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Trotz strömenden Regen demonstrierten über 25000 Menschen gegen das geplante Ceta und Ttip Abkommen. Ein breites Bündnis von Jugendorganisationen in München stellten ihren Protest, aber auch ihre Zukunftsgedanken in einem tollen Beitrag im 2. Teil der Kundgebung vor.

Stop Ceta Ttip Demo München17.9.2016

JUGENDBLOCK

Video von Gerhard Hallermayer

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Gefährliche Freiheiten

15. September 2016

POSITION, Magazin der SDAJ

Mit den Freihandelsabkommen TTIP und CETA werden Arbeits-, Sozial- und Umweltstandards angegriffen

37-3_4-16_akt_ttip-cetaIn Europa, in Kanada, in den USA: Die Demonstrationen und Proteste gegen die geplanten Freihandelsabkommen werden immer stärker, der Druck auf die Herrschenden steigt. Das Abkommen zwischen der EU und Kanada (CETA) ist nun fertig und muss von den verschiedenen Ländern genehmigt werden. Doch in Belgien hat das wallonische Regionalparlament dagegen gestimmt, weshalb die Belgische Regierung Nein sagen muss. Auch das Luxemburgische Parlament hat seine Regierung aufgefordert abzulehnen. In den Niederlanden pocht das Parlament in Sachen CETA auf seine Rechte und Rumänien droht mit einem Veto. In Bayern wurde nun ein Volksbegehren gegen CETA gestartet. Sollte es erfolgreich sein, muss die bayerische CSU-Regierung im Bundesrat gegen CETA stimmen. Und bisher sieht es erfolgsversprechend aus: Für die erste Hürde des Verfahrens wurden alleine an einem Tag in Bayern doppelt so viele Unterschriften gesammelt als überhaupt nötig sind (50.000 Stück!). Auch in jüngsten Umfragen sehen mehr Menschen in Deutschland negative Folgen als positive Folgen mit den Abkommen CETA und TTIP. Doch worum geht es da eigentlich? In der neuen POSITION erklären wir, was es mit den beiden Freihandelsabkommen auf sich hat.

Und TTIP? Übernimmt das US-Kapital nun die deutsche Wirtschaft?
Seit drei Jahren gibt es nun Zank um das geplante TTIP-Abkommen. TTIP, das steht für die „transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft“ zwischen den USA und 28-EU-Staaten, unter denen Deutschland als starke Exportwirtschaft heraussticht. Gegen TTIP gibt es breiten Widerstand, allein in Berlin waren letztes Jahr 250.000 Menschen auf der Straße. Die Gründe gegen TTIP sind vielfältig – oft hört man auch, dass jetzt die Amis mit dem Abkommen machen können, was sie wollen. Dabei wird verschwiegen, dass es ja deutsche Banken und Konzerne sind, die genauso nach einem Freihandelsabkommen schreien, weil sie sich damit riesige Profite sichern können. Einer der Hauptprofiteure wäre die deutsche Automobilindustrie, konkret VW und BMW. Ohne Zölle könnten diese ihre Autos leichter auf dem US-Markt verkaufen und die Wagen, die in den BMW-Werken in den USA produziert werden ohne Zölle nach Europa einführen. Damit fallen für die Branche jährlich 1 Milliarde Euro an Zöllen weg. Die US-Verhandlungsseite versucht das wohl zu verhindern und damit kommen von europäischer Seite mehr und mehr Zweifel auf, ob man sich auf ein Abkommen einigen kann. Was dabei rauskommt weiß noch niemand – schließlich kämpfen beide Seiten bis ins Kleinste um die Interessen ihrer eigenen Monopolindustrie.

Warum weiß niemand worüber eigentlich verhandelt wird?
Die Verhandlungen bezüglich TTIP, zwischen den USA und der EU, finden geheim und hinter geschlossener Tür statt. Nicht einmal die gewählten Abgeordneten dürfen Einblick in die Verhandlungen nehmen. Aber wie kann das sein? In der Europäischen Union (EU) haben das europäische Parlament oder die Parlamente der Mitgliedsstaaten kaum was zu melden. Es sind die Minister und Regierungschefs der Mitgliedsstaaten, die die politische Linie und de facto die Zusammensetzung der EU-Kommission bestimmen. Und diese Minister und die EU-Kommission haben nun 20 Arbeitsgruppen bestimmt, in denen um den TTIP-Vertragstext gestritten wird. Hier sitzen Wirtschaftslobbyisten wie z.B. von der Bertelsmann-Stiftung. Die Abgeordneten der Parlamente sind nicht dabei, für sie gibt es erst seit kurzem winzige Leseräume, in denen sie zu bestimmten Uhrzeiten den bisher verhandelten Text lesen dürfen. Kopieren anzufertigen oder das Aufschreiben von Notizen ist jedoch streng verboten! Es besteht wohl die Befürchtung, dass der Protest noch größer würde, wenn der genaue Text und die geplanten Bestimmungen konkret bekannt wären. Verhandelt wird in mehrtägigen Verhandlungsrunden, Ziel ist es noch in diesem Jahr einen Vertragstext für TTIP fertig zu stellen.

Freihandelsabkommen – was ist das überhaupt?
Das erste Freihandelsabkommen hat die Bundesrepublik 1959 mit dem damals neugegründeten Staat Pakistan geschlossen. Seitdem wurden von westdeutscher Seite über 130 Abkommen mit anderen Staaten geschlossen (in den 60er-Jahren mit vielen afrikanischen Ländern, in den 80er-Jahren auch mit sozialistischen Ländern) und ist damit Rekordmeister der Freihandelsabkommen. In den Abkommen geht es meist darum, möglichst gute Bedingungen für deutsche Investitionen in wirtschaftlich schwächeren Ländern festzulegen. Heute ist das am deutlichsten im Agrarhandel mit afrikanischen Staaten sichtbar: Die Agrarprodukte in den USA und der EU werden staatlich bezuschusst (subventioniert) und können deshalb dort günstiger hergestellt werden.Es entsteht gegenüber der afrikanischen Konkurrenz, die nicht bezuschusst wird, ein Preisvorteil. Doch diese Staaten sind mit Abkommen dazu gezwungen, die günstigeren Waren aus den USA und der EU zu importieren. Teilweise wird auch damit gedroht, Entwicklungsgelder zu streichen, wenn die gewünschten Waren nicht importiert werden.Damit wird der Markt einiger afrikanischer Länder mit billigen Gütern überschwemmt und die eigene Agrarproduktion kann der Konkurrenz nicht standhalten. Für sich selbst achtet die EU wiederum darauf, dass es Einfuhr-Obergrenzen für Agrar-Güter aus anderen Ländern gibt.

Dieser Artikel ist aus der aktuellen POSITION, dem Magazin der SDAJ. Du kannst es für 10€ jährlich abonnieren unter position@sdaj-netz.de

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Mit TTIP und CETA schließen nun die großen Imperialisten (EU, Kanada, USA) untereinander solche Abkommen. Sie wollen damit in ihren Kerngeschäftsbereichen den jeweils anderen Markt erobern. Das führt automatisch zu höherer Konkurrenz. Um trotzdem gegen die Rivalen zu gewinnen, drücken die Kapitalisten den Lohn, die Sozial- und Umweltstandards . Egal in welcher Form die Abkommen eingeführt werden, der Freihandel zwischen den imperialistischen Zentren wird sich direkt auf unsere Arbeits- und Lebensbedingungen auswirken.

Schiedsgericht – wer entscheidet über Recht und Unrecht?
Da den westdeutschen Konzernbossen schon beim ersten Abkommen klar war, dass wirtschaftlich schwächere Länder diesen Freihandel vielleicht nicht lange mit sich machen lassen würden, steht in den Verträgen der Schutz des deutschen Kapitals immer ganz weit oben. Das heißt, dass das andere Land keine Gesetzesänderungen, die negative Auswirkungen für den Investor hätten, oder Enteignungen des deutschen Kapitals , vornehmen darf („Investitionsschutz“). Für den Fall dass es zu Konflikten kommt, wurde schon damals bestimmt, dass dann eine nichtstaatliche Kommission entscheidet: Ein Schiedsgericht. Dieses Gericht ist jedoch nur an die Rahmenbedingungen des Vertrags gebunden und entscheidet also in jedem Fall für die großen Monopole. Vor allem südamerikanische Staaten werden von diesen Gerichten verurteilt und sollen blechen, weil sie sich nicht immer an die Spielregeln der Imperialisten halten wollen. Deswegen entsteht auch Gegenwind: Südafrika hat z.B. entsprechende Abkommen mit Deutschland aufgekündigt, wie auch Ecuador. Bolivien hat alle Freihandelsabkommen mit anderen Ländern gekündigt, ebenso wie Australien, denn beide wollen sich nicht von nicht-staatlichen Gerichten zu Milliardenstrafen verurteilen lassen.

Angriff auf die Arbeitsbedingungen und sozialen Rechte
In den USA werden Vertretungsstrukturen in Betrieben und Gewerkschaften auf besonders widerliche Weise bekämpft. Die USA hat von acht „Kernarbeitsnormen“ der Internationalen Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen (ILO) nur zwei unterschrieben. Wer in den USA für seine Rechte oder besseren Lohn eintritt, wird oftmals mit allen Mitteln bekämpft. Mit dem TTIP-Abkommen drohen erkämpfte Arbeitsrechte der beteiligten Länder ungültig zu werden. Es ist nicht klar, wie die unterschiedlichen Bestimmungen in den verschiedenen Ländern im Arbeitsrecht angeglichen werden sollen. In der EU jedoch hat sich schon gezeigt, wie die Banken und Konzerne mit verschiedenen Standards umgehen: Mit dem Herkunftslandprinzip z.B. arbeiten viele OsteuropäerInnen mit Werk- oder Leiharbeitsverträgen zu unwürdigen Verhältnissen in deutschen Betrieben, was nach deutschen Rechten eigentlich nicht möglich wäre. Da wir nicht wissen was die Herrschenden mit TTIP genau verhandeln, dürfen wir nicht vergessen, was die Konsequenzen für uns ganz konkret bedeuten könnten: Betriebsversammlungen während der Arbeitszeit, tarifliche Löhne, Mindestlohn oder Lenk- und Ruhezeiten wären auf der Abschussliste.

Von Mark, München

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9. September 2016

Von António, Tübingen

POSITION, Magazin der SDAJ

Norbert Hansen hat es vorgemacht: Vom jahrelangen Vorsitzenden der Bahn-Gewerkschaft Transnet (heute EVG) wechselte er Ende 2008 ohne Umwege in den Vorstand des DB-Konzerns – als Personalchef. Auf die Frage eines Journalisten, ob ihn das Geld verführt habe (er bekam als DB-Vorstandsmitglied knapp eine halbe Million im Jahr), antwortete Hansen: „Nein. Ich kann und werde nie verstehen, warum man mit einem Einkommen, mit dem man ohne Schwierigkeiten seine Lebenswünsche erfüllen kann, immer noch mehr haben will. Viel wichtiger ist mir die Frage: Kannst du deine Ideale und Ziele, etwa die einer Sozialpartnerschaft, in der neuen Funktion weiterverfolgen? Wenn ich nicht davon überzeugt gewesen wä36-1_4-16_cb_sp-alle-haben-sich-lieb2re, hätte ich das auch für mehr Geld nicht gemacht.“

Die „Sozialpartnerschaft“ wie sie Hansen formuliert ist nichts anderes als alter Wein in neuen Schläuchen. Zwar als Konzept erst nach dem zweiten Weltkrieg entwickelt, steht dahinter die alte Vorstellung der Klassenzusammenarbeit: ArbeiterInnen und Chef hätten eigentlich ein gemeinsames Interesse, nämlich wahlweise „das eigene Unternehmen“, die „deutsche Wirtschaft“ oder gar „Deutschland“ voranzubringen. Denn dann ginge es allen gut. Auch Hansen wähnt sich sicher: „Denn eines galt für mich auch als Gewerkschaftsvorsitzender: Es kann keine Weiterentwicklung für Beschäftigte geben, wenn ein Unternehmen nicht erfolgreich ist.“

Hansens offenes Überlaufen auf die Seite des Kapitals war nur das I-Tüpfelchen – die Zitate zeigen, dass er schon lange vorher seine Vorstellungen entwickelt hatte. Die Ursachen dessen, dass sich solche Vorstellungen von „Sozialpartnerschaft“, also Klassenzusammenarbeit, bei Arbeiterinnen und Arbeitern (auch Hansen kam aus der Arbeiterklasse) entwickeln, müssen wir in der kapitalistischen Entwicklung selbst suchen: Die Herausbildung des Imperialismus und mächtiger Monopole Ende des 19. Jahrhunderts gab den Herrschenden neue Möglichkeiten, die Arbeiterbewegung im Zaum zu halten: Extraprofite, also solche die u.a. aus der Unterdrückung ganzer Nationen (ob ökonomisch oder militärisch) resultieren, gaben und geben den Monopolen den Spielraum, einzelne Abteilungen der Arbeiterklasse „zu bestechen“, darunter insbesondere jene Abteilungen, die Schlüsselpositionen innerhalb des Produktionsprozesses innehaben (z.B. Facharbeiter, Lokführer etc.): Deutlich höhere Löhne, bessere Arbeitsbedingungen, besserer Kündigungsschutz u.a. (vor allem wenn sie nicht erkämpft wurden), verführen einen Teil der Klasse dazu, sich als Gewinner des Kapitalismus zu verstehen und ihn daher nicht mehr grundsätzlich in Frage zu stellen. Heute zählen zu dieser „Arbeiteraristokratie“ u.a. Facharbeiter und Vorarbeiter (insbesondere in den Großbetrieben), aber auch Hauptamtliche in den Gewerkschaften. Ihre Privilegien gegenüber dem Rest der Klasse sind noch immer enorm: Löhne, die weit über dem Durchschnittslohn liegen und bei Letzteren noch der faktisch lebenslange Kündigungsschutz.

Dieser Artikel ist aus der aktuellen POSITION, dem Magazin der SDAJ. Du kannst es für 10€ jährlich abonnieren unter position@sdaj-netz.de

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Die Vorstellung der Klassenzusammenarbeit verschleiert die wahren Verhältnisse, denn Arbeiterinnen und Arbeiter werden als Klasse nie dieselben Interessen haben wie ihre Chefs: Hier das Interesse an der Abschaffung des Zwangs zur Lohnarbeit um überleben zu können, dort das Interesse eben jenen Zwang zur Lohnarbeit aufrechtzuerhalten und auszuweiten um möglichst umfassend davon profitieren zu können. Die Arbeiterklasse kann ihre Interessen nur durch Konfrontation und Kampf durchsetzen – und letztlich nur durch den Bruch mit dem kapitalistischen System. Jeder wirtschaftliche Aufschwung zeigt, wie falsch die Losung „Wenn es meinem Betrieb gut geht, geht es auch mir gut“ ist: Gerade dann werden Rationalisierungsmaßnahmen ergriffen und Löhne gedrückt. Es ist eine zentrale Aufgabe, die Vorstellungen von Klassenzusammenarbeit in der Gewerkschaft, in Betriebsrat und JAV und generell bei den Kolleginnen und Kollegen zurückzudrängen und offen zu kritisieren. Die Gewerkschaften müssen wieder zu Kampforganisationen der Arbeiterklassen werden, Kolleginnen und Kollegen in Konfrontation mit den Chefs führen und sie so im Klassenkampf schulen. Sie sind die größten Klassenorganisationen und potentiell in der Lage die Macht der Arbeiter gegen das kapitalistische System zu bündeln und mit ihm zu brechen.

António (28), Tübingen

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Wer nichts wird, wird Wirt?

 

Von Lara, Berlin

POSITION, Magazin der SDAJ

1. September 2016

Kämpfen lohnt sich! Rückschläge sind aber garantiert, wenn wir das Erkämpfte nicht verteidigen!

Kämpfen lohnt sich! Rückschläge sind aber garantiert, wenn wir das Erkämpfte nicht verteidigen!

…bzw. Restaurantfachmensch. Oder Fleischer. Oder Bäcker. Oder Gerüstbauer. Oderoderoder. Laut dem Berufsbildungsbericht des Bundesministeriums für Bildung(-sabbau) und Forschung (am liebsten fürs Militär) sind das nämlich Berufe, für die noch massig Ausbildungsplätze frei sind. Na dann, ab ins Schlachthaus mit uns! Oder in die Mehltüte! Oder auf die Baustelle! Nicht?

Das muss dann diese ausbildungsunfähige und -unwillige Jugend sein, von der alle reden. Ein Schelm, wer behauptet, die freien Stellen hätten etwas mit der Kohle zu tun, die man fürs Malochen bekommt. Oder mit den Arbeitsbedingungen. Es muss auch reiner Zufall sein, dass einige dieser Berufe die sind, die beim Ausbildungsreport 2015 am schlechtesten bei den Azubis abschneiden. Aber Lehrjahre sind schließlich keine Herrenjahre. Fast keiner der obigen Berufe fällt unter einen Branchentarifvertrag.

Tarifverträge sind eh sowas von out! Wir kennen ja alle das Mantra des Neoliberalismus: Prekär ist das neue Normal! Das Angebot an Ausbildungsplätzen ist von 2015 auf 2016 zwar in einigen Bereichen gestiegen, aber auch hier sind es vor allem die Bereiche, in denen man (fast) nichts bekommt. Sie sind nicht an Tarifverträge gebunden, dominiert von Betrieben, die zu klein sind, um Interessenvertretungen gründen zu können und auf die Übernahmegarantie ist – gelinde gesagt – ähnlich viel Verlass wie auf das Horoskop der BILD im Pausenraum.

Aber: Hören wir mal auf, alles nur schlecht darzustellen. Immerhin gibt es ja auch zufriedene Azubis. Zerspanungsmechaniker zum Beispiel. Oder Elektroniker für Betriebstechnik. Na, wem fällt es zuerst auf? Nein, es hat nichts mit den schicken Blaumännern zu tun, die man da tragen darf. Die Berufe, in denen die Azubis am zufriedensten sind, sind die in Großbetrieben. Mit hart er- und umkämpften Tarifverträgen, da, wo sich viele Menschen organisieren und gemeinsam Druck aufbauen können. Aber psssst! Nicht weitersagen! Diese Ausbildungsplätze werden einfach massiv abgebaut. Konstant. Die letzten fünf Jahre. Verrückt, was es immer für Zufälle gibt!

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Nun zu den positiven Entwicklungen: Laut Ausbildungsreport mussten 2015 nur noch 12,6% der befragten Azubis unter 18 Jahren mehr als 40 Stunden/Woche arbeiten und 10,2% ausbildungsfremde Tätigkeiten ausüben. Das heißt, dass sich 0,6% bzw. 0,5% mehr der Arbeitgeber an das Jugendarbeitsschutzgesetz halten, im Vergleich zum Vorjahr! Nicht mal die von uns erkämpften Rechte werden also eingehalten, wenn wir den Geschäftsführungen nicht auf die Finger schauen und hauen!

Und die Moral von der Geschicht? Kämpfen lohnt sich! Rückschläge sind aber garantiert, wenn wir das Erkämpfte nicht verteidigen! Also ab in die JAV, in den Betriebsrat und die Gewerkschaft und zeigt den Kapitalisten und Sozialpartnern, wo der Hammer hängt! Früher gings um den 12-Stunden-Tag und das Verbot der Kinderarbeit, heute um die 30-Stunden-Woche und die Übernahme nach der Ausbildung!

Lara, Berlin

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Warum in die JAV gehen?

 

Von Roxy, Tübingen

3. September 2016

POSITION – Magazin der SDAJ

35.4_4-16_cb_sp_warum-in-die-JAVDeine Ausbildung fängt gerade an, alles ist neu und du weißt noch gar nicht, wie das so läuft? Sicherlich wirst du schon bald immer wieder in Situationen kommen, die dich ärgern oder die einfach gar nicht klar gehen. Sei es der Chef, der dich mies behandelt, sei es, dass du den ganzen Tag Sachen erledigen musst, die mit deiner Ausbildung eigentlich gar nichts zu tun haben oder dass du die teure Arbeitskleidung selbst bezahlen musst, obwohl die doch eigentlich von der Firma gestellt werden müsste. Du willst etwas dagegen tun, aber alleine bringt das sowieso nichts? In jedem Fall ist es sinnvoll, sich mit anderen zusammen zu tun, gemeinsam zu kämpfen. Die Möglichkeiten, etwas zu erreichen, steigen damit enorm!

Die JAV ist ein Gremium, in dem es darum geht, deine Ausbildung zu verbessern. Dazu musst du dich einbringen. Schließlich bist du selbst als Betroffener nah an der Ausbildung dran – oder eher mittendrin. Mit der JAV hast du das gesetzliche Recht, die Qualität deiner Ausbildung zu überwachen und zu verbessern, sowohl in Bezug auf die Inhalte der Ausbildung, als auch was die Behandlung der Azubis angeht. Du kannst beispielsweise an Betriebsratssitzungen teilnehmen und dich dort für deine Bedürfnisse und die deiner Mitazubis einsetzen. Die Zeit, die du für die JAV-Arbeit aufbringst, ist Arbeitszeit, das Material, das du benötigst Arbeitsmaterial – beides muss dir bereit gestellt werden!

Sicher wird das nicht immer einfach, sicher werdet ihr Rückschläge erfahren. Aber es zeigt sich doch immer wieder, dass nur wenn wir kämpfen und uns für unsere Rechte einsetzen, wir diese auch durchsetzen können. Und auch was wir einmal durchgesetzt haben, müssen wir weiter verteidigen. Wir haben es selbst in der Hand. Geschenkt wird uns nichts, so viel steht fest.

 

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POSITION – Ausgabe #5/2016

Themen: Deutsche Kriegsvorbereitungen | Es gibt mehr unten als oben | Die Türkei vor und nach dem Putsch

4-ArchivVor den „Systemverächtern am rechten und linken Rand“ warnte kürzlich Pfaffe Gauck, der noch deutsches Staatsoberhaupt und vor allem größter selbsternannter Bürgerrechtler ist. Stattdessen müsste man davor warnen, die Augen vor der Realität zu verschließen. Denn wenn wir in dieses Land schauen, dann sind da nicht wenige Politiker in rechten Parteien und in den Regierungen, die immer weiter gegen Geflüchtete Stimmung machen. Dann sind da weiterhin Anschläge und Hetzjagden auf Ausländer und ihre Unterkünfte. Dann wird von AfD und den Regierenden mehr Überwachung und mehr Abschiebung gefordert. Dann sind sich rassistische Hetzer, regierende Sozialdemokraten, Unionschristen und „Bürgerrechtler“ einig, dass die Bundeswehr größer und schlagkräftiger werden soll. Da reden sie alle von Leistung und Chancengleichheit und interessieren sich doch einen Dreck um unsere nicht-vorhandenen Chancen nach der Schule. Da reden sie von unseren Interessen und meinen doch eigentlich ihre eigenen. Wenn der Herr Bundespräsident von „Systemverächtern am rechten und linken Rand“ spricht, verschweigt er doch, dass da am rechten Rand gar keine Verachtung für dieses System ist. AfD und Freunde würden nicht auf die Idee kommen, das herrschende System, diese „marktkonforme Demokratie“ wie die Kanzlerin es nennt, in Frage zu stellen. Dabei gibt es genug Gründe sich mit diesem System nicht abzufinden, sondern es zu verachten. Gute Gründe dagegen aktiv zu werden wollen wir mit dieser Ausgabe liefern.

Euer Zeitungskollektiv

Die POSITION, das Magazin der SDAJ erhaltet ihr bei eurer SDAJ-Gruppe vor Ort oder im Abo für nur 10€ im Jahr! Mehr Infos gibts unter: http://www.sdaj-netz.de/material/position/abo-service/

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Putin-Russland ist böse. Putin hat die Krim besetzt. Das wissen alle, sich ihr Russlandbild von den Mainstream-Medien malen lassen. Diese Medien malen aber böswillig verzerrte Karikaturen, die den Konsumenten Feindschaft zu Russland beibringen sollen. Das wirkliche Leben ist anders. Hier der Bericht einer bayerischen Schülerin über ihr Gastschülerleben auf der Krim:

Brav und fleißig in der Schule? – Austauschschülerin berichtet RT von ihrem Leben in Russland

Brav und fleißig in der Schule? - Austauschschülerin berichtet RT von ihrem Leben in Russland

Alona Bartenschlager kommt aus Bayern, ist 16 Jahre alt und hatte sich mit dem Zug auf den Weg nach Russland gemacht. Dort besuchte Alona für mehrere Monate die Schule in Sotschi. In ihrer neuen Kolumne berichtet Alona über ihren Schulalltag und die größten Unterschiede zum deutschen Schulsystem.

Hi, da bin ich wieder. Ich möchte euch in meine Schule mitnehmen, die ich besucht habe. Also, ich bin als Gastschülerin ins Gymnasium Nummer 16 gegangen. Das ist eine Gesamtschule. Das heißt, dort lernen auch Grundschüler und es gibt einen Realschulzweig. Rektorin ist Manana Leonidowna Peschkowa. Ich bin ihr dankbar, dass sie mich als Gastschülerin aufgenommen hat.

Die Rektorin meiner Gastschule in Sotschi: Manana Leonidowna Peschkowa

Die Rektorin meiner Gastschule in Sotschi: Manana Leonidowna Peschkowa

Eine der Konrektoren ist Jelena Nikolajewna Bylowa. Sie ist eine ehemalige Klassenkameradin von meiner Mama und war eine der besten Schülerinnen, wie meine Mama oft voller Bewunderung sagt. Alle mögen Jelena Nikolajewna. Ich auch. Sie ist sehr beliebt, genießt aber auch großen Respekt. Sie gibt Mathe.

Von links nach rechts: Meine Mathelehrerin, die Korektorin sowie die Sekretärin,

Von links nach rechts: Meine Mathelehrerin, die Korektorin sowie die Sekretärin

Ich bin in eine nette Klasse gekommen und habe schnell Anschluss gefunden. Wir waren fast 30 Schüler. Mit Nastja, Paulina, Katja, Mascha, Lisa, Anja, Tatjana und vielen anderen Mädels und Jungs  habe ich mich angefreundet und wir haben eine richtig gute Clique gebildet. Sie wollten von mir wissen, wie es in Deutschland zugeht und wie ich in Deutschland lebe. Ich war neugierig, was meine russischen Freunde so den ganzen Tag treiben. In unserer Clique ging es immer lustig zu.

Was mir sofort gefallen hat, war der Weg zur Schule. Ein paar hundert Meter und schon war ich da. In Deutschland bin ich Fahrschülerin und mindestens eine halbe Stunde unterwegs. Im Gymnasium Nummer 16 war ich schon bekannt, das habe ich früher schon besucht. Dort haben auch meine Mama und mein Onkel ihre Schulzeit verbracht und ihr Abitur gemacht. Einige Lehrer kennen die beiden noch als Schüler.

Ein paar Mal habe ich versucht, rauszukriegen, wie meine Mama in meinem Alter so war, aber ich habe fast nur Antworten wie „brav“ und „fleißig“ und „gute Schülerin“ bekommen. Nur ihre frühere Klassenlehrerin Swetlana Pogosowna Tersijan – sie hat mich in Russisch und Literatur unterrichtet – hat gesagt, dass meine Mama „keine so gute Schülerin“ war.

Die früheren Lehrer von meiner Mama

Die früheren Lehrer von meiner Mama

Meine Mama, die Swetlana Pogosowna sehr mag, hat mir dann ihr Zeugnis gezeigt: Sie hatte, aufs deutsche Notensystem übertragen, einen Schnitt von 2,0. Aha, das heißt in Russland „nicht so gut“. Da muss ich mich aber anstrengen.

In der russischen Schule mussten die Schüler damals viel Literatur lesen und lange Aufsätze schreiben, manchmal ein ganzes Heft voll. Meine Mama war Mitglied der russischen Jugend-Nationalmannschaft in Tennis und war viel  unterwegs und hat nicht immer alles geschafft. Deshalb der Zweier.

Aber Gedichte kann sie noch heute auswendig vortragen, auch lange Gedichte. Was mir aufgefallen ist: Nicht nur meine Mama, sondern so viele andere ehemalige Schüler haben nach wie vor engen Kontakt und ein gutes Verhältnis zur Schule und zu den Lehrern und sind immer dankbar. Ich habe selbst gesehen, dass die Grundschullehrer eine ganz wichtige Rolle spielen. Ein Lehrer begleitet die Kinder die gesamte Grundschulzeit und auch in der Oberstufe haben die Schüler in der Regel stets den selben Klassenlehrer. Das Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler bleibt meistens eng.

Ehemaligen Treffen. In der Mitte zwischen ehemaligen Lehrern und Schülern, die ehemalige Direktorin Zoé Fadeewna Strelkowa. Sie verbrachte 40 Jahre in dieser Funktion an derselben Schule.

Ehemaligen Treffen. In der Mitte zwischen ehemaligen Lehrern und Schülern, die ehemalige Direktorin Zoé Fadeewna Strelkowa. Sie verbrachte 40 Jahre in dieser Funktion an derselben Schule.

Galina Nikolajewna ist Grundschullehrerin. Als ich sechs Jahre alt war, bin ich einen Monat dort zur Schule gegangen und hatte sie in der ersten Klasse als Lehrerin. Sie hat mich nach zehn Jahren wieder erkannt, was mich überrascht und gefreut hat. Manchmal sitzt sie im Flur und korrigiert Arbeiten. Dann kommen Schüler mit 16 oder 17 Jahren vorbei, die früher bei ihr in der Klasse waren, begrüßen sie freudig, fragen sie, wie es geht und erzählen ihr, was sie gerade im Unterricht machen oder welche Noten sie bekommen haben. Auch meine Mutter hat ein sehr warmherziges Gefühl zu ihrer ersten Lehrerin Alexandra Wasilewna Malnewa sowie zu ihren weiterführenden Lehrern. In Sotschi ist der ersten Lehrerin sogar ein Denkmal errichtet worden.

Galina Nikolajewna, die Grundschullehrerin mit ihrer neuen Klasse

Galina Nikolajewna, die Grundschullehrerin mit ihrer neuen Klasse

Die Lehrer sind streng, halten Disziplin, verlangen viel, aber sie mögen ihre Schüler und vergessen sie auch nicht, wenn die die Schule längst verlassen haben.

So, „brav und fleißig“ war also meine Mama, heißt es.

Aber ich bin auch brav und fleißig. Sage zumindest ich.

In manchen Fächern war ich richtig gut. In Englisch zum Beispiel. Da hat mich meine Lehrerin Marina Georgiewna immer gelobt. In Deutsch natürlich auch, aber damit kann ich ja nicht angeben. Russisch und russische Literatur waren auch prima. In Russisch habe ich mich echt verbessert. Sagt meine Mama und die lobt nicht so leicht. Meine Mathe- und Informatik-Lehrerin Larissa Viktorowna hat mich sehr unterstützt und mit mir nach dem deutschen Lehrplan gearbeitet, damit ich in meiner deutschen Schule nichts versäume. Das fand ich super.

Tatjana Iwanowna hat Geschichte unterrichtet. Das war natürlich ein anderer Stoff als in Bayern, aber die Lehrerin hat mir immer angeboten, mir alles genau zu erklären, wenn ich etwas nicht verstanden hatte.

Viel Spaß hat mir der Unterricht bei Jurij Gregorjewitsch Sacharow gemacht. Auch er kennt meine Mama als Schülerin. Bei ihm habe ich Gesang und Klavier gehabt und ich habe sehr viel gelernt bei ihm. Klavier hatte ich zuvor nie gespielt und er hat mir die Anfänge beigebracht. Die Stunden bei Jurij Gregorjewitsch sind immer sehr fröhlich abgelaufen, aber er verlangt auch viel.

Mein Musiklehrer Jurij Gregorjewitsch Sacharow

Mein Musiklehrer Jurij Gregorjewitsch Sacharow

In Literatur haben wir viele Bücher gelesen, auch schwierige Sachen wie „Krieg und Frieden“ von Lew Tolstoi oder „Hundeherz“ von Michail Bulgakow. Auch über deutsche Autoren haben wir viel erfahren. Oft haben wir Gedichte auswendig gelernt. Wir haben uns außerdem viel mit Geschichten aus Russland befasst.

Deutsch gibt eine Lehrerin mit Namen Nina Borisowna Dsaganija. Sie liebt Deutschland und die deutsche Sprache und steckt die Schüler mit ihrer Begeisterung an. Die Schüler lernen Grammatik und Vokabeln, übersetzen Texte und Nina Borisowna erzählt über Deutschland und über Österreich. Zum Fach gehört ebenso deutsche Kultur. Wir haben das Gedicht „Lorelei“ von Heinrich Heine und das Gedicht „Der Taucher“ von Goethe auswendig gelernt.

Klassenlehrerin war Larissa Nikolajewna. Sie unterrichtet Kunst und führt das Schulmuseum. Mit ihrer Unterstützung habe ich einen Vortrag über die Weiße Rose ausgearbeitet und durfte ihn in mehreren Klassen halten. Dafür habe ich sogar eine Urkunde bekommen. Da war ich sehr stolz.

Meine Klassenlehrerin Larissa Nikolajewna

Meine Klassenlehrerin Larissa Nikolajewna

Es gibt viele Schulaufgaben, Exen und Ausfragen in jedem Fach. Das hat den Vorteil, dass man eine schlechte Note schnell wieder ausbügeln kann. Das Notensystem ist anders als bei uns: Die Fünf ist die beste, die Eins die schlechteste Note. Wenn die Schule in Bayern wieder losgegangen ist, werde ich meiner Deutschlehrerin hier erzählen, dass ich eine Fünf in Deutsch bekommen habe. Mal sehen, wie sie reagiert. Natürlich gibt’s auch Physik, Chemie, Biologie, Geographie, Sport, aber kein Latein.

Ein Fach gibt es, das ich von Deutschland nicht kenne. Unterrichtet wird es von einem ehemaligen Offizier, Alexander Iwanowitsch, der viel Humor hat. Manchmal sind wir mit ihm in einem abgemauerten Bereich der Schule gegangen und haben mit dem Luftgewehr geschossen. Wir haben gelernt, wie wir uns in bestimmten Situationen verhalten sollen. Zum Beispiel, wenn irgendwo Gas austritt. (In Sotschi wird überall mit Gas gekocht.) Oder im Fall eines Attentats. Auch in Erster Hilfe hat er uns viel beigebracht. Schon sein Vater war Offizier und in der DDR stationiert. Alexander Iwanowitsch war deshalb als Kind längere Zeit in Deutschland und hat mir viele lustige Geschichten erzählt.

Der ehemalige Offizier, Alexander Iwanowitsch, gibt uns Wehrunterricht.

Der ehemalige Offizier, Alexander Iwanowitsch, gibt uns Wehrunterricht.

Ein anderes Fach ist wie Werken und Handarbeiten. Die Jungs arbeiten mit Sachen aus Holz und wir Mädels haben mit Nadel und Faden gearbeitet. Jetzt kann ich Knöpfe annähen und sowas.

Die Schule beginnt um 8 Uhr und hört um 13 Uhr auf. Jede Stunde dauert wie bei uns in Bayern 45 Minuten, aber es gibt nach jeder Stunde eine kurze Pause. Nachmittags haben wir keinen Unterricht, dafür müssen die Gymnasialklassen auch am Samstag die Schulbank drücken. Für Grund- und Realschüler gilt das nicht. In der Schule gibt es eine Mensa, in der frisch gekocht wird.

Das Kantinen-Team

Das Kantinen-Team

Die unteren Klassen werden von ihren Lehrern in den Speisesaal geführt. Dort steht dann schon das Essen für sie auf dem Tisch. Wir älteren holen uns das Essen natürlich selbst. Mir hat´s immer geschmeckt. Als Ausgleich, dass wir am Samstag in die Schule mussten, war das Essen an diesem Tag kostenlos. Dass die Schüler mit dem Brot in der Hand über den Pausenhof rennen, habe ich im Gymnasium Nummer 16 nie erlebt.

Noch ein Unterschied zu Deutschland: Die Schüler tragen einheitliche Kleidung. Die Jungs dunkle Hosen und weiße Hemden. Die Mädchen dunkle Röcke und weiße Blusen. Manchmal taucht auch ein Mädel mit Hosen auf. Da sagt aber keiner was. Der Sinn des einheitlichen Outfits ist der: Keiner soll mit seinen teueren Desingerklamotten angeben können und keiner soll sich schämen müssen, weil sich seine Eltern die In-Marken nicht leisten können. Ich selbst fand die Schuluniform – es gibt eine für Grundschüler und eine für uns Ältere – eigentlich recht schick.

Ganz toll sind die Sommerferien: Sie dauern von Anfang  Juni bis zum 1. September, nicht nur sechs Wochen wie bei uns. Jetzt ist der Unterricht wieder losgegangen. Die Schüler haben ganz schön lang Pause. Aber sie bekommen Listen mit Büchern, die sie in den Ferien lesen sollen. Und eine Schule arbeitet gerade in den Ferien besonders intensiv: die Sportschulen. Außerdem sind während der Ferien viele interessante Tätigkeiten organisiert. Da wird es nicht langweilig.

Noch was ist mir aufgefallen: manche Schüler betreiben Leistungssport und müssen zu Wettkämpfen fahren. Da gibt es nie Probleme mit der Schule. Im Gegenteil: Die Schule ist stolz auf ihre erfolgreichen Schüler. Die Fotos der besten Sportler werden an einer richtigen Ehrentafel im Flur veröffentlicht. Das gilt auch für Schüler, die auf eine andere Weise Preise oder Auszeichnungen, zum Beispiel in Kunst, bekommen haben.

Einen besonderen Platz bekommen die Schüler, die mit goldener oder silberner Medaille das Abitur gemacht haben. Ihre Namen bleiben für immer an diesem Platz.

Es gibt drei Absolventen, die herausragend geehrt werden: ein Politiker, ein Offizier, der den Titel „Held von Russland“ trägt, und Jelena Vesnina, die jetzt bei den Olympischen Spielen in Rio im Tennis die Goldmedaille im Damendoppel gewonnen hat.

Was mir an der russischen Schule sehr gefällt, sind die Feiern am Anfang und am Ende von jedem Schuljahr. Am Anfang werden die Erstklässler willkommen geheißen. Ein Mädchen schwingt eine große Glocke und ein Schüler der letzten Klasse trägt sie auf den Schultern durch den ganzen Schulhof. Deshalb heißt dieser Tag „Erstes Klingeln“. Dann nehmen die Großen die Kleinen bei der Hand und führen sie zu ihrem Klassenzimmer. Auch während des Schuljahres gibt es Feiern, die Konrektorin Elvira Revkatjewna immer sehr stimmungsvoll organisiert. Eine hieß „Festival der Nationen“.

Am letzten Schultag ertönt die „Letzte Klingel“ für die, die die Schule nun verlassen. Das ist eine fantastische Feier mit Musik, Liedern, Tänzen und Theateraufführungen. Durch das Programm führen Schüler und Lehrer. Die Schüler bedanken sich bei ihren Lehrern, bei den Köchen, beim Sicherheitsdienst (den hat jede Schule) und bei den Eltern mit Geschenken und Blumen. Die Entlassschüler tragen eine Schärpe, auf der ein kleines Glöckchen befestigt ist. Luftballons steigen in den Himmel und alles ist sehr feierlich.

Ein der Männer vom Sicherheitsdienst an meiner Schule

Ein der Männer vom Sicherheitsdienst an meiner Schule

Die Prüfungen beginnen erst danach. Die Noten werden auf Listen offen ausgehängt. Das soll uns anspornen.

Aber Schlussprüfungen habe ich ja nicht gemacht. Jetzt geht es erstmal für mich in der deutschen Schule weiter. Ich kann es kaum erwarten, meinen Freunden alles zu erzählen und gespannt bin ich, ob ich hier viel verpasst habe.

So, das war´s erst mal mit meinen Erlebnissen aus Sotschi. Ich möchte mich bei Euch bedanken, dass Ihr mich begleitet habt und für Eure vielen netten und aufmunternden Kommentare. Auch die kritischen habe ich gelesen und mir Gedanken dazu gemacht. Ich wollte Euch einfach nur mitnehmen auf meiner Reise und Euch zeigen, wie ich Sotschi erlebt habe. Und ich hoffe, Ihr hattet ein bisschen Spaß daran. Mir jedenfalls hat das Schreiben viel Freude gemacht. RT Deutsch bin ich dankbar, dass ich hier veröffentlichen konnte. RT Deutsch hat mir nie vorgeschrieben, worüber ich berichten sollte und hat auch meine Texte nie geändert. Die Redakteure dort haben mich einfach machen lassen und mussten sich genauso überraschen lassen wie Ihr, was ich als nächstes schreibe.

Vielleicht lasse ich sehr bald wieder von mir hören.

Macht es gut bis dahin.

Liebe Grüße

Eure Alona

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Sich einsetzen macht Spaß!
Sich einsetzen macht Spaß! © Carsten Wirth
02.09.2016
„Normal ist, wer Menschen achtet“ unter diesem Motto stand 2016 der Hamburger Christopher Street Day (CSD). Rund 150 000 Menschen verfolgten die gut fünfstündige Demonstration in der Innenstadt für die Rechte von Homosexuellen. Der Bezirksverband Holstein nahm zum zweiten Mal teil.
Auf Aktive aus dem Bezirksverband Holstein geht auch die Gründung der IGay BAU zurück. Ziel dieser Arbeitsgruppe ist es, Beschäftigte, die wegen ihrer Sexualität Probleme am Arbeitsplatz haben, zu unterstützen.

Der Wagen, der am 36. Hamburger CSD teilnahm, mit den von der Jungen BAU Hamburg gestalteten Transparenten, fiel besonders positiv auf. Das gewerkschaftlich abgewandelte Motto „Normal ist, wer Kollegen achtet“ prangte riesig auf den Seitenwänden.

Medien, bis hin zum NDR-Fernsehen, berichteten über das Engagement des IG BAU-Ehrenamtes. …

„Leider ist es immer noch nicht selbstverständlich, dass jeder auch am Arbeitsplatz ohne Angst über seine sexuelle Orientierung sprechen kann. Wir wollen das ändern!“, so der Gewerkschafter weiter. „Die Gewerkschaft IG BAU ist auf einem guten Weg mit diesem Thema umzugehen, helfen wir der Gesellschaft das Gleiche zu tun.“

Jeder kann sich engagieren. Einfach bei IgaybauE-Mail-Adressefreenet.de melden oder auf Facebook IGayBAU folgen.

IG BAU – die tun was !

(gekürzt)

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Wie Arbeiterkinder schon während des Studiums in die Schuldenfalle getrieben werden – möglichst gleiche Bildungschancen, das war einmal


Bildmontage: HF

30.08.16 

Gewerkschaftsforum Dortmund

Als am 1. September 1971 das Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) in Kraft trat, konnte man noch von einer Reform sprechen, die auch ihren Namen verdiente. Das BAföG gab es als Vollzuschuss, es musste nichts zurückgezahlt werden. Individuell bedürftigen  Studierenden wurde ein garantierter Rechtsanspruch auf Förderung zugesprochen, damit war diese Förderung einklagbar.

Erst das BAföG ermöglichte in den 1970er Jahren es den Kindern, einen Bildungsweg einzuschlagen, der in ein Studium münden konnte und den Arbeiterfamilien die reale Chance, in die Mittelschicht aufzusteigen. Die jungen Menschen hatten das Gefühl, in eine Gesellschaft hineinzuwachsen, die an ihnen interessiert ist und sie als Vollmitglied integrieren will.

Die Erfolgsstory des BAföGs war anfangs recht rasant. BAföG half z.B. die Ende der 1960er Jahre durch den Sputnikschock (Start des ersten künstlichen Erdsatelliten Sputnik 1, am 4. Oktober 1957) ausgelöste Bildungslücke zu schließen und führte zu einer umfassenden Reformierung des deutschen Bildungssystems. Doch das ging nicht lange gut.

Während es bis Mitte der 1970er Jahre noch Erweiterungen der Förderungsvoraussetzungen und strukturelle Verbesserungen gab, wurde dann der Kreis der Anspruchsberechtigten und die Ausgestaltung der Förderung immer wieder verändert. So ging man bei der Förderung von Studierenden von der Vollförderung auf eine Mischförderung durch Zuschuss und Grunddarlehen über und für Schüler, insbesondere an allgemeinbildenden Schulen wurde die Leistung von einengenden Voraussetzungen abhängig gemacht.

Im Jahr 1998 erreichte das BAföG seinen Tiefpunkt, es war nur noch für 13 Prozent der Studierenden eine (Teil-)Finanzierungsquelle.

Die Umstellung auf Volldarlehensförderung (1983 bis 1990) bedeutete bei durchschnittlich 10 Semestern Studienzeit bis zu 70.000 DM BAföG-Schulden für die mit dem Höchstsatz geförderten Studierenden. Rund zwei Drittel aller deutschen Absolventen beenden das Studium mit Schulden.

Doch die Schulden am Ende des Studiums sind nicht das vorrangige Problem der Studierenden von heute geworden, sondern die finanzielle Situation während des Studiums.

Untersuchungen, wie z.B. die von Deals.com zeigen, dass die Studierenden auf mehrere Geldquellen angewiesen sind. Die meisten finanzieren sich über ihre Eltern und einen Nebenjob (jeweils 61 Prozent). Jeder Dritte erhält Unterstützung durch BAföG (31 Prozent) und jeder Vierte greift auf eigene Ersparnisse zurück (24 Prozent). Fünf Prozent nehmen einen Kredit auf, um sich ihr Studium leisten zu können. Nach dem Abschluss stehen dann bei zwei Dritteln der Studierenden Schulden an. Im Durchschnitt sind das 8.510 Euro, die zurückgezahlt werden müssen.

Die Eltern sind die Topfinanzierer der Studierenden. Wenn diese selbst materiell schlecht dastehen, stehen die Kinder vor dem Aus. Lediglich 16 Prozent der deutschen Studenten finanzieren ihr Studium ganz alleine über Nebenjobs und eigenes Vermögen. Die meisten greifen auf Stipendien, BAföG und vor allem die elterliche Hilfe zurück. Mehr als zwei Drittel der Befragten (69 Prozent) waren davon überzeugt, dass ihr Studium ohne die Unterstützung der Eltern gar nicht möglich gewesen wäre. Viele hätten sich aber sogar noch mehr Unterstützung während des Studiums durch ihre Eltern gewünscht: Ein Drittel der Befragten (35 Prozent) gab an, ihre Kinder – sollten diese studieren – bei ihrem Studium mehr unterstützen zu wollen, als es die eigenen Eltern getan haben.

Die Rückzahlung der Schulden braucht mehr Zeit als ursprünglich gedacht war. Rund zwei Drittel aller deutschen Studierenden beenden das Studium mit Schulden, nur 37 Prozent werden schuldenfrei ins Berufsleben einsteigen. Jeder zweite Verschuldete behauptete, dass die Rückzahlung ihm manchmal Sorgen macht (50 Prozent). 44 Prozent versuchten, regelmäßig Geld zur Seite zu legen, um die Studienschulden schneller abbezahlen zu können.

Lediglich 14 Prozent der Studierenden mit Schulden gaben an, das Geld in dem ersten Jahr nach ihrem Abschluss zurückzahlen zu können. Im Schnitt rechneten die Studierenden mit einer Tilgungsdauer von über vier Jahren, doch fast jeder Vierte (23 Prozent) ging von sechs Jahren und mehr aus. Am Ende des Studiums sind bei deutschen Studierenden durchschnittlich 8.510 Euro an Schulden angehäuft. Bei Medizinern sind es sogar 16.667 Euro Schulden nach dem Studium. Am schwersten haben es die Geisteswissenschaftler. Diese haben nach den Medizinern den zweitgrößten Schuldenberg (9.918 Euro) und haben mit einem Einstiegsgehalt von 1.479 Euro die geringsten Erwartungen an ihr erstes Einkommen.

Doch die Schulden am Ende des Studiums belasten die Studierenden von heute nicht so wie die oftmals katastrophale finanzielle Situation während des Studiums.

Studienfinanzierung ist mittlerweile zu einer echten Herausforderung geworden, die nicht jeder leisten kann.

Vor allem kommen jungen Menschen schnell in einen Teufelskreis hinein, da sie

  • mehr Zeit für den Nebenjob aufbringen müssen als für das Studium
  • die geförderte Regelstudienzeit überschreiten müssen
  • Schulden haben, die durch Nebentätigkeiten und Nebeneinkünften bei Finanzämtern und Krankenkassen entstanden sind
  • durch Nebentätigkeiten (z.B. durch Vollzeitjobs in den Semesterferien oder selbständige Tätigkeiten während des Studiums) zu einem höheren Einkommen kommen und damit sich die Forderungssumme der Sozialversicherungsträger erhöhen bzw. Nachzahlungen erhoben werden
  • die öffentlichen Verkehrsmittel nun nicht mehr kostenlos im Zusammenhang mit dem Semester- oder Azubi-Ticket nutzen können
  • nach der Regelstudienzeit auch den Platz im Studentenwohnheim verlieren
  • nicht mehr eine öffentliche Förderung erhalten und sie sich Studienkredite bei den Banken aufnehmen müssen
  • die Ausgaben für Semestergebühren und Bücher nicht mehr aufbringen können

und die Kosten für Wohnung, Nahrung und weiteren Unterhalt nicht gedeckt werden und sich dann mit schlechter Schufa auf dem Wohnungsmarkt um eine Unterkunft bemühen müssen.

Auch ein Wechsel des Studienfachs kann den finanziellen Abstieg bedeuten. Wenn dann noch zusätzlich der Unterhalt durch die Eltern versickert, sind die jungen Menschen ganz unten angekommen und haben erfahren müssen, dass sie zu den Überflüssigen dieser Gesellschaft gehören. Dieser Kreislauf prägt die konkrete Lebenssituation und macht die jungen Menschen körperlich und seelisch krank.

Um sie erst gar nicht in das Dilemma hineinlaufen zu lassen, ist kurzfristig eine Beratung zu Beginn des Studiums einzurichten. Auch sollten schnellstens alle staatlichen Angebote wie Bafög, KfW-Studienkredit, Abschlussdarlehen des Bundesverwaltungsamts, Deutschlandstipendium und andere Stipendien gebündelt werden und es entsprechend nur einen Ansprechpartner für die Studierenden geben.

Wie fast alles, ist auch die Bildung zur Ware geworden.

Wie lauteten unsere Forderungen noch vor einigen Jahren: Freier Zugang zu allen Bildungsangeboten für alle jungen Menschen, von der Kinderkrippe bis zum Hochschule, inklusive ein kostenloses, tägliches und gutes Mittagessen.

Quellen: deals.com, Studierendenwerk Dortmund

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DGB-Jugend

„Prak­ti­kum und Min­dest­lohn. Der Fak­ten­check“ heißt die neue Aus­wer­tung der DGB-Ju­gend. Sie bie­tet ei­ne Ana­ly­se der ge­gen­wär­ti­gen Si­tua­ti­on von Prak­ti­kant_in­nen – und zeigt, wie an­fäl­lig Prak­ti­ka für Miss­brauch sind.

Praktika Check

© DGB-Ju­gend

„Ich ha­be in ei­nem Un­ter­neh­men ein Prak­ti­kum von ins­ge­samt neun Mo­na­ten ab­sol­viert. Die ers­ten sechs Mo­na­te im Rah­men ei­nes Pflicht­prak­ti­kums, die letz­ten drei Mo­na­te als frei­wil­li­ge Prak­ti­kan­tin. Das Un­ter­neh­men hat mir zwei ver­schie­de­ne Prak­ti­kums­ver­trä­ge aus­ge­stellt. Ei­ne Ver­gü­tung ha­be ich nicht be­kom­men“, klagt die 24-jäh­ri­ge Hü­l­ya.

Fäl­le wie der von Hü­l­ya wer­den in der neu­en DGB-Ju­gend-Bro­schü­re „Prak­ti­kum und Min­dest­lohn“ be­schrie­ben und ana­ly­siert. Je­des Jahr wer­den in Deutsch­land ca. 600.000 Prak­ti­ka ab­sol­viert. Wel­che Aus­wir­kun­gen hat der Min­dest­lohn auf Prak­ti­ka? Ist jetzt al­les gut?

Nein: Trotz Ein­füh­rung des Min­dest­lohns be­kla­gen Ab­sol­vent_in­nen auch heu­te noch, dass die Ver­gü­tung nicht für den Le­bens­un­ter­halt reicht – bei­spiels­wei­se durch Aus­nah­men bei Prak­ti­ka, die wäh­rend ei­nes Stu­di­ums ab­sol­viert wer­den. Vie­le Ar­beit­ge­ber zei­gen sich zu­dem krea­tiv bei der Aus­le­gung des Min­dest­lohn­ge­set­zes. Neue Prak­ti­kums­ar­ten ent­ste­hen, wie das aus frei­wil­li­gen und Pflicht­tei­len be­ste­hen­de Prak­ti­kum. Re­gu­lä­re Be­schäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se wer­den zu Prak­ti­ka um­ge­wan­delt.

Und auch in­ner­halb der Prak­ti­ka fin­det ei­ne Ver­schie­bung zum min­dest­lohn­frei­en Raum statt. „Der Min­dest­lohn hilft vie­len Prak­ti­kan­tin­nen und Prak­ti­kan­ten nicht, denn 73 Pro­zent al­ler Prak­ti­ka fin­den wäh­rend des Stu­di­ums statt. Dort hat der Ge­setz­ge­ber aber mas­si­ve Aus­nah­men vom Min­dest­lohn zu­ge­las­sen“, stellt DGB-Bun­des­ju­gend­se­kre­tär Flo­ri­an Hag­gen­mil­ler fest.

Praktika sind Teil eines insgesamt unsicheren Berufseinstiegs für junge Menschen, oft verbunden mit erheblichen Auswirkungen auf Lebens- und Familienplanung. 

Vor al­lem die Qua­li­tät der an­ge­bo­te­nen Prak­ti­kums­plät­ze schwankt: Schrift­lich ver­ein­bar­te Lern­in­hal­te wer­den nicht ein­ge­hal­ten, Ver­gü­tun­gen häu­fig ein­fach nicht ge­zahlt, Be­treu­er_in­nen feh­len, Ar­beits­zei­ten wer­den oft über­schrit­ten.

Das Prak­ti­kum zeigt auch oft kei­ne be­ruf­li­che Per­spek­ti­ve auf: Über 78 Pro­zent al­ler Prak­ti­kant_in­nen – im Durch­schnitt sind sie 25 Jah­re alt – ma­chen sich Sor­gen um Ih­re wirt­schaft­li­che Si­tua­ti­on: Die Prak­ti­kant_in­nen er­war­ten weitaus mehr Ver­än­de­run­gen ih­rer Er­werbs­si­tua­ti­on als an­de­re Be­schäf­tig­ten­grup­pen. Sie ge­hen da­von aus, dass sie häu­fi­ger ih­ren Ar­beits­platz wech­seln, wenn nicht ver­lie­ren wer­den.

Da­mit sind Prak­ti­ka Teil ei­nes ins­ge­samt un­si­che­ren Be­rufs­ein­stiegs für jun­ge Men­schen, oft ver­bun­den mit er­heb­li­chen Aus­wir­kun­gen auf Le­bens- und Fa­mi­li­en­pla­nung. „Die Qua­li­tät von vie­len an­ge­bo­te­nen Prak­ti­ka ist nach wie vor un­zu­rei­chend. Vor al­lem die Be­treu­ungs­si­tua­ti­on muss ver­bes­sert wer­den. Not­wen­dig sind auch ein­heit­li­che ge­setz­li­che Re­ge­lun­gen für Ur­laub und Krank­heit im Prak­ti­kum“, sagt Hag­gen­mil­ler.

Für die DGB-Ju­gend steht fest: Recht­li­che Lücken beim Min­dest­lohn müs­sen schleu­nigst ge­schlos­sen wer­den. Es braucht ein Min­des­tent­gelt für al­le Prak­ti­ka, die nicht un­ter den Min­dest­lohn fal­len, ei­ne Re­ge­lung zur Höchst­dau­er und dar­über hi­n­aus die An­glei­chung von Ur­laubs- und Krank­heits­re­ge­lun­gen. Hag­gen­mil­ler: „Die Ge­werk­schafts­ju­gend for­dert, die Aus­nah­men beim Min­dest­lohn ge­ra­de für frei­wil­li­ge Prak­ti­ka wäh­rend des Stu­di­ums zu schlie­ßen und ei­ne ge­ne­rel­le Ein­füh­rung ei­nes Min­des­tent­gelts für Pflicht­prak­ti­ka ana­log dem je­wei­li­gen BAföG-Höchst­satz.“

Praktika Check
Praktika-Check (PDF, 1 MB)

Prak­ti­ka sind ei­ne weit ver­brei­te­te Be­schäf­ti­gungs­art in Deutsch­land. Wel­che Ar­beits­be­din­gun­gen ha­ben Prak­ti­kant_in­nen? Wo gibt es Pro­ble­me? Was hat sich in den letz­ten Jah­ren ver­än­dert? Wie wirkt der ge­setz­li­che Min­dest­lohn? Wo trick­sen die Ar­beit­ge­ber? Auf die­se und an­de­re Fra­gen gibt die Bro­schü­re Ant­wort. Als Grund­la­ge die­nen die Da­ten des so­zio­öko­no­mi­schen Pa­nels (SO­EP) und qua­li­ta­ti­ve Be­fra­gun­gen. Die Er­geb­nis­se zei­gen deut­lich: Es ist noch längst nicht al­les gut beim The­ma Prak­ti­kum. DGB Bun­des­vor­stand, Ab­tei­lung Ju­gend und Ju­gend­po­li­tik, Bro­schü­re, Au­gust 2016

 

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