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Atomtransporte durch Hamburg keine Seltenheit

radioaktivHamburg ist am 1. Mai dieses Jahres nur knapp einer Katastrophe entgangen. An diesem Tag ist im Hamburger Hafen der Auto- und Containerfrachter „Atlantic Cartier“ der Reederei Atlantic Container Line (ACL) in Brand geraten. Das Schiff hatte mehr als 20 Tonnen radioaktives Material geladen, darunter das hochgiftige Uranhexafluorid. Nur einen Steinwurf entfernt waren mehrere Tausend Menschen bei der Eröffnung des Kirchentages in der Hamburger Hafencity.

Atomtransporte durch die Hansestadt sind keine Seltenheit: Im Jahr gehen nach Angaben der Umweltbehörde etwa 180 Transporte mit spaltbarem Material für Kernkraftwerke durch die Stadt. Die Ladungen sind häufig für die Urananreicherungsanlage im münsterländischen Gronau bestimmt oder für die Brennelementefabrik im niedersächsischen Lingen.

Im Gespräch mit NDR 90,3 sagte Frank-Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer, ihm grause bei dem Gedanken, dass auf der Elbe Container mit radioaktiven Stoffen vorbeifahren. Besonders Uranhexafluorid sei eine brisante Fracht und besonders schädlich für die Menschen. Kommt sie mit Wasser in Verbindung, entsteht die stark ätzende und tödliche Flusssäure.

Der Vorfall zeige nach Ansicht mehrerer Anti-AKW-Bewegungen, dass die Gefahr nicht nur von den Atomkraftwerken ausgehe sondern auch von den Atomtransporten. „Selbst wenn die Atomkraftwerke irgendwann alle abgestellt sind, werden die  Uranhexafluoridtransporte über den Hamburger Hafen weitergehen. Die Urananreicherungsanlage in Gronau und die Brennelemente-Fabrik in Lingen, die für den internationalen Markt produzieren, sind vom Ausstiegsbeschluss gar nicht erfasst“, so Irene Thesing vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen.

 

Bernd Müller

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„Kritische Aktionäre“ fragten auf der E.ON-Hauptversammlung nach

Michaela Sohn von den „Kritischen Aktionären“ auf der E.ON Hauptversammlung 2013

Michaela Sohn von den „Kritischen Aktionären“
auf der E.ON Hauptversammlung 2013

Am 4.5.2013 trafen sich ca. 1000 Aktionäre mit dem Vorstand der E.ON zur jährlichen Hauptversammlung in Essen/Grugahalle. Mit von der Partie waren die „Kritischen Aktionäre“, die, wie schon in früheren Jahren, die Gelegenheit nutzten, dem Vorstand unangenehme Fragen zu stellen, auf die dieser antworten muss. Für die AG Schacht Konrad stellte Michaela Sohn Fragen zur Endlagerung von Atommüll, verursacht von den sechs AKW´s, an denen E.ON beteiligt ist.

Während der Vorstandsvorsitzende Johannes Teyssen in einem Interview der Süddeutschen Zeitung verkündet, die Umweltbewegung habe einen neuen Verbündeten (UZ vom 3.5.13) zeigt sich auf der Mitgliederversammlung die originäre Fratze des Energieriesen. Unter Druck gesetzt von enttäuschten Renditeerwartungen seiner Aktionäre erfolgte ein Rechenschaftsbericht im Stile „wir haben versprochen – wir  haben gehalten“, inklusive Schönfärberei imaginärer Umweltverantwortung nach dem Motto „E.ON kann Offshore“.

Spätestens bei der Atommüllendlagerung aus Grohnde und Co weist der Vorstand jede moralische Verantwortung von sich. Konrad sei genehmigt, ergo sicher und damit basta. Ungefähr so sicher wie die genehmigte abgesoffene Anlage ASSE II?

Auch wenn die Einlagerungskammern in KONRAD neu aufgefahren werden, zeigt sich gerade jetzt beim Sanierungsbedarf für die Schächte I und II, dass KONRAD ebenso eine Altanlage ist wie ASSE II. Trotzdem wurden aus dem desaströsen Scheitern von ASSE II keine Konsequenzen gezogen. Während für die Neuplanung von Endlagern heute von einer Bergbarkeit innerhalb von 500 Jahren ausgegangen wird, soll der Atommüll in KONRAD, vom menschlichen Zugriff herme­tisch abgeschirmt, sich selbst überlassen bleiben.

Angesichts der Tatsache, dass große Mengen konradgängiger Abfälle aus Sicherheitsgründen gar nicht in Schacht KONRAD eingelagert werden können, also sowieso ein weiteres Endlager für schwach- und mittelaktive Abfälle erforderlich sein wird, muss man sich schon fragen, ob es für EON nicht billiger und zudem gesellschaftlich verträglicher wäre, KONRAD aufzugeben und an einem Gesamtkon­zept mitzuarbeiten, dass dem heutigen Stand von Wissenschaft und Technik entspricht.

Nebenbei bemerkt entspräche es Verantwortlichkeit,  die Atomstromproduktion sofort zu stoppen, angesichts der Umstände. Verkürzt gesagt: Um in einigen Industrieländern knapp 3 Genera­tionen mit Strom zu versorgen, hinterlassen Atomstromprofiteure  40.000 Ge­ne­ra­tionen ein nicht beherrschbares Risiko. Doch Marx-Leser wissen: „Kapital (…) flieht Tumult und Streit und ist ängstlicher Natur. Das ist sehr wahr, aber doch nicht die ganze Wahrheit. Das Kapital hat einen Horror vor Abwesenheit von Profit oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn (….) für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß (…)“.

 

Expansion mit Kohleverstromung

E.ON setzt auf neue Märkte in Brasilien, Russland und der Türkei, wo es um den Ausbau der Kohleverstromung geht. Dabei ist Kohle der klimaschädlichste Energieträger.

Greenpeace Klimacampaignerin Pinar Aksogan ist eigens aus der Türkei angereist, um auf der Hauptversammlung E.ONs internationale Kohle-Fixierung zu kritisieren. Der Konzern übernahm im Dezember 2012 fünfzig Prozent am türkischen Energie-Joint Venture Enerjisa. Zu Enerjisas ehrgeizigen Plänen gehört der umstrittene Bau eines 450 MW Braunkohlekraftwerks in Tufanbeyli. „Tufanbeyli soll in einem Talkessel gebaut werden, der durch zwei der dreckigsten Kohlekraftwerke bereits schwer belastet ist. Aus Gesundheitsgründen dürfte dort überhaupt kein neues Kohlekraftwerk errichtet werden. Wenn Tufanbeyli ans Netz geht und 40 Jahre läuft, verursacht es zahlreiche zusätzliche Atemwegserkrankungen und verfrühte Todesfälle und stößt außerdem in der Zeit allein so viel Kohlendioxid aus wie das Land Norwegen in zwei Jahren. Das ist unverantwortlich“, so Aksogan.

Doch auch im Inland sieht der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre noch viel zu tun: „E.ON zeigt von Energiewende keine Spur, der Konzern müsste viel mehr in Erneuerbare Energien und Energieeffizienz investieren“, erklärt Markus Dufner, Geschäftsführer des Dachverbands.

Neben der klimaschädlichen Investitionsstrategie kritisieren die Umweltschutz- bzw. Menschenrechtsorganisation urgewald und FIAN die Kohleimporte E.ONs. Sie haben gerade das Dossier „Bitter Coal“ veröffentlicht, das die katastrophalen Auswirkungen des Steinkohleabbaus in den Hauptlieferländern untersucht: In Kolumbien geht es um Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung, die der indigenen Bevölkerung die Lebensgrundlagen entzieht. In den nordamerikanischen Appalachen werden für den Kohleabbau Bergspitzen weggesprengt und ganze Landschaften vernichtet. Im russischen Kuzbass hat die Kohleförderung Luft, Böden und Trinkwasser enorm belastet und die Lebenserwartung der Menschen ist deutlich niedriger als im Rest des Landes. Im trockenen Südafrika bedroht der hohe Wasserverbrauch der Kohleminen die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung. E.ON verweist bei Kritik auf die Industrie-Initiative „Better Coal“, die urgewald und FIAN jedoch für reine Augenwischerei halten (Pressemitteilung der Kritischen Aktionäre vom 2.5.13).

 

Nebulöse Antworten des Vorstands

Fragen der Verantwortungsübernahme werden von der Konzernleitung gerne schnöselig abgehandelt mit nebulösen Antworten, wie: E.ON mische sich nicht in die Regierungen anderer Länder ein; E.ON sei nichts von diesen oder jenen Zuständen bekannt. Oder: E:ON sei hier und da nicht verantwortlich, fragen Sie woanders nach, und so weiter.

Die parasitären Rentiers zeigten in ihren Redebeiträgen außer an Renditen kein Interesse. Doch halt, da waren doch die Diskussionen um die Managergehälter. Verschämt und nach diversen konkreten Nachfragen rückte der Vorstand mit dem zu erwartenden Maximalgehalt für Herrn Teyssen heraus: Lumpige 8 Mio. Euro hat dieser Mann bei optimalem Geschäftsverlauf zu erwarten.

Es stellt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit der Aktionsform, kritische Fragen zu stellen. Mehr als die Hälfte der Redebeiträge waren von zugereisten kritischen Stimmen gestellt, das Publikum war gelangweilt, der Vorstand gequält. Nun, es trifft ja nicht die Falschen und das einzig Sinnvolle nach so einer Veranstaltung ist vermutlich, die Öffentlichkeit in Kenntnis zu setzen.

 

Michaela Sohn

 

Quellenhinweis: UZ, 17. Mai 2013

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