Nachrichten
Zeige alle Artikel in Kapital & Arbeit
0

6,7 Millionen Erwerbstätige verdienten im letzten Jahr unter 8,50 Euro pro Stunde, wenn die reale Arbeitszeit zugrunde gelegt wird – das stellt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) in seiner aktuellen Studie fest. 1,8 Millionen von ihnen hätten einen gesetzlichen Anspruch auf den Mindestlohn gehabt.

„Das zeigt erstens, dass der Geltungsbereich des Gesetzlichen Mindestlohns ausgeweitet werden muss. Zweitens muss dringend härter gegen diejenigen Unternehmen vorgegangen werden, die durch Tricksereien den Mindestlohn offenbar dauerhaft umgehen wollen und drittens braucht es eine deutliche Erhöhung des Mindestlohns“, so Olaf Harms, Leiter der Kommission Betriebs- und Gewerkschaftspolitik der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP).
Der Mindestlohn müsse für alle gelten, egal ob Auszubildender oder Scheinselbstständiger. Auch müssten sowohl Großkonzerne als auch öffentliche Arbeitgeber stärker in die Pflicht genommen werden, da sie z.B. Aufträge an Firmen vergeben, die den Mindestlohn umgehen: „Angebliche Unwissenheit darf nicht vor Strafe schützen. Wenn das deutsche Kapital ständig in Konflikt mit geltenden Gesetzen gerät, dann können wir nur sagen: Wer nicht einmal das Mindeste zahlt, der gehört enteignet.“ Die DKP fordert in ihrem Sofortprogramm einen Mindestlohn von 12 Euro.

Essen, 8.12.2017

0

2017 war ein gutes Jahr für Siemens. Ein Nettogewinn von 6,2 Milliarden € und kräftige Dividendensteigerungen für die Aktionäre. Mit einer Gewinnmarge von über 10 % im Gesamtkonzern waren alle Bereiche an diesem Ergebnis beteiligt. Ohne den Einsatz der Beschäftigten hätte es ein solches Ergebnis nicht gegeben. Dafür schüttet Siemens zwar 400 Millionen an Aktiendividenden an die Belegschaft aus, doch was nutzt es dem, dessen Stelle gestrichen werden soll.
Am 16. November des Jahres legte die Konzernleitung ihre Pläne für eine weitere Gewinnmaximierung vor. So sollen insgesamt 6900 Stellen, davon allein 3500 Deutschland, gestrichen werden. Da sich die Zahlen auf Vollzeitstellen beziehen sind weit mehr Beschäftigte betroffen. Standorte in Leipzig oder Görlitz sollen geschlossen werden. Andere Standorte wie Offenbach und das „Dynamo“-Werk in Berlin Spandau müssen ebenfalls bluten. Im Fokus stehen die Bereiche der Energieversorgung und der Antriebstechnik.
Damit setzt die Konzernleitung ihren bisherigen Weg des Stellenabbaus fort. Im Mittelpunkt steht nicht die Belegschaft, sondern die Gier nach immer höheren Profiten. So wurden Bereiche, die aus Sicht der Konzernleitung nicht mehr benötigt werden, entsorgt. Hierzu zählen zum Beispiel Healthcare, WindPower oder jüngst Mobility. Andere Bereiche, wie zum Beispiel die GS-IT kämpfen seit Jahren gegen Personalabbau. Die Anzahl der Auszubildenden geht ebenfalls seit Jahren zurück. Tarifliche Instrumente, wie zum Beispiel Altersteilzeit, wenn in erster Linie dazu benutzt, Stellen nicht mehr neu besetzen zu müssen.
Betroffen sind aber nicht nur die Beschäftigten bei Siemens. Jede Bereichsschließung trifft auch Zulieferer und Dienstleister weltweit, die von Siemens abhängig sind. Stellenabbau bei Siemens bedeutet auch Stellenabbau bei diesen Firmen.
Es ist gut, dass sie Kolleginnen und Kollegen in Siemens anfangen, sich zu wehren. Unterstützt werden sie dabei von ihren Betriebsräten und der IG Metall. Aktionen, wie eine Menschenkette um das von der Schließung bedrohte „Dynamo“-Werk in Berlin, machen selber Mut und der Öffentlichkeit deutlich: Hier ist eine Belegschaft, die sich gegen Stellenabbau wehrt. Und das kann, sollte sich die Konzernleitung nicht von ihren Plänen verabschieden, bis hin zum Streik für Arbeitsplatzsicherheit gehen. Wer kämpft, kann gewinnen. Wer nicht kämpft, hat schon verloren. Deshalb rufen wir alle Kolleginnen und Kollegen auf, aktiv für ihre eigenen Interessen einzustehen. In diesem Sinne stehen wir Kommunistinnen und Kommunisten solidarisch an der Seite der Kolleginnen und Kollegen.

Kommission Betrieb & Gewerkschaft beim Parteivorstand der DKP

0

Personalbemessung jetzt!

Liebe Kolleginnen und Kollegen in den Krankenhäusern,
wir unterstützen euch in eurem Kampf um eine Personalbemessung. Wir wissen, die Zustände im Krankenhaus sind unhaltbar. Das richte sich nicht gegen euch – im Gegenteil. Wir wollen mehr von euch, weil das besser für alle ist!

Liebe Patientinnen und Patienten, liebe Angehörigen,
sie erfahren es tagtäglich selber, unter welchem Druck die Kolleginnen und Kollegen im Krankenhaus sind. Doch sie selber haben kaum einen Einfluss auf die Personalpolitik des Krankenhauses. Aber sie beginnen sich zu wehren für mehr Personal, damit die Behandlung von Krankheiten im Vordergrund steht, und nicht das Gewinninteresse. Unsere Bitte ist: unterstützen Sie die Kolleginnen und Kollegen.

Wir Kommunistinnen Kommunisten stehen solidarisch an der Seite der Beschäftigten in den Krankenhäusern, denn:

Krankenhäuser sind gefährlich
Nach Schätzungen des bundesweiten Aktionsbündnisses Patientensicherheit sterben in 0,1 Prozent der Krankenhausfälle Patientinnen durch vermeidbare Fehler. Bei 19,2 Mio. Behandlungen im Krankenhaus im Jahr 2015 sind das ca. 19.200 Menschen. Zum Vergleich: Die Zahl der Verkehrstoten betrug im selben Jahr 3.475. Das heißt: Die Zahl der vermeidbaren Todesfälle im Krankenhaus ist mehr als fünfeinhalb mal so hoch.
Personalabbau der letzten 20 Jahre
In der Zeit von 1995 bis 2015 wurden über 30.300 Pflegekräfte (Vollzeitstellen) in den Krankenhäusern Deutschlands abgebaut. Das macht ein Minus von ca. 8,7 Prozent. In der gleichen Zeit ist die Belastung der Pflegekräfte um fast ein Drittel (ca. 32 Prozent) gestiegen, gemessen an der Zahl der zu versorgenden Patientinnen. Ver.di stellte 2013 fest, dass bundesweit 162.000 Vollzeitstellen fehlen, davon allein rd. 70.000 in der Pflege.
Fallpauschen
Mit Einführung von Fallpauschalen, den sogenannten DRGs, wuchs der Druck auf Krankenhausbetreiber, die Behandlung von Krankheiten betriebswirtschaftlich, und nicht im Sinne der Patientinnen und Patienten, durchzuführen.
Privatisierungen von Krankenhäusern
Die Ursachen sind eng verbunden mit dem Verkauf öffentlicher Krankenhäuser an private Betreiber. Jetzt steht nicht mehr im Fokus eine menschengerechte Behandlung von Krankheiten, sondern die Gier nach immer höheren Profiten. Und obwohl die Krankenhäuser im Besitz privater Klinik-Konzerne sind, bekommen sie jedes Jahr hunderte Millionen aus dem Stadtsäckel für Investitionskosten.
Schwester Stephanie kann nicht mehr
Berichte von Pflegekräften untermalen diese dürren Zahlen anschaulich. Oft ist für die eigentliche Pflege keine Zeit mehr, teilweise kann nicht mal mehr das eben Lebensnotwendige getan werden. Angesichts dessen sind die Pflegeförderprogramme der Bundesregierung ein Tropfen auf den heißen Stein. Sie bringen pro Krankenhaus vielleicht drei bis fünf Pflegekräfte mehr. Das reicht nicht einmal, um die schlimmste Not zu lindern. Pflegende sind am Ende ihrer Kräfte.
Aber es regt sich Widerstand. Die Beschäftigten beginnen, sich zu wehren und haben die Gewerkschaft ver.di an ihrer Seite. Darüber hinaus gibt es an einzelnen Standorten Initiativen, die diesen Kampf unterstützen. Und dazu gehören auch wir, Kommunistinnen und Kommunisten in der DKP.

Kommission Betrieb & Gewerkschaft beim Parteivorstand der DKP

0

6 % und 28 Std./Woche

Das sind die Kernforderungen der IG Metall in der Tarifrunde 2017/2018. Begründet wird die Anhebung der Löhne und Gehälter mit den Wachstumsprognosen der Wirtschaft für 2017 mit 2,2 % und für 2018 mit 2 %. Hinzu kommt die Steigerung der Umsatzrendite in den Jahren 2015/2016 um jeweils 5,1 %. Neben der Zielinflationsrate der EZB von 2 % wird eine Produktivitätssteigerung von 1-1,5 % erwartet. Das ist die Basis für die berechtigte Forderung einer Steigerung der Löhne und Gehälter in Höhe von 6 %.
Der letzte Gewerkschaftstag der IG Metall hat im Oktober 2015 beschlossen, das Thema Arbeitszeit auf allen Ebenen anzugehen: betrieblich, tariflich und gesetzlich. Dazu gehörte auch die große Beschäftigtenbefragung. Die stellt im Ergebnis fest, dass das Thema Arbeitszeit ein wichtiges Thema für die Belegschaften ist. Und nicht nur deshalb, weil Flexibilisierung von Arbeitszeiten fast allen Bereichen nur zugunsten des Kapitals zulasten der Beschäftigten umgesetzt worden ist. So wird in 80 % aller Betriebe regelmäßig oder gelegentlich am Wochenende gearbeitet die besonders belastenden Nacht- oder Wochenendschichten gibt es in Simon 30 % bzw. 17 % der Betriebe. Das waren die Grundlagen, weshalb in der Tarifrunde eine Wahloption aller Beschäftigten zur Reduzierung ihrer individuellen wöchentlichen Arbeitszeit auf bis zu 28 Stunden gefordert wird. Dabei soll ein Rückkehrrecht zur vorherigen Arbeitszeit garantiert sein. Für Beschäftigte, die Kinder betreuen oder Angehörige pflegen bzw. Beschäftigte in Schichtarbeit oder mit besonders belastenden Arbeitszeiten sollen bei Inanspruchnahme der Arbeitszeitreduzierung Zuschüsse in Höhe von 200 € im Monat bis ca. 750 € im Jahr vom Arbeitgeber erhalten. Das bedeutet zu mindestens einen Teil-Lohnausgleich.
Neben der durchaus berechtigten Entgeltforderung in Höhe von 6 % hatte IG Metall das Thema Arbeitszeit in den Fokus ihrer Tarifrunde gerückt. Und das ist gut so, denn damit versucht sie, den Interessen ihrer Mitglieder und der Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie gerecht zu werden. Noch besser wäre eine kollektive Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich. Zum einen lässt es die Gewinnsituation der Unternehmen zu, und zum anderen werden die durch Digitalisierung der Arbeit bedrohten Arbeitsplätze gesichert.
Doch schon der Kampf um diese beiden Kernforderungen wird nicht einfach sein. Dazu bedarf es des Zusammenhalts aller Beschäftigten in den Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie und ihrer Bereitschaft, auch durch Streiks für die Durchsetzung ihrer eigenen Interessen zu kämpfen. Wir Kommunistinnen und Kommunisten stehen ihnen solidarisch zur Seite.

Kommission Betrieb & Gewerkschaft beim Parteivorstand der DKP

0

Kahlschlag bei Siemens

6900 Stellen in Gefahr
Diese Zahl nannte die Konzernleitung, als sie am 16. die Pläne offenlegte. 6900 Stellen, 3500 davon in Deutschland. Zwar sollen diese Streichungen nach Personalleiterin Janina Kugel „so sozialverträglich wie möglich“ ablaufen, jedoch bleibt abzuwarten wie das ganze umgesetzt werden soll. Manche Standorte sollen auch komplett gestrichen werden, wie Leipzig, Görlitz, Offenbach und das „Dynamo“ Werk in Spandau. Und auch sonst soll massiv abgebaut werden. Besonders davon betroffen sind die Bereiche der Energieversorgung (PG, PS) und der Antriebstechnik (PD). Wichtig hierbei ist auch, dass die Zahl 6900 sich auf Vollzeitstellen bezieht, sprich mehr Leute entlassen werden, wenn Teilzeitkräfte entlassen werden.

Geld ist da, halt nicht für die Belegschaft
Doch warum wird überhaupt abgebaut? Der Grund hierfür liegt in der Prognose, dass die entsprechenden Bereiche 2018 weniger Gewinn erwirtschaften, als 2017 und man dementsprechend personell zurückstecken müsse. Die entsprechenden Bereiche hatten jedoch 2017 eine Marge von über 10% und auch nach der neuen Prognose würden die Bereiche – selbst wenn man alle Mitarbeiter weiterbeschäftigt und alle Standorte aufrecht erhält – Gewinn machen. Hinzu kommt, dass Kaeser erst im Oktober auf der Jahreshauptversammlung einen Rekordgewinn für den Gesamtkonzern von 6,2 Mrd Euro verkündet hatte. Es werden also Leute entlassen um den Aktionären ein paar Euro mehr in die Kasse zu spielen.

Wir sitzen alle im gleichen Boot
Der erneute Stellenabbau bei Siemens kommt nicht überraschend.
Er reiht sich in eine Reihe von Maßnahmen ein, die in den letzten Jahren ergriffen wurden, um das Unternehmen zu verschlanken. So wurden Bereiche, die man nicht mehr benötigt hat vor die Tür gesetzt, wie z.B. Healthcare (heute Healthineers), WindPower (heute Gamesa) oder jüngst Mobility (demnächst Siemens-Alstom). Und auch sonst sieht es bei Siemens alles andere als rosig für die Belegschaft aus. Die GS-IT kämpft seit Jahren gegen den Personalabbau, die Azubizahlen gehen seit Jahren zurück und tarifliche Instrumente wie Altersteilzeit werden in erster Linie dazu genutzt Stellen nicht mehr neu besetzen zu müssen. Es ist an der Zeit sich divisionsübergreifend zu wehren. Niemand weiß wo als nächstes gespart wird.

Solidarität endet nicht am Werkstor!
Der Kampf um Arbeitsplätze bei Siemens endet nicht bei den Angestellten der Siemens AG. Überall auf der Welt sind Zulieferer und Dienstleister von Siemens abhängig. Stellenabbau bei Siemens bedeutet auch Stellenabbau bei diesen Firmen.

Was kann man dagegen tun?
Der erste Schritt ist immer: Sprich mit deinen Kolleginnen und Kollegen. Wenn du das getan hast, halte nach Aktionsmöglichkeiten Ausschau. Die lokalen Betriebsratsgremien der betroffenen Standorte laufen, unterstützt von der IG Metall, bereits Sturm gegen die geplanten Maßnahmen. In Berlin wurde eine Menschenkette um das von der Schließung bedrohte „Dynamo“ Werk gebildet und auch an anderen Orten fanden Aktionen gegen den Stellenabbau statt. Solche Aktionen sind eine gute Möglichkeit der Konzernleitung zu zeigen, was man vom Stellenabbau hält, zumal die Schlagkraft solcher Aktionen von der Anzahl der Beteiligten abhängt. Auch gibt es für solche Aktionen keinen Masterplan. Es ist sowohl möglich sie während der Arbeitszeit zu machen, wenn man in erster Linie das Management ansprechen will, als auch sie außerhalb der Arbeitszeit zu machen, wenn man einen Zeitpunkt wählt, zu dem die Öffentlichkeitswirksamkeit am höchsten ist.

Flugblatt der SDAJ

0

Nicht unsere Krise

Patrik Köbele, Vorsitzender der DKP, zum Scheitern der Jamaika-Verhandlungen:

Es ist schwer zu sagen ob und welche Interessen einer Fraktion des Großkapitals die FDP zu diesem Schritt bewogen haben oder ob es sich dabei um ihr Eigeninteresse handelte sich als „bürgerliche“ AFD zu profilieren. Sicher ist nur, es soll und wird den Druck in Richtung Deregulierung, Sozial- und Demokratieabbau erhöhen. Die Arbeiterbewegung, die fortschrittlichen Kräfte unseres Landes sind auf jeden Fall gut beraten, wenn sie sich weniger den Kopf über die Bewältigung dieser „Krise“ im bürgerlich-parlamentarischen Sinn machen, sondern vielmehr über die Intensivierung von (Abwehr)-Kämpfen nachdenken.

0

Streik für Sozialtarifvertrag

Die Kolleginnen und Kollegen der Seppelfricke Armaturen GmbH in Gelsenkirchen sind am Mittwoch (nach Redaktionsschluss dieser UZ) erneut in einen Warnstreik getreten. Ein erster Warnstreik hatte bereits am 3. Juli stattgefunden. Über die Hintergründe sprach die UZ mit Robert Sadowsky, 1. Bevollmächtigter der IG Metall in Gelsenkirchen.

UZ: Warum haben die Kollegen die Brocken hingeschmissen?

Robert Sadowsky: Das Unternehmen hat angekündigt, Maschinen aus dem Unternehmen nach Großbritannien zu verlagern. Wir sehen daher die Arbeitsplätze an unserem Standort gefährdet.

UZ: Ist eine Produktion mit den verbleibenden Maschinen noch möglich?

Robert Sadowsky: Nein. Eine wirtschaftliche Produktion ist mit den veralteten, hier verbleibenden Maschinen nicht möglich. Auch die Ankündigung des Unternehmens, bisher ausgelagerte Arbeiten wieder an diesen Standort zurückzuholen, würde keine Sicherheit der Arbeitsplätze bringen. Es würde auch bedeuten, dass die Kollegen, die bisher mit hochkomplexen und anspruchsvollen Arbeiten betraut waren, nun einfachste Tätigkeiten ausführen müssten. Die sind bisher in Justizvollzugsanstalten oder Behindertenwerkstätten erledigt worden. Das ist auf längere Sicht den Kollegen nicht zumutbar.
Das Unternehmen ist auch nicht bereit, Arbeitsplatzgarantien abzugeben oder eine Entgeltsicherung zu vereinbaren. Daher haben wir gesagt: Wir fordern einen Sozialtarifvertrag, und da haben wir auch mittlerweile einen Verhandlungsstand. Aber dieser Verhandlungsstand wird nun von der Geschäftsleitung nicht mehr akzeptiert.

UZ: Welche Ziele wollt ihr im Sozialtarifvertrag vereinbaren?

Robert Sadowsky: Wenn es doch zu Entlassungen kommen sollte, wollen wir recht hohe Abfindungen vereinbaren. Wir können ja in einem Sozialtarifvertrag nicht den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen einfordern – dafür darf man ja in Deutschland bedauerlicherweise nicht streiken. Wir haben gefordert, dass Menschen, die umgesetzt werden, eine Entgeltsicherung erhalten und wir haben gefordert, dass Menschen, denen eine solche Umsetzung nicht zumutbar ist, eine Transfer- bzw. Qualifizierungsgesellschaft mit einer guten Ausstattung, mit einer ausreichenden Laufzeit angeboten wird.

UZ: Die IG Metall hat im Ruhrgebiet viele Erfahrungen gemacht, was die Verlagerung von Produktionslinien und damit Arbeitplätzen ins Ausland angeht. Denken wir an Nokia, jüngst bei Ball in Recklinghausen, in Gelsenkirchen gerade bei Vaillant. Die Unternehmen waren ja vielerorts erfolgreich, weil sie die Kollegen an unterschiedlichen Standorten gegeneinander ausspielen konnten. Wie stellt ihr euch da international auf?

Robert Sadowsky: Wir haben Kontakt aufgenommen mit unseren britischen Kollegen in Doncaster und sind dabei, diesen Kontakt zu intensivieren. Ich hoffe, dass uns das auch gelingt. Man muss ja wissen, dass die britischen Gewerkschaften nicht so gut ausgestattet sind wie wir hier. Wir hoffen, dass wir die Kollegen da unterstützen können, hoffen auch, dass wir eine Delegation britischer Kollegen hier empfangen können. Wir sind zuversichtlich, dass das in den nächsten Tagen oder Wochen umgesetzt werden kann.
Die britischen Kollegen haben sich bereits solidarisch erklärt. So ein internationaler Konzern reagiert darauf ausgesprochen allergisch. Die Geschäftleitung war sehr überrascht, als wir auf einer Belegschaftsversammlung im Betrieb diese Solidaritätserklärung verlesen haben. Sie meinte wohl, dass die britischen Kollegen froh und glücklich wären, wenn sie uns die Arbeit „wegnehmen“ würden. So ist das nicht. Es gibt da eine große Solidaritätsbereitschaft der britischen Kollegen.

Zuerst erschienen in der UZ vom 17.11.2017

0

Friedhofsruhe beenden

Flexibilisierung zugunsten des Kapitals oder der Arbeiter und Angestellten: DKP-Konferenz in Essen diskutiert Arbeitszeitverkürzung

Der Titel war Programm: »30 Stunden sind genug! – Für eine neue gewerkschaftliche Offensive zur Arbeitszeitverkürzung!« lautete das Motto einer Konferenz am Sonnabend im Haus der Essener Gewerkschaften. Rund 60 Teilnehmer aus der ganzen Bundesrepublik waren der Einladung der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) gefolgt. Die Forderung nach einer Arbeitszeitverkürzung sei mehr als der Wunsch nach einem schönen Leben, unterstrich Olaf Harms, Sekretär der DKP für Betriebs- und Gewerkschaftspolitik, in seiner Eröffnungsrede. Arbeitszeitverkürzung sei ein notwendiges Instrument um die Folgen der Digitalisierung im Interesse der Beschäftigten zu gestalten und für Menschen, die heute erwerbslos oder in befristeten und prekären Arbeitsverhältnissen seien, würdigere Arbeit zu schaffen. Dabei ginge es nicht nur um die Wochenstunden, sondern auch um die Lebensarbeitszeit.

Margareta Steinrücke von ATTAC Deutschland und Koordinatorin der Initiative »Arbeitszeitverkürzung jetzt« hob in ihrem Referat hervor, dass die IG-Metall-Forderung nach 28 Wochenstunden die »Friedhofsruhe«, die seit gut 25 Jahren bei dem Thema geherrscht hatte, beendet habe. Zu kritisieren sei jedoch, dass die Industriegewerkschaft jedem individuell überlasse, ob er für zwei Jahre seine Arbeitszeit bis auf 28 Stunden reduziere. Lohnausgleich gebe es nur für bestimmte Teilgruppen wie Schichtarbeiter, Eltern oder Menschen, die Familienangehörige pflegen. Der notwendige Personalausgleich käme bei der IG Metall nur im Kleingedruckten vor, und die Forderung nach einer reduzierten Normarbeitszeit fehle komplett. Die Bekämpfung von Arbeitslosigkeit und prekären Arbeitsverhältnissen stehe bei der Gewerkschaft ebenfalls nicht auf der Agenda. Wolle man aber eine »kurze Vollzeit für alle« erreichen, müsse die Forderung nach einer Arbeitszeitverkürzung immer mit der Forderung nach einem Personal- und Lohnausgleich verbunden sein. Ohne diesen würde eine Arbeitszeitverkürzung heute immer zu Arbeitsverdichtung und Lohnverlust führen. Jetzt sei eine gesellschaftliche Initiative für die Arbeitszeitverkürzung nötig, um dem erbitterten Widerstand der »Arbeitgeber« etwas entgegenstellen zu können.

Robert Sadowsky, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Gelsenkirchen, unterstrich, dass in den vergangenen Jahren die Flexibilisierung in fast allen Bereichen zugunsten des Kapitals und zu Lasten der Beschäftigten durchgesetzt worden sei. Schon heute stehe die 35-Stunden-Woche durch das Arbeitszeitgesetz unter ständigem Druck. Dieses Gesetz sieht eine 48-Stunden-Woche vor. Bis zu 60 Stunden sind dabei möglich, die innerhalb von sechs Monaten auf 48 Stunden ausgeglichen werden müssten. Ein erheblicher Fortschritt im Kampf für eine Arbeitszeitverkürzung im Interesse der Beschäftigten sei deshalb die rechtliche Festschreibung von 40-Stunden-Wochen mit einem Ausgleichszeitraum von vier Monaten. Arbeitszeitgestaltung im eigenen Interesse, und nicht dem des Kapitals, sei ein großes Thema sei bei den Belegschaften.

Tobias Michel von der Verdi-Fachkommission Krankenhäuser und Reha NRW führte aus, dass gerade in Gesundheitseinrichtungen der Punkt Personalbemessung derzeit im Vordergrund der tarifpolitischen Kämpfe stehe. Verdi habe zwar beim letzten Gewerkschaftstag beschlossen, eine Debatte über die Arbeitszeitverkürzung führen zu wollen. Bis jetzt sei aber keine Diskussion angestoßen worden, obwohl dies dringend notwendig sei.

Rainer Perschewski, Betriebsgruppenvorsitzender der Eisenbahner- und Verkehrsgewerkschaft EVG sowie Betriebsratsvorsitzender aus Berlin berichtete über einen neu ausgehandelten Tarifvertrag, der ein Wahlmodell beinhalte. Die Beschäftigten können sich zwischen flexibleren Arbeitszeiten, mehr Urlaub oder einer Reduzierung der Wochenarbeitszeit entscheiden. Dabei hätten sich die meisten für mehr Urlaub als eine Form der Arbeitszeitreduzierung entschieden. In der Praxis sei jedoch die unbezahlte Mehrarbeit der schlimmste Feind der Arbeitszeitverkürzung.

In den Referaten und der Diskussion wurden unterschiedliche Standpunkte deutlich. Konsens herrschte darin, dass es jetzt darum gehe, konkrete Handlungseckpunkte zu entwickeln, diese in den Gewerkschaften zu diskutieren und Aktionen durchzuführen.

Quelle: junge Welt vom 06.11.2017

0

Liebe Kolleginnen und Kollegen am Uniklinikum Düsseldorf,

wir Kommunistinnen und Kommunisten unterstützen eure Forderungen in der aktuellen Tarifauseinandersetzung und wünschen euch mutige Aktionen mit viel Solidarität der gesamten Belegschaft, auch der Tochtergesellschaften und auch von Beschäftigten anderer Betriebe. Denn wo Lohndumping und Tarifflucht passiert, muss das gemeinsam bekämpft werden.

Euer Kampf ist wichtig, nicht nur für die Kolleginnen und Kollegen im Gesundheitswesen, sondern für alle Branchen. Ihr gebt ein tolles Beispiel und macht auch anderen Mut und gebt Kraft!

Wo Gesundheit zur Ware wird und nur noch der Profitmaximierung dient und nicht mehr dem Wohl der Menschen, ist Widerstand Pflicht.

Mehr von euch und uns ist besser für alle!

Und wo ist das mehr, das für die Beschäftigten im Gesundheitswesen notwendig ist?

  • Die Millionärsteuer von 2 Prozent bringt für NRW 12 Milliarden Euro pro Jahr.
  • Eine 20-prozentige Kürzung der Rüstungsausgaben bringt für NRW 4 Milliarden Euro
    pro Jahr.
  • Die Beendigung der Auslandseinsätze der Bundeswehr ergibt bundesweit Einsparungen von mindestens 1 Milliarde Euro pro Jahr.
  • Die Beschlagnahme der Gewinne aus Rüstungsexporten ergibt bundesweit mindestens
    1 Milliarde Euro pro Jahr.

Das wäre doch schon mal was!

Mit kollegialem und kämpferischen Gruß

für die DKP in NRW

Peter Lommes, Sprecher der DKP Rheinland-Westfalen

0

Uniklinikvorstand verweigert jeden Dialog –
Ausweitung der Streiks in nächster Woche

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) hat Beschäftigte der Uniklinik in Düsseldorf und der Tochtergesellschaften UKM und GKD für Dienstag und Mittwoch (24./25.10.) erneut zu einen 48-stündigen Warnstreik aufrufen.

„Der Vorstand der Uniklinik hat unser erneutes Angebot von Notdienstverhandlungen wiederum ausgeschlagen und ist nicht zu Tarifgesprächen über eine Entlastung der Beschäftigten bereit.“ bedauert Jan von Hagen, ver.di-Krankenhaussekretär in NRW. „Das die Geschäftsführung nun aktiv versucht, Beschäftigte unter Druck zu setzen und zeitgleich die Belastungssituation kleinredet, wird zu einer größeren Streikbeteiligung führen. Die Beschäftigten sind wirklich sauer,“ so von Hagen.

Da es keine Notdienstvereinbarung gibt, wird ver.di den Arbeitgeber sehr frühzeitig auf Bereiche hinweisen, in denen viele Beschäftigte dem Streikaufruf folgen werden. Der Arbeitgeber hat auf diese Weise den notwendigen Vorlauf, um geplante Operationen und Patientenaufnahmen zu verschieben. Probleme in der Notfallversorgung an den Streiktagen können so ausgeschlossen werden. Logistisch ist es möglich, die betroffenen Patienten frühzeitig zu informieren und Stationen zu schließen, in denen die Versorgung nicht aufrechterhalten werden kann. „Sollten solche Maßnahmen trotz der frühzeitigen Ankündigung nicht durchgeführt werden, trägt die Verantwortung allein der Vorstand der Uniklinik. Uns haben Briefe von Patienten erreicht, die erst in der Klinik erfahren haben, dass ihre OP nicht stattfinden kann. Ver.di empfiehlt darum, bei der Klinikleitung anzufragen, ob geplante Operationen stattfinden können.“

„Wir hoffen sehr, dass die Klinikleitung die Beschäftigten nicht weiter vor den Kopf stößt und endlich beginnt, gemeinsam mit ver.di nach Lösungen zu suchen. Die Belastungssituation ist objektiv nicht mehr zu tolerieren. In anderen Krankenhäusern, die die Gewerkschaft bundesweit zu Verhandlungen über einen Tarifvertrag Entlastung aufgefordert hat, konnten die Streiks mittlerweile überwiegend ausgesetzt werden, weil die Arbeitgeber zu Gesprächen bereit sind.“, berichtet Martin Koerbel-Landwehr, Mitglied der Bundestarifkommission von ver.di für den Öffentlichen Dienst und Personalratsvorsitzender an der Uniklinik Düsseldorf.

ver.di NRW
Düsseldorf, 20. Oktober 2017

Seite 2 von 8312345...102030...Letzte »