierenden findet vom 3. bis 8. Juni in Caracas, Venezuela, statt. Das teilte am Montag der Generalsekretär der Kommunistischen Jugend Venezuelas (JCV), Héctor Alejo Rodríguez, bei einer Pressekonferenz mit. Zu der Veranstaltung werden mehr als 100 Vertreter von Jugendverbänden aus 80 Ländern der Welt erwartet, unter ihnen eine Delegation aus Russland, wo das Festival im kommenden Jahr stattfinden soll. Mit der Entscheidung, ihre Zusammenkunft in Caracas abzuhalten, solidarisiert sich die antiimperialistische Jugend der Welt mit Venezuela und dem Kampf gegen die Kräfte des Kapitals.

Traditionell findet das erste internationale Vorbereitungstreffen eigentlich in dem Land statt, das die letzten Weltfestspiele veranstaltet hat. Ecuador, das 2013 das Festival ausrichtete, ist aktuell durch die Folgen des schweren Erdbebens allerdings nicht in der Lage, die Konferenz durchzuführen. So ist Venezuela eingesprungen.

»Es ist eine Ehre, dass unser Land ausgewählt wurdem das erste internationale Vorbereitungstreffen der wichtigen Weltfestspielbewegung empfangen zu dürfen, die in diesem Land ihren 70. Jahrestag feiert«, erklärte Rodríguez. Er kündigte an, dass am 6. Juni im Teresa-Carreño-Theater in Caracas eine zentrale Solidaritätsveranstaltung für Venezuela stattfinden wird, zu der auch Staatspräsident Nicolás Maduro erwartet wird.

Venezuela hatte die 16. Weltfestspiele der Jugend und Studierenden 2005 in Caracas ausgetragen.

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Gemeinsam camp(f)en

600 Jugendliche bei den Pfingstcamps der SDAJ

Von jm  

Unter dem Motto „Hoch den Arsch gegen Camouflage!“ versammelten sich im Waldbad Königsee in Thüringen etwa 130 Jugendliche im Ostcamp der SDAJ. Politisch standen die Themen Antimilitarismus und Antifaschismus im Vordergrund. Gerade mit dem Aufstieg der AfD ist klar geworden, dass die antifaschistische Arbeit intensiviert werden muss. Ein Aufmarsch von Pegida mit mehreren tausend Teilnehmern ist viel schwieriger zu blockieren als ein kleines Häuflein NPD-Faschisten. Diskutiert wurde auch, wie man die gemeinsamen Interessen von migrantischen und deutschen Jugendlichen an allseitiger und umfassender Bildung ohne Selektion an ausreichend Ausbildungsplätzen oder günstigem Wohnraum besser verdeutlichen kann. Ganz praktisch zeigte sich der solidarische Umgang bei einem Fußballturnier, an dem sich Flüchtlinge beteiligten.

Das Zelt war bis auf den letzten Platz besetzt, als beim Nordcamp am Strand bei Kiel über Arbeitszeitverkürzung diskutiert wurde. „Das ist für uns Jugendliche eine enorm wichtige Auseinandersetzung“, so Florian Hainrich, Leiter der AG Betrieb und Gewerkschaft beim SDAJ-Bundesvorstand. „Während die einen immer länger und intensiver arbeiten sollen, finden die anderen keinen Job oder keine Ausbildung. Das heißt für uns, jegliche Perspektive fürs eigene Leben zu verlieren.“ Auch kulturell wurde den über 100 Dauergästen einiges geboten: Z. B. wurden Brechts Flüchtlingsgespräche in einer szenischen Lesung aufgeführt. Einige Mutige sollen auch ein kurzes Bad in der Ostsee genommen haben – trotz des kalten Wetters.

150 Besucherinnen und Besucher nutzten das Westcamp bei Münster, um „gemeinsam zu camp(f)en“, zu feiern und zu diskutieren. „Emma’s Dream“ und „The Cuckoo“ heizten dem Publikum beim Konzert am Samstagabend ordentlich ein. Blockadetraining, Fußballturnier und DJ Fred sorgten ebenfalls dafür, dass keine Langeweile aufkam. In informativen Diskussionsrunden mit Phillip Becher und Klaus Wagener zum Aufstieg der AfD bzw. dem Krieg in Syrien wurde ausgiebig nachgefragt und diskutiert. Deutlich wurde dabei auch, dass beides eng zusammenhängt: Die Kriege der NATO und der Bundeswehr in aller Welt sind die wichtigste Fluchtursache, denn niemand flieht freiwillig. „Das müssen wir in der ‚Flüchtlingsdebatte‘ nach vorne stellen und gleichzeitig skandalisieren, dass zwar 130 Milliarden für Aufrüstung bereitgestellt werden, aber für die dringend notwendige Renovierung von Schulen kein Geld da ist und die Forderungen der Beschäftigten im öffentlichen Dienst in der letzten Tarifrunde als völlig überzogen dargestellt werden“, so eine Teilnehmerin.

„Stop wars!“ war der Titel des Südcamps am Marbachstausee in Hessen. Workshops zu Rap, Tanz, Graffiti, Theater und Antirepressionsarbeit luden zum Mitmachen ein, „Spiky“, „Streem“, „GNZ“ und verschiedene DJ’s sorgten für das musikalische Programm für die über 230 Besucherinnen und Besucher. und bei der „Eis-See-Challenge“ ging der Landesverband Bayern als Sieger hervor. Sich gegenseitig argumentativ fit machen konnte man in Argumentationstrainings gegen Flüchtlingshetze und Bundeswehr in Schulen.

„Insgesamt sind wir mit der Beteiligung sehr zufrieden, wir hatten mit über 600 Teilnehmern deutlich mehr Gäste als bei den letzten regionalen Pfingstcamps,“ resümierte Lena Kreymann, stellvertretende Bundesvorsitzende das Wochenende. „Das wollen wir natürlich beim Pressefest der UZ vom 1. bis 3. Juli in Dortmund wiederholen, wo wir wieder einen eigenen Jugendbereich mit vielfältigem Programm organisieren werden.“

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17. Mai 2016

SDAJ

Warum ein radikaler Sozialkonstruktivismus Behinderten nicht nützt, sondern eher schadet

Seit dem Erscheinen der UN-Behindertenrechtskonvention 2006 ist das Thema Inklusion in aller Munde, schließlich wird darin die Forderung nach einer umfassenden gesellschaftlichen Inklusion aufgestellt. Fakt ist: behinderte Menschen werden in unserer Gesellschaft diskriminiert und ihnen wird systematisch die volle Teilhabe an der Gesellschaft verwehrt. Dem soll entgegen gewirkt werden. Die Ursachenzuschreibung dieser Diskriminierung sieht aus sozialkonstruktivistischer Perspektive allerdings oft so aus: Diskriminierung finde bereits durch die Zuschreibung von Behinderung statt. Auch der Slogan der Aktion Mensch „Behindert ist man nicht, behindert wird man“ taucht in diesem Zusammenhang häufig auf. Es stimmt, dass Behinderte in unserer Gesellschaft „behindert werden“: indem sie auf der Sonderschule keinen regulären Schulabschluss erlangen können, Blinden keine Laptops mit Vorlesesoftware zum Lernen zur Verfügung gestellt werden und an Schulen und Universitäten Rampen für RollstuhlfahrerInnen fehlen. Die Verklärung von Behinderung zu einem rein sozialen Konstrukt ist bei der Aufhebung der Diskriminierung jedoch alles andere als förderlich. Konsequent zu Ende gedacht, würde dies bedeuten, Behinderung als nur ein zugeschriebenes Merkmal von Vielen in einer heterogenen Gesellschaft zu erfassen. Wenn jedoch behinderte Menschen als solche nicht mehr bezeichnet werden dürfen, fallen sie damit als Empfänger eines besonderen Förderbedarfs weg. So führt eine begriffliche Gleichmachung erst recht zu Diskriminierung und Ungerechtigkeit in der Lebensrealität der Menschen.

Wie kann Inklusion zu einem selbstbestimmten Leben ohne Ausgrenzung beitragen? Eine gelungene Inklusion muss die Ausgegrenzten als vollwertige Individuen wahrnehmen, ihnen mit Respekt und Aufgeschlossenheit begegnen, aber auch – und das ist zentral – die Mittel, sowohl finanzieller als auch personeller Art, bereitstellen, um ihnen die gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Das alles würde Geld und Arbeit kosten und steht daher im Kapitalismus nicht auf der Tagesordnung. Da ist es einfacher, das Problem zu individualisieren und einzelnen „Rückständigen“, die in böser Absicht nicht bereit seien, ihre Sprache und ihr Verhalten zu ändern, anzulasten.

Eine fortschrittliche Wortwahl ist hilfreich, doch durch die Veränderung von Begriffen und Zuschreibungen allein lässt sich die Gesellschaft nicht verändern. Man läuft eher Gefahr, der Streichung staatlicher Versorgungsleistungen Argumente zu liefern. Worauf wir hinarbeiten müssen, ist die Beseitigung der Barrieren, die Menschen in unserer Gesellschaft behindern. Eine vollständige Aufhebung von Ausgrenzung und Selektion kann jedoch erst in einer Gesellschaft realisiert werden, die sich an den Bedürfnissen aller Menschen und nicht an den Profitinteressen Einzelner orientiert.

Nicky, Nürnberg und Roxy, Tübingen

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Post von der SDAJ

 

Der Offene Brief an Ingo Kramer

10. Mai 2016

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Lieber Ingo Kramer,

als Präsident der Bundesvereinigung deutscher Arbeitgeberverbände (BDA), fürchtest du einen „Imageverlust für den Standort Deutschland“, weil durch die Bilder aus Heidenau, Clausnitz und Köln „der Eindruck, dass bei uns gegen Ausländer demonstriert“ wird entsteht. Sag mal, hakts? Der EINDRUCK? Es gab regelrechte Hetzjagden auf Asylsuchende und am 18.02., also kurz bevor du Angst um den deutschen Ruf bekommen hast, wurde ein Bus voller geflüchteter Frauen und Kinder in Clausnitz von einem rechten Mob gestoppt und die Insassen bedroht. Dich stören die Bilder, nicht der stärker werdende Rassismus in unserer Gesellschaft.
Denn die Hetze ist für dich ja gut nutzbar, z.B. um deinen „Fünf-Punkte-Plan“ durchzusetzen. Dabei packst du die alte „Das Boot ist voll“- Geschichte wieder aus und willst die Außengrenzen Europas besser „schützen“. Die gerade niedergerissenen Zäune sollen mit viel mehr Personal und viel mehr Geld noch viel höher aufgebaut werden. Innerhalb der EU müssen die Grenzen natürlich geöffnet bleiben, denn 60% der deutschen Exportgüter gehen ins EU-Ausland, da stören Grenzkontrollen nun mal.

Die wirtschaftlich nicht „verwertbaren“ Geflüchteten willst du schneller wieder abschieben. Der Rest soll schnellstmöglich in den Arbeitsmarkt integriert werden, eignet er sich doch optimal als Lohndrücker. Da kann man den – ohnehin schon viel zu niedrigen – Mindestlohn ruhig nochmal aushöhlen. „Wer langzeitarbeitslos, gering qualifiziert ist oder noch nie gearbeitet hat, sollte für zwölf Monate von der Mindestlohnpflicht ausgenommen werden.“ forderst du, als Geschäftsführer deines Familienunternehmens, der JHK-Group. Du nutzt also gezielt die Flüchtlingsthematik, um unsere erkämpften Rechte anzugreifen. Der „starre Acht-Stunden-Tag“ passt dir z.B. so gar nicht, die Leute sollen auch mal 12 Stunden am Stück arbeiten.

Deine geforderten Deutschkurse für Geflüchtete soll natürlich die „Politik“ organisieren und finanzieren. Die Industrie sei mit der Qualifizierung überfordert, meinst du. Wir sollen also für die Kosten aufkommen, nicht du oder andere Vermögende. Naja, und wer sich deinem Deutsch-Kurs verweigert, dem soll das Geld gekürzt werden. In der FDP bist du also gut aufgehoben.

Auch um deine Zeitarbeit-Phantasien auszuleben, nutzt du die rechten Ausschreitungen. Gewerkschaften fandest du – als mittelständischer Unternehmer – ja schon immer doof, Tarifverträge sowieso und mit Leiharbeit kann man diese ja bekanntlich ganz gut umgehen. Noch besser wenn das Langzeitarbeitslose oder „gering qualifizierte“ Geflüchtete sind, dann muss man denen nämlich nicht mal 8.50€ in der Stunde zahlen, nach deinem ausgefuchsten Plan. Deine Willkommenskultur besteht aus Rassismus und Angriffen auf ArbeiterInnenrechte, unsere Willkommenskultur heißt gemeinsam kämpfen – für Arbeitszeitverkürzung, Übernahme und mehr Lohn, unabhängig von Pass und Hautfarbe!

Tobi, Gießen

 

Der 5-Punkte-Plan des Arbeitgeberverbands BDA:
1. Verpflichtende Deutschkurse, mit Sanktionen
2. Dafür Schulbesuch über das 18. Lebensjahr hinaus ausdehnen
3. Zeitarbeitsgesetz ausbauen
4. schnellere Abschiebungen
5. EU-Grenzen durch FRONTEX personell und finanziell stärken

 

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Sich in einer gewerkschaftlichen Jugendorganisation engagieren? Zum Beispiel in der ver.di-Jugend? – Dafür gibt es gute Argumente. Hier die Internet-Werbung der ver.di-Jugend:

Mitmachen

Du willst dich engagieren und etwas verändern? Dir stinkt auch die wachsende Ungleichheit in unserer Gesellschaft und prekäre Arbeit findest du zum Kotzen? Oder willst du einfach nur ein Gleichgewicht zur Macht deines Arbeitgebers herstellen?

 

Wenn du dich einsetzen willst, für ein besseres Arbeitsleben, mehr Vereinbarkeit von Familie und Beruf und echte Zukunftschancen statt leerer Versprechen, dann bist du hier genau richtig.
Wir sind über 100.000 junge Menschen, die genau das machen. Wir gemeinsam sind die ver.di Jugend. Wir setzen auf Beteiligung. Wir setzen auf Solidarität. Und wir setzen auf die Macht einer der größten Gewerkschaften der Welt.

Wir sind die ver.di Jugend  

Gesichter der ver.di Jugend

Ich bin bei ver.di aktiv, weil…

… weil nicht allein mein Arbeitgeber über meine Zukunft entscheiden soll und weil es Spaß macht, gemeinsam etwas zu bewegen.“ (Lisa G., 27, Bremen)

… weil man als junger Mensch in dieser schnelllebigen Zeit voller Krisen und Probleme schnell den Anschluss verliert. Gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen kann ich aktiv unsere Zukunft mitgestalten und meiner Stimme Nachdruck verleihen. Das macht nicht nur Sinn, sondern auch Spaß!“ (Michael H., 25, Bochum)

Ein riesiger „think tank“ – gemeinsam stark

Wer sich bei uns engagieren will, kann das entweder im Betrieb beziehungsweise der Dienstelle tun oder direkt bei ver.di. Auf der betrieblichen Ebene gibt es die Jugend- und Auszubildendenvertretung oder ver.di Aktivengruppen. In ver.di direkt haben wir zahlreiche Gruppen zu bestimmten Themen wie Rassismus, für bestimmte Branchen oder Personengruppen wie Selbständige, Erwerbslose oder Behinderte. Diese stehen allen Mitgliedern offen. Wenn ihr Lust habt dabei zu sein, meldet euch einfach bei euren hauptamtlichen Kolleg_innen in eurer Gegend.

Hier könnt ihr gemeinsam diskutieren und neue Wege finden, ob es um ein spezielles Problem in eurer Branche geht oder um gesellschaftliche Probleme. Bei uns treffen sich alle jungen Leute, die für ein gutes Leben und für gute Arbeitsbedingungen kämpfen und alle, die mit kreativen Kampagnen, Aktionen und Demos ihre Zukunft selbst gestalten wollen.

Wir haben da zum Beispiel:

  • Bildungspakete

    Ihr wollt euch persönlich und fachlich weiterentwickeln? Immer eine gute Entscheidung! Wir bieten ein umfangreiches Bildungsprogramm, Seminare zu allgemeineren und auch ganz speziellen Themen und all das auf Bezirks-, Landes- und Bundesebene. Mehr Infos liefern euch eure Jugendsekretär_innen vor Ort oder Nadine Telemann, unsere freundliche „Bildungsbeauftragte“ bei der ver.di Jugend.
    jugend.verdi.de/weiterbilden
  • JAV-Netzwerke

    Unsere Jugend- und Auszubildendenvertretungen (kurz JAV) sind bundesweit vernetzt. Das macht Sinn, denn über solche Netzwerke könnt ihr eure Alltagserfahrungen und euer spezielles Wissen untereinander austauschen. Wenn ihr Teil dieses Netzes werden wollt, wendet euch am besten an eure bestehende JAV in eurem Betrieb oder eurer Dienststelle oder fragt bei eurer ver.di Jugend vor Ort nach.
    jav.info
  • Tarifrunden
    Hier diskutieren und bestimmen wir gemeinsam unsere konkreten Forderungen für die jeweiligen Tarifverhandlungen. Und falls größere Aktionen oder Streiks notwendig sind, hauen wir natürlich auch gemeinsam auf den Putz. Klingt gut? Alle Details dazu wissen auch eure Jugendsekretär_innen vor Ort.
    jugend-macht-tarif.info
    besser-unbequem.de
  • Teamer_in
    Mit entsprechender Qualifikation könnt ihr bei uns spezielle Teams zu bestimmten Themen und Arbeitskreisen leiten. Mehr erfahrt ihr bei euren Jugendsekretär_innen vor Ort.

Jetzt liegt’s an dir- komm vorbei oder schicke einfach eine Mail an jugend@verdi.de. Die verdi jugend freut sich auf dich!

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Viele Betriebe sind nicht ausbildungsreif

DGB Bundesvorstand

Die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze ist im vergangenen Jahr weiter gestiegen. Der Azubi-Mangel konzentriert sich dabei auf 10 Branchen, zeigt eine DGB-Expertise. Das Problem ist hausgemacht, sagt DGB-Vize Elke Hannack. „Wenn junge Menschen als billige Arbeitskräfte ausgenutzt werden, bewerben sie sich in diesen Unternehmen nicht mehr“.

Azubi am SchweißenDGB/Simone M. Neumann

Die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze ist 2015 auf 41.000 gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr (2014) ist das ein Plus von 10,4 Prozent. Damit blieben 7,5 Prozent der betrieblichen Angebote unbesetzt. Und das, obwohl rund 81.000 Bewerberinnen und Bewerber derzeit einen Ausbildungsplatz suchen – doppelt so viele wie offene Stellen.

Auffällig ist laut einer aktuellen DGB-Expertise, dass es längst nicht alle Ausbildungsberufe Besetzungsprobleme haben. Vor allem 10 Berufe aus dem Hotel- und Gastronomiebereich sowie aus dem Handwerk haben hohe Besetzungsprobleme – und das seit Jahren.

Der DGB hat sich diese Ausbildungsberufe genauer angeschaut: Wie hoch ist die Abbrecherquote? Wie hoch ist die Misserfolgsquote bei den Prüfungen? Wie schneiden die Berufe bei den Befragungen von Auszubildenden im Ausbildungsreport der DGB-Jugend ab?

Berufe mit einem hohen Anteil an unbesetzten Ausbildungsplätzen am betrieblichen Gesamtangebot
DURCHSCHNITT

7,5 %

Berufsbezeichnung

unbesetzte Ausbildungsplätze

Restaurantfachmann/Restaurantfachfrau

35,2 %

Fleischer/Fleischerin

35,1 %

Fachverkäufer/Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk

33,0 %

Klempner/Klempnerin

30,6 %

Fachmann/Fachfrau für Systemgastronomie

29,8 %

Bäcker/Bäckerin

27,2 %

Gerüstbauer/Gerüstbauerin

22,0 %

Tierwirt/Tierwirtin

21,3 %

Gebäudereiniger/Gebäudereinigerin

20,9 %

Koch/Köchin

20,4 %

Die Ergebnisse sind eindeutig:

  • Liegt die durchschnittliche Abbrecherquote bei 24,6 Prozent, befindet sie sich bei diesen 10 Berufen in einer Spanne von 35 bis 51 Prozent. Jede zweite Restaurantfachkraft bricht ihre Ausbildung vorzeitig ab!
  • Halten die Azubis ihre Ausbildung in diesen Berufen durch, ist die Prüfung die nächste hohe Hürde. Fallen im Durchschnitt nur 7,6 Prozent der Azubis bei der Prüfung durch, liegt diese Quote in diesen Berufen vielfach doppelt so hoch.  (z.B. Gebäudeereiniger/in bei 20,6 Prozent)
  • Im Ausbildungsreport befragt die DGB-Jugend jährlich die Azubis nach ihrer Zufriedenheit mit der Qualität der Ausbildung. Hier waren in den vergangenen Jahren mit Fachverkäufer/Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk, Koch/Köchin und (bis 2012) auch die Restaurantfachkraft Teil der Befragung. Auch hier landeten die drei Berufe im Ausbildungsreport seit Jahren konstant und konsequent am unteren Ende der Skala.

In nahezu allen Punkten gibt es, so die Expertise, erhebliche Mängel, die Fragen nach der „Ausbildungsreife der Betriebe“ in diesen Branchen aufwerfen. Dies gilt gerade für die Hotel- und Gastronomiebranche, aber auch für viele Handwerksberufe.

Für die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack ist damit klar: „Der Azubi-Mangel in einigen Branchen ist hausgemacht. Unternehmen, die junge Menschen als billige Arbeitskräfte ausnutzen, dürfen sich nicht wundern, wenn sich niemand mehr bewirbt. Wer junge Menschen für eine Ausbildung gewinnen möchte, sollte nicht Hochglanzkampagnen an Gymnasien starten. Die Initiative der Bundesbildungsministerin verfehlt das Thema. Vielmehr muss die Ausbildung in den Betrieben besser gemacht werden, sonst machen die jungen Menschen weiterhin zurecht einen Bogen um diese Berufe. Wenn Betriebe attraktiv sein wollen, müssen sie ihre Auszubildenden besser bezahlen, die Qualität der Ausbildung verbessern, mehr Auszubildende übernehmen und die Ausbildungsbedingungen erheblich verbessern.“ Die Bundesregierung müsse jetzt handeln, so Hannack und eine Qualifizierung des betrieblichen Ausbilder verbindlich vorschreiben.

Mit Blick auf den Berufsbildungsbericht der Bundesregierung sagt Elke Hannack zur Bildungssituation von jungen Frauen: „Junge Frauen haben in aller Regel bessere Schulabschlüsse, aber ihr Bildungsvorsprung geht schnell verloren, wenn es um Beruf und Karriere geht. Geschlechtsstereotype beeinflussen Berufswahl und Ausbildungswege. Schon in der Berufsausbildung zeichnet sich eine Lücke bei der Vergütung ab, wenn es um typische Frauen- oder Männerberufe geht. Die ‚Bildungsexpansion‘ junger Frauen wird nicht entsprechend in Ausbildungs- und Arbeitskarrieren umgesetzt. In der Berufsorientierung müssen Rollenklischees aufgebrochen und die gesamten Talente der jungen Frauen gefördert werden.“


Die DGB-Expertise zum Download

Hohe Abbrecherquoten, schlechte Prüfungsergebnisse – Viele Betriebe sind nicht ausbildungsreif (PDF, 404 kB) DGB-Expertise zu den Schwierigkeiten der Betriebe bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen

 

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Die Landesverbände Bayern, Baden-Württemberg und Hessen der SDAJ veranstalten dieses Jahr zu Pfingsten ihr regionales Pfingstcamp als STOP WARS CAMP.

13. bis 16. Mai 2016 auf dem Jugendzeltplatz Meisengrund am Marbachstausee (Odenwald, Hessen)

Wenn man mal von mehreren Millionen Arbeitslosen und Zehntausenden Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz absieht, geht es uns doch super!
Abgesehen von den dauernden Kürzungen im Sozial- und Gesundheitsbereich. Abgesehen von der Rotstiftpolitik an der Schule, von überfüllten Klassen, LehrerInnenmangel und veraltetem Unterrichtsmaterial. Abgesehen davon, dass Frauen bei gleicher Arbeit weniger verdienen als Männer. Abgesehen von prügelnden Polizisten und den großeren Ohren und Augen des „Verfassungsschutzes“. Abgesehen von den paar Dutzend Opfern des Naziterrors in jedem Jahr. Abgesehen von Hochrüstung und deutschem Angriffskrieg.
Abgesehen von so ziemlich allem, auf was es eigentlich ankommt.

stopwarscamp

Wenn du es satt hast, weg zu sehen und nichts gegen die zunehmende Ungerechtigkeit in diesem System zu tun, dann bist du herzlich Willkommen auf dem StopWarsCamp der SDAJ!
Vier Tage lang werden wir diskutieren, feiern und Spaß haben, egal wo du herkommst!

Jugendzeltplatz Meisengrund
64743 Beerfelden
im Odenwald

Drei Übernachtungen auf dem Zeltplatz plus Essen kosten 25 Euro bzw. 35 Euro (Solipreis).
Tickets gibt es bei allen SDAJ-Gruppen in Baden-Württemberg, Bayern und Hessen oder unter suedcamp.de

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