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Fataler Irrweg

 

Hans Christoph Stoodt über Verantwortung für verhetzte Jugendliche

Weit mehr Jungnazis (NPD, Identitäre usw.) als salafistisch inspirierte Jugendliche sind während der letzten Jahrzehnte in hessischen Schulen herangezogen worden. Einige dieser braunen Figuren standen womöglich im Kontakt zum Thüringer NSU-Umfeld. Selbstverständlich wurden ihretwegen nie Versammlungen besorgter Schulleiter vom Verfassungsschutz zu Wachsamkeit aufgefordert – hatte dieser doch den NSU mitorganisiert, -bezahlt und -bewaffnet.

Wenn heute Jugendliche im Fernsehen vorgeführt bekommen, wie während einer Razzia gegen Salafisten palettenweise Koranexemplare polizeilich beschlagnahmt werden, sind diese Bilder für sie machtvolle, staatlich gelieferte Beweise für die Richtigkeit ihres Empfindens, als Jugendliche und als Muslime in der hiesigen Gesellschaft abgelehnt, ausgegrenzt, nicht gewollt zu sein. Und wenn sie dann tatsächlich gehen, in den Krieg ziehen, tun sie genau das, was ihnen durch Bilder dieser Art, durch die Erfahrung von rassistischer Diskriminierung und einer als mickrig empfundenen Lebensperspektive jahrelang nahegelegt wurde. Falls sie auf diesem fatalen Irrweg ums Leben kommen, wiederholt sich tödlich noch einmal die eigentliche Kollaboration – die des „abendländischen“ Imperialismus mit reaktionärem Fundamentalismus.

Unsere Aufgabe ist es, um Jugendliche wie Enes G. aus Frankfurt, der für den IS kämpfte und starb, um Menschen besonders aus der Arbeiterklasse, zu kämpfen. Wir haben eine revolutionäre Perspektive auf eine Welt, in der es letztendlich Freiheit, Gleichheit und Geschwisterlichkeit real und, egal ob religiös oder nicht, für alle geben soll und wird – wenn wir gemeinsam erfolgreich darum kämpfen. Auch SDAJ und DKP haben Menschen wie Enes gegenüber die riesige Verantwortung, in der mühsamen und begeisternden Arbeit praktischer Organisation und gleichberechtigt geführter Kämpfe dafür zu sorgen, dass Fundamentalismus und Imperialismus auf dem Müllhaufen der Geschichte verschwinden.

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28. November 2016

SDAJ

Am 25. November ist unser Genosse Fidel Castro, der Comandante en Jefe der kubanischen Revolution und Präsident bis 2008, im Alter von 90 Jahren gestorben.

Mit der Revolution 1959 befreite sich das kubanische Volk von der grausamen Herrschaft des Batista-Regimes und der wirtschaftlichen Ausbeutung durch den US-Imperialismus. Dabei spielte Fidel Castro als „Comandante en Jefe“ eine herausragende Rolle – er war es, der 1961 die Revolution zu einer sozialistischen erklärte.

Unter Führung der PCC (Kommunistische Partei Kubas) und Präsident Fidel Castro machten sich die Kubanerinnen und Kubaner nun daran, sich ein besseres Leben aufzubauen. Sie enteigneten die US-amerikanischen Konzerne, die das Land ausbeuteten; sie verteilten in einer Agrarreform das Land an die, die es bewirtschaften; sie führten Bildung für alle ein, in einem Land, in dem zuvor die Wenigsten lesen und schreiben konnten; sie schufen sich ein Allen kostenlos zugängliches Gesundheitssystem, das noch heute seinesgleichen sucht; sie verteilten mit den wenigen Mitteln eines Dritte-Welt-Staats den produzierten gesellschaftlichen Reichtum.

Seither war Kuba wirtschaftlichen und militärischen Angriffen seitens der USA ausgesetzt. Denn eine erfolgreiche gesellschaftliche Alternative zum Kapitalismus – und das direkt vor der eigenen Haustür – war den Herrschenden in den USA ein Dorn im Auge. Die kleine Insel trotzte der Wirtschaftsblockade, die sie bis heute mehr als das 20-fache ihres Bruttoinlandsproduktes gekostet hat. Unter Führung von Fidel wurde auch die Invasion von Konterrevolutionären 1961 in der Schweinebucht inklusive Bombardierung durch die US-Luftwaffe abgewehrt. Auf Fidel selbst wurde eine Vielzahl von Attentaten verübt, die hauptsächlich von der CIA geplant oder finanziert wurden.

Seit der Revolution stand Kuba auch außerhalb des eigenen Landes an der Seite der Unterdrückten. Der Inselstaat leistete unter Fidel praktische internationale Solidarität, indem er politisch wie auch materiell nationale Befreiungsbewegungen oder sozialistische Versuche in Afrika, Asien und Lateinamerika unterstützte sowie bis heute medizinisches Fachpersonal in Krisenregionen entsendet.

Fidel wird fehlen – doch sein Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung, erst für die kubanische Unabhängigkeit und später für den Kommunismus, geht weiter! Denn ohne die breite Unterstützung des kubanischen Volkes wären die Revolutionäre nicht erfolgreich gewesen; ohne das Bewusstsein der Massen, dass es sich im Sozialismus besser lebt, hätte der sozialistische Aufbauprozess nicht fortgeführt werden können; ohne das Durchhaltevermögen aller KubanerInnen während der Sonderperiode hätte Kuba der Niederlage des sozialistischen Lagers nicht trotzen können.

Wir alle verdanken dem unermüdlichen Kampf Fidels und der kubanischen Bevölkerung viel – denn bis heute zeigt das Beispiel Kubas Tag für Tag, dass eine Welt jenseits des Kapitalismus möglich ist! Zu diesem traurigen Anlass erklären wir unsere Solidarität mit der Bevölkerung Kubas und unseren kubanischen Genossinnen und Genossen!

Bürgerliche Kommentatoren versuchen sich schon seit über 20 Jahren in der Weissagung, dass ohne Fidel, als Maximo Lider an der Spitze, der kubanische Sozialismus zusammenbrechen würde. Nach dem er in 47 Jahren Amtszeit ganzen zehn US-Präsidenten die Stirn geboten hatte, zog sich Fidel Castro 2006 in den verdienten Ruhestand zurück und kommentierte von dann ab das Weltgeschehen in seinen reflexiones. Da hat das kubanische Volk schon einmal bewiesen, dass es auch ohne ihn Sozialismus kann.

Auf diese Probe ist es jetzt erneut gestellt. Fidel stirbt zu einem Zeitpunkt, an dem Kuba an einem Scheideweg steht. Wir hoffen, dass das kubanische Volk das sozialistische Erbe Fidels weiterführt und uns Beispiel und Verbündeter im Kampf für die klassenlose Gesellschaft ist! Wir wünschen den kubanischen GenossInnen dabei Kraft und Willensstärke. Wir stehen ihnen tatkräftig und solidarisch zur Seite!

¡Hasta la victoria siempre!

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Zweites internationales Vorbereitungstreffen in Namibia

19. Weltfestspiele Russland 2017

In Windhoek, der Hauptstadt Namibias, hat in dieser Woche das zweite internationale Vorbereitungstreffen für die XIX. Weltfestspiele der Jugend und Studierenden stattgefunden. Die Delegierten aus rund 30 Ländern diskutierten unter anderem das Programm des Festivals, das im Oktober 2017 im russischen Badeort Sotschi, dem Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2014, stattfinden wird.

Eröffnet wurde das Treffen vom Generalsekretär der früheren Befreiungsbewegung und heutigen Regierungspartei SWAPO, Nangolo Mbumba. Er würdigte die Unterstützung, die der Weltbund der Demokratischen Jugend (WBDJ) und die antiimperialistische Jugendbewegung der Welt in früheren Jahrzehnten dem Freiheitskampf des namibischen Volkes gegen die Besatzung durch das südafrikanische Rassistenregime gewährt habe.

Das russische Vorbereitungskomitee schlug vor, jeden Tag des Festivals einer der großen Weltregionen zu widmen: Amerika, Europa, Asien und Ozeanien, den Mittleren Osten sowie Russland als Gastgeberland, berichtete der Moskauer Fernsehsender RT unter Berufung auf die russische Agentur für Jugendangelegenheiten. Inhaltlich sollen demnach Themen wie kulturelle Zusammenarbeit, internationale Sicherheit, Bildung, Wissenschaft, Umweltschutz, Telekommunikation sowie die Lage junger Arbeiter behandelt werden. Die russischen Veranstalter rechnen mit 20.000 TeilnehmerInnen aus 150 Ländern aller Kontinente.

WBDJ-Generalsekretär José Ángel Maury de Toro sieht die Bedingungen für eine erfolgreiche Veranstaltung vom 14. bis 22. Oktober 2017 in Sotschi gegeben. Das Festival werde einen Raum zum Austausch von Ideen und Erfahrungen bieten und stelle eine Plattform dar, um die Kräfte der Jugend der Welt für den Kampf gegen den Imperialismus, für den Frieden und den Aufbau einer besseren Welt zusammenzuführen.

Wie die kubanische Tageszeitung Juventud Rebelde berichtete, wurden in Namibia auch logistische Fragen diskutiert, zum Beispiel die Medienstrategie im Zusammenhang mit dem Festival. Im Vorfeld der Weltfestspiele sollen zudem weltweit Workshops und regionale Solidaritätsforen stattfinden. Nach dem Abschluss des Vorbereitungstreffens sollte der Generalrat des WBDJ zusammenkommen, um die Aktivitäten der internationalen Organisation im zu Ende gehenden Jahr auszuwerten und die Aktionen für die kommenden zwölf Monate vorzubereiten.

Quellen: Juventud Rebelde, RT, Energy 100 FM

Foto: RT

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Zehntausend Auszubildende werden nicht entlohnt

Von Hannes Schinder

Auszubildende der Physiotherapie der Uniklinik Essen

Auszubildende der Physiotherapie der Uniklinik Essen

(Foto: Schinder)

Am Dienstag forderten etwa 50 Auszubildende der Physiotherapie der Uniklinik Essen die Aufnahme ihrer Forderungen in die Tarifrunde der Länder. Unter dem Motto „Aktive Mittagspause“ versammelten sie sich während ihrer Pause, um zu zeigen, dass sie durch die finanzielle Lage „Blank bis auf die Knochen“ sind und stellen die Frage, warum sie keine Ausbildungsvergütung bekommen.

Viele Auszubildende, die in Krankenhäusern eine Lehre machen, werden für diese nicht entlohnt. Betroffen sind die fachschulischen Ausbildungsgänge wie Diätassistenz, Physiotherapie, Logopädie und Medizinisch-technische Labor- und Radiologieassistenz. Bundesweit sind davon etwa 10 000 betroffen, an der Essener Universitätsklinik etwa 250.
Für diese Auszubildenden existiert kein Tarifvertrag. Denn die fachschulische Ausbildung wird in einem Bundesgesetz geregelt, und darin ist keine Bezahlung vorgesehen. Die Auszubildenden erhalten aber auch keine Zuschüsse für ihre Fachbücher oder Fahrkarten. So müssen die Auszubildenden an Wochenenden, neben ihrer Ausbildung in Vollzeit, noch arbeiten gehen, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Dadurch haben sie häufig unzureichende Ruhepausen und nicht die ausreichende Zeit zum Lernen.
Die Jugend- und Auszubildendenvertretung in Essen (JAV) hat sich schon mehrfach an das Krankenhaus gewendet, um wenigstens eine Bezuschussung der Bücher durchzusetzen. Doch die Krankenhäuser stellen sich bei den Forderungen quer. Sie bemühen einerseits die finanziell angespannte Lage, und argumentieren weiter, dass die Krankenkassen kein Geld erstatten, solange keine gesetzliche Regelung besteht.
Daher hat sich die JAV in einem Schreiben an den ver.di-Bundesfachbereichsvorstand für Gesundheit und Soziales gewendet. In diesem Brief fordern sie ver.di auf, die Forderungen mit in die Tarifrunde der Länder zu nehmen und diese auch zu unterstützen. Darin heißt es: „Die Gewerkschaft ist hier in der Pflicht, sich auch für diese Menschen einzusetzen.“
Diese Forderungen beinhalten eine gesetzliche Regelung der Ausbildungsvergütung und die Abschaffung der Schulgebühren, die mancherorts von den Auszubildenden auch noch zu bezahlen sind. Und die betroffenen Ausbildungsberufe sollen in den Tarifvertrag aufgenommen werden. Dass eine gesetzliche Regelung möglich ist, zeigt die Situation der Krankenpfleger. „Es gab eine Zeit, in der die Krankenpflegeausbildung schulisch und ohne Vergütung war, das wurde schließlich auch geändert,“ sagt Alexander Mrosek von der JAV. Diese Änderung wird nun auch für andere Ausbildungsgänge gefordert.
Mit einer Aktion „Wir bluten für unsere Bücher“ machte die JAV im März auf das Problem in Essen aufmerksam. Dabei spendeten Auszubildende Blut, um ihre Lehrbücher finanzieren zu können. Denn pro Spende zahlt die Uniklinik 26 Euro Aufwandsentschädigung. Am 8. November startete die JAV die nächste Aktion unter dem Motto „Aktive Mittagspause“.
Für die Auszubildenden bleibt zu hoffen, dass ver.di ihre Forderungen mit in die Tarifrunde nimmt und auch durchsetzt. Und damit Ausbildung im Gesundheitswesen wieder attraktiver macht. Denn dass im Gesundheitswesen ein massiver Mangel an Fachpersonal herrscht, dürfte ein offenes Geheimnis sein.

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Tausende Studierende von Universitäten und Fachhochschulen folgten dem Aufruf mehrerer Studierendenvertretungen und demonstrierten in Athen, Thessaloniki und weiteren 15 Städten des Landes gegen die Regierung, die EU und den IWF. In Athen versammelten sie sich nach dem Aufruf von 26 Verbänden vor der Universität, wo die Kämpferische Studierendenfront (MAS) ein Riesentransparent an der Fassade des Dekanatsgebäudes aufhängte.

Athen

 

 

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Thessaloniki

 

 

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04.11.2016

KKE

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24. Oktober 2016

Post von der SDAJ

POSITION, Magazin der SDAJ

43-1_5-16_akt-ob-seehofer2Lieber Horst Seehofer,

du gibst dich volksnah, trittst für „unsere Heimat“ ein, willst für die „normalen Menschen“ kämpfen, die geografische und soziale Herkunft sei dir dabei egal. Ist klar. Du schaffst es schon seit Jahren, deine „normale Bevölkerung“ nach Strich und Faden zu verarschen. Du weißt, wie man mit der Bevölkerung redet. Das bringt dir Stimmen, die Interessen deiner WählerInnen vertrittst du aber bei Weitem nicht. Du hast für die Diätenerhöhung gestimmt aber gegen den Mindestlohn. Auch die Rente mit 67 findest du großartig, eine Erbschaftssteuer lehnst du aber ab. Du hast auch fleißig für jeden Kriegseinsatz gestimmt. Die „normale Bevölkerung“, die in den Krieg zieht oder deren „Heimat“ zerbombt wird, profitiert davon wohl eher nicht. Du machst Politik für die Herrschenden, zu denen auch du aus deiner konservativ-katholischen Arbeiterfamilie aufgestiegen bist.

Reaktionär warst du schon immer, mit 20 trittst du der Jungen Union bei, 3 Jahre später der CSU, deren Vorsitzender du seit 2008 bist. Auf eurer letzten Klausurtagung erklärst du, „auch nationalkonservative Wähler müssen sich bei uns wohlfühlen“. Na herzlichen Glückwunsch! Du treibst mit der CSU die CDU und die Bundesregierung schon seit Jahrzehnten nach rechts. Du wetterst gegen Merkels „Willkommenskultur“. Billige Arbeitskräfte aus dem Osten sind dir da lieber, die können nach verrichteter Arbeit ja wieder gehen. „Gegen die Zuwanderung in deutsche Sozialsysteme“ willst du dich „bis zur letzten Patrone wehren“. Das sagst du schon 5 Jahre bevor die AFD von Schießbefehlen an deutschen Grenzen spricht. Die AFD konnte viel von dir lernen, die CSU ist in vielen Dingen ihr Vorreiter. Langsam aber sicher schmeißt sie deine Partei aber aus dem reaktionären Sattel. Davor hast du natürlich Angst und gibst dem rassistischen Gaul mit deinem „bayerischen Integrationsgesetz“ nochmal ordentlich die Sporen.

Dieser Artikel ist aus der aktuellen POSITION, dem Magazin der SDAJ. Du kannst es für 10€ jährlich abonnieren unter position@sdaj-netz.de

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Aus deinen „einfachen Verhältnissen“ bist du früh ausgebrochen und hast es bis zum Diplom-Verwaltungswirt geschafft. Du weißt, wie man sich beliebt macht und hocharbeitet. Dabei passt du deine Postionen beliebig an, um im Amt zu bleiben und die Bundesrepublik weiter nach rechts treiben zu können. Als guter Populist erklärst du 2010 noch, du seist für die unbegrenzte Laufzeitverlängerung der deutschen Kernkraftwerke und machst den Leuten Angst vor einer Energiewende. Als dann die Stimmung – nach der Nuklearkatastrophe in Fukushima 2011 – kippt, willst du auf einmal den schnellstmöglichen Kernenergieaustritt. Belastungen für die Energiekonzerne lehnst du dabei natürlich weiterhin ab. Das ist ja auch der wahre Kern deiner Politik. Hauptsache die Konzerne profitieren, ob nun mit Kern-, oder erneuerbarer Energie ist dir doch egal. Als Demagoge weiß man eben, wie man die „normale Bevölkerung“ für seine Sachen gewinnen kann, auch wenn sie letztlich darunter leiden wird.

Tobi, Gießen
& Euer Zeitungskollektiv

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Arm und ausgebrannt?

 

20. Oktober 2016

SDAJ

Armut macht krank und lässt uns früher sterben

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Zur größeren Darstellung auf die Statistik klicken

Der Gesundheitszustand in Deutschland hängt maßgeblich mit der Klassenzugehörigkeit zusammen. Eine Studie des Statistischen Bundesamtes bestätigt, dass wohlhabende Männer durchschnittlich 11 Jahre länger leben, als arme Männer. Deutlichste Ursachen dafür liegen schon im Kernaufbau des Versicherungswesens. Durch die Trennung in private und gesetzliche Krankenversicherung ist eine Zwei-Klassen-Medizin entstanden, während die einen von den neusten Behandlungsmethoden profitieren können, müssen die anderen in überfüllten Wartesälen ausharren. Auch auf der Arbeit wird bei der einfachen Belegschaft zuerst gespart und ihre Gesundheit oft aufs Spiel gesetzt. Aber auch durch den steigenden Leistungsdruck, der bereits in der Schule beginnt, kommt es vermehrt zu ausfällen. Wir haben uns mit drei Menschen unterhalten, die auf Grund ihrer Klassenzugehörigkeit krank geworden sind und auch bei der Heilung benachteiligt werden.

Tobi, Gießen

 

1. Meine Schule macht mich krank
Mobbing, Leistungsdruck und keine Freizeit

Mir wurde immer gesagt, die Kindheit und Jugend sei die „goldene Zeit des Menschen“, in der man viel Freizeit hat und tolle Erfahrungen machen kann. Leider merke ich in meinem Alltag nichts davon. Ich gehe auf ein Gymnasium in Marburg. Mit sechs Jahren wurde ich in einer sechsjährigen Grundschule eingeschult, in der Siebten kam ich dann auf meine heutige Schule. Hier erfuhr ich was es bedeutet, keine Markenklamotten und nicht das neuste Handy zu haben. Seit der Oberstufe ist es besser geworden aber dafür hat der Stress mit den Noten zugenommen. Ich möchte gerne Medizin studieren, weil ich Menschen helfen möchte, aber dafür brauche ich ein 1,0er-Abi, momentan stehe ich auf 1,2. Ich muss also noch besser werden und konnte mir schon jetzt kaum Pausen leisten. Wie soll das nur in der Zukunft aussehen? Vor Klausuren bekomme ich Angst, weil sie über meine Zukunft entscheiden. Nur bei den besten Noten kann ich zufrieden sein. Dieser ganze psychische Druck hat mich krank gemacht. Das muss man offenbar in Kauf nehmen, wenn man nicht als Verlierer enden will.Und wenn mein Arzt mir rät, weniger zu tun, dann kann ich das nicht erfüllen, weil ich später selber Arzt werden will.
Leistungsdruck, Stress, Angst vor dem Versagen und keine Freizeit. Das ist mein Alltag im deutschen Schulsystem. Und wenn LehrerInnen und vor allem PolitikerInnen sagen, dass es wichtig ist neben der Schule noch Hobbys zu haben, Sport machen zu können und ausgeglichen zu leben, dann ist das blanker Zynismus.

Lino, Marburg
Lino (17) ist Schüler aus Marburg und würde gern Arzt werden

 

2. Meine Arbeit macht mich krank
Die Wahl zwischen einer Erkältung und giftigen Dämpfen

Monatelang die selbe eintönige, anstrengende Arbeit zu machen, ist die eine Sache. Dabei auch noch giftige Dämpfe einzuatmen und mit ätzenden Substanzen zu arbeiten vor denen man sich nur mehr oder weniger schützen kann, eine ganz andere.
Regelmäßig arbeiten wir in der Restaurierung mit Chemikalien, von denen wir nicht immer wissen, was genau sie machen und wie genau sie wirken. Auf einer unserer Baustellen arbeiteten wir beispielsweise mit Abbeizer, einer Paste, die auf Oberflächen aufgetragen wird und diese dann bis aufs Holz aufweicht. Natürlich wurden dabei Dämpfe freigesetzt, denen wir nicht entgehen konnten. Eigentlich wird Abbeizer nur im Freien oder in einem „Lackierraum“ mit Abzug verwendet. Und eigentlich trägt man dabei Gummihandschuhe, eine Atemmaske und eine Schutzbrille. Doch wer mal versucht acht Stunden am Tag eine Atemmaske zu tragen, wird schnell feststellen, dass es unter den Dingern sehr warm werden kann. Zusammen mit einer Schutzbrille, Gummihandschuhen und dem nicht atmungsaktiven Schutzanzug war man nach einer halben Stunde schon so verschwitzt, dass man Pause machen musste. Und dann hatten wir die Wahl: Entweder wir nahmen unsere Schutzausrüstung ab und kamen in Kontakt mit den Dämpfen oder wir stellten uns verschwitzt in die kalte Winterluft. Wir hatten also die Wahl zwischen Kopfschmerzen und Übelkeit oder einer Erkältung.

Caro, Berlin
Caro (23) aus Berlin ist gelernte Tischlerin und arbeitet in einem Restaurierungsunternehmen.

 

3. Meine Klassenzugehörigkeit verwehrt mir die Heilung
Technischer Fortschritt in der Medizin, aber nur gegen Geld

Ich bin Diabetiker Typ 1, das heißt mein Körper kann kein Insulin mehr herstellen und damit keinen Zucker verarbeiten. Eine Krankheit, an der man noch vor vier Jahrzehnten elendig verreckt ist und es in einigen Ländern dieser Erde auch immer noch tut. Es gibt wenig Krankheiten, bei denen es in den letzten Jahrzehnten einen solchen technischen Fortschritt und solche Verbesserungen – was Lebenserwartung und Wohlbefinden angeht – gegeben hat. Also alles gut?

Dieser Artikel ist aus der aktuellen POSITION, dem Magazin der SDAJ. Du kannst es für 10€ jährlich abonnieren unter position@sdaj-netz.de

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Mitnichten, denn vieles was es an technischem Fortschritt gegeben hat, kostet und das wollen die gesetzlichen Krankenkassen natürlich möglichst nicht zahlen. Beispielsweise gibt es einige Insulinpumpen, die werden im Regelfall erst nach einem Widerspruchsverfahren gegen den ersten Bescheid der Kasse genehmigt. Gleiches gilt für spezielle Nadeln, Umstellung der Insulinsorte, implantierte Messgeräte etc. Diese Verfahren kosten Kraft, Nerven und allzu oft sind Zuzahlungen an der Tagesordnung.
Besonders makaber: In Deutschland gilt man erst als chronisch krank, wenn man diese Krankheit mindestens ein Jahr hat und alle 3 Monate in Behandlung war. Das heißt, eine Befreiung von Zuzahlungen ist erst dann möglich und auch dann betrifft diese Reglung nur einen Teil der Hilfsmittel. Das führt zu einem traurigen Ergebnis: Die besten und vor allem komfortabelsten Lösungen sind nur für den Teil zu haben, der sich entweder im Wust der Paragrafen auskennt, einen sehr engagierten Facharzt hat oder zumindest ausreichend Kleingeld, um die Zuzahlungen zu bestreiten.

Flo, Kiel
Flo (25) ist gelernte Industriemechaniker und im Ortsvorstand der IGM-Kiel.

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„Besser abschneiden“

Friseurhandwerk: ver.di startet bundesweite Tarifkampagne „Besser abschneiden“ für gute Ausbildungsbedingungen und einen allgemeinverbindlichen Tarifvertrag

13.10.2016

ver.di

Niedrigste Ausbildungsvergütungen, viele ausbildungsfremde Aufgaben und Überstunden – Jugendliche, die sich zur Friseurin oder zum Friseur ausbilden lassen, erleben oftmals einen frustrierenden Berufseinstieg. So liegt die durchschnittliche Ausbildungsvergütung im Friseurhandwerk laut Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) 2015 im Osten bei gerade einmal 269 Euro, im Westen bei 494 Euro monatlich und damit deutlich unter dem bundesweiten Gesamtdurchschnitt der tariflichen Ausbildungsvergütungen von 826 Euro. Kein Wunder, dass im Jahr 2014 rund 6.500 Ausbildungsverträge wieder gelöst wurden.

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) startet deswegen die bundesweite Tarifkampagne „Besser abschneiden“. Ziel ist ein bundesweit allgemeinverbindlicher Tarifvertrag mit höheren Vergütungen und Verbesserungen der Ausbildungsbedingungen für die rund 23.000, zumeist weiblichen Auszubildenden.

„Vergütungen von 1,68 Euro in der Stunde sind ein Skandal. Ein Geschäftsmodell, das darauf basiert, dass Auszubildende überwiegend von Sozialleis-tungen leben müssen, ist für die Betroffenen und für alle Steuerzahler nicht hinnehmbar. Der anspruchsvolle und körperlich anstrengende Ausbildungsberuf zum Friseur muss dringend in Qualität und Bezahlung aufgewertet werden. Dafür werden wir gemeinsam mit vielen Auszubildenden in zahlreichen kreativen Aktionen kämpfen“, sagte ver.di-Sekretär Marvin Reschinsky.

Der öffentliche Kampagnenauftakt mit Vorträgen findet am 16. und 17. Oktober 2016 auf der Friseurmesse „Haare 2016“ in Nürnberg statt. Im Rahmen der Kampagne wird ver.di u.a. mit einer bundesweiten Tour zu über 50 Berufsschulen über die Rechte in der Ausbildung und tarifpolitische Fragen auf-klären.

Weitere Informationen zur Kampagne: www.besser-abschneiden.info und www.facebook.de/besserabschneiden

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POSITION – Ausgabe #5/2016

Themen: Millionen Streiken in Indien | Rassistische Hetze der AfD in Mecklenburg-Vorpommern | Ein Jahr „Wir schaffen das“

GUTE GRÜNDE DAGEGEN ZU SEIN
position5_16_cover_160x227 Horst Seehofer wollte unser Sozialsystem schon mit der Waffe gegen Zuwanderer schützen, als die ArbeiterFeindlichen Deutschen (kurz: AfD) noch in den Kinderschuhen steckten. Mittlerweile sind sie ihren geistigen Vätern aber über den Kopf gewachsen, zumindest in Ostdeutschland. Prekäre Beschäftigungen, Zukunftsängste und Massenarbeitslosigkeit treibt den dort offen rassistisch auftretenden Vertretern der deutschen mittelständigen Unternehmen bis zu 20% der Bevölkerung in die Arme. Die Wahl der „Protestpartei“ ist meist ein Verzweiflungsakt und zeigt das Versagen des kapitalistischen Systems und seiner Parteien ziemlich deutlich. Auch wenn die Menschen in unserer Bananenrepublik mehr als genug tropische Früchte bekommen, ist es immer noch verdammt schwer sozial aufzusteigen, dafür ist man aber durchschnittlich bis zu 11 Jahren eher unter der Erde. Ohne Privatversicherung stribt man einfach früher. Eine Verbesserung des miserablen Gesundheitswesens steht aber nicht im Wahlprogramm der AfD. Lieber reden sie von „unserer“ Sicherheit, dabei sind Kriegseinsätze schon drin, solange sie den „deutschen Interessen“ dienen. Meinen tun sie natürlich die Interessen des deutschen Kapitals. Das nutzt auch ganz gern Flüchtlinge als billige Arbeitskräfte und letztendlich als LohndrückerInnen. Merkels Willkommens-Kultur ist als ähnlich rassistisch, wie Seehofers Obergenze und der Einaderungsstopp der AfD. Was das aber alles mit euch zu tun hat und wie wir den Brandstiftern und Faschos Feuer unterm Arsch machen wollen, könnt ihr auf den nächsten 40 Seiten lesen.

Euer Zeitungskollektiv

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Mehr Infos gibts unter: http://www.sdaj-netz.de/material/position/abo-service/

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Stärke beweisen

12. Oktober 2016

POSITION, Magazin der SDAJ

Bei der Bahn kämpfen Azubis und merken schnell, wer eigentlich der Stärkere ist

41-1_4-16_akt_ivp-kollumne2Übernahmegarantie nach der Ausbildung klingt nett und ist es auch. Die Frage ist nur, was man darunter versteht. Dass die Frage sehr unterschiedlich aufgefasst werden kann, hat die DB Systel GmbH, ein IT-Dienstleister innerhalb des Deutsche-Bahn-Konzerns, bewiesen. Dort bekamen Azubis am Ende der Ausbildung das Angebot bei DB Zeitarbeit, der eigenen Zeitarbeitsfirma der Deutschen Bahn, übernommen zu werden. „Es hat vor allem leistungsschwache Kollegen getroffen, die keiner im Unternehmen wirklich wollte. Normalerweise wurde trotzdem versucht, alle irgendwo unterzubringen“ sagt Maurizio, der selbst bei DB Systel arbeitet und in der JAV aktiv ist. Diese beschloss, dagegen vorzugehen, da „wir einen Dammbruch und einen ersten Schritt zur Öffnung einer Übernahme bei DB Zeitarbeit befürchteten“, so Maurizio. Also wurde ein Artikel über Zeitarbeit in der betriebsinternen JAV-Zeitung veröffentlicht. Dort wurde der Versuch, die Übernahmegarantie durch eine Zeitarbeitsfirma zu umgehen, angegriffen und die Problematik von Zeitarbeit im Allgemeinen dargestellt. Außerdem enthielt der Artikel die klare Aufforderung den gewerkschaftlichen Kampf gegen das Vorgehen des Konzerns zu organisieren und machte deutlich, dass die JAV für eine Übernahme bei DB Systel kämpfen würde.
Der Artikel und eine Rede bei der Betriebsversammlung löste bei sehr vielen KollegInnen große Empörung und viel Zustimmung aus. Auch der Betriebsrat positionierte sich klar auf Seiten der JAV. Das war ein deutlicher Schlag ins Gesicht des Arbeitgebers, der einsehen musste, dass es ihm nicht gelingt, JAV und Betriebsrat gegeneinander auszuspielen, wie dies immer wieder versucht wurde. Das wiederum wirkte sich nachhaltig auf andere Auseinandersetzungen aus.
Dieses Mal ging es darum, dass zu Beginn der Ausbildung oder eines dualen Studiums bei der Bahn ein fünftägiges Praktikum absolviert werden muss. Während dieser Zeit sollen sich die Azubis kennenlernen und erhalten ihr Arbeitsmaterial. Der Haken: das Praktikum wurde nicht vergütet. Die Azubis und Studierenden wendeten sich mit dem Problem an die JAV. Diese organisierte mit dem Betriebsrat eine Diskussion dazu. Nach nur einer Betriebsratssitzung, zu der der Arbeitgeber eingeladen wurde, wurden ihre Forderungen akzeptiert und eine Entlohnung für die dual Studierenden ausgehandelt. Für die Azubis wurde der Beginn der Ausbildung um die Zeit des Praktikums nach vorne verlegt, so dass auch sie in der Zeit entlohnt werden.

Dieser Artikel ist aus der aktuellen POSITION, dem Magazin der SDAJ. Du kannst es für 10€ jährlich abonnieren unter position@sdaj-netz.de

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„Der Druck, den wir in der Frage um die Übernahme bei DB Zeitarbeit aufbauen konnten, hat sich auch auf diese Auseinandersetzung ausgewirkt. Dem Arbeitgeber war klar, dass wir es ernst meinen. Aus diesem Grund konnten wir unsere Forderungen sehr schnell durchsetzen ohne tatsächlich erneut Druck aufbauen zu müssen“ stellt Maurizio zufrieden fest.

Roxy, Tübingen

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