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9. Januar 2016

Lena Kreymann ist Studentin und Mitglied des Bundesvorstandes der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ). Sie nahm an der Podiumsdiskussion der XXI. Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz ab 18h im großen Saal teil.

Schon Karl Marx und Friedrich Engels wussten es: »Unterdrücker und Unterdrückte standen in stetem Gegensatz zueinander, führten einen ununterbrochenen, bald versteckten, bald offenen Kampf, einen Kampf, der jedes Mal mit einer revolutionären Umgestaltung der ganzen Gesellschaft endete oder mit dem gemeinsamen Untergang der kämpfenden Klassen.« Was die beiden vor über 150 Jahren im Kommunistischen Manifest formulierten, halten wir bis heute für gültig und wollen deshalb – ganz unbescheiden – die Klassengesellschaft, den Kapitalismus, überwinden.

Die Kräfte in Deutschland, die sich dieses Ziel ebenfalls auf die Fahnen geschrieben haben, diskutieren wieder verstärkt darüber, welchen Weg wir dafür einschlagen müssen. Herausforderungen gibt es zur Genüge: rechte Massenbewegungen auf der Straße, deutsche Kriegseinsätze weltweit oder Tarifabschlüsse, die kaum mit der Preisentwicklung mithalten können.

SDAJ-Kampagne

Wir als revolutionäre Jugendorganisation verfolgen auf allen diesen Gebieten den gleichen Ansatz: Schüler, Azubis und junge Arbeiter für ihre eigenen Interessen in Bewegung bringen und in der konkreten Auseinandersetzung den grundlegenden Widerspruch von Kapital und Arbeit, den Klassencharakter dieser Gesellschaft, offenlegen.

Für uns bedeutet das, an die konkreten Erfahrungen und Problemen der Jugendlichen anzuknüpfen. Statt aus dem Elfenbeinturm die Wahrheit über »das System« zu verkünden und damit am Bewusstseinsstand der Menschen in diesem Land vorbeizureden, gilt es, in der alltäglichen Arbeit den Klassengegensatz aufzuzeigen – an kaputten Kloschüsseln in der Schule, den nicht erstatteten Arbeitsmaterialien im Betrieb oder dem Werbeflyer der Bundeswehr.

Wenn also Auszubildende beim Krankenhauskonzern Vivantes in Berlin ihre miesen Ausbildungsbedingungen öffentlich skandalisieren, wenn vor einem Leipziger Callcenter ein fiktiver Sklavenmarkt mit Beteiligung von Beschäftigten stattfindet oder wenn in München eine Jubeldemo darauf hinweist, dass der Siemens-Konzern 5,5 Milliarden Euro Gewinn gemacht hat und gleichzeitig 10.000 Stellen streichen will – dann ist das Klassenkampf. Wenn dabei klarwird, dass das keine bedauerlichen Einzelfälle sind, sondern, dass dahinter System steckt – dann hat die revolutionäre Linke ihren Job gemacht.

Diese Beispiele stammen aus der SDAJ-Kampagne »Unsere Zukunft statt eure Profite!« aus dem Jahr 2014. Wir sind sicher nicht die einzigen, die so etwas machen. Aber wenn es viel mehr wären, stünden wir heute als Linke insgesamt besser da.

Jugendlichen in der Ausbildung versuchen wir, an ihrer eigenen Situation den Interessengegensatz zu ihrem Chef und der Konzernleitung aufzuzeigen, und wir versuchen, mit ihnen gemeinsame Erfahrungen im praktischen Klassenkampf zu machen. Doch die Zustände erscheinen häufig als individuelle Probleme, als unveränderbar, als Einzelfälle ohne Gesamtzusammenhang. Dazu tragen leider auch allzuoft linke Betriebsräte und Parteien bei, die für andere verhandeln, statt mit ihnen zu kämpfen.

Nur in eigenen Auseinandersetzungen schließen sich die Menschen zusammen und stoßen auf Interessenkonflikte – ein Ansatz für weitere Debatten und eine inhaltliche Auseinandersetzung.

Die Parlamentstribüne kann dazu ein ergänzendes Mittel sein. Ist sie mehr, wie beispielsweise in Bundesländern, in denen die Partei die Linke Regierungsverantwortung übernimmt, ist sie nichts mehr – außer der Anfang vom Ende revolutionärer politischer Praxis.

Für viele linksradikale Gruppen dagegen spielt die konkrete Arbeit an Schule und Betrieb keine Rolle. Statt sich in diese »Kämpfe ums Teewasser« einzumischen, orientieren sie auf Großevents wie Blockupy oder die G-7-Proteste. Natürlich ist die SDAJ auch bei diesen Demonstrationen dabei. Doch wir gewichten sie in unserer politischen Praxis anders, weil wir glauben, dass wir die Masse der Jugendlichen nur in der langfristigen Arbeit vor Ort ansprechen können. Dort versuchen wir als konsequente Kraft zu überzeugen. Wer weiß, dass es einen unauflösbaren Interessengegensatz zur Unternehmerseite gibt, und wer für dessen Aufhebung in einer anderen Gesellschaft kämpft, lässt sich auch in »nur« gewerkschaftlichen Kämpfen von Drohungen der Gegenseite nicht einschüchtern und setzt Forderungen konsequenter durch.

Was sich im Bereich der betrieblichen Interessenvertretungspolitik machen lässt, funktioniert auch im antimilitaristischen Kampf. Dieser ist mit dem Anfang Dezember beschlossenen Syrien-Einsatz für unsere Generation aktueller denn je. Immer noch ist der Shell-Jugendstudie 2015 zufolge fast die Hälfte der Jugendlichen gegen deutsche Kriegseinsätze. Mehr als einen Krieg in Europa fürchten sie nur Terrorangriffe. Gleichzeitig wird die Bundeswehr tendenziell beliebter, und das deutsche Engagement in der Welt genießt unter Jugendlichen hohes Ansehen. Unsere Aufgabe ist es, entsprechend deutlich zu machen, dass die deutsche Verantwortungsübernahme in aller Welt Krieg und Terror nach sich zieht und gegen unsere Interessen steht.

Ein solcher interessengeleiteter Antimilitarismus war 2010 Ausgangspunkt der Kampagne »Bundeswehrfreie Zone« gegen die Werbung der deutschen Armee an Schulen. Die SDAJ unterstützte und initiierte Bündnisse gegen Jugendoffiziere, die die Bundeswehr als normalen Arbeitgeber präsentieren. Vielerorts konnten Schüler, Eltern und Lehrer deren Auftritte verhindern, einige Schulen erklärten sich für bundeswehrfrei. Es ging darum, aufzuzeigen, wie die Armee die Perspektivlosigkeit vieler Jugendlicher ausnutzt, um sie als Berufssoldaten zu gewinnen, und für wessen Interessen sie zum Töten instrumentalisiert werden. Sogar der Verfassungsschutz Baden-Württemberg bescheinigte uns im April 2010: »Eine bundeswehrfeindliche Kampagne bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit der Zielrichtung, die Bundeswehr zu verunglimpfen und ihr das Auftreten in Lehr- und Forschungseinrichtungen zu erschweren, könnte Erfolgschancen haben.«

Keine Stellvertreterpolitik

Auch hier ist mühselige Kleinarbeit gefragt. Ohne Verankerung in der Bevölkerung werden Sabotageakte allein den nächsten Einsatz nicht verhindern können. Wir müssen möglichst große Teile der Klasse davon überzeugen, dass hinter den Kriegseinsätzen Kapitalinteressen stehen und diese unseren eigenen diametral entgegenstehen. Wer sich hingegen von einer Analyse des deutschen Imperialismus verabschiedet und lediglich auf die moralische Ablehnung von Krieg setzt, erreicht damit zunehmend weniger bei der Bevölkerung. Vor allem aber kommt man so in ernsthafte Schwierigkeiten, einen antimilitaristischen Kurs beizubehalten, wenn der Einsatz mit ethischen Argumenten begründet wird. So geschehen bei der Bundestagsabstimmung über den Einsatz zur Vernichtung von syrischen Chemiewaffen: Erstmals stimmten fünf Abgeordnete der Partei Die Linke dafür, 18 weitere enthielten sich. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Jan van Aken erklärte damals, es es gäbe viele gute Gründe, die für den Einsatz im Mittelmeer sprächen. »Die Vernichtung des syrischen Chemiewaffenarsenals ist zu begrüßen«.

»Selber tun« lautet das Motto der Rosa-Luxemburg-Konferenz an diesem Wochenende. Das bringt die Sache genau auf den Punkt. Aus der aktuellen Schwäche wird uns weder eine Autonome-Szene-Politik führen, die sich wesentlich über Lifestyle definiert und den Kontakt zur als »deutschen Mob« verhetzten Arbeiterklasse verabscheut, noch kann das Stellvertreterpolitik, die den Menschen das Kämpfen abzunehmen scheint. Wir wollen eingreifen, erklären, unterstützen und überzeugen. Doch den Kapitalismus verstehen und den Kampf gegen ihn führen – das müssen die Azubis, Schüler und jungen Arbeiter eben am Ende doch selbst. Dazu brauchen sie junge Revolutionäre an ihrer Seite – die ein Stück Einsicht in den Kampf der Klassen und die Möglichkeiten zu seiner Überwindung schon gewonnen haben, die diese in verständlicher Sprache weitergeben und die sich nicht zu schade sind, auch bei der Streikdemonstration morgens um sieben mit dabeizusein.

Lena Kreymann

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Olaf Matthes im Gespräch mit Florian Hainrich, Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend |

UZ: Ihr habt als SDAJ die Tarifrunde der Sozial- und Erziehungsdienste als einen zentralen Konflikt eingeschätzt und unterstützt. Welche Erfahrungen habt ihr gemacht?

Florian Hainrich ist bei der SDAJ verantwortlich für Arbeiterjugendpolitik

Florian Hainrich ist bei der SDAJ verantwortlich für Arbeiterjugendpolitik

Florian Hainrich: Es ist uns nicht in allen Städten, in denen es SDAJ-Gruppen gibt, gelungen, in die Tarifrunde einzugreifen, aber doch in einigen. Die gemachten Erfahrungen sind ganz unterschiedlich. In Kiel haben wir zum Beispiel an den Streikversammlungen teilgenommen, unsere Stellungnahme verbreitet, waren auf allen Demonstrationen präsent. Auch in anderen Städten wurden Solidaritätserklärungen der SDAJ verteilt.

Die Kolleginnen und Kollegen aus dem Bereich der Sozial- und Erziehungsdienste haben nach unserer Einschätzung sehr gut agiert – dass sie zum Beispiel das erste Schlichtungsergebnis unter dem Druck, der da erzeugt wurde, abgelehnt haben … auch wenn die zweite Schlichtungsempfehlung dann mit einem relativ schlechten Ergebnis angenommen wurde.

UZ: Nun habt ihr als Jugendverband ja von „außen“ in diese Auseinandersetzung eingegriffen. Wie haben die Kolleginnen und Kollegen darauf reagiert, als ihr auf sie zugegangen seid?

Florian Hainrich: Naja, es kommt darauf an. Unsere Genossinnen und Genossen sind ja auch dann, wenn sie nicht in dem Bereich arbeiten, in dem gestreikt wird, in den gleichen Gewerkschaften organisiert, sind dort im Regelfall in den Ortsjugendausschüssen oder Bezirksjugendvorständen aktiv – je nach Gewerkschaft. Die sind dann dort durchaus bekannt.

Verankerung heißt ja nicht zwingend, dass man selbst in dem Betrieb arbeiten muss, um den es geht. Man muss dafür sorgen, dass man gehört wird. Und das haben wir durch jahrelange Gewerkschaftsarbeit erreicht.

Unsere Genossinnen und Genossen sind bekannt – und keineswegs Leute „von außen“. Für viele Kolleginnen und Kollegen ist es Normalität, wenn wir unsere Solidarität erklären und uns positionieren und sind auch bereit, unsere Positionen und Einschätzungen zu diskutieren.

UZ: Wie sieht es dort aus, wo ihr noch nicht durch kontinuierliche Arbeit bekannt seid?

Florian Hainrich: Das kommt auf die jeweilige gewerkschaftliche Führung vor Ort an. Uns wurde auch schon gesagt, dass wir auf Demonstrationen nicht mit Fahnen auftreten und keine Solidaritätserklärungen verteilen sollen, weil es nicht ins Konzept passte – das gibt es auch.

Diese Leute haben anfangs Angst, instrumentalisiert zu werden. Als Kommunistinnen und Kommunisten müssen wir deutlich machen, dass unsere Unterstützung keine Vereinnahmung ist – wir wollen das, was die Kolleginnen und Kollegen auch wollen. Wir wollen das Ganze nur weitertreiben, die Auseinandersetzung zuspitzen, weil wir meinen, dass das im Interesse der Kolleginnen und Kollegen ist, um ihre Forderungen durchzusetzen. Damit haben wir positive Erfahrungen gemacht. Wo wir allerdings an die Kolleginnen und Kollegen nicht rankommen und wir vorher abgewürgt werden, da klappt das dann eben nicht.

UZ: Wie versucht ihr zu vermitteln, dass ihr unterstützen und nicht instrumentalisieren wollt? Worauf kommt es dabei an?

Florian Hainrich: Kontinuität. Natürlich wird blöd angeguckt, wer direkt vor der Tarifrunde auftaucht und erzählt: „Ihr müsst das so und so machen“. Das funktioniert natürlich nicht.

Das andere ist die Frage, wie wir auftreten. Ich diskutiere unsere Positionen, aber dabei ist immer klar, dass die streikenden Kolleginnen und Kollegen entscheiden – das ist keine Entscheidung, die ich zu treffen habe, aber auch nicht die der Tarifkommission, die mit ihrer Empfehlung beim Mitgliedervotum eben nicht die Mehrheit bekommen hat.

Das ist, was wir wollen. Wir wollen, dass die Menschen selbst für ihre Interessen aktiv werden und das nicht stellvertretend für sie tun. Selbst aktiv werden, sich selbst einen Kopf machen und entscheiden – das unterstützen wir. Dabei wollen wir vermitteln, was die gesellschaftlichen Hintergründe sind, warum sich diese Auseinandersetzung so zugespitzt hat.

Gerade in der Tarifrunde der Sozial- und Erziehungsdienste war das ja klar erkennbar. Da ging es von Anfang an um viele gesellschaftliche Fragen und nicht nur um den ökonomischen Kampf.

Da ging es darum, wie Reproduktionsarbeit in der Gesellschaft bewertet wird – das ist ja der Kern der ganzen Aufwertungskampagne. Deshalb war es auch einfacher als bei anderen Tarifrunden, da als politische Organisation anzusetzen, weil ver.di gezwungen war, mit dem Thema Anerkennung der Reproduktionsarbeit mehr nach außen zu gehen. Das ist eine politische Frage und da muss sich jeder zu positionieren.

UZ: Wie sieht es mit 2016 aus? Was sind eurer Meinung nach die zentralen Auseinandersetzungen, die uns bevorstehen?

Florian Hainrich: Als zentrale Auseinandersetzung steht die Tarifkampagne von ver.di an. Da wird versucht, verschiedene Tarifrunden zusammenzuführen (öffentlicher Dienst, Deutsche Telekom – Anmerkung der Redaktion) und nach eigener Aussage auch offensiver aufzutreten. Da ist unserer Meinung nach aber noch nicht entschieden, was daraus wird.

Bei der IG Metall sieht es so aus, dass es nach dem schlechten Abschluss zur „Revolution Bildung“ nun gar keine qualitative Forderung in die Tarifrunde eingebracht wird.

UZ: Und was macht die SDAJ?

Florian Hainrich: Einerseits wollen wir uns darauf konzentrieren, die Arbeit der Genossinnen und Genossen in ihren Betrieben zu unterstützen und die „kleinen“ Kämpfe vor Ort zu forcieren.

Inhaltlich setzen wir uns als Hauptforderung weiterhin für die unbefristete Übernahme nach der Ausbildung ein, das Thema Leiharbeit wird uns weiter beschäftigen und wir wollen uns stärker in die Diskussion um Arbeitszeitverkürzung einbringen. Wir werden uns außerdem an der Tarifkampagne von ver.di beteiligen und die Kolleginnen und Kollegen vor Ort unterstützen, und im Rahmen unserer Antimilitarismus-Kampagne werden wir uns Rüstungsproduktion und Rüstungsunternehmen als Arbeitgeber vornehmen.

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Auch 2016 findet wieder das LLL-Wochenende in Berlin statt – und die SDAJ ist wieder mit dabei!

Neben dem Aufruf findet ihr hier weitere nützliche Infos, beispielsweise das Programm des Wochenendes, Antworten auf Häufig gestellte Fragen (FAQ) und Material zum Download.

Wir sehen uns beim LLL-Wochenende 2016 am 09./10. Januar in Berlin!

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Eine Pionierin erinnert sich:

„Seid Bereit! Immer Bereit!“

Seid Bereit! Immer Bereit! Das war der Gruß der Mitglieder der am 13. Dezember 1948 in der sowjetischen Besatzungszone gegründeten Pionierorganisation. In ihr waren die Schüler der 1. bis 7. Klasse organisiert. 1952 erhielt die Organisation den Ehrennamen „Ernst Thälmann“. In Erinnerung an den von den Faschisten ermordeten großen Arbeiterführer und aufrechten Kommunisten. Jeder Pionier war stolz, den Namen Ernst Thälmanns zu tragen. Ich weiß wovon ich spreche, war ich es doch auch. Viele, viele schöne Erinnerungen knüpfen sich an diese Zeit.

Auch später, als ich bereits Lehrerin und verantwortlich für die Pioniernachmittage war, waren es für meine Schüler und mich interessante und erlebnisreiche Stunden. Ich schloß auch die Kinder, die aus religiösen Gründen nicht Pionier werden durften, nicht von den Pioniernachmittagen aus. Hier möchte ich darauf hinweisen, daß es eine Entscheidung der Eltern war, wenn die Kinder nicht in die Pionierorganisation eintreten durften, keinesfalls eine Entscheidung der Schule oder des Pionierleiters. Uns war jedes Kind willkommen!

Die Aufgabe der Pionierorganisation war es, die Kinder zur Völkerfreundschaft, für Frieden und Sozialismus zu erziehen. In der 1. Klasse wurden die Schüler Jungpioniere, legten ein Pionierversprechen ab und erhielten das blaue Halstuch.
Ab der 4. Klasse sprachen die Pioniere ein Gelöbnis, wurden Thälmannpioniere und erhielten ein rotes Halstuch. Erich Honecker hatte dieses am 10.12. 1973 der Pionierorganisation im Rahmen einer Festveranstaltung verliehen. Die Pioniere trugen zu feierlichen Anlässen eine weiße Bluse – ich habe die meiner Kinder immer noch – mit dem Pionierabzeichen am linken Ärmel und natürlich das blaue oder rote Pionierhalstuch. Außerdem hatte jeder Thälmannpionier ein Mitgliedsbuch und erhielt bei seiner Aufnahme ein Statut, in welchem die Regeln der Thälmannpioniere standen.

In jedem Schuljahr wurde in einer Schulklasse der Gruppenrat gewählt. Die gewählten Pioniere waren Vorbild für die Schüler der jeweiligen Klasse. Die Pionierorganisation hatte auch ihre eigenen Zeitungen. Für die Jungpioniere (Klasse 1 – 4) war es die „ABC-Zeitung“ und für die Thälmannpioniere die „Trommel“. Neben der bereits genannten Zeitungen gab es noch die „FRÖSI (Fröhlich sein und singen), welche sehr begehrt war.

Es gab Auszeichnungen für Schüler und Pioniere. Das war einmal das „Abzeichen für gutes Wissen“. Es wurde für besonders gute schulische Leistungen verliehen, ebenso das Abzeichen „Für gute Arbeit in der Schule“. Für die Pioniere gab es ein vielseitiges Freizeitangebot. Man kümmerte sich einfach um die Kinder und ihre Interessen. Unabhängig von der Aktivität in der Pioniergruppe der jeweiligen Schüler ermöglichte man jeweils 1000 Kindern in der 1952 gegründeten Pionierrepublik „Wilhelm Pieck“ am Werbellinsee ihre Ferien zu verbringen. Dort trafen sich Kinder aus den verschiedensten Ländern. Sie arbeiteten an gemeinsamen Projekten und erhielten auch – fiel ihr Aufenthalt nicht in die Ferien – entsprechenden Unterricht.

1979 wurde der Pionierpalast „Ernst Thälmann“ in der Berliner Wuhlheide eröffnet. Es gab den Pionierpark „Ernst Thälmann“, das Zentralhaus der Jungen Pioniere „German Titow“ und das „Theater der Freundschaft“ in Berlin. Aber diese Einrichtungen gab es nicht nur in Berlin, sondern in jeder größeren Stadt unserer Republik.

In Halle, meiner Heimatstadt, gab es „Theater der Jungen Garde“ und das Pionierhaus auf der Peißnitz, eine Station für „Junge Naturforscher“ und eine „Sternwarte“ mit zahlreichen Freizeitangeboten für die Kinder. Unserem Staat, der DDR, war es wichtig, für eine gute Bildung und Ausbildung der Kinder und Jugendlichen zu sorgen – dabei war die Position und der Geldbeutel der Eltern völlig unwichtig. Wichtig war das Kind, eine umfassende Bildung, die Erziehung zur Völkerfreundschaft,m gegen Krieg und Ausbeutung und dem bewußten Umgang mit der Natur.

Ich denke sehr gern an meine Pionierzeit und an die Zeit, die ich mit „meinen Pionieren“ als Lehrerin verbringen durfte.

Iris

DDR-Kabinett-Bochum

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Zucht und Ordnung

 

„Hilfspolizisten dürfen in Schulen der USA tun, was Lehrern verboten ist: Schüler mit Handschellen fesseln, in Sicherheitsgewahrsam nehmen oder ins Gefängnis überführen. Jugendlicher Widerstand soll klein gehalten werden.“

Freedom & Democracy? – Über die Gewalt an den Schulen in den USA schreibt Jürgen Heiser, junge welt:

Zucht und Ordnung

 

 

 

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Horror mit System

Überstunden, Arbeit auf Abruf, schuften auch am Wochenende – völlig flexibel.

Es gibt sie, die Modewörter, die jeder Chef gern im Mund führt. Besonders hoch im Kurs steht derzeit: „Flexibilität“. Der Begriff fällt gern, wenn vom Azubi mal wieder verlangt wird, sich zu verrenken. POSITION sprach mit einigen jungen ArbeiterInnen, was ihnen im Beruf abverlangt wird – immer unter dem Ruf: „Sei flexibel!“

Nach dem ersten Lehrjahr dachte Elena, sie hätte das schlimmste hinter sich gelassen. Etwa ihren Chef, einen Choleriker, der schon morgens um sieben Uhr zu schreien begann – und auch mal mit der Kneifzange nach einem Azubi warf. Mit Hilfe ihrer Gewerkschaft, der IG Metall, schaffte Elena den Absprung: Sie ließ nach einigen Mühen den Lehrvertrag aufheben und fing in einem anderen Betrieb an. Denn kleine Tischlereien, die gab und gibt es in Hamburg zur Genüge. Und eine ordentliche zu finden, wie schwer konnte das schon sein? Also ein Neustart im nächsten Betrieb. „Erstmal war das richtig cool“, sagt die mittlerweile 23jährige. Nicht nur war sie den aufbrausenden Boss los. Es gab auch mehr Leute in der Bude, neben ihr zwei andere Azubis, fünf Gesellen, den Meister und Chef und Chefin. Nur ein Problem gab es nun: „Alle haben gegeneinander gearbeitet.“ Weil der Inhaber des Geschäfts dessen Konkurs über Jahre verschleppte, fürchteten alle um ihre Stellen. Um nicht als erster entlassen zu werden, versuchte man sich gegenseitig schlechter dastehen zu lassen. Echt schwierig, meint Elena, sei es da gewesen, überhaupt mit den Kollegen zu sprechen. Zur schlechten Stimmung trug auch bei, dass es stets hieß: Flexibel bleiben. Also weg vom Arbeitsvertrag mit seinen starren Regeln. Etwa der, dass für die Azubis um 16 Uhr Feierabend sein sollte. „Damit konntest du nie rechnen“, erinnert sich Elena. Gearbeitet wurde bis 19 Uhr, bis 20 Uhr. Und manchmal sei sie noch um 22 Uhr am Werk gewesen, sagt die junge Frau.

Schwer los zulassen

„Alles musste immer billig sein und schnell gehen, unter Druck waren wir die ganze Zeit“, so Elena. Wozu das führt, konnte sie jeden Tag an ihren Kollegen sehen, etwa am ältesten Gesellen. Der hatte keine kleinen Finger mehr. Sie selbst ist weithin unbeschadet davon gekommen – wofür wohl eher Schutzengel, denn Arbeitssicherheitsmaßnahmen verantwortlich sind. Einmal etwa erklärte man der Tischlerin in Ausbildung nicht richtig, wie die Tischfräse einzustellen sei. Eine neue Schablone, eine falsch eingestellte Drehzahl: Das Metallgerät flog ihr um die Ohren, ebenso das Holz. Drei Jahre dauerte ihre Ausbildung, ein halbes Jahr arbeitete Elena dann als Gesellin weiter im Betrieb. Loslassen konnte sie die Beschäftigung auch nicht, als sie abends wieder nach Hause kam. Ob man am Tag nicht etwas falsch gemacht hat? Ob man auch morgen wieder die Arbeit im vorgegebenen Takt schafft? Die Wochenenden waren etwas besser. Nicht viel. Und ihr Hobby – die 1,83 m große Frau ist passionierte Basketball-Spielerin – konnte sie ohnehin vergessen. Heute sagt sie: „Ich habe die ganze Zeit nur an die Arbeit gedacht.“

Gedankt hat es ihr der Chef nicht. Der feuerte sie, nachdem Elena anmerkte, dass die Gewerkschaft doch höhere Löhne für die Branche ausgehandelt habe – und diese nun zu zahlen seien. Noch heute schuldet ihr der Betrieb 400 Euro, der Streit darum zieht sich hin. Zwischenzeitlich waren es 1.800 Euro – fast drei Monatsbezüge eines Azubis – die der Chef „verschlampt“, also über Monate hinweg nicht ausgezahlt hatte. Würde Elena nochmal in der Branche arbeiten? Da muss die junge Frau lachen und sagt schließlich: „Vielleicht im Sozialismus.“ Die Arbeitshetze will sie nicht mehr mitmachen. Nun studiert sie Erziehungswissenschaften. Schon vor ihrer Ausbildung schwebte ihr eine Tätigkeit in dem Bereich vor. Doch die Lehre hat ihren Blick auf das Studium geändert: „Heute freue ich mich vor allem, dass die Universität noch ein wenig entspannter ist als meine Zeit im Betrieb.“

 

Immer 120 Prozent geben Wenn die schweren Kähne die Werft verlassen, ist Achim da. „Ausschwimmen“ heißt es, wenn die Pötte vom Werftbecken in die Ostsee stoßen. Bedächtig muss das passieren, wiegen die Schiffe doch oft zehntausende Tonnen. Langsam füllt man also die bisher leeren Becken mit Wasser, bereitet die Boote so auf das Auslaufen vor. Ein Fehler dabei, ein zuvor falsch berechneter Schwerpunkt des Schiffs, und die stählernen Meeresriesen könnten umkippen. Damit das nicht passiert, ist Achim immer dabei. Oft muss er nichts tun, sitzt Stunden nur auf einem Poller der Werft, schaut den Arbeitern zu und wartet. Darauf, dass man ihn braucht, dass er vielleicht noch einmal die Berechnungen von Schwerpunkt und Wasserzufuhr neu anstellen muss. Denn Achim ist einer der Schiffbauingenieure des Werftbetreibers. Bedächtig ist Achim auch, wenn man ihn nach seiner Arbeit fragt. Ob es da vielleicht Probleme gebe? Der junge Mann zögert, wägt ab. Erst nach einigen Sekunden antwortet der 27jährige: „Ach nein, Horrorgeschichten habe ich nicht zu erzählen.“ Aber manchmal, sagt er – wieder sind einige Momente vergangen – gehe es doch richtig rund auf der Werft.

Besonders erinnert er sich an dieses eine Wochenende. Sechs Stunden habe er da arbeiten sollen, meint Achim. Geworden sind es 16. Richtig ärgerlich, wie Achim meint. Denn er ist auch Sportfan. Und für jenen Freitag, an dem er zehn zusätzliche Stunden schuften musste, war er bereits verabredet. Geworden ist daraus nichts mehr.

Knapp kalkuliert

Warum da nicht ein anderer für ihn einspringen konnte? Für Achim ist kein Stellvertreter vorgesehen. „Mein Betrieb hat doch kein Interesse daran, mehr Leute einzustellen für die dann manchmal keine Arbeit da ist“, sagt Achim. Lieber lasse man die Belegschaft die ganze Zeit rennen und unter Hochdruck arbeiten. Denn im Schiffbau sind die Verträge stets auf Kante berechnet. Die Konkurrenz in der Branche ist (wie eigentlich überall) hoch, Aufträge werden von den Werften auch dann angenommen, wenn sie an kaum haltbare Zeitpläne gebunden sind. Und dann will sich die Geschäftsleitung der Werft bis zuletzt oft nicht eingestehen, dass ein Termin nicht gehalten werden kann. Der Druck wird dann nach unten weitergereicht – egal ob Maschinenschlosser oder Ingenieur. Fast jeden Tag bleibt Achim deshalb eine Stunde länger im Betrieb. Sonst wäre seine Arbeit kaum zu schaffen, meint der junge Ingenieur. Insgesamt 150 Überstunden hat er so angesammelt. Und das trotz Gleitzeit. Die Ingenieure können zu viel geleistete Stunden abtragen, indem sie mal später zum Dienst kommen. Nur in der Praxis klappt das bei all dem Stress eben nicht. Und damit ist Achim kein Einzelfall. Jedes Jahr werden in Deutschland eine Million bezahlte Überstunden geleistet. Wie viele Überstunden darüber hinaus gar nicht vergütet oder ausgeglichen werden, darüber gibt es keine Statistik, es existiert eine hohe Dunkelziffer in diesem Bereich. Entscheidend aber ist: selbst wenn sie bezahlt oder irgendwann ausgeglichen werden bedeutet 1 Million Überstunden erstmal Arbeit, die auf dem Konto liegt, und die Menschen wie Achim quasi als Vorschuss leisten, auf das Versprechen hin, dafür irgendwann vergütet oder anderweitig entschädigt zu werden – flexibel, natürlich. Wenn der Betrieb dann pleite geht oder das Abfeiern der Überstunden gerade nicht in den Produktionsablauf passt? Pech gehabt. Für viele ist das völlig normal, aber wie absurd das Ganze ist, merkt man, wenn man gedanklich den Spieß umdreht: „Ich möchte meinen Chef mal erleben, wenn ich ihn bitte mir das Gehalt für August schon im Januar zu bezahlen, nur auf das Versprechen hin, dass ich dann auch zur Arbeit komme“ meint Achim sarkastisch. „Die Pläne realistischer gestalten“, das wünscht er sich. Einfach ein bisschen mehr Rücksicht auf die Arbeitenden, etwas weniger Stress. Aber da ist er pessimistisch. Er mutmaßt, dass die Führung der Werft die engen Zeitrahmen auch nutzt, um die Beschäftigten anzutreiben. „Wir sollen bloß nicht aufhören, auch noch 120 Prozent zu geben.“ Immer wieder muss Achim deswegen auch am Wochenende zur Werft. Aber ganz sicher ist das nie. „Da kann man Glück oder Pech haben.“ „Im Grunde musst du immer um die Arbeit herumplanen“, sagt Achim. Beziehung, Freundschaften, Sport, das müsse untergeordnet werden. Umso ärgerlicher sei es, wenn kurzfristig vom Betrieb die Pläne umgestürzt werden. Aber Horrorgeschichten? Ach was, die hat Achim nicht zu erzählen. Nur eben, wie sein Alltag aussieht. Den Slogan dazu konnte er von seinem Chef hören: „Du musst eben flexibel sein.“

Kein Gehör für Azubis

Wer sich hingegen bei Berlins größtem Krankenhaus- und Pflegeheimbetreiber Vivantes ausbilden lässt, kann wundervolle Tage erleben. Max, 20 Jahre und Azubi aus Berlin, weiß das. Der angehende Altenpfleger erinnert sich genau an einen Tag während seines Einsatzes auf einer psychiatrischen Station. Zu sechst waren sie da – mehr als genug Personal, um sich um die Patienten zu kümmern. Morgens versorgte man die Menschen, hatte auch Zeit für die Dementen. Bei der Wundversorgung schließlich konnte Max eine Menge lernen. Davon schwärmt der Pflegeschüler noch heute: „Da habe ich etwas über die Taschenbildung an den Wundrändern mitbekommen.“ Und schon die Stimme verrät, was Max dann auch in Worte fasst: Es war ein guter Tag. Schade, dass es nur ein Tag war. Einen Glücksfall nennt Max ihn. Vermutlich hat er Recht, denn sechs Pfleger auf einer Station, so viel Personal gab es nur, weil ausnahmsweise viele Praktikanten anwesend waren. Das passiert nicht oft. Von dem, was in einem Heim eigentlich gar nicht passieren dürfte, hat der angehende Pfleger ungezählte Geschichten auf Lager. So passierte es etwa, dass Max nur mit seiner Anleiterin und einer weiteren Pflegerin auf Station war – und verantwortlich für 35 Bewohner. Das ist Flexibilität a la Vivantes. Sich zu dritt um drei Dutzend kümmern, ist das überhaupt schaffbar? „Es ging mit einer unglaublichen Anstrengung“, sagt Max. Den ganzen Tag sei man gesprintet. Aber man wollte – musste – es ja hinkriegen. „Es sind ja Menschen“, so Max. Doch eben das kann schon mal in den Hintergrund treten in einem System, wo mit der Gesundheit und Krankheit von Menschen Profit gemacht wird. „Vivantes will so wenig Geld für Personal ausgeben wie nur irgendwie möglich ist“, vermutet der Pflegeschüler. Immer bewege sich der Konzern genau an der unteren Grenze der gesetzlichen Standards. Überall mangele es an Pflegern und Pflegerinnen. Die müssen dann eben flexibel sein, wenn es heißt, für kranke oder überarbeitete KollegInnen einzuspringen Das bleibe nicht ohne Konsequenzen, auch für die Azubis, sagt Max. Die würden immer mehr wie Vollkräfte eingesetzt, weil es hinten und vorne an Personal fehlt. Erlaubt ist das freilich nicht; die Konzernleitung hütet sich, das so auszusprechen.

Dann eben Streik

Sowieso behandelt der Konzern seine jungen Altenpfleger besonders schlecht. Ein Tarifvertrag, wie er für alle anderen Auszubildenden im Unternehmen besteht, gilt für die Azubis der Altenpflege nicht. Im April war es für die Azubis dann zu viel: Sie legten ihre Arbeit nieder. Einer von denen, die da streikten, war auch Max. Fast drei Monate dauerte der Arbeitskampf. Zum ersten Mal malte er da Transparente, rief Parolen, ermutigte seine KollegInnen zum Mitmachen. Doch Vivantes zeigte sich bei der Frage des Tarifvertrags völlig unflexibel. Erst da hat Max seine Chefs wirklich kennengelernt. „Sie haben sich überhaupt nicht für uns interessiert, haben unseren Streik nur ausgesessen.“ Viel hält er von der Vivantes Leitung nicht mehr. Die Arbeit selbst konnte ihm der Konzern aber nicht vermiesen. Für die kann er sich noch immer begeistern. Es geht ja um Menschen. Und auch die Erfahrungen, die er während dem Streik sammeln konnte, schätzt er hoch ein.

Auch Elena und Achim gewinnen ihrer Arbeit oder Ausbildung nach wie vor gute Seiten ab, auch wenn es bitter war, zu erkennen, wie absichtlich schlecht die Arbeitsbedingungen seitens der Chefs gestaltet werden. Alle drei betonen immer wieder: „Es geht doch nicht darum zu jammern, sondern endlich für Verbesserungen einzutreten. Etwa zu streiken oder wenigstens in die Gewerkschaft zu gehen. Und dass die Leute verstehen, was genau es heißt „flexibel“ zu arbeiten. Das ist nämlich der aller größte Mist.“

 

Yoyo, Berlin

SDAJ

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Fördern und fordern?

 

Wie die Schulen aussortieren

Das mit der Bildung ist schon so eine Sache. Wenn man dieser Arbeiterklasse zu viel davon gibt, stellt sie kritische Fragen und schluckt die reaktionäre Propaganda nicht mehr so richtig. Gleichzeitig braucht sie aber ein bisschen was davon, sonst kann sie die Maschinen nicht bedienen, hinter die das Kapital sie gerne stellt.

Derzeit sieht es nicht so aus, als würde im Bildungsbereich irgendwo zu viel Geld hingehen. Die Schulen verkommen und sind mangels Reinigungskräften verdreckt, Schulstunden werden gestrichen, Klassen zusammengelegt, Lehrer – obwohl benötigt, nicht eingestellt. Mit G8, also dem Abitur in 12 Jahren, steigt der Leistungsdruck. Der wird nicht aufgefangen. Immer weniger melden sich in Sportvereinen oder Musikschulen an, immer weniger Jugendliche nutzen die Gelegenheiten von Auslandsaufenthalten. Stattdessen boomen außerschulische Nachhilfeunternehmen. Wer sich das nicht leisten kann oder wessen Eltern sich das nicht leisten können, geht leer aus. Bildung ist was feines, wenn man sie denn so kriegen könnte, dass man damit was anfangen kann.

Die Knappheit an Lehrern und Lehrmitteln ist ungünstig für die Kinder der Arbeiterfamilien und Migranten. Sie ist günstig für diejenigen, die gerne aussortieren wollen, weil sie keine sich ihrer Interessen bewussten, selbstständig und allumfassend denkende, gar am Ende organisierte Jugend brauchen, sondern eine auf das Individuum zurückgeworfene, allein und deshalb unsichere, desorganisierte Jugend wollen. So greifen die großen Firmen massiv direkt und/oder vermittelt über deren Propagandaorganisationen in die Schulen ein. Die Bundeswehr macht Planspiele, Nestle erklärt gesunde Lebensführung und die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft erklärt Gewerkschaften zum Teufelszeug.

Ab dem Kindergarten, zum Teil sogar schon vorher, beginnt ein Rattenrennen. Durch das Labyrinth von Prüfungen und Evaluationen wird ausgesiebt. Selbst bei wem pseudo-progressiv nur eine „Lernentwicklung“ reflektiert wird, erhält am Ende andere, aber immer nur Noten. Es geht also an keiner Stelle darum, Leute zum Denken, Hinterfragen, Argumentieren oder zur Erkenntnis zu animieren, sondern immer darum, den Vorgaben dessen, was „der Arbeitsmarkt“, sprich die Unternehmer, gerade braucht Genüge zu tun. Ob der Spaß nun also A- und B-Kurs, Förder- und Forder-Unterricht oder sonst wie heißt, Schulen im Kapitalismus haben die Aufgabe, auszusortieren. Und durch die „Sachzwänge“ wird beinahe jeder Reformansatz auch dazu genutzt.

Das, was wir aber tun können, ist, dem Rattenrennen die gemeinsame Entwicklung entgegen zu setzen. Wir können gemeinsam lernen, was unsere Interessen sind und wie wir sie durchsetzen. Wir können zusammen erarbeiten, wofür es sich zu lernen lohnt. Wir können zusammen mit der Lehrergewerkschaft GEW viele unserer Forderungen, nach mehr Personal- und Lehrmittelausstattung zum Beispiel, auch politisch vertreten. Wir dürfen uns nur nicht auseinanderdividieren lassen.

Kurt, Hamburg

SDAJ

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Baufällige Gebäude, Toiletten aus den 70er Jahren, fehlende Schulbücher und überbelastete Lehrende. Die Unterfinanzierung im Schulsystem ist kaum zu übersehen. Fakt ist: es werden nicht ausreichend öffentliche Gelder zur Verfügung gestellt. Um die finanziellen Löcher zu stopfen, müssen andere Konzepte her. Ein Begriff, der seit einigen Jahren in diesem Zusammenhang genannt wird, ist der „Schulautonomie“. Doch was ist das eigentlich? Übersetzt bedeutet der Fachbegriff „Selbstständigkeit der Schule“. Diese sogenannte Selbstständigkeit heißt nichts anderes, als dass die Einzelschule ihre Effizienz steigern soll. Überprüft wird dies durch regelmäßige Kontrollen, die den Output (SchülerInnen) im Verhältnis zu den getätigten Investitionen messen. Vor allem die Rechte der Schulleitungen als Vertreter der Schulen werden dabei ausgebaut, was zwangsläufig die Einschränkung von demokratischen Rechten der SchülerInnen bedeutet.

Die Schulautonomie dient dem Staat als Mittel, um Krisenkosten auf SchülerInnen und Eltern abzuwälzen. Die Schulen werden aufgrund ihrer „Selbstständigkeit“ mit der Finanzierung – beispielsweise von Lehrmitteln – alleine gelassen und müssen sich Sponsoren suchen. Das führt zu einer extremen Konkurrenz unter den Schulen um kommunale Mittel.

Vielen Großkonzernen, Banken und der Bundeswehr kommt das sehr entgegen. Sie sponsern die Schulen und nehmen so erheblichen Einfluss auf Lehrinhalte: durch eigene Materialien und von ihnen bezahlte Schulbücher. Daraus folgt, dass die Unterrichtsinhalte, die den SchülerInnen vermittelt werden, zunehmend unwissenschaftlicher werden und weitestgehend eine von den Sponsoren bestimmte Botschaft transportieren – wie beispielsweise die Rechtfertigung von Krieg oder das Verteufeln von Streiks. Sichtbar wird dieser Einfluss auch an den zunehmenden Schulbesuchen der Bundeswehr.

Wer von der sogenannten Schulautonomie profitiert, wird also deutlich: es sind nicht die SchülerInnen oder LehrerInnen. Dass Schulen, Kommunen und Bundesländer gegeneinander ausgespielt werden, kommt einzig und allein den Herrschenden mit ihren Interessen entgegen. Ein Beispiel, das dies besonders schön verdeutlicht, ist die aktuelle Unterbringung von Flüchtlingen in Schulturnhallen: Die Schulen erhalten Geld von den Kommunen, die Stadt umgeht das Problem der Unterbringung von Flüchtlingen in Wohnungen und nebenbei wird die miese Stimmung gegen Flüchtende geschürt. So wird es oft diesen zugeschrieben, dass der Sportunterricht für die SchülerInnen ausfallen muss.

Umso wichtiger ist es, dass wir wieder unsere Interessen vertreten und in der Schule gemeinsam aktive Kämpfe führen. Denn der ausfallende Sportunterricht ist so wenig in unserem Interesse, wie es im Interesse der Geflüchteten ist, wochenlang mit hunderten anderen Menschen in einer Schulturnhalle zu schlafen.

Roxy, Tübingen

SDAJ

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Elitär – Ignorant – Proimperialistisch – Die „Linken“ von Egotronic

Dezember 2015

SDAJnetz

„Wir haben auf jeden Fall keine Skrupel, uns mit den eigenen Fans anzulegen.“ Mit Fans, die ein Problem damit haben, dass man unbegrenzte Solidarität mit Israel von der Bühne schreit. Mit Fans, die ein Problem damit haben, die komplette Dresdner Bevölkerung im 2. Weltkrieg als Täter zu betiteln und sich über eine Kriegshandlung lustig zu machen. Und mit Fans, die so etwas wie einen Klassenstandpunkt vertreten. Dass Egotronic kein Problem damit haben, diese Fans als Antisemiten und Nazis zu verschreien, dürfte mittlerweile niemanden mehr verwundern. Eher fragt man sich, weshalb sich Marxisten oder auch nur ansatzweise linke Menschen ausgerechnet zu ihren Konzerten begeben. Aber es soll ja Leute geben, die darauf stehen, sich beleidigen zu lassen. „Abgehen und Party machen“ zur individualistischen Integration in den Imperialismus, spitze! Dass Egotronic sich mittlerweile als antideutsche Partymacher herausgebildet haben, hat sich auch in der linken Szene herum gesprochen. „Opfer sein wollen alle, aber könnt nur ihr scheiß Deutsche sein“, „Die verkackten Deutschen – nichts hat sich geändert! Verkackte Nazis! Antisemiten! Verkackter Faschist!“

Wenn Egotronic eins gerne machen, dann ist es Party-Lieder für den imperialistischen Krieg zu schreiben. Ob es jetzt gegen die Deutschen geht, die alle seit ihrer Geburt dazu verdammt sind Rassisten zu werden, oder gegen palästinensische Kinder, die bestimmt nichts anderes vorhaben, als die israelische Bevölkerung auszulöschen, ist ihnen egal. Es muss nur Bass haben.

Wenn sich dann noch alle Heroin, LSD oder Chrystal Meth auf ihrem Konzert geben, sind die Jungs komplett glücklich, denn schließlich ist die Selbstzerstörung sinnvoll, man ist ja selber deutsch. Sie machen das auch: sich raus ziehen, mit den verhassten Mitmenschen nichts mehr zu tun haben. Das ist genau der Habitus, der alle Tendenzen der gemeinsamen Kämpfe für die eigenen Interessen ignoriert. Die elitäre Ignoranz gegenüber den Kämpfenden zeichnet das Ganze zusätzlich aus.

In ihrem neusten Lied wird die Aussage auch nicht viel tiefgründiger: „Deutschland, Arschloch, fick dich – wir hassen dich so sehr, du warst als Kind schon Scheiße und das ändert sich nicht mehr […] Ihr seid scheiß Deutsche. Und Deutsche tun was Deutsche eben tun: Verwerten, töten, unterjochen.“ Spätestens jetzt sollte jedem auffallen, dass sich irgendwas an ihren Aussagen und dem gleichzeitig postulierten Statement gegen Rassismus widerspricht.

Der Rassismus vermischt sich mit der Verachtung gegenüber der Arbeiterklasse und geht diesen bürgerlichen Klassenstandpunkt auch außenpolitisch konsequent weiter: Egotronic stellt Israels Erstschläge auf Palästina als Verteidigung hin und ist so von einer Erika Steinbach, die meint, Nazi-Deutschland hätte sich nur gegen Polen verteidigt, nicht weit entfernt – die Logik dahinter ist dieselbe.

Gerade in der Verbindung der eingängigen Musik mit der klassisch-demagogischen Art und der Bearbeitung „linker“ Themen geht von diesen Leuten eine Gefahr aus. Sie verherrlichen die elitäre Zurückgezogenheit linker Szene- und Antifa-Kreise, die aber gerade aus der Schwäche heraus resultiert, nicht massentauglich zu sein. Anstatt für die eigenen Interessen zu kämpfen, wird die individualistische Einrichtung in der subkulturellen Nische gepredigt. Unser Weg ist das nicht, aber der Dreck zieht in die Köpfe.

Jens, Nürnberg

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SDAJ protestierte mit Kriegsgegnern vor der Werbeagentur Castenow

An der Stelle, wo die letzten lokalen Nazi-Größen am Endes des 2. Weltkrieges Düsseldorf in einen Ort der verbrannten Erde verwandeln wollten, hat die Werbeagentur Castenow ihr Domizil. In ihrem Nobelbüro am Rhein, der die Grenze zwischen den US-Truppen und den letzten NS-Verbänden bildete, tüftelten die „Kreativen“ an einer millionenschweren Kampagne, die junge Leute wieder in die Fänge der Bundeswehr treiben soll. Ein grandioses Eigentor fing sich die Agentur jetzt ein. Passend zu ihrem Slogan „Wir kämpfen auch dafür, dass du gegen uns sein kannst“ bekam sie keine Bewerbungsschreiben für den Barras, sondern direkt vor die Haustür gab’s eine Protestaktion der SDAJ mit Teilnehmern von Solid, SDS und DKP.

Zur „Verteidigung“ Deutschlands in aller Welt fehlen der Bundeswehr nicht nur flugfähige Tornados, startberechtigte Hubschrauber aus der Serie NH90, Nachfolgemaschinen vom Typ Airbus A400M zum Transall-Transporter C160, sondern auch Untersee-Boote – und vor allem Soldaten, die die deutschen „Interessen“ im inzwischen 17. völkerrechtswidrigem Kriegseinsatz der Bundeswehr wahrnahmen.

Die Werbeagentur Castenow bekam im Sommer den Auftrag für die neue Werbekampagne der Bundeswehr. Unzählige Plakate, Postkarten, sind seit einem Monat an zahlreichen Bushaltestellen, in Kneipen und Cafés zu bestaunen. Zusammenfassen heißt es im Werbedeutsch von Castenow: „Die Kampagne wird deutschlandweit in allen zielgruppenrelevanten Kanälen sichtbar sein. So wurden verschiedene Motive für OOH, CLP, Großflächen, Print, Social Media, Ambient und Digital entwickelt.“ Die Bundeswehr wird als Arbeitgeber dargestellt, der nur das Beste von seinen Leuten will. – Gegebenenfalls das Leben. Aber das sagt Castenow nicht. Unter dem Motto „Mach, was wirklich zählt.“ wirbt die Bundeswehr offensiv um neue Soldatinnen und Soldaten für ihre Kriege. Die Werbeagentur Castenow will dabei den Job beim Militär als jung, hipp und sinnstiftend verkaufen.

Die SDAJ hält dagegen: „Sich bei der Bundeswehr zu verpflichten, ist alles andere als cool. Die Bundeswehr dient einem einzigen Sinn und Zweck: der Kriegsführung. Momentan befindet sich die Bundeswehr in 16 Auslandseinsätzen. Erst letzte Woche hat der Bundestag völkerrechtswidrig Einsatz Nummer 17 beschlossen. In Syrien sollen 1200 Soldatinnen und Soldaten den Kampf gegen den IS aufnehmen. Tatsächlich geht es jedoch um die Verschärfung eines seit Jahren andauernden Krieges der USA und ihrer NATO-Partner, darunter Deutschland, zur Neuaufteilung des Nahen und Mittleren Ostens. Es geht, worum es bei imperialistischen Kriegen immer geht: Um Rohstoffe, Ressourcen und Einflusssphären.“
Die SDAJ warnt: Seit vier Jahren tobt in Syrien ein zerstörerischer Bürgerkrieg. Nun wollen auch die deutschen Banken und Konzerne ein Stück vom Kuchen und beteiligen sich mithilfe der Bundeswehr an der weiteren Destabilisierung des Landes. Deshalb lehnt die SDAJ sämtliche Auslandseinsätze der Bundeswehr ab und sagt: Kein Krieg für Profite!

Im letzten Jahr mussten 1600 Soldatinnen und Soldaten in psychiatrische Behandlung wegen der Gräuel, die sie während ihrer Arbeit erlebten; seit 1992 wurden 106 Soldatinnen und Soldaten im Kriegseinsatz getötet. Auch wenn sich die Bundeswehr als offener und moderner Arbeitgeber präsentiert: 55% der Frauen in der Bundeswehr geben an, bereits sexuell von Kollegen und Vorgesetzten belästigt worden zu sein.

Studierende oder Auszubildende bei der Bundeswehr verpflichten sich automatisch für Auslandseinsätze. Was in der Werbung als Abenteuer verkauft wird, ist in Wirklichkeit der reinste Horror. Nach der Heimkehr haben ein Drittel der Soldatinnen und Soldaten tote oder schwerverletzte Kameradinnen und Kameraden gesehen. 36% wurden durch Artillerie beschossen oder durch Minen oder Raketen angegriffen und 30% haben Leichen oder Teile von Leichen gesehen. Die Zahlen posttraumatischer Belastungsstörungen nach dem Auslandseinsatz steigen. Aber wer entscheidet sich angesichts dieser Tatsachen überhaupt für eine Zukunft bei der Bundeswehr?

Überall fehlen Ausbildungsplätze, die Zugangsbeschränkungen an den Unis werden immer höher, nach der Ausbildung ist eine Übernahme meist sehr unsicher und wenn man sie dann hat, meistens befristet. Kaum einer von uns hat noch die Illusion vom sicheren Job – geschweige denn einer freien Lebensplanung. Dagegen wirkt eine Ausbildung oder ein Studium bei der Bundeswehr tatsächlich sehr attraktiv: Über 1000€/Monat für eine Ausbildung oder Studium und dann auch noch eine Jobgarantie im Anschluss. Wo findet man das noch? Trotz dieser Köder hat die Bundeswehr weiterhin ein Nachwuchsproblem. Und daher gibt sie Jahr für Jahr über 30 Millionen Euro für die Rekrutierung neuer Soldatinnen und Soldaten aus. Allein 10,6 Millionen gehen für die aktuelle Kampagne drauf.

Statt Millionen für bescheuerte Sprüche wie „Wahre Stärke findest Du nicht zwischen zwei Hanteln.“ auszugeben, könnte das Geld in die Ausbesserung von Berufsschulen investiert werden. Der aktuelle Bundeswehr-Etat liegt bei 32 Milliarden Euro. Ausreichend Geld, um Schulen und Unis zu sanieren, Kulturangebote zu fördern und nebenbei noch eine ausreichende Versorgung der zahlreichen Geflüchteten sicherzustellen. Doch die Bundeswehr erschließt Einflusssphären und Ressourcen für das deutsche Kapital. Sie hat die Aufgabe, Profite zu sichern. Und dafür ist der Kriegsministerin und den Militärs kein Menschenleben zu schade.

Auf einem Flugblatt, das vor der Agentur verteilt wurde, werden die Forderungen gebündelt:
– Kein Werben fürs Sterben – keine Werbung für die Bundeswehr!
– Lehrstellen statt Kriegseinsätze!
– Keinen Menschen, keinen Cent und keinen Fußbreit der Bundeswehr!

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