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Land oder Leben

Der Klassenkampf in Venezuela

In Venezuela wurden zwei Aktivisten der Bauernbewegung und der Kommunistischen Partei Venezuelas (PCV) ermordet. Die DKP gedachte ihnen mit Vertretern der Kommunistischen Parteien der Ostsee-Anrainerstaaten auf der Konferenz „Für eine Ostsee als Meer des Friedens“ mit einer Schweigeminute. Carolus Wimmer, Internationaler Sekretär der PCV, schreibt in der UZ vom 9. November über den Tod der Genossen Luis Fajardo und Javier Aldana, sowie dem Kampf der Bauernbewegung in Venezuela. Ein Vorabdruck.

„Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Klassenkämpfen … kurz, Unterdrücker und Unterdrückte standen in stetem Gegensatz zueinander, führten einen ununterbrochenen, bald versteckten, bald offenen Kampf, einen Kampf, der jedesmal mit einer revolutionären Umgestaltung der ganzen Gesellschaft endete oder mit dem gemeinsamen Untergang der kämpfenden Klassen“, lernen wir im Manifest der Kommunistischen Partei.
Dieser Kampf bedeutet besonders für die Unterdrückten dramatische Opfer, wie wir erst letzte Woche bei der Ermordung von zwei kommunistischen Bauernführern im Südwesten Venezuelas wieder erleben mussten. Luis Fajardo, Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Venezuelas (PCV), und Javier Aldana, ebenfalls von der PCV, waren an heftigen Landkämpfen von Kleinbauern beteiligt, auf die Großgrundbesitzer mit tödlicher Gewalt, häufig mit Hilfe paramilitärischer Banden, reagiert haben.
Der bewundernswerte Marsch der Bauern, die im vergangenen Juli rund 500 km zu Fuß zurücklegten, um ein Treffen mit Präsident Maduro zu fordern, hatte mehrere Opfer zur Folge, unter diesen drei kaltblütig erschossene Kommunisten aus dem Bundesland Barinas.
Seit langem steht die Kommunistische Partei mit den Bauern in der ersten Reihe dieses gerechten und notwendigen Kampfes.
So gab es machtvolle Fortschritte mit der Annahme der Verfassung der Bolivarischen Republik Venezuela im Jahre 1999 und des von der kommunistischen Fraktion eingebrachten Agrarreformgesetzes von 2001, die beide die rechtlichen Rahmenbedingungen zugunsten der Bauern gegen die landbesitzenden Klassen, insbesondere die ausländischen Agrarkonzerne, gesichert haben. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich 75 Prozent des produktiven Bodens in der Hand von nur 5 Prozent Grundbesitzern.
Infolge des Gesetzes von 2001, das vor allem die Übernahme ungenutzter Ländereien durch organisierte bäuerliche Kommunen legalisierte und Latifundien verbot, begann in Venezuela ein Prozess der Landgewinnung, in dem die Kommunen der Kleinbauern endlich die Möglichkeit sahen, das Land in Besitz zu nehmen, auf dem ihre Familien seit Generationen arbeiten.
Luis Fajardo hat die Todesdrohungen gegen sich und seine Familie mehrfach öffentlich gemacht, was jedoch von den Behörden ignoriert wurden. Die Partei forderte Präsident Nicolás Maduro und Generalstaatsanwalt Tarek William Saab auf, für Gerechtigkeit zu sorgen.
Oscar Figuera, Generalsekretär der PCV erklärte: „Wir machen die Großgrundbesitzer, Mitglieder der Nationalgarde und korrupte Politiker, die ihn öffentlich bedroht haben, für die Ermordung unseres Genossen verantwortlich“.
Die PCV hat immer wieder auf die Gewalt auf dem Land aufmerksam gemacht und den Behörden eine Mitschuld wegen Untätigkeit vorgeworfen.
Anfang dieses Monats hatte Figuera dringend ein Treffen mit Präsident Maduro gefordert. Vor den Präsidentschaftswahlen am 20. Mai hatten die sozialistische Regierungspartei PSUV und die PCV ein Wahlabkommen unterzeichnet. Figuera beschuldigte die Regierung, keinen der vereinbarten Punkte zu erfüllen, darunter die Forderungen der Bauern und die Beendigung der gewaltsamen Vertreibungen und gezielten Morde auf dem Land.
Das Politbüro der PCV verlangt jetzt von den Behörden die Aufklärung des Verbrechens, eine exemplarische Bestrafung der Täter und letztlich eine endgültige Lösung durch die gesetzlich geregelte Übergabe von landwirtschaftlichem Boden an die Kleinbauern und deren Schutz gegen willkürliche kriminelle Ausschreitungen der Großgrundbesitzer und Sicherheitskräfte.
Viele Schlachten sind noch zu schlagen, um den Krieg gegen die Grundbesitzerklasse zu gewinnen, einige von ihnen werden bereits gekämpft. Zum Beispiel gibt es rund 6 000 Verfahren zur Rückgewinnung von Land, die zwar eröffnet, jedoch nie abgeschlossen wurden, was bedeutet, dass 90 Prozent der 6 Millionen Hektar, die von den Bauern zurückgewonnen wurden, in Gefahr sind.
Der revolutionäre Klassenkampf bis hin zur Errichtung des Sozialismus muss weitergehen.

Vorabdruck aus der UZ vom 9. November 2018

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Rede von Patrik Köbele, Vorsitzender der DKP, auf der Bundesmitgliederversammlung zur Kandidatur der DKP bei der EU-Wahl 2019

Liebe Genossinnen und Genossen,

vieles ist in Bewegung, vieles ist labil – global, in Europa, in unserem Land. Leider geht die Bewegung meist nicht in eine fortschrittliche Richtung. Als Beispiel nenne ich den Wahlausgang in Brasilien. Die Folgen für Brasilien, für Südamerika, aber auch für die Gruppe der BRICS-Staaten lassen sich heute noch nicht absehen.

Auch in der EU ist vieles labil und manches äußerst widersprüchlich. Schauen wir nur nach Italien. Eine Regierung, die zu Recht als reaktionär bezeichnet wird und auf drastische Abschottung gegenüber Flüchtlingen setzt, ist zugleich die Regierung, die bezüglich der EU-Haushaltspolitik gegen den Stachel löckt. Sie unterwirft sich nicht der Schuldenbremse und damit der EU-Politik der Abwälzung der Krisenlasten.

Von Labilität muss man auch beim Parteiensystem der Bundesrepublik sprechen. CDU/CSU und SPD werden zu Recht abgestraft. Aber über die Gewinne von AFD und Grünen, die immer mehr zur FDP mit Ökotouch werden, kann man sich nicht freuen. Auch der Streit in der Partei Die Linke um „aufstehen“, um die Flüchtlingsfrage, um das Verhältnis und die Einordnung von Russland ist Ausdruck dieser Labilität.

Dass diese Labilität kaum zu einer Verschiebung nach links führt, hat im Wesentlichen mit der Schwäche der Linkskräfte und in unserem Land ganz besonders auch mit unserer Schwäche, der Schwäche der kommunistischen Partei, zu tun. Die Stärkung der DKP ist eine entscheidende Voraussetzung für eine Veränderung dieser Situation. Der Kampf um die Stärkung der DKP ist eine wesentliche Begründung für unsere Kandidatur zu den EU-Wahlen 2019.

Die Zeiten werden labiler, gefährlicher, instabiler. Kriege, Kriegsgefahr, Säbelrasseln. Die Gefahr, dass die Dinge aus dem Ruder laufen, ist gewaltig. Ich meine damit die Gefahr einer großen Konfrontation. Die Linien laufen zwischen dem Aggressor NATO und den militärischen Großmächten der Russischen Föderation und der VR China.

Innerhalb der NATO dominiert der US-Imperialismus, aber auch in ihm herrscht offensichtlich eine große Labilität. Was oft auf die Unberechenbarkeit von Donald Trump, die es sicherlich gibt, reduziert wird, ist das Ergebnis dieser Labilität. Es schwankt hin und her zwischen einer aggressiven ökonomischen und militärischen Politik nach außen und einer ökonomischen Abschottungspolitik. Beides ist riskant und klar ist auch, dass Handelskriege schnell zu militärischen Auseinandersetzungen oder Stellvertreterauseinandersetzungen führen können. Diese Gefahr wird dadurch verstärkt, dass Handelskriege immer stärker logistische Verbindungen, wie Pipelines, Eisenbahn- und Schiffsverbindungen, aber auch Flugstrecken als Subjekt haben.

Schlaglichter dieser gefährlichen Entwicklungen sind militärisch, die Androhung der Aufkündigung des INF-Vertrags und die Manöver „Trident Juncture“ und „Northern Coasts 2018“.

Die Aufkündigung des INF-Vertrages steht für die Wiederaufnahme der Produktion von Mittelstreckenraketen mit der Fähigkeit zur atomaren Bestückung. Es ist die Waffengattung, gegen die die Friedensbewegung der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts kämpfte. Damals ging es um die Stationierung der Mittelstreckenraketen Pershing II und Cruise Missile in Europa, vor allem in Deutschland. Die Gefahr, damals zu Recht erkannt und von Massen realisiert, bestand darin, dass sie die Vorwarnzeit eines atomaren Erstschlags der NATO gegen die Sowjetunion auf wenige Minuten verkürzt hätte. Dies hätte die Sowjetunion in eine militärische Unterlegenheit gebracht, hätte für den US-Imperialismus einen Erstschlag zur Zerstörung des sowjetischen Gegenschlagpotentials realistischer gemacht und die Reaktionszeit für die Sowjetunion drastisch verkürzt.

Die Androhung zur Aufkündigung des INF-Vertrages im Zusammenhang mit der NATO-Osterweiterung, die dazu führt, dass solche Waffen immer näher an der russischen Grenze stationiert werden, und den US-Raketenabwehrsystemen in Polen macht deutlich, dass eine neue Runde der Hochrüstung mit Mittelstreckenraketen zu einer schlimmeren Situation führen würde als in den 1980ern. Damals war die Welt mehrfach am Rande eines Atomkriegs und manchmal war es einfach nur Glück – oder die Hilfe von Kundschaftern des Friedens –, dass das Schlimmste, möglicherweise das Ende der menschlichen Zivilisation, verhindert wurde.

Diese Gefahr kommt auch in den beiden benannten Manövern zum Ausdruck. Sie richten sich eindeutig gegen Russland und die wachsende Zusammenarbeit mit der VR China. Das ist schon schlimm genug. Es sind die größten Manöver seit dem sogenannten Ende des kalten Kriegs – eine blödsinnige Metapher, denn was da abläuft, ist ja kalter Krieg. Die größten Manöver seit den Konterrevolutionen in den europäischen Ländern des Sozialismus – das ist das eine. Sie sind aber vor allem Ausdruck der Strategieänderung der NATO, des US-Imperialismus, der europäischen imperialistischen Länder und des deutschen Imperialismus.

Diese Strategie geht weg von der Beteiligung an Stellvertreterkriegen in relativ großer Entfernung von den imperialistischen Zentren mit kleinen bis mittleren Truppenkontingenten und „Eingreiftruppen“. Heute geht es wieder um große Truppenverbände und große Schlachten. Es gehört wenig Phantasie dazu, dass Europa und Osteuropa die Schlachtfelder sind, die diese Planungen prägen. Auch die Bewaffnung entspricht dem. Große Panzerverbände spielen wieder eine zunehmende Rolle. Darum geht es bei der permanenten Kriegspropaganda vom schlechten Zustand des Materials, von der schlechten Ausrüstung der Truppe. Diese geänderte Strategie ist nachlesbar zum Beispiel im Weißbuch der Bundeswehr. Begleitet wird sie von steigendem Militarismus und Nationalismus.

Was an diesen Manövern zusätzliche Sorgen machen muss, ist die Teilnahme formal neutraler Staaten wie Finnland und Schweden auf Seiten der NATO. Es ist müßig zu spekulieren, ob die Situation heute oder in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts gefährlicher war bzw. ist. Allerdings gibt es einen äußerst problematischen Faktor, das ist die heutige Schwäche der Friedensbewegung in den Mitgliedsländern der NATO in Verbindung mit wachsendem Nationalismus und der antirussischen und antichinesischen Propaganda.

Der Aufruf und die Unterschriftensammlung „Abrüsten statt Aufrüsten“ hat hier nach wie vor das Potential, zu einem Kristallisationspunkt der notwendigen Stärkung der Friedensbewegung zu werden. Wir haben mehrfach argumentiert, dass er sich gegen alle drei Bestandteile der Strategie des deutschen Imperialismus richtet. Der Aufruf wendet sich gegen die nationalen Hochrüstungspläne, gegen EU-Hochrüstung, die unter anderem in der Gründung von PESCO zum Ausdruck kommt, und gegen die Rolle Deutschlands in der NATO als Juniorpartner des US-Imperialismus.

Aber die Formierung der Friedensbewegung entspricht keineswegs der Dramatik der Situation. Zwischen 100.000 und 115.000 Unterschriften wurden bisher unter den Aufruf gesammelt. Angesichts des Zustands der Friedensbewegung nicht schlecht, im Verhältnis zur Bedrohlichkeit der Situation ist es viel zu wenig.

Das zeigt sich auch daran, dass wir, eine kleine Partei, etwa 30 Prozent dieser Unterschriften gesammelt haben. Natürlich sind wir darauf stolz. Aber es ist doch problematisch, wenn Teile der Gewerkschaften, der SPD, der Grünen, der Linkspartei zu den Unterzeichnern gehören, sie aber diese Frage nicht oder zu wenig in die eigene Mitgliedschaft und auf die Straße, in die Massen tragen.

Das hat sicherlich mit einer gewissen Entwöhnung von der Offensive auf der Straße, in der direkten Ansprache von Menschen zu tun. Es hat aber auch eine inhaltliche Komponente. In allen Organisationen tobt – übrigens ähnlich wie am Vorabend des ersten Weltkriegs – mehr oder minder die Auseinandersetzung, ob man sich mit „dem Russen“ gleichmacht, wenn man sich in aller Schärfe gegen die NATO-Kriegspolitik wendet. In vielen der genannten Organisationen gibt es Diskussionen um das Verhältnis zur deutschen Rüstungspolitik, zur Bundeswehr, zu den angeblichen Arbeitsplätzen, die nur durch Rüstung zu sichern seien. Diese Unklarheiten führen dazu, dass oftmals mit gebremstem Schaum an die notwendigen Aktivitäten gegangen wird.

Was hat das nun alles mit unserem Antritt zu den EU-Wahlen zu tun?

Sehr viel. In den inhaltlichen Grundlagen unseres Antritts zu den EU-Wahlen, die wir auf der 3. Tagung des Parteivorstandes beschlossen haben, kommen wir zu dem Schluss, dass es notwendig ist, folgende Forderungen in den Mittelpunkt unseres Wahlkampfs zu stellen:

  • „Gegen Hochrüstung – stoppt die 2-Prozent-Forderung der NATO, stoppt die Verdoppelung der Rüstungsausgaben!
  • Frieden mit Russland – Raus aus der NATO!
  • Keine weitere Militarisierung der EU!

Diese Forderungen zu stellen, das nimmt uns keiner ab. Wir müssen jede Chance nutzen, um sie massenhaft an Menschen, massenhaft in die Organisationen der Arbeiterbewegung, massenhaft in die Friedensbewegung zu tragen. Das ist der erste und wichtigste Grund für den Beschluss zur Kandidatur, den wir im Parteivorstand gefasst haben.

Der zweite Grund ist die Frage, die dazu führt, dass viele Menschen AFD wählen, Nationalisten und Rassisten hinterherlaufen. Der Hintergrund ist ihre Perspektivangst und ist die Frage von Flucht und der Migration.

Die Perspektivangst der Menschen hat eine völlig reale Grundlage. Sie erleben, dass die Konkurrenz auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt härter wird. Sie erleben die Verteilungskämpfe drastisch zum Beispiel an den Tafeln. Sie erleben, dass dabei Kulturen zusammenstoßen und sie erleben, dass in diesen Auseinandersetzungen die Gewalt zunimmt. Auf diese berechtigte Perspektivangst gibt ihnen niemand eine Antwort bzw. die oftmals einzig nachvollziehbare Antwort scheint von Rassisten, Nationalisten, Faschisten, scheint wahlpolitisch von der AFD zu kommen.

Das Massenempfinden ist völlig gerechtfertigt, wenn es erkennt, dass Flucht und Migration zu einer Verschärfung der Konkurrenz führen. Auch das Empfinden, dass Angela Merkel ihr „Wir schaffen das“ nicht aus humanistischen Gründen gemacht hat, ist völlig richtig. Das Massenbewusstsein geht aber völlig in die Irre und stützt damit die Herrschaft der Verursacher dieser Situation, wenn daraus Rassismus, Nationalismus, Faschismus folgen und AFD gewählt wird.

Wir begrüßen jeglichen Widerstand gegen Rassismus, Nationalismus und Faschismus. Wir sind, wo wir können, dabei. Wir sind froh über jede Empörung dagegen, zuerst oft moralisch empört und begründet. Diese moralische Empörung ist wichtig. Oft reicht sie aber nicht. „Refugee welcome“ ist eine wichtige Losung, sie trägt aber auch die Gefahr in sich, dass die herrschende Klasse den Flüchtling begrüßt, weil er instrumentalisiert werden kann, um die Konkurrenz unter den Ausgebeuteten – zu denen er auch gehört – zu verschärfen.

Ich denke, wir können sagen, dass wir mit unserem Sofortprogramm die einzige parteipolitische Kraft waren, die dieser Doppelzüngigkeit der herrschenden Klasse etwas entgegengesetzt hat. Wir sagten und sagen: Wir müssen die Ursachen von Krieg, Flucht und Armut beleuchten, wir müssen die Verursacher von Krieg, Flucht und Armut benennen und zeigen, dass dort und in ihrer Hochrüstungspolitik das Geld zu holen ist, um die Ursachen von Flucht zu beseitigen und die Konkurrenz unter den Ausgebeuteten zurückzudrängen.

Auch in dieser Frage sind wir einzigartig: Wir benennen gegenüber den Menschen, dass ihre Perspektivangst berechtigt ist und dass die Konkurrenz in diesem Land natürlich zunimmt, wenn mehr Menschen ins Land kommen. Wir sagen aber auch, dass das von den Herrschenden gewollt ist, und eben nicht die Geflüchteten und Migranten daran schuld sind. Und wir beteiligen uns nicht an einer Diskussion der herrschenden Klasse, wie man „Zuzug“ am besten steuert. Das unterscheidet uns übrigens auch von beiden, wie vereinfacht gesagt wird, „Flügeln“ der Linkspartei.

Diese Dialektik müssen wir an die Massen heranbringen. Es wäre fahrlässig, dafür den EU-Wahlkampf nicht zu nutzen. Das war ein weiterer Grund für den Parteivorstand, den Wahlantritt zu beschließen. Es ist auch Inhalt der politischen Grundlagen unseres Antritts zu den EU-Wahlen, die wir bereits vor einigen Monaten veröffentlicht haben.

Liebe Genossinnen und Genossen,

ein kleiner Teil der Arbeiterklasse hat sich kürzlich gereckt, hat Beispiel gegeben für die Klasse. Hat ein Beispiel gegeben, auch weil antimonopolistische Bündnismöglichkeiten hervorragend genutzt wurden. Es geht mir um den Kampf um Personalbemessung und die Aktionen an den Unikliniken in Düsseldorf, Essen und Homburg. Mit zum Teil langen Streiks und mit einem starken Engagement der Streikenden konnten Abschlüsse erreicht werden, die einen großen Erfolg für die ganzen Belegschaften darstellten. Sie erzwangen die Einrichtung zusätzlicher Stellen, sowohl im pflegerischen als auch im nicht-pflegerischen Bereich und die Schließung von Betten im Fall der Unterbesetzung.

Ein Problem ist, dass die konkreten Auswirkungen für die Kolleginnen und Kollegen erst zeitversetzt nach dem Streik spürbar werden – und dass nach dem Streik der Druck nicht mehr auf den Klinikleitungen lastet. Das führt zu Versuchen, die Umsetzung der Ergebnisse zu torpedieren – hier brauchen die Belegschaften weiter unsere Solidarität.

Sie brauchen das Hochhalten der Frage Personalbemessung, das Fortführen der verschiedenen Kämpfe darum. Dazu gehören die Fortführung der Volksbegehren und der Arbeit des Bündnisses „Krankenhaus statt Fabrik“. Wir waren gut in der Unterstützung der Streiks, viele Kolleginnen und Kollegen waren bei unserem UZ-Pressefest. Wir sind gut bei der Unterstützung der Volksbegehren, und Olaf Harms, den wir als unseren Spitzenkandidaten vorschlagen, ist in Hamburg führend mit dabei. Wir geben dieser Frage deshalb zu Recht auch in den „Inhaltlichen Grundlagen“ für unseren Wahlantritt einen hohen Stellenwert.

Liebe Genossinnen und Genossen,

viele Menschen haben eine völlig berechtigte Skepsis gegenüber der EU, viele lehnen sie ab. Die EU ist vor allem ein Instrument zur Durchsetzung der Interessen der herrschenden Klasse in den stärksten Ökonomien der EU und damit ein Instrument des deutschen Imperialismus. Sie ist ein Instrument, das der Ausbeutung anderer Ökonomien und Völker genauso dient wie der Umverteilung innerhalb Deutschlands. Sie ist, wie wir in den inhaltlichen Grundlagen unserer Kandidatur schreiben, nicht fortschrittlich reformierbar. Wir wollen der verbreiteten Skepsis gegenüber der EU mit unserer Kandidatur einen fortschrittlichen Ankerpunkt geben. Wir müssen das auch, um die nicht den Rechten zu überlassen.

Wir schlagen euch heute eine Bundesliste vor, die Kandidatinnen und Kandidaten aus den meisten Bezirks- und Landesorganisationen, den meisten Bundesländern enthält. Sie setzt sich zum großen Teil aus den Vorschlägen der Bezirke und Landesorganisationen zusammen. Sie ist auf den ersten 22 Plätzen quotiert.

Es war uns wichtig, dass wir mit Genossinnen und Genossen mit DDR-Biografie auch deutlich machen, dass wir uns bewusst auch in die Tradition der DDR stellen. Hier wollten wir deutlicher werden, konnten aber leider nicht mehr Genossinnen und Genossen bzw. Freundinnen und Freunde von der Kandidatur überzeugen.

Gut gelungen ist uns die Repräsentanz des Kampfes um Personalbemessung auf der Liste. Der Anteil von Genossinnen und Genossen mit Funktionen in Betrieb und Gewerkschaft ist ebenfalls hoch.

Mit Michael Gerber und Reinhard Püschel konnten wir auch zwei Genossen für die Liste gewinnen, die die DKP in ihren Heimatstädten Bottrop und Heidenheim in den Gemeinderäten vertreten. Das kann ja für Brüssel nur hilfreich sein.

Wir sind froh, junge Genossinnen und Genossen, die ihren Arbeitsschwerpunkt in der SDAJ haben, gewinnen zu können. Darunter auch die Bundesvorsitzende der SDAJ, Lena Kreymann, die auf einem der ersten Plätze kandidiert. Insgesamt denken wir, dass die Liste gut gelungen ist und bitten euch um die Zustimmung in ihrer Gesamtheit.

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Auf Einladung der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) nahmen VertreterInnen kommunistischer Parteien aus Ostseeanrainer-Staaten am vergangenen Wochenende in Kiel an den Aktivitäten zur Erinnerung an die Novemberrevolution vor 100 Jahren teil. Dazu gehörte auch eine Konferenz von DKP und SDAJ auf der folgende Resolution verabschiedet wurde:

Wir, fünf Kommunistische Parteien aus Polen, Schweden, Dänemark und Deutschland, setzen mit unserer Teilnahme an der Konferenz „Ostsee – Meer des Friedens“, zu der auch die Kommunistischen Parteien aus der Russischen Föderation und Finnland Textbeiträge zugesandt haben, ein Zeichen für Frieden und Völkerverständigung. Die Ostsee ist ein Meer, das dem Austausch und dem Handel zwischen den verschiedenen Nationen dient, seit Menschen an der Ostsee leben. Dieses Meer darf nicht zum Schauplatz militärischer Aggression und von Militärübungen werden.

Wir verurteilen die Manöver der NATO „Trident Juncture“ – vor wenigen Tagen in der Nordsee – und „Northern Coast 2018“, welches bald in der Ostsee stattfinden wird. Die nicht der NATO angehörenden Staaten Schweden und Finnland sollen durch ihre Einbindung in militärische Übungen schrittweise immer weiter an die NATO herangeführt werden. Wir solidarisieren uns mit dem Kampf der Kommunistischen Parteien Schwedens und Finnlands und mit der Friedensbewegung dieser Länder gegen eine NATO-Mitgliedschaft.

Die Übungen der Seestreitkräfte stehen in einer Linie mit der seit Jahren stattfindenden Osterweiterung der NATO in die baltischen Staaten sowie den Großteil Osteuropas. Die Russische Föderation, deren Militärhaushalt nur etwa ein Siebzehntel des Rüstungshaushalts der NATO-Staaten ausmacht, ist der Feind – offenbar unabhängig von ihrem Gesellschaftssystem. Sie soll unter Druck gesetzt und zu einem neuen Rüstungswettlauf gedrängt werden. Für dieses Land, das im Rahmen der UdSSR 1941 bis 1945 den Hauptanteil der Last bei der Zurückschlagung des Faschismus trug und dem die europäischen Völker ihre Freiheit vom Faschismus verdankten, ist diese Bedrohung real.

Die Europäische Union beteiligt sich an den Kriegsvorbereitungen, indem sie 2017 die „Ständige Strukturierte Zusammenarbeit“ (PESCO) vereinbarte, der 25 der 28 EU-Mitglieder und bis auf Dänemark alle EU-Ostseeanrainerstaaten angehören und die der militärischen Eingreiffähigkeit der Europäischen Union dient.

Die NATO- und EU-Aggression geht einher mit der Beseitigung von Widerstandspotential in den Nachbarländern der Russischen Föderation, wo Kommunistische Parteien verboten sind oder verboten werden sollen. Wir wenden uns gegen Nationalismus und das Aufkommen eines neuen Faschismus, sowie gegen die Neuschreibung der Geschichte des Sozialismus!

Als Kommunistische Parteien der Ostseeanrainerstaaten fordern wir:

  • Schluss mit der Aggression gegen die Russische Föderation!
  • Stopp der NATO-Manöver in Nord- und Ostsee – Für eine Ostsee des Friedens!
  • Wiederherstellung der politischen Rechte der Kommunistinnen und Kommunisten in Polen, der Ukraine und den baltischen Staaten!

Kiel, 3.11.2018

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Förderkreis der Karl-Liebknecht-Schule braucht neue Mitglieder

Klassenbewusste Arbeiterinnen und Arbeiter haben vor 90 Jahren das Haus der heutigen Karl-Liebknecht-Schule (KLS) der DKP in Leverkusen in Eigenleistung erbaut. Zwei Jahre nach der Einweihung, die im März 1931 stattfand, wurde es von den Faschisten beschlagnahmt. Zahlreiche am Bau beteiligte Genossinnen und Genossen wurden in Zuchthäusern und KZs eingekerkert oder mussten ins Exil fliehen. Viele überlebten die Nazi-Diktatur nicht. Nach der Befreiung vom Faschismus wurde das Haus im Februar 1946 dem neugegründeten Arbeiter-Kulturkartell e.V., der heutigen Kulturvereinigung Leverkusen e.V., rückübereignet. Seither hat es seinen festen Platz in der proletarischen Jugend-, Bildungs- und Kulturarbeit. Unzählige freiwillige Arbeitsstunden und eine hohe Spendenbereitschaft haben die Existenz des Hauses gesichert. Tausende waren in den zurückliegenden Jahrzehnten Gast in Leverkusen, besuchten dort Schulungen, Diskussions- oder Kulturveranstaltungen. Dieser Tradition sind wir verpflichtet.

Die KLS wird saniert

Die Karl-Liebknecht-Schule soll modernisiert werden, um auch in Zukunft eine Stätte humanistischer Kultur und kommunistischer Bildung sein zu können. Noch in diesem Jahr können wir dank einer hohen Spende mit der Sanierung des Hauses beginnen. Ziel ist es, die sanitären Einrichtungen und Übernachtungsräume zu modernisieren, den Tagungsbereich zu erweitern und barrierefreie Zugänge zu schaffen. Viel Arbeit kommt auf uns zu! Die Aufräum- und Rückbauarbeiten beginnen noch im November. Wer mithelfen und anpacken möchte, ist herzlich zu den Subbotniks eingeladen. Auch Werkzeuge werden als Spende oder Leihgabe benötigt.

Förderkreis stärken

Seit 1990 existiert der Förderkreis „Erhaltet die Karl-Liebknecht-Schule“. Es ging und geht darum, dass das Haus als eine Einrichtung der revolutionären Arbeiterbewegung erhalten bleibt, dass die Karl-Liebknecht-Schule ihre Aufgabe als zentrale Bildungs- und Begegnungseinrichtung der DKP wahrnehmen kann. Die Sanierung ist ein bedeutender Schritt, der neue Standard muss allerdings nachhaltig abgesichert werden. Dafür brauchen wir neue Mitglieder des Förderkreises, die mit ihrer regelmäßigen Spende die Arbeit der KLS unterstützen und langfristig ermöglichen.

Wer Mitglied des Förderkreises werden und spenden möchte, wer an den Subbotniks teilnehmen oder Werkzeuge bereitstellen kann, wende sich bitte an den DKP-Parteivorstand oder überweist auf das Konto der Karl-Liebknecht-Schule der DKP bei der Sparkasse Leverkusen: IBAN: DE39 3755 1440 0101 0050 64 • BIC: ELADEDLLEV • Kennwort: Erhaltet die KLS. Spenden sind steuerlich abzugsfähig. Weitere Infos: Klaus Leger, 0201 1778890, finanzen@dkp.de, kls.dkp.de

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Am 19. Oktober 2018 hat der Kanzler der Technischen Universität Hamburg (TU HH) dem „Gesprächskreis Dialektik & Materialismus“ die Werbung zu einem wissenschaftlichen Colloquium mit der Fragestellung „Selbstorganisation der Materie“ untersagt.

Das Colloquium soll am 17. November an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) stattfinden, und befasst sich mit Fragen der „Krise der Physik“ und der Herausbildung einer materialistischen Entwicklungstheorie. Es ist Teil einer laufenden Veranstaltungsreihe zur Bedeutung des dialektischen Materialismus in den modernen Natur- und Humanwissenschaften. An dieser Reihe haben bislang BesucherInnen und namenhafte ReferentInnen aus der ganzen Bundesrepublik teilgenommen.

Das Werbeverbot wurde mündlich in der Verwaltung zunächst mit dem Hinweis auf „Terrorismusgefahr 9/11“ begründet. In der schriftlichen Begründung wurde dann dargelegt, dass der „Gesprächskreis Dialektik & Materialismus“ eine „politische Vereinigung“ sei, die in Verbindung mit der Marx-Engels-Stiftung mit Sitz in Wuppertal stehe.

Der Präsident der TU HH, Professor Dr. Ed Brinksma, erklärte unter öffentlichen Druck geraten am 26. Oktober, es liege seinem Institut fern, die Aktivitäten des Gesprächskreises oder einzelne Veranstaltungen und ihre Referenten unter Terrorismusverdacht zu stellen. Falls dieser Eindruck entstanden sein sollte, so bedaure er das. Zugleicht bestätigter er das Werbeverbot und berief sich dabei auf die Verpflichtung zur politischen Neutralität.
Das Werbeverbot ist eine unglaubliche Anmaßung. Studierende und Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen wollen ausgehend von ihren jeweiligen Spezialfächern das gemeinsam verbindende wissenschaftstheoretische Grundkonzept diskutieren, das sie in unterschiedlichen Nuancen mit einem materialistischen und dialektischen Forschungsansatz verbinden. Eine akademische Institution, die einen solch interdisziplinären Diskurs behindert, diskreditiert sich selbst und führt ihren Bildungsauftrag ad absurdum.

Weltweit wurde vor wenigen Wochen der 200. Geburtstag von Karl Marx begangen. In Hamburg soll die Werbung für eine Veranstaltung untersagt werden, weil sie mit der deutschen Marx-Engels-Stiftung in Zusammenhang gebracht wird. Die Marx-Engels-Stiftung kooperiert seit Jahrzehnten bei Symposien und Veranstaltungen u. a. mit der Stadt Wuppertal und auch mit der dortigen Gesamthochschule. Sie organisiert Veranstaltungen mit WissenschaftlerInnen aus dem In- und Ausland, GewerkschafterInnen und Aktiven aus politischen Zusammenhängen und Bewegungen. Ihre Arbeitsergebnisse werden regelmäßig öffentlich publiziert und sind frei zugänglich.

Wo kämen wir hin, wenn dieses Beispiel der Technischen Universität in Hamburg Schule machte?
 
Die DKP protestiert entschieden gegen diese Behinderung der freien Meinungsbildung zu Fragen des modernen Materialismus. Wir sehen darin die Diskreditierung des Marxismus und des Materialismus als wissenschaftlicher Theorie. Es geht um nicht weniger als die Freiheit von Forschung und Lehre.

Die DKP fordert von der TU HH die sofortige Rücknahme des Werbeverbots für das Colloquium des „Gesprächskreises Dialektik & Materialismus“!

Essen, 26. September 2018

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Die ersten Arbeiten an der Karl-Liebknecht-Schule der DKP in Leverkusen beginnen mit dem Subbotnik am 8. November 2018 (bitte anmelden!). Neben der tatkräftigen Unterstützung vieler KLS-FreundInnen und GenossInnen werden Werkzeuge und Baumaschinen benötigt. Auf unserer Einkaufs- und Mietliste stehen für die jetzt beginnenden Rückbau- und Aufräumarbeiten folgende Artikel:

Arbeitsschutz
Sicherheitsschuhe, Bauhelme
Arbeits- und Gummi-Handschuhe
Schutzanzüge, Staubmasken
Gehörschutz, Schutzbrillen

Großgeräte
Minibagger
Presslufthammer, Stemmhammer
Bohrer für Kernbohrungen

Werkzeuge / Arbeitsgeräte
Schubkarren, Sackkarren
Schaufeln, Spaten, Spitzhacken
Besen, Handfeger, Kehrbleche
Baukübel, Eimer
Baustrahler
Kabeltrommeln, Arbeitskabel
Mehrfachstecker
Leitern, Rollgerüste, Gerüste
Hammer (bis 5kg)
Montierhebel
Stahl- und Diamantscheiben
Industrie-Staubsauger
Kompressor
Säbelsäge, Flex, Kettensäge
Hartfaser Bodenschutz
Staubwände
Häxler u.v.m.

Wer kann gut erhaltene Werkzeuge spenden oder sie der KLS für die Bauphase leihen?
Wer kennt günstige Bezugsquellen?
Wer kann an den Subbotniks teilnehmen? Erster Termin: 8.-14.11.2018

Weitere Infos und Anmeldung: Klaus Leger, Telefon 0201 177889-16 | finanzen@dkp.de

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Erklärung des Bezirksvorstands der DKP Saarland vom 18.10.2018

Die Ereignisse um die Neue Halberg Guss (NHG) überschlagen sich, die Arbeitsplätze und die Perspektiven der Belegschaft und ihrer Familien sind akut bedroht.
Was sich hier abspielt ist real existierender Kapitalismus: Profit geht vor Mensch.
Die DKP hat in ihrer Erklärung vom 19. Juli 2018 bereits auf die Krisenentwicklungen in der Automobilindustrie, die Gemengelage aus Spekulation, verschärfter Konkurrenz auf dem Automobilzulieferermarkt, Druck durch Großkonzerne, Profitstreben, Erpressung und Heuschreckenverhalten hingewiesen.
Dazu gehört nach Auffassung der DKP die Feststellung, dass diese Entwicklungen Ergebnisse des nationalen und globalen Kapitalismus sind. Dreh- und Angelpunkt sind dabei die kapitalistischen Eigentumsverhältnisse an den Produktionsmitteln und das egoistische Streben nach Maximalprofiten ohne gesamtgesellschaftliche Interessen zu berücksichtigen. Die kapitalistische Verwertung technologischen Fortschritts spielt dabei eine immer größere Rolle.
Ein traditionsreiches und hoch produktives Industrieunternehmen wird von dem Eigentümer Prevent-Gruppe und seiner Geschäftsführung rücksichtslos an die Wand gefahren. Mit einer „Chaos-Strategie“ werden nicht nur Kunden und Lieferanten verunsichert, sondern vor allem die Belegschaften erpresst.
Inzwischen wurden Produktionsmaschinen und Immobilien der NHG in die USA verkauft. Wird die NHG im wahrsten Sinne des Wortes von der Heuschrecke schon entkernt?
Während der Boden brennt, steht die saarländischen Landesregierung aus CDU und SPD konzeptionslos da, zu keiner konsequenten Handlung fähig, um die Hängepartie bei der NHG im Interesse der Belegschaft und auch im Interesse des Landes zu beenden.
Solange die sogenannte „soziale Marktwirtschaft“ und der kapitalistische (Verteilungs-)Markt auch von der Groko im Saarland als alternativlos „vergöttert“ werden, kann Belegschaften wie bei NHG nicht nachhaltig geholfen werden. Dies müsste doch in der Staatskanzlei, im Wirtschaftsministerium viel Nachdenklichkeit, Schlussfolgerungen für geeignete Maßnahmen in Wirtschafts- und Landespolitik, einen Politikwechsel in der Sache auslösen. Das ist aber nicht der Fall. Es regiert das „weiter so“.
Wir Kommunisten fordern mit aller Dringlichkeit:

  • Keine Kündigungen, keine Entlassungen bei der NHG!
  • Der Unternehmerwahnsinn muss gesetzlich gestoppt werden!
  • Die NHG muss sofort aus dem privatkapitalistischen Eigentum heraus genommen werden. Es gilt dafür die rechtlichen Grundlagen sowohl des Grundgesetzes als auch der Landesverfassung anzuwenden.
  • Die NHG muss jetzt als Eigentum des Landes in eine bessere Zukunft geführt werden. Dazu gehören Überlegungen des An- und Einbindens in die Strukturholding Saar, deren Rolle als arbeitsmarktpolitisches Instrument in der Landespolitik neu definiert werden muss!
  • Die Belegschaft muss dabei ein wirkungsvolles Mitbestimmungsrecht ausüben können!
  • Einen radikalen Politikwechsel: Dringend erforderlich ist eine Landesregierung mit einer Landespolitik, die solche Entwicklungen und Zustände wie bei NHG entschlossen bekämpft. Tragfähige Zukunftskonzepte zum Erhalt und ökologischem Umbau von Industriepotenzial und den damit verbundenen Arbeitsplätze müssen erarbeitet und in die Tat umsetzt werden. Sonst steht es auch um die Erhaltung und Verteidigung der NHG schlecht!
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Aufruf zur Luxemburg-Liebknecht-Demonstration am Luxemburg-Liebknecht-Lenin-Wochenende am 12. und 13. Januar 2019 in Berlin

Jahr um Jahr im Januar kommen Tausende Menschen mit Nelken und Rosen zum Grabmal von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht in Berlin-Friedrichsfelde. Und weil dies 2019 der 100. Jahrestag ihrer Ermordung sein wird und der fanatische Ungeist ihrer Mörder vielerorts in Deutschland und Europa eine unheilvolle Auferstehung feiert, soll unser »Trotz alledem!« unübersehbar werden!

Was hatten diese beiden Wortführer der Linken, Gründer der KPD, verbrochen, dass sie bespitzelt, gefangen, gefoltert und bestialisch umgebracht wurden? Waren sie für immer neue Kriege? Nein, sie waren für dauerhaften Frieden! Wollten sie noch mehr Schweiß und Blut auf dem Altar der Stahlbarone opfern? Nein, sie waren gegen die Ausbeutung unseres und anderer Völker! Dachten sie wie unsere Herrscher: »Viel Feind‘, viel Ehr‘!«? Nein, sie wirkten für die Solidarität der Menschen und Völker! Folgten sie den nationalistischen, rassistischen, antisemitischen Rattenfängern? Nein, sie rissen denen die Masken vom Gesicht.

Deshalb sprachen sie auf Kundgebungen, sammelten sie Verbündete, wurden sie eine wachsende Gegenkraft. Eben deshalb wurden sie von den reaktionären Trupps des Freikorps, der Geheimdienste und Reichswehr verfolgt und zuletzt grausam abgeschlachtet. Wie viele andere davor. Die Herrschenden nannten das »Ordnung schaffen!«. Es wurde die Startbahn für Hitlers braune Kolonnen.

Doch am Tag ihrer Ermordung erschien der Artikel »Trotz alledem« von Karl Liebknecht. Und am Vortag hatte Rosa Luxemburg geschrieben: »Ich war, ich bin, ich werde sein!«.

Unser gemeinsames Gedenken löst ihr Gelöbnis ein! Obwohl inzwischen im Osten Europas der Kapitalismus restauriert wurde? Wir sagen: »Trotz alledem!«. Obwohl inzwischen acht superreiche Familien mehr Vermögen haben als die ärmere Hälfte der Erdbewohner? Obwohl so viele Kriege und Bürgerkriege toben? Obwohl über 65 Millionen Menschen auf der Flucht sind – zwischen Trümmern, Schlauchbooten und Sperrzäunen? Obwohl das starke und reiche Deutschland um Abschieberekorde ringt? Obwohl wieder mal deutsche Truppen an der russischen Grenze stehen und der Präsident der USA seinen Rüstungsetat ins Unermessliche steigert?

Wir sagen: Gerade deshalb und trotz alledem! Und demonstrieren in diesem Geist friedlich am 13. Januar 2019.

Wir wollen keine Festung Europa! Wir wollen eine Welt des Friedens, der Solidarität und des lebenswerten Lebens auf allen Kontinenten!

Das halten wir für möglich: »Trotz alledem!«

LL-Bündnis, Berlin, September 2018

Mehr Infos unter ll-demo.de

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Der DKP-Parteivorstand als Trägerin der Karl-Liebknecht-Schule (KLS) und die Kulturvereinigung Leverkusen als Eigentümerin des Hauses haben die Sanierung der KLS beschlossen. Die UZ hat darüber berichtet. Eine höhere Spende eines parteilosen Freundes macht diesen Schritt möglich – jetzt wird es ernst, die Arbeit beginnt…

Vom 8. – 14. November 2018 starten wir mit einem Subbotnik an der KLS in Leverkusen diese Sanierung – denn nur mit tatkräftiger Unterstützung können wir ein solches Projekt gemeinsam stemmen. Es soll mit Aufräum- und Rückbauarbeiten im Haus und im Garten begonnen werden. Hierfür brauchen wir möglichst viele helfende Hände, GenossInnen und FreundInnen mit und ohne handwerkliche Kenntnisse. Bitte meldet euch (auch für einzelne Tage) möglichst schnell an, damit wir planen können.

Hinweis: Am 10.11.2018 findet die Fete für die HelferInnen des 20. UZ-Pressefestes statt. Alle TeilnehmerInnen des KLS-Subbotniks sind zu dieser Fete natürlich ebenfalls herzlich eingeladen! Gleichzeitig hoffen wir, dass einige HelferInnen des UZ-Pressefestes ihren Aufenthalt in Leverkusen verlängern und am Subbotnik teilnehmen.

Weitere Infos und Anmeldung: Klaus Leger, Telefon 0201 177889-16 | finanzen@dkp.de

Siehe auch:
Kommunistische Bildungsstätte wird modernisiert
Werkzeuge gesucht!

 

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Rodungsstopp

Das letzte Wochenende ist für den Energiekonzern RWE kein gutes gewesen, die Schlacht um den Hambacher Wald ist vorläufig für das Unternehmen verloren. Nachdem das Oberverwaltungsgericht Münster am Freitag einen vorläufigen Rodungsstopp verfügte, feierten am Samstag viele Tausend Braunkohlegegner ihren Sieg und demonstrierten gleichzeitig für den Kohleausstieg.
Nach Angaben der Veranstalter sollen sich rund 50 000 Menschen an der bislang größten Anti-Kohle-Demonstration im Rheinischen Revier beteiligt haben. Die Veranstalter der Großdemonstration, die Initiative Buirer für Buir, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Campact, Greenpeace und die NaturFreunde Deutschlands, forderten gemeinsam mit den Teilnehmern von der Bundesregierung einen zügigen Ausstieg aus der klimaschädlichen Kohle und von dem Energiekonzern RWE einen Komplettverzicht auf die geplante Rodung des Hambacher Waldes.
Der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger sagte auf der Demonstration: „Wir haben heute ein starkes Signal der Zivilgesellschaft für einen schnellen Kohleausstieg gesendet.“ Trotz aller Versuche von RWE und der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen, den Protest unmöglich zu machen, hätten sich Tausende für mehr Klimaschutz stark gemacht. Nun gebe es ein Zeitfenster in der Kohlekommission, einen großen gesellschaftlichen Kompromiss für den schnellen Kohleausstieg und für zukunftsfähige Arbeitsplätze in den betroffenen Regionen zu verhandeln.
Am Sonntag hatten Klimaaktivisten erneut damit begonnen, den Hambacher Forst zu besetzen und neue Baumhäuser zu errichten. Die Initiative „Ende Gelände“ hatte am Samstag dazu aufgerufen. Rund 100 Braunkohlegegner sollen dem Aufruf gefolgt sein. Sie hatten Presseberichten zufolge dort in Zelten übernachtet, um tags darauf mit dem Bau neuer Baumhäuser zu beginnen. Am Samstag sollen bereits neue Barrikaden aus Ästen errichtet worden sein.
Am Montag hatte dann die Polizei erklärt, nach wochenlangem Einsatz aus dem Wald abgezogen zu sein. Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) hatten den Abzug am Sonntag angekündigt: „Ich finde, es ist jetzt an der Zeit, dass im Wald Ruhe, Ordnung und Frieden einkehren“, sagte er. Er gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Umweltschützer die Situation nicht ausnutzen und neue Baumhäuser und Barrikaden errichten werden.
Ernst gemeint wird er es selbst nicht haben, angesichts dessen, dass Aktivisten schon wieder am Werkeln waren. Die Aussage dürfte eher dazu gedient haben, im Falle eines neuerlichen Polizeieinsatzes den Aktivisten den Schwarzen Peter zuschieben zu können. Die Polizei werde einen weiteren Einsatz in dem Waldgebiet prüfen, hieß es dann auch von einem Polizeisprecher. Die betreffenden Kommunen müssten nur um Vollzugshilfe bitten – etwa, um neue Baumhäuser zu räumen.
Der vergangene Freitag entwickelte sich für den Energieriesen zu einem schwarzen Tag. Kaum hatte das Gericht sein Urteil gefällt, fiel der Börsenwert des Konzerns binnen weniger Stunden um mehr als eine halbe Milliarde Euro. Das Gerichtsurteil habe weitreichende Konsequenzen, erklärte RWE. Durch den Rodungsstopp würde jedes Jahr ein niederer dreistelliger Millionenbetrag ausbleiben. Würde man kurzfristig auf den Tagebau verzichten, würde dies den Konzern vier bis fünf Milliarden Euro kosten.
Nach dem Urteil darf RWE nicht roden, bevor nicht beim Kölner Verwaltungsgericht über eine Klage des Umweltverbandes BUND gegen den Hauptbetriebsplan für den Tagebau Hambach entschieden ist. Damit ist nach Schätzungen von RWE nicht vor Ende 2020 zu rechnen.
Bei dem Kampf um den Hambacher Forst geht es letztlich um mehr als die rund 200 Hektar große uralte Waldfläche. Michael Müller, Bundesvorsitzender der NaturFreunde Deutschland, machte das bei der Kundgebung am Samstag noch einmal deutlich. Es müsse um das Ende des fossilen Zeitalters gehen, sagte er, denn der Menschheit drohe die Gefahr einer ökologischen Selbstvernichtung. Dass inzwischen mehr als 800000 Menschen den Online-Appell „Hambacher Wald: Retten statt roden“ unterstützen, kann in diesem Zusammenhang als bedeutsam gelten. Diesen Appell zu unterstützen, ist aber nur ein erster Schritt. Wie Michael Müller in seinem Buch „Transformation 3.0“ hervorhebt, bedarf es einer Abkehr von unserer Art zu wirtschaften, um den Kollaps zu verhindern.
Einen wichtigen Schritt in diese Richtung hat das Oberverwaltungsgericht getan. Während RWE meint, mit dem Tagebau werden 15 Prozent des Strombedarfs gedeckt, geht das Gericht davon aus, diese seien – zumindest kurzfristig – aus anderen Quellen ersetzbar. Und glaubt man den von Umweltverbänden in Auftrag gegebenen Studien, dann lässt sich der Braunkohlestrom in diesem Umfang auch dauerhaft ersetzen.

Erschienen in der UZ vom 12.10.2018

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