Nachrichten
Zeige alle Artikel in Kultur & Geschichte
0

Blutige Rache

Gegen die Okkupation Italiens durch die Hitlerwehrmacht leisteten etwa 200.000 Soldaten und Offiziere Widerstand. Zehntausende von ihnen wurden nach der Gefangennahme ermordet.

Wehrmacht ItalienNach dem Sturz Mussolinis im Juli 1943 und der Bekanntgabe eines Waffenstillstands Italiens mit den Alliierten am 8. September besetzte die Hitlerwehrmacht am selben Tag mit 30 Divisionen Nord- und Mittelitalien und begann, die italienischen Streitkräfte zu entwaffnen. Etwa 200.000 italienische Soldaten und Offiziere, darunter Teile einer Armee und über zehn Divisionen widersetzten sich in Italien sowie auf dem Balkan und Korsika in zum Teil über zwei Monate dauernden erbitterten Kämpfen der Entwaffnung.

In Rom bezogen vier Divisionen Stellung gegen die deutschen Truppen. An ihrer Seite zogen bereits die ersten Kommunisten an der Porta San Paolo ins Gefecht. General Eisenhower, der Oberkommandierende im Mittelmeer, der versprochen hatte, zu ihrer Unterstützung die 82. US-Luftlandedivision abzusetzen, brach sein Versprechen und die Italiener stellten nach vier Tagen den Kampf ein. Die italienischen Kriegsschiffe liefen von verschiedenen Häfen nach Malta aus. Der Kommandant des Schlachtschiffes „Roma“, Admiral Bergamini, weigerte sich auf der Höhe von Maddalena angesichts deutscher Luftangriffe zu kapitulieren und ging mit 1.500 Mann der Besatzung unter.
Den Flottenstützpunkt auf der Insel Leros des Dodekanes verteidigte die italienische Besatzung zusammen mit britischen Truppen bis zum 16. November und fügte den Wehrmachtstruppen schwere Verluste zu. Bis zum 22. November hielt die italienische Division „Cuneo“ zusammen mit Briten und Griechen die griechische Insel Samos in der Ägäis, bevor sie sich auf das türkische Festland zurückzogen.
Nach der Kapitulation der Italiener nahm die Hitlerwehrmacht blutige Rache. Zusammen mit Feldmarschall Kesselring, dem Oberbefehlshaber im Mittelmeerraum, organisierte Feldmarschall Erwin Rommel, Befehlshaber der Heeresgruppe B in Italien, die blutigen Massaker. Kesselring befahl gegenüber den früheren Verbündeten „rücksichtsloses Vorgehen“ und „gegen Verräter keine Schonung“. Ein britisches Militärgericht verurteilte ihn nach dem Krieg unter anderem wegen der Kriegsverbrechen in Italien.

Feldmarschall Rommels kriegsverbrecherische Weisung

Rommel, der noch heute auf der Traditionsliste der Bundeswehr steht, stand Kesselring in nichts nach. Er, von dem Goebbels sagte, „kaum ein General ist so durchdrungen von der Wichtigkeit des Propagandaeinsatzes“, unterschrieb eine kriegsverbrecherische Weisung folgenden Inhalts: „Irgendwelche sentimentalen Hemmungen des deutschen Soldaten gegenüber Badogliohörigen Banden in der Uniform des ehemaligen Waffenkameraden sind völlig unangebracht. Wer von diesen gegen den deutschen Soldaten kämpft, hat jedes Anrecht auf Schonung verloren und ist mit der Härte zu behandeln, die dem Gesindel gebührt, das plötzlich seine Waffen gegen seinen Freund wendet. Diese Auffassung muss beschleunigt Allgemeingut aller deutschen Truppen werden.“

Die Mordtaten der Gebirgsjägerdivision „Edelweiß“

Hunderttausende italienische Soldaten bezahlten ihren Widerstand gegen die Okkupation mit dem Tod oder der Deportation nach Deutschland. In Italien wurden 11.482 gefangene Soldaten und Offiziere ermordet, darunter fast alle Kommandeure, mehrere im Generalsrang. Besonders erbitterte Kämpfe fanden auf der griechischen Insel Kephallonia statt, wo die Infanteriedivision „Acqui“ mehrere Tage die Angriffe der Wehrmachtstruppen immer wieder abwehrte. Erst den nach Kephallonia verschifften Einheiten der 1. Gebirgsjägerdivision „Edelweiß“ gelang es mit massiver Luftunterstützung und überlegener Artillerie den Widerstand der geschwächten Italiener vom 20. bis 22. September zu brechen. In Gefangenschaft wurden danach von den Gebirgsjägern der Divisionskommandeur und 150 Offiziere sowie 4.750 Mann niedergemetzelt.
Gerhard Schreiber, einer der renommiertesten deutschen Militärhistoriker, führte in seinem Buch „Deutsche Kriegsverbrechen in Italien“ (München 1996) Beispiele an, wie die Weisungen Kesselrings und Rommels ausgeführt wurden. Der Kommandeur der Division Perugia, General Ernesto Chiminello, dessen Einheiten die süditalienische Hafenstadt Sarande verteidigt hatten, wurde mit 120 seiner Offiziere, nachdem sie den Kampf eingestellt hatten, bestialisch umgebracht. Nach Augenzeugenberichten enthauptete man zahlreiche Offiziere vor versammelter Truppe. Der vom Körper getrennte Kopf des Generals wurde wie eine „blutige Trophäe“ zur Schau gestellt. 60 der ermordeten Offiziere seien in Säcke eingenäht und im Meer versenkt worden. Schreiber hält fest, dass „die Erschießung kriegsgefangener Offiziere sich nur als Mord bezeichnen lässt“ und es sich „stets und zweifelsfrei um ein Verbrechen“ handelte. Er verweist auf den internationalen Militärgerichtshof in Nürnberg, der feststellte, die italienischen Truppen, die sich der Entwaffnung durch die Wehrmacht widersetzten, „erfüllten hinsichtlich ihres Status als Kriegführende alle Bedingungen der Haager Konvention“. Als sich die über 600.000 in Gefangenschaft nach Deutschland verbrachten italienischen Soldaten überwiegend weigerten, in Mussolinis Salò-Republik an der Seite der Wehrmacht weiter zu kämpfen, wurden 30.000 von ihnen umgebracht und über 60.000 in Konzentrationslager verschleppt.

Der Terror des hitlerfaschistischen Besatzungsregimes machte auch weiterhin vor italienischen Militärs und selbst Mitgliedern der Königsfamilie nicht halt. Zu den im März 1944 in den Ardeatinischen Höhlen bei Rom Ermordeten gehörten die Generale Simoni, Fenulli und Castaldi sowie der Oberst Montezemolo, die antifaschistische Positionen bezogen hatten. Um sich an Vittorio Emanuele zu rächen, ließ Hitler dessen Tochter Marfalda von Savoyen in die deutsche Botschaft in Rom locken und festnehmen. Sie wurde in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt, wo sie ums Leben kam.

Unbeschadet Karriere in der Bundeswehr fortgesetzt

Zahlreiche der als Kriegsverbrecher verurteilten oder daran beteiligten Wehrmachtsoffiziere konnten ihre Karriere unbeschadet in der Bundeswehr oder anderswo fortsetzen. Karl Wilhelm Thilo, erster Generalstabsoffizier der 1. Gebirgsdivision „Edelweiß“, eines Eliteverbands der Hitlerwehrmacht, der nach Gründung der Bundeswehr sofort unter demselben Namen übernommen wurde, schaffte es in der neuen Wehrmacht zum Drei-Sterne-General. Major Reinhold Klebe, unter dessen Kommando in Kephallonia, wie in Schreibers Buch nachzulesen ist, 400 Gefangene ermordet wurden, brachte es in der Bundeswehr als Oberstleutnant bis zum Standortältesten von Mittenwald. In der Zeitschrift „Die Gebirgstruppe“ konnte er den Einsatz in Kephallonia „als eine große Leistung deutscher Truppen im Gebirgskrieg“ rühmen. Der kommandierende General des XXII. Gebirgsjägerkorps, zu dem die „Edelweiß“-Division gehörte, Hubert Lanz, wurde in Nürnberg als Kriegsverbrecher zu zwölf Jahren verurteilt, von denen er nur fünf verbüßte. Er wurde sicherheitspolitischer Berater der FDP. Wie unzählige in der Hitlerwehrmacht Verantwortliche für Kriegsverbrechen gingen auch die Gebirgsjäger straffrei aus. Zwar wurde gegen rund 300 Täter aus ihren Reihen ermittelt, aber schon 1972 sämtliche Verfahren eingestellt.

Gerhard Feldbauer

0

 

Klaus von Raussendorffs Beitrag stellt 7 Thesen auf, die nicht nur für organisierte Freidenker, sondern auch für jeden Praktiker einer kommunistischen Partei zum Rüstzeug für ideologische und andere Kämpfe gehören. Ohne eine solche geistige Bewaffnung, ohne Übung im Umgang damit, wäre eine Freidenkerbewegung, und genau so eine proletarische Partei allen möglichen Fallen ausgesetzt. Deshalb lohnt es sich, darüber tief genug nachzudenken und Militanz am richtigen Ort zu entfalten.

1.Marxistische Religionskritik ist wesentlich revolutionär und bildet wie marxistische Theorie überhaupt eine dialektische Einheit mit der Praxis des politischen Kampfes für Demokratie und Sozialismus.
2.Indem der Mensch sich als Schöpfer seiner Lebensverhältnisse erfährt, wird die Gottesfrage praktisch unmöglich.
3.Die marxistische Kritik der Religion ist Element der allgemeinen Kritik aller Formen eines „verkehrten“ gesellschaftlichen Bewusstseins.
4.Religion: „Seufzer“ – „Protestation“ – „Opium“.
5.Die klassische Methode der materialistischen Religionskritik besteht in der Erklärung der religiösen Erscheinungen aus den jeweils konkreten Lebensverhältnissen.
6.Die Religion hat Wurzeln im Denken und Wollen des Menschen. Sie „verschwindet“ nicht, sondern wird in anderen Formen des gesellschaftlichen Bewusstseins „aufgehoben“.
7.Der politische Kampf für Frieden und Demokratie erfordert das politische Zusammengehen von Materialisten und Glaubenden.

——————————————————————————–

Unsere Religionskritik ist Gesellschaftskritik

Von Klaus von Raussendorff

Religion ist eine Form des gesellschaftlichen Bewusstseins, die weltweit in einer verwirrenden Vielfalt in Erscheinung tritt. Einerseits suchen Milliarden Gläubige in dieser verkehrten kapitalistischen Welt in religiösen Vorstellungen geistige Orientierung und moralischen Rückhalt. Andererseits ist Religion nicht nur Vertröstungsmittel. Sie motiviert auch fortschrittliche politische Kämpfe. Dies haben in neuerer Zeit Christen beider Konfessionen im Widerstand gegen den Faschismus gezeigt. Auch die christliche Befreiungstheologie wird als emanzipatorische Bewegung gewürdigt. Eine vergleichbare Legitimität wird dem politischen Islam im Westen vielfach verweigert.Die angeblich aufgeklärte, säkulare Welt des Westens sieht sich bedroht. Kritisiert wird angeblich „Fundamentalismus jeglicher Art“. Konkret gemeint ist meist der muslimische Widerstand gegen Invasion und Besatzung durch NATO-Mächte.

Deutschland ist ein weitgehend säkulares Land. Ein Viertel der Bevölkerung bezeichnet sich als konfessionslos. Da taugt die früher übliche Verklärung des christlichen Abendlands nur noch wenig zur propagandistischen Überhöhung der „deutschen Verantwortung in der Welt“. Heute soll das Vormachtstreben der hochkapitalistischen Länder mit der weltweiten, auch militärischen, Durchsetzung von „Menschenrechten“ gerechtfertigt werden. Der außenpolitischen Aggressivität entspricht ein krasser Irrationalismus. Neben säkularen Formen der ideologischen Bearbeitung der Massen ist wie zu allen Zeiten Religion immer noch ein massenwirksames Mittel der Entmündigung und Gängelung breiter Bevölkerungsschichten.

All diese Erscheinungen, die in den Medien berichtet und durch Religionswissenschaft, Religionsgeschichte und Religionssoziologie wissenschaftlich erforscht werden, sind Gegenstand marxistischer Religionskritik.Religionskritik ist nicht mit Atheismus identisch. Sie gibt es auch innerhalb der religiösen Systeme, z.B. im Judentum, Christentum, Islam etc. Dort tritt sie als „Dissidenz“, „Reformation“, „Erneuerung“ etc. in Erscheinung. Ferner gibt es im Dialog zwischen den religiösen Systemen, der vorgeblich dem „Frieden in der Welt“ dient, ein unvermeidbares Element der kritischen Distanzierung von anderen und der Profilierung der eigenen Gruppenidentität, wie beispielhaft vom Papst in seiner skandalträchtigen Regensburger Rede vorgeführt.

Gerade auch diese innerreligiösen Differenzierungen sind Gegenstand marxistischer Religionskritik. Ihre Methode ist konsequent materialistisch. Sie geht von der realen gesellschaftlichen Entwicklung aus und sieht diese als letztlich bestimmend dafür an, wie sich die Formen der Religion entwickeln. Die Herangehensweise an all diese Phänomene auf der Grundlage des Historischen soll in folgenden sieben Thesen beschrieben werden.

1.Marxistische Religionskritik ist wesentlich revolutionär und bildet wie marxistische Theorie überhaupt eine dialektische Einheit mit der Praxis des politischen Kampfes für Demokratie und Sozialismus.

In der 1843 – 44 entstandenen Schrift „Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung“ formuliert der junge Marx die oft zitierte Erkenntnis: „Die Kritik der Religion endet mit der Lehre, daß der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei, also mit dem kategorischen Imperativ, alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist.“ (Hegels Rechtsphilosophie, Einleitung MEW 1/385)

Religionskritik leitet für Marx also unmittelbar in ein Programm revolutionärer politischer Praxis über und bildet wie alle spätere marxistische Theorie mit der revolutionären Praxis eine dialektische Einheit. In den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts entwickeln Marx und Engels ihren philosophisch-materialistische Begriff der Praxis insbesondere in der Auseinandersetzung über die Kritik der Religion mit den Junghegelianern (David Friedrich Strauss, Bruno Bauer, Max Stirner u.a.), die „meinten, dass die christliche Religion und die mit ihr verbundenen Ideen die entscheidende Ursache für die damals in Deutschland herrschenden reaktionären gesellschaftlichen Zustände seien. Sie schlussfolgerten, dass allein oder doch in erster Linie eine Kritik dieser Ideen notwendig sei, um die gegebenen gesellschaftlich-politischen Verhältnisse verändern zu können. (…) Marx und Engels waren durch ihre persönliche Kenntnis des Volkskampfes gegen die feudale und kapitalistische Ausbeutung und Unterdrückung sowie besonders durch ihre Parteinahme für das Proletariat auf die tatsächlichen Ursachen der gesellschaftlichen Entwicklung gestoßen.“ (Dieter Wittich, Art. „Praxis“ in Georg Klaus/Manfred Buhr, Philosophisches Wörterbuch , Leipzig, 1969, Bd. 2, 865-866)

2.Indem der Mensch sich als Schöpfer seiner Lebensverhältnisse erfährt, wird die Gottesfrage praktisch unmöglich.Atheismus hat keinen Sinn mehr.

Sozialismus ist positives, nicht mehr durch Negation der Gottesvorstellung vermitteltes Selbstbewusstsein des Menschen. Bahnbrechend für die Entwicklung des historischen Materialismus waren in jener Zeit Ludwig Feuerbachs Untersuchungen über das Wesen der Religion und das Wesen des Christentums.

Feuerbach überwandt die Auffassung des bürgerlichen Rationalismus des 18. Jahrhunderts, der in der Religion nichts als Unwissenheit, Irrtum oder betrügerische Vorspiegelung sah.Für Feuerbach ist Religion eine Projektion des Wesens des Menschen. „Gott, so meint Feuerbach, ist nichts weiter als eine Schöpfung des Menschen selbst, ist Ausdruck seiner Abhängigkeit und seiner Ohnmacht gegenüber den Geschehnissen in der Natur.In der Phantasiegestalt Gottes idealisiert der Mensch sein eigenes Wollen und eigenes Tun und erwartet dann von seiner eigenen Schöpfung Hilfe.“ So der marxistische Religionswissenschaftler Fritz Schiff.

Damit habe, so Schiff weiter, Feuerbach „die Frage der Existenz Gottes zum ersten Male dem Streit zwischen gläubigen und ungläubigen Metaphysikern entzogen und ihr in seiner ‚Menschkunde‘, seiner ,Anthropologie‘ eine wissenschaftliche Grundlage gegeben…“ (Fritz Schiff: Die Wandlungen der Gottesvorstellung, Urania-Freidenker-Verlag, Jena, 1931, S. 71) (ebenda) An Feuerbach kritisch anschließend und dessen Erkenntnisse weiterführend, hebt dann Marx den Gedanken hervor, dass die Wirklichkeit nicht wie bei Feuerbach nur „subjektiv“, „unter der Form des Objekts oder der Anschauung gefaßt“ werden muss, sondern gesellschaftlich „als menschliche sinnliche Tätigkeit“, als gesellschaftliche „Praxis“. (Karl Marx, Thesen über Feuerbach, MEW 3/533 ff. Dietz Verlag Berlin, 1969)

Schon in der Antike gibt es religionskritische Einsichten. Und Gottlosigkeit, also Atheismus, der mit Religionskritik begrifflich nicht identisch ist, ist vermutlich so alt wie Religion selbst. Aber erst mit dem industriellen Kapitalismus reift ein tieferes Verständnis des Wesens des Menschen und der Religion.Über die entscheidende Voraussetzung dafür macht Marx eine wichtige Bemerkung in einer Fußnote im „Kapital“: „Die Technologie“, so Marx, „enthüllt das aktive Verhalten des Menschen zur Natur, den unmittelbaren Produktionsprozeß seines Lebens, damit auch seiner gesellschaftlichen Lebensverhältnisse und der ihnen entquellenden geistigen Vorstellungen.“ (Kapital I MEW 23/ 393, Fußn. 89)

Erst mit dem Aufkommen des modernen Proletariats, des Betreibers des gigantischen Maschinenwesen des Kapitalismus, reift die volle Erkenntnis, dass die „Weltgeschichte nichts anders ist als die Erzeugung des Menschen durch die menschliche Arbeit, als das Werden der Natur für den Menschen.“ Durch seinen „Entstehungsprozess“ ist der Mensch sich selbst „als Dasein der Natur… (und)… die Natur für den Menschen als Dasein des Menschen praktisch, sinnlich anschaubar geworden.“ Damit ist „die Frage nach einem fremden Wesen, nach einem Wesen über der Natur und dem Menschen … praktisch unmöglich geworden.“Daraus folgt für Marx: „Der Atheismus… hat keinen Sinn mehr, denn der Atheismus ist eine Negation des Gottes und setzt durch diese Negation das Dasein des Menschen; aber der Sozialismus … ist positives, nicht mehr durch die Aufhebung der Religion vermitteltes Selbstbewusstsein des Menschen.“ (Philos.-ökonom. Manuskripte MEW 40/546) Später wird Friedrich Engels in einem Brief an Eduard Bernstein vom Juli 1884 schreiben: „….und daß Atheismus nur eine Negation ausdrückt, haben wir selbst schon vor 40 Jahren … gesagt, nur mit dem Zusatz, daß der Atheismus als bloße Negation der Religion und stets sich auf Religion beziehend, ohne sie selbst nichts, und daher selbst noch eine Religion ist.“Und im Jahre 1874 beschreibt Engels die religionslose Mentalität deutscher Arbeiter so:„Von der großen Mehrzahl der deutschen sozialdemokratischen Arbeiter kann man sogar sagen, daß der Atheismus bei ihnen sich schon überlebt hat; dies rein negative Wort hat auf sie keine Anwendung mehr, indem sie nicht mehr in einem theoretischen, sondern nur noch in einem praktischen Gegensatz zum Gottesglauben stehn: Sie sind mit Gott einfach fertig, sie leben und denken in der wirklichen Welt und sind daher Materialisten.“ (Hans Lutter, Warum es keinen „Wissenschaftlichen Atheismus“ geben kann; in: Freidenker 1-08 März 2008, S.17-18)

3.Die marxistische Kritik der Religion ist Element der allgemeinen Kritik aller Formen eines „verkehrten“ gesellschaftlichen Bewusstseins.

Wenn Marx feststellt: „Für Deutschland ist die Kritik der Religion im wesentlichen beendigt, und die Kritik der Religion ist die Voraussetzung aller Kritik.“ (Hegels Rechtsphilosophie Einleitung MEW 1/378)“, so fordert er damit, das methodische Vorgehen der Religionskritik auf alle Erscheinungen der Ideologie und des gesellschaftlichen Überbaus anzuwenden. Die anthropologische Projektionstheorie Feuerbachs versucht, wie Marx feststellt, „das religiöse Wesen in das menschliche Wesen aufzulösen“.

Das Neue bei Marx ist, dass er fordert, die Verdopplung der Welt in eine weltliche und eine religiöse „aus der Selbstzerrissenheit und (dem) Sichselbstwidersprechen dieser weltlichen Grundlage zu erklären“ (Vierte Feuerbach-These MEW 3/6). Für Marx gilt es: „Nachdem die Heiligengestalt der menschlichen Selbstentfremdung entlarvt ist, die Selbstentfremdung in ihren unheiligen Gestalten zu entlarven. Die Kritik des Himmels verwandelt sich damit in die Kritik der Erde, die Kritik der Religion in die Kritik des Rechts, die Kritik der Theologie in die Kritik der Politik.“ (Hegels Rechtsphilosophie Einleitung MEW 1/379)

Von der Kritik der Religion ausgehend, gelangt Marx zur Wurzel des Entfremdungsprozesses in der bürgerlichen Ökonomie: „Der Gegenstand, den die Arbeit produziert, ihr Produkt, tritt ihr als ein fremdes Wesen, als eine von dem Produzenten unabhängige Macht gegenüber.“ (Philos.-ökonom. Manuskripte MEW 40/511) Staat und Gesellschaft „produzieren die Religion“ als „ein verkehrtes Weltbewusstsein“, und zwar weil sie selbst „eine verkehrte Welt sind“. (Hegels Rechtsphilosophie Einleitung MEW 1/378) „Die religiöse Entfremdung als solche geht nur in dem Gebiet des Bewußtseins des menschlichen Innern vor, aber die ökonomische Entfremdung ist die des wirklichen Lebens.“ Die reale Selbstentfremdung betrifft alle Formen der gesellschaftlichen Praxis: „Religion, Familie, Staat, Recht, Moral, Wissenschaft, Kunst etc. sind nur besondere Weisen der Produktion und fallen alle unter ihr allgemeines Gesetz.“ (Philos.-ökonom. Manuskripte MEW 40/537)

Religion ist für Marx überall, wo „die Anerkennung des Menschen auf einem Umweg, durch einen Mittler“ erfolgt. Selbst wenn der Mensch „durch die Vermittlung des Staates sich als Atheisten erklärt“, (Judenfrage, MEW 1/353) entgeht er nicht der „Mystifikation der kapitalistischen Produktionsweise“, der „ökonomischen Trinität“, bestehend aus den „entfremdeten und irrationalen Formen von Kapital-Zins, Boden-Rente, Arbeit-Arbeitslohn“. Er unterliegt der „Personifizierung der Sachen und der Versachlichung der Produktionsverhältnisse.“ Wo das Kapital herrscht, herrscht die kapitalistische „Religion des Alltagslebens“. (Kapital III MEW 25/838).

4.Religion: „Seufzer“ – „Protestation“ – „Opium“.

Was also ist Religion? Die Antwort, die die marxistische Religionskritik zu geben vermag, beruht, wie bisher ausgeführt, auf einer Partei ergreifenden, revolutionären Herangehensweise (Ziffer 1), auf der Überwindung des Atheismus als einer von der Leugnung Gottes abhängigen, quasi-religiösen Ideologie (Ziffer 2) und auf der Aufdeckung der Wurzeln religiöser Entfremdung des Menschen in der kapitalistischen Ökonomie (Ziffer 3).

Nur auf dieser Grundlage und in diesem Zusammenhang erschließt sich die differenzierte Auffassung der Religion, die der junge Marx in den folgenden oft zitierten Sätzen skizziert hat: „Der Mensch macht die Religion, die Religion macht nicht den Menschen… Der Mensch, das ist die Welt des Menschen, Staat, Sozietät. Dieser Staat, diese Sozietät produzieren die Religion, ein verkehrtes Weltbewußtsein, weil sie eine verkehrte Welt sind…. Sie ist die phantastische Verwirklichung des menschlichen Wesens, weil das menschliche Wesen keine wahre Wirklichkeit besitzt. Der Kampf gegen die Religion ist also mittelbar der Kampf gegen jene Welt, deren geistiges Aroma die Religion ist. Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend. Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volkes.“ (Karl Marx, Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie, MEW 1/378)

5.Die klassische Methode der materialistischen Religionskritik besteht in der Erklärung der religiösen Erscheinungen aus den jeweils konkreten Lebensverhältnissen.

Dass in der Religionskritik eine konsequent materialistische Methode anzuwenden ist, wurde eingangs bereits erwähnt. Marx unterscheidet in der schon erwähnten Fußnote im „Kapital“ zwei Methoden materialistischer Religionsanalyse, von denen er nur die eine als wirklich wissenschaftlich anerkennt. Als „unkritisch“ charakterisiert er eine „Religionsgeschichte“, die von der „materiellen Basis“ vom „unmittelbaren Produktionsprozess“ des menschlichen Lebens abstrahiert. Marx wendet sich gegen die „abstrakten und ideologischen Vorstellungen“ eines ungeschichtlichen „naturwissenschaftlichen Materialismus, der den geschichtlichen Prozess ausschließt“.

Statt der Methode, die „durch Analyse den irdischen Kern der religiösen Nebelbildungen“ aufspürt, besteht für Marx „die einzig materialistische und daher wissenschaftliche Methode“ darin, „umgekehrt, aus den jedesmaligen wirklichen Lebensverhältnissen ihre verhimmelten Formen zu entwickeln.“ (Kapital I MEW 23/ 393, Fußn. 89)

Bei der Anwendung dieser Methode auf die heutige Welt muss berücksichtigt werden, dass sich der Kapitalismus vollständig zu einem Weltsystem entwickelt hat, wie Marx und Engels bereits im Manifest der kommunistischen Partei von 1848 mit den Worten prognostizierten: „Die große Industrie hat den Weltmarkt hergestellt. (…) An die Stelle der alten lokalen und nationalen Selbstgenügsamkeit und Abgeschlossenheit tritt ein allseitiger Verkehr, eine allseitige Abhängigkeit der Nationen voneinander.“ (MEW 4/ 463, 466).

Daher ist heute die Entwicklung der internationalen Politik, die Stellung der Nationen im internationalen Staatensystem und in der Weltwirtschaft in Betracht zu ziehen, wenn man die Kritik der religiösen Erscheinungen nach der Methode von Marx aus den heutigen „wirklichen Lebensverhältnissen“ entwickeln will.

Dann erscheinen religiöse Strömungen unter dem Aspekt ihrer politischen Funktion im kapitalistischen Weltsystem: Der evangelikale Fundamentalismus der USA als Ideologie imperialistischer Weltherrschaft, die Politik des Vatikans als ideologische Dienstleistung für die kapitalistische „Globalisierung“, die Klerikalisierung des – aus Sicht des Judaismus als unjüdisch kritisierten – Zionismus als Ideologie des zionistischen Siedlerkolonialismus, der Wahabismus- Salafismus als Ideologie des Vormachtstrebens Saudi Arabiens in der muslimischen Welt, das staatshörige Kirchenwesen Deutschlands als ideologischer Stützpfeiler der „deutschen Verantwortung in der Welt.“

In demselben weltpolitischen Zusammenhang wird auch der ideologische Atheismus zum Gegenstand marxistischer Religionskritik, wenn er „säkularer“ Vorherrschaft des Westens das Wort redet oder gar im „Krieg gegen den Terror“ die anti-islamische Hetze durch „religionskritische“ Beiträge bereichert.

6.Die Religion hat Wurzeln im Denken und Wollen des Menschen. Sie „verschwindet“ nicht, sondern wird in anderen Formen des gesellschaftlichen Bewusstseins „aufgehoben“.

Religion hat, wie erwähnt (Ziffer 3) ökonomische Wurzeln in der kapitalistischen Entfremdung der Arbeit. Sie legitimiert Politik der herrschenden Klassen (Ziffer 5). Ist daraus nun zu schließen, dass Religion in dem Maße „verschwindet“, wie das Maschinensystem in Gemeineigentum überführt und die Produktion gesamtwirtschaftlich unter demokratischer Kontrolle geplant wird, d.h. Ausbeutung und Klassenherrschaft überwunden werden?

Hier ist zu bedenken, dass Religion nicht ausschließlich auf materiell gesellschaftlichen Ursachen beruht.Die Religion hat, ähnlich dem philosophischen Idealismus, auch erkenntnistheoretische (gnoseologische) Wurzeln, wie der marxistische Philosoph R.O. Gropp anschaulich darstellt: „Da alles, was den Menschen in seinem Verhalten zur Umwelt bestimmt, in irgendeiner Form durch seinen Kopf hindurchgeht und hier als Gefühl, Gedanke und Wille bewusst wird, so liegt schon darin die Möglichkeit, dass er sein Denken und Wollen als den eigentlichen Ausgangspunkt seines Handelns ansieht, und es liegt nahe, dass er dementsprechend auch die Vorgänge in der Natur als Handlungen bzw. Wirkungen irgendwelcher geistiger Wesen oder eines allgemeinen ‚Weltwillens‘ und dergleichen betrachtet.“ (R.O. Gropp, Grundlagen des dialektischen Materialismus, Berlin, 1970, S. 19-20)

Insbesondere Lenin hat diese gnoseologischen Wurzeln des philosophischen Idealismus und der Religion betont. Er bemerkt in seinem philosophischen Werk „Empiriokritizismus und Materialismus“: „…Zeichen oder Symbole sind auch in bezug auf eingebildete Gegenstände durchaus möglich, und jeder kennt Beispiele solcher Zeichen und Symbole.“ (LW 14/233) Das bedeutet, dass auch unter ausbeutungsfreien Gesellschaftsverhältnissen die Fähigkeit des Menschen nicht aufhören wird, Zeichen und Symbole im Bezug auf Gegenstände zu schaffen, die mit wirklichen Dingen nur eine eingebildete, fantastische Ähnlichkeit haben. Wie Lenin hervorhebt, sind auch religiöse Vorstellungen von der Erkenntnis der wirklichen Welt nicht völlig losgelöst: „….das Pfaffentum (= philosophischer Idealismus),“ so Lenin, „besitzt natürlich erkenntnistheoretische Wurzeln, ist nicht ohne Boden, es ist zwar unstreitig eine taube Blüte, aber eine taube Blüte, die wächst am lebendigen Baum der lebendigen, fruchtbaren, wahren, machtvollen, allgewaltigen, objektiven, absoluten menschlichen Erkenntnis.“ (LW 38/344)

Auch die sozialistische Arbeiterbewegung und die Befreiungsbewegungen haben sich Symbole kollektiven Bewusstseins geschaffen: „Rote Fahne“, „Roter Stern“, „Hammer und Sichel“, „Personenkult“ (Che Guevara) etc. Niemand würde auf den Gedanken kommen, diese Symbole und den Glauben an eine schon auf Erden befreite Menschheit für außermenschlichen Ursprungs zu halten. Dennoch wird dem Kommunismus von seinen Gegnern gelegentlich vorgeworfen, nicht nur gottlos, soll heißen, unmoralisch zu sein.Wo es auf irrationale Widersprüche nicht ankommt, ist auch der gegenteilige Vorwurf recht: Der Kommunismus sei eine neue Religion, ja sogar eine Kirche.

Dem hat der italienische Arbeiterführer Palmiro Togliatti (1893-1964) schon vor Jahrzehnten entgegengehalten:„Das ist wahr in dem Sinne, dass wir einen Glauben haben, das heißt die Gewissheit, dass die sozialistische Umgestaltung der Gesellschaft, für die wir kämpfen, nicht nur eine Notwendigkeit ist, sondern eine Aufgabe, für die sich – mit der Gewissheit des Erfolges – der beste Teil der Menschheit einsetzt. Wir glauben, dass der Mensch Herr der Natur werden muss, was eine biblische Aufgabe ist, die von Gott selbst in der Schöpfungsgeschichte gestellt wurde. …Wir behaupten aber, dass der Mensch auch Herr der Gesellschaft und ihrer Entwicklung werden muss, indem er sie der Herrschaft des Egoismus, der Willkür, der Gewalttätigkeit, der Ausbeutung entzieht. Er muss eine Gesellschaft in der Dimension seiner eigenen Freiheit schaffen. Nur so kann man, glaube ich, zu jener vollen Entwicklung der menschlichen Persönlichkeit kommen, die das Ziel der gesamten Menschheitsgeschichte ist. Man kann daher sagen, dass unsere Überzeugung, wenn man so will, eine vollständige Religion vom Menschen ist. Für den Gläubigen muss außer der Natur und dem Menschen das Übernatürliche eingreifen, ohne das jedes menschliche Gebäude auf Sand gebaut ist… Aber hier fängt die philosophische Diskussion an, die wir nicht beginnen wollen.“ (Palmiro Togliatti, Ausgewählte Reden und Aufsätze, Berlin 1977, S. 683-684)

Eine andere Frage ist, welche Zukunft die Religion hat. Laut philosophischem Wörterbuch bedeutet Religion im Wortsinne: „Verehrung, heiliges Versprechen, Kult“. Religion ist, so das Lexikon: „Form des gesellschaftlichen Bewusstseins mit Weltanschauungscharakter, deren Besonderheit in einer verzerrten, verkehrten Widerspiegelung der Natur und Gesellschaft im Bewusstsein der Menschen besteht, dergestalt, dass die Erscheinungen der Natur und Gesellschaft auf übernatürliche Ursachen und Zwecke zurückgeführt bzw. als übernatürliche Vorgänge und Mächte vorgestellt werden, zu denen die Menschen in einem unmittelbaren Abhängigkeitsverhältnis stehen und denen gegenüber sie sich zu ihrem Wohle zum Vollzug bestimmter Handlungen (wie Gebete, Opfer, Kult, Ritus usw.) verpflichtet fühlen,“ (Werner Schuffenhauer, Art. „Religion“ In: Georg Klaus, Manfred Buhr, Philosophisches Wörterbuch, Bd. 2, S. 939) Wie wir oben aber gesehen haben, betrachtet Marx alle Formen der gesellschaftlichen Praxis, „Religion, Familie, Staat, Recht, Moral, Wissenschaft, Kunst etc.“, als „nur besondere Weisen der Produktion“. Und er betont: sie „fallen alle unter ihr allgemeines Gesetz.“

Dieses Gesetz ist die „selbstzerrissene“ Wirklichkeit, die mit Notwendigkeit „verzerrtes“, „verkehrtes“ Bewusstsein hervorbringt. Insofern ist im Vergleich mit anderen Formen des gesellschaftlichen Bewusstseins die in der Lexikon-Definition hervorgehobene „Besonderheit“ des religiösen Bewusstseins nur eine relative. Das eigentlich Besondere des religiösen Bewusstseins besteht darin, dass es sich selbst ausdrücklich als durch übernatürliche Vorgänge und Mächte bewirkt und von diesen abhängig begreift. Dies ist in der Regel bei anderen Formen des gesellschaftlichen Bewusstseins nicht der Fall.

Hinter die einmal errungene Erkenntnis, dass Gottesvorstellungen Erfindungen der menschlichen Fantasie sind, führt kein Weg zurück, jedenfalls nicht auf der Basis vernünftigen Denkens. Das bedeutet nicht, dass die Formen und Inhalte des religiösen Bewusstseins spurlos „verschwinden“. Dazu sind sie zu sehr mit Jahrtausenden menschlicher Geschichte verbunden. Sie sind Teil der allgemeinen kulturellen Traditionen der Menschheit und haben nationale Eigentümlichkeiten in je besonderer Weise geprägt. Als symbolische Schöpfungen der Fantasie bleiben sie in anderen Formen des gesellschaftlichen Bewusstseins „aufgehoben“. Sie werden zu „Stoffen“ künstlerischer und gedanklicher Bearbeitung in einem nichtreligiösen, humanen, freigeistigen Sinne.

7.Der politische Kampf für Frieden und Demokratie erfordert das politische Zusammengehen von Materialisten und Glaubenden.

Gegenwärtig hat Religion in vielen Ländern einen Einfluss auf die Politik, der noch vor wenigen Jahrzehnten unvorstellbar schien. Entgegen früheren Annahmen führte das westliche Modell der Modernisierung nicht zu einem angeblich unausweichlichen, gradlinigen Säkularisierungsprozess. Als zu kurzsichtig erwiesen sich Erwartungen, allein schon Kapitalismus, Wissenschaft und Technologie werde eine fortschreitende „Entzauberung“ und „Verdinglichung“ der Welt bewirken, den religiösen Glauben zur Privatsache machen und die Religion aus dem öffentlichen Leben verschwinden lassen.

Gleichwohl handelt es bei dem viel diskutierten „Wiederaufleben der Religion“ nicht um eine Umkehr der langfristigen Tendenz der Verweltlichung des öffentlichen und privaten Lebens. Eher haben wir es wohl mit markanten Ausnahmen von den Säkularisierungstendenzen der Moderne zu tun, und zwar vor allem in USA und Israel sowie in der muslimischen Welt.

In den USA mutierte seit den 70er Jahren der protestantische Fundamentalismus von einer theologischen Strömung zu einer Massenbewegung der äußersten Rechten. In Israel setzte nach dem Sieg von 1967, der theologisch als Wunder und „zweite Geburt“ gedeutet wurde, eine deutliche Klerikalisierung von Staat und Gesellschaft ein. Die islamische Revolution im Iran erfolgte zwölf Jahre später 1979, teilweise als Reaktion auf die israelische Eroberung der heiligen Stätten des Islam in Jerusalem. Hamas trat als Widerstandsbewegung gegen die israelische Besatzung erst mit der Intifada Ende 1988 als einflussreiche politische Kraft in Erscheinung. Der Aufstieg der Hezbollah im Libanon erfolgte im Zuge eines 18jährigen Befreiungskampfes bis zur Vertreibung der israelischen Besatzung aus Südlibanon im Mai 2000.

Internationale Konflikte erwiesen sich in den letzten Jahrzehnten wieder als eine wichtige Ursache für den Faktor Religion in der Politik. Samuel Huntington spricht von „Zusammenprall der Kulturen“ und liefert damit ein viel zitiertes Stichwort zur oberflächlichen Interpretation imperialistischer Gewaltpolitik. Es verdeckt die Klassengegensätze, die in religiöser Form zum Ausdruck kommen. Es verharmlost die säkularen Ideologien, mit denen heute Krieg und Interventionen westlicher Mächte bemäntelt werden. Es negiert die Ideale der französischen Revolution von Gleichheit und Brüderlichkeit. Es bagatellisiert die Botschaft von der Gleichheit aller Menschen, die auch den großen Religionen gemeinsam ist. Materialisten und Glaubende sind gefordert, sich über gemeinsame Ziele des Kampfes für Frieden und Demokratie zu verständigen. Dazu beizutragen ist heute eine der wichtigsten Aufgaben marxistischer Religionskritik. Dabei gilt es einen wichtigen Erfahrungsschatz kritisch aufzuarbeiten.

Nach der Niederlage der faschistischen Regimes und dem Zerfall der Kolonialreiche ergaben sich in vielen Ländern neue „Möglichkeiten für ein Bündnis der revolutionären Arbeitermassen mit breiten Massen von Gläubigen“, wie die Weltkonferenz der kommunistischen und Arbeiterparteien 1969 erklärte. Man ging davon aus, dass im Rahmen „breit angelegter Kontakte und gemeinsamer Aktionen die große Masse der Gläubigen zur aktiven Kraft im antiimperialistischen Kampf und bei tiefgreifenden sozialen Umgestaltungen wird.“ (Internationale Beratung der kommunistischen und Arbeiterparteien Moskau 1969, Berlin 1969, S. 31)

Warum es dennoch nicht im Weltmaßstab zu einem solchen Bündnis kam, muss hier unerörtert bleiben. Halten wir im Rahmen unseres Themas lediglich fest, dass Palmiro Togliatti, der im Hinblick auf die organisierte katholische Welt eine besondere Sensibilität für dieses Thema entwickelte, kurz vor seinem Tode 1964 gewarnt hatte: „Zu diesem Zweck dient uns die alte atheistische Propaganda überhaupt nicht.“Schon Lenin hatte „die Unterordnung des Kampfes gegen die Religion unter den Kampf für den Sozialismus“ gefordert und darauf aufmerksam gemacht, dass sowohl im Kulturkampf in Deutschland als auch im Kampf der bürgerlichen Republikaner Frankreichs gegen den Klerikalismus „die bürgerlichen Regierungen bewusst versuchten, durch einen quasiliberalen ‚Feldzug‘ gegen den Klerikalismus die Aufmerksamkeit der Massen vom Sozialismus abzulenken.“ (W.I. Lenin, Über das Verhältnis der Arbeiterpartei zur Religion (26. Mai 1909) LW 15/412-14) Die damalige deutsche Sozialdemokratie hatte ganz in diesem Sinne reagiert, indem sie einen Redakteur entließ, der auf die antisemitische Propaganda des Hofpredigers Adolph Stoecker, mit der dieser die Arbeiter wieder für Monarchie und Christentum zurückgewinnen wollte, mit der Initiierung einer Kirchenaustrittskampagne antwortete.
(Johann Most – 1846-1906 – war Buchbinder, Redakteur der sozialdemokratischen Zeitung „Die Freiheit“, vor 1878 Reichstagsabgeordneter der SPD, Freidenker; 1883 veröffentlichte er ,Die Gottespest und die Religionsseuche‘; er emigrierte später in die USA; nach Ulrich Nanko, Nationalliberale, sozialistische und völkische Freidenker zwischen 1848 und 1881 – Zur Frühgeschichte des organisierten Atheismus in deutschsprachigen Raum, in: Faber Richard und Susanne Lanwerd (Hrsg.), Atheismus: Ideologie, Philsophie oder Mentalität? Würzburg, Königshausen und Neumann, 2006, S. 183-194)

Im Kalten Krieg stand beim Dialog zwischen Marxisten und Christen nicht zuletzt die Verhinderung des Atomkrieges auf der Tagesordnung, heute stellt der „Krieg gegen den (islamischen) Terror“ und die Hetze gegen den Islam eine besondere Herausforderung für die Friedenskräfte dar.

Quelle: freidenker.org («Freidenker» 2/2009)

Klaus von Raussendorff ist Vorsitzender des Deutschen Freidenkerverbandes (DFV) Bonn/Rhein-Sieg und Referent des Verbandsvorstandes für Internationale Arbeit und Solidarität

_________

Quelle: kommunisten.ch

0

„Die red&queer ist das einzige von Konzernen und Anzeigenkunden unabhängige revolutionäre Queer-Magazin der BRD. Als Korrektiv in der Queer-Community ist die red&queer unverzichtbar!“

Aus der neuen red&queer

Die neue red&queer inzwischen Nummer 28 ist erschienen. Darin enthalten sind u.A. folgende Artikel.

„Die offene faschistische Diktatur entsteht“
„Richard Linsert (fast) vergessen?!“
„Verfolgt, deportiert, erschlagen: §175“
„Das SDAJ-Südcamp“
„Schwuler und homophober Neofaschismus sowie Rechtspopulismus“

Als “Probierhäppchen” bringen wir hier einen sehr kleinen Auszug aus dem dreiseitigen, fast 7.000 Zeichen umfassenden Hauptartikel „Schwuler und homophober Neofaschismus sowie Rechtspopulismus“:

„Homosexualität ist in der neofaschistischen und rechtspopulistischen Szene ein Thema mit heftigen Debatten. (…) Als ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit für Homosexualität in der neofaschistischen Szene kann der Fall Michael Kühnen dienen. Kühnen gehörte in den 1970er und 80er Jahren zu den bedeutendsten Neonazi-Größen in der BRD. Er gründete 1977 den “SA-Sturm Hamburg”, aus dem dann die “Aktionsfront Nationaler Sozialisten – Nationale Aktivisten” (ANS-NA) hervorging, die 1983 verboten wurde. Danach war Kühnen an der Gründung der “Gesinnungsgemeinschaft der Neuen Front” (GdNF) und der “Wehrsportgruppe Werwolf” beteiligt. Auch wenn Kühnen 1991 an den Folgen von AIDS starb, werden seine Thesen auch heute noch unter Neonazis diskutiert, und eine eindeutige Linie ist nicht zu erkennen.(…)

Laut Kühnen findet der “arische Schwule” seine Lebensaufgabe in drei Bereichen:

“1. Er wird all seine Stärke und Intelligenz dazu einsetzen, seine Nützlichkeit für die Horde zu beweisen – sich unentbehrlich zu machen versuchen.
2. Er wird versuchen, sich in der Horde eine Hausmacht zu erwerben, also Anhänger zu finden.
3. Als wichtigstes aber und als völlig unverzichtbar für sein Leben muß er alles daran setzen, die Macht des Häuptlings zu stärken, abzusichern und zu verlängern, die allein sein Überleben garantieren kann.”(…)

Ein weiteres Extrem stellt Jörg Fischer-Aharon dar. Vom JN- und NPD-Faschisten ist er als “Nazi-Aussteiger” zur Partei “DIE LINKE” gelangt. Da diese aber nach seinem Übertritt zur jüdischen Religion nicht ausreichend Israel-freundlich war, wurde er zum Israel hochjubelnden antideutschen Rassisten, für den alle Antisemiten sind, die den Apartheid-Staat Israel wagen zu kritisieren.

Seit Mitte 2009 gibt er die Seite haolam.de heraus und hetzt gegen alles und jeden, der den Staat Groß-Israel als das bezeichnet was er ist. Sein Weg zeigt uns aber eines auf: Vom deutschen Rassisten zum antideutschen Rassisten ist es kein weiter Weg.(…)

Wenn es um homofreundlichen Rassismus geht, ist man bei den Rechtspopulisten von “DIE FREIHEIT” und ihren “PI-news” richtig. Kein Wunder, schreiben diese ja auch gern bei haolam.de ab.(…) (Inzwischen gibt es DIE FREIHEIT nicht mehr. Sie ging geschlossen zur AfD über)

So drunter und drüber wie zu diesem Thema geht es in neofaschistischen, rechtspopulistischen, klerikal-faschistischen, rechts-konservativen Kreisen und was es in diesem Spektrum bis hinein in die CDU noch alles gibt, nirgends zu.(…) Sowohl im historischen deutschen Faschismus, (…) als auch in der gegenwärtigen Neonazi-Szene finden sich aktive Schwule, und der Hang zum Fetisch “NS-Symbole” innerhalb von Teilen der schwulen Szene scheint nicht immer “nur” sexuell motiviert zu sein. (…) Auch innerhalb der schwulen Szene, insbesondere bei Medien und Verbandsfunktionären, ist nach der Phase der Entpolitisierung ein verstärkter Rechtsruck zu beobachten, rassistische Vorurteile und Minderheitenfeindlichkeit sind auch hier zu finden.“

Die red&queer ist das Magazin von DKP queer. Es erscheint vier mal im Jahr als Schwerpunktmagazin. Schwerpunkte der letzten Ausgaben waren:

red&queer 21: Schwerpunkt – Ratzinger auf Staatsbesuch (August 2011)
red&queer 22: Schwerpunkt – Die Kollontai (Januar 2012)
red&queer 23: Schwerpunkt – Christopher Street Day (Mai 2012)
red&queer 24: Schwerpunkt – Jugend (September 2012)
red&queer 25: Schwerpunkt – Kultur (Dezember 2012)
red&queer 26: Schwerpunkt – Kommunistische Homo/queer Politik (März 2013)
red&queer 27: Schwerpunkt – revolutionäre contra bürgerliche queer Politik (Mai 2013)
red&queer 28: Schwerpunkt – 80 Jahre Machtübertragung – Schwule Nazis, Neofaschismus und Populismus (September 2013)

Die nächste Ausgabe der red&queer erscheint zum LLL Wochenende 2014 als Doppelnummer 29/30 mit den Schwerpunkten „100 Jahre erster Weltkrieg“ und „Unser Amerika“

Die red&queer ist das einzige von Konzernen und Anzeigenkunden unabhängige revolutionäre Queer-Magazin der BRD. Als Korrektiv in der Queer-Community ist die red&queer unverzichtbar! Um die Herausgabe zu sichern, kann und soll mensch die red&queer auch im Abo beziehen. Vier Ausgaben im Abonnement kosten:

Sozial- oder Onlineabo 3 Euro
Normalabo 5 Euro
Soliabo ab 15 Euro

Ein Postversand ins Ausland ist zurzeit leider noch nicht möglich.

Macht Werbung für die red&queer!
Abonniert sie!
Spendet!

0

November 1918

Die Lehre aus der Novemberrevolution bleibt aktuell: Der Kampf gegen den Imperialismus erfordert eine revolutionäre Partei auf marxistisch-leninistischer Basis

NovemverrevolutionIm Herbst 1918 hat die revolutionäre Gärung das ganze Deutsche Reich erfasst. Anfang Oktober war eine revolutionäre Situation in Deutschland herangereift, die durch die reaktionären gesellschaftlichen Kräfte nicht mehr einzudämmen bzw. unter Kontrolle zu halten war. Der militärische Zusammenbruch an der Front und die Pläne der Militaristen, den Krieg weiter zu führen, erzeugten eine drastische Zuspitzung der Gegensätze zwischen den Massen der Bevölkerung und der Kriegspartei. Dieser Widerspruch entfaltete sich als Teil der internationalen revolutionären Bewegung gegen den Imperialismus und für Frieden. Unter dem Einfluss der Oktoberrevolution in Russland und des erfolgreichen Kampfes der Bolschewiki beschritt die Spartakusgruppe den Weg der endgültigen Trennung vom Opportunismus und der Entwicklung einer eigenständigen marxistisch-leninistischen Plattform.

Gekämpft

In zahlreichen Städten wurden Institutionen der Macht auf lokaler und Länderebene zum Teil gestürzt bzw. standen vor dem Sturz. Begonnen hatte die revolutionäre Erhebung mit dem Aufstand der Matrosen in Kiel, der sich gegen die Fortführung des imperialistischen Krieges richtete (30. Oktober 1918). Die revolutionäre Bewegung wuchs sprunghaft an und wurde erfolgreich als am 3. November 1918 die Arbeiter Kiels an die Seite der Matrosen traten. Die revolutionäre Welle breitete sich schnell entlang der Ost- und Nordwestküste aus und erfasste dann West-, Mittel- und Süddeutschland. Es wurden Arbeiter-, Matrosen-, Soldaten- und vereinzelt Bauernräte gebildet. In Berlin war der gesamte staatliche Zwangsapparat konzentriert. Sein Widerstand wurde durch die Politik der opportunistischen Führer, die sich als Hindernis für die revolutionäre Bewegung erwiesen, wesentlich verstärkt. Die revolutionäre und mobilisierende Kraft in diesen Monaten war die Spartakusgruppe. Am 7. Oktober 1918 beschloss sie auf ihrer Reichskonferenz, an der auch die Bremer Linken teilnahmen, ein Revolutionsprogramm, in dessen Mittelpunkt die sofortige Beendigung des Krieges, die revolutionäre Erkämpfung demokratischer Rechte und Freiheiten und der Sturz des deutschen Imperialismus als Voraussetzung für den Übergang zur sozialistischen Revolution standen. Die Spartakusgruppe wies die Revolutionäre darauf hin, dass die „Erreichung dieser Ziele“ noch nicht „die Erreichung eures Zieles (bedeutet), sie sind der Prüfstein dafür, ob die Demokratisierung, die die herrschenden Klassen und deren Agenten euch vorflunkern, echt ist. Der Kampf um die wirkliche Demokratisierung geht nicht um Parlament, Wahlrecht oder Abgeordnetenminister und anderen Schwindel; er gilt den realen Grundlagen aller Feinde des Volkes: Besitz an Grund und Boden und Kapital, Herrschaft über die bewaffnete Macht und über die Justiz. Das alte Gebäude der Kapitalistenherrschaft ist morsch geworden.“ (Spartakus spricht, Kampfdokumente der Spartakusgruppe, Berlin 1961, S. 120) Am 8. November 1918 hat die Spartakusgruppe gemeinsam mit den revolutionären Obleuten die Berliner Arbeiter zum Generalstreik und zum bewaffneten Aufstand aufgerufen. Am nächsten Tag waren die Straßen der Hauptstadt von revolutionären Arbeitern und Soldaten überschwemmt. Prinz Max von Baden trat als Kanzler zurück, Friedrich Ebert wurde zum Reichskanzler ernannt, der Kaiser floh nach Holland.

Verraten

Im Vorfeld fanden Verhandlungen zwischen dem Reichskanzler und Friedrich Ebert statt, in deren Verlauf der Reichskanzler Max von Baden an Friedrich Ebert die Frage stellte: „Wenn es mir gelingt, den Kaiser zu überzeugen, habe ich Sie dann an meiner Seite im Kampf gegen die soziale Revolution?“ Eberts Antwort erfolgte ohne Zögern und unzweideutig: Wenn der Kaiser nicht abdankt, dann ist die soziale Revolution unvermeidlich. Ich aber will sie nicht, ja, ich hasse sie wie die Sünde“. (Prinz Max von Baden, Erinnerungen und Dokumente, Berlin 1927, S. 624) Auf Abwürgen der Revolution und auf ihre Niederlage waren auch die Handlungen der rechten Sozialdemokratie insgesamt und auf allen Ebenen ausgerichtet. Friedrich Ebert und seinen Verbündeten ging es um die Erhaltung der Klassenherrschaft der Kapitalisten. Reformen sollten schon damals in diesem Rahmen durchgeführt werden. Während Karl Liebknecht und Genossen auf den Straßen für die Weiterführung der Revolution kämpften, suchten Ebert und Konsorten ihre Verbündeten in den Reihen der damals reaktionärsten Kreise. Dazu gehörte auch das Paktieren mit dem Ludendorf-Nachfolger, General Wilhelm Groener. Der Ebert-Regierung wurde von den Militärs militärische Hilfe angeboten, wenn diese bereit sei, das „Offizierskorps bei der Aufrechterhaltung der Disziplin und der straffen Ordnung im Heer“ zu unterstützen. General Groener stellte dazu fest: „Der Zweck unseres Bündnisses, das wir am 10. November abends geschlossen hatten, war die restlose Bekämpfung der Revolution“ (zitiert nach: Norbert Podewin, Ebert und Ebert, Berlin 1999, S. 214). Ebert und seine Gefährten stellten sich diesem Ziel zur Verfügung. Sie wurden dafür praktisch aktiv und missbrauchten die gesamte Sozialdemokratie dafür. Das geht auch aus den weiteren Bekenntnissen von Groener hervor. „Von da ab besprachen wir uns täglich abends … über die notwendigen Maßnahmen. Das Bündnis hat sich bewährt.“ Eindeutig bekannte er: „wir haben gemeinsam von Anfang an die Revolution bekämpft und zwar nach meiner Initiative und mit meiner Zielsetzung und mit allen Mitteln, die ich zur Bekämpfung der Revolution für geeignet hielt“ (ebenda). Das Bündnis Eberts, Noskes & Co mit dem Generalstab hat nicht nur der Erhaltung der kapitalistischen Ordnung gedient und die revolutionäre Bewegung zerschlagen. Gemeinsam mit dem Generalstab, dem Zentrum des deutschen Militarismus und der Reaktion, sicherten sie auch die Grundlagen für das Überleben, das Weiterbestehen des deutschen Militarismus. Förderlich für eine solche Politik war schon damals der langjährige Einfluss des Opportunismus in der deutschen Arbeiterbewegung. Die Arbeiterschaft wollte den Sozialismus, sie wollte auf jeden Fall etwas Anderes als das Weiterbestehen des Kapitalismus. Aber die Vorstellungen vom Kampf um die Eroberung der politischen Macht, vom Wesen des Sozialismus, von den Mitteln und Methoden seiner Erkämpfung waren doch zu unklar. Unter diesen Bedingungen konnten die konterrevolutionären Kräfte ihre konterrevolutionären Angriffe erfolgreich gestalten, die rechten sozialdemokratischen Führer die Macht des deutschen Imperialismus und Militarismus vor dem revolutionären Ansturm der Volksmassen retten.

Gelernt

Verlauf und Ergebnisse der Novemberrevolution von 1918 zeigen, dass eine revolutionäre Partei nicht zu ersetzen ist. Zugleich erfordert die erfolgreiche Verwirklichung der Interessen der Arbeiterklasse, dass ihre Strategie und Taktik die opportunistischen und revisionistischen Einflüsse entschieden bekämpft und ständig zurückdrängt. Davon ausgehend und unter Berücksichtigung der Erfahrungen der Kommunisten in Russland kam auch der Spartakusbund zu der Erkenntnis, das die endgültige Trennung von der USPD und die Schaffung einer revolutionären marxistischen Partei zur dringendsten Aufgabe geworden war, um künftig einen erfolgreichen Kampf führen zu können. Verlauf und Ergebnisse der Novemberrevolution zeigten schon damals, dass der Kampf gegen den Imperialismus nur dann erfolgreich sein kann, wenn zugleich der Opportunismus in all seinen Erscheinungsformen – politisch, organisatorisch und ideologisch – bekämpft wird.

Anton Latzo

Veranstaltungshinweis: Ehrung und Kranzniederung

0

Heilige Merkel

Wochenlang wurde die bischöfliche Sau durchs Dorf gejagt. Die bürgerliche Journaille gab stündlich, täglich, rund um die Uhr und Woche zu wissen, dass Funktionäre der katholischen Kirche zuweilen verschwenderisch und grössenwahnsinnig sind. Die Geschichte hat einen bald zweitausend Jahre alten Bart, ist aber immer wieder ergötzlich. Jetzt ist der Bischof unbekannten Orts verschwunden, und man konnte mit Spannung erwarten, welche Sau als nächste durchs Dorf getrieben wird.

Da ist sie: Obama hat Merkel abhören lassen. Was für eine Sensation ! Der Bart dieser Geschichte ist noch älter. Seit es Herrschaft von Menschen über Menschen gibt, spionieren sich die Herrschenden auch gegenseitig aus. Und falls der BND nicht umgekehrt auch Obama abhören sollte, dann bestimmt nicht wg. westlicher Wertegemeinschaft, sondern weil er zu doof dazu ist.

Bekanntlich besteht die Freiheit der bürgerlichen Medien darin, dass einige reiche Leute, die diese Medien besitzen, dort frei ihre Meinung äussern lassen dürfen. Das tun sie nicht unbedacht. Auch Meinungen müssen sich rentieren. Bei Sensationsgeschichtchen wie der vom Bischof und der von Muttis Handy besteht die Rendite darin, die Hirne des Publikums auf ziemlich Belangloses zu fokussieren, damit möglichst wenige Leute auf belangvolle Gedanken kommen – z. B. auf solche, die mit ihrer besch…eidenen eigenen Lage zu tun haben oder gar, wer an der schuld ist, oder – schlimmster denkbarer Fall – wie ihr gegen wen abgeholfen werden könnte.

Und dann gibt es da noch ein ernstes Anliegen: Die deutsche Grossborgeoisie mag es nicht, wenn die konkurrierenden Freunde der übrigen westlichen Wertegemeinschaft sich allzu dreist in ihrem deutschen Claim zu schaffen machen. Die deutschen Bürger auszuspionieren ist irgendwie schon in Ordnung , das macht der deutsche Verfassungsschutz schliesslich auch.  Aber die deutsche Kanzlerin – das geht zu weit. Da muss der US-Botschafter einbestellt und ernsthaft ermahnt werden, es mit der Dreistigkeit nicht zu übetreiben.

Nach der bischöflichen wird also jetzt die Sau Obama ein Weilchen durchs Dorf gejagt und – nützlicher Synergie-Effekt – der US-Konkurrenz klar gemacht, dass es mit ihrer Dominanz nicht mehr so weit her ist. Übrigens haben am vergangenen Wochenende in Italien und Portugal Hunderttausende dagegen demonstriert, dass sie keine Arbeit haben und zunehmend verarmen. Und in Österreich laufen Vorbereitungen zu einem unbefristeten Streik.

Da ist es gut, wenn die Schlagzeilen über die Kapriolen eines Bischofs und die Querelen zwischen einem Hollande und Obama und einer Merkel  als Bretter vors Hirn des Publikums genagelt werden.

ai

0

Marx-Engels-Stiftung

Samstag, 26.10.2013, Berlin

Sa, 26.10.2013, 11-18 Uhr, Begegnungstätte Undine, Hagenstr.57, Berlin

Deutschland 1933: Prozesse. Wirkungen. Kontinuitäten. Lehren
in Zusammenarbeit mit dem Marxistischen Arbeitskreis zur Geschichte der Arbeiterbewegung bei der Partei Die Linke

Dr. Reiner Zilkenat, Dahlwitz-Hoppegarten: Der Platz des Jahres 1933 in der deutschen Geschichte. Kontinuitäten und Diskontinuitäten
Prof. Dr. sc. Heinz Karl, Berlin: Zur Kontinuität der deutschen Machteliten, ihrer Konzepte und Apparate seit 1933
Dr. Ulrich Schneider, Kassel: Zu Fragen der Faschismus-Theorie

Sonntag, 3.11.2013, Essen

So, 03.11.2013, 10:00-18:30 Uhr, Hoffnungstr. 18, Essen

Álvaro Cunhal, der »Adoptivsohn des Proletariats« – Konferenz zu seinem Geburtstag vor 100 Jahren (geb.10.11.1913)

Jürgen Lloyd: Der Kampf für die Überwindung des Faschismus in Portugal. Cunhals Anwendung und Weiterentwicklung der antifaschistischen Konzeption der Kommunistischen Internationale.
Francisco Melo, Lissabon: »A luta do PCP por uma revolução democrática e nacional e os valores de Abril – o contributo fundamental de Álvaro Cunhal.«
(Der Kampf der PCP für eine demokratische und nationale Revolution und für die »Werte des April« – der grundlegende Beitrag von Álvaro Cunhal.)
Michael Kegler: Der Schriftsteller Álvaro Cunhal.
Hans-Peter Brenner: Álvaro Cunhal: Arbeiterklasse in der Krise und die Debatte um die Aktualität des marxistisch-leninistischen Parteityps.
Anna Bravio: Álvaro Cunhal über die Bedeutung der nationalen Souveränität für den Klassenkampf und die Folgen des portugiesischen EG-Beitritts.
Lucas Zeise: Die Analyse des Charakters der gegenwärtigen Krise durch die PCP. (Arbeitstitel)

Samstag, 9.11.2013, Frankfurt/Main

Sa, 09.11.2013 10:00-17:00 Uhr, Saalbau Bockenheim, Schwälmer Str. 28, Frankfurt/Main

Heimat, Volk, Nationalstaat, Supranationalität, Nationalismus, Patriotismus, Internationalismus.
Realität und Ideologien zwischen Fortschritt und Reaktion

Gemeinsame Veranstaltung mit dem Deutschen Freidenker Verband (DFV) u.a.
Lucas Zeise: Politische Ökonomie und die Entstehung der Nation
Daniel Bratanovic: Völker, Nationen, Staatsbürgerschaft
Andreas Wehr: Der europäische Traum und die Wirklichkeit
Sebastian Bahlo: Heimat und Patriotismus – Unwort für Internationalisten?
Klaus Hartmann: Zum Verhältnis von Nationalismus und Internationalismus

Samstag, 23.11.2013, Essen

Sa, 23.11.2013, 12:30-18:30 Uhr, Essen, Unperfekthaus, Friedrich-Ebert-Str. 18

Arbeitstagung: 50 Jahre Marxistische Blätter – 50 Jahre Marxismus für die A-Klasse
gemeinsam mit der Redaktion der Marxistischen Blätter

ReferentInnen: u.a. Dietmar Dath, Prof. Dr. Georg Fülberth, Prof. Dr. Domenico Losurdo, Anne Rieger
ab 19:30 Uhr Konzert für Chile mit der Gruppe Quijote (Chemnitz) und ihrem neuen Programm Canto General

Samstag/Sonntag, 23./24.11.2013, Leverkusen

Sa/So, 23./24. Nov 2013, Karl-Liebknecht-Schule, Leverkusen, Am Stadtpark 68

Energie, Umwelt, Klimawandel
Eine Veranstaltung der Karl-Liebknecht-Schule der DKP
Referent: Hans-Peter Brenner
Anmeldungen bei der KLS

Samstag, 30.11.2013, Berlin

Sa, 30.11.2013, 11-17 Uhr, Marx-Engels-Zentrum, Spielhagenstr. 13, Berlin

In welchem Kapitalismus leben wir?
In Zusammenarbeit mit dem MEZ Berlin

Lucas Zeise: Finanzkrise: Was ist heute anders als 2007?
Werner Seppmann: Risikokapitalismus – Auf dem Weg in die Armutsgesellschaft
Arnold Schölzel: Der ohnmächtige Antikapitalismus. Enthüllung, Protest und Revolte heute
Andreas Wehr: Imperialismus heute

Samstag/Sonntag, 7./8. Dezember, Kassel

Sa/So, 07./08. Dez 2013, Kassel

20. Friedenspolitischer Ratschlag
Der alljährlich am ersten Dezemberwochenende in der Universität Kassel stattfindende Ratschlag, mit mehreren hundert Teilnehmern, ist keine Veranstaltung der Marx-Engels-Stiftung, aber eine der wichtigsten wissenschaftlichen und politischen Tagungen des Jahres. Das diesjährige Programm ist derzeit noch in der Planung; nähere Informationen ab etwa Mitte Oktober auf der Website www.ag-friedensforschung.de.

Samstag/Sonntag, 7./8. Dezember 2013, Leverkusen

Sa/So, 07./08. Dez 2013, Karl-Liebknecht-Schule, Leverkusen, Am Stadtpark 68

Aktionseinheit und Bündnispolitik
Eine Veranstaltung der Karl-Liebknecht-Schule der DKP
Referent: Jürgen Lloyd
Anmeldungen bei der KLS

Samstag, 1.2.2014, Wuppertal

Sa, 01.02.2014, 10-18 Uhr, Wuppertal, Alte Feuerwache, Gathe 6

Öffentliche Jahresmitgliederversammlung der Marx-Engels-Stiftung
und Konferenz „60 Jahre Zerstörung der Vernunft“. Irrationalismus in der Gesellschaft von heute.
Mit Beiträgen von Erich Hahn, Dieter Kraft und Claudius Vellay

_______

Quelle: Marx-Engels-Stiftung

0

Redebeitrag von Dr. Gesine Lötzsch bei der Eröffnung der 21. Wanderausstellung zum Palast der Republik am 11.10.13:

Ich bedanke mich herzlich für die Einladung, zur Eröffnung dieser verdienstvollen Ausstellung zu sprechen.

Die über 20jährige Auseinandersetzung mit der Palastvernichtung – so steht in der Einladung – ist eine große Leistung. Wie viel Ausdauer gehört dazu, wie viel Zusammenhalt, wie viel immer neu Beginnen. .

Wir brauchen noch mehr solche verdienstvollen Vereine.

Nachfolgende Generationen werden wissen wollen, wie Polikliniken, Ferienlager, Hochwasserschutz, Wohnungsbauprogramme in der DDR funktioniert haben.
Ich wohne seit 20 Jahren, seit 1993, im Wohngebiet Frankfurter Allee Süd. – Bei einem Vortrag anlässlich des 40jährigen Bestehens des Wohngebietes erfuhr ich: Auch am dunkelsten, das heißt am kürzesten Tag des Jahres musste die Sonne jedes Zimmer eine Stunde erreichen können. Das war das Kriterium für den Abstand der Gebäude voneinander! Das hat mich tief beeindruckt.

Enge Hinterhöfe sollten für immer der Vergangenheit angehören. Wenn ich mich – auch hier in den angrenzenden Straßen – umschaue, werde wieder Hinterhäuser gebaut. Ich frage mich, wer so etwas genehmigt. Und die Mieten werden trotzdem für viele unbezahlbar sein.

Die Herrschenden in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft wollen, dass von der DDR nur Stacheldraht und Mauer bleibt. Die Begriffe DDR und Unrechtsstaat sollen Synonyme sein, zwei Wörter mit gleicher Bedeutung also.

Ich habe bereits vor vielen Jahren den wissenschaftlichen Dienst des Bundestages gefragt, was ein Unrechtsstaat sei. Die Antwort: ein Kampfbegriff . In der wissenschaftlichen Literatur gibt es diesen Begriff nicht.

Den damaligen Außenminister Steinmeier fragte ich, welcher Staat aus Sicht des Außenamtes ein Unrechtsstaat sei. Er konnte mir keinen Staat nennen.

Wir werden uns mit solchen ideologischen Kampfbegriffen nie abfinden.

Natürlich – es ist eigentlich überflüssig zu sagen – wissen viele hier im Raum sehr genau, was in der DDR hätte anders, besser sein müssen und ringen seit Jahren mit der Frage, was sie selbst zu einer Verbesserung hätten beitragen können oder müssen.

Selbst Geschichte schreiben

Auf einer antifaschistischen Studien-Reise mit Jugendlichen nach Italien lernte ich von ehemaligen Partisanen, dass sie die Geschichtsschreibung nicht den Herrschenden überlassen hatten. Nach dem Krieg gründeten die Partisanen-organisationen ein eigenes Geschichtsinstitut. So etwas brauchen wir auch in diesem Land.

Unsere Kinder und Enkel werden sich hoffentlich nicht mit der verordneten Geschichtsschreibung abfinden. Doch dafür müssen wir selbst etwas tun.
Ihr habt etwas getan. Dafür möchte ich mich bedanken. Ihr schreibt mit eurer Ausstellung Geschichte!

Ich kann mich noch gut erinnern, wie junge Architekten aus dem Westen für den Erhalt des PdR kämpften.

Sie waren begeistert von der Architektur und den Möglichkeiten, die dieses Haus bot. Der Verein „Zwischennutzung“ entstand. Der Bundestag war wieder einmal aufgeschreckt.

In einer FAZ vom 5. Juli 2003 ist nachzulesen, dass Vera Lengsfeld, früher Bündnis90/Grüne, zu diesem Zeitpunkt bereits CDU, in scharfen Worten „verwunschene Palast-Nostalgie“ geißelte.

Im August 2004 wurde der Palast – bzw. die Palastruine wieder eröffnet.

Günter Nooke, früher Bündnis90/Grüne, damals auch bereits CDU, rief nach dem Bundesrechnungshof.
Zwischen nackten Palast-Stahlträgern forderte die Bolschewistische Kurkapelle Schwarz Rot „Keine Macht für niemand“. Anschließend heulte die Kurkapelle sogar einen „Junimond“ an. Der Journalist Ulf Kalkreuth brachte die Stimmung auf den Punkt: „Es steht die Frage im Raum: Ist der Palast der Republik unkaputtbar?“

Wie die Situation heute ist, wissen wir.

Doch es ging CDU, SPD und Grünen nicht um die Architektur. Es wurde nicht nur ein Gebäude abgerissen.

Es wurde ein Haus des Volkes zerstört.

Das war ein Statement: Kein Haus des Volkes in der Hauptstadt Deutschlands. Die Herrschenden wollten ein Schloß in der Mitte der Hauptstadt.

Das ist eine besondere Form der Nostalgie. Es ist eine politische Grundaussage .

Das Konzept, in einem Haus Abgeordnete und Bürger beraten, feiern, essen und Kunst genießen zu lassen, war und ist revolutionär. Das wäre im Bundestag undenkbar. Der ist kein Haus des Volkes. Das Volk darf zwar den Bundestag besuchen und als Zaungast dem Politikbetrieb verfolgen, aber es darf den Bundestag nicht in Anspruch nehmen.

Die dauernde Angst vor Terrorismus führt zu einer zunehmenden Abschottung des Parlaments vor dem eigenen Volk. Das ist nicht nur sehr bedenklich, sondern untergräbt die Demokratie.

Solidarisch geht’s besser

Nein, man will keine gemeinsamen Häuser. Keine Häuser des Volkes.

Im Gegenteil, wir erleben jeden Tag, dass die Gesellschaft in allen Bereichen mit perfiden Mittel auseinander dividiert und vereinzelt wird.

PISA hat es wieder gezeigt: In keinem anderen OECD-Land ist die Bildung unserer Kinder so von der sozialen Herkunft abhängig. Und aus Kindern werden Leute.

Vorgestern ging die Meldung durch die Medien, dass erschreckend viele Erwachsene in Deutschland nur auf dem Niveau von Grundschülern rechnen und lesen können. Gut jeder sechste Erwachsene kommt nicht über das Niveau eines Zehnjährigen hinaus und kann maximal kurze Texte mit einfachen Wörtern lesen und aus diesem Text zentrale Informationen herausfiltern. Man kann es auch zugespitzt formulieren: Ein Volk wird verdummt. Und das hat dramatische Auswirkungen auf unsere Gesellschaft.

Unser Gesundheitssystem, unser Rentensystem, unsere Arbeitslosen-versicherung waren einmal solidarisch konzipiert.

Wir erleben, wie jeden Tag uns ein Stück Solidarität genommen wird.

Im Wahlkampf war mein Wahlspruch: Solidarisch geht’s besser. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir in der tagtäglichen Auseinandersetzung mit den Herrschenden Solidarität leben und zurückerobern können.

DIE LINKE wird auf jeden Fall den Freundeskreis weiter solidarisch unterstützen.

Die Idee, die Dauerausstellung im Humboldtforum mit zu gestalten, finde ich überzeugend und gut. Auch da werden wir im Parlament dran bleiben.

Ich wünsche der 21. Wanderausstellung viel Erfolg und viele Besucherinnen und Besucher.

Dr. Gesine Lötzsch
MdB, Fraktion Die Linke

___________

Übernommen von DDR-Kabinett-Bochum

0

Grußwort von Margot Honecker an die Teilnehmer einer Festveranstaltung zum 64. Jahrestag der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik am 5. Oktober 2013 in Bochum

Margot HoneckerMargot Honecker lebt heute in Chile. In dem Land, aus dem so viele nach dem Sturz der Regierung der Unidad Popular vor den Bluthunden fliehen mussten, bleibt die Aufnahme der Exilanten in der DDR unvergessen. In diesem Land fand Margot Honecker dann selbst ein Asyl. Was denkt sie heute über die DDR, über die Zeit, in der wir heute leben ? – In einem Grusswort an die Teilnehmer einer Festveranstaltung zum 64. Jahrestag der Gründung der DDR schreibt sie:

Ich grüße Sie, liebe Freunde und Genossen, die Teilnehmer dieser Zusammenkunft herzlich auch im Namen meiner chilenischen Freunde von denen viele nach dem Militärputsch Pinochets eine zweite Heimat in der DDR gefunden hatten.

Dieses Treffen steht im Zeichen der Erinnerung an die Gründung der Deutschen Demokratischen Republik, des ersten sozialistischen Staates auf deutschen Boden. In das Buch der wechselvollen Geschichte Deutschlands hat sich die Gründung und vierzigjährige Existenz mit nicht auszulöschenden Lettern eingetragen. Markiert doch der 7. Oktober einen Wendepunkt in der Geschichte des deutschen Volkes. Nicht mehr die Monopolherren hatten das Sagen, sondern die Arbeiter und Bauern. Die Existenz der DDR hat den Beweis erbracht das ein anderes Deutschland möglich ist ein Deutschland in dem des Volkes eigen ist, was durch seine Arbeit geschaffen wird, ein Deutschland das in Frieden und Solidarität mit anderen Völkern lebt.

Der 7. Oktober bleibt ein denkwürdiger Tag in der Geschichte, er ist auch unvergessen in meinem persönlichen Leben. Als jüngste Abgeordnete der provisorischen Volkskammer konnte ich Wilhelm Pieck zu seiner Wahl zum Präsidenten der Republik beglückwünschen. Es war eine bewegende Stunde. An der Wiege dieser Republik stand gewissermaßen symbolisch für den Charakter dieses Staates ein Präsident der schon in jungen Jahren für die Rechte der arbeitenden Menschen eintrat, ein Mann der an der Seite Ernst Thälmanns gegen Faschismus und Krieg kämpfte, ein Mann der nicht müde wurde für die Einheit Deutschlands auf demokratischer Grundlage zu wirken.
Es war ein langer Weg durch die Geschichte bis diese demokratische Republik gegründet werden konnte. Sie hatte ihre Wurzeln in den von Siegen und Niederlagen gezeichneten Kämpfen der Arbeiterklasse. Sie entstand auf den Trümmern des faschistischen Krieges auf den Hinterlassenschaften der faschistischen Ideologie. Und sie wurde geboren aus dem Willen der Menschen, nie wieder Krieg und Faschismus zuzulassen. Von diesem Wollen getragen kämpften nach 1945 Kommunisten und Sozialisten vereint, gemeinsam mit aufrechten demokratisch gesinnten Menschen in Ost und West für ein einheitliches demokratisches Deutschland. Wir damals Jungen organisiert in der Freien Deutschen Jugend waren dabei, wir demonstrierten und protestierten gegen die Remilitarisierung Westdeutschlands, gegen die Spalter auf den Petersberg, die, unterstützt von den westlichen Großmächten, die Spaltung Deutschlands voran trieben.

Wir wollten das ganze Deutschland als ein demokratisches und antifaschistisches Deutschland. Der deutsche Imperialismus und seine willfähigen Politiker wollten es nie. Sie waren sich einig, mit den westlichen Großmächten in Europa ein Bollwerk gegen die sozialistische Sowjetunion, gegen die “Gefahr“ des Sozialismus zu errichten. Die DDR hat es gewagt, im Herzen Europas einen friedliebenden Staat zu schaffen, in dem durch die Umgestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse, die Wurzeln für Kriege ausgetilgt wurden.

Die 40 Jahre Aufbau einer neuen Gesellschaft, das war kein Spaziergang, das war harte Arbeit, Aufgaben in Wirtschaft und Staat mussten gelöst werden, für die es keine Modelle gab. Wir hatten an unserer Seite Freunde und gegen uns Feinde. In den 40 Jahren, die ein sehr kurzer Zeitraum in der Geschichte der Menschheit sind, vollzog sich im Osten Deutschlands ein grundlegender gesellschaftlicher Wandel. Wir haben nicht alles erreicht was wir wollten, manche Hausaufgaben haben wir nicht gut gelöst, aus eigenen Unvermögen oder weil man uns dabei behindert hat. Achtung der Menschenwürde, soziale Sicherheit, das Recht auf Arbeit, gleicher Lohn für gleiche Leistung für Mann und Frau, Sorge um die Jüngsten, Sorge um die Alten, ein solidarisches Miteinander das waren Selbstverständlichkeiten in der DDR. Heute in dem großen reichen Deutschland, in dem Unsummen für die Rüstung ausgegeben werden, müssen solche elementaren Menschenrechte nun wieder erkämpft werden.

Derzeit leben wir in einer Welt voller Gefahren für die Menschheit, einer Zeit wachsender Widersprüche zwischen arm und reich, in einer Zeit in der die Mächtigen dieser Welt, um ihren Profithunger zu stillen, keinen Völkermord scheuen. Sie inszenieren Kriege für Öl und neue Absatzmärkte. Als Erich Honecker im Jahre 1992 unter Hinweis darauf, dass die Niederlage des Sozialismus das Kräfteverhältnis in der Welt zerstört hat, sagte: “ Wir befinden uns in einer Periode, in der wie zu keinem Zeitpunkt nach dem zweiten Weltkrieg, die Welt am Kreuzweg zwischen Krieg und Frieden steht“ , glaubten ihm das nur wenige. Er verwies in diesem Zusammenhang auf die Aggressivität des USA-Imperialismus, auf die Krisenherde in vielen Regionen in der Welt, darunter im Nahen und Mittleren Osten, auf Hunger und Armut in der Welt, „das alles wirkt als Sprengstoff“. Heute erweist sich das leider als nur zu wahr. Der Imperialismus in einer tiefen Krise sucht den Ausweg im Krieg der Mächtigen, die sich ihrer Herrschaft nicht mehr sicher sind, rufen Faschisten auf den Plan. Antikommunismus wird angeheizt, Nazis auf den Straßen sind schon alltäglich geworden.

Klarer denn je ist heute, was das Ziel der Kalten Krieger war, warum das sozialistische Lager bekämpft und schließlich niedergerungen wurde. Der Imperialismus brauchte freie Bahn. Das sozialistische Lager garantierte Frieden, die DDR im Herzen Europas mit ihrer Friedenspolitik hat dazu einen entscheidenden Beitrag geleistet.

Heute ist Widerstand der Völker gegen die Kriegstreiber im Weißen Haus nötig. Wenn die USA und ihre Vasallen nicht durch den Widerstand der Völker gehindert werden, einen Krieg gegen das Syrische Volk zu führen, birgt das große Gefahren für die Völker.

Die Regierungen aller Länder stehen in der Verantwortung, die Kriegstreiber zu hindern. Deutschland, das schon einmal einen Weltbrand verursacht hat, steht in besonderer Verantwortung. Es muss sich ohne Wenn und Aber gegen den Krieg, gegen jegliche Unterstützung von Krieg wenden. Wie sich schon jetzt in eindrucksvollen Protesten gegen die USA-Krieger zeigt, wollen die Völker Frieden. Sie zeigen, dass die Bäume der USA nicht in den Himmel wachsen.

Die friedliebende DDR ist Geschichte. Aber sie wird in den heutigen und künftigen Kämpfen für ein anderes besseres Deutschland lebendig bleiben.

Margot Honecker
Santiago dé Chile, Oktober 2013

__________

Quelle: DDR-Kabinett-Bochum

0

Der Parteivorstand der DKP hat beschlossen, 2014 wieder ein UZ-Pressefest durchzuführen. Dieser Beschluss ist an die Voraussetzung gebunden, dass das Fest finanziell abgesichert werden kann. Dazu braucht es die Anstrengung der ganzen Partei.

Spenden für das Pressefest an:

DKP-Parteivorstand, Konto-Nr.: 4002 487 501
GLS Bank Bochum, BLZ 430 609 67
Stichwort: „UZ-Pressefest“

Button jetzt bestellen und zügig abrechnen!

Pressefest-Finanzbarometer
Stand 8. Oktober 2013

Pressefest-Buttons (311 Stück): 1 555,00 Euro

Zuschüsse von DKP-Gliederungen: 6 000,00 Euro

Spenden: 3 240,37 Euro

gesamt (am 08.10.13) 10 795,37 Euro

Ziel (zum 18.11.13) 35 000,00 Euro

0

Im Oktober 1949 wurde die DDR gegründet. Das war die Konsequenz der vorangegangenen Gründung des westdeutschen Seperatsstaats BRD.  Zum ersten Mal in der deutschen Geschichte entstand ein Staat, der den Interessen der Arbeiter und Bauern und der werktätigen Schichten verpflichtet war. Im Gedenken an dieses historische Ereignis, das alle Gaucks und Knabes nicht aus der Geschichte tilgen können, hat das DDR-Kabinett Bochum eine Festveranstaltung organisiert.

Partik Köbele hat ein Grusswort geschickt. Hier der Wortlaut:

Grußwort von Patrik Köbele – Vorsitzender der DKP

An das DDR-Kabinett-Bochum und die Gäste der Festveranstaltung
am 5. Oktober 2013 in Bochum

Liebe Genossinnen und Genossen, lieber Andreas,

vielen Dank für Eure Einladung zur Veranstaltung anlässlich des 64. Jahrestags der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik. Ich hätte wirklich gerne teilgenommen, bin aber durch eine lange geplante Urlaubsreise leider verhindert.

Ich möchte Euch aber nicht nur persönlich, sondern im Namen der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) grüßen, natürlich nehmen auch Genossinnen und Genossen des Parteivorstands an Eurer Veranstaltung teil.

Nun aber Schluss mit den Formalien.

Erstens ist es gut, dass es Euch gibt, danke für Eure Arbeit und Gratulation zum Erreichten. Zweitens ist es gut den 64. Jahrestag der Gründung der DDR feierlich zu begehen. Dabei geht es wenig bis gar nicht um Nostalgie oder Ostalgie, es geht um nicht weniger als darum, dass, wer sich mit dem Kapitalismus nicht abfinden will, wer mit dem Imperialismus nicht seinen Frieden machen will, wer über eine sozialistische Zukunft nachdenkt und für sie kämpfen will, der kommt nicht darum herum sich grundsätzlich auf die Seite der DDR zu stellen.

Ja, das war eine tiefe Niederlage und der Sozialismus in Europa war am Ende zu schwach. Da nützt es auch nichts, dem Imperialismus einen Vorwurf zu machen, dass er immer an der Zerschlagung des Sozialismus gearbeitet hat – das ist sein Job. Trotzdem lohnt es sich zu betrachten, was dieser Sozialismus, der am Ende zu schwach war, erreicht hat:

Er zwang den Imperialismus über weite Phasen seine inneren Konflikte ohne kriegerische Mittel auszutragen, besiegte ihn militärisch z.B. in Vietnam.

Er machte für viele Völker den Ausbruch aus, die Befreiung vom kolonialen und neokolonialen Joch erst möglich.

Er zwang, vor allem auch in der BRD als Schaufensterstaat zu Zugeständnissen an die Arbeiterklasse. Der Satz, dass die DDR als unsichtbarer Verhandlungspartner mit am Tisch saß, kommt nicht von ungefähr.

Das sind nur einige Beispiele, was ein Sozialismus, der am Ende zu schwach war, erreichen konnte, was wird ein starker können – ich freu mich darauf.

Auch das Agieren der Herrschenden belegt das. Warum haben sie eine solche Angst vor der DDR, die es doch schon lange nicht mehr gibt. Warum der Unsinn vom Unrechtstaat, warum schicken sie ihre Nachwuchskader gegen das Thälmann-Denkmal und DDR-Symbole in die Schlacht?
Sie möchten in Vergessenheit haben, dass in einem Teil Deutschlands bis 1989 der Sozialismus erbaut und damit die DDR zur größten Errungenschaft der deutschen Arbeiterbewegung wurde. Das dürfen wir nicht vergessen, nicht, weil wir Nostalgiker sind, sondern, weil wir lernen wollen und müssen. Aus den Stärken, aus den Schwächen und aus den Fehlern. Das kann man aber nicht, wenn man sich beim Klassengegner entschuldigt oder die Konterrevolution von 1989 begrüßt.
Wir tun das mit Recht nicht. Weil uns erst Recht die Zeit nach 1989 gezeigt hat, dass der Kapitalismus und der deutsche Imperialismus eins verdient hat, seine Überwindung.

Arbeiten wir dran. Ich wünsche Euch eine erfolgreiche Veranstaltung.

Mit kommunistischen Grüßen

Patrik Köbele
Parteivorsitzender der DKP

______

Quelle: DDR-Kabinett Bochum

Seite 56 von 59« Erste...102030...5455565758...Letzte »