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24. Oktober 2016

Post von der SDAJ

POSITION, Magazin der SDAJ

43-1_5-16_akt-ob-seehofer2Lieber Horst Seehofer,

du gibst dich volksnah, trittst für „unsere Heimat“ ein, willst für die „normalen Menschen“ kämpfen, die geografische und soziale Herkunft sei dir dabei egal. Ist klar. Du schaffst es schon seit Jahren, deine „normale Bevölkerung“ nach Strich und Faden zu verarschen. Du weißt, wie man mit der Bevölkerung redet. Das bringt dir Stimmen, die Interessen deiner WählerInnen vertrittst du aber bei Weitem nicht. Du hast für die Diätenerhöhung gestimmt aber gegen den Mindestlohn. Auch die Rente mit 67 findest du großartig, eine Erbschaftssteuer lehnst du aber ab. Du hast auch fleißig für jeden Kriegseinsatz gestimmt. Die „normale Bevölkerung“, die in den Krieg zieht oder deren „Heimat“ zerbombt wird, profitiert davon wohl eher nicht. Du machst Politik für die Herrschenden, zu denen auch du aus deiner konservativ-katholischen Arbeiterfamilie aufgestiegen bist.

Reaktionär warst du schon immer, mit 20 trittst du der Jungen Union bei, 3 Jahre später der CSU, deren Vorsitzender du seit 2008 bist. Auf eurer letzten Klausurtagung erklärst du, „auch nationalkonservative Wähler müssen sich bei uns wohlfühlen“. Na herzlichen Glückwunsch! Du treibst mit der CSU die CDU und die Bundesregierung schon seit Jahrzehnten nach rechts. Du wetterst gegen Merkels „Willkommenskultur“. Billige Arbeitskräfte aus dem Osten sind dir da lieber, die können nach verrichteter Arbeit ja wieder gehen. „Gegen die Zuwanderung in deutsche Sozialsysteme“ willst du dich „bis zur letzten Patrone wehren“. Das sagst du schon 5 Jahre bevor die AFD von Schießbefehlen an deutschen Grenzen spricht. Die AFD konnte viel von dir lernen, die CSU ist in vielen Dingen ihr Vorreiter. Langsam aber sicher schmeißt sie deine Partei aber aus dem reaktionären Sattel. Davor hast du natürlich Angst und gibst dem rassistischen Gaul mit deinem „bayerischen Integrationsgesetz“ nochmal ordentlich die Sporen.

Dieser Artikel ist aus der aktuellen POSITION, dem Magazin der SDAJ. Du kannst es für 10€ jährlich abonnieren unter position@sdaj-netz.de

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Aus deinen „einfachen Verhältnissen“ bist du früh ausgebrochen und hast es bis zum Diplom-Verwaltungswirt geschafft. Du weißt, wie man sich beliebt macht und hocharbeitet. Dabei passt du deine Postionen beliebig an, um im Amt zu bleiben und die Bundesrepublik weiter nach rechts treiben zu können. Als guter Populist erklärst du 2010 noch, du seist für die unbegrenzte Laufzeitverlängerung der deutschen Kernkraftwerke und machst den Leuten Angst vor einer Energiewende. Als dann die Stimmung – nach der Nuklearkatastrophe in Fukushima 2011 – kippt, willst du auf einmal den schnellstmöglichen Kernenergieaustritt. Belastungen für die Energiekonzerne lehnst du dabei natürlich weiterhin ab. Das ist ja auch der wahre Kern deiner Politik. Hauptsache die Konzerne profitieren, ob nun mit Kern-, oder erneuerbarer Energie ist dir doch egal. Als Demagoge weiß man eben, wie man die „normale Bevölkerung“ für seine Sachen gewinnen kann, auch wenn sie letztlich darunter leiden wird.

Tobi, Gießen
& Euer Zeitungskollektiv

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Arm und ausgebrannt?

 

20. Oktober 2016

SDAJ

Armut macht krank und lässt uns früher sterben

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Zur größeren Darstellung auf die Statistik klicken

Der Gesundheitszustand in Deutschland hängt maßgeblich mit der Klassenzugehörigkeit zusammen. Eine Studie des Statistischen Bundesamtes bestätigt, dass wohlhabende Männer durchschnittlich 11 Jahre länger leben, als arme Männer. Deutlichste Ursachen dafür liegen schon im Kernaufbau des Versicherungswesens. Durch die Trennung in private und gesetzliche Krankenversicherung ist eine Zwei-Klassen-Medizin entstanden, während die einen von den neusten Behandlungsmethoden profitieren können, müssen die anderen in überfüllten Wartesälen ausharren. Auch auf der Arbeit wird bei der einfachen Belegschaft zuerst gespart und ihre Gesundheit oft aufs Spiel gesetzt. Aber auch durch den steigenden Leistungsdruck, der bereits in der Schule beginnt, kommt es vermehrt zu ausfällen. Wir haben uns mit drei Menschen unterhalten, die auf Grund ihrer Klassenzugehörigkeit krank geworden sind und auch bei der Heilung benachteiligt werden.

Tobi, Gießen

 

1. Meine Schule macht mich krank
Mobbing, Leistungsdruck und keine Freizeit

Mir wurde immer gesagt, die Kindheit und Jugend sei die „goldene Zeit des Menschen“, in der man viel Freizeit hat und tolle Erfahrungen machen kann. Leider merke ich in meinem Alltag nichts davon. Ich gehe auf ein Gymnasium in Marburg. Mit sechs Jahren wurde ich in einer sechsjährigen Grundschule eingeschult, in der Siebten kam ich dann auf meine heutige Schule. Hier erfuhr ich was es bedeutet, keine Markenklamotten und nicht das neuste Handy zu haben. Seit der Oberstufe ist es besser geworden aber dafür hat der Stress mit den Noten zugenommen. Ich möchte gerne Medizin studieren, weil ich Menschen helfen möchte, aber dafür brauche ich ein 1,0er-Abi, momentan stehe ich auf 1,2. Ich muss also noch besser werden und konnte mir schon jetzt kaum Pausen leisten. Wie soll das nur in der Zukunft aussehen? Vor Klausuren bekomme ich Angst, weil sie über meine Zukunft entscheiden. Nur bei den besten Noten kann ich zufrieden sein. Dieser ganze psychische Druck hat mich krank gemacht. Das muss man offenbar in Kauf nehmen, wenn man nicht als Verlierer enden will.Und wenn mein Arzt mir rät, weniger zu tun, dann kann ich das nicht erfüllen, weil ich später selber Arzt werden will.
Leistungsdruck, Stress, Angst vor dem Versagen und keine Freizeit. Das ist mein Alltag im deutschen Schulsystem. Und wenn LehrerInnen und vor allem PolitikerInnen sagen, dass es wichtig ist neben der Schule noch Hobbys zu haben, Sport machen zu können und ausgeglichen zu leben, dann ist das blanker Zynismus.

Lino, Marburg
Lino (17) ist Schüler aus Marburg und würde gern Arzt werden

 

2. Meine Arbeit macht mich krank
Die Wahl zwischen einer Erkältung und giftigen Dämpfen

Monatelang die selbe eintönige, anstrengende Arbeit zu machen, ist die eine Sache. Dabei auch noch giftige Dämpfe einzuatmen und mit ätzenden Substanzen zu arbeiten vor denen man sich nur mehr oder weniger schützen kann, eine ganz andere.
Regelmäßig arbeiten wir in der Restaurierung mit Chemikalien, von denen wir nicht immer wissen, was genau sie machen und wie genau sie wirken. Auf einer unserer Baustellen arbeiteten wir beispielsweise mit Abbeizer, einer Paste, die auf Oberflächen aufgetragen wird und diese dann bis aufs Holz aufweicht. Natürlich wurden dabei Dämpfe freigesetzt, denen wir nicht entgehen konnten. Eigentlich wird Abbeizer nur im Freien oder in einem „Lackierraum“ mit Abzug verwendet. Und eigentlich trägt man dabei Gummihandschuhe, eine Atemmaske und eine Schutzbrille. Doch wer mal versucht acht Stunden am Tag eine Atemmaske zu tragen, wird schnell feststellen, dass es unter den Dingern sehr warm werden kann. Zusammen mit einer Schutzbrille, Gummihandschuhen und dem nicht atmungsaktiven Schutzanzug war man nach einer halben Stunde schon so verschwitzt, dass man Pause machen musste. Und dann hatten wir die Wahl: Entweder wir nahmen unsere Schutzausrüstung ab und kamen in Kontakt mit den Dämpfen oder wir stellten uns verschwitzt in die kalte Winterluft. Wir hatten also die Wahl zwischen Kopfschmerzen und Übelkeit oder einer Erkältung.

Caro, Berlin
Caro (23) aus Berlin ist gelernte Tischlerin und arbeitet in einem Restaurierungsunternehmen.

 

3. Meine Klassenzugehörigkeit verwehrt mir die Heilung
Technischer Fortschritt in der Medizin, aber nur gegen Geld

Ich bin Diabetiker Typ 1, das heißt mein Körper kann kein Insulin mehr herstellen und damit keinen Zucker verarbeiten. Eine Krankheit, an der man noch vor vier Jahrzehnten elendig verreckt ist und es in einigen Ländern dieser Erde auch immer noch tut. Es gibt wenig Krankheiten, bei denen es in den letzten Jahrzehnten einen solchen technischen Fortschritt und solche Verbesserungen – was Lebenserwartung und Wohlbefinden angeht – gegeben hat. Also alles gut?

Dieser Artikel ist aus der aktuellen POSITION, dem Magazin der SDAJ. Du kannst es für 10€ jährlich abonnieren unter position@sdaj-netz.de

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Mitnichten, denn vieles was es an technischem Fortschritt gegeben hat, kostet und das wollen die gesetzlichen Krankenkassen natürlich möglichst nicht zahlen. Beispielsweise gibt es einige Insulinpumpen, die werden im Regelfall erst nach einem Widerspruchsverfahren gegen den ersten Bescheid der Kasse genehmigt. Gleiches gilt für spezielle Nadeln, Umstellung der Insulinsorte, implantierte Messgeräte etc. Diese Verfahren kosten Kraft, Nerven und allzu oft sind Zuzahlungen an der Tagesordnung.
Besonders makaber: In Deutschland gilt man erst als chronisch krank, wenn man diese Krankheit mindestens ein Jahr hat und alle 3 Monate in Behandlung war. Das heißt, eine Befreiung von Zuzahlungen ist erst dann möglich und auch dann betrifft diese Reglung nur einen Teil der Hilfsmittel. Das führt zu einem traurigen Ergebnis: Die besten und vor allem komfortabelsten Lösungen sind nur für den Teil zu haben, der sich entweder im Wust der Paragrafen auskennt, einen sehr engagierten Facharzt hat oder zumindest ausreichend Kleingeld, um die Zuzahlungen zu bestreiten.

Flo, Kiel
Flo (25) ist gelernte Industriemechaniker und im Ortsvorstand der IGM-Kiel.

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„Besser abschneiden“

Friseurhandwerk: ver.di startet bundesweite Tarifkampagne „Besser abschneiden“ für gute Ausbildungsbedingungen und einen allgemeinverbindlichen Tarifvertrag

13.10.2016

ver.di

Niedrigste Ausbildungsvergütungen, viele ausbildungsfremde Aufgaben und Überstunden – Jugendliche, die sich zur Friseurin oder zum Friseur ausbilden lassen, erleben oftmals einen frustrierenden Berufseinstieg. So liegt die durchschnittliche Ausbildungsvergütung im Friseurhandwerk laut Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) 2015 im Osten bei gerade einmal 269 Euro, im Westen bei 494 Euro monatlich und damit deutlich unter dem bundesweiten Gesamtdurchschnitt der tariflichen Ausbildungsvergütungen von 826 Euro. Kein Wunder, dass im Jahr 2014 rund 6.500 Ausbildungsverträge wieder gelöst wurden.

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) startet deswegen die bundesweite Tarifkampagne „Besser abschneiden“. Ziel ist ein bundesweit allgemeinverbindlicher Tarifvertrag mit höheren Vergütungen und Verbesserungen der Ausbildungsbedingungen für die rund 23.000, zumeist weiblichen Auszubildenden.

„Vergütungen von 1,68 Euro in der Stunde sind ein Skandal. Ein Geschäftsmodell, das darauf basiert, dass Auszubildende überwiegend von Sozialleis-tungen leben müssen, ist für die Betroffenen und für alle Steuerzahler nicht hinnehmbar. Der anspruchsvolle und körperlich anstrengende Ausbildungsberuf zum Friseur muss dringend in Qualität und Bezahlung aufgewertet werden. Dafür werden wir gemeinsam mit vielen Auszubildenden in zahlreichen kreativen Aktionen kämpfen“, sagte ver.di-Sekretär Marvin Reschinsky.

Der öffentliche Kampagnenauftakt mit Vorträgen findet am 16. und 17. Oktober 2016 auf der Friseurmesse „Haare 2016“ in Nürnberg statt. Im Rahmen der Kampagne wird ver.di u.a. mit einer bundesweiten Tour zu über 50 Berufsschulen über die Rechte in der Ausbildung und tarifpolitische Fragen auf-klären.

Weitere Informationen zur Kampagne: www.besser-abschneiden.info und www.facebook.de/besserabschneiden

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POSITION – Ausgabe #5/2016

Themen: Millionen Streiken in Indien | Rassistische Hetze der AfD in Mecklenburg-Vorpommern | Ein Jahr „Wir schaffen das“

GUTE GRÜNDE DAGEGEN ZU SEIN
position5_16_cover_160x227 Horst Seehofer wollte unser Sozialsystem schon mit der Waffe gegen Zuwanderer schützen, als die ArbeiterFeindlichen Deutschen (kurz: AfD) noch in den Kinderschuhen steckten. Mittlerweile sind sie ihren geistigen Vätern aber über den Kopf gewachsen, zumindest in Ostdeutschland. Prekäre Beschäftigungen, Zukunftsängste und Massenarbeitslosigkeit treibt den dort offen rassistisch auftretenden Vertretern der deutschen mittelständigen Unternehmen bis zu 20% der Bevölkerung in die Arme. Die Wahl der „Protestpartei“ ist meist ein Verzweiflungsakt und zeigt das Versagen des kapitalistischen Systems und seiner Parteien ziemlich deutlich. Auch wenn die Menschen in unserer Bananenrepublik mehr als genug tropische Früchte bekommen, ist es immer noch verdammt schwer sozial aufzusteigen, dafür ist man aber durchschnittlich bis zu 11 Jahren eher unter der Erde. Ohne Privatversicherung stribt man einfach früher. Eine Verbesserung des miserablen Gesundheitswesens steht aber nicht im Wahlprogramm der AfD. Lieber reden sie von „unserer“ Sicherheit, dabei sind Kriegseinsätze schon drin, solange sie den „deutschen Interessen“ dienen. Meinen tun sie natürlich die Interessen des deutschen Kapitals. Das nutzt auch ganz gern Flüchtlinge als billige Arbeitskräfte und letztendlich als LohndrückerInnen. Merkels Willkommens-Kultur ist als ähnlich rassistisch, wie Seehofers Obergenze und der Einaderungsstopp der AfD. Was das aber alles mit euch zu tun hat und wie wir den Brandstiftern und Faschos Feuer unterm Arsch machen wollen, könnt ihr auf den nächsten 40 Seiten lesen.

Euer Zeitungskollektiv

Die POSITION, das Magazin der SDAJ erhaltet ihr bei eurer SDAJ-Gruppe vor Ort oder im Abo für nur 10€ im Jahr!

Mehr Infos gibts unter: http://www.sdaj-netz.de/material/position/abo-service/

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Stärke beweisen

12. Oktober 2016

POSITION, Magazin der SDAJ

Bei der Bahn kämpfen Azubis und merken schnell, wer eigentlich der Stärkere ist

41-1_4-16_akt_ivp-kollumne2Übernahmegarantie nach der Ausbildung klingt nett und ist es auch. Die Frage ist nur, was man darunter versteht. Dass die Frage sehr unterschiedlich aufgefasst werden kann, hat die DB Systel GmbH, ein IT-Dienstleister innerhalb des Deutsche-Bahn-Konzerns, bewiesen. Dort bekamen Azubis am Ende der Ausbildung das Angebot bei DB Zeitarbeit, der eigenen Zeitarbeitsfirma der Deutschen Bahn, übernommen zu werden. „Es hat vor allem leistungsschwache Kollegen getroffen, die keiner im Unternehmen wirklich wollte. Normalerweise wurde trotzdem versucht, alle irgendwo unterzubringen“ sagt Maurizio, der selbst bei DB Systel arbeitet und in der JAV aktiv ist. Diese beschloss, dagegen vorzugehen, da „wir einen Dammbruch und einen ersten Schritt zur Öffnung einer Übernahme bei DB Zeitarbeit befürchteten“, so Maurizio. Also wurde ein Artikel über Zeitarbeit in der betriebsinternen JAV-Zeitung veröffentlicht. Dort wurde der Versuch, die Übernahmegarantie durch eine Zeitarbeitsfirma zu umgehen, angegriffen und die Problematik von Zeitarbeit im Allgemeinen dargestellt. Außerdem enthielt der Artikel die klare Aufforderung den gewerkschaftlichen Kampf gegen das Vorgehen des Konzerns zu organisieren und machte deutlich, dass die JAV für eine Übernahme bei DB Systel kämpfen würde.
Der Artikel und eine Rede bei der Betriebsversammlung löste bei sehr vielen KollegInnen große Empörung und viel Zustimmung aus. Auch der Betriebsrat positionierte sich klar auf Seiten der JAV. Das war ein deutlicher Schlag ins Gesicht des Arbeitgebers, der einsehen musste, dass es ihm nicht gelingt, JAV und Betriebsrat gegeneinander auszuspielen, wie dies immer wieder versucht wurde. Das wiederum wirkte sich nachhaltig auf andere Auseinandersetzungen aus.
Dieses Mal ging es darum, dass zu Beginn der Ausbildung oder eines dualen Studiums bei der Bahn ein fünftägiges Praktikum absolviert werden muss. Während dieser Zeit sollen sich die Azubis kennenlernen und erhalten ihr Arbeitsmaterial. Der Haken: das Praktikum wurde nicht vergütet. Die Azubis und Studierenden wendeten sich mit dem Problem an die JAV. Diese organisierte mit dem Betriebsrat eine Diskussion dazu. Nach nur einer Betriebsratssitzung, zu der der Arbeitgeber eingeladen wurde, wurden ihre Forderungen akzeptiert und eine Entlohnung für die dual Studierenden ausgehandelt. Für die Azubis wurde der Beginn der Ausbildung um die Zeit des Praktikums nach vorne verlegt, so dass auch sie in der Zeit entlohnt werden.

Dieser Artikel ist aus der aktuellen POSITION, dem Magazin der SDAJ. Du kannst es für 10€ jährlich abonnieren unter position@sdaj-netz.de

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„Der Druck, den wir in der Frage um die Übernahme bei DB Zeitarbeit aufbauen konnten, hat sich auch auf diese Auseinandersetzung ausgewirkt. Dem Arbeitgeber war klar, dass wir es ernst meinen. Aus diesem Grund konnten wir unsere Forderungen sehr schnell durchsetzen ohne tatsächlich erneut Druck aufbauen zu müssen“ stellt Maurizio zufrieden fest.

Roxy, Tübingen

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RedGlobe

Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde,

ich spreche hier als Vertreterin des Jugendblocks, der Naturfreundejugend, des SDS, der didf-Jugend, der linksjugend.solid und der SDAJ. Es tut gut, so viele von uns hier versammelt zu sehen. Aus unserer Sicht ist es ein großer Erfolg, dass es uns gemeinsam gelungen ist, wieder zu einer bundesweiten Friedensdemonstration zu mobilisieren. Danke, dass ihr dem Aufruf gefolgt seid!

Die Kriege der Bundeswehr gehen auf unsere Kosten – sie kosten Milliarden Euro. In unseren Schulen gibt es zu wenig LehrerInnen. Etwa 300.000 Ausbildungs- und Studienplätze fehlen. Die Busse und Bahnen werden teurer. Immer wird gesagt, dass dafür kein Geld da wäre. Für die Bundeswehr und Krieg ist immer Geld da: 130 Milliarden Euro sollen in den nächsten Jahren für Rüstung ausgegeben werden! 2017 soll der Verteidigungsetat doppelt so schnell wachsen wie der Gesamtetat!

Jugendblock auf der Friedensdemonstration am 8.10.2016. Foto: RedGlobeJugendblock auf der Friedensdemonstration am 8.10.2016. Foto: RedGlobe

Bei den Einsätzen der Bundeswehr geht es nicht darum Brunnen zu bauen, Frauenrechte zu stärken oder den Terrorismus zu bekämpfen. Das zeigen die Beispiele Afghanistan und Libyen besonders deutlich. Beide Länder wurden in Schutt und Asche gebombt. Der allgemeine Lebensstandard ist dramatisch gesunken und die Unterdrückung der Frau heute schlimmer als früher.

Das zeigt sich auch am Bruch des Waffenstillstandsabkommen in Syrien durch die Bombardierung von Stellungen der syrischen Armee durch die NATO-Kampfjets – kurz danach attackierten Bodentruppen des IS die Stellung. Das zeigt sich auch an der fortwährenden Unterstützung der NATO für terroristische Gruppen in Syrien. Kürzlich bestätigte ein Kommandeur der terroristischen al-Nusra-Front diese Unterstützung. Wenn es gerade passt, dann unterstützt man den Terrorismus eben nicht nur über Saudi-Arabien, sondern auch ganz direkt!

Diese Kriege der NATO, an denen die Bundesregierung sich immer stärker beteiligt, das ist die Hauptursache für die Flucht von Millionen Menschen. Sie sind die Ursache für riesige Zerstörungen, für hunderttausende Tote und unbeschreibliches Leid. Sie sind ein fruchtbarer Boden für Terrorismus und Bürgerkriege.

Es geht bei diesen Kriegen nicht um das Wohl der Menschen vor Ort. Es geht darum die Gewinne der Unternehmen zu sichern. Die Unternehmen brauchen billige Rohstoffe und sichere Handelswege, um ihre Waren zu verkaufen. Das gibt die Bundesregierung auch zu: „Unsere Wirtschaft ist auf gesicherte Rohstoffzufuhr und sichere internationale Transportwege angewiesen.“, schreibt sie im neuen Weißbuch der Bundeswehr. Dort wird Russland ganz offiziell zum Rivalen erklärt und gesagt: „Deutschland ist bereit, Führung zu übernehmen.“ Das bedeutet: Die Bundesregierung will mehr Krieg und mehr Einfluss in der NATO, sie will ihr Gewicht dort erhöhen!

Dieser Kriegstreiberei müssen wir dringend etwas entgegensetzen: Für uns muss es darum gehen, sie unmöglich zu machen. Die deutsche Kriegspolitik zu schwächen, heißt die NATO und ihre Aggression überall auf der Welt zu schwächen. Das ist unsere Aufgabe. Lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass die Bundeswehr keinen Zutritt mehr zu Schulen bekommt um dort Jugendliche zu rekrutieren, lasst uns in den Gewerkschaften diskutieren, dass wir endlich Rüstungskonversion brauchen und es auch für die SoldatInnen der Bundeswehr das beste ist, niemals in einen Einsatz geschickt zu werden! Lasst uns überall in unseren Städten die Machenschaften der Rüstungsunternehmer anprangern. Lasst uns gemeinsam deutlich machen, dass sie es sind, die mit dem Tod von Menschen Milliarden verdienen und somit ein Interesse an Kriegen haben. Lasst uns sagen ‚Refugees welcome‘, denn sie sind die direktesten Opfer des Krieges. Lasst uns aber auch mit ihnen gemeinsam hier für ein menschenwürdiges Leben kämpfen: gleicher Lohn & gleiche Rechte für alle hier lebenden Menschen – das muss unsere Forderung sein! Wir müssen verhindern, dass AfD und Co. die Situation ausnutzen und Nationalismus schüren! Es sind nicht die Flüchtlinge die schuld haben an der prekären Situation von vielen – es ist die Bundesregierung die Milliarden in Krieg und Rüstung investiert, statt in Arbeit, Bildung und Ausbildung für alle!

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10. Oktober 2016

SDAJ

41-0_4-16_int-venezuela2Interview mit Gabriel von der Kommunistischen Jugend (JCV) über aktuellen Auseinandersetzungen in Venezuela

POSITION: In Venezuela sieht sich die linke Regierung um Präsident Nicolás Maduro einer rechten Parlamentsmehrheit gegenüber. Diese versucht auf parlamentarischem Weg und durch Destabilisierung, die fortschrittliche Entwicklung zu stoppen. Wie verhalten sich Jugendliche in Venezuela zu der Situation?
Gabriel Aguirre: Viele nähern sich der Opposition an. Sie hoffen darauf, dass eine rechte Regierung für sie ein gewisses Lebensniveau garantieren oder es sogar verbessern kann. Das haben diese Kräfte mit einem betrügerischen Diskurs in den letzten Jahren erreicht. Sie haben behauptet, dass die Krise, in der wir uns befinden, nicht die Krise des Kapitalismus ist, sondern des sozialistischen Modells. Dafür finden sie Zuspruch, weil es große Schwächen im politischen Bewusstsein der Jugend gibt, wie auch in der gesamten Bevölkerung.

Was meinst du damit?
Gabriel: Der Bolivarianische Prozess, der bereits 17 Jahre andauert, ist ein Projekt der nationalen Befreiung, ein Kampf gegen die imperialistische Beherrschung, für Unabhängigkeit und soziale Gerechtigkeit. Aber es wurden keine größeren Schritte zum Aufbau des Sozialismus unternommen. Zwar ist die Bevölkerung heute politisch bewusster und organisierter, aber es fehlt ein Verständnis dafür, was Sozialismus wirklich ist. Aus unserer Sicht bedeutet Sozialismus, dass die Arbeiterklasse den Prozess leitet und damit auch an der Spitze der ökonomischen Umgestaltungen steht. Viele dachten dagegen, dass Sozialismus darin besteht, das Konsumtionsniveau aufrechtzuerhalten, wie es vor sieben oder acht Jahren war – mit einem Erdölpreis von über 100 Dollar. Damals hatte ein Jugendlicher hier ein Handy der neuesten Generation und trug Markenklamotten – wir hatten einen sehr hohen Lebensstandard.

Gabriel Aguirre lebt in der venezoelanischen Hauptstadt Caracas und ist Sekretär für internationale Beziehungen bei der kommunistischen Jugend (JCV). Das Interview wurde am Rande der internationalen Solidaritätsmission des Weltbundes der demokratischen Jugend (WBDJ) in Venezuela geführt.

Gabriel Aguirre lebt in der venezoelanischen Hauptstadt Caracas und ist Sekretär für internationale Beziehungen bei der kommunistischen Jugend (JCV). Das Interview wurde am Rande der internationalen Solidaritätsmission des Weltbundes der demokratischen Jugend (WBDJ) in Venezuela geführt.

Der Erdölpreis ist jetzt ja in den Keller gerutscht. Was bedeutet das für Venezuela, das von dessen Export stark abhängig ist?
Gabriel: Wir sprechen davon, dass sich hier gerade die Krise des kapitalistischen Modells der Rentenakkumulation zuspitzt. Nach diesem Modell ist das Land ausschließlich von der Erdölgewinnung und dessen Export abhängig. Wir haben es nicht geschafft, die Produktivkräfte zu entwickeln. Deswegen importieren wir jetzt 75 Prozent aller Lebensmittel. Die Krise zeigt sich auch in anderen Regionen der Welt, in Europa, Asien oder Afrika. Hier drückt sie sich entsprechend der Rolle aus, die Venezuela in der internationalen Arbeitsteilung innehat – als Land, das nur Rohstoffe zur Verfügung stellt. Sogar die Weiterverarbeitung übernehmen die Zentralmächte. Der Staatshaushalt ist jetzt auf einen Ölpreis von 40 Dollar pro Barrel auslegt, im Moment liegt er aber bei etwa 20 Dollar. Die Auswirkungen bekommen vor allem die ärmeren Arbeiter und die Jugend zu spüren. Die Errungenschaften des Bolivarianischen Prozesses sind in Gefahr – beispielsweise die kostenfreie Bildung. Zwar steigt in Venezuela gerade die Arbeitslosigkeit nicht, aber die Bedingungen, zu denen Jugendliche Arbeit finden, werden immer schlechter.

Besonders schwierig ist ja die Versorgungslage. Auf den Straßen der Hauptstadt Caracas kann man lange Schlangen vor den Geschäften sehen, manche Güter bekommt man fast nur noch auf dem Schwarzmarkt.
Gabriel: Die Regierung unternimmt viele Anstrengungen, um die Versorgung aufrechtzuerhalten. Allerdings liegt der Vertrieb der Waren in privater Hand – etwa bei dem Monopol „Empresas Polar“, das 16 von 23 der grundlegendsten Produkte herstellt und verkauft. Das heißt, dass auch von der Regierung importierte Güter an Unternehmen gegeben werden, die sie verpacken und die Auslieferung an die Supermärkte organisieren. Unserer Meinung nach sollte die Kontrolle darüber in den Händen des Volkes liegen und die Ausgabe über Räte direkt in den Wohnvierteln organisiert werden. Der private Sektor spekuliert dagegen mit den Preisen und schafft einen Schwarzmarkt. Maismehl als Grundnahrungsmittel kostet regulär 80 Bolívares, auf der Straße findet man es dagegen für 1.500 Bolívares. In Venezuela heißt das „Bachaqueo“: Jemand stellt sich beim Supermarkt an, wartet dort die notwendige Zeit, erwirbt die Waren zum regulären Preis, der für den Geldbeutel der meisten Leute sehr verträglich ist. Dann verkauft er die Produkte außerhalb des Supermarkts zu einem höheren Preis weiter. An diesen kriminellen Machenschaften sind die privaten Unternehmen beteiligt. Sie nutzen bei der Preisspekulation außerdem aus, dass sie bestimmte Zutaten und Rohstoffe mit Devisen zum offiziellen Wechselkurs einkaufen, also sehr günstig.

In welchen konkreten Auseinandersetzungen steht die venezolanische Jugend gerade?
Gabriel: Angesichts der drohenden Auswirkungen der Krise müssen wir einerseits unsere Rechte verteidigen, aber auch die erkämpfen, die wir noch nicht haben. Im Bildungsbereich betrifft das vor allem die Qualität. Mit den Arbeiterjugendlichen müssen wir den Kampf gegen Outsourcing und die Flexibilisierung der Arbeitsbedingungen führen.

Dieser Artikel ist aus der aktuellen POSITION, dem Magazin der SDAJ. Du kannst es für 10€ jährlich abonnieren unter position@sdaj-netz.de

Dieser Artikel ist aus der aktuellen POSITION, dem Magazin der SDAJ. Du kannst es für 10€ jährlich abonnieren unter position@sdaj-netz.de

Wie kriegt ihr Jugendliche dazu, sich politisch zu engagieren und zu organisieren?
Gabriel: Wir versuchen, in den Massenorganisationen zu arbeiten und breite Bündnisse zu schaffen, beispielsweise in den Wohnvierteln. Dort haben wir als Kommunistische Jugend eine Organisation, die Arbeitsbrigade Antonio José de Sucre. Das ist eine Organisation, die freiwillige Arbeit in den Gemeinden organisiert und verschiedene Teile der venezolanischen Jugend einbezieht. Wir haben auch Räume geschaffen, wo die Jugendlichen zusammenkommen können, um ihre Probleme zu diskutieren und Kämpfe zusammenzuführen. Für die Arbeiterjugend gibt es etwa die Nationalversammlung junger Arbeiter, für die Studenten eine kürzlich gegründete Föderation. Als kommunistische Jugend haben wir auch ein politisch-kulturelles Festival, „Die junge Garde“. So nutzen wir Kultur als Instrument, um aus einer konkreten Situation heraus Kämpfe zu entwickeln. Diese Strukturen stärken müssen wir stärken, in den Wohnvierteln, in den Sekundarschulen und Universitäten, in den Fabriken. Dann können wir gemeinsam kämpfen – für die nationale Souveränität, die Vertiefung des Prozesses und schließlich den Aufbau des Sozialismus.

Das Interview führte Lena, Berlin

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29. September 2016

POSITION, Magazin der SDAJ

Vor 60 Jahren sprach die westdeutsche Regierung unter Kanzler Adenauer ein allgemeines Verbot über die größte antifaschistische Jugendorganisation, die „Freie Deutsche Jugend (FDJ)“ aus. Wir haben darüber mit Herbert Mies gesprochen, der die FDJ in Westdeutschland in der Illegalität leitete.

39-2_4-16_cb_interview-mies2POSITION: Du hast deine Kindheit unter der faschistischen Diktatur erlebt. Danach hat dich dein Weg direkt zu den Kommunisten geführt. Wie kam das, wo Du doch sicher alltäglich der Hitler-Propaganda ausgesetzt warst?
Herbert Mies: Naja, ich war ja nicht nur der faschistischen Propaganda ausgesetzt. In meinem kommunistischen Elternhaus wurde ich zu selbstständigem humanistischen Denken erzogen. Ich lernte den Krieg mit seinen Opfern und Zerstörungen hassen und begann ihn im Kopf zu bekämpfen. Damals wollte ich Lehrer werden, doch die Nazis verhinderten das. Da ich mich nicht nicht freiwillig als Offizier beworben habe, haben sie mich für „unwürdig“ eingestuft deutscher Lehrer zu werden – ich musste das Seminar verlassen.
Bei uns in Mannheim gab es die Lechleitner-Widerstandsgruppe, sie waren aktiv gegen Hitler und die nazistische Terrorherrschaft. 1942 und 1943 wurden 19 Mitglieder von ihnen auf dem Schafott ermordet. Mit ihrem Mut zum Widerstand sind sie Vorbild für mich geworden. Denn sie haben mir gezeigt, dass Gegenwehr auch in dunkelster Zeit möglich ist. Das hat mir auch mein Vater immer wieder bewusst gemacht. Überhaupt hat die kämpferische Ausstrahlung von kommunistischen Persönlichkeiten mich stark geprägt. Im Juni 1945 habe ich mich dann in Mannheim-Schönau als Gründungsmitglied der kommunistischen Ortsgruppe angeschlossen. Dort war ich dann für die Jugendarbeit zuständig. Der Zulauf von Jugendlichen direkt nach der Befreiung vom Hitlerfaschismus war nicht überwältigend, aber immerhin beachtlich!

Bei der Befreiung 1945 waren Gewerkschaften und die fortschrittlichen Organisationen nicht mehr existent. Doch für viele galt „Nie wieder Krieg – nie wieder Faschismus“. Wie können wir uns die Entstehung der Freien Deutschen Jugend (FDJ) vorstellen?
Herbert: Ja das war die Losung von Sozialdemokraten, Antifaschisten und einem beachtlichen Teil der Jugend. Die jungen Emigranten, die 1945/46 aus dem antifaschistischen Exil nach Deutschland zurück kehrten wie auch die jungen Antifaschisten, die aus den Konzentrationslagern kamen, sie alle brachten die Devise mit: Kein kommunistischer Jugendverband, sondern eine breite antifaschistische Freie Deutsche Jugend. Und so bildeten sich überall verschiedene Jugendgruppen, mal als kommunistische oder sozialistische, mal als Freie Jugend oder auch Freie Deutsche Jugend. Die erste „Freie Jugend“ entstand in Bremen, im Dezember 1945 wurde in der britischen Besatzungszone ein Landesverband gegründet. Weit komplizierter war es in der amerikanischen und französischen Besatzungszone. So sahen die Gruppen überall anders aus. Wir wollten uns damit aber nicht abfinden und traten überall für die einheitliche, gemeinsame, antifaschistische Jugendorganisation ein.

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Herbert Mies, geboren 1929, kommt aus einer Arbeiterfamilie in Mannheim und war Vorsitzender der FDJ in Westdeutschland. Schon als Jugendlicher schloss er sich den Kommunisten an, war ab Mitte der 50er-Jahre Mitglied des Zentralkomitees der KPD und später Sekretär von Max Reimann und des Politbüros der illegalen KPD. Von 1973 bis 1990 war er Vorsitzender der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP), dessen Mitbegründer er war. Über seine Erfahrungen hat er 2009 eine lesenswerte Biographie geschrieben: „Mit einem Ziel vor Augen. Erinnerungen“ (19,90€)

Die FDJ stand gegen Faschismus und Militarismus, gegen Monopolmacht und für die sozialen Rechte von Kindern und Jugendlichen. Das muss doch so kurz nach dem Faschismus begrüßt worden sein – doch ihr wurdet staatlicher Repression ausgesetzt.
Herbert: Der Großteil der Jugendlichen hatte die Wirkungen des Faschismus noch nicht bewältigt. Doch nicht wenige der antifaschistisch-demokratisch Denkenden orientierte sich an uns Kommunisten. Es deutete sich an, dass die FDJ eine der stärksten Jugendorganisationen werden würde. Doch in den Westzonen ging der Zuwachs alles andere als rasant vor sich. Die schnelle Herausbildung einer sozialdemokratischen Jugendbewegung, die große Zurückhaltung der kirchlichen Institutionen gegen eine einheitliche Jugendorganisation und die Haltung der Besatzungsmächte machten die Hoffnung auf eine zentrale Massenorganisation der Jugend zunichte. Auch der Druck der Parteien tat sein übriges. Unvergessen bleibt mir das Teufelswort von Kurt Schumacher, dem westdeutschen SPD-Vorsitzenden, der meinte wir Kommunisten seien nur „rotlackierte Nazis“. Und so gab es immer wieder Verweigerungen unserer Zulassung, wurden Publikationen von uns verboten und unsere Aktionen schikanös behindert. 1951 dann waren die Drangsalierungen gegen uns westdeutsche FDJ‘ler sehr hoch. Dennoch: Unsere FDJ war Anfang der 50er-Jahre ein Jugendverband der Aktion, von politischer Bedeutung und Wirkung. Wir wurden zu einer starken, öffentlich beachteten Kraft gegen die Wiederherstellung der alten Machtverhältnisse.

1952 wurde das FDJ-Mitglied Philipp Müller beim Demonstrieren erschossen. 1953 wurde der damalige FDJ-Vorsitzende Jupp Angenfort wegen „Hochverrat“ ins Zuchthaus gesteckt. Ab dann leitetest Du die FDJ in Westdeutschland. 1956 folge das komplette Verbot.
Herbert: So war es, der erste Kampftote der FDJ! Und die erste Einkerkerung in ein Zuchthaus – das waren schmerzhafte, harte, politische und psychologische Schläge gegen unseren Verband. Doch wir mussten das verkraften. Ich musste dann die Führung des Verbandes übernehmen, das war wahrlich keine leichte Aufgabe. Doch mithilfe eines starken Kollektivs meisterten wir das. Ich würde heute als Lebenslehre mitnehmen: Mit starken Kollektiven kann man Bäume versetzen und auch der Gewalt und Macht eines Adenauer-Regimes widerstehen. Und in diese Zeit fällt ja auch die Kommunisten-Jagd in Westdeutschland nach dem US-amerikanischen Vorbild McCarthy. Und wir in Westdeutschland organisierten auch Solidarität, z.B. mit den Rosenbergs. Die waren ein Ehepaar in den USA, denen man Spionage für die Sowjetunion vorgeworfen hat. Sie wurden hingerichtet!

Dem Verbot der FDJ folgte dann das Verbot der Kommunistischen Partei in der Bundesrepublik. Doch viele GenossInnen machten trotzdem weiter. Arbeitete dann jeder für sich selbst oder wie konntet ihr Euch in der Illegalität weiter organisieren?
Herbert: Das gleichzeitige Verbot eines Jugendverbandes und der sie unterstützenden Partei schuf eine besonders schwierige Situation. Welcher verbotenen Organisation sollte man seine unteilbare Kraft geben? Vor dieser Frage stand jeder von uns. Doch keiner brauchte auf sich selbst gestellt zu arbeiten, denn bei aller Eigeninitiative und individueller Arbeit hatten wir ja immer unsere Genossinnen und Genossen im Rücken. Das animierte zur Selbsttätigkeit, die ja eben zu den Fähigkeiten eines Kommunisten gehört.
Einige ältere Genossinnen und Genossen, die die Erfahrungen aus der Zeit des Faschismus hatten, lehrten uns entsprechend dem Grundsatz zu arbeiten: „Illegalisierung, das heißt so wenig Konspiration wie notwendig und so viel legale Arbeit und Organisation wie möglich!“. Mit dieser Maxime sind wir in der Praxis sehr gut gefahren. 1968 dann, als die Neukonstituierung einer legalen, kommunistischen Partei auf der Tagesordnung stand, wurde das besonders sichtbar. Junge Gewerkschafter, Aktivisten in den verschiedenen, legalen Jugendorganisationen, alles was wir in der Zeit der Illegalität geworden waren, setzten wir jetzt ein. Und so konnten wir im Jahr 1968 einen neuen Jugendverband und eine neue Kommunistische Partei gründen. Das gehört zu den historischen Verdiensten dieser Genossinnen und Genossen.

Dieser Artikel ist aus der aktuellen POSITION, dem Magazin der SDAJ. Du kannst es für 10€ jährlich abonnieren unter position@sdaj-netz.de

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Kurz nachdem sich die SDAJ gegründet hat, kam es auch zur Konstituierung der DKP, deren Vorsitzender Du später wurdest. War damit die Illegalität und Repression gegen die fortschrittlichen Bewegungen und speziell die Kommunisten vorbei?
Herbert: Die Kommunisten-Verfolgung ist seit dem Adenauer-Regime Staatsdoktrin, zum Lex-Kommunisten, also zum umfassenden Gesetz des Antikommunismus geworden. Das KPD-Verbotsurteil ist zu einer Art Ewigkeitsgesetz erhoben worden. Es verbietet ja jegliche Fortsetzung von KPD-Tätigkeiten. Während also die Illegalität der KPD geblieben ist, wurde die Konstituierung der DKP erkämpft. Doch die Repressionen gegen fortschrittliche Bewegungen und speziell gegen die Kommunisten sind geblieben, auch die Berufsverbote blieben in Kraft. Solange die FDJ- und KPD-Verbotsurteile nicht aufgehoben werden, sind die Repressionen nicht vorbei. Denn wir dürfen nicht vergessen: Wir Kommunisten haben in einem Land wie der Bundesrepublik nur so viele Freiheiten wie wir sie uns tagtäglich nehmen und erkämpfen!

Das Interview führte Mark, München

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Einmischung abgelehnt

 

Von Volker Hermsdorf

26. September 2016

Kubanische Schüler und Studenten protestieren gegen als Jugendaustausch getarnte Regime-Change-Programme der USA

Zahlreiche Schüler und Studenten haben am Freitag in verschiedenen Bildungseinrichtungen Havannas gegen den jüngsten Versuch der USA-Regierung protestiert, Jugendliche anzuheuern, um in Kuba einen Systemwechsel herbeizuführen. Die jungen Kubaner wehren sich mit ihren Protesten gegen ein Programm der Organisation »World Learning« mit Sitz in Washington und Vermont. Die vorgebliche NGO hatte Mittel- und Oberstufenschüler von der Insel im Juli und August mit einem »Stipendium« geködert und zu einem vierwöchigen Seminar in die USA eingeladen. Dort ging es aber nicht um klassische Studieninhalte, sondern darum, die Schüler als Akteure für einen Regime-Change in ihrer Heimat anzuwerben. »World Learning« übernahm dafür die Visa- und Reisekosten, organisierte Unterkünfte, zahlte Verpflegung, Spesen und ein Taschengeld.

Vertreter von Schüler- und Studentenorganisationen empörten sich in der kubanischen Hauptstadt über den Betrug und den Mißbrauch des Jugendaustausches. Die Protestaktionen fanden am Freitag unter anderem an der Universität von Havanna, der polytechnischen Universität (CUJAE), der polytechnischen Schule für Chemie, Informatik und Pharmazeutik »Mártires de Girón« und an einer Reihe weiterer Ausbildungsstätten statt. Hintergründe und Ziele des Subversionsprogramms seien zuvor in mehr als 460 Versammlungen thematisiert worden, berichtete Suzanne Santiesteban Puertas, die Vorsitzende der FEEM (Federación de Estudiantes de la Enseñanza Media), einer Organisation von Mittel- und Oberstufenschülern, in der Zeitung »Juventud Rebelde«. Sie und andere Studentenführer wie Joan Palmero von der Universität Havanna betonten, daß ihr Protest sich nicht gegen den akademischen Austausch richte. Die Initiative von »World Learning« sei jedoch als Trojanisches Pferd konzipiert, indem ihre Teilnehmer später zur Destabilisierung der kubanischen Gesellschaft eingesetzt werden sollen.

Bereits bei der Auswahl der kubanischen Stipendiaten hatte die USA-Organisation sich über die kubanischen Gesetze hinweggesetzt. Zur Auswahl und Vorbereitung der »Stipendiaten« auf ihr Training in den USA hatte »World Learning« aus Panama vier ausländische »Experten« geschickt, die unter falschen Angaben und mit einem einfachen Touristenvisum in Kuba eingereist waren. Sie wurden wegen Verstoßes gegen die Aufenthaltsbestimmungen den Behörden übergeben. Auch die Art der Anwerbung deutet auf die subversiven und illegalen Absichten der angeblichen NGO hin.

Laut Ausschreibung sollten die 16- bis 18-jährigen Kubaner während ihres vierwöchigen Aufenthalts in den Vereinigten Staaten »zusammen mit USA-Studenten« an Aktivitäten in Klubs, Organisationen und anderen Jugendeinrichtungen teilnehmen. In »informativen Veranstaltungen« sollten sie unter anderem lernen, »öffentlich aufzutreten«, in »Teams zu arbeiten«, »Verhandlungen zu führen, Konflikte zu lösen und Konsens herzustellen« sowie »die eigenen Rechte zu verteidigen«. Während ihres Trainings würden die Stipendiaten von speziell dafür ausgebildetem Personal betreut, heißt es auf der Internetseite von »World Learning«.

Dort finden sich auch Informationen über Donald Steinberg, den Chef der Organisation und ihrer internationalen Ausbildungsaktivitäten, über die es heißt: »Unsere Programme unterstützen die nächste Generation der Weltführer (…) bei der Veränderung ihrer Länder.« Steinberg war unter anderem Abteilungsleiter im Weißen Haus, arbeitete im Außenministerium der USA und als ihr Botschafter in Angola. Dem guatemaltekischen Journalisten und früheren kubanischen Under-Cover-Agenten Percy Alvarado Godoy zufolge werden mindestens 40 Programme von »World Learning« direkt vom USA-Dienst USAID finanziert.

Die heutige Organisation »World Learning« ist Nachfolger der »Delphi International Group«, deren weltweite Trainingsprogramme ebenfalls von der USAID und dem USA-Dienst NED mit Millionen von Dollar finanziert wurden. Gegen diese Art »Hilfe« richtete sich der Protest der kubanischen Schüler und Studenten. »Wir fordern«, verlangte dabei Studentensprecherin Suzanne Santiesteban Puertas in Richtung Washington, »daß sie unsere Prinzipien achten und die kubanischen Gesetze respektieren.«

Volker Hermsdorf

Montag 26. September 2016
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23. September 2016

Jonas, Witten

POSITION, Magazin der SDAJ
38-3_4-16_th_arbeiterkindEin angeblich wesentliches Ziel der meisten Parteien in Deutschland ist es allen Kindern gleich gute Bildungschancen zu ermöglichen. „Kein Kind zurücklassen, kein Kind beschämen: Jedes Kind zählt und verdient Unterstützung.“ hieß es etwa 2012 im Landtagswahlkampf der SPD in Nordrhein-Westfalen. Gleichzeitig bekommen wir überall zu hören, wer hart genug arbeite, könne alles erreichen.
In Wahrheit sieht es anders aus: Egal, welche Partei regiert, das Schulsystem in Deutschland sortiert gnadenlos nach der sozialen Herkunft aus und Leistung bringen, können in der Regel nur diejenigen, die es sich leisten können. Sogar die bürgerliche PISA-Studie stellt regelmäßig fest, dass die Möglichkeiten eines Kindes im deutschen Bildungswesen vor allem von Einkommen und Bildung der Eltern abhängen.
Wer ohnehin schon aus prekären Verhältnissen kommt, wird also noch weiter benachteiligt. Kinder aus Arbeiterfamilien bekommen zum Beispiel schon in der Grundschule bei gleicher Leistung schlechtere Noten und Empfehlungen für die weiterführende Schule. Wer aus der arbeitenden Klasse kommt, soll in der arbeitenden Klasse bleiben – und nur so viel Bildung erhalten, wie es nötig ist, um später eine möglichst billige Arbeitskraft zu sein. Und dies, obwohl wir doch eigentlich alle „frei“ und „gleich“ sind. Die Selektion findet statt, weil bei ungleichen Ausgangsbedingungen eine Gleichbehandlung automatisch zu Benachteiligung führt.
Aber auch der Weg aufs Gymnasium bedeutet nicht, dass man Selektion und schlechten Verhältnissen entkommen ist. Die große Mehrheit der AbiturientInnen wird später lohnabhängig sein und in mehr oder weniger unsicheren Umständen leben und arbeiten. Dafür sorgt der Numerus Clausus an der Uni: bestimmte, begehrte Studienfächer, deren AbsolventInnen später gut bezahlt werden, kann man nur mit einem entsprechend guten Abiturschnitt studieren. Und dieser NC liegt inzwischen nicht selten bei 1,0. Für die KonzernbesitzerInnen von morgen spielt das keine Rolle, sie gehen oft ohnehin auf teure Privatschulen und -unis, die sich sonst kaum einer leisten kann.
Die Selektionsmaschinerie läuft also auf der weiterführenden Schule knallhart weiter. Wer dem Leistungsdruck nicht standhält, sich in seinen Problemfächern keine Nachhilfe leisten kann oder permanent aus Geldgründen mit schlechter Ausstattung arbeiten muss, wird fallengelassen oder muss sich mit einem schlechten Schulabschluss zufriedengeben.

Wer keine hochverdienenden Eltern hat, ist also im Nachteil. Gleichzeitig müssen Arbeiter- und Migrantenkinder, in naturwissenschaftlichen Fächern auch Frauen, auch auf der weiterführenden Schule bessere Leistungen bringen, um die gleiche Note zu erreichen, wie Kinder aus akademischen Familien.
Auch wenn es immer wieder Ausnahmen gibt, zeigt sich in der Tendenz doch deutlich: Es wird an deutschen Schulen nicht in erster Linie nach Leistung, sondern nach der Klassenzugehörigkeit sortiert und Topleistungen bringen zu können, ist vor allem ein finanzielles Privileg.

 

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