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Game over, MussoliniUm 25. Juli 1943 wurde der „Duce“ des Faschismus Italiens in einer Palastrevolte von denselben führenden imperialistischen Kreisen (Großkapital, Militärs, Monarchie und Vatikan), die ihn 1922 an die Macht gehievt hatten, in einer Palastrevolte gestürzt. Das geschah ausgerechnet auf einer Sitzung des Gran Consiglio del Fascismo. Der von Mussolini als sein Führungsorgan gebildete Großrat forderte ihn zum Rücktritt als Regierungschef und zum Verzicht auf den Oberbefehl über die Streitkräfte auf. Von den anwesenden 28 Mitgliedern stimmten 19 für den Beschluss, sieben dagegen, eines enthielt sich. König Vittorio Emanuele III. übernahm den Beschluss des Großrates und entmachtete den „Duce“. Mussolini wähnte sich als Führer der Partei und Chef der Parteimilizen weiterhin an den entscheidenden Machthebeln und fügte sich – zumal er bereits plante, den König zu beseitigen. Beim Verlassen des Quirinals (des Königspalastes) erwartete ihn ein Hauptmann der Carabinieri und bat ihn, unter dem Vorwand der besseren Sicherung seines Schutzes bei möglichen Unruhen in einen Krankenwagen zu steigen. Von diesem Augenblick an war der Diktator jedoch verhaftet und landete nach verschiedenen Zwischenaufenthalten in einem Kurhotel auf dem etwa 150 Kilometer nordöstlich von Rom liegenden, 2.914 Meter hohen Gran Sasso in den Abruzzen.

 

Im Hintergrund führende Industriekreise

Die Palastverschwörer entledigten sich des „Duce“, weil sich seit der Niederlage der Wehrmacht bei Stalingrad an der Jahreswende abzeichnete, dass Hitlerdeutschland Krieg nicht mehr gewinnen konnte und sie sich in die Niederlage nicht hineinziehen lassen wollten. Zu dieser Erkenntnis hatte die fast vollständige Vernichtung der 230.000 Mann großen italienischen Hilfskorps im Umfeld von Stalingrad in der Schlacht am Don im November/Dezember 1942 beigetragen. Ein weiterer, fast noch wichtigerer Faktor war, dass die Militärs um den bei Italiens Kriegseintritt 1940 zurückgetretenen Generalstabschef des Heeres, Marschall Pietro Badoglio, einen Volksaufstand mit den Kommunisten (PCI) und Sozialisten (PSI) an der Spitze befürchteten. Hinter den Palastverschwörern standen führende Industriekreise wie der Eisen- und Stahlkönig, Enrico Falck, der Chef des Gummi-Konzerns Pirelli und der Präsident der Montedison (des größten Bergbau- und Chemiekonzerns), Guido Donegani, die „ihre Fühler nach Washington und London ausstreckten und mit Hitler brechen wollten. Im faschistischen Großrat gehörten Justizminister Dino Grandi und Mussolinis Schwiegersohn, Graf Galeazzo (seit 1926 Außenminister, im Februar 1943 jedoch abgesetzt), zu ihnen. Die amerikanische Zeitschrift „Life“ schrieb später (14. Dezember 1943): Den Organisatoren der Palastrevolte ging es darum, „sich von Mussolini und den Deutschfreundlichen zu befreien, das System aber zu erhalten.“

 

Aktionseinheitsabkommen Basis des Volkswiderstandes

Unter Führung der PCI war in den 1930er Jahren Schritt um Schritt der antifaschistische Widerstand angewachsen. Das 1934 zwischen Kommunisten und Sozialisten geschlossene Aktionseinheitsabkommen war 1937 im gemeinsamen Kampf zur Verteidigung der Spanischen Republik erneuert worden. Das einheitliche Handeln der Arbeiterparteien zog erhebliche kleinbürgerliche Schichten sowie Angehörige der Intelligenz auf ihre Seite. Studenten, Wissenschaftler, Schriftsteller und Künstler schlossen sich der antifaschistischen Bewegung an. Alberto Moravia, der bereits 1929 mit seinem Roman „Die Gleichgültigen“ den moralischen Niedergang der bürgerlichen Gesellschaft angeprangerte, veröffentlichte 1935 mit „Gefährliches Spiel“ Satiren auf den Faschismus. Von Cesare Pavesi erschienen unter dem Titel „Arbeit macht müde“ aufrüttelnde Gedichte. Elio Vittorini schrieb über die Unterdrückung der Volksschichten auf Sizilien. Renato Guttuso schuf das Gemälde „Erschießung“, das er dem von den Franco-Faschisten ermordeten spanischen Dichter Federico Garcia Lorca widmete. Der Bildhauer Giacomo Manzù trat dem Mailänder Kreis antifaschistischer Künstler bei, der die Zeitschrift „Corrente“ herausgab.

Nach dem Kriegseintritt Italiens 1940 hatten Kommunisten, Sozialisten und die kleinbürgerliche Gruppe Giustizia e Libertà im September 1941 ein Antikriegskomitee gebildet. Im Herbst 1942 bildeten verschiedene antifaschistischen Gruppen ein Komitee der nationalen Einheit. Die oppositionellen Katholiken der verbotenen Volkspartei bereiteten ihre Wiedergründung als Democrazia Cristiana vor. Giustizia e Libertà formierte sich als Aktionspartei mit einem radikaldemokratischen Programm. Ein weiteres Signal setzten die ersten großen Antikriegsstreiks, die am 5. März 1943 in der Industriemetropole Turin mit über 10.000 Teilnehmern begannen und von da auf weitere norditalienische Städte, darunter Piemont und Mailand, übergriffen. Die Katastrophe der Wehrmacht bei Stalingrad und die Niederlage des deutsch-italienischen Afrikakorps bei El Alamein spitzten die Krise des Faschismus weiter zu, die nach der Landung der Alliierten am 9. Juli auf Sizilien offen ausbrach.

 

Führende Militärs sicherten Sturz

Um die Ausschaltung des Duce militärisch abzusichern, leitete der an der Revolte beteiligte Chef des Generalstabes, Vittorio Ambrosio, umfangreiche Maßnahmen ein, da man seitens der faschistischen Partei, ihrer Miliz und besonders der so genannten Division „M“ – eines Panzerverbandes, den der Reichsführer SS, Heinrich Himmler, für Mussolini aufgestellt hatte – Widerstand erwartete. Ambrosio unterstellte die Division dem Generalstab und kommandierte sie zu einer Übung außerhalb der Hauptstadt ab. Auch die Parteimilizen setzte er in die Umgebung von Rom in Marsch. Im Gegensatz dazu alarmierte er die Heeresdivision Piave und ließ sie vor den Toren der Hauptstadt Stellung beziehen. Spätestens hier drängt sich ein Vergleich zu dem im Juli 1944 dilettantisch in Szene gesetzten Attentat gegen Hitler auf, in dem der mutige Einsatz des Obersten Stauffenberg scheitern musste, nicht zuletzt auch deshalb, weil er im Gegensatz zu Italien keinerlei Rückhalt unter den herrschenden Kreisen der Wirtschaft hatte.

Fünf Stunden nach der Verhaftung Mussolinis gab der Rundfunk bekannt, dass der König den Oberbefehl über alle bewaffneten Kräfte übernommen und Marschall Pietro Badoglio mit der Bildung einer Militärregierung mit „allen Vollmachten“ beauftragt habe. Entgegen den Befürchtungen der Verschwörer regte sich seitens der faschistischen Partei und ihrer Gliederungen keinerlei Widerstand gegen die Entmachtung des „Duce“. Sein Sturz wurde von der Bevölkerung jubelnd begrüßt. In einigen Großstädten des Nordens stürmten Gegner des Regimes faschistische Parteisitze und Zeitungsredaktionen, in Turin das deutsche Konsulat. Eine beträchtliche Zahl faschistischer Parteigrößen floh nach Deutschland. Am 19. August entsandte Badoglio General Castellano nach Lissabon, wo dieser in der britischen Botschaft in Lissabon mit dem amerikanischen General Walter Bedell Smith zusammentraf, der ihm im Auftrag des angloamerikanischen Oberkommandierenden im Mittelmeerraum, General Eisenhower, den Text eines Waffenstillstandsabkommens übergab.

Gerhard Feldbauer

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Die Marxistischen Blätter 4-2013 sind neu erschienen – das im Folgenden veröffentlichte Editorial gibt einen Vorgeschmack, was die Leserinnen und Leser erwartet.

mb_4_2013Der Zeitpunkt, die materialistische Geschichtsauffassung zum Schwerpunktthema der Marxistischen Blätter zu machen, ist in mehrfacher Hinsicht günstig.

Zum einen: Geschichtsbeiträge – ob im Fernsehen, in Sachbüchern oder Romanen – stoßen auf anhaltend großes Publikumsinteresse. Einschaltquoten und Verkaufszahlen belegen das. Da wird Neues ausgegraben, in Archiven oder auf archäologischen Baustellen, das ins Verhältnis zu Bekanntem gesetzt, in Entwicklung eingeordnet werden will.

Zum anderen: Die Geschichtsbetrachtung und -interpretation ist nach wie vor ein zentrales Feld des Kampfes um die Köpfe. Da tobt ideologischer Klassenkampf um die Bewertung von historischen Ereignissen, Persönlichkeiten, Entwicklungsprozessen insbesondere des 20. Jahrhunderts. Da geht es natürlich nicht nur um Vergangenes, sondern auch um Lehren, Konsequenzen für Gegenwart und Zukunft. Da besteht die Systemkonkurrenz fort. Dass diejenigen, die sich seit 1989/90 als Sieger der Geschichte fühlen, alles geschäftsmäßig in ihrem Interesse und für ihre Interessen betreiben, auch die Geschichtswissenschaft wie -propaganda, werden MarxistInnen ihnen nicht vorwerfen. Tragischer ist, wie die ruhmreiche „alte Tante SPD“ ihren 150. Geburtstag nutzt, um die eigene Geschichte zu glätten, umzudeuten, zu fälschen, um sich von allem Sozialismus zu befreien und noch weiter von ihren Ursprüngen zu entfernen. Aber das nur am Rande.

Wichtiger ist zum dritten: Den „Siegern der Geschichte“ und ihrer neoliberalen Politik bläst spätestens mit Beginn der „großen Krise“ immer heftiger ein historisch zu nennender Gegenwind ins Gesicht. Menschen gehen wieder massenhaft für ihre Interessen auf die Straße und greifen damit ins Rad der Geschichte, das sich von ganz alleine weder ewig vorwärts noch rückwärts dreht. Wobei allein die Sicht auf die Laufrichtung vom eigenen (Klassen-)Interesse abhängt. Vom Bosporus bis zur Copa Cabana und auch in den europäischen Metropolen geht es den Menschen in Bewegung nicht nur um‘s „Teewasser“, sondern um eine andere Richtung der Politik, die ein gutes Leben für alle zum Ziel hat. Eine Minderheit nennt das Sozialismus.

Und wenn zum vierten dabei besonders viel junge Weltveränderer in Bewegung kommen und auf dem Taksim-Platz wie auf deutschen Demo-Plätzen heute z. B. wieder Nazim Hikmet zitieren – „Leben einzeln und frei wie ein Baum und brüderlich wie ein Wald. Das ist unsere Sehnsucht.“ oder marxistische Klassiker lesen – dann wissen die alten, dass selbst ihre verlorenen Kämpfe nicht umsonst gewesen sind, sondern historische Vorläufer der aktuellen und zukünftiger. Dieses Wissen müssen sich die Jungen erst aneignen, um für sich selbst einen Platz in der Geschichte zu finden und für ihren Weg wie ihr Ziel die richtige Richtung. Das geht nun mal nicht ohne die materialistische Geschichtsauffassung, ohne die materialistische Analyse der Gesellschaft, der heutigen Klassenkämpfe und möglicher Wege der Veränderung. Diese Ausgabe der Marxistischen Blätter ist darum von der ersten bis zur letzten Seite als Ermunterung gedacht, sich historischen Materialismus und Optimismus anzueignen.

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Am Samstag, den 8. Juni 2013, verstarb noch langer Krankheit im Alter von 92 Jahren einer der bedeutendsten deutschen Grafiker und Maler des 20 Jahrhunderts in seinem Haus in Halle.

Willi SitteWer war dieser DDR Künstler, den selbst die führenden Medien der BRD zu seinem Tod nicht ignorieren konnten?
„Mein Vater und Großvater waren beide Mitbegründer der Kommunistischen Partei in der Tschechoslowakei, also in Nordböhmen. Unsere Familie ist immer politisch orientiert gewesen; das hat sich auch im Dritten Reich nicht geändert. Ich bin eben kein Opportunist gewesen.“ sagt er selbst in einem Interview mit dem Tagesspiegel 2001. Da war gerade die große Ausstellung in Nürnberg geplatzt, heute spricht man vom „Verbot“ und es war ein Skandal.

Geboren 1921 in Kratzau/Chrastava besuchte er nach der Volks- und Bürgerschule die Kunstschule des nordböhmischen Gewerbemuseums in Reichenberg/Liberec. Später dann wurde er an die Herrmann Göhring Meisterschule für Malerei in Kronburg/Eifel empfohlen. Wegen Protestes gegen die dort herrschende Ausbeutung 1944 zum Militär überstellt, nahm er Kontakt zur italienischen Widerstandsbewegung auf. Als er enttart wurde, ging er zu den Partisanen. Er sagte: „Ich habe ein sehr gutes Gewissen gehabt, nicht mehr dazuzugehören zu denen, die gemordet, geplündert, zerstört, gemeuchelt haben. Diese Wehrmacht ist eben keine heile, wunderbare Einrichtung gewesen, wie es teilweise jetzt noch behauptet wird von einigen Leuten.“

Nach dem Krieg arbeitete er freischaffend in Vincenza und Venedig bis er 1946 über Kratzau/Chrastava in die SBZ, die spätere DDR, umsiedelte.
Der Anfang war nicht einfach. Zusammen mit Brecht, Eisler und anderen war Willi Sitte Formalismusvorwürfen ausgesetzt. In dieser Zeit heftigster Auseinandersetzungen prägte sich seine Intension aus, einen „dialektischen Realismus“ zu entwickeln. Zunächst hatte er damit jedoch keinen Erfolg, gehen wollte der Kommunist Willi Sitte aber nicht. In der Hoffnung, dass jene „Entgleisungen und Verzerrungen nur vorübergehend“ seien war er überzeugt, dass der Weg im „Großen und Ganzen richtig“ sei. 2001 stellte er fest, dass er zwar in der DDR durchaus gelitten hätte, aber auch, dass er  „wenigstens eine politische Heimat“ gehabt hätte.
Gemeinsam mit den Begründern der Leipziger Schule, Bernhard Heisig (1925-2011), Wolfgang Mattheuer (1927-2004) und Werner Tübke (1929-2004), bewahrte Sitte die Gegenständlichkeit in der Kunst und die handwerkliche Meisterschaft, während an den westdeutschen Kunsthochschulen die Abstraktion und die Konzeptkunst gelehrt wurden.

Er trat 1950 in den Verband Bildender Künstler ein und wurde 1974 zu dessen Präsident gewählt. Wenig später, im Jahr 1976, wurde er auch Abgeordneter der Volkskammer und 1986 sogar Mitglied des Zentralkommitees der SED. Diese Staatsnähe wurde ihm nach 1989 immer wieder vorgeworfen. Er wurde verfemt, angegriffen und seine Bilder verschwanden flächendeckend aus den Ausstellungen in die Depots der Museen. Groß war seine Enttäuschung, dass seine Partei so kläglich versagte und sich zahlreiche Künstler, für die er sich engagiert hatte, von ihm abwandten. „Ich habe gar nicht gewusst, dass ich Präsident eines Verbandes von lauter Widerstandskämpfern war“, formulierte er damals sarkastisch. Anders als diese hat er nie seinen Traum und seine Überzeugung verleugnet. Willi Sitte blieb sich als Kommunist treu.
Erst 2006 wurde die Willi-Sitte-Galerie in Merseburg eröffnet. Der Rechtfertigungen müde konnte Willi Sitte endlich wieder erleben, dass öffentlich wird, was ihn ausmacht: sein Werk.

„Willi Sitte war ein einzigartiger Künstler, ein Mensch, der seine Kunst auch für sein politisches Engagement einsetzte“ so die Linke-Vorsitzenden Katja Kipping und und Bernd Riexinger sowie Gregor Gysi. Ja, er war ein politischer Maler. Sein Werk enthielt zu jeder Zeit das Element des Widerspruchs zu Allem, was dieser besseren Welt nicht entsprach. Er war überzeugt „von der Notwendigkeit, an einer Alternative zum kapitalistischen Gesellschaftsmodell mitzuwirken“ (Sitte 1994). 1985 sagte Willi Sitte, dass es „von jeher zwei Grundmöglichkeiten gibt: die Feier des Guten und die Abwehr des Bösen. Bannen, feiern und die Zukunft zu antizipieren – das alles sind unersetzbare Möglichkeiten künstlerischer Weltsicht und Weltinterpretation.“
Eindrucksvoll hat er es in seinen Bildern umgesetzt. Die deutliche Anklage in „Ein Gekreuzigter“, „Potrait eines Terroristen“, „Unbeugsam“ oder „Sie wollten nur Lesen und Schreiben lehren“ gegen Rassismus und Krieg beeindruckt den Betrachter, ob er nun Intellektueller oder Arbeiter ist. Die Abrechnung mit Missständen wie zum Beispiel „Am kalten Büfett“ lässt die Protagonisten erkennbar werden und klagt deutlich an.
Aber auch das Gute ist zu finden. Beispiel hier sei das Bild von 1968 „Laufender Junge“. Diese Freiheit, Unbeschwertheit und das dargestellte Glück springen geradezu aus dem Bild und sind Sinnbild für diese Zukunft, die es zu erkämpfen gilt.
Einen großen Teil von Sittes Werk haben erotische Themen bestimmt. In der Beziehung der Geschlechter suchte er etwa über das gesellschaftliche Leben zu erfahren und zu zeigen. „Der Mensch ist ja gleichermaßen Natur- und gesellschaftliches Wesen. Auch seine natürliche Körperlichkeit sagt etwas über das gesellschaftliche Leben, das Wesen der Gesellschaft, über Harmonie und Widersprüche“ (Sitte 1974). Hier werden auch die Emanzipation und die aktivere Rolle der Frau thematisiert. Er malte die Realität mit allen Widersprüchen und Bewegungen – eben dialektisch.

Sittes „Feindbild“ war der Herr Mittelmaß. „Es sind Variationen eines Menschentyps,“ so sagte er,“der mich Zeit meines Lebens begleitet. Wahrscheinlich hat jeder entsprechend seiner Biografie eigene Vorstellungen von diesem Mr. Durchschnitt, der sich anpasst, mit schwimmt, nachplappert, statt genau hinzusehen und sich ein eigenes Urteil zu bilden. Leider hört das nie auf.“
Willi Sitte war prägend für den sozialistischen Realismus in der bildenden Kunst. Seine monumentale Bildgewalt verbunden mit einer Sensibilität für das wirkliche Leben, die Dynamik der Darstellung und die Klarheit der politischen Aussage in seinen Bildern ist unerreicht.

Seine Bilder „Propaganda-Malerei“? Ja – im besten Sinne! Es sind Bilder, die sich einmischen. Humanität einklagend, Phantasie weckend für eine besser Welt, anregend zum Nachdenken und sich Ungerechtigkeiten zu widersetzen. Dem Schlechten die hübsche Maske von Gesicht reißend und eine Alternative zum Kapitalismus propagierend! Er ist Symbol der Widerständigkeit und Leitbild einer proletarischen Kultur, um die es heute zu kämpfen gilt. Sein Werk ist Vorbild und Maßstab für die Bilder, die da noch kommen werden.

Toni Köhler-Terz

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