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Friedhofsruhe beenden

Flexibilisierung zugunsten des Kapitals oder der Arbeiter und Angestellten: DKP-Konferenz in Essen diskutiert Arbeitszeitverkürzung

Der Titel war Programm: »30 Stunden sind genug! – Für eine neue gewerkschaftliche Offensive zur Arbeitszeitverkürzung!« lautete das Motto einer Konferenz am Sonnabend im Haus der Essener Gewerkschaften. Rund 60 Teilnehmer aus der ganzen Bundesrepublik waren der Einladung der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) gefolgt. Die Forderung nach einer Arbeitszeitverkürzung sei mehr als der Wunsch nach einem schönen Leben, unterstrich Olaf Harms, Sekretär der DKP für Betriebs- und Gewerkschaftspolitik, in seiner Eröffnungsrede. Arbeitszeitverkürzung sei ein notwendiges Instrument um die Folgen der Digitalisierung im Interesse der Beschäftigten zu gestalten und für Menschen, die heute erwerbslos oder in befristeten und prekären Arbeitsverhältnissen seien, würdigere Arbeit zu schaffen. Dabei ginge es nicht nur um die Wochenstunden, sondern auch um die Lebensarbeitszeit.

Margareta Steinrücke von ATTAC Deutschland und Koordinatorin der Initiative »Arbeitszeitverkürzung jetzt« hob in ihrem Referat hervor, dass die IG-Metall-Forderung nach 28 Wochenstunden die »Friedhofsruhe«, die seit gut 25 Jahren bei dem Thema geherrscht hatte, beendet habe. Zu kritisieren sei jedoch, dass die Industriegewerkschaft jedem individuell überlasse, ob er für zwei Jahre seine Arbeitszeit bis auf 28 Stunden reduziere. Lohnausgleich gebe es nur für bestimmte Teilgruppen wie Schichtarbeiter, Eltern oder Menschen, die Familienangehörige pflegen. Der notwendige Personalausgleich käme bei der IG Metall nur im Kleingedruckten vor, und die Forderung nach einer reduzierten Normarbeitszeit fehle komplett. Die Bekämpfung von Arbeitslosigkeit und prekären Arbeitsverhältnissen stehe bei der Gewerkschaft ebenfalls nicht auf der Agenda. Wolle man aber eine »kurze Vollzeit für alle« erreichen, müsse die Forderung nach einer Arbeitszeitverkürzung immer mit der Forderung nach einem Personal- und Lohnausgleich verbunden sein. Ohne diesen würde eine Arbeitszeitverkürzung heute immer zu Arbeitsverdichtung und Lohnverlust führen. Jetzt sei eine gesellschaftliche Initiative für die Arbeitszeitverkürzung nötig, um dem erbitterten Widerstand der »Arbeitgeber« etwas entgegenstellen zu können.

Robert Sadowsky, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Gelsenkirchen, unterstrich, dass in den vergangenen Jahren die Flexibilisierung in fast allen Bereichen zugunsten des Kapitals und zu Lasten der Beschäftigten durchgesetzt worden sei. Schon heute stehe die 35-Stunden-Woche durch das Arbeitszeitgesetz unter ständigem Druck. Dieses Gesetz sieht eine 48-Stunden-Woche vor. Bis zu 60 Stunden sind dabei möglich, die innerhalb von sechs Monaten auf 48 Stunden ausgeglichen werden müssten. Ein erheblicher Fortschritt im Kampf für eine Arbeitszeitverkürzung im Interesse der Beschäftigten sei deshalb die rechtliche Festschreibung von 40-Stunden-Wochen mit einem Ausgleichszeitraum von vier Monaten. Arbeitszeitgestaltung im eigenen Interesse, und nicht dem des Kapitals, sei ein großes Thema sei bei den Belegschaften.

Tobias Michel von der Verdi-Fachkommission Krankenhäuser und Reha NRW führte aus, dass gerade in Gesundheitseinrichtungen der Punkt Personalbemessung derzeit im Vordergrund der tarifpolitischen Kämpfe stehe. Verdi habe zwar beim letzten Gewerkschaftstag beschlossen, eine Debatte über die Arbeitszeitverkürzung führen zu wollen. Bis jetzt sei aber keine Diskussion angestoßen worden, obwohl dies dringend notwendig sei.

Rainer Perschewski, Betriebsgruppenvorsitzender der Eisenbahner- und Verkehrsgewerkschaft EVG sowie Betriebsratsvorsitzender aus Berlin berichtete über einen neu ausgehandelten Tarifvertrag, der ein Wahlmodell beinhalte. Die Beschäftigten können sich zwischen flexibleren Arbeitszeiten, mehr Urlaub oder einer Reduzierung der Wochenarbeitszeit entscheiden. Dabei hätten sich die meisten für mehr Urlaub als eine Form der Arbeitszeitreduzierung entschieden. In der Praxis sei jedoch die unbezahlte Mehrarbeit der schlimmste Feind der Arbeitszeitverkürzung.

In den Referaten und der Diskussion wurden unterschiedliche Standpunkte deutlich. Konsens herrschte darin, dass es jetzt darum gehe, konkrete Handlungseckpunkte zu entwickeln, diese in den Gewerkschaften zu diskutieren und Aktionen durchzuführen.

Quelle: junge Welt vom 06.11.2017

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Konferenz 30 Stundenwoche

30 Stunden sind genug! – Für eine neue gewerkschaftliche Offensive zur Arbeitszeitverkürzung!
Arbeitszeitverkürzung debattieren, begründen, verankern. Gemeinsame Schritte finden.

4. November 2017 ab 10.00 Uhr bis 16.00 Uhr.
Im Haus der Essener Gewerkschaften, Teichstr. 4a, 45 147 Essen
09.00 Uhr     Einlass
10.00 Uhr     Impulsreferat von Margareta Steinrücke, Mitglied ATAC-Deutschland, Koordinatorin der Initiative „Arbeitszeitverkürzung jetzt“.
12.00 Uhr     Pause
13.00 Uhr     Aktuelle Aussagen und Debatten zur Arbeitszeitfragen der Gewerkschaften,

    • IGM, Robert Sadowsky, 1. Bevollmächtigter IGM-Gelsenkirchen
    • Ver.di, Tobias Michel, ehem. Betriebsrat, Mitglied ver.di Fachkommission Krankenhäuser & Reha NRW
    • EVG, Reiner Perschewski, EVG-Betriebsgruppenvorsitzender, Betriebsratsvorsitzender

14.00 Uhr     Diskussion
16.00 Uhr     Ende der Konferenz

Teilnehmerbeitrag: 10 € / Ermäßigt 6 €

Um Anmeldung zur Konferenz wird aus organisatorischen Gründen gebeten.
E-Mail: pv@dkp.de / Tel.: (0202) 17 78 89-0  FAX: -29

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V. Teil der Serie für eine Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich

Im Jahr 2012 arbeiteten 37 Millionen Menschen 48,8 Milliarden Stunden. Bei sechs Wochen Urlaub für jeden entspricht das knapp 29 Arbeitsstunden. Schon dieser einfache Fakt zeigt, dass eine Verkürzung der Arbeitszeit möglich ist. (1) Auch die Finanzierbarkeit einer 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich ist gegeben. 160 Milliarden Euro würde das kosten, bei Unternehmergewinnen von 644 Milliarden wahrlich finanzierbar. (2)

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Laut DGB-Umfrage geben vier von fünf Kolleginnen bzw. Kollegen an, dass die Arbeitsintensität gestiegen sei. Das heißt: steigende Arbeitshetze, die auf die Gesundheit geht. Das heißt aber auch: Die Stunden müssen runter – Zeit für eine Arbeitszeitverkürzung. Hierzu liefert auch der dritte Teil unserer Serie die nötigen Argumente. Wir danken der Redaktion der DKP-Betriebszeitung “Auf Draht” dafür, dass sie uns den Beitrag zu Verfügung gestellt hat.

Die absolute Mehrheit der Kolleginnen und Kollegen wäre mit einer Verkürzung der Arbeitszeit einverstanden, wenn da nicht die Kosten wären. Arbeitszeitverkürzung sei nicht finanzierbar, so schreien die Unternehmer und denken die Kolleginnen und Kollegen.

Sehen wir uns einmal drei Betriebe aus dem Großraum München mit unterschiedlichen Voraussetzungen an. Ein Betrieb ist aus der Automobilindustrie, ein sogenannter Global Player. Die beiden anderen Betriebe aus der Bauwirtschaft und dem Großhandel sind kleiner.

Der Umsatz des Automobilbauer beträgt 76,8 Milliarden Euro. Um diesen zu erzie len, beschäftigt er knapp 106.000 Mitarbeiter, nicht ausschließlich in der Produktion, sondern auch in Forschung und Entwicklung, der Verwaltung und nicht zuletzt in der Sparte Finanzdienstleistungen. Löhne und Gehälter werden im Geschäftsbericht mit 8,535 Milliarden Euro in der Summe angegeben, dass Ergebnis vor Steuern (also der Gewinn, bevor Steuern an das Finanzamt abgeführt werden) liegt bei 7,8 Milliarden. Die Arbeitszeit beträgt nach Tarifvertrag 35 Stunden in der Woche.

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Mehr Zeit … auch zum Kämpfen!

Laut DGB-Umfrage geben vier von fünf Kolleginnen bzw. Kollegen an, dass die Arbeitsintensität gestiegen sei. Das heißt: steigende Arbeitshetze, die auf die Gesundheit geht. Das heißt aber auch: Die Stunden müssen runter – Zeit für eine Arbeitszeitverkürzung. Hierzu liefert auch der dritte Teil unserer Serie die nötigen Argumente. Wir danken der Redaktion der DKP-Betriebszeitung “Auf Draht” dafür, dass sie uns den Beitrag zu Verfügung gestellt hat.

In den beiden zurückliegenden Beiträgen zeigten wir, wie der enorme Produktivitätsfortschritt in den letzen Jahrzehnten uns gesundheitlich ruiniert, statt uns die Arbeit zu erleichtern. Dass die physischen und psychischen Belastungen in der Arbeitswelt zunehmen, wird durch die Jahresberichte diverser Krankenkassen, von der AOK über die Barmer bis zur Technikerkrankenkasse, belegt. Bis in das Bundesministerium für Gesundheit ist die Kunde gedrungen, und das sorgt sich um das Wohl der Kapitalisten: „Denn nicht nur die Versorgungskosten zur Behandlung dieser Erkrankungen sind hoch: Insbesondere soziale und wirtschaftliche Verluste, beispielsweise durch eingeschränkte Produktivität am Arbeitsplatz, führen zu einem betriebs- und volkswirtschaftlichen Schaden.“ (www.bund.bmg.de; 25.4.13)

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Arbeiten bis der Arzt kommt – dagegen müssen wir uns wehren!

Laut DGB-Umfrage geben vier von fünf Kolleginnen bzw. Kollegen an, dass die Arbeitsintensität gestiegen sei. Das heißt: steigende Arbeitshetze, die auf die Gesundheit geht. Das heißt aber auch: Die Stunden müssen runter – Zeit für eine Arbeitszeitverkürzung. Hierzu liefert der zweite Teil unserer Serie die nötigen Argumente. Wir danken an dieser Stelle der Redaktion der DKP-Betriebszeitung “Auf Draht” dafür, dass sie uns den Beitrag zu Verfügung gestellt hat.

Der Produktivitätsfortschritt in den letzten Jahrzehnten ist enorm. In immer kürzerer Zeit können immer mehr Produkte hergestellt werden.Doch anstatt am Produktivitätsfortschritt z. B. durch Arbeitszeitverkürzung teilzuhaben, werden wir in die fünfziger und sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts zurückgeworfen. Physische und insbesondere psychische Belastungen nehmen in der Arbeitswelt des 21. Jahrhunderts zu.

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Teil I der Serie „30 Stunden sind genug!“

30 Stunden sind genug!„Arbeitszeitverkürzung auf 30 Stunden pro Woche“ – das klingt für viele Kolleginnen und Kollegen unrealistisch angesichts der alltäglichen Erfahrungen im Büro und Betrieb. Und richtig ist: Unter den derzeitigen Kräfteverhältnissen zwischen Lohnabhängigen auf der einen und den Kapitalisten auf der anderen Seite rückt diese Forderung tatsächlich in weite Ferne. Kräfteverhältnisse – das haben die gewerkschaftlichen Kämpfe der Vergangenheit gezeigt – sind aber keine feste, unveränderliche Größe: Die Frage, inwieweit eine gesetzliche Arbeitszeitverkürzung durchgesetzt werden kann oder nicht, hängt unmittelbar damit zusammen, ob es der Arbeiterbewegung und ihren Gewerkschaften gelingt, eine Gegenmacht aufzubauen. Gute Argumente allein werden die Kapitalisten dabei nicht überzeugen. Aber: Gute Argumente für eine gesetzliche Arbeitszeitverkürzung können die Reihen in den Belegschaften schließen, können den Schulterschluss mit den Erwerbslosen, der Jugend u.a. befördern – und das ist die Voraussetzung für die Formierung von Gegenmacht. Zu dieser Formierung will die kleine Serie zum Thema Arbeitszeitverkürzung einen Beitrag leisten. Wir danken an dieser Stelle der Redaktion der DKP-Betriebszeitung „Auf Draht“ dafür, dass sie uns die Beiträge zu Verfügung gestellt haben.

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22. Parteitag

22. Parteitag

Der Leitantrag zum 22. Parteitag: "Die Offensive des Monopolkapitals stoppen."

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