Nachrichten
Zeige alle Artikel in Nachrichten
0

 

In ers­ten Äußerun­gen nach Be­kannt­ga­be sei­ner Kanz­ler­kan­di­da­tur hat Mar­tin Schulz das The­ma skiz­ziert, mit dem die SPD bei den kom­men­den Bun­des­tags­wah­len punk­ten möchte. Dem­nach soll sie wie­der die Par­tei sein, die für mehr „so­zia­le Ge­rech­tig­keit“ in Deutsch­land ste­he. In In­ter­views, Talk­shows und bei öffent­li­chen Auf­trit­ten wird Mar­tin Schulz nicht müde zu be­to­nen: „Die SPD muss zei­gen, dass wir wis­sen, wie hart ihr ar­bei­tet. Men­schen, die ge­wis­sen­haft ihre Steu­ern zahl­ten oder alte An­gehörige pfleg­ten, ver­dien­ten größten Re­spekt. Die­se An­er­ken­nung müsse die So­zi­al­de­mo­kra­tie durch ihr po­li­ti­sches Han­deln zum Aus­druck brin­gen. Die­je­ni­gen, die die Ge­sell­schaft tra­gen, müssen das Gefühl ha­ben, dass die Ge­sell­schaft sie re­spek­tiert und für sie da ist. Bei vie­len hart ar­bei­ten­den Leu­ten, die sich an die Re­geln hal­ten, sei die­ses Gefühl ver­lo­ren ge­gan­gen.“

Von Marx und En­gels wis­sen wir, dass in ei­ner ka­pi­ta­lis­ti­schen Aus­beu­ter­ge­sell­schaft nur ei­nes möglich ist: der Bour­geoi­sie ei­nen Teil des Pro­fits durch höhere Löhne und Ab­ga­ben für So­zia­les und Bil­dung zu entreißen. Als Vor­aus­set­zung dafür müsste die so­zi­al­de­mo­kra­ti­sche Par­teiführung nicht nur ihre Hal­tung zu den Fol­gen der Agen­da 2010 ändern, son­dern zu­min­dest das Ta­rif­ein­heits­ge­setz zurück neh­men, ei­nen exis­tenz­si­chern­den Min­dest­lohn für alle, die Erhöhung der Ren­ten, die Wie­der­her­stel­lung der pa­ritäti­schen Fi­nan­zie­rung der Kran­ken­kas­sen und Ände­run­gen bei der Ka­pi­tal­er­trags­steu­er ins Wahl­pro­gramm neh­men. Zur po­li­ti­schen Durch­set­zung wäre ein kla­re Aus­sa­ge zu ent­spre­chen­den Ko­ali­tio­nen not­wen­dig.

Martin Schulz als Abgeordneter/Präsident im EU-Parlament

Über­re­gio­nal be­kannt wur­de Mar­tin Schulz durch sei­ne Rol­le und sei­nen Auf­stieg in den In­sti­tu­tio­nen der „Eu­ropäischen Uni­on“. 1994 wur­de Schulz ins Eu­ropäische Par­la­ment gewählt und war von 2000 bis 2004 Vor­sit­zen­der der deut­schen SPD-Lan­des­grup­pe.

In die­se Zeit fällt auch ein Kon­flikt mit dem ita­lie­ni­schen Mi­nis­ter­präsi­den­ten Sil­vio Ber­lus­co­ni im Juli 2003. Ber­lus­co­ni woll­te sich in der Par­la­ments­sit­zung als neu­er Rats­vor­sit­zen­der der ita­lie­ni­schen Rats­präsi­den­ten­schaft den Par­la­men­ta­ri­ern vor­stel­len. Schulz kri­ti­sier­te in sei­nem Wort­bei­trag un­ter an­de­rem des­sen Dop­pel­funk­ti­on als Re­gie­rungs­chef und Me­di­en­un­ter­neh­mer mit po­ten­zi­el­lem In­ter­es­sen­kon­flikt, so­wie eu­ro­pa- und frem­den­feind­li­che Äußerun­gen von Mit­glie­dern der da­ma­li­gen Re­gie­rung Ber­lus­co­ni. Die­ser schlug ihm dar­auf­hin vor, er sol­le die Rol­le des Ka­pos in ei­nem Film über Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger über­neh­men, der in Ita­li­en ge­dreht wer­den könne.[1] Die­ser Vor­gang sorg­te für Auf­se­hen und ver­schaff­te Mar­tin Schultz ein po­si­ti­ves Re­nommée. We­ni­ger be­kannt ist al­ler­dings der ei­gent­li­che Hin­ter­grund sei­ner Kri­tik. In sei­nem im Frühjahr 2013 veröffent­lich­ten Buch Der ge­fes­sel­te Rie­se. Eu­ro­pas letz­te Chan­ce, heißt es dazu, „dass Ber­lus­co­ni in sei­nem Land, kei­ne Re­for­men durchführte’[2]. Die Bi­lanz von des­sen Nach­fol­ger Ma­rio Mon­ti sieht Schulz dann po­si­tiv. Er ver­tei­digt sie ge­gen Kri­tik der Ra­ting­agen­tu­ren und nimmt Mon­ti in Schutz, da die­ser, ein in der Ge­schich­te die­ses Lan­des bei­spiel­lo­ses Re­form- und Spar­pro­gramm auf den Weg brach­te und da­mit den in­ter­na­tio­na­len For­de­run­gen nach­kam, die beständig auf ihn ein­pras­sel­ten’[3]“.

Von der Eu­ro­pa­wahl 2004 bis zum Ja­nu­ar 2012 war er Vor­sit­zen­der der So­zia­lis­ti­schen Frak­ti­on im Eu­ro­pa­par­la­ment und wur­de dann zum Präsi­den­ten des Eu­ro­pa­par­la­ments gewählt. Schulz hat die Aufklärung fau­ler Steu­er­de­als durch das EU-Par­la­ment be­hin­dert, die Kon­zer­nen wie Mc­Do­nalds oder Ama­zon we­ni­ger als ein Pro­zent Steu­ern auf ihre Ge­win­ne in der EU ermöglich­ten, und den Pa­ten des Steu­er­kar­tells, den EU-Kom­mis­si­ons­präsi­den­ten und eins­ti­gen Pre­mier und Fi­nanz­mi­nis­ters Lu­xem­burgs, Jean-Clau­de Juncker, ge­deckt. Er hat die Kürzungs­po­li­tik in Grie­chen­land mit durch­ge­drückt und die So­zi­al­de­mo­kra­tie in Frank­reich und Ita­li­en auf Re­for­men zu Lohn- und Ren­tenkürzun­gen wie bei der Agen­da 2010 in Deutsch­land ein­ge­schwo­ren und für ihre ei­ge­nen Kürzun­gen ge­lobt. Er hat für die Kon­zern­schutz­ab­kom­men der EU mit den USA (TTIP) so­wie Ka­na­da (CETA) ge­strit­ten, die De­mo­kra­tie, Rechts­staat, Ar­beits­rech­te, Um­welt- und Ver­brau­cher­schutz be­dro­hen. Als es im Juli 2015 dar­um ging, die pro-TTIP-Re­so­lu­ti­on durch­zu­be­kom­men, stimm­te er bei al­len 78 na­ment­li­chen Ab­stim­mun­gen mit: für die Re­so­lu­ti­on und ge­gen Ände­rungs­anträge, die u.a. Ver­bes­se­run­gen der Ab­kom­men bzw. den Schutz von so­zia­len oder etwa Um­welt-Stan­dards vor­sa­hen[4]. Schon im Vor­feld in­ter­ve­nier­te er mit ei­ner Ver­schie­bung der Ab­stim­mung[5], weil die Mehr­hei­ten u.a. we­gen der um­strit­te­nen Schieds­ge­rich­te für Kon­zer­ne und Un­stim­mig­kei­ten in­ner­halb der so­zi­al­de­mo­kra­ti­schen Frak­ti­on nicht si­cher wa­ren. Als die Re­gio­nal­re­gie­rung der Wal­lo­nie in Bel­gi­en im Ok­to­ber 2016 zunächst eine Un­ter­schrift un­ter CETA ver­wei­ger­te, war es Schulz, der mas­siv Druck auf den so­zi­al­de­mo­kra­ti­schen Mi­nis­ter­präsi­den­ten ausübte. Da­nach wur­de be­kannt, dass nicht Ka­na­da, son­dern die EU-Kom­mis­si­on auf den um­strit­te­nen Schieds­ge­rich­ten be­stand.

Schulz stimm­te am 16. Sep­tem­ber 2014 für das EU-Ukrai­ne-As­so­zi­ie­rungs­ab­kom­men. Er box­te da­mals persönlich durch, dass das EU-Par­la­ment und das ukrai­ni­sche Par­la­ment gleich­zei­tig das Ab­kom­men ab­nick­ten und zwar kurz vor den Neu­wah­len in der Ukrai­ne. Es gab eine Live-Schal­tung des ukrai­ni­schen Präsi­den­ten Po­ro­schen­ko ins EU-Par­la­ment. Das ukrai­ni­sche Par­la­ment war zu die­sem Zeit­punkt be­reits of­fi­zi­ell auf­gelöst und Tei­le der Op­po­si­ti­on, die ge­gen eine zu enge Bin­dung mit der EU wa­ren, mas­si­ven Re­pres­sio­nen aus­ge­setzt. Be­waff­ne­te fa­schis­ti­sche Ban­den rund um das Par­la­ment wa­ren All­tag. „Die Ab­stim­mung selbst stand dann ganz im Zei­chen der Ge­schich­te, die ge­schrie­ben wer­den soll­te – und zwar von eu­ropäischen und ukrai­ni­schen Ab­ge­ord­ne­ten ge­mein­sam. Zu­sam­men mit dem ukrai­ni­schen Präsi­den­ten Pe­tro Po­ro­schen­ko hat­te sich Par­la­mentspräsi­dent Mar­tin Schulz aus­ge­dacht, die Ab­stim­mun­gen si­mul­tan lau­fen zu las­sen – ein hoch­sym­bo­li­scher und auch in der His­to­rie des Par­la­men­ta­ris­mus wohl tatsächlich bei­spiel­lo­ser Vor­gang.[6] Das Ab­kom­men verschärfte die Kon­fron­ta­ti­on mit Russ­land und trug dazu bei, die Ukrai­ne in ei­nen blu­ti­gen Bürger­krieg zu führen.

Martin Schulz als Kanzlerkandidat

Was ist also von ei­nem Kanz­ler Mar­tin Schulz zu er­war­ten? Er ist seit 1999 Mit­glied des SPD-Par­tei­vor­stands und hat also an der Agen­da 2010 mit­ge­wirkt. Auf die Fra­ge, ob er denn die­se Agen­da noch für gut hal­te, ant­wor­tet Schulz aus­wei­chend, es gel­te den Blick nicht in die Ver­gan­gen­heit, son­dern nach vorn zu rich­ten. In dem be­reits zi­tier­ten Buch Der ge­fes­sel­te Rie­se. Eu­ro­pas letz­te Chan­ce macht er deut­lich, dass er sich zu den Er­geb­nis­sen der Agen­da 2010 be­kennt, mach­te doch der so­zi­al­de­mo­kra­ti­sche Kanz­ler Schröder „Deutsch­land wie­der fit“. Nach 16 Jah­ren Kohl-Re­gie­rung muss­te nämlich „ab 1998 …. eine neue Bun­des­re­gie­rung für fri­schen Wind in Deutsch­land sor­gen und den Re­form­stau auflösen“[7]. Ne­ben Kri­tik an ei­ni­gen „Un­zuläng­lich­kei­ten“ der Agen­da 2010 heißt es an­er­ken­nend: „An­de­rer­seits be­fin­det sich un­ser Land auch we­gen die­ser Re­for­men in­zwi­schen öko­no­misch wie­der auf ei­nem Spit­zen­platz.“[8] Die Agen­da hat nicht nur die nied­rigs­ten Löhne ge­trof­fen, son­dern über Hartz IV, Leih­ar­beit, sach­grund­lo­se Be­fris­tun­gen etc. den Be­trof­fe­nen die Le­bens­pla­nung ge­raubt. Da­bei setzt Schulz of­fen­bar wei­ter auf Nied­riglöhne, denn er bekräftigt in In­ter­views, Deutsch­land müsse sei­ne Rol­le als Ex­port­welt­meis­ter in den nächs­ten zehn Jah­ren in An­griff neh­men.[9]

Zum The­ma Löhne äußerte sich Mar­tin Schulz in ei­nem In­ter­view mit der Westfäli­schen Rund­schau: „Die enor­men wirt­schaft­li­chen Ge­win­ne …. ha­ben Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer er­ar­bei­tet. Die Ge­win­ne der Un­ter­neh­men sind deut­lich stärker ge­wach­sen als die Löhne. Das soll­ten die Ta­rif­part­ner bei ih­ren nächs­ten Ver­hand­lun­gen berück­sich­ti­gen.“[10] Sol­che Un­ver­bind­lich­kei­ten hat­te schon Bun­des­bank­präsi­dent Jens Weid­mann von sich ge­ge­ben. Aber: kon­kret kei­ne Erhöhung des Min­dest­lohns und schon gar nicht höhere Löhne im öffent­li­chen Dienst. In sei­ner An­tritts­re­de als SPD-Kanz­ler­kan­di­dat nichts als Ei­gen­lob und Beschöni­gung zur in der Gro­Ko mit­zu­ver­ant­wor­ten­den Lohn- und Ren­ten­po­li­tik: „An­drea Nah­les hat den Min­dest­lohn ein­geführt, vie­le In­itia­ti­ven für gute und si­che­re Ar­beit vor­an­ge­bracht und die Ren­te ge­rech­ter ge­macht.“[11] Sei­ne „ent­schie­de­ne“ Ab­leh­nung der Ren­te mit 70 ist auch nur die Ga­ran­tie dafür, dass die Ren­te mit 67 bleibt. Eben­so sol­len an­gekündig­te „Kor­rek­tu­ren“ an der Agen­de-Po­li­tik dafür sor­gen, dass sie in ih­rem Kern nicht an­ge­tas­tet wird. Zur Er­in­ne­rung: Als EP-Präsi­dent gab er sei­ne Un­ter­schrift un­ter den Vor­s­toß der EU-Kom­mis­si­on zur Zu­kunft des Eu­ros, den sog. 5-Präsi­den­ten-Be­richt. Das EU-Par­la­ment wur­de da­mit aber nie be­fasst. Dar­in ent­hal­ten sind u.a. Vor­schläge, über sog. Wett­be­werbs- bzw. Pro­duk­ti­vitätsräte in die Lohn­po­li­tik ein­zu­grei­fen. Denn nur wer sich an die Emp­feh­lun­gen hält, soll im Kri­sen­fall Un­terstützung durch die EU er­hal­ten. Da­bei sol­len die Lohn­ver­hand­lun­gen auf die Ebe­ne der Be­trie­be ver­la­gert wer­den (wo Be­triebsräte be­reits jetzt schon er­press­bar sind) und die Löhne nicht mehr der In­fla­ti­on an­ge­passt wer­den, so dass „das Land mit der je­weils schlech­tes­ten Lohn­ent­wick­lung dann zum Stan­dard, an dem sich alle an­de­ren ori­en­tie­ren sol­len“ wer­den würde.[12]

Während sei­ner EU-Amts­zeit hat er stets die Eu­ropäische Ver­tei­di­gungs­uni­on befürwor­tet. Die­se be­inhal­tet ei­nen Rüstungs­fonds, der Mi­litäraus­ga­ben enorm stei­gern soll. Rüstung soll im Un­ter­schied zu In­ves­ti­tio­nen in die In­fra­struk­tur, Bil­dung oder Ge­sund­heit nicht mehr den Schul­den­re­geln (De­fi­zit- bzw. Maas­tricht Kri­te­ri­um) der EU un­ter­wor­fen wer­den[13]. Außer­dem soll der Par­la­ments­vor­be­halt bei Mi­litäreinsätzen auf­ge­weicht wer­den, wie es be­reits in den EU-Verträgen ein­ge­for­dert wird. Der Deut­sche Bun­des­tag dürfte dann etwa bei deut­schen Kon­tin­gen­ten im Rah­men der schnel­len EU-Ein­greif­trup­pen (EU-Batt­le Groups) erst nach ih­rer Ent­sen­dung über den Kriegs­ein­tritt ab­stim­men, wenn sich die Sol­da­ten be­reits im Krieg be­fin­den. Der Druck auf Ab­ge­ord­ne­te, Mi­litäreinsätze im Aus­land nicht ab­zu­leh­nen, wird so­mit stei­gen. Die Krie­ge un­ter Be­tei­li­gung von EU Staa­ten im Irak, Li­by­en oder Sy­ri­en ha­ben hun­dert­tau­sen­de Tote, Ter­ror, Flucht und Staa­tenz­er­fall ge­schaf­fen.

Be­fragt nach höhe­rer Be­steue­rung der rei­chen Min­der­heit in die­sem Land, weicht Schulz aus­ge­rech­net auf die EU aus, schimpft un­be­stimmt auf „Steu­er­dum­ping“ in Eu­ro­pa und will da­mit ver­ges­sen ma­chen, dass er den Steu­er­wett­be­werb zu­guns­ten der Kon­zer­ne als Präsi­dent des EU-Par­la­ments im­mer voll un­terstützt hat. Auch er setzt wei­ter­hin auf die Ar­beits­ge­mein­schaft von Ka­pi­tal und Ar­beit („So­zi­al­part­ner­schaft“), wie er in sei­ner An­tritts­re­de ausführt: „Die Ge­sell­schaft zu­sam­men­zuführen, das ist die Kern­kom­pe­tenz der SPD. Und das Zu­sam­menführen der Ge­sell­schaft, das ist die wich­tigs­te Auf­ga­be in den nächs­ten Jah­ren, weil wir nur so stark blei­ben wer­den, um uns ge­gen die Fein­de der De­mo­kra­tie zu wapp­nen und die Her­aus­for­de­run­gen bewälti­gen.“[14] Wo­bei die all­ge­mei­ne Flos­kel von den „Fein­den der De­mo­kra­tie“ die re­ak­ti­onäre Gleich­set­zung von Fa­schis­ten und Kom­mu­nis­ten be­inhal­tet.

Auf die Fra­ge, was er als Kanz­ler an­ders ma­chen würde, er­wi­dert Schulz: „Wenn Frau Mer­kel als geschäftsführen­de Vor­sit­zen­de ei­ner stark so­zi­al­de­mo­kra­tisch geprägten Bun­des­re­gie­rung so­zi­al­de­mo­kra­ti­sche Po­li­tik macht, ist das doch schön – auch wenn ihr die Uni­on nicht folgt.“ Da­her soll­ten die Bürger bes­ser das Ori­gi­nal wählen – „und das bin ich.““[15] Mer­kel als„geschäftsführen­de Vor­sit­zen­de ei­ner so­zi­al­de­mo­kra­ti­schen Re­gie­rung“ heißt auf Deutsch: Un­ter Mar­tin Schulz soll of­fen­bar al­les so blei­ben wie un­ter Mer­kel. Im Eu­ro­pa­par­la­ment wer­den Ab­ge­ord­ne­te der CDU nicht müde hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand zu be­to­nen, Mar­tin Schulz habe Ih­nen eine er­neu­te Große Ko­ali­ti­on ver­spro­chen – auch für den Fall, dass er Kanz­ler wird. Mit der Wahl von Frank-Wal­ter Stein­mei­er zum Bun­des­präsi­den­ten und dem Ver­zicht auf eine Aus­sa­ge zur Vermögens­steu­er gibt es deut­li­che Si­gna­le: Die SPD schielt auf eine Große Ko­ali­ti­on und möglichst noch auf ein Bünd­nis mit FDP und/oder Grünen, die bei­de die In­ter­es­sen von Bes­ser­ver­die­nern ver­tre­ten.

KAZ-Frak­ti­on Aus­rich­tung Kom­mu­nis­mus

0

YXK , Verband der Studierenden aus Kurdistan e.V.

kss.png

Mit dem fünfseitigen Schreiben des Bundesinnenministers Thomas de Maizière (CDU) an die Bundesländer verbietet dieser das Zeigen jeglicher Fahnen von legalen kurdischen Institutionen, welche sich unter dem Dach des Demokratischen Gesellschaftszentrum der KurdInnen (NAV-DEM) in Deutschland organisieren und politische Arbeit leisten.

Das Verbot beinhaltet insgesamt 33 Symbole wie z.B. auch das Symbol unseres Verbandes YXK (Verband der Studierenden aus Kurdistan e.V.) und dem dazu gehörigen autonomen Frauenflügel JXK (Studierende Frauen aus Kurdistan). Der Schwerpunkt unserer Arbeiten liegt darin, politische Geschehnisse in der Türkei sowie deren Zusammenhang mit der Politik der deutschen Bundesregierung hauptsächlich an den Universitäten zur Diskussion zu stellen. Als größter kurdischer Studierendenverband Europas sind wir nicht nur an deutschen Universitäten vertreten, sondern haben auch Ortsgruppen in Frankreich, England und Österreich. Der Verband der Studierenden aus Kurdistan sowie auch die Studierenden Frauen aus Kurdistan sehen die Notwendigkeit, eine gerechtere Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung, die Gleichberechtigung der Geschlechter und die Toleranz unter ethnischen, religiösen oder anderen Gemeinschaften zu etablieren.

Ein Verbot unserer Flaggen und Symbole entzieht sich jeglicher Rechtsstaatlichkeit. Die Argumentation des Bundesinnenministeriums für die Legitimation dieses Verbotes ist nicht nachvollziehbar und unterstreicht erneut die massive Einflussnahme der türkischen Regierung auf die deutsche Innenpolitik. Es ist ein Unding, dass die deutsche Bundesregierung mit dem Verbot und dem damit zusammenhängenden Ausbau der Kriminalisierung kurdischer Institutionen die Politik Erdogans unterstützt und somit in der BRD gleiche Prinzipien übernimmt, wie sie die türkische Regierung gegen KurdInnen und Andersdenkende anwendet. Die BRD betreibt hier eindeutig eine heuchlerische Politik. Verhaftungen von JournalistInnen und Oppositionellen in der Türkei werden kritisiert und führen zur „Besorgtheit“. Im eigenen Land wird jedoch nicht anders vorgegangen.

Auch das Symbolverbot der Volks- und Frauenverteidigungseinheiten YPG und YPJ, welche international als effektivste Kraft gegen den IS anerkannt sind, zeigt die inkonsequente Haltung der deutschen Bundesregierung und ihre enorme politische Abhängigkeit vom Erdogan-Regime. Des Weiteren ist auch zu erwähnen, dass die YPG/YPJ in ihrem Kampf gegen den IS nicht nur von der Internationalen Koalition unterstützt werden, sondern ebenso treibende Kraft für eine friedliche Lösung im Nahen und Mittleren Osten sind. Das Symbolverbot jeglicher demokratischer Kräfte, ob nun YPG/YPJ, PYD oder gar YXK/JXK zeigt also, dass die deutsche Bundesregierung genauso wenig an einer friedliche Lösung der Kurdenfrage interessiert ist wie die Türkei. Während unter dem Erdogan-Regime täglich Menschenrechtsverletzungen begangen werden (kürzlich auch von den UN bestätigt), tausende von Menschen eingekerkert und ermordet werden, verstärkt die deutsche Bundesregierung die Kriminalisierung derer, die vor dem Erdogan-Regime flüchten bzw. ihm gegenüber eine demokratische Opposition bilden.

Als Verband der Studierenden aus Kurdistan – YXK und Studierende Frauen aus Kurdistan – JXK lehnen wir dieses Verbot ab! Statt KurdInnen in Deutschland immer stärker zu kriminalisieren, statt die einzigen effektiven demokratischen Kräfte im Nahen und Mittleren Osten zu kriminalisieren sollte die Bundesregierung zum einen den politischen Dialog mit Kräften wie dem Demokratischen Gesellschaftszentrum der KurdInnen (NAV-DEM) suchen und zum anderen die Waffenlieferungen an die Türkei, welche eine indirekte Waffenlieferung an den IS ist, beenden!

Wir nehmen diese Kriminalisierung nicht hin und lassen uns von ihr nicht provozieren. Unsere Fahnen können genauso wenig verboten werden wie unsere Existenz.

Wir sind die YXK. Die YXK ist grün-rot-gelb.

13.03.2017, Verband der Studierenden aus Kurdistan e.V. – YXK

0

An die arbeitenden Menschen in den Niederlanden und der Türkei

Zwischen den beiden Ländern gibt es eine Krise, die die rüde Natur der bürgerlichen Politiker widerspiegelt und wie wir sie seit vielen Jahren nicht mehr gesehen haben. Sie provozieren und spielen jetzt mit nationalistischen Emotionen zwischen den Menschen und versuchen, von der eskalierenden Spannung politisch zu profitieren.

Wir wissen aber, dass die Politiker, die die Helden dieser skandalöses Ausmass erreichenden Krise sind, ihre eigenen arbeitenden Menschen angegriffen haben und dem Abbau der Arbeiterrechte ihren Stempel aufgedrückt haben. Beide Seiten repräsentieren die Bourgeoisklasse und der ausbeuterischen Monopole.

Erdogan und die AKP scheinen damit zu kalkulieren, dass sie einen „äusseren Feind“ schaffen, aus Verzweiflung, in die sie im Lauf des Referendumsprozesses verfielen. Auf der anderen Seite spielt die niederländische Regierung die Karte der Fremdenfeindlichkeit, um die Krise der EU zu überspielen.

Wir, die Neue Kommunistische Partei der Niederlande und der Kommunistischen Partei der Türkei, rufen unsere arbeitenden Menschen zur Zusammenarbeit auf und dazu, sich nicht von der zwielichtigen, heruntergekommenen Politik der Bourgeoisie fangen zu lassen.
In dieser Lage
erklären wir erneut, dass wir gegen die imperialistische Politik der EU stehen,
wir erinnern an die Tatsache, dass der aufkommende Rassismus nur durch die Einheit des Proletariats gestoppt werden kann,
wir betonen, dass wir im internationalistischen Geist gegen jede Beschränkung der Rechte der Arbeiterklasse und eingewanderten Arbeiter kämpfen.
Wir verweisen auf die Unmöglichkeit eines besseren Kapitalismus und die Notwendigkeit des Kampfes für die einzige Alternative, den Sozialismus.
Zentralkomitee der NCPN
Zentralkomitee der TKP
______
Übersetzung: news.dkp.de
0

 

14.03.2017

ver.di

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) fordert die Arbeitgeber auf, ein verhandlungsfähiges Angebot für die Beschäftigten der Bodenverkehrsdienste in Berlin vorzulegen. Nur so könne der Konflikt beigelegt werden. „Während die Berliner Arbeitgeber sich weiterhin weigern, ein verhandelbares Lohnangebot zu machen, konnten für die Beschäftigten an anderen Flughäfen bereits Tarifverträge abgeschlossen werden, die in die richtige Richtung gehen“, betont ver.di-Bundesvorstandmitglied Christine Behle. So sei am Montag in Stuttgart ein Tarifabschluss vereinbart worden, mit dem bis zu 15,2 Prozent Lohnsteigerungen erreicht wurden. „Was an anderen Standorten erreicht wurde, muss auch in Berlin möglich sein“, so Behle.

ver.di verhandelt seit Anfang des Jahres an sechs Flughäfen Lohnerhöhungen, verbesserte Entgeltstrukturen und andere Tarifkomponenten für die Beschäftigten der Bodenverkehrsdienste. Erste Abschlüsse konnten in Hamburg, Köln und Düsseldorf erzielt werden. Dabei wurden Steigerungen zwischen 8 Prozent in den höheren und 22 Prozent in den niedrigsten Lohngruppen erreicht. In Stuttgart sei am Montag in letzter Minute ein weiterer Streik abgewendet worden, nachdem in der fünften Verhandlungsrunde ein Abschluss erzielt wurde. Danach steigen die Einkommen je nach Lohngruppe um bis zu 15,2 Prozent auf drei Jahre. Ab dem 1. März 2017 wird für alle Beschäftigten 1 Euro mehr pro Stunde gezahlt, das bedeute eine Steigerung um rund 10 Prozent in 2017.

„In Stuttgart erhalten die Beschäftigten ab sofort einen Euro mehr pro Stunde. Mir erschließt sich nicht, warum das in Berlin nicht ebenso möglich sein soll und die Arbeitgeber weiterhin an einem Angebot von 27 Cent festhalten. Damit haben sie eine Eskalation des Konfliktes herbeigeführt. Jetzt liegt es an ihnen, den Konflikt zu beenden und ein Angebot zu unterbreiten, wie es auch an anderen Standorten getan wurde“, erklärt Behle.

Neben Berlin bestünde am Flughafen Frankfurt ein weiterer Tarifkonflikt. ver.di fordert für die Beschäftigten des spanischen Bodenverkehrsdienstleisters Acciona neben der Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen 1,50 Euro mehr pro Stunde. Seit Anfang des Jahres verzögert die Acciona jedoch eine Einigung, da es Ende April 2017 zu einer Entscheidung über die Abfertigungslizenz am Flughafen kommen wird. „Das erste Angebot der Acciona, eine Lohnerhöhung durch die Streichung des Urlaubs- und Weihnachtsgeldes zu finanzieren, hat bei den Beschäftigten zu großem Unmut geführt“, so die Gewerkschafterin. Auch hier sei eine hohe Streikbereitschaft zu erwarten. Die Verhandlungen in Frankfurt werden am 15. März fortgeführt.

0

Gelesen

 

Engels 1874 zum Programm der blanquistischen Kommuneflüchtlinge: „Die deutschen Kommunisten sind Kommunisten, weil sie durch alle Zwischenstationen und Kompromisse, die nicht von ihnen, sondern von der geschichtlichen Entwicklung geschaffen werden, das Endziel klar hindurchsehen: (.…) Die Dreiunddreißig sind Kommunisten, weil sie sich einbilden, sobald sie nur den guten Willen haben, die Zwischenstationen und Kompromisse zu überspringen, sei die Sache abgemacht (…)“
(MEW, Bd. 18, S. 533)Engels 1887: „Hätten wir von 1864 bis 1873 darauf bestanden, nur mit denen zusammenzuarbeiten, die offen unsere Plattform anerkannten, wo wären wir heute? Ich denke, unsere Praxis hat bewiesen, dass es wohl möglich ist, mit der allgemeinen Bewegung der Arbeiterklasse in jeder einzelnen Etappe zusammenzuarbeiten, ohne unsere eigene aparte Stellung oder gar Organisation aufzugeben oder zu verbergen.“
(MEW, Bd. 36, S. 598)

Lenin 1920: „„Einen mächtigeren Gegner kann man nur unter größter Anspannung der Kräfte und nur dann besiegen, wenn man unbedingt aufs angelegentlichste, sorgsamste, vorsichtigste, geschickteste sowohl (…) jeden Interessengegensatz zwischen der Bourgeoisie der verschiedenen Länder, zwischen den verschiedenen Gruppen oder Schichten der Bourgeoisie innerhalb der einzelnen Länder als auch jede, selbst die kleinste Möglichkeit ausnutzt, um einen Verbündeten unter den Massen zu gewinnen, mag das auch ein zeitweiliger, schwankender, unsicherer, unzuverlässiger, bedingter Verbündeter sein. Wer das nicht begriffen hat, der hat auch nicht einen Deut vom Marxismus und vom wissenschaftlichen, modernen, Sozialismus überhaupt begriffen.“
(LW, Bd. 31. S. 52)

0

 

9. März 2017

SDAJ

Oh großer #Gottkanzler Schulz,

du wirst die SPD aus der Scheiße und der jahrelangen Versenkung ziehen, für Gerechtigkeit in unserem Land sorgen und Kanzler wirst du natürlich auch. Du bist nicht aufzuhalten und rast ungebremst selbstbewusst durch jede Talkshow. Fragen nach dem Posten als Vizekanzler erstickst du im Keim. Die Frage »wird sich dadurch erledigen, dass ich die Wahl gewinne«, haust du raus, ohne noch röter zu werden.

Für die hart arbeitenden Leute in diesem Land willst du kämpfen und Gerechtigkeit schaffen. Große Worte. Was steckt dahinter? Entmachtung der Banken und Konzerne? Oh, sorry, der war frech. So etwas macht man als guter Sozialbürokrat – mit 280.000 EUR netto im Jahr – natürlich nicht… Aber vielleicht eine Mindestlohnerhöhung, Vermögenssteuern? »Die Gewinne der Unternehmen sind deutlich stärker gewachsen als die Löhne. Das sollten die Tarifpartner bei ihren nächsten Verhandlungen berücksichtigen.« Ah, okay. Die Tarifpartner sollen das klären. Also die ArbeiterInnen sollen für höhere Löhne in den Tarifauseinandersetzungen kämpfen. Ja, krasse Neuerung. Danke dafür.

Okay, irgendwo muss der Hype um dich ja herkommen. Also, wo stehst du politisch? Du willst zum Beispiel mit Parteien koalieren, »die uns unterstützen, Frieden in der Welt herzustellen. Durch Deutschland in Europa und Europa in der Welt.« Ah, okay. Klingt für mich verdächtig nach EU-Armee unter deutscher Führung. Ja, das läuft gemeinsam mit der CDU bestimmt super. Schon in deiner Jugend hast du dich mit der Jungen Union in der Kleinstadtkneipe getroffen, viel diskutiert und getrunken. »Man vertrug sich, spätestens wenn man wieder nüchtern war.« Auch im EU-Parlament – in dem du 25 Jahre als Mitglied und 5 als Präsident gesessen hast – bist du durchs Kuscheln mit den Konservativen aufgefallen. Den Steuerwettbewerb der Konzerne hast du immer voll unterstützt und so für Dumpinglöhne gesorgt. Du warst lange ein Verfechter von TTIP und bis zum Schluss von CETA. Der konservative EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker drohte sogar mit seinem Rücktritt, als er hörte, dass sein bester Freund Schulz aus dem EU-Parlament zurückgeholt werden soll.

Aber die Leute lieben dich trotzdem. Du schaffst es, die Herzen der Menschen im Sturm zu erobern. Dass du rein rational keine andere Politik als Merkel machen wirst, sagst du sogar selbst. »Wenn Frau Merkel als geschäftsführende Vorsitzende einer stark sozialdemokratisch geprägten Bundesregierung sozialdemokratische Politik macht, ist das doch schön.« Auch Sigmar Gabriel ist seit Jahren ein guter Freund und soll auch unter dir keinen geringeren Posten als den des Außenministers erhalten. Also eigentlich soll alles beim Alten bleiben. Im »ARD-DeutschlandTrend extra« halten dich 69% für sympathisch und 68% für kompetent und das obwohl genauso viele nicht wissen, für was für eine Politik du stehst (65%) und unzufrieden mit der Politik der EU sind (62%), die du ja maßgeblich mitbestimmt hast.

Tja, wir leben halt in postfaktischen Zeiten. Wahlprogramme interessieren nicht, sondern wer am nettesten lächeln und die Leute überzeugen kann und darin bist du wirklich großartig. Das weißt du auch selbst und vergleichst dich gern mal mit Obama oder Karl dem Großen. Ja, du bist unser Gottkanzler und wirst die Große Koalition und die ganzen alten etablierten Politiker und Arbeiterfeinde aus der jetzigen Bundesregierung in die neue retten, ohne zu bremsen.

Tobi, Gießen & euer Zeitungskollektiv

 

Dieser Artikel ist aus der aktuellen POSITION, dem Magazin der SDAJ. Du kannst es für 10€ jährlich abonnieren unter: position@sdaj-netz.de

0

Milliarden aus Dreck

 

Reformen des Emissionshandels bleiben wirkungslos. Große Umweltverschmutzer streichen Extraprofite ein

Von Matthias Lindner

Das Emissionshandelssystem der Europäischen Union – kurz EU ETS – bleibt auch nach den Verhandlungen der EU-Umweltminister vergangener Woche ein wirkungsloses Instrument – trotz verkündeter Reformabsichten.
Gedacht war das System einst als kapitalistisches Vorzeigeprojekt: Der Klimaschutz sollte mit Hilfe des Marktes vorangebracht werden. Zum ersten Mal wurden in der ganzen EU Industrien bestimmt, deren in die Luft geblasene Treibhausgase gemessen und mit einem einheitlichen Preis versehen. Mit der Zeit sollte dieser immer weiter ansteigen und auf diesem Wege auf langfristige Sicht dafür sorgen, dass die europäische Wirtschaft auf fossile Energieträger verzichtet.
Geblieben ist von dieser Vorstellung allerdings wenig: Der Preis für die Tonne Kohlendioxid liegt heute am Boden und mit fünf Euro ist er so niedrig, dass die Unternehmen sich so gut wie überhaupt nicht veranlasst sehen, in klimafreundliche Technik zu investieren. Darüber hinaus ist das EU ETS so gestaltet, dass es gerade den großen Luftverschmutzern zusätzliche Milliardeneinnahmen beschert.
Den Hintergrund für das niedrige Preisniveau bildet vor allem der massive Überschuss an Emissionsrechten, der sich über Jahre gebildet hat. Derzeit sind etwa drei Milliarden Zertifikate mehr im Umlauf als für die jährlichen Emissionen der im vom EU ETS erfassten Anlagen notwendig sind. Zwar ist davon fast ein Drittel dem Markt vorläufig entzogen, aber an dem massiven Angebotsüberhang ändert das nichts.
Wird in den nächsten Jahren seitens der Politik nicht energisch gegengesteuert, wird sich an dem Problem nichts ändern. Denn bislang werden jedes Jahr nur Zertifikate für knapp 40 Millionen Tonnen Kohlendioxid dem Markt entzogen, was das Angebot nur unwesentlich verknappt. Der Umweltverband Climate Action Network (CAN) warnt sogar davor, dass die Zahl ungenutzter Verschmutzungsrechte in den nächsten Jahren drastisch ansteigen könnte. CAN geht davon aus, dass die Zahl überschüssiger Zertifikate in den nächsten drei Jahren auf 4,4 Milliarden und bis 2030 sogar auf bis zu sieben Milliarden ansteigen könnte.
Vor allem zwei im System selbst begründete Punkte stehen der Entwicklung des EU ETS zu einem wirksamen Instrument der Umweltpolitik entgegen. Erstens haben sich im Laufe der Wirtschaftskrise die Emissionen um etwa 200 Millionen Tonnen CO2 verringert, ohne dass auch die Ausgabe neuer Emissionsrechte verringert worden wäre. Jedes Jahr vergrößert sich damit der Überschuss strukturell um etwa 200 Millionen Zertifikate. Und zweitens haben sich in den letzten Jahren andere Instrumente als effektiver erwiesen, so dass das Emissionsniveau der ETS-Anlagen schneller gefallen ist als das Angebot der Verschmutzungsrechte verknappt wurde.
Trotz aller Reformpläne, die bisher seitens der Umweltminister und des EU-Parlaments verkündet wurden, werden die strukturellen Probleme nicht angepackt. Und vor allem die Konzerne beispielsweise der Zement- und Stahlindustrie profitieren davon. Denn auch diese energieintensiven Branchen sollen künftig mit kostenlosen Zertifikaten versorgt werden, damit sie ihre Betriebe nicht aus der EU auslagern. Bisher werden 43 Prozent aller Verschmutzungsrechte gratis ausgegeben, und ginge es nach dem Willen des EU-Parlaments, würde diese Quote noch auf bis zu 48 Prozent steigen.
Der europäischen Großindustrie hat diese Regelung in den vergangenen Jahren rund 25 Milliarden Euro Extraprofit eingebracht, wie der Spiegel (2016/49) unter Berufung auf die Nichtregierungsorganisation Carbon Market Watch (CMW) berichtete. Da Konzerne mehr Zertifikate bekamen, als sie brauchten, konnten sie diese gewinnbringend verkaufen. Darüber hinaus reichten viele trotz der Gratiszertifikate Emissionskosten an die Kunden weiter. Allein die Zementriesen LafargeHolcim und HeidelbergCement sollen so laut CMW gut 1,7 Milliarden Euro eingestrichen haben.
0

 

13.03.2017

Chinas Bevölkerung soll 2030 bei 1,45 Milliarden liegen und bis 2050 auf 1,4 Milliarden beziehungsweise zum Ende dieses Jahrhunderts auf 1,1 Milliarden gesunken sein, wie Chinas höchste Gesundheitsbehörden am Samstag sagten.

Wang Pei’an, der stellvertretende Leiter der Nationalen Kommission für Gesundheit und Familienplanung, veröffentlichte am Samstag auf einer Pressekonferenz am Rande der derzeit stattfindenden beiden Sitzungen in Beijing diese Zahlen. „China hat keinen Bevölkerungsmangel, nicht in wenigen Jahrzehnten, und auch nicht in hundert Jahren“, so Wang. Das Land solle sich mehr auf Demografien und Bildungsniveaus konzentrieren.

Wang zufolge liege Chinas Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter, also die Bevölkerung zwischen 15 und 64 Jahren, bei ein wenig über einer Milliarde und nehme einen Anteil von 73 Prozent der Gesamtbevölkerung ein. Die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter wird 2020 nach und nach auf 985 Millionen gesunken sein, und 2050 auf rund 800 Millionen. Im Vergleich dazu nimmt die erwerbsfähige Bevölkerung einen Anteil von 66 Prozent der Gesamtbevölkerung in den USA, 67 Prozent in Europa und 61 Prozent in Japan ein. „Auch wenn die gesamte erwerbsfähige Bevölkerung in den Industrieländern in den USA und Europa bei zirka 730 Millionen liegt, was weniger als unsere eine Milliarde ist, haben sie eine viel höhere Produktivitätsrate“, so Wang. Der Rückgang des Anteils der Arbeiterschaft werde durch Fortschritte in der Technologie kompensiert.

Im Januar 2016 hat China die jahrzehntelange Politik zur Geburtenkontrolle gelockert, wodurch es Paaren ermöglicht wird, ein zweites Kind zu haben. Wang merkte an, dass 2016 in Folge der Zwei-Kind-Politik insgesamt 18,46 Millionen Geburten in China registriert wurden. Die Zahl ist die höchste seit 2000 und liegt bei zwei Millionen mehr als die vorigen Durchschnitte. Wang zufolge gilt Chinas Zwei-Kind-Politik für rund 90 Millionen, aber nur zirka 28 Prozent werden wahrscheinlich ein zweites Kind haben. Wang nannte als Faktoren die Berufstätigkeit der Frauen, ein Mangel an Kindertagesstätten in China und die steigenden Kosten für die Kindererziehung. „Die Mehrheit der chinesischen Familien hängt von den Großeltern ab, um sich um Kinder zu kümmern, die jünger als drei Jahre alt sind“, so Wang auf der Pressekonferenz. Wang fasste die Durchsetzung der Zwei-Kind-Politik als „innerhalb der Erwartungen“ zusammen. China rechne damit, dass die durchschnittliche Zahl der Geburten pro Jahr bei zwischen 17 Millionen und 19 Millionen von jetzt bis 2020 liege, so Wang weiter.

0

RedGlobe

verdiDie Streikleitung der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) hat am Morgen des 13. März 2017 beschlossen, den Streik an den Berliner Flughäfen auch auf Dienstag, den 14. März auszudehnen. Der Streik endet dann am Mittwoch mit Beginn der Frühschichten gegen 5.00 Uhr. Den Grund dafür liefern die Unternehmer, die immer noch kein Entgegenkommen signalisiert haben und sich einer Lösung am Verhandlungstisch widersetzen. Es sei bedauerlich, so ver.di-Streikleiter Enrico Rümker, dass somit der Flugverkehr von und nach Berlin auch noch einen weiteren Tag eingeschränkt sei.

ver.di sei weiterhin gesprächsbereit, so Rümker, jedoch seien erneute Verhandlungen an ein deutlich verbessertes Angebot geknüpft. Es sei wenig hilfreich, wenn die Unternehmer nach wie vor die vermeintlichen Vorzüge des Angebotes vom 7. März hervorheben lassen. Dieses Angebot, das ein Volumen von acht Prozent, gestreckt auf drei Jahre beinhaltete, sei einstimmig von der ver.di-Tarifkommission abgelehnt worden. Die Unternehmer sollten zur Kenntnis nehmen, dass es auf dieser Grundlage keine Verhandlungen geben könne. Eine Kompromisslösung müsse deutliche Einkommensverbesserungen für die Bodendienst-Beschäftigten der WISAG, Aeroground, Ground Solution, AHS und Swissport Berlin enthalten.

Die insgesamt rund 2.000 Beschäftigten dieser Unternehmen erhalten vielfach Löhne, von denen sie nicht leben können. Viele müssen aufstocken oder einen Zweitjob ausführen, um wirtschaftlich über die Runden zu kommen. Daher fordert ver.di bei einer Laufzeit von einem Jahr Einkommensverbesserungen von einem Euro pro Stunde sowie Verbesserungen im Tarifvertrag.

0

Kommunistische Partei der Türkei

Erklärung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Türkei (TKP) zu den jüngsten Spannungen zwischen Ankara und einigen europäischen Ländern

Die Spannungen zwischen der AKP-Regierung und einigen europäischen Ländern sind allgemein bekannt. Diese internationalen Krisen sind die Folge der Handlungsweisen einer reaktionären Bande, die ihre Zukunft und ihre eigenen Interessen vor die des ganzen Landes stellen. Die AKP Regierung legt sich mit den Niederlanden nicht für die Interessen unseres Landes an, sondern für ihre eigenen! Sie versucht, die sich von ihr abwendenden imperialistischen Ex-Freunde zu erpressen.

Die Ergebnisse dieser Politik sind für das ganze Land beschämend!

Dass die AKP sich der Lächerlichkeit preisgibt, könnte unserem Volk noch egal sein! Aber die Türkei wird durch die Handlungen dieser Bande erniedrigt.

Die AKP war ein Handlanger der Pläne imperialistischer Mächte für unser Land. Von Holland bis Deutschland, von den USA bis Großbritannien…. Diese Mächte, die die AKP unserem Land beschert haben, wenden sich nun von ihr ab. Das bedeutet aber nicht, dass die AKP jetzt zum Verteidiger der Interessen unseres Volkes mutiert.

Genau so wenig wie die Tatsache, dass diese Mächte, die uns die AKP beschert haben, zum Retter unseres Volkes werden können.

Diese Scharlatanerie muss sofort aufhören!

Wir müssen uns von dieser volksfeindlichen Bande, die das Land in eine Katastrophe führt, sofort befreien!

Kommunistische Partei der Türkei, Zentralkomitee

Seite 5 von 491« Erste...34567...102030...Letzte »