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15. Juli 2017

g4qys4QwbVgDie Alternative Presseschau zum Tod von Larissa Simonowa, die in der Nacht vom 14. zum 15. Juli 2017 starb:

Larissa Stepanowna Simonowa, die als Kind mit ansehen musste, wie deutsche Faschisten ihre Schwester töteten, die dank internationaler Solidarität trotz schwerster Verletzungen das faschistische Vernichtungslager Auschwitz und die Hölle anderer KZ überlebte, ergriff später den Beruf einer Lehrerin und widmete sich mit ganzem Herzen der Erziehung der heranwachsenden Generationen. Auch als Rentnerin blieb sie immer in Kontakt mit der Jugend, kam oft in den Kinder- und Jugendclub „Gaidarowzy“, wo sie intensive Gespräche mit den Kindern führte.

Als Vorsitzende der Organisation der ehemaligen Gefangenen der Konzentrationslager – der Opfer des Faschismus – in der Stadt Makejewka setzte sie sich engagiert für das Recht der Mitglieder auf Entschädigungszahlung aus Deutschland ein, was eine intensive und langwierige Recherchearbeit in Archiven voraussetzte, die sie ehrenamtlich leistete.

Durch sie erfuhren die Einwohner Makejewkas nicht nur die Namen von 7.000 Bürgern der Stadt, die in den faschistischen Konzentrationslagern gelitten hatten, sondern auch vom Schicksal der bis dahin von der Geschichtsschreibung vergessenen Kinder des „Kinderheims Obhut“, die den Wehrmachtssoldaten als Frischblutspender zur Verfügung gestellt wurden, bis buchstäblich der letzte Blutstropfen aus ihnen herausgepresst war. Heute erinnert in Makejewka ein Denkmal an diese Kinder.

Für ihre Verdienste erhielt Larissa Stepanowna Simonowa zahlreiche Auszeichnungen und Orden und wurde Ehrenbürgerin ihrer Heimatstadt. Die Zeitung „Anstoß“ der DKP Berlin berichtete über sie in einer Sonderbeilage zum Tag der Befreiung von Faschismus. ( http://anstoss.dkp.berlin/ausgabe/2017-05-sonder )

Ihr Tod ist ein Verlust nicht nur für die Stadt Makejewka. Sie wird vielen Menschen fehlen.

Mit ihnen trauert
das Kollektiv der Alternativen Presseschau

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Volksfront gegen Faschismus und ImperialismusVolksfront gegen Faschismus und Imperialismus

In Caracas fand am 24. Mai ein nationales Treffen revolutionärer Parteien und sozialer Bewegungen statt. Vertreter der Kommunistischen Partei Venezuelas (PCV), der Partei Heimatland für alle (PPT), die Partei REDES (Netzwerke), der Revolutionären Partei der Arbeit (PRT), des Kollektivs Bravo Sur, der Gruppe Antiimperialistische Stimmen (Voces Antiimperialistas) sowie der Bewegung Gayones vereinbarten den Aufbau einer Antiimperialistischen und Antifaschistischen Volksfront (Frente Popular Antiimperialista y Antifascista, FPAA). Ziel des neuen Bündnisses ist es, im gegenwärtigen Kampf um die Macht das arbeitende Volk in der Stadt und auf dem Land sowie die Volksbewegungen zu stärken.

Hier das von den Organisationen verabschiedete Dokument des Treffens´in der Übersetzung von RedGlobe:.

Die schwere politische, soziale und Wirtschaftskrise in Venezuela erfordert die breitestmögliche Einheit der revolutionären und Volkskräfte für den Sieg über den Imperialismus und Faschismus.

Die Bolivarische Republik Venezuela wird einmal mehr durch die Entwicklung von politischen Gewaltaktionen durch Teile der extremen Rechten bedroht, die einem vom US-Imperialismus entworfenen Destabilisierungsplan folgen. Dessen Ziel ist es, durch Gewalt und Erpressung eine Regierung zu installieren, die der Hegemonie des Imperialismus auf dem Kontinent dient, und die in Lateinamerika zu Beginn dieses Jahrhunderts begonnenen nationalen Befreiungsprozesse zu zerstören. So sollen die fortschrittlichen Veränderungen umgekehrt werden, die es den Arbeiterinnen und Arbeitern und dem ganzen Volk erlaubt haben, Rechte und soziale Errungenschaften zu erreichen, die ihnen historisch von den Regierungen verweigert wurden, die den Interessen der dem nordamerikanischen Imperialismus untergeordneten Großbourgeoisie dienten.

In Anerkennung der hohen Verantwortung, die dieser Augenblick erfordert, richten sich die Organisationen PCV, PPT, REDES, PRT, BRAVO SUR, VOCES und GAYONES an das Volk Venezuelas, an die Revolutionäre der Welt und an die internationalistischen Kämpfer, um darüber zu informieren, dass wir eine Politik der Einheit entwickeln, um die Kräfte für eine revolutionäre Lösung der Krise in Venezuela zu sammeln, deren zentrale Achse die Mehrheiten des Volkes, der echteste Teil des Heimatlandes, sind.

Die Ereignisse, die die Welt als Ergebnis der allgemeinen Krise des Kapitalismus erlebt, belegen, in welchem Maß sich die Widersprüche zugespitzt und die Gefahr imperialistischer Aggressionskriege als Ausdruck des verzweifelten Handelns der Monopole und ihrer Repräsentanten in den dominierenden Regierungen der Welt zugenommen hat.

Der nordamerikanische Imperialismus hat wichtige strategische und taktische Fortschritte erreicht, indem er ein Teil des Kräfteverhältnisses zu seinen Gunsten verändert hat – durch den Regierungswechsel in Argentinien, den Putsch in Honduras, die parlamentarischen Staatsstreiche in Paraguay und Brasilien, den Sieg der Rechten bei den Parlamentswahlen in Venezuela, die Aufrechterhaltung der Militärstützpunkte in verschiedenen Ländern der Region, die Einbeziehung Kolumbiens in die NATO. Dadurch wurde die Dominanz des US-Imperialismus über den Kontinent neu aufgestellt, um die Aggression gegen die souveränen Regierungen fortzusetzen. Im Ergebnis durchlebt Lateinamerika eine komplizierte Situation, die von den Revolutionären korrekte Analysen und angemessenes Handeln verlangt, um die neoliberale Offensive aufzuhalten, aus der Zermürbung zu entkommen und selbst in eine Offensive zu gehen, in der die Volksbewegung an die Spitze des sozialen und politischen Kampfes gebracht wird, um die Korruption, den Boykott durch Unternehmer und Großgrundbesitzer, die Gewalt der Ausbeutung mit der Folge von Armut, Mangel und Hunger ebenso anzuprangern wie das Kapitulantentum und den Extraktivismus, die Formen der Vertiefung der Abhängigkeit von der einen oder anderen imperialistischen Macht sind.

Wir haben darauf hingewiesen, dass im Fall Venezuela die Offensive der reaktionärsten Rechten ein Ausmaß von Gewalt mit faschistischen Zügen angenommen hat, die Bedingungen für eine Intervention schaffen soll. Diese wird vom State Department (der USA) und der EU geplant, durch Instrumente wie die OAS, Mercosur, Pazifik-Allianz vermittelt und durch einige extrem rechte bezahlte Regierungen der Region als Speerspitze der bereits laufenden Aggression unterstützt.

Es ist bewiesen, dass die großen Monopole Geld und Logistik in die terroristischen Söldnerkommandos pumpen, die Finanzierung des Landes blockieren, in den Medien weltweite Lobbyarbeit machen, durch terroristische Aktionen Angriffe auf das Leben durchführen, um die Schaffung der Bedingungen für eine ausländische Intervention zu beschleunigen. Sie bereiten Tag für Tag vor, was die gefräßigen Verräter ersehnen. Wir wissen, dass die Gegenwart Kampf bedeutet, und dass der Weg der authentischen Einheit voller Hindernisse und Schwierigkeiten ist – aber wir sind entschlossen, ihn auf der Grundlage gegenseitiger Anerkennung und gegenseitigen Respekts zu bahnen, uns den Kämpfen des Volkes zu verschreiben und von diesem Standpunkt aus ein Programm für das gute Heimatland zu schaffen. Wir wissen, dass der venezolanische revolutionäre Prozess eine kollektive Führung des Volkes braucht, die die Stimme der Ausgebeuteten ist und sich durch Bescheidenheit, Beständigkeit, Produktion und Arbeit als einzige Form der Befriedigung der Bedürfnisse und Rechte des Volkes auszeichnet. Die Befreiung des Volkes ist das Werk des Volkes selbst.

Angesichts der gefährlichen Eskalation des Terrorismus, der die Souveränität und nationale Unabhängigkeit sowie die Errungenschaften des arbeitenden Volkes in Gefahr bringt, rufen wir dazu auf, diese vereint umfassend und kohärent zu beantworten. Es ist notwendig, unverzüglich die breite antiimperialistische Allianz zu aktivieren, um den terroristischen Putschplan zu besiegen. Benötigt wird dringend das vereinte Handeln und der Austausch zwischen den revolutionären Organisationen, den Kräften der Arbeiter- und Volksbewegung und des patriotischen Offizierskorps der FANB (Bolivarische Nationale Streitkräfte). Notwendig ist ein PATRIOTISCHER UND POPULARER EINHEITSPLAN, um die terroristische Rechte und den Imperialismus zu besiegen. Das Gegenteil würde bedeuten, verantwortungslos zu agieren. Das Gegenteil bedeutet praktisch die Kapitulation. Wir wirklichen Revolutionärinnen und Revolutionäre kapitulieren nicht, wir kämpfen vereint bis zum Sieg.

Heute sieht sich das ausgebeutete und unterdrückte Volk durch die Klauen des Imperialismus und faschistische Elemente bedroht, die dem Ziel folgen, die revolutionären Ideen auszulöschen. Wir erheben uns mit dem Vorschlag der Einheit, erheben die Stimme zur Rettung des Traums und der Hoffnung der Volksmehrheit auf eine tiefe und entscheidende Veränderung von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Deshalb laden wir unsere Klassengeschwister ein, sich gleichberechtigt mit ihren sozialen Basisorganisationen, Parteien, Berufsverbänden, Gewerkschaften, Kooperativen, sozialen Bewegungen, Kommunen und anderen Formen der Kampforganisation für das Volk dieser Volksfront anzuschließen, deren Aufbau wir anstreben. Ohne die Einheit wird es keinen Sieg geben, und ohne den Sieg gibt es keine Zukunft.

Die PCV, PPT, PRT, Redes, Bravo Sur, Voces Antiimperialistas und Gayones übernehmen mit diesem Dokument ihre fest Verpflichtung, einen breiten Raum zu schaffen, um mit Energie und Klassenbewusstsein die Mobilisierung und den Kampf zu organisieren, um aus dem Volk und mit dem Volk die Bedürfnisse der Mehrheiten nach Entwicklung der Produktion, Lebensmittelsicherheit, den Sieg über die Unsicherheit und die reaktionäre Gewalt zu erfüllen – damit sich die Türen denen öffnen, die bereit sind, für die Rechte der ausgebeuteten und unterdrückten Mehrheit bis zum Sieg zu kämpfen.

Nur die breiteste Einheit des Volkes, geführt durch die bewusste und organisierte Arbeiterklasse, garantiert die Verteidigung des bolivarischen Heimatlandes und die revolutionäre Vertiefung der Veränderungen, in der Perspektive bis zum wirklichen Aufbau des Sozialismus auf wissenschaftlicher und konsequenter Grundlage.

Die Alternative zur kapitalistischen Krise ist die sozialistische Revolution!

Gegen die imperialistische Aggression – Antiimperialistische und Antifaschistische Volksfront!

Für eine revolutionäre Constituyente!

Caracas, 23. Mai 2017

Quelle: Tribuna Popular / Übersetzung: RedGlobe

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Willy Wirthgen – le fusillé oublié du fort de Bondues

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29.3.2017

DKP Allgäu

« Willy Wirthgen – der vergessene Hingerichtete vom Fort de Bondues ». Unter diesem Titel berichtete kürzlich „Liberté hebdo“, die wöchentlich erscheinende Regionalzeitung der PCF (Parti Communiste Francais) für Nord/Pas de Calais (also den größten Teil Nordfrankreichs) über den Allgäuer Antifaschisten, Gewerkschafter und Kommunisten Willy Wirthgen (siehe wikipedia-Artikel und diverse Artikel auf dieser Seite) sowohl auf der Titelseite, als auch auf der Seite 3. Willy Wirthgen wurde bekanntlich im April 1944 im Fort de Bondues bei Lille in der Folge eines Todesurteils des Feldgerichts der 16. Flak-Division der faschistischen Wehrmacht wegen Wehrkraftzersetzung erschossen. Im Fort de Bondues wurden auch 68 französische Résistanceangehörige erschossen, denen heute dort ein „Musée de la Résistance“ (Museum des Widerstands) gewidmet ist.

Der Artikel in der französischen Zeitung bringt mit dem „vergessenen Hingerichteten“ zum einen die spät einsetzende Erforschung der Biografie Wirthgens (beginnend vor der Stolpersteinverlegung im Jahre 2010) zum Ausdruck, als auch die Vervollständigung der „Liste der 68″ in dem Museum. Hierzu muß man natürlich beachten, dass die Résistance aus ganz verschiedenen politischen Kräften zusammengesetzt war. Erst auf Initiative der PCF verständigten sich diese auf einen „Nationalrat der Résistance“. Insofern ist es verständlich, dass das Museum im Fort de Bondues die gaullistischen Kräfte in der Résistance eher in den Vordergrund rückt, als die kommunistischen. Zudem war die Region auch während der deutschen Besatzung traditionell sehr anglophil (englandfreundlich). Man war sehr dankbar für den Einsatz der britischen Luftstreitkräfte und Fallschirmeinheiten, ebenso für den der britischen Geheimdienste und der von England aus operierenden gaullistischen Kräfte. Da ist die Sympathie für einen Angehörigen der faschistischen Luftabwehr, der Willy Wirthgen nun einmal war, zunächst nicht selbstverständlich.

Andererseits ist festzuhalten, dass von den 68 französischen Opfer des Fort de Bondues etwa die Hälfte Kommunisten waren. Ebenso in den verschiedenen anderen Forts in der Umgebung von Lille, die dort seit dem 17.Jahrhundert, beginnend mir dem berühmten „Rüstungsarchitekten“ Sébastien Vauban, erbaut wurden. Sie hatten jedoch schon im Ersten Weltkrieg kaum mehr militärische Bedeutung und dienten während der deutschen Besatzung hauptsächlich als Munitions- und sonstige Depots und eben als Hinrichtungsstätten. Nur 6 km vom Fort de Bondues entfernt liegt das Fort du Vert Galant, in dem ebenfalls 80 Franzosen „füsiliert“ wurden, davon 80% Kommunisten. Ebenso wurden in der Zitadelle von Lille 25 Widerständler erschossen, alles Kommunisten. Vielfach waren es Bergarbeiter, die im „Großen Streik der Bergarbeiter“ im Mai/Juni 1941 mit 100.000 Beteiligten und mit Sabotagehandlungen gegen ihre Ausbeutung für die deutsche „Raubwirtschaft“ Ausdruck verliehen. In der Zitadelle von Arras wurden 215 Widerständler erschossen, davon 80% Kommunisten. Im Fort de Seclin gab es 60 Erschossene, davon 50% Kommunisten.

Insgesamt gab es in der Region um Lille ca. 550 „Füsilierte“ und „Guillotinierte“, sowie etwa 8000 Deportierte in deutsche KZ’s und Zwangsarbeitslager. Nicht inbegriffen die jüdischen Deportierten.

Am Fort du Vert Galant findet alljährlich am 1.April eine Gedenkfeier der PCF und anderen Kräften statt, die auch vor allem viele nichtfranzösische Opfer einschließt. Denn die Nazis verfrachteten ab 1941 auch Menschen aus aller Herren Länder Europas zur Arbeit in den Bergwerken und der Chemie-, Metallurgie- und Textilindustrie in der Region. Im Juni wird von der BiMOI (Bibliothek der internationalen Arbeiterbewegung) in Lille eine Veranstaltung durchgeführt, die die Rettung von 80 Juden durch 24 Eisenbahner des Depots Lille und einem Abbé aufarbeitet. Es sollte dort 1942 ein Transport von 500 Juden nach Auschwitz zusammengestellt werden. Die Eisenbahner („les cheminots“) entschlossen sich spontan zu der Rettungsaktion, mit der sie die 80 Personen, darunter viele Frauen und Kinder, im Schutze der Dunkelheit versteckten. Sie betätigten sich somit gewissermassen als „Stolpersteinverhinderer“.

Obige Ausführungen haben nichts mit dem Text der Artikel in der „liberté hebdo“ zu tun. Dort wird die Biografie, wie sie bis dato bekannt ist, wiedergegeben. Auf der Titelseite wird zusätzlich angemerkt: „Seine Geschichte zeigt den Mut, den die deutschen Antinazis ab 1930 bewiesen“. Parallel zu den Artikeln in der PCF-Zeitung wurde Willy Wirthgen auch in das biografische Wörterbuch der internationalen Arbeiterbewegung,“Le Maitron“, das an der Universität von Paris geführt wird, aufgenommen:

http://maitron-fusilles-40-44.univ-paris1.fr/spip.php?article189606&id_mot=9448

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In der Kleinstadt Haubourdin unweit von Lille, in der der FN bedeutenden Zulauf hat und Macron nur knapp im zweiten Durchgang siegte, ehrten die Kommunisten der Coordination communistes Nord/Pas de Calais am 8. Mai den antifaschistischen Widerstand Frankreichs und gleichzeitig die Sowjetunion, die im Kampf gegen den Faschismus die größten Opfer trug. Diese Ehrung ist gleichzeitig Teil des heutigen antifaschistischen Widerstandes und ein Rückblick in die Geschichte. 

Übersetzung: Alexandra Liebig

Liebe Freunde, liebe Genossen,

hier auf diesem Militärfriedhof von Haubourdin befinden sich mehr als 200 Gräber sowjetischer Partisanen, die zwischen 1940 und 1945 auf französischem Boden gegen den Faschismus und für die Befreiung Frankreichs von faschistischer Okkupation kämpften. Seit fünfzehn Jahren ehrt die Coordination communiste die vergessenen und weit von ihrem Vaterland gestorbenen Männer, Teilnehmer der französischen Resistance. Mit ihnen wird auch dem entscheidenden Beitrag der Sowjetunion am Sieg der Völker über den Faschismus Ehre erwiesen.

Wer waren diese hier auf unserem Boden beerdigten sowjetischen Bürger, von denen uns kein Nachschlagewerk spricht?

Die meisten dieser Gräber sind die von Gefangenen, Angehörigen der Roten Armee, aber auch zivilen Gefangenen der Deutschen an der Ostfront, die als Arbeitssklaven nach Frankreich gebracht wurden. Sie mussten vor allem in den Bergwerken und beim Bau des Atlantikwalls oder bei anderen Verteidigungsanlagen arbeiten. Ungefähr 7300 Männer haben in den Bergwerken in Nord / Pas de Calais gearbeitet. Diese Gräber sind auch die von immigrierten russischen Antifaschisten, die übrigens ab Mai 1941 am großen Bergarbeiterstreik teilnahmen, diesem mächtigen Widerstand der Arbeiterklasse dieser Region. Alle diese Männer gehörten ganz direkt zum inneren Widerstand.

Die ersten illegalen Organisationen der sowjetischen Kriegsgefangenen wurden ab Oktober 1942 im Lager von  Beaumont-en-Artois (heute Hénin-Beaumont, Wahlkreis der Marine Le Pen –warum wohl?) im Pas de Calais gegründet. Initiiert wurden sie von Offizieren der Roten Armee, denen die Flucht gelungen war. Im Herbst 1943 schloss sich ein neuer Flüchtender an, der als Leutnant der Roten Armee im Osten gefangen genommen und im Februar 1943 nach Frankreich überführt worden war: Wassili Poryk. Er wurde der Chef der sowjetischen Partisanengruppe FTP des Kohlenreviers (Freischärler- und Partisanen-Gruppe, von der KP gegründete Widerstandsorganisation).  Sie töteten oder verwundeten 300 faschistische Soldaten und Offiziere, ließen elf militärische Züge entgleisen und zerstörten zwei Brücken, attackierten Lebensmittel- und Munitions-Depots und bekämpften Kollaborateure.

In der letzten Etappe der Befreiung Frankreichs formierten sich bis zu 10.000 Sowjetsoldaten in 55 Abteilungen in Frankreich, ohne die hunderte Sowjetleute mitzuzählen, die in sowjetisch-französischen oder internationalen Abteilungen kämpften. In den Departements Nord / Pas de Calais kämpften zehn sowjetische Abteilungen gegen die Okkupanten. Diese Helden haben zu unserer Befreiung beigetragen. Sie sind Ausdruck des freien Bundes der freien Völker, welche das antifaschistische Bündnis bedeutet.

Liebe Freunde und Genossen,

neben diesen sowjetischen Kämpfern muss an diesem 8. Mai auch die UdSSR gewürdigt werden, die 25 Millionen ihrer Kinder in dieser großen Schlächterei des Zweiten Weltkrieges verloren hat, den die Hitlerfaschisten losbrachen. Die Sowjetunion ist das Land, das den schwersten Tribut zu tragen hatte in diesem mörderischen Wahn, ausgelöst von den reaktionärsten und chauvinistischsten Elementen des deutschen Finanzkapitalismus, um die Arbeiterbewegung zu zerstören und die Macht seiner Monopole zu sichern. Unvorstellbar: Ein Sowjetbürger von sieben hat im Laufe des Krieges sein Leben verloren! 25 Millionen Tote. 70.000 Städte, Siedlungen und Dörfer zerstört sowie 98.000 Genossenschaften.

Niemand kann dieses Märtyrervolk vergessen. Niemand darf auch den entscheidenden Beitrag der Sowjetunion und seiner Roten Armee für den Sieg über den Faschismus vergessen: 85 Prozent der Militärdivisionen Hitlerdeutschlands wurden an verschiedenen Fronten des Krieges durch die Rote Armee zerstört, das sind 670 von 793. Die Rote Armee hat 75 Prozent der deutschen Flugzeuge, Artillerie und Panzer zerstört. 80 Prozent der deutschen Opfer gab es an der deutsch-sowjetischen Front, drei Millionen Soldaten.

Es ist die Rote Armee, die die Naziarmee geschlagen hat und den Hauptanteil für die Befreiung Europas, also auch Frankreichs, leistete. Und das bis zum Schluss: Selbst nach der Landung in der Normandie – dieser von den Sowjets so lange erwarteten zweiten Front, um etwas den seit 1941 getragenen Anteil im Kampf zu erleichtern –, selbst nach der Landung im Westen hatte Deutschland 60 Divisionen im Westen, in Frankreich und Italien mobilisiert, musste aber 235 Divisionen gegen den gigantischen Druck, den die Rote Armee ausübte, im Osten behalten.

In dieser Epoche wurde die wesentliche Rolle der UdSSR anerkannt. Von Churchill stammt der Satz: „Die Rote Armee hat die die Eingeweide der Nazi-Kriegsmaschine zerschlagen.“ Im Juni 1945 schrieb der New York Herald Tribune: „Die Rote Armee war in der Tat die Armee, die Europa und die Hälfte unseres Planeten befreit hat, das heißt ohne sie und ohne die immensen Opfer des russischen Volkes wäre die Befreiung vom grausamen Joch des Nazismus ganz einfach unmöglich gewesen.“ In Frankreich erklärte der General De Gaulle: „Die Franzosen wissen, was Sowjetrussland gemacht hat, es hat die Hauptrolle bei ihrer Befreiung gespielt.“ Doch heute wissen sie es weniger, und wir müssen umso mehr diese historischen Wahrheiten erinnern. Auf dem Vergessen gedeiht der historische Revisionismus.

Dieser 8. Mai wird am Tage nach der zweiten Runde des Präsidentenwahlkampfes geehrt, bei dem der FN 10,6 Millionen Stimmen erhalten hat. Somit stehen 72 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges  die Erben des französischen Faschismus, die Erben des Petainismus, hoch im Kurs. Nahezu das Schmerzhafteste daran ist die kollektive Blindheit, die von einem großen Teil der Linken ausgeht, die mittels der Entteufelung des LePenismus, aber auch der Anerkennung von Le Pen in der Gesellschaft eine Unterschätzung der faschistischen Gefahr betreibt.

Gewiss, die Bourgeoisie weiß immer noch Auswege zu finden, und trotz des Zusammenbruchs der alten, abgenutzten Parteien kann sie ihre Herrschaft noch sichern, ohne auf den Faschismus zurückzugreifen: Die Schaffung des Phänomens Macron als falschen Regierungswechsel zeigt es gut. Aber der Rückgriff auf den FN wird implantiert und erweitert sich von Jahr zu Jahr. Er nutzt alle demokratischen Räume für seine Entwicklung. Wenn die antiliberale Widerstandsfront des Volkes, deren Ausdruck die 20 Prozent von Mélenchon sind, morgen nicht eine Alternative zum zerstörerischen Programm von  Macron aufbaut, dann wird der FN mehr denn je hinter den Türen der Macht lauern.

Lernt aus der Vergangenheit! Das ist die Nachricht, die uns die hier begrabenen Toten zuschreien.

Erinnern wir uns, dass der Faschismus im Rahmen dieser „Demokratie“ legal an die Macht kommen kann. Sie ist in Wirklichkeit häufig eine Demokratie gegen das Volk. An die Macht gekommen, gehen die Faschisten etappenweise vor, um ihre Macht zu stärken, sich im Staatsapparat festzusetzen und zu triumphieren. Sie weichen niemals einen Daumen breit, nachdem sie eine Position im Staatsapparat errungen haben.

Man untersuche die Art, wie Hitler an die Macht gekommen ist. Man sagt, er habe die Macht nicht „an den Urnen“ errungen. Das ist aber nur zum Teil richtig. Seine Partei erhielt bei den Reichstagswahlen im November 1932 -11,7 Millionen Stimmen, 33 Prozent. Das war die Partei an der Spitze. Hitler ist ganz legal Kanzler geworden (das heißt Premierminister) durch den Präsidenten Hindenburg im Januar 1933. Die sozialdemokratische Opposition hat nichts gesagt und den Generalstreik verweigert, den die Kommunisten vorschlugen.

Man muss sagen, dass die Sozialdemokraten seit Monaten behaupten, dass die Nazis „ihre Parolen der harten Realität der Tatsachen stellen“ müssten, kurz: Ihrer Meinung nach müsste man die Massen „ihre Erfahrungen machen“ lassen. Der große kommunistische deutsche Arbeiterführer Thälmann hatte schon vor dem Juli 1932 folgendermaßen darauf geantwortet: „ Es gibt keinen größeren und schändlicheren Betrug  an den Massen, als ihnen zu erzählen: Die Faschisten nutzen sich an der Macht ab, es reicht sie regieren zu lassen. Die an die Macht gekommenen Faschisten werden nicht zögern, ihre außerparlamentarischen Aggressionen gegen die Millionen Arbeiter zu verstärken.“ [Rückübersetzung]

In seiner ersten Regierung hatte Hitler nur zwei Naziminister und fordert die Auflösung des Reichstages. Neue Wahlen sind vorgesehen für den 5. März. Der Staatsapparat wird als Hebel für eine Propaganda zugunsten der Nazipartei dienen. Infolge des Reichstagsbrandes in der Nacht vom 27. auf den 28. Februar – der Brand wurde von den Nazis als Ergebnis eines kommunistischen Komplotts dargestellt – erhielt Hitler die Zustimmung der Regierungsmitglieder, dem  Präsidenten Hindenburg eine Notverordnung vorzulegen. Dieser unterzeichnet sie. [„Zum Schutz von Volk und Staat“]. Auf der Grundlage eines Artikels der deutschen Verfassung [48], die ein wenig unserem Artikel 16 der V. Republik gleicht, erlaubte eine Verordnung, das Freiheitsrecht, die Meinungsfreiheit, vor allem die Pressefreiheit, das Versammlungs- und Vereinigungsrecht  einzuschränken.

Die Nazipartei gewinnt bei den Wahlen am 5. März mit 43,9 Prozent der Stimmen, 8 Prozent gehen an eine alliierte Partei. Trotzdem besitzt Hitler nicht die Zweidrittelmehrheit der Sitze, die er braucht um seinen Staatsstreich zu legitimieren. Die Lösung findet sich: Der Präsident des Reichstages, Göring, entscheidet, dass die Stimmen der 81 gewählten kommunistischen Abgeordneten nicht zählen. Sie waren schon nicht mehr im Reichstag, sondern verhaftet und verfolgt.

Hitler ließ dann am 23. März das Gesetz beschließen, das ihm unbeschränkte Vollmachten erteilte: Regieren und Gesetze beschließen ohne Parlament [Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich]. Das Gesetz wurde mit Hilfe von Versprechungen an die Zentrumspartei beschlossen: Mit 444 gegen 94 Stimmen. Für vier Jahre vorgesehen, blieb es bis 1945 in Kraft.

Ist es wirklich notwendig, bis nach Deutschland zu schauen?

Auch Petain hat legal unbeschränkte Vollmachten erhalten. Das Gesetz vom 10. Juli 1940 gab der von Petain geführten Regierung alle Macht (er hatte den Rang eines „Ratspräsidenten“, was dem Premierminister entsprach), eine neue Verfassung zu erlassen, die alle Institutionen der III. Republik suspendierte. Dieses Gesetz wurde von dem in Sondersitzung vereinten Parlament am 10. Juli 1940 in der kleinen Stadt Vichy  mit 569 Stimmen bei 80 Gegenstimmen und 20 Enthaltungen beschlossen. Die kommunistischen Abgeordneten waren abwesend, weil seit Oktober / November 1939 verhaftet, ermordet, ihres Mandats beraubt und verurteilt und manche nach Algerien deportiert – durch eben diese III. untergehende Republik. Sie zeigt uns, dass es zwischen der reaktionären, die Fortschrittskräfte unterdrückenden Demokratie und dem sich festsetzenden Faschismus keine Chinesische Mauer gibt.

Liebe Freunde und Genossen,

das ist im Angesicht der Gräber dieser Soldaten des Friedens  ein Appell an die Wachsamkeit und zur Mobilisierung. Es gibt nichts Unabwendbares in der Politik, wenn man sich engagiert!

In diesem Friedhof von Haubourdin, hier die sowjetischen und dort die Schützen der kolonialen Armeetruppen, liegen hunderte junge Menschen, die gegen den Faschismus gekämpft haben, damit nie wieder dieser furchtbare Schrecken aus dem noch fruchtbaren Bauch kreucht, welcher der Fäulnisprozess des kapitalistischen System ist.

Wir verneigen uns vor dem Heldentum dieser weit von ihrem Heimatland für die Befreiung der Menschheit vom Nazijoch getöteten sowjetischen Partisanen.

Ehre den sowjetischen Kämpfern!

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Von RA Ralph Dobrawa

RotFuchs, Heft April 2017

In den letzten Jahren ist viel über den Frankfurter Auschwitz-Prozeß gesprochen und geschrieben worden. Meist ging es dabei um die unmittelbaren Verfahrensbeteiligten, die an den 183 Verhandlungstagen teilgenommen haben. Zu ihnen gehörte nicht Heinz Düx, und trotzdem hat er entscheidend zur Vorbereitung dieses geschichts­trächtigen Verfahrens beigetragen.

Heinz Düx

Der am 24. April 1924 im hessischen Marburg Geborene studierte von 1942 bis 1948 auch an der dortigen Universität Rechtswissenschaft. 1948 wurde er promoviert und war ab 1954 als Richter in Hessen tätig. Bald wurde der hessische Generalstaats­anwalt Fritz Bauer, der spätere Initiator des Auschwitz-Prozesses, auf ihn aufmerksam, weil Düx sich dagegen wandte, daß alte Nazis als Richter in der jungen BRD eingesetzt werden. Ab 1960 arbeitete er für drei Jahre als Untersuchungsrichter beim Landgericht Frankfurt am Main. In dieser Zeit war er entscheidend an der Vorbereitung des Verfahrens gegen ehemalige SS-Angehörige des KZ Auschwitz beteiligt. Ihm oblag dabei vor allem die Einvernahme von Zeugen, aufgrund deren Angaben die Staatsanwaltschaft später die Anklageschrift fertigte. In dieser Zeit reiste er privat nach Auschwitz, um sich einen eigenen Eindruck von den Örtlichkeiten des grausamen Geschehens zu machen.

Heinz Düx mußte miterleben, welcher Widerstand in der damaligen Zeit innerhalb der bundesdeutschen Justiz bestand, wenn es um Verfahren gegen nazistische Gewaltverbrecher ging. Davon hat er sich nicht beirren lassen und die Auffassungen Bauers nachhaltig unterstützt.

Düx war Zeit seines Lebens ein konsequenter Antifaschist. Bereits 1945 war er in die KPD eingetreten. Später gehörte er der SPD und der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes sowie der Vereinigung demokratischer Juristen an. So überrascht es nicht, daß er bis zum Ende seines Lebens ein kritischer Kommentator der bundesdeutschen Justizgeschichte gewesen ist. Davon künden viele erhalten gebliebene Aufsätze und Referate, die 2013 in dem Band „Justiz und Demokratie – Anspruch und Realität in Westdeutschland nach 1945“ als gesammelte Schriften erschienen sind. Als er 1970 zum Senatspräsidenten am Oberlandesgericht  Frankfurt am Main ernannt wurde, war er auch dort mit Entschädigungsfragen der Opfer des Nazismus beschäftigt.

1973 nahm er am Weltkongreß der Friedenskräfte in Moskau teil – Grund genug für die hessische CDU, zweimal zu versuchen, im dortigen Landtag ein Disziplinarverfahren gegen ihn und die Amtsenthebung durchzusetzen, was beide Male mißlang. Ihn verband eine enge Freundschaft mit den Professoren Wolfgang Abendroth und Helmut Ridder. Als ich ihn endlich persönlich kennenlernte, hatte ich schon sehr viel über ihn gelesen. Auf einer Tagung zum 50. Jahrestag des Auschwitz-Prozesses in Kassel hielt er einen Vortrag über seine damalige Tätigkeit als Ermittlungsrichter.

Obgleich er da bereits 90 Jahre alt war, sprach er mit großer innerer Bewegung, und man konnte spüren, wie sehr ihm der Kampf gegen alte und neue Nazis am Herzen lag. Im Anschluß daran berichtete er mir von den Behinderungen, die er während seiner Zeit im Justizdienst der Bundesrepublik erleben mußte, die sogar so weit gingen, daß seinem Sohn zunächst die Zulassung als Rechtsanwalt verweigert wurde. Sippenhaft gab es eben nicht nur bei den Nazis. Er kommentierte das mit den Worten: „Man schlug den Sack und meinte den Esel!“ Es bedurfte erst der Hinzuziehung prominenter Anwälte, darunter Friedrich Karl Kaul, um dem Sohn zu seiner beruflichen Existenz zu verhelfen.

Am 3. Februar 2017 starb Heinz Düx im Alter von 92 Jahren.

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Siehe auch:

Ernst Heinz: Würdigung eines Würdigen. Heinz Düx zum 90., in „RotFuchs“ Nr. 195 (April 2014),

Wilhelm Rösing: Der Einzelkämpfer. Richter Heinz Düx. Dokumentarfilm, 79 Min., 2011. U. a. mit Dr. Lisa Abendroth, Prof. Dr. Norman Paech, Rupert von Plottnitz und Prof. Dr. Gerhard Stuby

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1. Februar 2017

SDAJ

Der typische Nazi ist offenbar dumm, ungebildet, arm und Ostdeutscher

#MecklenburgVorpommern, das am dümmsten besiedelte Bundesland. #AfD“ – dieser Tweet eines Users zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern kommt euch bekannt vor? Kein Wunder, schließlich sind Postings wie diese nicht mehr aus den sozialen Netzwerken wegzudenken. Angesichts der stark aufstrebenden rechten Kräfte in Deutschland kommt kaum noch jemand drum herum, sich zu diesem Thema zu positionieren. Die bürgerliche Mitte ist sich einig: Nazis sind doof. Wer aber sind diese Nazis und wo kommen sie so vermeintlich plötzlich her? Wer sich im Internet die vielen antirassistischen Seiten anschaut, wird feststellen: Der typische Nazi ist offenbar dumm, ungebildet, arm und Ostdeutscher. Mit ihm zu diskutieren lohnt sich nicht, denn er ist aus bösem Willen Rassist geworden und man muss zwar gegen Nazis sein, ganz loswerden kann man sie aber nicht.

Die Message hinter diesem Bild ist klar: Wir, die gebildete Mittel- und Oberschicht gegen die, den ungebildeten und unbelehrbaren Pöbel. Am deutlichsten hat das im Oktober der SPIEGEL-Redakteur Jan Fleischhauer auf den Punkt gebracht: „Das Land braucht wieder ein gesundes Elitenbewusstsein“ – die Unterschicht soll brav spuren.

Dabei lässt sich sowohl die Behauptung hinter diesem Bild von Nazis, als auch die von Fleischhauer ausgerufene Lösung schnell auseinandernehmen.Wer sich die Zusammensetzung von Pegida und AfD anschaut, wird feststellen: Den typischen Rechten gibt es nicht. Gut verdienende Kleinbürger und die Chefs von Mittel- und Großkonzernen unterstützen die AfD und stehen gemeinsam mit Arbeitslosen und prekär Beschäftigten bei Pegida-Aufmärschen auf der Straße. Ein höherer sozialer Status und Bildungsgrad „schützt“ einen Menschen also keineswegs vor rechten Positionen. Und das nicht nur in Ostdeutschland: bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg hat die AfD ebenfalls ein zweistelliges Wahlergebnis erreicht.

Dabei präsentiert sich die Partei als vermeintliche Sammelbewegung, die das gesamte Volk repräsentiere und die sich gegen die aktuellen politischen Umstände auflehne. Mit dieser Strategie hat sie, wenig überraschend, großen Erfolg.

Das bloße Herabsetzen oder Bedauern der Sympathisanten, wie es Fleischhauer und viele bürgerliche Nazigegner tun, bedeutet die Augen vor den Ursachen des Erfolgs rechter Kräfte zu verschließen. Denn die Unzufriedenheit der AfD-AnhängerInnen hat handfeste Grundlagen: der zunehmende Mangel an Ausbildungsplätzen, immer schlechtere Arbeitsbedingungen oder der stärker werdende Leistungs- und Konkurrenzdruck an Schulen und Universitäten. An allen Ecken und Enden zeigt sich, dass in den letzten zwei Jahrzehnten rigoros und erfolgreich Klassenkampf von oben geführt wurde. Das alles lässt sich nicht einfach zur Seite wischen, indem die AnhängerInnen von AfD und Pegida als unverbesserliche Idioten abgetan werden. Im Gegenteil, eine solche Antifa-Politik spielt den Herrschenden perfekt in die Hände. „Wer aber vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch vom Faschismus schweigen“ schrieb der Philosoph Max Horkheimer 1939 – die enorme Anzahl angeklagter Großindustrieller in den Kriegsverbrecherprozessen hat ihm Recht gegeben. Und Horkheimer hat weiterhin Recht: Solange der Kapitalismus mit seinen ständigen, immer heftigeren Krisen fortbesteht, solange wird der Faschismus ein Ventil für dessen Folgen bleiben. Darum: Antifa heißt nicht Elitarismus. Antifa heißt Kampf dem Kapital!

Jonas, Witten

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Antworten für heute

 

Patrik Köbele zur Faschismusgefahr

Falk Mikosch, Landessprecher der VVN in NRW, äußert (UZ vom 7.10.2016) kritische Gedanken zu einem Satz meines Referats der vergangenen PV-Tagung. Mit dieser Erwiderung möchte ich einen Beitrag zu einer notwendigen Debatte (nicht nur) in der antifaschistischen Bewegung leisten.

Falk schreibt, dass bis zum September 1930 eine Chance bestand, den Faschismus zu stoppen, „wenn die Politik der Linken (KPD und linke Sozialisten) so wie ab Juli 1932 gewesen wäre.“ Die KPD nahm 1932 zu Recht notwendige Korrekturen ihrer Politik vor. Dies wurde nach der Machtübertragung an die Faschisten mit der Brüsseler Konferenz und dem VII. Weltkongress der Komintern fortgeführt. Tatsächlich waren das sehr grundsätzliche Änderungen in der Bündnispolitik, die mit einer tiefen Selbstkritik verbunden waren.

Falks Formulierung beinhaltet allerdings die Möglichkeit einer falschen Interpretation. Die Schuld an der Nichtverhinderung des Faschismus liegt keineswegs allein an der „falschen“ Politik auf Seiten der KPD und der linken Sozialisten. Bislang war es unter uns Konsens, dass Ursache für Faschismus und Krieg die Orientierung wesentlicher Teile des Monopolkapitals und der Großgrundbesitzer war und seine Durchsetzung  möglich wurde, weil es nicht gelang die Arbeiterbewegung (vor allem SPD, KPD und Gewerkschaften) im antifaschistischen Kampf zu einen. Die Schuld an dieser Nichteinigung lediglich bei KPD und linken Sozialisten zu verorten, ist historisch falsch. Damit würde  die Verantwortung der SPD-Führung für das Erstarken der Freikorps, für die Ermordung von Karl und Rosa, damit würde Noske, die Bezeichnung der Kommunisten als „rotlackierte Nazis“, die Ausschlüsse von Kommunisten aus den Gewerkschaften vergessen gemacht. Die Kommunisten korrigierten ihre Politik bereits vor 1933, die Sozialdemokraten nicht.

Aus meiner Sicht ist nach wie vor richtig, was die KPD in ihrem Aufruf vom 11. Juni 1945 formulierte: „Nach all dem Leid und Unglück, der Schmach und Schande, nach der dunkelsten Ära deutscher Geschichte, heute, am Ende des „Dritten Reiches“, wird uns auch der sozialdemokratische Arbeiter recht geben, dass sich  die faschistische Pest in Deutschland nur ausbreiten konnte, weil 1918 die Kriegsschuldigen und Kriegsverbrecher ungestraft blieben, weil nicht der Kampf um eine wirkliche Demokratie geführt wurde, weil die Weimarer Republik der Reaktion freies Spiel gewährte, weil die Antisowjethetze einiger demokratischer Führer Hitler den Weg ebnete und die Ablehnung der antifaschistischen Einheitsfront die Kraft des Volkes lähmte.“

Daraus lässt sich Wichtiges für den heutigen antifaschistischen Kampf ableiten: Das Erstarken der AfD ist Bestandteil einer gefährlichen Entwicklung in unserem Land. Ein Hintergrund dafür ist, dass Menschen, die in dieses Land flüchten, instrumentalisiert werden, um die Konkurrenz innerhalb der Arbeiterklasse (zu denen die Geflüchteten gehören) zu erhöhen. Ursache der Flucht sind vor allem Kriege, Verursacher die imperialistischen Länder bzw. deren herrschende Klassen, darunter die Bundesrepublik. Die wachsende Aggressivität des deutschen Imperialismus nach innen und außen führt zu berechtigter Perspektivangst bei vielen Menschen. Rassismus lenkt von den Ursachen ab. Eine ausschließliche Fokussierung des antifaschistischen Kampfes auf die AfD halte ich deswegen für falsch. Die Verbindung „Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus“ ist zentral. Deswegen halte ich eine Bündnispolitik, die Krieg und Armut als Faktoren nicht benennt, um die Mitverursacher derselben konfliktfrei in ein Bündnis zu integrieren, nicht für richtig.

Zu guter Letzt: Falk schreibt, dass es ihm nicht um eine Einmischung in die parteiinterne Entscheidung zur Wahlfrage gehe. Leider tut er genau das. Das Zitat aus meinem Referat befasst sich ausschließlich mit der Wahlfrage. Die Argumentation von Falk wäre aus meiner Sicht zwar immer noch nicht richtig, aber dann zumindest konsequent, wenn er auch die Partei die Linke, die SPD und die Grünen zum Verzicht auf die Eigenkandidatur auffordern würde.

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Wetzlar: bunt statt braun

Auf entschiedene Gegenwehr stieß am 7. Oktober der Versuch von Neonazis aus dem Lahn-Dill-Gebiet, im industriell und multikulturell geprägten Wetzlarer Stadtteil Niedergirmes mit einer Demo „Fuß zu fassen“. Der demagogischen Parole „WIR setzen auf die deutsche Jugend – IHR auf Einwanderung“ wurde von 1500 Nazi-Gegnern eine klare Abfuhr erteilt.

In Niedergirmes herrschte Volksfeststimmung. Ernst Richter vom Bündnis BUNT statt BRAUN erinnerte daran, dass am Kundgebungsort im Frühjahr 1945 „die deutsche Jugend“ als Kanonenfutter gegen die anrückenden Ami-Panzer verheizt wurde und Faschismus keine Meinung, sondern ein Verbrechen sei. Lisa Roth sprach für die SDAJ Gießen und rief dazu auf, dass sich Arbeiterjugendliche, Schüler und Studenten gemeinsam gegen die Zumutungen des entfesselten Kapitalismus zur Wehr setzen. Internationalismus bedeute, dass man sich nicht nach Rassen, Ethnien und Religionszugehörigkeit spalten lasse.

Die rund 80 – zum Teil von außerhalb angereisten – Nazis harrten zunächst fast 2 Stunden unter ihren schwarz-weiß-roten Fahnen auf dem Bahngelände aus. Eskortiert von jeder Menge Polizei zogen sie dann durch die auf der anderen Seite des Bahngeländes gelegene Innenstadt. Als NPD-Häuptling Hantusch auf dem Domplatz das Mikro ergriff, war für Umstehende nichts davon zu hören, weil der katholische und der evangelische Dompfarrer eine Viertelstunde lang die Glocken läuten ließen: „Gefahr im Anmarsch, wehret den Anfängen“!

Klaus Petri

Gießener Echo

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Am 26. Oktober feiert Österreich seinen Nationalfeiertag. Das geschieht in Erinnerung an den Abzug der ausländischen Truppen, die Österreich von der Schreckensherrschaft des deutschen Faschismus befreit haben, und an die auf der Grundlage des Abschlusses des österreichischen Staatsvertrages am 15. Mai 1955 erfolgte Annahme des Status der immerwährenden Neutralität seitens Österreichs am 26. Oktober 1955.

gitter-rotes-tuch-3Dem großdeutschen System ist es nicht gelungen, das österreichische Volk mit seiner Arbeiterklasse nach der Okkupation 1938 vollends zum Verstummen zu bringen. Symbol des Widerstandes wurden junge österreichische Kommunistinnen und Kommunisten, die sich in österreichischen Soldatengruppen organisiert und antimilitaristische Aktivitäten entfaltet haben. Die Naziherrschaft verfolgte in brutalster Weise jede Gegnerschaft. Ein eigenes Zentrum des legalisierten Mordens wurde im Wiener Landesgericht eingerichtet. Wegen des hohen Anteils junger Kommunistinnen und Kommunisten wurde die Todesstrafe auch bei Jugendlichen angewendet. Der von der Wiener Universität 1957 wegen seiner großen Verdienste um die Justiz bejubelte Spitzenbeamte Hugo Suchomel hat im Spätherbst 1944 von Berlin aus >einen weiteren Scharfrichter mit dem Wohnsitz in Wien< mit der Zuständigkeit für die Vollstreckungsorte in Graz und Wien bestellt. Der österreichische Universitätsprofessor Friedrich Nowakowski, der als Staatsanwalt beim Sondergericht Wien 1944 >Im Namen des deutschen Volkes<  beispielsweise für die Verhängung des Todesurteils gegen zwei >gegen das Deutschtum eingestellte< tschechische Hilfsarbeiter wegen Abhörens des Londoner Senders verantwortlich war, erhielt von der  Republik Österreich Jubiläumszuwendungen. Noch zu Beginn der 1970er Jahren  wurde in Österreich jene Geschichtsdarstellung über die >Opfer verlorener Zeiten< mit staatlichen Subventionen vorangetrieben, die bei den edierten Justizdokumenten in der prozessrechtlich vorgeschriebenen Urteilsformel die Namen der Nazijuristen ebenso verschwinden ließ wie die in jedem Urteil auf die Mitwirkung der NS-Richter und NS-Staatsanwälte an der Hauptverhandlung und am Schuldspruch hinweisenden Namen. Über die Vielzahl der nach 1945 im Justizbereich verbliebenen Täter hat der Wiener Widerstandskämpfer, Kommunist und Jurist der Arbeiterklasse Eduard Rabofsky viele, aber offiziell nicht zur Kenntnis genommene Arbeiten veröffentlicht. Das 1963 vom Kommunisten Herbert Steiner gegründete Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes war immerhin bemüht, den von der Moskauer Deklaration vom Oktober 1943 geforderten Beitrag zur Befreiung Österreichs zu dokumentieren.

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Von Hermann Kant

RotFuchs, Heft Oktober 2016

Hermann Kant

Als das neue Jahr begann, tat ich, was man tut, wenn neue Jahre beginnen. Ich nahm mir vor, Bisheriges nicht fortzusetzen, sondern mich zu ändern. Weil aber schier unübersehbar war, was der Wandlung harrte, suchte ich, Muster ins Geröll zu bringen, nach einem System, und entschied mich für jene hergebrachte Regulierung, die sich aus dem Alphabet ergibt.

Die Folge war, daß ich gleich auf das Wort Antifaschismus stieß, von dem man mir seit längerem schon sagte, es bezeichne einen Wert, in dessen Besitz ich auf dem Verordnungsweg gekommen sei. Im Zuge staatlicher Verordnungen. Als Wirkung eines Staates, den es im Grunde nicht hätte geben dürfen.

Gewillt, mich von Lasten zu befreien, die mir aufgezwungen worden waren, faßte ich meinen Antifaschismus prüfend ins Auge, und sah sehr bald, wie recht man über ihn sprach. Es handelte sich tatsächlich um eine verordnete Geisteshaltung. Wenngleich die DDR nicht allein die Verordnerin gewesen ist. Vor ihr waren andere tätig, uns Antifaschismus aufzuzwingen. Als tätigsten Haupttäter machte ich den Faschismus aus.

Die zweisilbige Vorsilbe Anti- ist bekanntlich das griechische Wort für das deutsche Wort Gegen-, und der Gebrauch beider setzt voraus, daß etwas da sei, zu dem sich etwas anderes konträr verhält. Mithin darf der Antifaschismus schon aus Gründen der sprachlichen Logik vom Faschismus sagen: Er hat aber angefangen! Auch wenn man es nicht in diesem oftmals kindischen Sinne meint, hat er angefangen. In der Geschichte, die ja aus Abfolgen und Folgen besteht, war der Faschismus einfach vor dem Antifaschismus da.

Wer nach Verdiensten sucht, hier wäre eines: Der Faschismus hat das historische Verdienst am Entstehen des Antifaschismus. Der eine hat den anderen geradezu herbeigezwungen. Um nicht zu sagen, verordnet. Da es zu den Zwängen der nunmehr freien Welt gehört, daß man von DDR nicht reden darf, ohne zu nennen, was alles sie entgegen ihren Behauptungen gewesen oder nicht gewesen sei, will auch ich ihr am Zeuge flicken: Sie hat den Antifaschismus weder erfunden, noch war sie dessen Erstverordnerin. Was sich auch aus dem Umstand ergibt, daß sie unter antifaschistischen Vorzeichen errichtet wurde. Unter Zeichen, die bereits vorhanden waren. Danach erst konnte sie besagte Haltung mittels staatlicher Gewalt unter die Leute bringen. Man könnte meinen, sie sei ohne den Faschismus gar nicht ausgekommen. Und wollte man diesen schelten, ließe sich zeigen, wie schuld am Zustandekommen der DDR er doch war. Da hat man die vielberufene Komplizenschaft.

Ganz unvorbereitet freilich trafen uns die Dekrete des Staates nicht, mit denen er seine Doktrin zu Umlauf und Wirkung brachte. Denn Wörter und Bilder, Erfahrungen und Ahnungen hatten sich unserer schon vorher angenommen, sprangen mit uns um, zwangen uns, Farbe zu bekennen, preßten uns zu Einsichten hin und ließen uns kaum eine Wahl.

Warschauer Ghetto, Mai 1943

Wörter wie Galgen und Ghetto, Fallbeil, Rampe und Block; Orte wie Buchenwald, Moabit und Sachsenhausen, wie Birkenau und Theresienstadt; Namen wie Eichmann, Mengele, Höß und Freisler, ein Name wie Himmler, ein Name wie Hitler; Plätze wie Lidice, Babi Jar und Oradour oder wie Stalingrad, Leningrad, Coventry und Warschau oder wie Monte Cassino, El Alamein, Kursker Bogen und Omaha Beach; Vokabeln wie Arisierung und Gasmaske und Gaskammer und Marschbefehl und Rassenschande und Fliegeralarm und Euthanasie und Fremdarbeiter und KAZETT; Partizipien wie verschleppt, vermißt, verhungert, vergast, verbotenverbotenverboten – all dies hat so sehr ein Geschrei gemacht, daß es nicht aushaltbar war, und es empfahl uns den Antifaschismus auf eine Weise, die man, wenn nicht Nötigung, so doch Verordnung heißen könnte.

Abgefeimt, wie man sie kennt, sorgten Inhaber der Macht, daß selbst an unschuldigsten Orten kein Entkommen war vor dem, was Schuld geheißen wurde – Kindergärten benannte man nach einer wohl hingerichteten Frau Niederkirchner, Schulen nach einem wohl geköpften Herrn Guddorf, und wie freundlich krumm und lindenbesäumt ein Kleinstadtgäßchen auch sein mochte – im Staate DDR war es vor der Gefahr, eines Tages per Verwaltungsakt zur Geschwister-Scholl-Straße ernannt zu werden, niemals sicher. Und nie ganz sicher blieb unsereins vor der verordnenden Kraft von Bildern, Tönen und Berichten.

Mich zum Beispiel haben ein paar Fotos geradezu in den Antifaschismus hineingeprügelt. Jenes etwa, auf dem ein Kerl mit Stahlhelm und Karabiner einen Zehnjährigen über die Straße treibt – der Junge hebt die Hände wie ein Alter. Oder die Bilder der Frauen, die nackt sind und gleich tot sein werden. Oder der Mann am Rande der Grube, auf dessen dürren Nacken ein gleichmütiger Henker vor uniformiertem Publikum zielt. Oder diese ganz anderen Blicke aus Waggonluken, von Barackenpritschen und durch Lagerzäune. Oder Ossietzky, den schwarzgewandete Herablassung beglotzt. Thälmann beim Hofgang. Witzleben, der sich vorm Volksgerichtshof an seine Kleider klammert. Oder vom Volkssturm der weinende Bengel. Oder der Knabe, der seinen ausgemergelten Arm zeigt, auf dem die Nummer kaum Platz gefunden hat. Des Reichsministers vergiftete Kinder, ja doch, auch die. Oder das Kind Anne Frank.

Gewalttätige Bilder allesamt, vor denen ich Rettung im Antifaschismus fand. Aber vielleicht war ich zu empfindlich. Ließ mich beeindrucken von Büchern, die „Nackt unter Wölfen“ hießen oder „Das siebte Kreuz“, von Filmen mit harmlosen Titeln wie „Die Verlobte“ und „Mama, ich lebe“. Ließ mich bedrängen vom rücksichtslosen Cremer und vom einschneidenden Busch. Oder von Brecht & Co. Ließ mir deren Antifaschismus andrehen und übersah, daß Verlage und Plattenpressen, Filmfabriken wie Bühnenbretter dem Staat gehörten und somit nur Mittel zu dessen antifaschistischen Zwecken waren.

Auch ist in Anschlag zu bringen, daß dieser Staat beim Verordnen auf eine gewisse Stimmigkeit zwischen seinen Behauptungen und meinem Erleben achtete. Den Krieg beschrieb er, wie ich ihn kannte. Und was er vom faschistischen Frieden wußte, wußte ich längst. Mir hat der Staub von Warschaus Ghetto bis an die Knöchel gereicht. Ich zog in Hütten ein, deren Vorbewohner nach Majdanek verzogen waren. Weil es sich ans ganze Deutschland nicht halten konnte, hielt sich Polen an mich als einen Teil davon. Da mußte mir später das halbe Deutschland nicht mit Verordnungen kommen. Da soll man mir von verordnetem Antifaschismus so wenig wie von verordnetem Atmen reden. Oder von unserer Geschichte, wie mancher sie möchte. Sie fand als Antwort auf Geschichte statt und war schon deshalb nicht gänzlich ohne Sinn.

Hermann Kant (1993)

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