Nachrichten
Zeige alle Artikel mit dem Schlagwort IG-Metall
0

Zum Tarifabschluss in der nordwestdeutschen Stahlindustrie teilt die IG Metall mit:

Die Tarifparteien in der nordwestdeutschen Stahlindustrie haben sich in der dritten Tarifverhandlung auf ein Verhandlungsergebnis geeinigt.

Demnach steigen die Entgelte für die rund 72.000 Beschäftigten ab 01.April 2017 für 13 Monate um 2,3 Prozent und ab 01.Mai 2018 für 8 Monate um 1,7 Prozent. Der Tarifvertrag endet am 31.12.2018. Die Ausbildungsvergütung steigt durchgehend um den Erhöhungsbetrag des 4. Ausbildungsjahres. Außerdem verständigten sich die Tarifvertragsparteien auf die Fortsetzung der Tarifverträge zur Altersteilzeit und zum Einsatz von Werkvertragsbeschäftigten.

0

Die IG Metall besteht für den Fall einer Übernahme durch Peugeot/PSA  auf den gültigen Tarifverträgen. Die Arbeitsplatzgarantien und die von der Opel-Mutter General Motors gemachten Zusagen zu Investitionen und Produktionsplanungen müssten eingehalten werden.  Der Chef des Gewerkschaftsbezirk Mitte, Jörg Köhlinger, dazu am Freitag in Frankfurt. „Wir erwarten, das alle Standorte und Arbeitsplätze gesichert bleiben.“

Nach Köhlinger sind die fast 20 000 Opel-Beschäftigten in Deutschland bis Ende 2018 vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt. Die Investitionszusagen reichen sogar bis ins Jahr 2020.  Nach der Betriebsversammlung vom 17.2.2016 in Rüsselsheim erklärte Köhlinger:“Es geht nicht nur um technische Prozesse, es geht auch um die Menschen“.

0

07.12.2016

IG Metall

Die IG Metall und Beschäftigte setzen immer mehr Haustarife bei Kontraktlogistikern durch – nun auch bei Schnellecke in Wolfsburg, Schenker in Hannover und Salzgitter sowie bei Imperial in Dingolfing. Das zwingt die Arbeitgeber nun zum Verhandeln über bundesweite Tarife in der Kontraktlogistik. Es gab bereits erste Gespräche.

Kontraktlogistik-Firmen übernehmen über Werkverträge Vormontage und Teileversorgung für ihre Kundenunternehmen, häufig in der Autoindustrie. Also Arbeit, die zuvor von Stammbeschäftigten gemacht wurde. Die Kontraktlogistik-Beschäftigten erhalten jedoch deutlich schlechtere Löhne.

Doch das ändert sich nun nach und nach. Bei immer mehr Kontraktlogistikern setzen Beschäftigte und IG Metall Haustarifverträge durch.

Anfang Dezember haben Beschäftigte und IG Metall mit mehreren Warnstreiks einen Tarifvertrag beim Audi-Kontraktlogistiker Scherm in Ingolstadt erkämpft. Insgesamt steigen die Löhne um 4 Prozent. Zudem führt Scherm ein transparentes Eingruppierungssystem analog zur Metall- und Elektroindustrie ein. Damit hat die IG Metall den größten Kontraktlogistiker im Güterverteilzentrum (GVZ) von Audi in Ingolstadt in die Tarifbindung geholt, nachdem ihr das bereits bei Ideal, Peguform und anderen gelungen ist.

Drei Wochen zuvor schloss die IG Metall Bayern bereits einen Tarifvertrag mit dem Kontraktlogistiker Imperial im neuen BMW-Verteilzentrum nahe des BMW-Werks Dingolfing, mit deutlich höheren Entgelten und niedrigeren Arbeitszeiten. Ähnlich wie bereits beim Kontraktlogistiker Schnellecke in Dingolfing profitieren auch die Leiharbeiter bei Imperial vom Tarifvertrag.

VW-Kontraktlogistiker in den Tarif geholt

Ende November haben Beschäftigte und IG Metall erstmals einen Haustarifvertrag bei Schnellecke in Wolfsburg durchgesetzt. Die Stundenlöhne steigen um 11,6 Prozent. Staplerfahrer verdienen nun 12,30 Euro in der Stunde. Zugleich wird die Arbeitszeit von 39 auf 37,5 Stunden in der Woche verkürzt. Ab 2018 gilt dann die 35-Stunden-Woche bei Schnellecke, dem „Haus-und-Hof“-Logistiker bei Volkswagen. Und die Entgelte steigen weiter. Staplerfahrer erhalten dann 14 Euro in der Stunde.

Einige Wochen zuvor haben Beschäftigte und IG Metall erstmals einen Tarifvertrag bei Schenker in Hannover und Salzgitter mit ähnlichen Bedingungen durchgesetzt. Die insgesamt 720 Schenker-Beschäftigten arbeiten für Volkswagen, montieren Teile vor und liefern an die VW-Montagebänder.

Innerhalb eines Jahres ist es damit Beschäftigten und IG Metall gelungen, für den Großteil der VW-Kontraktlogistiker ähnliche Tarifverträge durchzusetzen – unter anderem bei CEVA, Hansmann und Rudolph.

 Nun Verhandlungen über bundesweite Kontraktlogistik-Tarife

Die zahlreichen Haustarif-Konflikte haben die Arbeitgeber an den Verhandlungstisch gezwungen. Die Metallarbeitgeber und Spediteure wünschen sich Ruhe – und reden daher mit der IG Metall über bundesweite Flächentarife in der Kontraktlogistik. Die IG Metall hat dazu eine bundesweite Tarifkommission gebildet, mit Vertretern von Kontraktlogistikern und aus ihren Kundenbetrieben. Am 1. Dezember wurde nun erstmals verhandelt. Am 19. Dezember geht es weiter.

Der IG Metall-Tarifkommission ist vor allem auch wichtig, dass wie in Dingolfing auch die Leiharbeiter bei den Kontraktlogistikern in den neuen Tarif eingebunden sind. Denn viele Kontraktlogistiker versuchen, sich die neuen Haustarife zu sparen – indem sie verstärkt auf Leiharbeiter setzen. Aktuell tut sich hierbei der Kontraktlogistiker Rhenus hervor, mit bis zu 80 Prozent Leiharbeitern. Die IG Metall will daher harte Regeln zur Leiharbeit durchsetzen.

0

Ein Bericht von der Vertrauensleutekonferenz der IG Metall vom 3. bis 5. November 2016

stahlaktionstag2016

„Wir machen Gewerkschaft“ hieß das Motto der Vertrauensleutekonferenz 2016 der IG Metall. Tatsächlich ist die IG Metall aus den Vertrauensleutewahlen gestärkt hervorgegangen. Über 70.000 gewählte Vertrauensfrauen und -männer bilden in den Betrieben das Rückgrat gewerkschaftlicher Gegenmacht. Vom 3. bis 5. November trafen sich nun 400 Delegierte aus allen Geschäftsstellen um Erfahrungen auszutauschen und sich für die kommenden Herausforderungen fit zu machen.
Zentrales Thema war dabei die Arbeitszeitkampagne der IG Metall. Hier geht es um „Regelungen, die sich an deren Lebenswirklichkeit orientieren und selbstbestimmteres Arbeiten möglich machen.“
Um die nötige Kampfkraft zu organisieren, setzt die IG Metall auf Stärkung durch Beteiligung. Mit aktivierender Gewerkschaftsarbeit gelingt es Kolleginnen und Kollegen intensiv zu beteiligen. Sie sie werden damit zu selbstbewussten Akteuren in den betrieblichen Auseinandersetzungen.

In zehn Forenrunden wurden zentrale Konzepte zu Organizing, Arbeitszeit- und Schichtorganisation, Fremdvergaben, Integration von Flüchtlingen oder Industrie 4.0 vorgestellt und durch die anwesenden Aktivisten intensiv und fachkundig diskutiert.

In einigen zentralen Punkten herrschte große Einigkeit. Nahezu alle Anwesenden wussten aus eigener Erfahrung, dass Kämpfe nur durch Einigkeit unter den Beschäftigten gewonnen werden können. Die Spaltung in kleiner werdende Kernbelegschaften und von Leiharbeit oder Werkverträgen dominierte Randbelegschaften wurden als sehr kritische Entwicklung erkannt. Berichte aus gut organisierten Betrieben, in denen es gelang, durch aktive Gegenwehr den Vormarsch von prekären Arbeitsverhältnissen zu verhindern, machten Mut und zeigten, wozu politisch aufgeklärte Belegschaften fähig sind.

Doch es zeigten sich auch Defizite, die notwendigerweise noch in der IG Metall vorherrschen. Bei der Diskussion um Industrie 4.0 wurden zahlreiche Positionen des Co-Management formuliert und sogenannte Chancen für den Standort Deutschland herbeigeredet. Eine großes Reizthema ist auch weiterhin die Angleichung der Tarife in Ost und West, insbesondere das Thema 35-Stunden-Woche. Besonders deutlich wurden die ideologischen Widersprüche beim Thema AfD. So bekundeten alle Anwesenden lautstark ihre Gegnerschaft zur AfD. Vielfach wurde geäußert, dass die soziale Demagogie der AfD entlarvt werden muss. Gleichzeitig wurde aber formuliert, dass es Aufgabe der Gewerkschaften sei, den sozialen Frieden zu erhalten.
Noch schlimmer aber ist hier der Aufruf zum Stahlaktionstag einzuordnen. Angesichts der Überproduktion in der Stahlindustrie steht die Gewerkschaft natürlich vor der Aufgabe, die Interessen der Stahlbeschäftigten zu verteidigen. Der offene Schulterschluss mit den deutschen und europäischen Stahlkonzernen gegen „chinesischen Dumpingstahl“ ist aber Gift für Solidarität und Wasser auf die Mühlen von Nationalisten.

Zusammenfassend zeigte die Vertrauensleutekonferenz: die IG Metall ist eine Macht. Ihre Vertrauensleute sind kämpferische Kolleginnen und Kollegen, die sich in zahlreichen Auseinandersetzungen das Vertrauen ihrer Belegschaften erworben haben. Die Strategie der Beteiligung wird die Kampfkraft in den Betrieben weiter erhöhen – aber nur wenn es gelingt, echte Klassensolidarität zu entwickeln.

Timur Strom

 

Weiterführende Links:

Vertrauensleutekonferenz 2016: https://www.igmetall.de/vertrauensleutekonferenz-2016-24116.htm
Stahlaktionstag: https://www.igmetall.de/stahl-aktionstag-bruessel-9-november-23777.htm

0

 

Philipp Kissel zur Tarifrunde in der Leiharbeitsbranche

Wie soll man eine Forderung für etwas bewerten, dass man eigentlich abschaffen muss? Soll man eine Lohnforderung in der Leiharbeit mit denselben Maßstäben bewerten wie in anderen Branchen? Sind 6 Prozent mehr Lohn eine gute Forderung für Arbeitsplätze, die jederzeit gekündigt werden können, die ein wesentlich höheres Unfall- und Verletzungsrisiko bedeuten, die die Arbeiter spalten und erniedrigen, die den Kündigungsschutz aushebeln? Die Tarifrunde in der Leiharbeitsbranche verfestigt die Leiharbeit, sie relativiert den unhaltbaren Zustand und gaukelt durch eine bundesweite Umfrage Mitbestimmung vor.
Eigentlich ist es ganz einfach und jeder Lohnabhängige weiß es: Leiharbeit ist Sklavenhandel und muss weg. Und doch ist es sehr kompliziert zugleich. Welcher Arbeiter, der so weit unter Druck steht, das größte Übel doch machen zu müssen, kann sich mit seinen Rechten auseinandersetzen? Wer bietet Hilfe? Wer erklärt, dass die Sicherung der Gewinne durch Flexibilisierung und Kostensenkung nicht nur ein Ziel der Unternehmer, sondern auch der „sozialpartnerschaftlichen“ Teile der Gewerkschaftsführung ist, die die Arbeiterorganisationen dominieren. Nicht geringe Teile der Klasse ahnen oder spüren das ohnehin und vertrauen deshalb den Organisationen, die eigentlich ihre sein sollten, zu recht nicht mehr.
Das neue Gesetz zur Leiharbeit, das von der IG Metall-Führung grundsätzlich begrüßt wird, sieht erst nach neun Monaten die gleiche Entlohnung wie im entleihenden Betrieb vor. So lange „überlebt“ kaum ein Leiharbeiter in einem Betrieb. Es gäbe also wieder ein Argument für Tarifverträge, die bisher fatalerweise die Gleichbezahlung verhindert haben. Ob mit oder ohne: Es bleibt beim Grundsatz „kein gleicher Lohn für gleiche Arbeit“. Das neue Gesetz verlagert Regelungen auf die Ebene des Betriebs und bedeutet damit die Zersplitterung der Rechte der Arbeiter. Leiharbeit und Werkverträge zeigen so deutlich wie kaum etwas anderes die Notwendigkeit der Vereinigung der Arbeiter, ihren Zusammenschluss ohne Ausnahme. Und es zeigt zugleich, wie sehr dies den Bestrebungen der Unternehmer und Vertreter der Klassenzusammenarbeit in der Gewerkschaftsführung widerspricht, die die Rechte der mehr als eine Million Leiharbeiter den Profitzielen opfern. Daran ändern auch 6 Prozent oder 70 Cent pro Stunde mehr Lohn nichts.
Was ist die Alternative? Die klassenbewusste Organisierung und Mobilisierung nicht nur der Leiharbeiter, sondern auch der streikfähigen Stammbelegschaften, die spüren, dass sie und ihre Rechte eigentlich gemeint sind. Ihre Organisierung in den Gewerkschaften – für ihre ökonomischen und politischen Klasseninteressen. Dies muss Aufklärung über und Konfronta­tion mit der Linie der Klassenzusammenarbeit einschließen, sonst verpufft es. Dafür braucht es eine politische Kraft, die das könnte – die Kommunistische Partei. Über die Voraussetzungen, die sie erfüllen muss, um dies zu können, muss an anderer Stelle geschrieben werden.

0

Bosch bleibt!

 

Aktionstag im Saarland gegen Werkschließung und Arbeitsplatzabbau

Von Rainer Dörrenbecher

Bosch-Kolleginnen und -Kollegen demonstrieren in Homburg/Saar (Foto: Rainer Dörrenbecher)
Bosch-Kolleginnen und -Kollegen demonstrieren in Homburg/Saar (Foto: Rainer Dörrenbecher)

Mehr als 3 000 Kolleginnen und Kollegen der Robert Bosch GmbH in Homburg, der Bosch-Rexroth Homburg und der Bosch-Emission-Systems (BESG) Neunkirchen demonstrierten auf der Kundgebung in Homburg für den Erhalt aller Arbeitsplätze. Unterstützt wurden sie von Abordnungen fast aller Bosch-Werke in Deutschland, von Eisenach über Hildesheim bis Stuttgart, und von vielen weiteren saarländischen Metallbetrieben und Saarstahl. Solidarität zeigten auch GewerkschafterInnen von ver.di und IG BAU und des DGB Saarland.
Die Bosch-Zentrale in Stuttgart hatte Mitte Juni angekündigt, das BESG- Werk Ende 2017 zu schließen. 200 Arbeitsplätze würden vernichtet, für 100 KollegInnen Ersatzarbeitsplätze angeboten. Doch bei Bosch-Rexroth würden ebenfalls 210 Arbeitsplätze abgebaut – alles sozialverträglich. Die Betriebsräte allerdings befürchten einen weiteren schleichenden Arbeitsplatzabbau auch beim Bosch-Werk. Das Vertrauen in die Konzernleitung ist hin.
Das BESG-Werk ging erst vor zwei Jahren in Betrieb. Die Fertigungshalle war von der landeseigenen Saarland Bau und Boden Projektgesellschaft mbH (SBB) für 14,5 Mill. Euro für Bosch gebaut und auf 10 Jahre an BESG vermietet worden. Jetzt soll Schluss sein. Das Werk hat sich als Fehlinvestition herausgestellt. Der ganze Konzern befindet sich in einer tiefgehenden Umstrukturierung, um neue Profitfelder zu erobern. (siehe UZ vom 2. 9.) Bewältigen muss das Management auch die Herausforderungen durch die sich vollziehenden und zu erwartenden Veränderungen in der Automobilindustrie – im Interesse stabiler und intensiver werdender Kapitalverwertung.
Zur Demonstration in Homburg hatten die IG-Metall-Verwaltungsstellen Neunkirchen und Homburg sowie die Betriebsräte und Vertrauensleute der drei Bosch-Unternehmen gemeinsam aufgerufen. Den Belegschaften ist bewusst, dass alle betroffen sind, dass sie gemeinsam kämpfen müssen, um gegen die Konzernleitung erfolgreich zu sein. Sie verstehen sich deshalb als Bosch-Saarland. Die sozialpartnerschaftliche Betriebsverbundenheit „Wir sind Bosch“ hat sich in Solidarität und die Erkenntnis verwandelt, sich nicht gegeneinander ausspielen zu lassen. Und „Es gibt keinen sozialverträglichen Arbeitsplatzabbau!“ wie der BR-Vorsitzende von Bosch-Rexroth aussprach. Scharf haben die Betriebsratsvorsitzenden und der Bevollmächtigte der IG Metall Homburg die Unternehmerwillkür zurückgewiesen. Die Vorsitzende der Jugend- und Auszubildendenvertretung entlarvte das „Fürsorge-Image“; Jahr für Jahr müsse darum gekämpft werden, dass alle Auszubildenden eine unbefristeten Übernahmevertrag erhalten – und nicht immer sei das gelungen.
Widersprüchlich war der Beitrag des Gesamtbetriebsratsvorsitzenden der Robert Bosch GmbH, Michael Brecht. Da klang so etwas wie Verständnis für die komplizierte Situation von Bosch an. Aber er werde den Eindruck des Widerstandswillens von hier mit nach Stuttgart mitnehmen.
Das Kampfziel heißt nicht „Bosch muss bleiben“, es heißt selbstbewusst: „Bosch bleibt!“ – mit allen 5 600 Arbeitsplätzen im Saarland. Die Forderungen an die Konzernleitung sind: Erhalt aller Arbeitsplätze. Nicht die Belegschaften sollen die Fehlentscheidungen des Managements ausbaden. Ersatzproduktion muss in die Werke kommen und endlich auch eine Entwicklungsabteilung aufgebaut werden.
Zugleich setzen die Betriebsräte und die IG Metall große Hoffnungen in die Politik. Die saarländische Wirtschaftsministerin Rehlinger versprach als Vertreterin der Landesregierung, sich für den Arbeitsplatzerhalt einzusetzen und bot dem Konzern Umstrukturierungshilfen an.
Die DKP hat in einem Flugblatt darauf hingewiesen, dass die Konzernführung schon vor einem Jahr allgemein Sparpläne angedroht hatte, und die IG-Metall-Forderung bekräftigt: Es müssen endlich alle Karten auf den Tisch.

0

Protest der 9 000

 

Stahlarbeiter demonstrieren in Duisburg gegen Thyssen-Krupp-Pläne

Von Dietmar Breme

Aktionstag bei ThyssenKrupp Steel am 31.8.2016 (Foto: Ulrike Reinker/IG Metall)
Aktionstag bei ThyssenKrupp Steel am 31.8.2016 (Foto: Ulrike Reinker/IG Metall)

9000 Stahlarbeiter demonstrierten am 31. August in Duisburg für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Sie demonstrierten auch gegen den Plan von Thyssen-Krupp, den Konzern umzustrukturieren und/oder die Stahlsparte mit einem anderen Stahlkonzern zu fusionieren. Der Stahlbereich wird vom Konzernchef Heinrich Hiesinger in Frage gestellt. 1,6 Mrd. Euro sollen in den nächsten fünf Jahren eingespart werden. Hiesinger spricht von „Wertlücken“, die geschlossen werden müssen, zu hoch seien die Personalkosten.
Unterstützt wurde dieser zweite Aktionstag der IG Metall am 31. August nicht nur von Beschäftigten der Standorte von „Thyssen-Krupp Steel Europe (TKSE)“, sondern auch von Vertretern diverser Konzerntöchter, z. B. von „Electrical Steel“, „Mill Services“ und „Aufzüge“. Rückendeckung gab es von Kolleginnen und Kollegen anderer Firmen, so der Dillinger Hütte, Arcelor-Mittal, Mannesmann, Salzgitter, Daimler Düsseldorf und Opel Bochum, um nur einige Delegationen zu nennen.
IG-Metall-Bezirksleiter Knut Giesler stellte fest, dass fünf Monate vorher, beim bundesweiten Stahlaktionstag, fast 50000 Stahlkocher Seite an Seite mit dem Vorstand von Thyssen-Krupp und den Spitzen der deutschen Stahlindustrie für die Zukunft der Stahlindustrie protestiert hatten. Nun konfrontieren die Thyssen-Krupp-Bosse die Belegschaften mit dem möglichen Aus vieler Standorte – nicht nur in NRW.
Die Aussage des Finanzvorstands von Thyssen-Krupp, Guido Kerkhoff, die Beschäftigten müssten „auch mal eine längere Periode der Unsicherheit aushalten“, stieß auf Empörung. Der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende und frühere IG-Metall-Chef Detlef Wetzel sagte, dass die Stahlsparte von Thyssen-Krupp als Wertevernichter im Konzern bezeichnet werde“, sei ein Skandal. TKSE sei vielmehr „eines der erfolgreichsten Stahlunternehmen der Welt“.
Was Hiesinger angekündigt hat, wird bei uns bereits umgesetzt, wird der Betriebsratsvorsitzende von TKSE-Hüttenheim, Werner von Häfen, zitiert. Bei uns sind schon die ersten Unternehmensberater in der Bude. Betriebsräte der Werke in Bochum und Duisburg-Hüttenheim befürchten sogar Werksschließungen.
Egal, wie die Umstrukturierungsmaßnahmen aussehen werden, egal, mit wem eine Fusion angestrebt werden soll, es drohen kräftige Einschnitte und der Verlust zehntausender Arbeitsplätze.
Die Thyssen-Krupp-Stahlsparte mit 27000 Mitarbeitern ist jedenfalls in großer Gefahr. Obwohl es die Zusage des Konzerns gibt, dass bis 2020 keine Stahlstandorte geschlossen werden und es keine „betriebsbedingten Kündigungen“ gibt, teuer erkauft durch die Belegschaften, ist die Verunsicherung und Angst bei den Stahlkochern spürbar.
Dass an einem solchen Tag voller Emotionen und Ängste der Aufsichtsrat zusammenkommt ist sicherlich nicht ungewöhnlich. Dass dieses Gremium aber noch am gleichen Tag beschlossen hat, grundsätzlich die Umstrukturierungspläne der Stahlsparte von Thyssen-Krupp mittragen zu wollen, ist eine schallende Ohrfeige für alle Kolleginnen und Kollegen, die von diesen menschenverachtenden Plänen betroffen sind. Die Stahlarbeiter, nicht nur an Rhein und Ruhr, wollen keine Umstrukturierung der Stahlsparte. Sie wollen keine Fusionen, weder mit Tata-Steel noch mit Salzgitter. Sie wollen den Erhalt ihrer Arbeitsplätze und Perspektiven für sich und eine sichere Zukunft für ihre Familien.

0

Tarifbindung bei Seuffer

IG Metall

25. 08.2016

Ganz beiläufig wollte der Zulieferer Seuffer sich aus der Tarifbindung verabschieden. Doch die Beschäftigten reagierten mit schneller und entschlossener Gegenwehr. Ergebnis: Die Firma kehrt in kürzester Zeit zum Arbeitgeberverband zurück und zahlt weiter nach Tarif.

Requisiten, Hauptdarsteller und eine ausgefeilte Dramaturgie – wenn Nicolas Bauer über Betriebsversammlungen spricht, klingt er wie ein Theater-Regisseur. Der Gewerkschaftssekretär hat gerade mit dafür gesorgt, dass beim württembergischen Elektronik-Zulieferer Seuffer auch in Zukunft nach Tarif bezahlt wird. Dabei spielte eine Betriebsversammlung eine entscheidende Rolle.

Seuffer produziert Elektronik-Bauteile für Lastwagen, Backöfen und andere Geräte. Das Unternehmen beschäftigt am Standort Calw rund 310 Menschen. Der Betrieb ist Mitglied im Arbeitgeberverband Südwestmetall und unterliegt damit dem Flächentarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie.

Diesen Zustand hätte Seuffer-Geschäftsführer Willi Enderle gerne beendet. Im Mai teilt er der IG Metall lapidar mit: „Wir sind aus dem Verband ausgetreten.“ Wann genau lässt er offen. Doch der Austritt muss bereits 2015 erfolgt sein, die Kündigungsfrist bei Südwestmetall beträgt sechs Monate zum Jahresende.

Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter im Unternehmen reagieren sofort: Zuerst tagt der Betriebsrat. Kurz darauf beruft die IG Metall eine Mitgliederversammlung ein. „Dort haben wir einen Schlachtplan entwickelt“, sagt Metaller Nicolas Bauer.

Starke Verhandlungsposition

Die Beschäftigten sind mittlerweile über die geplante Tarifflucht informiert. Sie zeigen sich entschlossen: Noch vor der Mitgliederversammlung treten Dutzende der IG Metall bei. Sie wollen mitreden, über ihre Arbeitsbedingungen mitentscheiden. Am Ende stehen mehr als 100 Neumitglieder zu Buche. Damit steigt die Durchsetzungskraft der Beschäftigten enorm.

Zum Showdown kommt es im Juni bei der Betriebsversammlung. „Wir haben unseren Leuten gezeigt, was Arbeiten ohne Tarifvertrag bedeutet“, berichtet Metaller Nicolas Bauer. „Nämlich: längere Arbeitszeiten, weniger Geld.“

Betriebsversammlung bei Seuffer: Die Pakete zeigen, wie Arbeit mit und ohne Tarifvertrag aussieht.

Wut im Bauch

Die Stimmung bei der Betriebsversammlung ist aufgeheizt. Die Reden von Betriebsräten und Gewerkschaftern werden von Applaus begleitet. Geschäftsführer Enderle muss sich gegen Buh-Rufe und Pfiffe durchsetzen. Er spricht als einziger Unternehmensvertreter. Und er trägt wenig zur Entspannung bei: Als eine Beschäftigte fragt, ob sie mit den 150 Euro Einmalzahlung aus dem jüngsten Metall-Tarifabschluss rechnen kann, verneint er – und erntet erneut Pfiffe. Der Geschäftsführer sieht sich einer kampfbereiten Belegschaft gegenüber. Das Signal kommt an.

Kurz nach der Betriebsversammlung teilt Enderle mit: Seuffer tritt wieder in den Arbeitgeberverband ein. Die Firma bleibt tarifgebunden. Die Beschäftigten müssen keine Einbußen im Vergleich zum Flächentarifvertrag hinnehmen.

„Gewinnmaximierung auf Kosten der Beschäftigten – dass muss und darf man sich nicht gefallen lassen“, sagt Nicolas Bauer. Bei Seuffer ist die Dramaturgie für die Beschäftigte aufgegangen.

0

Pressemitteilung der IG  Metall  Nr. 34/2016

20.07.2016

Berlin – Die IG Metall hat ihr Reformkonzept zur Rente vorgestellt. „Wir fordern einen Strategiewechsel in der Rentenpolitik“, sagte Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall, am Mittwoch in Berlin. „Laut einer aktuellen Umfrage sind fast zwei Drittel der Beschäftigten pessimistisch, was ihre Alterssicherung angeht. Selbst immer mehr Menschen, die lange gearbeitet haben, können wegen der Absenkung des Rentenniveaus, der Anhebung der Altersgrenzen, der Zunahme von Niedrigeinkommen und Lücken in der Erwerbsbiografie im Alter nicht mehr gut von ihrer Rente leben. Das aber bleibt unser Ziel: auskömmliches Einkommen im Alter! Mit unserem Reformkonzept zeigen wir auf, wie dies wieder gelingen kann“, betonte Hofmann. „2,3 Millionen Mitglieder aller Altersstufen in der IG Metall erwarten, dass unsere Vorschläge ernsthaft diskutiert werden.“

„Um das Ziel einer auskömmlichen Absicherung im Alter zur erreichen, muss im ersten Schritt der Sinkflug des Rentenniveaus gestoppt werden“, erklärte Hans-Jürgen Urban, für Sozialpolitik zuständiges geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall. Im nächsten Schritt solle die Rentenentwicklung wieder an die Lohn- und Gehaltsentwicklung angekoppelt werden und letztlich auch ein neues, höheres Sicherungsziel festgelegt werden. Die politische Fixierung auf die Stabilität der Beiträge sei überholt. Die Beiträge müssten sich wieder am Leistungsziel orientieren. „Für Beschäftigte mit Brüchen in der Erwerbsbiografie brauchen wir außerdem solidarische Maßnahmen, die Altersarmut verhindern, sowie die Aufwertung niedriger Einkommen, Beiträge bei Langzeitarbeitslosigkeit und Freibeträge in der Grundsicherung“, sagte Urban.

Die IG Metall hält daran fest, die Rentenversicherung zu einer solidarischen Erwerbstätigenversicherung zu entwickeln. „Es ist aus unserer Sicht besonders wichtig, dass auch Solo-Selbstständige, Beamte und Parlamentarier ihren Beitrag zur Alterssicherung leisten“, erläuterte Urban.

Weiter fordert die IG Metall eine deutlich höhere Verbreitung der betrieblichen Altersversorgung. „Wir fordern daher eine Betriebsrente für alle als ergänzende Absicherung“, sagte Hofmann. „Hier müssen für tarifliche Lösungen bessere Rahmenbedingungen geschaffen werden.“

Auch beim Rentenalter und dem Übergang in den Ruhestand sieht die IG Metall Reformbedarf. Durch die Anhebung der Altersgrenzen seien viele Beschäftigte gezwungen, Abschläge bei der Alterssicherung hinzunehmen. Mit der Rente mit 63 habe die Politik hier zwar eine Korrektur vorgenommen, es fehle jedoch nach wie vor an maßgeschneiderten Übergangsoptionen. „Wir lehnen es ab, dass Beschäftigte im Rentenalter arbeiten müssen, um ihren Lebensstandard zu halten“, erklärte Hofmann. „Notwendig ist vielmehr, dass die Anstrengungen verstärkt werden, dass Beschäftigte gesund das Rentenalter erreichen und ihnen gesicherte Übergänge zur Verfügung stehen“, sagte Hofmann.

Das von der IG Metall vorgeschlagene Reformprogramm soll solidarisch finanziert werden: Gesamtgesellschaftliche Aufgaben sollen systemgerecht durch Steuern getragen, alle Erwerbstätigen in das Solidarsystem einbezogen und der Beitragssatz auch am Leistungsziel ausgerichtet werden.

0

Verhaltene Zustimmung

 

Werner Sarbok im Gespräch mit Achim Bigus

Der in Nordrhein-Westfalen vereinbarte Pilotabschluss für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie wurde auch im Tarifgebiet Osnabrück-Emsland übernommen: 2,8 Prozent ab 1. Juli und weitere zwei Prozent ab April 2017. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 21 Monaten bis Ende 2017.

UZ: Wie wird der Abschluss bei Volkswagen Osnabrück diskutiert?

Achim Bigus ist IGM-Vertrauenskörperleiter bei VW Osnabrück

Achim Bigus ist IGM-Vertrauenskörperleiter bei VW Osnabrück

Achim Bigus: Sehr kritisch. Wir konnten in drei Warnstreiks die Beteiligung gegenüber den letzten Tarifrunden noch einmal steigern. Und wir sind eine der gut organisierten und kampferfahrenen Belegschaften, die im Falle einer Nichteinigung zu Tagesstreiks aufgerufen worden wären. Darauf hatten wir uns seit Monaten vorbereitet.
Die Vertrauensleute waren am Dienstag nach Pfingsten zu einer Vollversammlung eingeladen, um bei einem Scheitern der Verhandlungen das Mitgliedervotum über den dann nötigen Tagesstreik einzuholen. Dort haben wir jetzt den Pilotabschluss von NRW diskutiert. Unter dem Eindruck unserer erfolgreichen Aktionen konnten viele Vertrauensleute die Zugeständnisse der IG Metall in den Kölner Verhandlungen nicht nachvollziehen: die beiden Nullmonate, die zweite Stufe mit nur zwei Prozent, die lange Laufzeit mit Ende der Friedenspflicht im Winter und die Möglichkeit zur Differenzierung bei „unterdurchschnittlicher Ertragslage“.
Ich weiß aber, dass dies in anderen Betrieben auch ganz anders diskutiert wurde. In der Tarifkommission kam aus den meisten Betrieben nicht unbedingt Begeisterung, aber doch deutliche Zustimmung zum Abschluss. Dies ist auch bundesweit so.

UZ: Vor welchem Hintergrund erfolgte der Abschluss?

Achim Bigus: Es gibt extreme Unterschiede zwischen den einzelnen Betrieben bei der wirtschaftlichen Lage und der gewerkschaftlichen Kampfkraft. Das wurde selbst in unserem kleinen Tarifgebiet Osnabrück-Emsland sichtbar, schon bei der Aufstellung der Forderungen. Einige Betriebe haben eine sehr gute Auftragslage und machen hohe Gewinne, manche haben eine geringe Ertragslage trotz hoher Auslastung, andere Belegschaften erleben gerade Massenentlassungen oder Teilschließungen. Auch der gewerkschaftliche Organisationsgrad und die Kampf­erfahrungen sind sehr unterschiedlich. Die Spanne der betrieblichen Forderungen reichte von 3,5 bis 7 Prozent, insofern war die Gesamtforderung von fünf Prozent für uns völlig in Ordnung, obwohl wir bei VW Osnabrück eine höhere Forderung diskutiert hatten.
Auch aus NRW und anderen Regionen wurde eine ähnlich differenzierte Situation berichtet. Die Gesamtmetall-Forderung nach mehr Differenzierung traf also eine Schwachstelle der IG Metall. Gut ist, dass diese jetzt nicht mit den Betriebsräten auszuhandeln ist, sondern der Zustimmung der Tarifparteien bedarf. Wir werden vor der nächsten Runde Bilanz ziehen müssen, inwieweit die Kapitalseite mit dieser Regelung die Verbindlichkeit des Flächentarifvertrages weiter aufweichen konnte.
Zum Hintergrund gehört auch der ausgesprochene Konfrontationskurs der Unternehmer in dieser Tarifbewegung. Vor allem mit dem letzten Abschluss hatte die IG Metall nicht nur eine Reallohnsteigerung erreicht, sondern auch den jahrelangen Niedergang der Lohnquote aufgehalten und begonnen, dieser Umverteilung von unten nach oben wieder entgegenzuwirken. Diese Tendenz wollte die Gegenseite unbedingt stoppen. Das dürfte ihr mit diesem Abschluss auch gelungen sein und wird von ihr entsprechend bejubelt.

UZ: Wäre bei dem Abschluss für die Kolleginnen und Kollegen mehr drin gewesen?

Achim Bigus: Auf die Provokation der Unternehmer mit ihren anfänglichen Niedrig-Angeboten haben die Beschäftigten mit massiven Warnstreiks reagiert. Für einen besseren Abschluss wäre allerdings in jedem Falle mehr Einsatz der Belegschaften nötig gewesen als zwei Warnstreikwellen. Ob dies in der Fläche drin gewesen wäre, würde ich angesichts der breiten Zustimmung in den Tarifkommissionen bezweifeln.
Das neue Instrument der Tagesstreiks hat sich bewährt. Schon die Drohung damit hat zum Einlenken der Unternehmer gegenüber ihren anfänglichen Billigangeboten beigetragen. In der Vorbereitung darauf haben wir auch unsere Warnstreiks noch besser organisiert. Und die Befragung der Mitglieder über die Vertrauensleute unmittelbar nach den entscheidenden Pilot-Verhandlungen ist ein neues Werkzeug zur stärkeren Beteiligung der Mitglieder und Demokratisierung der Tarifpolitik.
Für bessere Ergebnisse kommt es vor allem darauf an, die Zahl der streikfähigen Betriebe zu erhöhen. In der Vergangenheit haben sich zu viele Beschäftigte in zu vielen Betrieben darauf verlassen, dass einige kampfstarke Betriebe auch für sie die Kastanien aus dem Feuer holen. Die Unternehmer haben mit ihrem Konfrontationskurs in dieser Runde ein deutliches Sig­nal gesetzt, dass dies in Zukunft immer weniger funktionieren wird. Sie haben so einmal mehr die Feststellung von Karl Marx bestätigt, dass sich die Frage nach dem Verhältnis von Profit, Lohn und Arbeitszeit auflöst „in die Frage nach dem Kräfteverhältnis der Kämpfenden“.

Seite 1 von 812345...Letzte »