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Augsburg gegen Pegida

 

RedGlobe

Augsburg gegen PegidaRund 1000 Menschen haben heute auf dem Augsburger Rathausplatz das kümmerliche Häuflein von etwa 30 Anhängern der islamfeindlichen »Pegida« umzingelt. Die Rassisten von »Pegida« München hatten in den vergangenen Wochen wiederholt versucht, auch andere bayerische Städte mit ihrer Hetze heimzusuchen, doch wie schon in Regensburg in der vergangenen Woche – wo das Verhältnis zwischen Gegendemonstranten und Rechten ähnlich war – schlug »Pegida« auch in Augsburg die lautstarke Ablehnung eines breiten Bündnisses entgegen.

Die Gegenkundgebung hatten die Jusos und die IGM-Jugend gemeinsam mit dem Bündnis für Menschenwürde organisiert. Zu den Rednern gehörte auch Augsburgs OB Kurt Gribl (CSU). Das ließ die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) nicht unkommentiert. Sie erinnerte mit einem Transparent daran, dass die Partei des Oberbürgermeisters in Bayern zu den übelsten Scharfmachern gegen Flüchtlinge und Immigranten gehört. Mit ihren roten Fahnen gehörte die Jugendorganisation zu den sichtbarsten Teilnehmern der Gegenkundgebung.

Quelle: DKP Augsburg  / RedGlobe

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5. September 2017

Post von der SDAJ

Jörg Hofmann ist Bundesvorsitzender der Industriegewerkschaft Metall und Mitglied der SPD. Chris ist in der SDAJ und der IG-Metall-Jugend Nürnberg aktiv. Er arbeitet in einem Autohaus im Teiledienst

Jörg Hofmann ist Bundesvorsitzender der Industriegewerkschaft Metall und Mitglied der SPD. Chris ist in der SDAJ und der IG-Metall-Jugend Nürnberg aktiv. Er arbeitet in einem Autohaus im Teiledienst

Lieber Jörg,

die IG Metall hat ja vor kurzem einen neuen Tarifvertrag zur Leiharbeit mit den Metall-Arbeitgeberverbänden verhandelt. Klingt vielleicht erst mal ganz gut, ist aber ziemlich kacke. Warum?

Naja, zum einen ist Leiharbeit von unserem Standpunkt aus, aus Sicht von ArbeiterInnen und Angestellten, grundsätzlich abzulehnen. Leiharbeitsplätze sind extrem prekär. Unsere Kolleginnen und Kollegen, die über eine Leiharbeitsfirma eingestellt sind, können jederzeit wieder gekündigt werden und verdienen meistens weniger Geld für die gleiche Arbeit. Das wird durch kleine Tricks ermöglicht, z.B. weil kein Anspruch auf Sonderzahlungen etc. besteht. Leiharbeit wird schon lange nicht mehr benutzt, um sogenannte Auftragsspitzen bewältigen zu können, sondern ist inzwischen gang und gäbe. Leiharbeit wird in Deutschland auch für den ganz normalen Arbeitsablauf eingesetzt. Aber auch das Argument mit den Auftragsspitzen zählt ja nicht so ganz. Jörg, wir zwei Gewerkschafter sollten doch nachdenklich werden, dass das unternehmerische Risiko auf die Beschäftigten abgewälzt wird, aber die Boni nicht. Versteht sich von selbst? Versteht sich von selbst!

Worum geht es dann also bei der Leiharbeit? Leiharbeit dient den Unternehmern als Spaltungsinstrument gegenüber den sogenannten „Arbeitnehmern“. Gleiche Arbeit und gleicher Lohn oder gar gleiche Rechte? Von wegen! Die Belegschaften, also wir, die wir ihnen unsere Arbeitskraft geben, werden gespalten in Leiharbeiter und Stammbelegschaft.
Dass man gemeinsam für die gleichen Interessen kämpfen muss und die Gegner nicht die Leiharbeiter sind, sondern die Gegner in der Chefetage sitzen, kann so leicht verschleiert werden. Dieses Problem kann auch nicht mit einem Tarifvertrag gelöst werden. Gewerkschaften sollten sich deshalb für ein Verbot von Leiharbeit einsetzen, statt zu versuchen diese zu regeln.

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Dieser Artikel ist aus unserem Magazin POSITION, Ausgabe #4/17. Du kannst das Heft einzeln bestellen (1,70€) oder abonnieren (ab 10€/Jahr): position@sdaj-netz.de

Dieser Artikel ist aus unserem Magazin POSITION, Ausgabe #4/17. Du kannst das Heft einzeln bestellen (1,70€) oder abonnieren (ab 10€/Jahr): position@sdaj-netz.de

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Also, was genau wird eigentlich mit dem neuen Tarifvertrag geregelt? Mit dem neuen Gesetz zur Leiharbeit, das seit dem 1. April gilt und immer noch vollkommen unzureichend ist, wird die maximale Ausleihdauer von Leiharbeitern in einem Betrieb ersteinmal auf 18 Monate begrenzt. Der Tarifvertrag der IG Metall erlaubt es jedoch, die Ausleihdauer auf 48 Monate zu verlängern. Das geht dann aber nur mit einer Betriebsvereinbarung (BV), die der Betriebsrat mit der Geschäftsleitung vereinbaren muss. Nach diesen 48 Monaten (also nach vier Jahren!) besteht dann ein Anspruch auf eine feste Übernahme. Wie allerdings verhindert werden soll, dass die Kolleginnen und Kollegen vorher abgemeldet werden – schließlich sprechen wir hier ja von Leiharbeit!!! – bleibt ein Rätsel. Feste Übernahme also am Arsch… Hoffen wir mal, dass sich nicht allzu viele Betriebsratsgremien für die zweifelhaften Abmachungen hergeben.

Lieber Jörg, du denkst wohl, wer für die Stammbelegschaft das Beste rausholen will, muss eben bei den Leiharbeitern Abstriche und Zugeständnisse machen. Da irrst du dich! Nur zur Erinnerung: Gewerkschaften sind stark durch ihre Einigkeit. Wer meint, bei den Leiharbeitern kann man ja Zugeständnisse machen, sollte aufpassen, dass die losgetretene Welle nicht als Bumerang zurückkommt. Wir bleiben dabei: Solidarität ist unsere Waffe!

Chris, Nürnberg
und das Zeitungskollektiv

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10. September 2017

SDAJ

Reportage: Wie der Leistungsdruck in der Schule verschärft wird

Das deutsche Schulsystem wird immer stärker nach Kriterien der Effizienz, Effektivität und im Sinne wirtschaftlicher Interessen gestaltet. Durch das achtjährige Gymnasium (kurz: G8) sollen SchülerInnen schneller durch die Schule geschleust werden, schneller zum Abitur kommen und dadurch früher eine Berufsausbildung beginnen. Das bedeutet nicht nur enormen Stress für die Schülerinnen und Schüler, sondern erhöht auch die Selektivität des Schulsystems. Denn der Wechsel von anderen Schularten aufs Gymnasium, der auch vorher schon sehr schwer war, ist dank G8 fast unmöglich geworden. Durch die langesame Umstellung von der Drei- auf die Zweigliedrigkeit wird der elitäre Charakter des Gymnasiums nicht aufgehoben. Diese Entwicklungen tragen also nicht dazu bei, mehr Bildungsgerechtigkeit zu schaffen.

Hausaufgaben statt Hobbies

Franka* besucht die 11. Klasse eines Gymnasiums in Hessen. Nächstes Jahr wird sie ihr Abi machen. Ihr Jahrgang ist der vorletzte an ihrer Schule, der noch G8 macht. Der Unterschied zu den G9-Klassen ist enorm. „Besonders krass war es in der Mittelstufe“, sagt Franka. „Wir hatten fast jeden Nachmittag Unterricht, zweimal pro Woche sogar bis halb fünf. Das war in der siebten Klasse!“ Trotz langer Schultage gab es einen riesigen Berg an Hausaufgaben, der kaum bewältigbar war. Nicht selten saßen die SchülerInnen abends noch mehrere Stunden daran. Zeit für Hobbies, Freizeit oder Erholung blieb dabei kaum. Viele aus Frankas Freundeskreis haben nach und nach ihre Hobbies aufgeben müssen, um in der Schule durchzukommen. „Richtig hart war auch der Übergang von der Mittel- in die Oberstufe. Da wurde stark selektiert. Von 105 Leuten in der Mittelstufe sind inzwischen noch 80 übrig“, stellt Franka fest. Die Übrigen haben den Sprung nicht geschafft, sind sitzengeblieben oder haben die Schule ganz abgebrochen. Franka führt das eindeutig auf G8 zurück. „In der Oberstufe gibt es klare Vorgaben, was gelernt werden muss. Aber bei G8 ist es gar nicht möglich, die Inhalte für die Oberstufe wirklich gut vorzubereiten. Man schafft den ganzen Stoff nicht“. Einige von Frankas Freundinnen sind aufgrund des Leistungsdrucks in der Schule in psychologischer Behandlung. Und die Klausuren sind teilweise nur zu schaffen, wenn man vorher die Schule schwänzt, um Zeit zum Lernen zu finden. Selbst das reicht oft nicht aus. „Während der Klausuren brechen immer wieder Leute weinend zusammen, haben Blackouts und können nicht weitermachen, weil sie mit dem ganzen Druck nicht zurecht kommen“, sagt Franka.

Krank durch Stress

Julia hat nach zwölf Jahren Schule im Juli ihr Abi in Nürnberg gemacht. Als sie in der siebten Klasse war, wurde in Bayern G8 eingeführt. „Man hat den Unterschied gleich nach den Sommerferien gespürt“, sagt Julia. Der Stress hat von da an kontinuierlich zugenommen. Das erste Jahr G8 war auch das Jahr, in dem die meisten Leute die Schule abgebrochen bzw. gewechselt haben. Immer mehr SchülerInnen haben schlechte Noten geschrieben. „Auch ich hatte plötzlich 5er und 6er in den Klassenarbeiten und konnte mir nicht erklären, warum“, sagt sie. Denn eigentlich war Julia immer eine gute Schülerin gewesen. Diejenigen, die mit dem neuen Stress und Druck nicht zurecht kamen, wurden nicht unterstützt, sondern einfach fallen gelassen. „Man hatte den Eindruck, dass die Überforderung mit der neuen Situation und dem vielen Stress dazu genutzt wurde, zu selektieren“. Für Julia begann die schwierigste Zeit in der Oberstufe. „Da wurde uns ständig nur noch erzählt, dass wir jetzt aufs spätere Leben vorbereitet werden sollen“. Und das hieß konkret: kein Spaß mehr am Lernen, sondern eine klare Orientierung auf Effizienz und Stress. Das sei aber gut so, hieß es. Denn nach der Schule gehe es genau so weiter. Da sei es gut, wenn die SchülerInnen sich möglichst früh dran gewöhnten.

Der Stress hatte auch Auswirkungen auf das Verhältnis der SchülerInnen untereinander. Während vorher noch ein solidarischer Umgang miteinander bestand und man sich mit Informationen und Materialien gegenseitig aushalf, wurden in der Oberstufe alle mehr und mehr zu EinzelkämpferInnen. „Jeder wollte selbst möglichst gut vor den Lehrern da stehen und alle haben nur noch geschaut, wo sie selbst bleiben“. Für Julia selbst bestanden die letzten Schuljahre fast ausschließlich aus Pauken und Büffeln. Besonders in den Wochen vor dem Abi war für kaum etwas Anderes mehr Zeit. Schule und Freizeit standen in einem ständigen Widerspruch zueinander und von Seiten der LehrerInnen wurde den SchülerInnen ständig ein schlechtes Gewissen vermittelt. Wurde man vor lauter Erschöpfung krank, dann wurde man sofort schief angeschaut. Es wurde unterstellt, dass man die Schule schwänzen würde. Auch in diesem Fall konnte man nicht auf Unterstützung hoffen, sondern hatte es noch schwerer, wieder einzusteigen. Um nach dem Abi ihr Wunschstudium beginnen zu können, brauchte Julia einen Notenschnitt von 1,5. Das erhöht den Druck, bei den Prüfungen gut abschneiden zu müssen. Auf der anderen Seite steht immer die Angst, es nicht zu schaffen, keine Zukunftsperspektive zu haben, das Leben nicht hinzubekommen. „Ich habe mir immer wieder überlegt, was passiert, wenn ich den Job später nicht bekomme, wenn ich nicht genug Geld verdienen werde. Man hört ja ständig, dass man studieren soll, weil Ausbildungen immer schlechter angesehen werden“. Diese Gedanken lassen Julia nach wie vor nicht los.

Auf dem Abstellgleis

Solche Zukunftsängste kennt auch Melissa. Seit wenigen Wochen hat sie ihren Realschulabschluss in der Tasche. Der Weg dorthin war alles andere als einfach. Ihre Noten waren nicht so schlecht. Trotzdem wurde ihr in der siebten Klasse nahegelegt, von der Realschule in der baden-württembergischen Kleinstadt Hechingen lieber auf die Hauptschule zu wechseln. Dort sei sie besser aufgehoben. Bis heute weiß sie nicht, warum, denn Unterstützung bekam sie keine, folgte jedoch der Empfehlung. Viele der SchülerInnen in der achten Hauptschulklasse, in die sie wechselte, hatten Probleme zuhause und die Klasse hatte insgesamt einen schlechten Ruf. „Uns wurde ständig gesagt: ‚Aus euch wird sowieso nichts, seid froh wenn ihr überhaupt irgendeine Ausbildung findet. Aber wahrscheinlich bekommt ihr später sowieso alle Hartz IV.‘ Das hat uns noch weniger motiviert“, sagt Melissa.

Nach dem Hauptschulabschluss wechselte sie auf eine Gesamtschule, um dort ihren Realschulabschluss zu machen. Die Klasse hatte einen hohen Anteil an SchülerInnen mit Mitgrationshintergrund. „Die LehrerInnen haben uns ihren Rassismus spüren lassen“. Während sich in den vorherigen Schuljahren niemand darum gekümmert hat, wenn die SchülerInnen schlechte Noten hatten, hieß es im letzten Jahr auf einmal: „Ihr müsst lernen, ihr müsstet das alles schon können, sonst schafft ihr den Abschluss nicht“. Unterstützung haben sie trotzdem nicht bekommen. Teure Nachhilfe außerhalb der Schule konnte sich sowieso niemand leisten. Und so haben Viele aus Melissas Klasse den Realschulabschluss nicht geschafft. „Ich glaube nicht, dass das daran lag, dass die Leute zu dumm sind. Aber uns wurde ja das ganze Jahr gesagt: ‚Ihr schafft es sowieso nicht.‘ Und manche haben es dann wirklich nicht geschafft“.

Angst, nichts zu werden

Druck wurde auch gemacht, wenn es darum ging, wie es nach der Schule weitergehen soll. „Wir hatten ein Fach, da sollten wir Kompetenzen lernen, die man für Bewerbungen und fürs spätere Berufsleben braucht. Dort wurde uns empfohlen, zur Bundeswehr zu gehen, wenn wir sonst nichts finden“. In der Klasse wurde außerdem eine Runde gemacht, in der alle sagen sollten, was sie nach dem Realschulabschluss machen wollen. „Meine Freundin hat gesagt, sie möchte ihr Abitur machen. Unsere Lehrerin hat sie nur ausgelacht und gesagt, dass sie das sowieso nicht schafft“. Melissas Freundin hat sich daraufhin dagegen entschieden, sich auf einer weiterführenden Schule zu bewerben. Und so macht niemand aus Melissas Klasse mit der Schule weiter. Alle haben versucht, Ausbildungsplätze oder Ähnliches zu finden. „Viele haben einfach das Erstbeste genommen. Aus Angst, dass sie sonst nichts fänden. Egal ob der Job zu ihnen passt oder ihnen Spaß macht“, sagt Melissa.

Der immense Druck, den G8 auf SchülerInnen ausübt, steht fast seit Beginn der Reform in der Kritik. Der Widerstand von SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern dagegen wurde vielerorts so groß, dass die Tendenz inzwischen in vielen Bundesländern wieder zurück zu G9 geht. Der Leistungs- und Konkurrenzdruck für die SchülerInnen, egal welcher Schulart, wird bleiben. Denn die Tendenz bleibt, Schulen wie kleine Betriebe zu organisieren, um den Anforderungen des Kapitals nach entsprechenden Arbeitskräften gerecht zu werden.

Roxy, Tübingen

*Franka heißt eigentlich anders. Ihr echter Name ist der Redaktion bekannt

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27. Juli 2017

POSITION

Lebenslanges Umtauschrecht auch für Mitarbeiter? © IKEA Deutschland/André Grohe

Unter dem Slogan  „Du ver.dienst mehr!“ kämpfen im Rahmen der Tarifrunde Handel die Beschäftigten im Einzelhandel um bessere Arbeitsbedingungen. Von der aktuellen Tarifrunde sind in Niedersachsen 310.000 und in Bremen 30.000 Beschäftigte betroffen.

Wir haben uns mit Stephanie unterhalten. Sie arbeitet bei IKEA in Bremen.

POSITION: Was sind denn die Forderungen, um die es aktuell geht? 

Stephanie: „In der aktuellen Tarifrunde geht es vor allem um Löhne und später auch Renten, die zum Leben reichen. Das bedeutet, wir kämpfen um ein Mindesteinkommen von 1900 Euro brutto.  Außerdem soll über die Allgemeinverbindlichkeit des Tarifvertrages für flächendeckende Tariflöhne in der Branche verhandelt werden. Das aber lehnt die Arbeitergeberseite strikt ab. Überhaupt war deren Angebot nur ein schlechter Scherz. Ginge es nach denen, dann würden wir mit zwei Nullrunden beim Gehalt einsteigen und hätten dann eine mickrige Erhöhung um 1,5%. Das gleicht noch nicht einmal die Preissteigerungen aus. Die erste Verhandlungsrunde verlief deshalb auch ergebnislos. Bis zur zweiten Runde soll es inner- und außerbetriebliche Aktionen geben, um den Druck zu erhöhen.

Wie ist die Situation bei dir im Betrieb?

Stephanie: IKEA setzt ja ganz klassisch auf das Prinzip „Wir sind alle eine große Betriebsfamilie, die Geschäftsleitung und wir Beschäftigten sind ein Team“.  Das verfängt durchaus. Alle sprechen sich beim Vornamen an, zum Wohle des Unternehmens und der Kundenzufriedenheit. Außerdem wurde gerade der bisherige Personaldienstleister durch einen anderen ersetzt, der weniger zahlt und noch flexibler ist. Auch allgemein wird in mehreren Bereichen verstärkt auf Flexibilisierung gesetzt. Ein neues Konzept sieht vor, dass Mitarbeiter ganz nach Bedarf von einer Abteilung in eine andere verschoben werden können. Ein Modellversuch dazu läuft aktuell z.B. in Bremerhaven. Und all das geschieht vor dem Hintergrund von Rekordumsatzzahlen aus dem Geschäftsjahr 15/16. Ich bin deshalb sehr auf den Verlauf der Tarifrunde gespannt.

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Entlastung JETZT!

 

25. Juli 2017

SDAJ

© M.Dörr & M.Frommherz, AdobeStock

Mindestens 72.000 Pflegekräfte fehlen. Das ist nicht nur eine Zahl, das bedeutet konkret, dass die Arbeit dieser 72.000 fehlenden Pflegekräfte jeden Tag von den PflegerInnen zusätzlich gemacht werden muss. Sie müssen doppelt arbeiten, Überstunden machen, auf Pausen verzichten, haben keine Zeit mehr, um Patienten auch nach ihren Bedürfnissen zu pflegen, es fehlt selbst die Zeit, sich die Hände zu waschen. Werden sie deshalb besser entlohnt, weil sie mehr Arbeit leisten? Nein. Im Gegenteil: Bei dieser Überlastung machen sie auch immer wieder Fehler, die sie anschließend selbst ausbaden müssen. Damit muss Schluss sein!

Warum Überlastung?

Warum gibt es nicht ausreichend Pflegepersonal? Warum wird nicht mehr eingestellt? Die Arbeitgeber haben zwei Argumente: 1. Die kosten uns zu viel. 2. Es gibt kein Fachpersonal. 19 Milliarden Euro Haushaltsüberschuss gab es allein 2016. Davon wäre zusätzliches Personal sofort bezahlbar. Aber: Durch Schäubles „Schwarze Null“ und Einsparungen bei den Kommunen fehlt das Geld im Gesundheitsbereich. Dieser wird – wie so vieles im Kapitalismus – zur Ware: Längst gibt es kaum einen Unterschied zwischen privaten und öffentlichen Trägern, der Leistungsdruck und die Sparmaßnahmen sind dieselben. Durch die DRG-Fallpauschalen wird jeder Behandlungsschritt pauschalisiert und in der Regel zu gering vergütet. Damit wird jede individuelle Pflege zum finanziellen Risiko.  In vielen Regionen ist daher die medizinische Versorgung nicht mehr gewährleistet. Deshalb müssen die DIGs beseitigt werden. Sie dienen nur den Interessen der Banken und Konzerne.

Warum das Ganze?

Krankenkassen verdienen sich Milliarden daran, dass Menschen krank sind. Pharmakonzerne verdienen an teuren Medikamenten, Großkonzerne wie Siemens verkaufen ihre Medizintechnik. All diese Profite müssen bezahlt werden. Die PflegerInnen und die Patienten sind die Leidtragenden. Sie müssen kostengünstig Menschen pflegen, die mit ihren Krankenversicherungsbeiträgen die Profite der Konzerne bezahlen müssen. Wenn an ihnen gespart wird, wenn sie doppelt und dreifach arbeiten, steigen die Profite der Konzerne. Ausreichendes Fachpersonal würde es vor allem dann geben, wenn die Bedingungen in der Pflege verbessert werden würden. Wenn die Berufe besser bezahlt werden, wenn die Arbeit nicht körperlich wie psychisch weiterhin so anstrengend wäre, wenn die Ausbildung besser wäre.

Was also tun?

Das Pflegepersonal darf nicht zwischen den Interessen der Patienten und den Profitinteressen der Konzerne aufgerieben werden. Wir müssen gemeinsam für die eigenen Interessen kämpfen. Streik in der Pflege ist möglich und notwendig. Die Beschäftigten an der Berliner Charité haben gezeigt: Widerstand hilft! Diskutiert mit euren Kolleginnen und Kollegen, dass es so nicht weitergehen kann!

Wir stehen solidarisch an eurer Seite und fordern:

  • 72.000 zusätzliche Pflegekräfte ausbilden und einstellen!
  • Aufwertung der Pflegeberufe: Mehr Geld, kürzere Arbeitszeit, bessere Ausbildung!
  • verbindlicher Personalschlüssel für alle Pflegeeinrichtungen!
  • Schluss mir dem DIG System

 4 Schritte für einen Pflegestreik:

Wie kann ich mich wehren?
Der erste Schritt ist immer: Sprich mit deinen Kolleginnen und Kollegen! Geht es ihnen genauso? Wollt ihr gemeinsam euch gegen diese Bedingungen wehren?
Veränderung beginnt in dem Moment, in dem ihr euch nicht mehr alles gefallen lasst.
Die nächsten Schritte sind:
  1. Entscheidet als Team: nicht mehr einspringen!
  2. Füllt eine Überlastungsanzeige aus, damit ihr keine Konsequenzen aus Fehlern fürchten müsst
  3. Reduziert gemeinsam die Arbeit auf ein Mindesmaß (Nur absolut notwendiges, keine Verwaltungsaufgaben)
  4. Erklärt den Patienten und Angehörigen, warum ihr unter diesen Bedingungen nur eine Minimalversorgung sicherstellen könnt.
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Outing-Aktion zu den miesen Ausbildungsbedingungen bei Norma, August 2014

Outing-Aktion zu den miesen Ausbildungsbedingungen bei Norma

Wir sind Schülerinnen und Schüler, Azubis und Studierende, junge Arbeiterinnen und Arbeiter und organisieren uns in der SDAJ, der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend. Unser Ziel? Eine Welt ohne Ausbeutung, Armut und Kriege. Eine Welt, in der wir uns keine Sorgen mehr darum machen müssen, woher wir das Geld für Nachhilfe nehmen sollen, ob wir eine Ausbildung bekommen oder wie wir unsere Miete bezahlen sollen. Eine Welt, in der unser Leben zählt und nicht die Profite der Reichen.
Warum „sozialistisch“? Weil wir meinen, dass der Kapitalismus – also die Gesellschaft in der wir leben – überwunden werden muss, um diese Ziele zu erreichen. Auf den Bruch mit dem Kapitalismus folgt eine sozialistische Gesellschaft, in deren Mittelpunkt die Interessen der Menschen stehen, die darin leben.
Warum „deutsch“? Herkunft und Pass spielen bei uns keine Rolle. Was uns vereint, ist die Überzeugung, dass wir uns zunächst gegen den Kapitalismus in dem Land stellen müssen, in dem wir Leben: in Deutschland.
Warum „Arbeiterjugend“? Weil wir meinen, dass diejenigen, die arbeiten in der Gesellschaft das Sagen haben sollten und nicht diejenigen, die von der Ausbeutung anderer Leben. Zur Arbeiterjugend zählen wir jedoch nicht nur diejenigen, die schon heute arbeiten, sondern auch diejenigen, die in Zukunft arbeiten werden. Also auch Schülerinnen und Schüler, Auszubildende oder Studierende.
Wir sagen: Wenn Du etwas verändern willst, musst Du etwas dafür tun. Wenn Du nur allein kämpfst, oder nur bei spontanen Aktionen dabei bist, wirst Du auf Dauer nicht viel gegen die Mächtigsten und Reichsten ausrichten können – das ist klar! Deshalb ist es wichtig, dass wir uns organisieren, um gemeinsam und solidarisch zu handeln. Wir haben uns in der ganzen BRD in der SDAJ zusammengeschlossen, weil wir nicht allein, sondern nur gemeinsam unser Ziel erreichen werden: Mit einer klaren antikapitalistischen und revolutionären Organisation.

Hier findest Du unsere programmatische Grundlage, das „Zukunftspapier“ und hier unsere Satzung.

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Wo beginnt Veränderung?

 

13. Juli 2017

SDAJ

Weshalb Widerstand so wichtig ist

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Bildungsstreik

2008-2010 gingen regelmäßig hunderttausende von Schülerinnen und Schülern sowie Studierende im Rahmen der bundesweiten Bildungsstreikbewegung auf die Straße. Ihren Höhepunkt hatten die Proteste am 17. Juni 2009, als an einem Tag mindestens 270.000 Protestierende streikten. Gekämpft wurde für kostenfreie Bildung, die Abschaffung von Bildungsgebühren , gegen eine gymnasiale Schulzeitverkürzung in Form des G8 sowie generell gegen die Aufteilung der Schulen in Gymnasien auf der einen und Haupt-und Realschulen auf der anderen Seite. Vorbereitet wurden die Proteste, die unterschiedliche Formen, von Großdemonstrationen bis hin zu längerfristigen Schul- und Universitätsbesetzungen annahmen, durch regionale Bildungsstreikbündnisse, die sich im zunehmende Verlauf immer stärker bundesweit vernetzten. In einem Halbjahres-Rhythmus wurden so zu festgelegten Aktionstagen die vom Geldmangel und der sozialen Selektion im Bildungswesen Betroffenen mobilisiert. Einen direkten Einfluss hatten die Proteste auf das erfolgreich durchgeführte Volksbegehren zur Abschaffung der Studiengebühren in Bayern, die Abschaffung des Büchergeldes, sowie die Nicht-Einführung oder Rücknahme des 8-jährigen Gymnasiums in einige Bundesländern, sowie auf die Abschaffung der Kopfnoten in NRW…

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Dass die Welt, so, wie sie gerade ist, nicht bleiben kann, leuchtet den meisten Menschen ein, wenn man sich mit ihnen in der Schule, auf der Straße, an der Uni oder in der Arbeit unterhält. Aktive Verteidiger dieser kapitalistischen Gesellschaft als die beste aller Welten finden sich eher selten – vor allem, wenn die Sprache auf die ganz konkreten Lebensumstände der Menschen kommt. An dem sich immer weiter verstärkenden Leistungsdruck in der Schule, an der sozialen Selektion im Bildungswesen, die zur Folge hat, dass Kinder aus ärmeren Familien in der Summe auch schlechtere Bildungsababschlüsse haben oder auch an den immer krasser werdenden Arbeitsbedingungen in vielen Berufszweigen lässt sich auch wenig beschönigen. Und dennoch geschieht wenig an konkreter Gegenwehr, oder wird zumindest selten wahrgenommen und noch seltener in einem gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang thematisiert. Dabei hat genau das Methode.

Ohnmacht mit System

Eine der größten Hürden sich heutzutage zu engagieren ist nicht unbedingt die Angst vor Repression oder direkten negativen Konsequenzen, wobei es das natürlich auch gibt. Doch oft lähmt bereits das Gefühl, an den herrschenden Zuständen alleine ohnehin nichts verändern zu können. Die Welt wird zwar als schlecht, hart und ungerecht wahrgenommen, doch statt aktivem Widerstand suchen viele Menschen lieber nach individuellen Lösungs- und Lebensmodellen. Das erscheint wohl sinnvoller, als den Kampf gegen Windmühlen in einem System zu führen, in dem die Trumpfkarten ganz offensichtlich sehr ungerecht verteilt und die realen Einflussmöglichkeiten auf den politischen Alltagsbetrieb sehr begrenzt sind.

Oftmals wird sich in Folge dessen mit dem realen Gefühl der Ohnmacht gegenüber den eigenen Lebens-, Lern- und Arbeitsbedingungen abgefunden und arrangiert. Dies geschieht aus dem Gefühl heraus, dass ganz Andere als man selbst über die wichtigsten Bereiche im eigenen Leben zu bestimmen haben, seien es nun der Chef, der Ausbilder oder die Lehrer.

Doch genau diese Logik gilt es zu durchbrechen, wenn sich an den Bedingungen, die maßgeblich unser eigenes Leben prägen, etwas verändern soll. Viele Kämpfe werden aus genau diesem Grund auch kleingeredet, totgeschwiegen oder als „permanenter Streikterror“ verunglimpft. Denn es gibt viele Menschen, die sich tagtäglich gegen die für sie ungerechten Zustände auflehnen, auch wenn das im Zweifelsfall bei sehr kleinen Entscheidungen beginnt: soll ich die länger gearbeiteten 60 Minuten als Überstunde aufschreiben, oder nicht? Ist es in Ordnung, von meinem eigenen Geld den Firmenwagen aufzutanken? Muss ich mir von meinem mickrigen Ausbildungsgehalt wirklich selbst meine Arbeitsklamotten kaufen? Ist es eigentlich korrekt, wenn das Direktorat unsere Schülerzeitung vor dem Druck lesen will und bestimmte Artikel zensiert?

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Streikjahr 2015Plötzlich machten Begriffe wie „Streikrepublik“ und „Streikland Deutschland“ die Runde. Die Post, die Bahn, die Erzieherinnen – das sind die großen Streiks, die aus dem Jahr 2015 im Gedächtnis bleiben. Doch daneben gab es noch jede Menge kleinere Kämpfe um (Haus)-Tarifverträge und bessere Arbeitsbedingungen. In insgesamt 214 Streiks wurde 2015 die Arbeit niedergelegt. Jeder dieser Kämpfe steht dafür, dass die Betroffenen sich organisierten und gemeinsam für Verbesserungen eingetreten sind. Dabei lag die reine Anzahl der Streiktage mit 430.000 zwar unter denen der großen IGM-Tarifkämpfe aus den siebziger, achtziger und Anfang der neunziger Jahren. Aber der Charakter der Streiks hat sich verändert. Notgedrungen sind es in immer mehr Betrieben keine einfachen Streikrituale, sondern knallharte Auseinandersetzungen um Grundrechte, gegen schlechtere Lohnniveaus oder allgemein gegen völlige Überlastung wie bei den Erzieherinnen oder aktuell in der Pflege, weswegen gestreikt wird. Diese Streikauseinandersetzungen sind oft wesentlich härter und mühsamer, sie zeigen aber vor allem: es ist möglich, sich zur Wehr zu setzen.

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Jeder, der sich schon mal mit solchen oder ähnlichen Fragen konfrontiert sah hat festgestellt: sich alleine aufzulehnen oder nein zu sagen, mag zwar richtig sein, ist aber oftmals auch alles andere als angenehm. Deshalb macht es Sinn, derartige Fragen nicht nur für sich allein zu stellen, sondern mit Anderen zusammen. So können aus Fragen Auseinandersetzungen und aus Kämpfen Veränderungen werden. Dass diese Kämpfe oftmals ihre Schwächen haben, dass es Rückschläge geben wird, ist klar. Aber nur, indem man sie führt, und zwar am besten nicht alleine, lernt man, es das nächste mal besser zu machen. Und motiviert im besten Fall auch Andere zum Mit-und Nachmachen.

Tatjana, Rostock

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Nicht unser Gipfel!

3. Juli 2017

SDAJ

Über 65 Millionen Menschen sind Weltweit auf der Flucht. In einem Jahr sind mehr als 3800 Geflüchtete im Mittelmeer ertrunken. 470.000 Menschen starben allein im Syrienkrieg. 1,4 Milliarden Menschen leben in extremer Armut. Die 62 reichsten Menschen der Welt besitzen so viel wie die ärmste Hälfte der Weltbevölkerung. Volkswagen machte allein im Jahr 2016 einen Gewinn von 7,6 Milliarden Euro.

Krieg, Terror, Armut, Umweltzerstörung nehmen immer mehr zu. Dies geschieht seit eh und je unter der Verwaltung der mächtigsten Staaten der Welt, die im Profitinteresse der bedeutendsten Unternehmen der Welt handeln. Massenmord durch Krieg und Terror, sowie Umweltzerstörung und Armut werden nicht nur für Rohstoffquellen und Absatzmärkte der Monopolkonzerne in Kauf genommen, sie sind ein unvermeidbares Resultat des kapitalistischen Systems.

Das Gipfeltreffen der G20 ist das Zusammenkommen der mächtigsten Länder der Welt, um das herrschende Elend weiter zu verwalten und voranzutreiben. Dass wir kein Interesse an der Politik der G20 Staaten haben, ist ihnen lange bekannt. Darum lassen sie sich von 20.000 Polizisten, Wasserwerfern, Hubschraubern, und Räumfahrtzeugen beschützen. Hunderte von Millionen Euro werden für den Schutz und für die Sicherheit der Kriegs- und Kriesenverwalter verschwendet. Hunderte von Millionen Euro, die wir gut für sanierungsbedürftige Schulen, für kostenlose Bildung und für mehr Personal im Gesundheitswesen gebrauchen können.

Mit dem Wissen, dass wir kein Interesse an ihrer Politik haben, provoziert uns der deutsche Staat mit einem Gipfel mitten in Hamburg. Mit dem Wissen, dass wir uns dagegen wehren werden, schränkt die Polizei unsere Versammlungsfreiheit in Hamburg ein. Mit dem Wissen, dass es unser Geld ist, das wir für ein gutes Leben benötigen, planen die G20 wie die Welt noch besser im Interesse der Banken und Konzerne aufgeteilt werden kann.
Der heutige Tag zeigt, dass wir uns nicht durch Versuche den Bahnverkehr einzuschränken, durch Benennung von Gefahrenviertel, durch Festlegung dreier Sicherheitszonen, oder von Repression und Bespitzelung im Vorfelde abschrecken lassen. Die Reaktion des deutschen Staates auf unsere Aktivität zeigt, dass wir alles richtig machen!

Wir sagen NEIN zu Ausbeutung und Armut.

Wir sagen NEIN zu Umweltzerstörung und Krieg.

Wir sagen NEIN zur Durchführung des G20 Gipfels in Hamburg.

Wir kämpfen für eine Welt, in der die Interessen der Bevölkerung im Vordergrund stehen.

Für eine Welt, in der kein Krieg für die Profite der Banken und Konzerne notwendig ist.

Für eine Welt, in der nicht die Reichen über die Armen das Sagen haben.

 

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22. Juni 2017

SDAJ

Bei der Tarifauseinandersetzung in der Systemgastronomie geht es ums Mindeste.

POSITION hat mit Lisa aus Kiel gesprochen. Lisa ist 24 Jahre alt und studiert Politikwissenschaft an der Uni Kiel. Seit 2014 arbeitet sie als Werkstudentin bei McDonald’s und kämpft seit 2015 als aktive, ehrenamtliche Gewerkschafterin für eine Verbesserung der Situation der Beschäftigten bei McDonald’s. Seit Oktober 2016 ist sie Mitglied der Tarifkommission der Systemgastronomie und außerdem im DGB-Vorstand der Region Kiel für die NGG und im NGG-Vorstand der Region SH-Nord.

POSITION: Seit Oktober 2016 laufen die Tarifverhandlungen für die Systemgastronomie, bisher kam es nicht zu einem Abschluss. Worum geht es in dieser Tarifrunde, wofür kämpft ihr?

Lisa: Die Unternehmen des Bundesverbands der Systemgastronomie e.V. (BdS) machen nach eigener Angabe einen jährlichen Umsatz von 5 Milliarden Euro. Davon bekommen die ca. 100.000 Beschäftigten nichts zu spüren: Niedriglöhne und knappe Personalbemessung sind Normalzustand bei McDonalds, BurgerKing und Co. Bisher haben wir sechs erfolglose Verhandlungsrunden geführt. Die Angebote des BdS waren frech: Selbst das letzte Angebot lag in der untersten Tarifgruppe nur um 6 Cent über dem Mindestlohn von 8,84€. Davon kann man nicht leben, denn selbst mit Vollzeitarbeit – und die Wenigsten sind bei uns vollzeitbeschäftigt – erhält man am Ende des Monats nur ca. 1000€. Viele der Beschäftigten haben deshalb noch einen zweiten oder dritten Job und müssen mit HartzIV oder Wohngeld aufstocken.

Was unternehmt ihr, um KollegInnen zu mobilisieren, und wie gehen eure Bosse damit um?

Lisa: Die Mobilisierung fängt im Betrieb selbst an. Der Bereich der schwer organisierbaren Systemgastronomie wurde lange vernachlässigt und viele Beschäftigte haben das Vertrauen in die Gewerkschaften verloren. Daher ist es wichtig, sich gerade den prekär Beschäftigten mehr zu öffnen. Viele der Beschäftigten wissen nicht einmal, dass momentan Tarifverhandlungen stattfinden. Ende März haben wir es dennoch geschafft, den ersten Warnstreik in der Geschichte der Systemgastronomie in Schleswig-Holstein auf die Beine zu stellen. Dabei waren die Beschäftigten starker Repression ausgesetzt. Viele haben sich erst nach Zögern getraut, mit auf die Straße zu kommen. Auch lief der Betrieb normal weiter. Der Chef hatte es sich nicht nehmen lassen, Streikbrecher aus dem Management zu organisieren. Trotzdem hat der Streik etwas in den Menschen bewegt und es gab ein positives, öffentliches Feedback. Wir versuchen jetzt den Druck auf die Arbeitgeber weiter zu erhöhen. Ein klassischer Arbeitskampf ist aufgrund von Repression, schlechtem Informationsstand, breiter Streuung von kleinen Betrieben und verlorenem Vertrauen in Gewerkschaften schwierig. Deshalb ist es wichtig, gesellschaftlichen Druck aufzubauen.

Die Angriffe der Kapitalseite werden nicht aufhören. Wie geht es für euch weiter, wenn die Tarifrunde vorbei ist?

Lisa: 2018 finden die nächsten Betriebsratswahlen statt. Da versuchen wir auch einen Gesamtbetriebsrat zu gründen. Dies gestaltet sich allerdings schwierig, da McDonald’s beispielsweise gezielt „unbequeme“ Stores an Franchise-Partner ausgliedert. Generell ist es jedoch ein Problem des kapitalistischen Systems, was sich hier im Arbeitskampf mit McDonald’s nur besonders deutlich zeigt: Das Geschäftsmodell McDonald’s basiert auf gezielter Ausnutzung von prekären Situationen der Beschäftigten. Das wird sich im Kapitalismus nicht ändern.

Das Interview führte Roxy, Tübingen

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Zeit für Widerstand!

Ein „verfaulende[r] Kapitalismus“ – davon schrieb Lenin 1916 in „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“. Und davon kann sich jeder durch einen flüchtigen Blick selbst in die bürgerlichen Nachrichten zur besten Sendezeit überzeugen. Sämtliche Medien quillen über vor massenhaftem Elend auf der Welt. Und die Münder derer, die die Armut in der BRD mit einem globalen Vergleich stets kleinreden, werden selbst von bürgerlichen Zeitungen gestopft. Dort gibt man zu, was man zugeben muss: Immer mehr Menschen in der BRD sind arm. Dieser Armut gilt unser entschlossenster Widerstand. Denn sie ist Ausdruck der kapitalistischen Lohnsklaverei. Wir kämpfen in Schule, Betrieb und Uni gemeinsam mit Menschen an deren konkreten Interessen und Nöten, hinter denen immer die kapitalistische Verwertungslogik steht. Dabei darf nicht vergessen werden: Mit den Berichten über das ganze imperialistische Chaos in der Welt geht ständig auch eine Verschleierung dessen einher. In keinem bürgerlichen Medium kommt man auf die wirklichen Ursachen für Krieg, Not, Hunger, massenhafte Flucht, massenhafte Krankheit heilbarer Menschen oder die auch hierzulande allgegenwärtige Unterfinanzierung sozialer Bereiche zu sprechen. Auch gegen diese Verschleierung, die Apparate, die sie berteiben, und den ganzen Staat müssen wir Widerstand leisten. Andernfalls werden die Imperialisten nichts von dieser Welt übrig lassen. Ja, der Apfel Kapitalismus ist schon lange faul – aber es ist an uns, ihn endlich vom Baum der Geschichte abzupflücken. Get up, stand up, Zeit für Widerstand! Viel Spaß beim Lesen wünscht

Euer Zeitungskollektiv

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